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Uniformierung & Ausrüstung

Vom bunten zum feldgrauen Rock

Preußen dominierte das Reichsheer nicht nur in organisatorischen und waffentechnischen Fragen, sondern auch in der Bekleidung. Nach der Reichsgründung im Jahre 1871 und der Einverleibung bzw. des Anschlusses der nichtpreußischen militärischen Kontingente begann ein Prozess der Angleichung, der sich auch optisch - in der Uniformierung - auswirkte1. In der Reichsverfassung von 1871 hieß es hierzu im Artikel 63: „Für die Bekleidung sind die Grundfarben und der Schnitt der Königlich Preußischen Armee maßgebend. Dem betreffenden Kontingentsherrn bleibt es überlassen, die äußeren Abzeichen (Kokarden usw.) zu bestimmen“.

Heeressoziologie

Die inneren Strukturen des Reichsheeres

Das Reichsheer war ein soziales Gebilde, wies mithin neben formellen auch informelle Strukturen auf. So gab es mit Blick auf die Wertung der verschiedenen Waffengattungen ein deutliches Gefälle im Prestige. Hierbei nahm die Kavallerie den ersten Platz ein, ihr folgten die Infanterie, die technischen Truppen und ganz zuletzt der Train. Dabei folgte das soziale Ansehen der einzelnen Waffengattungen nicht objektiven Gesichtspunkten und ignorierte die neuen Dimensionen der Technik. Das Ergebnis war die völlige Überbewertung der – vor dem Hintergrund moderner Maschinenwaffen – mittlerweile anachronistisch wirkenden lanzenbewehrten Kavallerie.

Heeressoziologie

Die Stellung des Militärs in der Gesellschaft des deutschen Kaiserreichs

Das Militär hatte im Kaiserreich eine herausragende gesellschaftliche Stellung inne, dessen Angelegenheiten sich weitgehend der politischen Kontrolle entzogen. Der deutsche Kaiser war oberster Kriegsherr des deutschen Heeres und Wilhelm II. (1859-1941) hatte diese Rolle im besonderen Maße verinnerlicht. Der durchaus gesellschaftskritische Schriftsteller Theodor Fontane hat sich einmal (1897) über diesen Monarchen hellsichtig wie folgt geäußert: „Er hat ein Million Soldaten und will auch hundert Panzerschiffe haben – er träumt (und ich will ihm diesen Traum hoch anrechnen) von einer Demütigung Englands. Deutschland soll obenan sein, in all und jedem. Das alles – ob es klug und ausführbar ist, lass ich dahingestellt sein – berührt mich sympathisch und ich wollte ihm auf seinem Turmseilwege willig folgen, wenn ich sähe, dass er … die richtige Balancierstange in Händen hätte. Das hat er aber nicht. Er will, wenn nicht das Unmögliche, so doch Höchstgefährliche, mit falscher Ausrüstung, mit unzureichenden Mitteln. Er glaubt das Neue mit ganz Altem besorgen zu können, er will Modernes aufrichten mit Rumpelkammerwaffen. Er sorgt für neuen Most und weil er den alten Schläuchen nicht mehr trat, umwickelt er eben diese alten Schläuche mit immer dickerem Bindfaden und denkt: nun wird es halten. Es wird aber nicht halten … Was der Kaiser mutmaßlich vorhat, ist mit „Waffen“ überhaupt nicht zu leisten; alle militärischen Anstrengungen kommen mir vor, als ob man anno 1400 alle Kraft darauf gerichtet hätte, die Ritterrüstung kugelsicher zu machen – statt dessen kam man aber schließlich auf den einzig richtigen Ausweg, die Rüstung ganz fortzuwerfen“1.

Organisation

Die Entwicklung und Organisation der einzelnen Waffengattungen des Reichsheeres vor dem (Ersten) Weltkrieg

Seit der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts wurde die Infanterie als die Hauptwaffe angesehen. 1688 umfasste die preußische Armee insgesamt 16 Regimenter zu Fuß, 1713 waren es 20, 1740 zählte man 32 und 1786 bereits 55 Feldregimenter der Infanterie1. Im unheilvollen Jahr 1806 gehörten 60 Infanterie-Regimenter und 24 Füsilier-Bataillone sowie das Feldjäger-Regiment zu Fuß zur altpreußischen Armee2. In der Konfrontation mit den Truppen des jungen französischen Kaiserreichs gingen die meisten dieser Einheiten unter, nur die Regimenter Nr. 2, 8, 11, 14, 16, 42, 52 und 58 überdauerten die Katastrophe als geschlossene Truppenkörper. Die im Grunde vollständige Niederlage der altpreußischen Armee war Anlass für eine - eingebettet in grundlegende politische Umwälzungen - umfassende Heeresreform3. Aus den vorgenannten vor allem ostpreußischen Infanterie-Regimentern und Resten anderer Einheiten entstanden zunächst 4 ostpreußische, 2 westpreußische und 2 pommersche Regimenter, später folgten 2 brandenburgische Infanterie-Regimenter und 1 schlesisches Infanterie-Bataillon. Laut dem französischen Diktat vom 01.01.1809 durfte die preußische Armee nur noch 10 Infanterie-Regimenter mit zusammen maximal 22000 Mann ausschließlich der Garde umfassen. Ungeachtet der teilweisen französischen Besetzung preußischen Staatsgebietes und hoher Reparationszahlungen wurde der Wiederaufbau des Heeres trotz denkbar knappster Mittel vorangetrieben und ermöglichte letztlich den erfolgreichen Befreiungskampf 1813/15 gegen das kaiserliche Frankreich unter Napoleon I. Das Wehrgesetz vom 03.09.1814 stellte in Fortbildung des Entwurfs zur Ausführung der Konskription in den preußischen Staaten vom 05.02.1810 die allgemeine Wehrpflicht aller Staatsangehörigen ab dem 20. Lebensjahr fest und strukturierte die bewaffnete Macht in das stehende Heer, die Landwehr des 1. und 2. Aufgebotes und den Landsturm4. Seit dem 25.03.1815 führten die ehemaligen Reserve-Regimenter Nr. 1 bis 12 die Bezeichnung als Infanterie-Regimenter Nr. 13 bis 24 und bis Ende 1815 zählte die Linien-Infanterie - auch durch Übernahme ehemals schwedisch-pommerscher, nassauischer usw. Truppen – insgesamt 36 Regimenter. 1818 (30.03.) entstanden die Regimenter Nr. 33 bis 36 bzw. 1820 (12.02. bzw. 12.03.) teilweise durch Umwandlung die Regimenter Nr. 33 bis 40 zu je zwei Bataillonen5. Dieser Stand blieb für eine längere Zeit unverändert.