Formations- und Uniformierungsgeschichte der altpreußischen Infanterie 1740 - 86.

Vorbemerkungen.

Die nachfolgenden Ausführungen basieren insbesondere auf einem handschriftlichen - bisher unveröffentlichten und dem Verfasser überlassenen - Manuskript des münsterischen Heereskundlers Hans Bleckwenn (* 15. 12.1912 in Leipzig; † 10. 07. 1990 in Münster).

Dieses Skript wurde vom Verfasser ergänzt durch verschiedene Bezugnahmen

auf das Hauptwerk des Vorgenannten (Derselbe, Die friderizianischen Uniformen 1756 - 1786, Osnabrück 1984)

sowie vor allem

auf Curt Jany, Geschichte der Preußischen Armee vom 15. Jahrhundert bis 1914, Osnabrück 1967, Bd. II. und III.

und

auf Constantin Kling, Die Infanterie-Regimenter. Allgemeine Bemerkungen. Geschichte der Bekleidung, Bewaffnung und Ausrüstung des Königlich Preussischen Heeres, Bd. 1, Osnabrück 1971.

Ferner wurden zeitgenössische Quellen - wie Vorschriften (Reglements, Parolebefehle usw.), Memoiren usw. - und einige Sekundärliteratur für Ergänzungen bzw. Korrekturen benutzt.

Musketier aus dem Infanterie-Regiment No. 4. Unkolorierte Tafel ais dem Armeewerk von Adolph v. Menzel.

Zum Bestand an Feld-Infanterie 1740 und 1786.

In den "Denkwürdigkeiten zur Charakteristik der preußischen Armee unter dem großen König - Friedrich dem Zweiten. Aus dem Nachlaß eines alten preußischen Offiziers. Glogau 1826" (S. 138 ff.) ist zu lesen:

"Als König Friedrich der Zweite zur Regierung kam, fand derselbe vier Füsilier-Regimenter vor, welche er jedoch in Musketier-Regimenter verwandelte, und dazu noch 16 Füsilier-Regimenter errichtete. Die übrigen bestanden in 32 Musketier-Regimentern (inclusive der Garden, welche Grenadiere hießen, und von den eine Kompagnie per Bataillon, außerdem das ganze dritte Bataillon Garde, Grenadier-Mützen hatte) und der Grenadier-Garde, oder dem Stamm von Friedrich Wilhelms des Ersten großem Regiment. Als hierauf Westpreußen acquirit wurde, errichtete Friedrich der Zweite in dieser Provinz noch fünf Füsilier-Regimenter, und in Schlesien ein Feld-Musketier-Bataillon zur Besatzung von Silberberg".

Offizier aus dem Infanterie-Regiment No. 13. Unkolorierte Tafel aus dem Armeewerk von Adolph v. Menzel.

Bestand und Kopfstärke der Infanterie im Wandel (1740 - 86).

Nach den ersten Heeresverstärkungen im Jahre 1740 betrug die etatsmäßige Gesamtstärke der Infanterie 56630 Gemeine, insgesamt 66990 Mann, dabei waren die sogenannten Überkompletten nicht berücksichtigt. Dies war eine Verstärkung um 14005 Mann (Jany, Geschichte ..., Bd. 2, S. 7).

Nach dem Zweiten Schlesischen Krieg setzte sich der Aufwuchs des Heeres und insoweit auch das Anwachsen der Infanterie weiter fort. Nach den Generallisten zählte die Infanterie im Jahre 1755: 2511 Offiziere, 5830 Unteroffiziere, 224 Pfeifer, 1861 Tambours, 13393 Grenadiere - einschließlich der Zimmerleute - und 60450 Musketiere (Jany, Geschichte ..., Bd. 2, S. 195).

Bei der Mobilmachung im Jahre 1756 gehörten zur Armee des Königs 50700 Infanteristen, zum Schlesischen Korps 19400 Infanteristen und zum Preußischen Korps 20700 Infanteristen. Also waren an Infanterie mobil gemacht: 90800 Mann Infanterie (Jany, Geschichte ..., Bd. 2, S. 352).

