Szenen aus dem Dienstalltag der Alten Armee - Menage bzw. Verpflegung
Im Zeitalter der allgemeinen Wehrpflicht und der modernen Massenheere stellte sich die Frage der Truppenverpflegung neu.
Bisher war die Verpflegung der Sölderheere bzw. der Heere des Ancien Régime in Friedenszeiten noch regelmäßig eine Privatsache des Soldaten bzw. des Quartierwirtes - gegen Entschädigung - gewesen, da in Friedenszeiten die Soldaten vornehmlich in Bürgerquartieren untergebracht waren.
Die Unterbingung der Soldaten in Kasernen kam (in Preußen) erst im späten 18. Jahrhundert auf.
Beim Marsch bzw. im Felde war aber bereits eine allgemeine Brotverpflegung üblich.
Die Besoldung erfolgte schon immer in Geld und ggfls. in Naturalverpflegung.
Für die von seinem Dienstherrn an den Soldaten gelieferte Verpflegung war schon früh (so im 16. Jhdt.) die Bezeichnung "Kommißbrot" üblich. Für die Soldatenverpflegung war auch der Begriff "Menage" gebräuchlich.
Im Laufe des 19. Jhdt. blickte auch die Wissenschaft intensiver auf die Verpflegung der unteren Volksschichten und der Soldaten und es entstand ein größere Sensibilität für Ernährungsfragen.
Das Ziel war der "wohlgenährte" Soldaten, denn eine gute Ernährung war die grundsätzliche Vorraussetzung dafür, dass das Militär überhaupt seiner Aufgabe im Ernstfall gerecht werden konnte.
Die staatliche Ernährung der Soldat war und blieb Massenernährung.
Problematisch blieben allerdings eine einseitige Ernährung und auch die fehlende Kochkompetenz der zum Kochdienst abkommandierten Mannschaften.
Während Offiziere und Beamte in der Garnison für ihre Verpflegung selbst aufkommen mussten, hatten, hatten Unteroffiziere und Mannschaften Anspruch auf Verpflegung in Natur oder in Geld.
In den Garnisonen gab es aber Offizier-Speiseanstalten, und zwar für Offiziere, die keinen eigenen Hausstand hatten.
Vor Ort gab es auch Offizier-Kasinos, später auch hinter den Fronten im Ersten Weltkrieg.
Verpflegung in der Garnison
Für die Unteroffiziere und Mannschaften gab es Morgen-, Mittags- und Abendkost.
Die tägliche Brotportion betrug 750 g oder alternativ 500 g Feldzwieback.
Die kleine Beköstigungsportion umfasste 10 g Kaffee, 180 g rohes Fleisch oder 120 g Speck oder 100 g Fleischkonserven sowie 40 g Fett, 250 g Hülsenfrüchte oder 125 g Reis, Graupen usw.oder
150 g Gemüsekonserven von Hülsenfrüchten oder 1500 g Kartoffeln und 25 g.
Diese Vorgaben waren die Orientierung für die Beköstigungsgelder.
Allerdings waren diese in den Garnisonen entsprechend den jeweiligen Lebensmittelpreisen verschieden hoch.
Die Sätze für die Unteroffiziere waren um 50 v. H. höher.
Quelle: Hein, Das kleine Buch vom Deutschen Heere, Kiel und Leiüzig 1901, S. 225 ff.). Auch für die nachfolgenden Ausführungen.
Die Zubereitung der Speisen erfolgte in Truppenküchen, die Kartoffeln wurden durch angestelltes weibliches Personal geschält, ggf. war auch eine Köchin angestellt.
Verpflegung in der Garnison
Die Speisen wurden gemeinsam in Speisesälen in den Kasernen zu sich genommen, allerdings nicht gemeinsam, die Unteroffiziere speisten für sich.
Morgens gab es Suppe und Kaffee, mittags gab es warme, abends gab es kalte Speisen.
Etwaige Ersparnisse mussten an die Mannschaften zurück gehen bzw. kamen ihnen zu Gute.
Die notwendigen Lebensmittel wurde ausgeschrieben bzw. zentral beschafft.
Verpflegung im Manöver bzw. im Felde
Die Sicherstellung der Verköstigung der Truppe im Felde folgte natürlich anderen Gesetzmäßigkeiten.
Laut Lehnerts Handbuch für den Truppenführer (Berlin 1912) sollte die Truppenverpflegung möglichst unter Inanspruchnahme der Resourcen des Kriegsschauplatzes stattfinden, und zwar durch Inanspruchnahme aller Hilfsmittel.
Der eiserne Bestand, die die Truppe mitführte, der Inhalt der Lebenmittel- und Futterwagen sollte stets sobald als möglich wieder aufgefüllt werden. Bei Unterbringung der an die Front marschierenden Soldaten sollte die Verpflegung durch den jeweiligen Quartierwirt erfolgen.
