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Das Flandernkorps. Foto-Nachlass.

Das Marinekorps Flandern - oft als Flandernkorps bezeichnet - war ein einzigartiger Großverband der Kaiserlichen Marine im Ersten Weltkrieg, der Land-, See- und Luftstreitkräfte unter einem gemeinsamen Kommando vereinte. Es sicherte von 1914 bis 1918 die belgische Küste, operierte im Ärmelkanal und kämpfte als Infanterie an der Westfront.

Prinz Adalbert von Preußen und der Stab des IV. Matrosen-Regiments. Originale Fotkarte.
Prinz Adalbert von Preußen und der Stab des IV. Matrosen-Regiments. Originale Fotkarte.

1. Aufstellung und Struktur des "Flandernkorps".

Das "Flandernkorps" wurde ursprünglich am 29. 08.1914 als „Mobile Marine-Division“ formiert, am 15. 11.1914 wurde es offiziell zum „Marinekorps“ erhoben.

Der Entschluss, ein Marine-Expeditionskorps zu bilden, soll von dem Großadmiral v. Tirpitz ausgegangen sein (B. v. Hülsen, Das Marinekorps in Flandern 1914 1918. in: Marinerundschau und Nachrichtenblatt der O.B. des M.J.R. 2 und 2. S.B.).

Da die Kaiserliche Marine zu Kriegsbeginn weit mehr Reservisten mobilisierte, als Plätze auf den Kriegsschiffen vorhanden waren, wurden überschüssige Matrosen zu Infanteristen umgeschult.

Befehlshaber war durchgehend Admiral Ludwig von Schröder, der wegen seines energischen Führungsstils auch „Löwe von Flandern“ genannt wurde.

Wachdienst an der Küste. Originale Fotokarte.
Wachdienst an der Küste. Originale Fotokarte.

Das Korps unterstand direkt dem Kaiser und dem Reichsmarineamt, operierte an Land jedoch in Abstimmung mit der OHL (Oberste Heeresleitung).

Das "Flandernkorps" wuchs von anfangs ca. 12.000 Mann auf bis zu 60.000 bis 70.000 Soldaten (verteilt auf drei Marinedivisionen) im Jahr 1917 an.

2. Die drei Säulen des "Flandernkorps".

Das "Flandernkorps" war ein früher Vorläufer moderner, teilstreitkraft-übergreifender Verbände und bestand aus:

Landstreitkräften (Marine-Infanterie):

Drei Marinedivisionen, die primär zur Küstenverteidigung eingesetzt wurden, aber auch reguläre Grabenkämpfe an der Westfront führten.

Sie bauten die belgische Küste zu einer der am stärksten befestigten Stellungen des Ersten Weltkriegs aus („Festung Flandern“).

Angehörige der Marine-Infanterie im Lockstedter Lager. Fotograf: Laukuhn, ebendort. Originale Fotokarte. Datiert: 20.09.1915.
Angehörige der Marine-Infanterie im Lockstedter Lager. Fotograf: Laukuhn, ebendort. Originale Fotokarte. Datiert: 20.09.1915.
Angehörige des Ersatz-Seebataillons Nr. 1. Originale Fotokarte. Fotograf: Willy Feyer/ Wilhelmshaven.
Angehörige des Ersatz-Seebataillons Nr. 1. Originale Fotokarte. Fotograf: Willy Feyer/ Wilhelmshaven.
Offiziere der Marine-Infanterie im Lockstedter Lager. Originale Fotokarte. Fotograf: Vahlendick/ ebendort.
Offiziere der Marine-Infanterie im Lockstedter Lager. Originale Fotokarte. Fotograf: Vahlendick/ ebendort.

Seestreitkräften (Seestreitkräfte Flandern):

Bestehend aus der Zerstörerflottille Flandern sowie den U-Boot-Flottillen Flandern I und II.

Genutzt wurden kleinere, wendige Boote (v. a. UB- und UC-Klasse), die ideal für die flachen Gewässer des Ärmelkanals waren.

Luftstreitkräften (Marine-Flieger):

Umfassten Seeflieger-Abteilungen (Aufklärung und Seenotrettung) und Marine-Jagdstaffeln (Schutz der Stützpunkte und Jagdfliegerei).

Angehöriger einer Marine-Fieger-Abteilung. Originale Fotokarte.
Angehöriger einer Marine-Fieger-Abteilung. Originale Fotokarte.
Deutsches Flugzeug wirf ein Torpedo ab. Originale Fotokarte.
Deutsches Flugzeug wirf ein Torpedo ab. Originale Fotokarte.

3. Ergänzende Informationen zu den Marine-Divisionen.

Die Organisation der Marine-Divisionen im Marinekorps Flandern

war eine militärische Besonderheit.