Am Ende des Siebenjährigen Krieges umfasste die Infanterie 69806 Landeskinder, 9148 Sachsen und 29420 Ausländer (Jany, Geschichte ..., Bd. 2, S. 645), die Inländer überwogen also bei weitem.

Nach dem Friedensschluß (1763) wurde die Stärke der Armee wieder auf den Friedensfuß zurückgeführt. Die Sollstärke der Infanterie sollte nun betragen: 1. Bataillon Garde (920 Mann), 2. und 3. Bataillon Garde (1783 Mann), Saldern - Grenadier-Garde (864 Mann), Anhalt-Bernburg mit 3 Bataillonen (2580 Mann), 41 Infanterie-Regimenter je 1722 Mann, 5 Infanterie-Regimenter ohne Grenadier-Kompanien mit je 1404 Mann, 2 Grenadier-Bataillone zu 6 Kompanien mit je 932 Mann, 4 Grenadier-Bataillone zu 4 Kompanien mit je 621 Mann, 4 Kompanien Fußjäger (326 Mann), 5 Garnison-Regimenter zu 4 Bataillonen mit je 2800 Mann, 2 Garnison-Regimenter zu 3 Bataillonen mit je 2100 Mann, 1 Garnison-Regiment zu 2 Bataillonen (1400 Mann), 4 Garnison-Bataillone mit je 700 Mann, 2 Land-Regimenter zu 7 Kompanien mit je 136 Mann und 2 Land-Regimenter zu 4 Kompanien mit je 79 bzw. 80 Mann (Jany, Geschichte ..., Bd. 3, S. 12).

Bei seinem Tod (1786) hinterließ Friedrich der Große eine Armee mit einer Stärke von insgesamt 194898 Mann. Davon zählten 111780 Mann zur Infanterie, dazu kamen noch das Regiment Fußjäger (1362 Mann) und 3 Regimenter Leichte Infanterie (4899 Mann) (Jany, Geschichte, Geschichte ..., Bd. 3, S. 134).

Offizier aus dem Infanterie-Regiment No. 22. Unkolorierte Tafel aus dem Armeewerk von Adolph v. Menzel.

Etat (Kopfstärke) eines Infanterie-Regiments.

Laut den vorgenannten "Denkwürdigkeiten zur Charakteristik der preußischen Armee unter dem großen König - Friedrich dem Zweiten. Aus dem Nachlaß eines alten preußischen Offiziers. Glogau 1826" (S. 107 ff.) war der Etat eines Feld-Infanterie-Regimentes wie folgt:

"Ein Feld-Regiment bestand aus 51 Ober-Offizieren worunter sowohl der Chef als sämmtliche Staabs-Offiziere begriffen waren, und zwar:

  1. Der Regiments-Chef

  2. Der Regiments-Kommandeur, welcher zugleich das erste Bataillon kommandirte.

  3. Der Kommandeur des zweiten Bataillons.

  4. Zwei Staabs-Offiziere zum Richten.

  5. Sieben Kapitains.

  6. 3 Staabs-Kapitains. Neun Premier-Lieutenants.

  7. 17 Sekonde-Lieutenants und 10 Fähnrichs. Zwei Subaltern waren Adjutanten.

Ferner 144 Unteroffiziers, 38 Tambours, 6 Hautboisten, 12 Chirurgen der Kompagnien, 276 Grenadiers und 1220 Musketiere, oder Füsilierem welches der Sache nach gleich war.

Dies war der Stamm der Regimenter, welche jedoch per Kompagnie mit 20 Mann zuerst, und darauf noch mit 20 augmentirt wurden, dergestalt, daß eine Kompagnie 162 Gemeine war. Diese Augmentation fand ganz bei den Regimentern in der Mark, im Magdeburgischen und in Pommern, hingegen nur halb in Preußen, Westphalen und Schlesien statt. Außerdem befand sich noch beim Regiment der Unterstab, bestehend aus

1 Regiments-Quartiermeister, 1 Auditeur, 1 Feldprediger, 1 Regiments-Feldscheer, d. h. Arzt, 2 Büchsenmacher und Schäfter,, 1 Profoss".

