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Vestes Bellica Archiv für Heereskunde

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Friedrich Meusel, Die Besoldung der Armee im alten Preußen und ihre Reform 1808.

Entnommen: Forschungen zur Brandenburg-Preussischen Geschichte, Bd. XXI/1 (1908), S. 243 ff.

Empfohlene Beiträge

Kriegsgeschichte

Napoleon und Preußen - Betrachtungen über den Untergang der altpreußischen Armee im Jahr 1806

Im Jahre 1806 kommt es zur Konfrontation zwischen dem postfriderizianischen Preußen und dem jungen französischen Kaiserreich. Diese Auseinandersetzung soll für die angesehene Militärmacht Preußen zum bitteren Lehrstück werden. Als sich in dem besagten Jahr die Kriegsgefahr verdichtet und der Konflikt zwischen Frankreich und Preußen abzuzeichnen beginnt, sind Österreich und Russland bereits geschlagen. Nun steht Preußen allein auf dem Schlachtfeld, halbherzig unterstützt von Sachsen. König Friedrich Wilhelm III. hat sich nur schwer für einen Waffengang entscheiden können und bis zuletzt auf eine diplomatische Lösung gehofft. Die preußische Kriegserklärung ist auch auf das Drängen der erstarkten Kriegspartei im Lande zurückzuführen, der sowohl ranghohe Militärs als auch Politiker, sowie bedeutsame gesellschaftliche Personen und auch Angehörige der königlichen Familie angehören.

Heeressoziologie

Die preußische Armee unter Friedrich Wilhelm I. (1713 - 40) - Kapitel 9 - Das Wehrersatzsystem - die Werbung.

Mit der Werbung im In- und Ausland verbinden sich zahlreiche Mißstände und die Exzesse im Zusammenhang mit der intensiven Jagd preußischer Werbekommandos nach großgewachsenen Rekruten hat das Image des preußischen Staates in den Augen der Zeitgenossen und der Nachwelt nachhaltig beeinträchtigt. Allerdings war der Heeresersatz durch Ausländer ein Problem sämtlicher Heere des 18. Jahrhunderts und charakteristisch für das Zeitalter der Söldnerheere. Ein Zeitgenosse berichtet: „ Die Werbungen sowohl innerhalb als außerhalb des Landes wurden unter KönigFriedrich Wilhelm unausgesetzt mit aller Strenge betrieben. Keine Schule war davon befreyt, nur die Universitaeten. Solange der Student auf der Universitaet und in deren Mauren sich aufhielt, so befand er sich in eine Freystadt. Das Dessauische Infanterie-Regiment lag in Halle, und dieses caperte vor den Thor, in den Dörfern, auch zuweilen wohl gar in der Stadt des Nachts manchen Studenten weg. Sie eilten mit ihnen nach Dessau, biß der darüber entsandene Lerm und Tumult sich unter den Studenten gelegt hatte. Sobald man die Universitaet verließ, so war man nirgens sicher, selbst die Candidaten, wenn sie zur Ordnination nach Magdeburg, Stendal, Berlin etc. Reiseten, waren in Gefahr, im Thor angehalten und weggenommen zu werden. Den(n) nur die würcklichen Prediger, aber kein Candidatus iam vocatus, auch kein Schulbedienter war vor die Werber sicher. Hir in Azendorf besetzte ein Comando Soldaten in der Nacht dieSchule und hohlten den Organisten Franken aus seinem Bette und führten ihn nach Calbe. Weil er aber den Officier viel größer beschrieben, als er würcklich war, so brachte ihm der ihm nacheilende Herr Inspector Theune von da gleich wieder mit sich zurücke. Nicht besser machten es die preußischen Officier und Unterofficier, die außer Landes auf Werbungen gesand wurden. Jedes Regiment wehlte dazu die listigsten und verschlagendste Köpfe. Wenn diese einen großen Kerl nicht überreden konten, sich anwerben zu lassen zu laßen und Handgeld zu nehmen, so suchten sie sich seiner mit Listund Gewalt zu bemächtigen. Nichts war ihnen zu schwer, nichts zu gefährlich; sie wagten ales und ließen es darauf ankommen, wie es ablaufen würde. Sie brachen ein, hohlten den großen Kerl aus dem Bette, warfen ihm so im Hämde ofte gebunden und geknebelt auf einen parat stehenden Wagen und eilten mit untergelegten Pferden, die Gränze und unsere Provinzien zu erreichen“1. Die Mißstände bei der in- und ausländischen Werbung sind auch mit dem enormen Leistungsdruck zu erklären, der auf den verantwortlichen Offizieren lastete. Das Regelement von 1726 sprach diesbezüglich eine deutliche Sprache: „Wenn die Capitaines hübsche Leute ohne Klagen und Gewaltthätigkeiten mit guter Manier anwerben, die Obriste gute Regimenter, und die Capitaines gute Compagnien an Mannschaft in guter Ordre vorführen werden; Alsdenn Selbige bey Seiner Königl. Majestät sich bestens recommendiren werden; Im gegentheil diejenigen, welche schlechte Regimenter und Compagnien und Compagnien haben, auf das aller übelste sich recommendiren werden“.