Obwohl die Soldaten organisatorisch, disziplinarisch und traditionsgemäß zur Kaiserlichen Marine gehörten, wurden die Divisionen strukturell wie Infanterie-Divisionen des preußischen Heeres gegliedert, um flexibel an der Westfront und im Küstenschutz eingesetzt werden zu können.

 Das Korps umfasste ab Ende 1914 zwei und ab Sommer 1917 schließlich drei Marine-Divisionen.

Zur grundlegenden Zusammensetzung der Truppen:

Bevor man die Gliederung betrachtet, muss man verstehen, aus welchen drei Personalgruppen sich die Divisionen zusammensetzten:

Seebataillone: Ursprünglich die reguläre, stehende Marine-Infanterie der Kaiserlichen Marine für den Übersee-Einsatz (z. B. in Tsingtau).

1914 gab es drei Seebataillone, und zwar:

I. Seebataillon mit 4 Kompanien,1 Festungstelegraphenzug und 1 Maschinengewehrzug in Kiel,

II. Seebataillon mit 4 Kompanien,1 Festungstelegraphenzug und 1 Maschinengewehrzug in Wilhelmshaven und

III. Stamm-Seebataillon mit 2 Komapnien und einer Stammbatterie i Cuxhaven.

Das III. See-Bataillon gehörte zum ostasiatischen Marinedetachement (in Tsingtau).

Die Inspektion der Marineinfanterie war in Kiel. Inspekteur war 1914 Oberst v. Wichmann.

Die Seebataillone bildeten den hochprofessionellen Kern des "Flandernkorps".

Seesoldat aus einem Seebataillon in feldgrauer Montur mit dem Tschako im Überzug. Originale Fotokarte.
Seesoldat aus einem Seebataillon in feldgrauer Montur mit dem Tschako im Überzug. Originale Fotokarte.

Zur grundlegenden Zusammensetzung der Truppen. Fortsetzung.

Über die Phase der Mobilmachung ist bei: Theodor Kinder (Hrgb.), Das Marine-Infanterie-Regiment 1 - 1914 - 1918, Kiel 1933, S. 10 ff. das Nachfolgende im Stil der Zeit zu lesen:

"In der Kaserne in Gaardenherrschte unterdessen reges Leben und Treiben. Seesoldaten der Reserve und Seewehr trafen ein, aus Nord und Süd, aus Ost und West, junge und alte, Kämpfer aus China, Südwest- und Ostafrika. Überall lautes Hallo, wenn sich zwei alte Bekannte wiedertrafen, die , aktiv zusammen gedient, sich nun nach Jahren zum ersten Mal wiedersahen. Die Kaserne füllte sich . Stuben und Gänge, Hof und Exerzierschuppen belebten sich von geschäftigem Treiben. Obwohl all die alten und jungen Seesoldaten aus Beruf und Familie herausgerissen waren, herrschte doch überall gute Stimmung, und kerniger Soldatenhumor ließ keine trüben Gedanken aufkommen. Am lebhaftesten aber ging es in der nach Leder und Kampfer riechenden Kammer hoch oben unter dem Dach zu. Hier drängten sich die Krieger, um sich ihre Sachen zu "verpassen". Aber jetzt gab es nicht wie damals als sie als junge Rekruten hier standen, "sechstes", sondern "erstes Päckchen". Und der geschäftige Kammerunteroffizier und seine Gehilfen warfen den Kriegern die "Klamotten" im hohen Bogen zu. Aber nicht alle fanden passende Waffenröcke oder Hosen. Viele hatten sich während ihres zivilen Daseins ein staatliches Bäuchlein zugelegt, dass sich in keine der kaiserlichen Garnituren hineinzwängen lassen wollte. Viele Herrschaften mussten zunächst noch in Ziviljacken mit aufgenähten Achselklappen, in Litewken, Drillichröcken oder abgeschnittenen Mänteln einherwandeln. Dafür hatten sie aber später den Vorzug, eine Uniform "nach Maß" zu bekommen, nachdem sie allerdings das Allerüberflüssigste ihres bürgerlichen Fettes auf Märchen und Felddienstübungen, beim "Kuhfußschwingen" und Schanzen hatten abschwitzen dürfen.

Zwei Bataillone wurden neu aufgestellt und erhielten die Bezeichnung V. und VIII. Seebataillon. Das I. Seebataillon stand unter Führung seines Friedenskommandeurs Oberst Lessing, das V. Seebataillon unter Major v. Hirschfeld, das VIII. Seebataillon unter Oberstleutnant v. Obstfelder".

