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Vestes Bellica Archiv für Heereskunde

Vestes Bellica

Der Verlauf des Ersten Weltkrieges (1916)

Das Kriegsjahr 1916

Am 04.01.1916 beschloss die OHL Verdun anzugreifen.

Beabsichtigt war keine Durchbruchsschlacht, sondern begrenzte deutsche Kräfte sollten an dieser prestigeträchtigen Stelle der Westfront starke feindliche Truppen binden und den Gegner durch hohe Verluste nachhaltig  schwächen.

Am 21.02. begann die Armee des deutschen Kronprinzen mit dem Angriff und  erzielte anfängliche Erfolge.

So konnte bereits am 25.02. das Fort Douaumont erobert, am 02.03. das Dorf Douaumont und am 08.03. das Dorf Vaux besetzt werden.

Am 14.03. wurde die Höhe „Toter Mann“ erstürmt.

Karte zu den Angriffsplänen auf Verdun.
Karte zu den Angriffsplänen auf Verdun.

Kurzer Überblick über die Kämpfe um Verdun. Februar bis April: Die deutsche Offensive.

21. Februar: Beginn der Schlacht mit einem neunstündigen, massiven Trommelfeuer aus rund 1.200 deutschen Geschützen. Danach rücken die deutschen Infanterietruppen vor.

25. Februar: Die deutschen Truppen nehmen das strategisch wichtige, aber zu diesem Zeitpunkt schwach verteidigte Fort Douaumont kampflos ein. Dies löst in Frankreich eine tiefe Krise aus.

26. Februar: General Philippe Pétain übernimmt das Kommando auf französischer Seite. Er organisiert die Verteidigung neu und richtet die „Voie Sacrée“ (= Die Heilige Straße) als einzige logistische Lebensader für Nachschub und Truppenrotation ein.

6. März: Die Deutschen weiten ihre Angriffe auf das linke Wehrufer der Maas aus (unter anderem auf den Hügel „Toter Mann“), um das französische Flankenfeuer auszuschalten. Es folgen wochenlange, extrem verlustreiche Kämpfe.

Der Kommandant (Commandant Sylvain Eugène Raynal ) des französischen Forts Vaux geht in Gefangenschaft. Originales Foto aus dem Jahre 1916.
Der Kommandant (Commandant Sylvain Eugène Raynal ) des französischen Forts Vaux geht in Gefangenschaft. Originales Foto aus dem Jahre 1916.

Anmerkungen zur vorigen Foto.

Das Fort Vaux gehörte zur ersten Phase der Verstärkung des Festungsgürtels um Verdun in den Jahren 1881 bis 1884. Das Fort wurde nicht von der französischen Besatzung (etwa 400 Mann) geräumt, sondern - anders als das Fort Douaumont - äußerst konsequent und hartnäckig verteidigt. Nach langen - vor allem für die deutschen Angreifer verlustreichen Angreifen - kapitulierte das Fort am 07.06.1916 vor allem wegen Wassermangel, aber auch wegen Erschöpfung.

Kurzer Überblick über die Kämpfe um Verdun. Mai bis Juli: Der Höhepunkt der Materialschlacht.

1. Mai: General Robert Nivelle ersetzt Pétain als direkter Befehlshaber vor Verdun, da Pétain zum Befehlshaber der gesamten Heeresgruppe aufsteigt. Nivelle setzt auf eine aggressivere Taktik („Sie werden nicht durchkommen!“).

7. Juni: Nach tagelanger Belagerung und schwersten Nahkämpfen kapituliert das französische Fort Vaux vor den deutschen Truppen, da den Verteidigern das Trinkwasser ausgegangen ist.

23. Juni: Die deutsche Armee startet eine Großoffensive mit dem massiven Einsatz des neuen Grünkreuz-Gases (Phosgen). Sie rücken bis kurz vor das Fort de Souville vor – dem innersten Verteidigungsring von Verdun.

1. Juli: Beginn der Schlacht an der Somme. Da Deutschland nun Truppen und Artillerie von Verdun abziehen muss, um die neue alliierte Front zu stabilisieren, verliert die Offensive vor Verdun endgültig ihren Schwung.

Der Kommandant (Commandant Sylvain Eugène Raynal ) des französischen Forts Vaux geht in Gefangenschaft. Originales Foto aus dem Jahre 1916.
Der Kommandant (Commandant Sylvain Eugène Raynal ) des französischen Forts Vaux geht in Gefangenschaft. Originales Foto aus dem Jahre 1916.