Trotzdem war in diesen Fällen zumeist auch die Entnahme der Verplfegung aus den Lebensmittel- und Futterwagen zusätzlich erforderlich. Diese mussten dann durch Ankauf oder Beitreibung vor Ort wieder aufgefüllt werden. Hierbei wurden durch die Truppenführer die Preise festgesetzt.
Ein Verpflegungsvorrat für Notfälle = eiserner Bestand musste dauernd vorgehalten werden.
Die sogenannte eiserne Portion bestand (je Soldat) aus 200 g. Eier- oder Feldzwieback, 200 g aus Fleischkonserven, 150 g aus Gemüsekonserven, 25 g Salz und 25 g Kaffee.
Für Pferde galt als eisenre Portion 6 kg an Hafer, bei schwereren Pferden waren es sogar 12 kg.
Als sogenannte Mundverpflegung führte die Kavallerie 2 und die übrigen Truppen 3 eiserne Portionen mit sich.
Bei den Fußtruppen wurden diese im Tornister, bei der Kavallerie in den Packtaschen untergebracht.
Die mit sich zu führenden eisernen Portionen für die Pferde war je nach Waffengattung unerschiedlich, z. B. für die Kavallerie drei Rationen bzw. zum täglichen Verbrauch eine 1/3 Haferration.
Zusätzlich versorgten die Marketenderwagen beim Bataillon bzw beim Regiment die Soldaten mit zusätzlich Bedürfnissen, wie sonstige Esswaren, Getränke, Zigarren, Reinigungsmittel sonstige Verbrauchsgegenstände usw.
Die Verpflegungskolonnen, also die Proviant-, Fuhrpark-, Armee-Lastzug-Kollonnen, sorgten für den Transport der Verpflegung.
Regelmäßig sollte ein Teil der Verpflegungskolonnen mit einem Tagesbedarf so nahe an die Truppe herangeführt werden, ggfls. auch direkt in den Unterkunfsbereich derselben.
Dies sollten so nahe sein, dass die eigentlichen Lebensmittel- und Futterwagen der Truppe relativ schnell wieder aufgefüllt werden konnten. Hierfür wird ein maximaler idealer Wert von 15 km je Weg (hin zur Verpflegungskolonne und zurück zur Truppe) angegeben.
Bei rückwärtigen Feldmagazine oder Ausgabestellen als Ersatz für Magazine konnten sich dann die Verplfegungskolonnen reproviantieren.
Seit dem Jahre 1908 (A.K.O) hatte man die Truppe mit Feldküchen ausgestattet, so entfiel das lästige Abkochen und die Marschleistungen konnten steigen.
Die Feldküche war von dem Fabrikanten Otto Magirus/ Ulm erfunden worden.
Es handelte sich um einen Selbstkocher im Glyzerinbad.
Man rechnete pro Kompanie 1 Feldküche, die 3 eiserne Portionen mit sich führte sowie mit einer 1 warmer Kost und Kaffee die Truppe täglich versorgen konnte.
Neben der Feldküche gab es im Reichsheer:
Lebensmittelwagen der Infanaterie, Kavallerie, Feldartillerie, Fußartillerie
Futterwagen
schwere Proviantwagen
leichte Proviantwagen
Fuhrparkwagen bespannt mit schweren Zugpferden
Armee-Lastzüge, und zwar als Motorwagen bzw. Anhängewagen
sowie Feldbahnen oder Vollbahnen
Zuständig bzw. verantwortlich für die Gewährleistung der Verpflegung der Truppe waren berittene Verpflegungsoffiziere.
Diese waren beim Generalkommando, bei den einzelnen Bataillonen und Regimentern und Abteilungen platziert.
Die Verpflegungsoffiziere waren zuständig für die Überwachung des ganzen Verpflegungsdienstes der Truppe, für die Überwachung der Tätigkeit der Furiere und des sonstigen Verpflegungspersonals, für den Ankauf oder die Beitreibung von Lebensmitteln bzw. Biwakbedürfnissen, für die Regelung des Verkerhs der Verpflegungsfahrzeuge zwischen der Truppen und den Empfangsstellen, für die Verteilung der Lebensmittel an die Truppen, für den Betrieb der Feldküchen, für die Überwachung der Beladung der Verplfegungsfahrzeuge, für die Überwachung der eisernen Portionen und Rationen, für die Leitung des Empfanges in den Magazinen, für die Leitung des Back- und Schlächtereibetriebes usw.
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Die Uniformierung der Infanterie des Deutschen Reichsheeres - 1871 – 1914. Teil XI. Jäger und Schützen.
Uniformierung und Ausrüstung der Alten Armee - Kavallerie - Kürassiere - Der Pallasch