Marine-Infanterie teilweise noch in Friedensmontur bei der Ausbildung am MG in der heimatlichen Garnison. Originale Fotokarte. Datiert: 20.09.1917.
Marine-Infanterie teilweise noch in Friedensmontur bei der Ausbildung am MG in der heimatlichen Garnison. Originale Fotokarte. Datiert: 20.09.1917.
Seesoldaten mit Maschinengewehren im Gelände auf einem Truppenübungsplatz in der Heimat. Fotograf: Wahrmann/ Lockstedter Lager.
Seesoldaten mit Maschinengewehren im Gelände auf einem Truppenübungsplatz in der Heimat. Fotograf: Wahrmann/ Lockstedter Lager.

Marinereservisten:

Hierbei handelte es sich um einberufene Matrosen, Wehrpflichtige und Reservisten aus den Küstenstädten, für die es mangels einsatzbereiter Kriegsschiffe keine Verwendung auf See gab.

Sie erhielten eine beschleunigte infanteristische Ausbildung und stellten die meisten Angehörigen des Flandernkorps.

Marineartilleristen:

waren Spezialisten für schwere Schiffs- und Festungsgeschütze, die für die zahlreichen Küstenbatterien zuständig waren.

Schweres Geschütz einer Küstenbatterie der Marine. Originale Fotokarte. Vor 1914.
Schweres Geschütz einer Küstenbatterie der Marine. Originale Fotokarte. Vor 1914.
Artilleristen der Marine-Artillerie in feldgrauer Litewka. Originale Fotokarte aus dem Jahr 1916.
Artilleristen der Marine-Artillerie in feldgrauer Litewka. Originale Fotokarte aus dem Jahr 1916.
Angehörige einer Batterie der Marine-Artillerie. Originale Fotokarte.
Angehörige einer Batterie der Marine-Artillerie. Originale Fotokarte.
Marineartilleristen in der blauen Jacke mit Pistole 08 und Entersäbel. Originale Fotokarte aus November 1915.
Marineartilleristen in der blauen Jacke mit Pistole 08 und Entersäbel. Originale Fotokarte aus November 1915.
Matrose der Marine-Artillerie in feldgrauer Litewka und feldgrauem Krätzchen. Originale Fotokarte.
Matrose der Marine-Artillerie in feldgrauer Litewka und feldgrauem Krätzchen. Originale Fotokarte.

Die Marine-Divisonen.

"Die ... Seebataillone waren jeweils knapp 3000 bis 5000 Mann stark. Einerseits gab es zwei Marine-Infanterie-Regimenter, die eine Art Elitetruppe darstellten, andererseits umfassten sie normale Matrosenregimenter, die aus Reservisten bestanden und dementsprechend weniger gut trainiert waren. Die meisten von ihnen hatten übrigens noch nie auf dem Festland gedient und waren im Grunde richtige Seemänner. Daneben gab es noch die Matrosen-Artilleriebrigade mit zwei Regimentern, die ihre Nützlichkeit an der flämischen Küste beim Ausbau der Batterien unter Beweis stellen sollten und die im übrigen vielfach mit Schiffskanonen bewaffnet waren. Die Gesamtstärke betrug rund 20000 Mann" (Johan Ryheul, Marinekorps Flandern 1918 - 1918, Hamburg - Berlin - Bonn 1997, S. 21).

Eine Marine-Division war standardmäßig in Brigaden unterteilt, die sich wiederum in Regimenter und Bataillone aufsplitteten.

Exerzierende Matrosen. Originale Fotokarte. Um 1915.
Exerzierende Matrosen. Originale Fotokarte. Um 1915.
Vorbeimarsch von Matrosen. Undatierte Fotokarte.
Vorbeimarsch von Matrosen. Undatierte Fotokarte.

Verwendung der verschiedenen zum Flandernkorps gehörigen Truppen.

1. Infanterie-Komponente (Der Grabenkampf)

Marine-Infanterie-Brigade / Marine-Brigade: beinhaltete die infanteristischen Kräfte.

Matrosen-Regimenter 1, 2 und 3: (später Marine-Infanterie-Regimenter).

Jedes Regiment bestand aus drei Bataillonen.

Jedes Bataillon war wiederum mit eigenen Maschinengewehr-Kompanien (MG-Kompanien) ausgestattet, um die enorme Feuerkraft im Stellungskrieg zu gewährleisten

Matrose bei der infanteristischen Ausbildung im Lockstedter Lager (Truppenübungsplatz). Originale Fotokarte aus dem Jahr 1916.
Matrose bei der infanteristischen Ausbildung im Lockstedter Lager (Truppenübungsplatz). Originale Fotokarte aus dem Jahr 1916.

