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Szenen des Krieges - Ausbildung hinter der Front

Nachfolgend wird ein zeitgenössisches Fotoalbum gezeigt, welches die Ausbildung deutscher Infanterie hinter der Front dokumentiert. In den Vorbemerkungen werden die nähren Umstände der Ausbildung im Krieg aufgezeigt.

Ausbildung in der Heimat.

Nach der Einberufung kam der Rekrut gewöhnlich zu einer Ersatzformation seines Truppenteils beziehungsweise seines Armeekorps. Bei der Infanterie waren dies insbesondere Ersatz-Bataillone und deren Rekrutendepots. Dort erfolgte die militärische Grundausbildung: Exerzieren, Waffenhandhabung und Schießen, Marschieren, Felddienst, Schanzen und Wachtdienst.

Die Rekrutendepots waren nicht zwingend auf die Friedenskasernen beschränkt. Wegen der großen Zahl der Eingezogenen wurden zusätzliche Unterkünfte in Schulen, Hallen, Baracken und anderen Gebäuden genutzt. Die Dauer und die Intensität der Ausbildung schwankten im Kriegsverlauf erheblich.

"Auf nach Paris". Angehörige der 5. Kompanie des Ersatz-Depots des Infanterie-Regiments Nr. 67. Orginale Fotokarte. Datiert: 03.09.1914.

Entstehung der Feld-Rekrutendepots.

Nach den Erfahrungen der ersten Kriegsmonate wurde deutlich, dass die Ausbildung in der Heimat allein nicht genügte, um Ersatzmannschaften auf die besonderen Bedingungen des Stellungskrieges vorzubereiten. Deshalb entstanden hinter der Front besondere Rekrutendepots des Feldheeres.

Rekruten-Depot des Ersatz-Bataillons des Reserve-Infanterie-Regiments Nr. 24. Originale Fotokarte aus dem Jahr 1915.
Rekruten-Depot des Ersatz-Bataillons des Reserve-Infanterie-Regiments Nr. 24. Originale Fotokarte aus dem Jahr 1915.

Für den 21. 11.1914 wird in der Sekundärliteratur die allgemeine Empfehlung des Preußischen Kriegsministeriums zur Einrichtung derartiger Rekrutendepots genannt.

Bereits am 08. 12.1914 wurden die stellvertretenden Generalkommandos aufgefordert, Rekruten an die Korps im Feld abzugeben.

Seit dem 22. 03.1916 wurde die Bezeichnung „Feld-Rekrutendepot“ offiziell verwendet.

Ersatz kommt an. Originale Fotokarte. Undatiert.
Ersatz kommt an. Originale Fotokarte. Undatiert.

Der klassische Ausbildungsweg eines deutschen Soldaten.

Der klassische Ausbildungsweg folgte über die Einberufung zum Ersatz-Bataillon/Rekrutendepot in Deutschland. Nach der Grundausbildung erfolgte der Ersatztransport ins besetzte Gebiet. Im dortigen Feld-Rekrutendepot der Division bzw. des Korps kam es zu einer frontnahen Ausbildung. Abnschließend kam es zur Zuteilung zum Regiment, zum Bataillon und zur. Kompanie.

Für den Sturmangriff vollständig ausgerüstete Angehörige des Landwehr-Infanaterie-Regiments Nr. 69. Originale Fotokarte. Datiert: 17.04.1918. Gut zu sehen sind die Beutel für Handgranaten.
Für den Sturmangriff vollständig ausgerüstete Angehörige des Landwehr-Infanaterie-Regiments Nr. 69. Originale Fotokarte. Datiert: 17.04.1918. Gut zu sehen sind die Beutel für Handgranaten.

Lage und Funktion der Feld-Rekrutendepots hinter der Westfront.

Feld-Rekrutendepots lagen gewöhnlich nicht in den vordersten Gräben, sondern im rückwärtigen Bereich der Divisionen oder Korps. Sie waren bewegliche Feldformationen und keine dauerhaft an einen einzigen Ort gebundenen Kasernen. Bei Verlegungen des Großverbandes konnte auch das Depot seinen Standort wechseln.

Ihre Aufgabe bestand nicht nur in der Ausbildung neu eintreffender Rekruten. Sie dienten auch als unmittelbar verfügbare Ersatzreserve. Außerdem konnten Genesende oder nach längerer Abwesenheit zur Front zurückkehrende Soldaten dort erneut auf den Einsatz vorbereitet werden.