Kurzer Überblick über die Kämpfe um Verdun. September bis Dezember: Die französische Rückeroberung.

29. August: Generalstabschef Erich von Falkenhayn wird wegen des Misserfolgs entlassen. Paul von Hindenburg und Erich Ludendorff übernehmen die deutsche Heeresleitung und befehlen die Einstellung der Angriffe vor Verdun – fortan wird die Front nur noch gehalten.

24. Oktober: Beginn der großen französischen Gegenoffensive. Den Truppen gelingt die Rückeroberung von Fort Douaumont.

2. November: Die deutschen Truppen müssen auch das Fort Vaux räumen und den Rückzug antreten.

15. – 18. Dezember: Die letzte französische Offensive drängt die deutschen Linien fast vollständig auf ihre Ausgangspositionen vom Februar zurück. Die Schlacht endet faktisch ohne territorialen Gewinn für beide Seiten.

Das Ziel des deutschen Armeeoberkommandos des Ausblutens der französischen Armee erfüllte sich aber nicht, da die Kämpfe auf beiden Seiten enorme Verluste kosteten. Im September wurde deshalb die aussichtslose Offensive eingestellt.

Karte zum Angriff auf Verdun.
Karte zum Angriff auf Verdun.

Bereits ab dem 25.06. hatten die britische (und französische) Kräfte – auch zur Entlastung der französischen Truppen - im Frontabschnitt um Verdun im Gebiet der Ancre und der Somme mit einer Durchbruchsschlacht begonnen.

Nach einem mehrtägigen Trommelfeuers und monatelanger Kämpfe konnte die deutsche Front zwar auf einer Breite von ca. 40 km Breite und 12 km Tiefe eingedrückt werden, allerdings wurde ein Durchbruch – trotz deutlicher  Materialüberlegenheit der Briten und Franzosen - nicht erzielt.

Kurze Übersicht über den Verlauf der Schlacht an der Somme. Juni bis Juli: Der verheerende Auftakt.

24. Juni: Beginn des siebentägigen Dauerbombardements der alliierten Artillerie. Rund 1,5 Millionen Granaten sollen die deutschen Stellungen und Stacheldrahtverhaue komplett zerstören. Der Plan schlägt fehl, da die deutschen Truppen in tiefen Bunkern Schutz finden.

1. Juli: Der erste Tag der Infanterieoffensive wird zum schwärzesten Tag der britischen Militärgeschichte. Allein an diesem Tag verzeichnet die britische Armee rund 57.000 Ausfälle (davon über 19.000 Gefallene), da die Soldaten ungeschützt in das deutsche Maschinengewehrfeuer laufen.

Juli: Die Front erstarrt sofort in extrem verlustreichen Abnutzungskämpfen um einzelne Dörfer und Waldstücke (wie den Mametz-Wald und das Dorf Ovillers).

Kurze Übersicht über den Verlauf der Schlacht an der Somme.. August bis September: Zäher Stellungskrieg und Panzer-Premiere.

August: Schwere, ergebnislose Angriffe auf die deutschen Verteidigungslinien bei Pozières und Guillemont. Die Verluste steigen auf beiden Seiten massiv an, während der Geländegewinn minimal bleibt.

15. September: In der Schlacht von Flers-Courcelette setzen die Briten weltweit zum ersten Mal Panzer (Tanks vom Typ Mark I) ein. Die neuen Kriegsmaschinen erzeugen psychologischen Schrecken bei den deutschen Truppen, sind jedoch noch technisch unzuverlässig und bringen nicht den erhofften strategischen Durchbruch.

Kurze Übersicht über den Verlauf der Schlacht an der Somme.. Oktober bis November: Das Ende im Schlamm.

Oktober: Einsetzender Herbstregen und heftige Regenfälle verwandeln das gesamte Schlachtfeld an der Somme in eine undurchdringliche Schlammwüste. Die Versorgung der Truppen wird fast unmöglich.

13. – 18. November: Die letzte größere alliierte Offensive am Fluss Ancre bringt nochmals minimale Geländegewinne.

18. November: Der britische Oberbefehlshaber Douglas Haig stellt die Offensive wegen des Wintereinbruchs offiziell ein.

Französische Soldaten in der Stellung. Undatiertes originales Foto.
Französische Soldaten in der Stellung. Undatiertes originales Foto.