2. Artillerie-Komponente (Der Küsten- und Fernschutz)

Matrosen-Artillerie-Regimenter: Diese Einheiten waren einzigartig. Sie bedienten sowohl die mobile Feldartillerie im Hinterland als auch die gigantischen, ortsfesten Küstenbatterien an der Nordsee, die mit Schiffsgeschützen bestückt waren (z.B. zur Abwehr britischer Kriegsschiffe).

Erinnerungsfoto an die Ausbildung als Marine-Artillerist in Cuxhaven. Originale Fotokarte. Um 1914/15.
Erinnerungsfoto an die Ausbildung als Marine-Artillerist in Cuxhaven. Originale Fotokarte. Um 1914/15.

3. Unterstützungs- und Divisionstruppen

Jede Division war autark kampffähig und verfügte über eigene Spezialkräfte:

Marine-Pionier-Bataillone: Verantwortlich für den extrem aufwändigen Bau von Bunkern, Laufgräben und den Betonstellungen der "Festung Flandern".

Minenwerfer-Kompanien: Zur direkten taktischen Unterstützung der Infanterie.

Divisions-Nachrichten-Abteilungen: Zuständig für Telefonie, Brieftauben und Signalwesen zwischen vorderster Front und den Gefechtsständen.

Kavallerie-Eskadrons: Meist vom Heer zugeteilte Kavallerie-Einheiten für Meldereiterdienste und Aufklärung im rückwärtigen Raum.

Kapelle der Marine-Infanterie und das Gewehr präsentierende Matrosen. Undatierte originale Fotokarte.
Kapelle der Marine-Infanterie und das Gewehr präsentierende Matrosen. Undatierte originale Fotokarte.
Herzog Ernst Günther von Schleswig-Holstein besichtigt das III. Bataillon des I. Marine-Infanterie-Regiments in Ostende. Originale Fotokarte.
Herzog Ernst Günther von Schleswig-Holstein besichtigt das III. Bataillon des I. Marine-Infanterie-Regiments in Ostende. Originale Fotokarte.
Kaiser Wilhelm II. besichtigt das 4. Matrosen-Infanterie-Regiment. Originale Fotokarte.
Kaiser Wilhelm II. besichtigt das 4. Matrosen-Infanterie-Regiment. Originale Fotokarte.

Die Entwicklung im Laufe des Krieges:

1914:

Die Mobile Marine-Division startete mit nur zwei Brigaden.

Die Soldaten trugen oft noch ihre dunkelblauen Marineuniformen, was sie im Feldheer zu einem leichten Ziel machte.

1915–1916:

Die Uniformierung wurde auf das feldgraue Heeressystem umgestellt (oft kenntlich an besonderen Ärmelstreifen oder Marine-Knöpfen).

Die Struktur wurde exakt an die verkleinerten, aber feuerstärkeren "Divisionen neuer Art" des Heeres angepasst (Abgänge von 4-Regimenter-Strukturen hin zu flexibleren 3-Regimenter-Strukturen).

1917:

Mit der Aufstellung der 3. Marine-Division wurde die Frontabdeckung optimiert. Während zwei Divisionen die extrem gefährdete Küstenlinie sowie die Yser-Front hielten, konnte eine Division als operative Reserve aus der Front gezogen, aufgefrischt oder an Brennpunkten der Westfront (wie der Schlacht an der Somme) eingesetzt werden.

Angehörige des II. Matrosen-Regiments. Originale Fotokarte. Datiert: 07.02.1915.
Angehörige des II. Matrosen-Regiments. Originale Fotokarte. Datiert: 07.02.1915.
Angehörige der bzw. einer Matrosen-Division. Originale Ansichtskarte. Datiert: 16.06.1916. Fotograf: Atelier Viktoria in Kiel.
Angehörige der bzw. einer Matrosen-Division. Originale Ansichtskarte. Datiert: 16.06.1916. Fotograf: Atelier Viktoria in Kiel.
Angehörige einer Matrosen-Division. Originale Fotokarte.
Angehörige einer Matrosen-Division. Originale Fotokarte.
Angehörige eines Matrosen-Regiments. Originale Fotokarte. Datiert: 17.04.1916.
Angehörige eines Matrosen-Regiments. Originale Fotokarte. Datiert: 17.04.1916.
Radfahrer-Abteilung der II. Matrosen-Division im März des Jahres 1917. Originale Fotokarte.
Radfahrer-Abteilung der II. Matrosen-Division im März des Jahres 1917. Originale Fotokarte.

Die Torpedoboote des Marinekorps Flandern .

Die Organisation der Torpedoboote war in zwei Hauptverbände unterteilt, die sich strukturell nach dem Alter und der Größe der Boote richteten:

Die Flottille war in zwei feste Untereinheiten gegliedert:

1. Torpedoboot-Halbflottille Flandern (zeitweise unter Kapitänleutnant Hermann Densch)

2. Torpedoboot-Halbflottille Flandern (zeitweise unter Kapitänleutnant Günther Lütjens, dem späteren Admiral des Zweiten Weltkriegs).