Die frontnahe Ausbildung konnte – je nach Kriegsjahr und Verband – insbesondere umfassen:

·        Schießen unter feldmäßigen Bedingungen;

·        Handgranatenwerfen und Handgranatenkampf;

·        Schanzen, Stellungsbau und Verhalten im Grabensystem;

·        Marsch- und Gepäckübungen;

·        Nachtübungen, Patrouillen- und Postendienst;

·        Gefechtsausbildung und Zusammenwirken mit Maschinengewehren;

·        im späteren Kriegsverlauf teilweise Sturm- und Stoßtruppverfahren;

·        Lehrgänge für Unterführer und andere Spezialausbildungen.

Stürmende Infanterie wohl im Rahmen eine Übung. Originale Fotokarte.
Stürmende Infanterie wohl im Rahmen eine Übung. Originale Fotokarte.

Organisation und Führung.

Ein Feld-Rekrutendepot konnte organisatorisch einem Bataillon ähneln. Für ein Depot von etwa 1.000 auszubildenden Mannschaften wurde 1916 eine Führung mit Bataillonskommandeur, vier Kompanieführern, weiteren Offizieren, Feldwebeln und einer größeren Zahl von Unteroffizieren vorgesehen. Das Ausbildungspersonal sollte möglichst aus erfahrenen Angehörigen des Feldheeres gestellt werden.

Der Depotkommandeur war damit kein bloßer Verwaltungsbeamter, sondern militärischer Führer einer Ausbildungsformation. Typischerweise kommen für diese Stellung Majore oder erfahrene Hauptleute in Betracht. Die Kompanien wurden durch entsprechende Offiziere geführt; erfahrene Unteroffiziere übernahmen einen erheblichen Teil der unmittelbaren Ausbildung.

Die genaue Unterstellung hing von der Organisationsform ab. Neben divisionsgebundenen Feld-Rekrutendepots sind auch Korps-Rekrutendepots belegt.

Sturmsoldaten mit kompletter Ausrüstung, z. B. Spaten, Schaufeln, Drahtschere usw.. Originale Fotokarte. 1917.
Sturmsoldaten mit kompletter Ausrüstung, z. B. Spaten, Schaufeln, Drahtschere usw.. Originale Fotokarte. 1917.

Beispiele von Feldrekrutendepots an der Westfront.

Verband

Ort/Raum

Bemerkung

13. Infanterie-Division

Bourghelles bei Tournai

April–Juni 1916 im bisher ausgewerteten Personenbeispiel

13. Infanterie-Division

Breux bei Montmédy

Juni 1916; Zusammenhang mit Verlegung in den Verdun-Raum

IX. Reserve-Korps

Flers bei Douai

August 1916

IX. Reserve-Korps

Phalempin südlich Lille

ab September 1916; Verlegung von Flers

28. Infanterie-Division

Westfront

1916 in badischen Kriegsstammrollen belegt

28. Reserve-Division

Westfront

1916/17; auch Genesenden-Kompanie belegt

2. Garde-Reserve-Division

Flandern

1917; im Zusammenhang mit Erich Maria Remarque

4. Bayerische Infanterie-Division

Raum nordöstlich Armentières

1917

75. Reserve-Division

Westfront

Frühjahr 1918; fotografische Überlieferung erwähnt

Sturmtrupp des Infanterie-Regiments Nr. 423. Originale Fotokarte. 1917. Hier noch mit Pickelhaube im Überzug.
Sturmtrupp des Infanterie-Regiments Nr. 423. Originale Fotokarte. 1917. Hier noch mit Pickelhaube im Überzug.

Beispiel: Feld-Rekrutendepot der 13. Infanterie-Division.

Nach den Aufzeichnungen eines Soldaten aus dem Infanterie-Regiment Herwarth von Bittenfeld (1. Westfälisches) Nr. 13 rückte dieser am 18. April 1916 aus Münster zum Feld-Rekrutendepot der 13. Infanterie-Division aus. Vom 19. April bis 9. Juni 1916 befand er sich beim Feld-Rekrutendepot in Bourghelles bei Tournai. Vom 10. bis 27. Juni 1916 wird das Feld-Rekrutendepot in Breux bei Montmédy genannt; am 28. Juni kehrte er zur 8. Kompanie des Infanterie-Regiments Nr. 13 zurück.