Georg Heinrich von Berenhorst ergänzt in seinen Betrachtungen über die Kriegskunst (Leipzig 1827, S. 205: " Die Zahl der Officiere eines Regiments Fußvolks war bei einigen ein und fünfzig; er vermehrte selbige mit vier und fünf Subalternen, welches die Zahl auf fünf und fünfzig brachte, im Kriegszeiten kommt der sechs und fünfzigste hinzu".

Musketier um 1786 (No. 23). Sowie Halsbinde, Tornister, Hut und Seitenwaffe des Infanteristen. Zeichnung des Verfassers insbesondere nach Menzel.

Von alten und neuen Regimentern.

Friedrich der Große übernahm bei seinem Regierungsantritt 32 Infanterie-Regimenter. Die nachfolgenden Nummern betreffen die ab 1740 neu errichteten Infanterie-Regimenter, allesamt Füsilier-Regimenter, außer No. 34.

Dieses Regiment wurde 1740 aus dem II. Bataillon des alten Kronprinzen-Regiments No. 15 errichtet, als dieses zum neuen Königs-Regiment umformiert wurde. Mit Blick auf diese Vorgeschichte handelte es sich nicht um ein Füsilier-Regiment. Die Gemeinen trugen deshalb auch Hüte und nicht Füsiliermützen.

Die Uniformen dieser neuen Regimenter waren überaus schlicht gestaltet. Dies galt aber nicht für die drei Weseler -Regimenter (No. 41, 44, 45), die "alte" Uniformen trugen.

Bei den neuen Regimentern bevorzugte man auch Silber als Metall und gebrochene Farben.

Altpreußische Infanterie geht vor. Zeichnung von Richard Knötel.

Regelungen des Infanterie-Regiments 1743.

Die Regimenter sollen alle Jahre nach der gegebenen Probe ohne Anfrage mundiren, und den 1ten May die Mundirung ausgeben. Wann aber Seine Königliche Majestät die Regimenter die Revue passiren sehen wollen, so soll die Mundirung Tages vorhero ausgegeben werden (S. 630).

Rückansicht eines Musketiers. Unkolorierte Tafel aus dem Armeewerk von Adolph v. Menzel.

Die Uniformierung des Gemeinen. Der Rock.

Der dunkelblaue Rock des Gemeinen war aus vier Längsbahnen zusammengesetzt, die an den Seiten und hinten bis herab zur Taille zusammen genäht sind, an der Seite sind die Schösse vom Taillenknopf an in 3 Falten gelegt und durch Knöpfe zusammengehalten, vorn und hinten sind die Ecken nach außen geschlagen und mit einem Knopf (vorn) und einem Riegel aneinander befestigt. Die Schöße reichen in der Länge bis etwas unter die Mitte des Oberschenkels.

Der ganze Rock ist mit Boy gefüttert, nur die Ärmel mit Leinen.

Die Abzeichen sind von Tuch (Ausnahme: No. 46 und G X = Garnison-Grenadiere).

Die (Ärmel-)Aufschläge sind regimentsweise entweder rund - geschlossen, nur bei No. 4, 6, 18 und GNG offen oder schwedisch mit spitzer -bei No. 7 runder - Ecke.

Auf der linken Schulter befindet sich ein daumenbereiter Dragoner, gefüttert mit Boy und nach dem Hals hin zugeknöpft.