Aufgaben: Küstenschutz, Geleitsicherung von Minensuchern, Abwehr britischer Angriffe auf die Küste und Rettung abgestürzter Seeflieger.

Torpedoboot in Hafen einfahrend. Originale Fotokarte.
Torpedoboot in Hafen einfahrend. Originale Fotokarte.

Die Torpedoboote des Marinekorps Flandern .

2. Die Zerstörer-Flottille Flandern

Da die kleinen A-Boote für offensive Operationen im Ärmelkanal gegen die schwer bewaffnete britische Dover Patrol zu schwach waren, verlegte die Marineleitung ab Februar 1916 größere, hochseetaugliche Torpedoboote (die in Deutschland als „Große Torpedoboote“ gebaut wurden, operativ aber als Zerstörer fungierten) nach Flandern

Führung: Aufgestellt unter dem Befehl von Korvettenkapitän Paul Cleve (mit Booten wie V 47, V 67 und V 68).

Auch dieser Verband teilte sich im Laufe des Krieges in zwei Einheiten auf:

1. Zerstörer-Halbflottille Flandern.

2. Zerstörer-Halbflottille Flandern.

Aufgaben: Diese Einheiten stießen nachts offensiv in den Ärmelkanal und gegen die englische Küste vor (z. B. bei den Seegefechten im Kanal 1916/1917), um die britische Handels- und Nachschubschifffahrt anzugreifen.

Zusätzlich gab es im Bereich der Kleinkampfmittel noch die Bootsabteilung Flandern, die unter anderem die schnellen, mit Torpedos bewaffneten LM-Boote (Luftschiff-Motorenboote, die Vorläufer der späteren Schnellboote) betrieb.

Torpedoboote im Hafen. Originale Fotokarte.
Torpedoboote im Hafen. Originale Fotokarte.

Die Torpedoboote des Marinekorps Flandern .

Für die besonderen Bedingungen des flandrischen Kriegsschauplatzes wurden spezielle Schiffstypen gebaut und eingesetzt:

Die „A-Boote“ (Küstentorpedoboote):

Diese Boote wurden eigens für den Einsatz in den flandrischen Gewässern und Kanälen konzipiert. Da sie relativ klein waren, konnten sie in Teilen per Eisenbahn aus Deutschland nach Flandern transportiert und erst in den Werften von Brügge einsatzbereit zusammengebaut werden.

Typ A-I:

waren sehr kleine Küstentorpedoboote (ca. 110 bis 150 Tonnen). Sie erwiesen sich auf offener See oft als zu langsam und instabil. Sie kamen primär in der Minensuch-Halbflottille Flandern zum Einsatz.

Typ A-II & A-III:

waren größere, stark verbesserte Versionen (bis zu 340 Tonnen) mit stärkerer Bewaffnung und höherer Geschwindigkeit, die ab 1916/1917 die Schlagkraft der Verbände deutlich erhöhten.

Torpedoboot der G-Klasse. Originale Fotokarte.
Torpedoboot der G-Klasse. Originale Fotokarte.

Großtorpedoboote (Zerstörer):

Neben den kleinen Küstenbooten verlegte die Kaiserliche Marine auch größere Einheiten der Hochseeflotte nach Flandern. Diese wurden dort meist als Zerstörer-Flottille Flandern zusammengefasst, darunter bekannte Boote der Bauserien S-, V- und G-Boot sowie die großen Beute-Zerstörer der B-97-Klasse.

Ein Torpdo wird an Bord genommen. Originales Foto.
Ein Torpdo wird an Bord genommen. Originales Foto.
Ein Torpedo verlässt das Rohr. Originale Fotokarte.
Ein Torpedo verlässt das Rohr. Originale Fotokarte.

Die Minensuchboote des Marinekorps Flandern .

Die Minensuchboote des Marinekorps Flandern spielten im Ersten Weltkrieg eine entscheidende Rolle bei der Absicherung der flämischen Küste.

Ihre Hauptaufgabe bestand darin, die See- und Marschwege für die dort stationierten deutschen U-Boote der U-Flottille Flandern sowie die Torpedoboote von gegnerischen Minensperren freizuhalten.

Organisation und Verbände der Minensuchboote.

Innerhalb der Seestreitkräfte des Marinekorps Flandern unterstanden die Minensuchkräfte dem Kommando des Minen- und Sperrwesens.