Der Ortswechsel ist ein wichtiger Hinweis darauf, dass das Feld-Rekrutendepot als Teil der Feldorganisation der Division zu verstehen ist und nicht als ortsfestes Ausbildungslager.

Der Standort konnte sich entsprechend den Bewegungen der Division ändern.

Weiterepersönliche Berichte zur Ausbildung duetscher Soldaten.

Ein deuschter Rekrut berichtet (1915/16):

„Hier nahm uns bald eine Abteilung des Rekrutendepots in Empfang“

Anschließend marschierten die Männer nach Lambersart-Nord, einer Vorstadt von Lille. Dort erfolgte die weitere Ausbildung. Der Verfasser schreibt ausdrücklich:

„In Lambersart ging unsere weitere Ausbildung vonstatten.“

Er war einer Ausbildungskompanie des Rekrutendepots zugeteilt. Besonders bemerkenswert ist seine rückblickende Bewertung: An diese Ausbildung denke er „noch mit Grausen“. Er empfand den Drill offenbar als ausgesprochen hart.

Ganz anders klingt das Tagebuch von Gunther Heerwagens. Nach bereits zehnwöchiger Ausbildung wurde er beim Rekrutendepot der 8. Landwehr-Division in Sierentz zusammengefasst.

Er beschreibt den Dienst dort als vergleichsweise mäßig und den Aufenthalt während der Obstreife sogar rückblickend beinahe als: „eine Art Sommerfrische“

Das bedeutete aber keineswegs Untätigkeit. Tageweise wurden die Männer bei Istein in Pionierarbeiten und Nahkampfmitteln ausgebildet und übernahmen Ortswachen. Daneben schildert Heerwagen Privatquartiere, Wirtshäuser und Kontakte zur Zivilbevölkerung.

Gut dokumentiert ist auch die Ausbildung des Musketiers Albert Krentel. Sein Notizheft beschreibt den Dienst beim Feld-Rekrutendepot des IX. Reserve-Korps.

Am 20. August 1916 marschierte er zunächst nach Le Quesnoy, fuhr mit der Eisenbahn über Douai und erreichte das Depot in Flers bei Douai. Bereits 19 Tage später wurde das Depot nach Phalempin südlich Lille verlegt.

Und hier bekommen wir einen ausgezeichneten Einblick in den Alltag. Krentel berichtet über:

Einquartierung in einer Villa unmittelbar an der Eisenbahn,

Fliegerangriffe,

Arbeitsdienste,

Schanzarbeiten an einer Stellung bei Pont-à-Vendin,

Transport zu diesen Arbeiten mit Lastkraftwagen,

Ausbildung,

Schießübungen,

Schießen mit Gasmaske,

Besichtigungen durch höhere Vorgesetzte.

Am 16. September fand beispielsweise eine Besichtigung des 2. Rekrutendepots des IX. Reserve-Korps durch General von Boehn statt. Zwei Tage später kam Krentel wieder zu seinem Regiment.

Kampfmittel-Schulung im Lockstedter Lager. Originale Fotokarte. 1917.
Kampfmittel-Schulung im Lockstedter Lager. Originale Fotokarte. 1917.

Feld-Rekrutendepot und Ausbildungslager – begriffliche Trennung.

Feld-Rekrutendepot bezeichnet in erster Linie die militärische Organisation beziehungsweise Formation.

Ein Ausbildungs- oder Übungsplatz bezeichnet dagegen das Gelände oder die Einrichtung, auf der Schieß-, Gefechts-, Handgranaten- oder Spezialausbildung durchgeführt wurde.

Ein Feld-Rekrutendepot konnte verschiedene Gelände und Ortschaften für seine Ausbildung nutzen.

Hinter der Westfront entstand darüber hinaus ein umfangreiches Netz von Schulen und Übungsplätzen.

Für Spezialwaffen und besondere Ausbildungszwecke sind beispielsweise Feldartillerie-Übungsplätze und Schießschulen in besetzten Gebieten nachweisbar.

Die Ausbildungsorganisation des Feldheeres war daher erheblich differenzierter als ein einzelnes „Lager hinter der Front“.

Abwehrbereite Soldaten in Stellung. Undatiertes kleinformatiges Foto.
Abwehrbereite Soldaten in Stellung. Undatiertes kleinformatiges Foto.