Nach Jany (Notizen wohl nach Feyereisen) hatte der Dragoner die nachfolgende Farbe: No. 1 - blau, No. 2 - blau, No. 3 - rot, bei den Grenadieren weiß, No. 4 - blau, No. 5 - ?, No. 6 blau, No. 7 - rosa, No. 8 - blau, No. 9 - blau, No. 10 blau, ab 1786 gelb, No. 11 - blau, No. 12 - rot, No. 13 - paille, No. 14 - blau, No. 15 I-III - rot, Flügel-Grenadiere weiß, Unrangierte rot, No. 16 - blau, No. 17 - weiß, No. 18 - rosa, No. 19 - blau, No. 20 - blau, No. 21 - weiß, rot gestreift, No. 22 - blau, ab 1786 rot, ab 23 - blau, No. 24 - blau, No. 25 - rot, No. 26 - rot, No. 27 - rot, No. 28 - blau, No. 29 - blau, No. 30 - blau, ab 1786 rot, No. 31 - rot, No. 32 - blau, No. 33 - weiß, No. 34 - rot, No. 35 - gelb, No. 36 - weiß, No. 37 - rot, ab 1786 rot, No. 38 - rot, ab No. 39 - blau, No. 40 rosa, No. 41 - rosa, No. 42 - orange, No. 43 - orange, No. 44 - blau, No. 45 - blau, ab 1786 rot, No. 46 - schwarz, No. 47 - gelb, No. 48 - rot, No. 49 - blau, No. 50 , 51, 52 (Grenadiere weiß) - jeweils Abzeichenfarbe, No. 53 - blau, No. 54, 55 - jeweils Abzeichenfarbe.

Die Metallknöpfe von 20 mm Durchmesser sind gewöhnlich abgeplattet, mit einem Randring, bei No. 7, 10, 15, 18, 22, 24, 28, 29, 34, 35, 39, 40, 49. Bei No. 5, 32, 47 sind die Knöpfe halbrund erhaben.

Der Sitz ist folgender:

vorn auf der Brust bzw. auf der Rabatte gewöhnlich 6 Stück in 3 Paaren, bei No. 16 neun Stück in 3 Paaren oder in einer Reihe No. 6 (6 Stück), No. 3 (7 Stück), No. 15 (7 Stück), N0. 21 (9 Stück), No. 27 (9 Stück), No. 8 (11 Stück),

rechts vorn in der Taille 2 Knöpfe,

am Dragoner 1 Knopf,

auf jedem (Ärmel-) Aufschlag 2 - 4 Knöpfe, und zwar schwedisch 2, rund - geschlossen 2, rund - offen 3 oder 4,

weiter auf jeder Taschenpatte 3, jeweils hinten in der Taille 1, darunter in den Schoßfalten 3, an den Schössen jeweils 1 Knopf und zwar vorn.

Die Regimenter mit alter Uniform haben einen Besatz von wollenen Borten, Litzen oder Schleifen.

Dieser Besatz ist in seinem Muster und in seiner Anordnung regimentsweise verschieden. Bei No. 6 und No. 15 handelte es sich beim dem Besatz um Metallborten. No. 15 hatte jeweils einen Rock mit und einen Rock ohne Besatz.

Letztere Einheit hat zusätzlich noch ein silbernes Achselband.

Von den Regimentern mit neuer Uniform haben Besatz: No. 41, 44, 45, 48, 50.

Zu den Farben:

Die Grundfarbe des Rockes ist dunkelblau. Das Futter hat ein stumpf ponceau-rote Farbe, nur bei No. 18, 31, 40 ist es rosa. Bei No. 41 ist es in der Abzeichenfarbe gehalten, ebenso bei No. 15.

Die Abzeichenfarbe ist jeweils unterschiedlich (siehe hierzu die nachfolgende - von Curt Jany übernommene - tabellarische Übersicht, folgt).

Auch das Muster der Besätze war von Regiment zu Regiment unterschiedlich.

Der Pattenvorstoß ist in der Futterfarbe gehalten.

Musketier aus dem Infanterie-Regiment No. 9. Unkolorierte Tafel aus dem Armeewerk von Adolph v. Menzel.

Der Dragoner ist blau oder in der Regimentsfarbe gehalten (bei No. 21 mit Borte besetzt, ebenso bei den Grenadieren von No. 3). Siehe hierzu auch die obigen Angaben nach Jany.

Die Knöpfe bestehen entweder aus Messing oder Zinn, bei No. 15 sind sie versilbert.

Das Achselband bei No. 15 I ist silbern, bei No. 15 II und 15 III weiß-silbern, die Stifte silbern.

Zu den Rabatten:

Diese sind in der Regimentsfarbe gehalten. Im Winter oder bei entsprechender schlechter Witterung können diese übergeknöpft werden, und zwar von links nach rechts.