Minensuchhalbflottille Flandern:

Dieser spezialisierte Verband wurde offiziell zum 1. April 1917 aufgestellt. Zuvor wurden diese Aufgaben von wechselnden Bootsabteilungen und Einheiten der Hafenflottillen (z. B. in Zeebrügge und Ostende) übernommen.

Küstenschutz & Geleitzug:

Neben dem eigentlichen Minensuchen und -räumen wurden die Boote intensiv für den Küstenschutz, die Aufklärung und zur Abwehr britischer Angriffe auf die Stützpunkte eingesetzt.

Die Basen in Flandern (insbesondere die Häfen Zeebrügge und Ostende, die über Kanäle mit dem Hauptquartier in Brügge verbunden waren) galten für die britische Royal Navy als "Wespennest".

Da von hier aus der hocheffektive U-Boot-Handelskrieg gegen England geführt wurde, versuchten die Briten permanent, die Ausfahrten mit dichten Minenfeldern und Netzsperren zu blockieren.

Die Minensuchboote des Flandernkorps standen daher bis zur Räumung Flanderns im Oktober 1918 in einem ununterbrochenen extrem gefährlichen Dauereinsatz

Besatzungsmitglieder eines Minensuchbootes (Arcona). Originale Fotokarte.
Besatzungsmitglieder eines Minensuchbootes (Arcona). Originale Fotokarte.

Eingesetzte Bootstypen.

Im Bereich Flandern kamen unterschiedliche Typen von Minensuch- und Räumbooten zum Einsatz:

  1. A-I-Boote (Kleine Torpedoboote):
    Da die flachen Gewässer vor Flandern hochseetaugliche Schiffe einschränkten, wurden viele der kleinen, älteren Küstentorpedoboote der Klasse A-I (wie A 1 bis A 25) für den Minensuchdienst umgerüstet. Sie besaßen einen geringen Tiefgang, waren wendig, erlitten jedoch durch Minentreffer und Seegang oft schwere Verluste.

  2. Flachgehende Minensuchboote (FM-Boote):
    Gegen Ende des Krieges (ab 1918) entwickelte die Kaiserliche Marine die kleineren FM-Boote speziell für den Einsatz in flachen Küstengewässern und Flussmündungen, von denen einige auch für Flandern vorgesehen waren.

  3. Fischkutter und Hilfsminensucher:
    Ergänzt wurden die militärischen Boote durch requirierte zivile Fahrzeuge (z. B. Motorboote und Fischdampfer), die für das Räumen von Minen mit einfachem Suchgeschirr ausgestattet wurden

Minensuchboot M 30 im Dock. Originale Fotokarte.
Minensuchboot M 30 im Dock. Originale Fotokarte.

4. Anmerkungen zu den Befehlshabern des "Flandernkorps".

Der Gesamtbefehlshaber

Admiral Ludwig von Schröder (1854–1933) – Der „Löwe von Flandern“

Er war das unangefochtene Gesicht und der strategische Kopf des gesamten Korps.

Schröder trat 1871 in die Kaiserliche Marine ein. Er bekleidete zahlreiche Bord- und Stabskommandos, stieg bis zum Admiral auf und trat im Mai 1912 eigentlich in den Ruhestand.

Bei Kriegsausbruch 1914 wurde er reaktiviert und übernahm das Kommando über die neu formierte Mobile Marine-Division. Er führte die Truppen bei der Belagerung von Antwerpen und wurde nach der Umwandlung des Verbands zum Marinekorps dessen Kommandierender Admiral.

Schröder galt als extrem tatkräftiger, strenger, aber bei seinen Männern populärer Truppenführer. Er zeichnete verantwortlich für den massiven Ausbau der Küstenbefestigungen („Festung Flandern“). Unter seinem Befehl hielt das Korps die Stellung bis zum geordneten Rückzug im Oktober 1918. Wegen seiner unnachgiebigen Verteidigung der flandrischen Küste erhielt er den Beinamen „Löwe von Flandern“.

Nach dem Krieg war er im konservativ-nationalen Spektrum aktiv und verstarb 1933 in Berlin.

Hochrangiger Offizier der Marine-Infanterie in feldgrauer Uniform mit Tschako Originale Fotokarte.
Hochrangiger Offizier der Marine-Infanterie in feldgrauer Uniform mit Tschako Originale Fotokarte.
Offizier der Marine-Infanterie im Februar 1918. Originale Fotokarte.
Offizier der Marine-Infanterie im Februar 1918. Originale Fotokarte.

Der Chef der U-Boote

Kapitän zur See Karl Bartenbach (1881–1949) – Flottillenchef Flandern

Bartenbach war verantwortlich für den wohl schmerzhaftesten Teil der flandrischen Kriegführung gegen das Vereinigte Königreich – den U-Boot-Krieg im Kanal.