Die Kämpfe um Verdun und die Sommeschlacht hatten wieder gezeigt, dass sich regelmäßig der Verteidiger in der besseren Position befand. Eine Rückkehr zum Bewegungskrieg wurde trotz gewaltigen Materialeinsatzes und Massenangriffen nicht erreicht.

Die Verluste, allein in der Sommeschlacht beidseitig 750000 Tote, rechtfertigen die geringfügigen Korrekturen des Frontverlaufs nicht. In den Materialschlachten gerieten die beteiligten Soldaten im übrigen an die Grenze der psychischen Belastbarkeit.

Die besonderen Anforderungen der Materialschlacht schufen einen neuen Soldatentypus, es entstand die Notgemeinschaft des Schützengrabens jenseits hierarchischer und ständischer Unterschiede. Die Kluft zwischen den im Frontbereich eingesetzten Einheiten und der Etappe wurde zusehends größer.

Während aus Sicht der Entente und der Mittelmächte die Entscheidung an der Westfront stattfinden sollte, versuchten die Italiener den Durchbruch in den Alpen. Die ersten 5 Isonzoschlachten (zuletzt: 15.-20.03.)  hatten nur geringen Raumgewinn gebracht.

Die nächsten vier Schlachten im August (04.-16.), September (14.-17.) und Oktober (09.-12., 29.-31.) entwickelten sich zu wechselseitigen Abnützungskämpfen mit großen Verlusten für beide Seiten.

Französische Gefangene werden bei Verdun nach hinten zurück geführt. Originale Fotokarte um 1916.
Französische Gefangene werden bei Verdun nach hinten zurück geführt. Originale Fotokarte um 1916.

Im Osten wurden die Mittelmächte durch russische Massenangriffe überrascht. Im Rahmen der sogenannten Brussilow-Offensive (04.06. – 07.12.)  erreichten die Russen enorme Einbrüche in die südliche Ostfront und fügten den österreichischen Truppen eine bedeutsame Niederlage zu.

Die Mittelmächte, durch die heftigen Kämpfe an der Westfront und in den Alpen stark engagiert, mussten reagieren und erst die deutschen Gegenangriffe unter General von Linsingen erreichten die Einstellung der erfolgreichen russischen Offensive.

Truppentransport auf der Donau bei Braila. Originales Foto aus dem Jahre 1916.
Truppentransport auf der Donau bei Braila. Originales Foto aus dem Jahre 1916.

Am 27.08. erfolgte die Kriegserklärung Italiens an Deutschland, im August trat  Rumänien aufgrund seiner engen Beziehungen zu Russland auf Seiten der Entente in den Krieg ein.

Es folgte ein Angriff der Mittelmächte auf Rumänien, seit Anfang September (01.09.) durch Bulgarien unterstützt.

Bis März 1916 war bereits Mazedonien von den Mittelmächten besetzt worden, im Januar und Februar waren die Österreicher in Albanien einmarschiert. Unter dem Oberbefehl von Generalfeldmarschall von Mackensen wurden deutsche, österreichische, bulgarische und türkische Truppen gegen Rumänien offensiv und konnte die rumänische Armee bis auf Reste niederkämpfen. Letztere wichen in Richtung russische Front aus.

Paul Ludwig Hans Anton von Beneckendorff und von Hindenburg (* 02.10.1847 in Posen; † 02.08.1934 auf Gut Neudeck in Ostpreußen). Deutscher Generalfeldmarschall, Politiker und ab 1925 bis zu seinem Tod Reichspräsident. Originales Foto aus dem Verlag Gardan.
Paul Ludwig Hans Anton von Beneckendorff und von Hindenburg (* 02.10.1847 in Posen; † 02.08.1934 auf Gut Neudeck in Ostpreußen). Deutscher Generalfeldmarschall, Politiker und ab 1925 bis zu seinem Tod Reichspräsident. Originales Foto aus dem Verlag Gardan.
Erich Friedrich Wilhelm Ludendorff (* 09.04.1865 in Kruszewnia bei Schwersenz in der Provinz Posen; † 20.12.1937 in München). Deutscher General der Infanterie und später Politiker. Originales Foto aus dem Verlag Gardan.
Erich Friedrich Wilhelm Ludendorff (* 09.04.1865 in Kruszewnia bei Schwersenz in der Provinz Posen; † 20.12.1937 in München). Deutscher General der Infanterie und später Politiker. Originales Foto aus dem Verlag Gardan.