Die anderen Regimenter (ohne Rabatten) haken den Rock vorn zu.

Die Schöße wurden dann herunter gelassen und das Säbelgehenk über den Rock geschnallt.

Beim rund-offenen (Ärmel-)Aufschlag bleibt der unterste Knopf offen.

Abzeichen der altpreußischen Feldinfanterie um 1756. Jany. Geschichte ...., Bd. 2.
Abzeichen der altpreußischen Feldinfanterie um 1756. Jany. Geschichte ...., Bd. 2.
Abzeichen der altpreußischen Feldinfanterie um 1756. Jany. Geschichte ...., Bd. 2.
Abzeichen der altpreußischen Feldinfanterie um 1756. Jany. Geschichte ...., Bd. 2.
Abzeichen der altpreußischen Feldinfanterie um 1756. Jany. Geschichte ...., Bd. 2.

Regelungen des Infanterie-Regiments 1743.

Die Regimenter können mit dem Ellen-Maaß laut Oeconomie-Reglement genugsam auskommen, dahero auch die Mundirung vollkommen gemachet werden muß, daß sie zur Winterszeit kan zugeknöpffet werden.

N.B. Due Röcke und Rock-Ermel, auch die Camisöler sollen eingelget werden, daß sie zur Winterszeit können ausgelassen werden.

Die Röcke sollen nicht zu lang und zu kurz, mit 3 Falten in der Seite hinten sonder Falten, auch mit engen Ermeln laut Probe gemachet werden (S. 638).

Bey kaltem oder sehr regnichtem (regnerischen) Wetter sollen die Röcke zugemachet, und die Gehenke über den Rock gespannet werden (S. 647).

Details der Uniform der Musketiere, u. A. Infanteriesäbel mit Gehenk, Dragoner, Hut usw. Zeichnung des Verfassers insbesondere nach Menzel.

Die Uniformierung des Gemeinen. Das Kamisol. Das Brusttuch. Das Hemd bzw. Oberhemd. Die Vorsteckärmel.

Das Kamisol (= Weste) ist aus Tuch und reicht etwa bis zur Spalthöhe.

Es hat keine Ärmel und ist gefüttert mit Leinwand.

Es hat Schösse mit Taschen und Patten, ist vorn abgeschrägt und wird einreihig (mit 12 Knöpfen) geschlossen.

Diese Knöpfe sind etwas kleiner als die Knöpfe am Rock.

Die alten Regimenter haben zum Kamisol Ärmel. Diese sind ungefüttert.

Die Farbe des Kamisols war regimentsweise verschieden, hatte aber meist Farbtöne von weiß bis gelb.

Die Weste wird im Sommer bei entsprechendem Wetter bis auf die 3 oder 4 untersten Knöpfe offen getragen. Die Ärmel werden im Winter angenäht.

Das Brusttuch ist aus Tuch gefertigt. Im Grunde handelt es sich um eine kurze Jacke - mit oder ohne Ärmel. Die Brusttücher werden aus altem Kamisol gemacht.

Im Winter wird das Brusttuch unter der oben beschriebenen Weste getragen.

Das weiße Hemd ist aus grober Leinwand und hat eine Öffnung hinten sowie einen (liegenden) Kragen.

Das weiße Oberhemd besteht aus feiner Leinwand und entspricht im Stil einem gefälteten Stück Leinen.

Das Oberhemd wird nur zur Parade getragen und oben am Hals mit Nadeln auf dem Hemd befestigt und vorn Hose in die Hose gesteckt. Es wird zwischen der Halsbinde und Weste sichtbar, wo es den Hemdkragen versteckt.

Ferner gibt es weiße Vorsteckärmel aus Leinwand. Es handelt sich um kurze Ärmel, die unten an die Hemdärmel gebunden werden.

Auch die Vorsteckärmel werden nur zur Parade getragen und schauen aus den Ärmeln des Rpckes hervor.

Regelungen des Infanterie-Reglements 1743.