Ab März 1915 baute er die U-Flottille Flandern in Brügge auf. Er koordinierte den Einsatz der kleineren UB- und UC-U-Boote im flachen Ärmelkanal und der Irischen See.

Unter seiner Führung versenkten die Flandern-U-Boote mehr als 2.000 alliierte Schiffe. Bartenbach genoss hohes Ansehen für seine taktische Finesse im Seeminen- und Handelskrieg. Für seine Erfolge erhielt er im Oktober 1917 den Orden Pour le Mérite. Er führte die Flottille, bis die Stützpunkte im Herbst 1918 evakuiert werden mussten.

Nach dem Krieg beriet er zeitweise ausländische Marinen (unter anderem die finnische Marine beim Aufbau ihrer U-Boot-Waffe) und schied später als Konteradmiral aus dem Dienst aus.

An Bord eines deutschen U-Bootes. Originales kleinformatiges Foto.
An Bord eines deutschen U-Bootes. Originales kleinformatiges Foto.

5. Strategische Stützpunkte des "Flandernkorps".

Das Hauptquartier des Korps befand sich im Landesinneren in Brügge.

Die Küstenorte dienten als operative Basen:

Brügge: Sicherer Heimathafen für U-Boote und Torpedoboote, die über ein geschütztes Kanalsystem mit der Küste verbunden waren.

Zeebrügge & Ostende: Direkt an der Nordsee liegende Ausgänge der Kanäle, stark befestigt mit schwerer Küstenartillerie (z. B. den berühmten Batterien „Kaiser Wilhelm II.“ und „Tirpitz“).

6. Operative Aufgaben und Einsätze und Rückzug des "Flandernkorps".

Seekrieg und Handelskrieg:

Von Flandern aus operierten die U-Boote extrem erfolgreich im Ärmelkanal und der Irischen See. Sie versenkten bis 1918 weit über 2.000 Handelsschiffe und fügten der britischen Versorgung empfindliche Schläge zu.

Kanal-Gefechte:

Regelmäßige Vorstöße von Torpedobooten gegen die britische „Dover Patrol“ (Überwachungsflotte) und Angriffe auf die Schifffahrtswege im Ärmelkanal.

Torpedoboot auf hoher See. Originale Fotokarte.
Torpedoboot auf hoher See. Originale Fotokarte.

Infanterieeinsatz an Land:

Das "Flandernkorps" war an schweren Landkämpfen beteiligt, darunter die Schlacht an der Yser (1914), die Schlacht an der Somme (1916) sowie die Dritte Flandernschlacht (1917).

Angehöriger des I. Matrosen-Regiment in feldgrauer Litewka. und feldgrauer Matrosenmütze. Originale Fotokarte.
Angehöriger des I. Matrosen-Regiment in feldgrauer Litewka. und feldgrauer Matrosenmütze. Originale Fotokarte.
Angehöriger des I. Matrosen-Regiment in feldgrauer Litewka. und feldgrauer Matrosenmütze. Originale Fotokarte.
Angehöriger des I. Matrosen-Regiment in feldgrauer Litewka. und feldgrauer Matrosenmütze. Originale Fotokarte.
Gefreiter aus einem Matrosen-Regiment in feldgrauer Montur Originale Fotokarte.
Gefreiter aus einem Matrosen-Regiment in feldgrauer Montur Originale Fotokarte.
Angehöriger eines Matrosen-Regiments. Originale Fotokarte aus März 1917.
Angehöriger eines Matrosen-Regiments. Originale Fotokarte aus März 1917.

Abwehr des Zeebrugge-Angriffs (April 1918):

Das Korps wehrte einen großangelegten britischen Überraschungsangriff ("Zeebrugge Raid") ab, bei dem die Royal Navy versuchte, die Hafeneinfahrten durch das Versenken alter Kreuzer permanent zu blockieren.

Der Versuch scheiterte weitgehend; die Kanäle blieben nach wenigen Tagen wieder passierbar.

Zerstörter englischer Kreuzer nach dem Angriff auf Ostende. Originale Fotokarte.
Zerstörter englischer Kreuzer nach dem Angriff auf Ostende. Originale Fotokarte.
Zeebrügge nach dem englischen Angriff. Originale Fotokarte.
Zeebrügge nach dem englischen Angriff. Originale Fotokarte.

7. Kriegsende und Nachwirkung

Räumung (Oktober 1914): Im Zuge des allgemeinen Rückzugs der deutschen Armee im Herbst 1918 musste das Marinekorps seine Stützpunkte in Flandern aufgeben. Die verbliebenen Hafenanlagen und Schiffe wurden gesprengt oder unbrauchbar gemacht.