Im Zuge des Balkanfeldzuges hatte die neu gebildete deutsche 9. Armee unter General von Falkenhayn die Rumänen aus Siebenbürgen völlig verdrängt. F

alkenhayn hatte nach der erfolglosen Offensive auf Verdun am 29.08. den Oberbefehl an das erfolgreiche Führungsduo Hindenburg/ Ludendorff abgeben müssen. Hindenburg wurde Chef des Generalstabes und Ludendorf übernahm die Funktion eines Ersten Generalquartiermeisters.

Die Abnützungsstrategie Falkenhayns war im Westen gescheitert, er erhielt jedoch auf dem Balkan die Chance zur Rehabilitierung.

General v. Falkenhayn im Gespräch mit Soldaten an der Front in Rumänien. Originales offizielles Foto.
General v. Falkenhayn im Gespräch mit Soldaten an der Front in Rumänien. Originales offizielles Foto.

Ab Februar/ März wurde der Handelskrieg durch deutsche U- Boote fortgesetzt, allerdings sollte der Seekrieg nach wie vor eingeschränkt geführt werden. Lediglich bewaffnete Hilfskreuzer hatten bisher den Handelskrieg – auch in Übersee – weiter geführt.

Vom 31.05. – 01.06. fand die größte Seeschlacht rangierter Flotten am Skagerrak zwischen der britischen Flotte unter Admiral Jellicoe und der deutschen Flotte unter den Admiralen Hipper und Scheer statt.

Deutsche Schiffe im Skagerrak. Undatiertes originales - zeitgenössisches - Foto.
Deutsche Schiffe im Skagerrak. Undatiertes originales - zeitgenössisches - Foto.

Die deutsche Flotte unter Vizeadmiral Reinhard Scheer war der britischen Übermacht zahlenmäßig deutlich unterlegen. Scheers Plan war es, durch einen Vorstoß der schnellen Aufklärungskreuzer unter Vizeadmiral Franz von Hipper einen Teil der britischen Flotte anzulocken und getrennt zu vernichten. Die Briten hatten jedoch den deutschen Funkcode entschlüsselt, kannten den Plan und liefen mit ihrer gesamten Hauptstreitmacht unter Admiral John Jellicoe aus. Insgesamt trafen 250 Schiffe mit über 100.000 Mann Besatzung aufeinander.

Das 1. Geschwader in Kiellinie bestehend aus der SMS Barbarossa, S;S Kaiser Karl d. Gr., SMS Wettin, SMS Wittelsbach, SMS Zähringen, SMS Mecklenburg, SMS Schlesien, SMS Hannover. Originales Foto (01.05.1909).
Das 1. Geschwader in Kiellinie bestehend aus der SMS Barbarossa, S;S Kaiser Karl d. Gr., SMS Wettin, SMS Wittelsbach, SMS Zähringen, SMS Mecklenburg, SMS Schlesien, SMS Hannover. Originales Foto (01.05.1909).
Karte zur Seeschlacht am Skagerrak.
Karte zur Seeschlacht am Skagerrak.

Am Nachmittag des 31. Mai trafen die Aufklärungsgeschwader von Hipper und dem britischen Vizeadmiral Beatty aufeinander.

Aufgrund der besseren deutschen Schießoptiken und stabilerer Munitionskammern explodierten binnen kurzer Zeit zwei britische Schlachtkreuzer (HMS Indefatigable und HMS Queen Mary).

Vernichtung der HMS Queen Mary. Originale zeitgenössische Fotokarte.
Vernichtung der HMS Queen Mary. Originale zeitgenössische Fotokarte.

Als die britische Hauptflotte eintraf, wendete sich das Blatt. Admiral Jellicoe gelang es zweimal, die taktisch vorteilhafte Position des „Crossing the T“ einzunehmen, bei der alle britischen Breitseiten auf die Spitze der deutschen Kiellinie feuern konnten.

Torpedoboote während der Schlacht im Skagerrak. Originale zeitgenössische Fotokarte.
Torpedoboote während der Schlacht im Skagerrak. Originale zeitgenössische Fotokarte.

Um dem Vernichtungsfeuer zu entgehen, befahl Scheer eine riskante Gefechtskehrtwendung und setzte seine Torpedoboote - wie z. B. die V 28 - für Entlastungsangriffe ein.