Die Ausbildung an bzw. hinter der Front auf Regimentsebene.

Die Ausbildung erfolgte aber auch an bzw. hinter der Front auf Regimentsebene. Hierzu ist beispielsweise in der Regimentsgeschichte: Die Hohenzollernfüsiliere im Weltkrieg 1914 - 1918 (Hrgb.: Offiziersverein und beide Verbände ehemaliger 40er M.-Gladbach und Rastatt/Baden, Oldenburg 1930, S. 354 ff.) das Nachfolgende zu lesen:

"Es war selbstverständlich, das auf diesen Stellunskrieg nicht die Formen des Bewegungskrieges angewendet werden konnten. Die Großkämpfe an der Somme und bei Verdun hatten zwar deutlich gezeigt, dass die Infanterie nach wie vor die Hauptlast des Kampfes zu tragen hatte, aber mit der Ausbildung von 1914 war nicht auszukommen. Vor allem hatte sich gezeigt, dass die Schützenlinie für den Angriff bzw. Gegenstoß unbrauchbar war. Sie war nicht beweglich genug, verlor ihre Stoßwirkung, sobald sie auf Hindernisse, selsbt kleinste, stieß. Ein nicht völlig zerstörtes Hindernis, ein einziges Maschinengewehr - und die Schützenlinie verlor ihren Zusammenhalt und löste sich in einzelne Trupps auf. Warum nicht solche Trupps aufstellen und planmäßig zu Stoßtrupps ausbilden? Es geschah auch und hatte Erfolg.

Das Infanateriegewehr trat in seiner Bedeutung zurück. Die Handgranate wurde die Hauptwaffe des Angriffs. Die Entschlußkraft des einzelnen Mannes trat in den Vordergrund; die Ausbildung von Gruppen- und Zugführern wurde eine der wichtigsten Maschinengewehre, Minen-, Priester- und Granatenwerfer unterstützten die Infanterie bei ihren mannigfaltigen und wichtigen Aufgaben...."

Minenwerfer-Lehrgang auf dem Truppenübungsplatz Altengrabow in der Heimat. Originale Fotokarte. 1917.
Minenwerfer-Lehrgang auf dem Truppenübungsplatz Altengrabow in der Heimat. Originale Fotokarte. 1917.

Die Ausbildung an bzw. hinter der Front auf Regimentsebene. Fortsetzung.

In der Nähe des Ruhelagers Neu-Essen legt das Regiment ein Sturmwerk an und richtete eine Sturmschule ein, um die Ruhekompanien in die neue Abwehrtaktik einzuführen. Leiter der Sturmschule wurde Oberleutnant Rudolphi, zum Ausbildungspersonal gehörten Ltn. Kather, Vizefeldw. Olz VI./40 und Wolter 10./40, Utffz. Arndt 4./40 und Schöttler 2. M.G.K. Am 2. Ruhetag standen dem Leiter der Sturmschule die vier Stoßtrupps der vier Ruhekompanien, an den folgenden Ruhetagen je ein Zug der vier Ruhekompanien von 8-11 Uhr vorm. und von 2,30 - 4,30 nachm zur Verfügung. Am 11.11. wurde die Sturmschule gegründet. Vom 16.11. ab wurden sämtliche Leutnants, Fahnenjunker und Fähnrichem die Hälfte der der Unteroffiziere jeder Kompanie und von jeder Kompanie am MG ausgebildet. Mehrere Offiziere, eine größere Anzahl Unteroffiziere und Mannschaften wurden nach der Armee-Minenwerferschule bei Vouziers abkommandiert und am leichten Minenwerfer ausgebildet.. Zahlreiche andere Abkommandierungen nach Gasschutz-, Nachrichtenmmittel- und anderen Kursen sorgten für tüchtiges Lehrpersonal, dass die Füsiliere mit den neuesten Errungenschaften der Kriegstechnik vertraut machte".

Übung eines Sturmangriffes über freies Gelände auf ein Gebäude in einem hinter der Front liegendem Übungsgelände. Originale Fotokarte.
Übung eines Sturmangriffes über freies Gelände auf ein Gebäude in einem hinter der Front liegendem Übungsgelände. Originale Fotokarte.

Fotographischer Nachlass eines Offiziers über die Ausbildung hinter der Front in einem Feldrekruten-Depot. Nicht beschriftet.