N.B. Die Camisöler werden alle 2. Jahre Ermel sonder Unterfutter gemachet (S. 630).

Die Camisöler sollen kurz, nicht zu weit, auch die Ermel nicht länger, als wie die Rock-Ermel sind, gemachet werden (S. 638).

Hutformen und Sitz des Dragoner bei Rock des Gemeinen. Dazu Sitz der Schleifen beim Offiziersrock. Zeichnung des Verfassers nach verschiedenen Vorlagen.

Die Uniformierung des Gemeinen. Die Hosen. Die Strümpfe und Socken.

Die Hosen sind Tuch oder aus Leinwand.

Es handelt sich um Kniehosen, die unter dem Knie zusammen gebunden werden. Vorn hat die Hose einen großen Latz, der seitlich kurz vor den Hüften angeknöpft wird.

Die Tuchhosen haben die Farbe des Kamisols. Die Leinenhosen sind weiß. Letztere werden bei entsprechendem Wetter vom 01.05. bis zum 30.09. getragen.

Die weißen Strümpfe sind aus Wolle und reichen bis an das Knie.

Sie werden nicht immer getragen, es gibt auch Socken.

Die weißen Socken sind aus Leinwand (Fußlappen, Talglappen) und werden im Sommer auf den Märschen getragen.

Regelungen des Infanterie-Reglements 1743.

Die Capitaines sollen den Unter-Officiers, Tambours und Gemeinen alle Jahr ein paar Leinewands-Hosen von weisser Leinewand, und alle Jahr im Früh-Jahr und im Herbst neue rothe Hals-Binden und Haar-Bänder von den kleinen Mundirungs-Geldern anschaffen; Und zu einem Haar-Band werden 4. Ellen gebrauchet.

N. B. Das Haar-Band soll in Potsdam genommen werden, und die Elle Haar-Band kostet 6 Pf. (S. 631).

Die Hosen müssen enge um die Beine und im Gesäß, auch kurz über das Knie gemachet werden (S. 638).

Die Uniformierung des Gemeinen. Die Stiefeletten.

Die Stiefeletten werden aus Zwillich gefertigt. Der Schnitt ist bequem und sie reichen bis auf die Kniescheibe. Unter dem Fuß befindet sich ein Steg (zum sicheren Halt und straffen Sitz).

Sie werden außen mit 16 bis 18 Knöpfen (Messing) geschlossen, und zwar hinten über vorn.

Die Stiefeletten sind weiß oder schwarz.

In Friedenszeiten werden die schwarzen Stiefeletten in der Zeit vom 01.10. bis zum 30.04. getragen, also im Winter, sonst werden die weißen Stiefelletten angelegt.

Im Sommer werden schwarze Stiefeletten auf Märschen oder bei schlechtem Wetter getragen.

Im Felde - also in Kriegszeiten - trägt man stets schwarze Stiefeletten.

Bis August 1756 hatte No. 15 I nur weiße Stiefeletten in Gebrauch.

Regelung des Infanterie-Reglements 1743.

Es sollen alle Jahr neue Stiefeletten gegeben werden, und die Unter-Officers, Hauptbois, Pfeiffers, Tambours und Gemeine sollen im Dienste auch, wann sie auf der Straße gehen, allezeit Stiefeletten anhaben (S. 632).

Ergänzende Hinweise zu den Stiefeletten.

In den bereits erwähnten "Denkwürdigkeiten zur Charakteristik der preußischen Armee unter dem großen König - Friedrich dem Zweiten. Aus dem Nachlaß eines alten preußischen Offiziers. Glogau 1826" (S. 141) heißt es zu den Stiefeletten:

"Die Stiefeletten waren von schwarzem Tuch, auch bei einigen Regimentern von schwarzem Zwillich, und in der Art ein gutes Bekleidungsstück, daß der Soldat bei nassem Wetter sie für sich allein trocknen konnte, ohne sich ganz ausziehen zu dürfen, wie bei langen Beinkleidern geschehen muss. Vor dem 7jährigen Kriege trug die Infanterie im Sommer weißleinwandene Stiefeletten, welche aber, weil sie sehr leicht beschmutzt werden., folglich nur jedesmal einen Tag getragen werden können, ohne wieder gewaschen werden zu müssen, für die Armee, exclusive dem ersten Bataillon Leib-Garde, abgeschafft wurden".