Die Boote stießen unter schwerstem Feuer direkt auf die britische Schlachtlinie vor und schossen Dutzende Torpedos ab.

Torpedoboote wurden als mobile „Nebelerzeuger“ genutzt. Durch das bewusste Verbrennen von Schweröl in den Kesseln legten Flottillen wie die IX. Flottille kilometerlange, dichte Rauchwände zwischen die verfeindeten Linien. Dies nahm den britischen Schiffen die Sicht und verhinderte über Stunden hinweg eine gezielte Trägerfeuer-Leitung auf die deutschen Großkampfschiffe.

Aufnahme des Torpedobootes V 28. Originale zeitgenössische Fotokarte.
Aufnahme des Torpedobootes V 28. Originale zeitgenössische Fotokarte.

Zwar erzielten die Torpedos nur wenige Treffer, aber der britische Admiral Jellicoe sah sich gezwungen, seine gesamte Schlachtlinie vom Gegner wegzudrehen, um den Torpedolaufbahnen auszuweichen. Dies verschaffte den schwer angeschlagenen deutschen Schlachtkreuzern die nötige Zeit, um sich im Nebel zurückzuziehen.

Die SMS Derflinger nach der Schlacht im Skagerrak. Originale zeitgenössische Fotokarte.
Die SMS Derflinger nach der Schlacht im Skagerrak. Originale zeitgenössische Fotokarte.

In der Dunkelheit suchte die deutsche Flotte den Durchbruch zurück zu ihren Heimatbasen.

Es kam zu chaotischen und brutalen Nahkämpfen zwischen Torpedobooten, Kreuzern und Schlachtschiffen, bei denen weitere Einheiten versenkt wurden.

Das tragischste Ereignis auf deutscher Seite betraf das ältere Linienschiff SMS Pommern. Gegen 02:10 Uhr morgens wurde es von einem Torpedo des britischen Zerstörers HMS Onslaught getroffen. Der Torpedo brachte eine Munitionskammer zur Explosion. Das Schiff brach in zwei Hälften und sank in Sekunden. Alle 839 Besatzungsmitglieder starben, darunter auch der bekannte Heimatschriftsteller Gorch Fock.

Der britische Panzerkreuzer HMS Black Prince verlor im dichten Rauch den Anschluss und steuerte versehentlich direkt auf die Mitte der deutschen Schlachtlinie zu. Das deutsche Schlachtschiff SMS Thüringen erfasste den Kreuzer mit Scheinwerfern. Mehrere deutsche Großkampfschiffe schossen das Schiff auf Extremdistanz binnen Minuten in Stücke. Es gab keine Überlebenden unter den 857 britischen Seeleuten.

Der schwer getroffene deutsche Flaggschiff-Schlachtkreuzer SMS Lützow versuchte im Schutz der Nacht zu entkommen. Da das Schiff jedoch bereits so viel Wasser aufgenommen hatte, dass die Schiffsschrauben aus dem Wasser ragten, war es manövrierunfähig. Die Besatzung wurde auf begleitende Torpedoboote evakuiert, und das Schiff wurde um 01:45 Uhr durch einen eigenen Torpedofangschuss versenkt.

In der Panik kam es auch zu schweren Unfällen. Der deutsche Kleine Kreuzer SMS Elbing kollidierte beim Ausweichen mit dem eigenen Schlachtschiff SMS Posen und musste später aufgegeben werden. Der britische Zerstörer HMS Spitfire rammte im Dunkeln das riesige deutsche Schlachtschiff SMS Nassau. Der Zerstörer überlebte wie durch ein Wunder, verlor aber fast seine gesamten Decksaufbauten durch die Druckwelle der deutschen 28-cm-Geschütze, die direkt über ihm feuerten.

Die SMS Seydlitz nach der Schlacht im Skagerrak. Originale zeitgenössische Fotokarte.
Die SMS Seydlitz nach der Schlacht im Skagerrak. Originale zeitgenössische Fotokarte.

Der zu mindestens von deutscher Seite unbeabsichtigte Schlachtabtausch zwischen der deutschen Hochseeflotte und der Royal Navy  endete mit geringeren Verlusten für die deutschen Schiffe, ca. 6000 Briten und ca. 2500 Deutsche fanden den Tod.

Der britische Befehlshaber Jellicoe hatte mehrfach die Möglichkeit, die Entscheidung zu erzwingen, aber durch geschickte Aktionen entzog sich die deutsche Flotte rechtzeitig der Vernichtung.