Rückmarsch: Der Verband marschierte diszipliniert nach Deutschland zurück und wurde dort nach dem Waffenstillstand im November/Dezember 1918 formell aufgelöst.

8. Verluste.

Für das Marinekorps Flandern lag die Zahl der Gefallenen bei über 10.000 Mann. Zählt man alle Verwundeten, Erkrankten, Vermissten und in Gefangenschaft Geratenen hinzu, betragen die Gesamtverluste weit über 30.000 Mann. Bei einer durchschnittlichen Kopfstärke von 60.000 bis 70.000 Mann bedeutet dies, dass statistisch gesehen fast jeder zweite Soldat des Korps während des Krieges zu Schaden kam.

Die Verluste teilen sich sehr ungleichmäßig auf die verschiedenen Teilstreitkräfte auf:

Die Infanterie (Marine-Divisionen) – Die Masse der Opfer

Den weitaus größten Blutzoll zahlten die drei Marinedivisionen in den Schützengräben der Westfront.

Während der Dienst im reinen Küstenschutz (Abwehr von Landungsversuchen) verhältnismäßig wenige Opfer forderte, wurden die Divisionen als „Feuerwehr“ in die schwersten Materialschlachten geworfen.

Allein in der Dritten Flandernschlacht (1917) und bei den Entlastungsangriffen an der Somme verloren die Regimenter teilweise mehr als die Hälfte ihrer Einsatzstärke durch englisches Trommelfeuer und Senfgas-Angriffe. Tausende Marine-Infanteristen wurden hier verwundet, gerieten in Gefangenschaft oder blieben im Schlamm Flanderns vermisst.

Die U-Boot-Flottillen – hatten die höchste Sterberate.

Prozentual gesehen erlitten aber die U-Boot-Flottillen Flandern die dramatischsten Verluste.

Der Dienst auf den kleinen UB- und UC-Booten im flachen, stark verminten Ärmelkanal war ein Himmelfahrtskommando.

Bootsverluste:

Von den insgesamt rund 180 in Flandern stationierten U-Booten gingen 80 Boote durch Feindeinwirkung, Minen oder Unfälle verloren.

Da ein U-Boot-Untergang fast nie Überlebende zurückließ, bedeutete der Verlust eines Bootes den Tod der gesamten Besatzung (meist zwischen 14 und 35 Mann). Mehr als 1.000 hochspezialisierte U-Boot-Fahrer des Flandernkorps kamen auf diese Weise ums Leben.

An Bord eines U-Bootes vor dem Turm. Originales kleinformatiges Foto.
An Bord eines U-Bootes vor dem Turm. Originales kleinformatiges Foto.
Besatzungsmitglieder eines U-Bootes. Originales kleinformatiges Foto.
Besatzungsmitglieder eines U-Bootes. Originales kleinformatiges Foto.

Verluste der Torpedoboote und Minensucher.

Die kleineren Überwassereinheiten (A-Boot-Klassen) stießen bei ihren nächtlichen Vorstößen gegen die britische Dover Patrol immer wieder auf extreme Gegenwehr oder liefen auf die dicht gestaffelten britischen Minensperren.

Torpedoboote im Hafen. Originale Fotokarte.
Torpedoboote im Hafen. Originale Fotokarte.
Schiffe einer Torpedobott-Division. Originale Fotokarte.
Schiffe einer Torpedobott-Division. Originale Fotokarte.

Dutzende Boote wurden versenkt, was Hunderte Tote unter den Seeleuten forderte

Besatzungsmitglieder eines Torpedobootes. Originale Fotokarte.
Besatzungsmitglieder eines Torpedobootes. Originale Fotokarte.
Grab für Gefallene zweier Torpedoboote. Originale Fotokarte aus dem Jahr 1918.
Grab für Gefallene zweier Torpedoboote. Originale Fotokarte aus dem Jahr 1918.

Wie schwer und verlustreich die Kämpfe wahrgenommen wurden, zeigt das nach dem Krieg gestiftete Flandernkreuz.

Für dieses Ehrenkreuz konnten Gefechtsspangen beantragt werden. Die Namen dieser Spangen stehen stellvertretend für die Orte, an denen das Korps seine schwersten Verluste erlitt, in der Durchbruchsschlacht (1918), in der Flandernschlacht (1917), in der Schlacht an der Somme (1916) und in der Schlacht an der Yser (1914).

8. Erinnerungskultur.

In der Weimarer Republik wurde 1921 von ehemaligen Angehörigen das Flandernkreuz (Ehren- und Erinnerungskreuz des Marinekorps Flandern) gestiftet.

Es war eine staatlich nicht offizielle, aber weit verbreitete Auszeichnung für die Veteranen des Korps.

Nachlass eines Angehörigen des sogenannten "Flandernkorps".

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