Letztlich endete der Kampf zwischen 151 englischen und 99 deutschen Schiffen mit einem taktischen Erfolg der deutschen Hochseeflotte, deren Besetzungen und Schiffe sich bewährten. Eine entscheidende Bedeutung hatte die Schlacht nicht.

Der britische Admiral Jellicoe wurde im November durch Admiral Beatty abgelöst

Foto der SMS Kaiserin. Die SMS Kaiserin gehörte zum III. Geschwader. Dieses fuhr in der Schlacht von Skagerrak voraus. Die SMS Kaiserin blieb unbeschädigt, traf aber die gegnerische HMS Warspite. Später gehörte das Schiff zum IV. Geschwader.
Foto der SMS Kaiserin. Die SMS Kaiserin gehörte zum III. Geschwader. Dieses fuhr in der Schlacht von Skagerrak voraus. Die SMS Kaiserin blieb unbeschädigt, traf aber die gegnerische HMS Warspite. Später gehörte das Schiff zum IV. Geschwader.

In Übersee streckten am 18.02. die Reste der deutschen Kolonialtruppe im Kamerun die Waffen.

Im Verlauf des Jahres 1916 wurde der Einfluss des Krieges auf die inneren Zustände der beteiligten Staaten zunehmend offenbar. Alle Staaten mussten den Notwendigkeiten des Kriegs Tribut zollen. Die Materialüberlegenheit der Entente wurde bereits in der Sommeschlacht drückend spürbar, in Deutschland wurden aufgrund der fehlenden Importe erste Versorgungs- und Ernährungsprobleme sichtbar (Steckrübenwinter 1916/17). Schon ab 1915 kam es zur Rationierung von Lebensmitteln.  Das Wirtschaftsleben musste immer mehr staatlich reguliert und die Verwendung von Rohstoffen organisiert werden. Mangel zwang zu Ersatzbeschaffungen. Die militärische Führung erhielt immer mehr Einfluss auf die Außen- und Innenpolitik, es entstanden zentrale Stellen für die Verwaltung aller Rohstoffe und eine Ausrichtung der gesamten Wirtschaft auf die Belange des Krieges. Der freie Handel wurde durch eine Art Zwangswirtschaft ersetzt,  die staatlichen Zwangsmaßnahmen des so genannten Hindenburg-Programms erfaßte beinahe alle wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Bereiche. Im Mai gab es erste Hungerdemonstrationen in Leipzig. Am 02.12. wurde ein Gesetz zum Vaterländischen Hilfsdienst angenommen. Damit wurden große Teile der Wirtschaft zum Zwecke der Rüstungsproduktion militarisiert. Arbeiter konnten nun zwangsverpflichtet werden. Die Kriegsziele der Mittelmächte verhinderten realistische Friedensbemühungen, ein Sonderfrieden mit Russland kam (noch) nicht zu Stande.   

Das Jahr 1916 hatte für Deutschland politisch eine tiefe Krise gebracht. Die enorme Zahl an Gefallenen und die schwierige Ernährungssituation führte innenpolitisch zu Spannungen. Das große Prestige von Hindenburg und Ludendorff sollte militärisch die Wende bringen, allerdings gab es nach drei Kriegsjahren eine Reihe von Friedensbemühungen. Im Dezember 1916 hatte der amerikanische Präsident Wilson einen 14 Punkte umfassenden Plan zur Beendigung des Krieges allen kriegsführenden Staaten vorgelegt. Schon am 12.12.1916 hatte es nach dem Sieg über Rumänien ein Friedensangebot der vier Mittelmächte an die Alliierten gegeben. Sie wollten aus einer Position der Stärke zu einem Ausgleich kommen, jedoch war die Antwort der Entente eindeutig negativ. Auch die amerikanische Friedensinitiative scheiterte. Am 04. und 07.01. beschlossene die Alliierten in Rom die zukünftigen Operationen besser aufeinander  abzustimmen. Nachdem ein Ende des Krieges nach den Vorstellungen Deutschlands zum jetzigen Zeitpunkt offensichtlich nicht erreicht werden konnte, sollte noch einmal die militärische Entscheidung gesucht werden.

Französische Gefangene. Nach einem originalen Foto aus dem November des Jahres 1916.
Französische Gefangene. Nach einem originalen Foto aus dem November des Jahres 1916.