Die Uniformierung des Gemeinen. Die Schuhe.

Die schwarzen Schuhe sind nicht blank und aus Leder.

Sie sind vorn abgestumpft und haben hohe Absätze. Sie sind zum Schnüren eingerichtet.

Regelungen des Infanterie-Reglements 1743.

Das ganze Regiment muss égales breite Schuhe haben (S. 639).

Altpreußische Musketiere. Farbige Zeichnung des Verfassers nach einer Vorlage von Richard Knötel.

Die Uniformierung des Gemeinen. Die Halsbinde.

Die Halsbinde besteht aus Etamin (= eine besondere Leinwandbindung).

Sie wird durch eine Pappeinlage gesteift.

Bei roten Binden ist innen ein Leinwandsteifen, der oben etwa fingerbreit nach außen umgeschlagen wird.

Bei den Regimentern mit alter Uniform ist die Farbe der Halsbinde rot, außer bei No. 18 (sowie bei No. 28, 31, 32).

Die anderen Regimenter (ab No. 33) haben schwarze Halsbinden.

Regelungen des Infanterie-Regiments 1743.

Die Unter-Officiers und Gemeine sollen allezeit ihre Mundirungs-Binden umbinden, und keine schwarze Leinewands-Siefeletten anziehen.

N.B. Die Die Binden sollen fest um den Hals gebunden, die Stieffeletten glatt aufgezogen und mit dem übrigen weissen Zeug gut gewaschen werden. Im Felde sollen sich die Bursche ihr weiß Zeug selber waschen (S. 646).

Das altpreußische Infanterie-Regiment No. 11 (v. Below bis 12.09.1758, dann v. Rebentish bis 25.06.1763) im Kampfeinsatz. Der Bortenbesatz des Tambours auf den Ärmeln war gerade, nicht schräg. Sie trugen auch nicht den Schleifenbesatz des Rockes des Gemeinen. Zeichnung von Richard Knötel.

Die Uniformierung des Gemeinen. Die Handschuhe.

Als Handschuhe dienen Fäustlinge aus Tuch. Bei No. 15 I sind außerdem Fingerhandschuhe von Leder mit kurzen Stulpen in Gebrauch, wie bei den Unteroffizieren.

Die Handschuhe werden aus alten tuchenen Kamisolen gemacht. Die ledernen Handschuhe von No. 15 I sind gelblich angestrichen.

Die Fingerhandschuhe von No. 15 I werden im Übrigen nur zur Parade angezogen.

Altpreußische Infanterie (No. 24) im Vorgehen begriffen. Gut ist die Tragweise des Gepäcks beim Musketier vorn zu sehen. Farbige Zeichnung von Richard Knötel (Tafel aus der Großen Uniformkunde).

Die Uniformierung des Gemeinen. Die Frisur.

Das Kopfhaar wird von der Stirn weggekämmt und im Nacken zu einem runden Zopf vereinigt, welcher - eventuell durch eine Lunte verlängert - bis ins Kreuz reicht. Der Zopf wird mit einem Zopfband verwickelt.

Die Seitenhaare werden über den Ohren in waagerechte oder senkrechte Locken frisiert, deren Anzahl regimentsweise verschiden ist, bei ersteren meist links eine mehr als rechts, da der Hut aufs rechte Auge gedrückt gedrückt wird.

Schnurbärte sind erlaubt, er wird auf "polnische Manier gestutzt", d. h., die Ecken werden aufgedreht; dann eventuell eines Backenbartes.

Das Haar kann gepudert werden. Das Zopfband ist schwarz.

Das Haupthaar wird im Frieden nur zur Parade gepudert, im Felde nur auf besonderen Befehl.

Anmerkung: Im Felde dürfte die Frisur einfacher gewesen sein.

Regelungen des Infanterie-Regiments 1743.

Die Haare müssen allezeit gut verschnitten werden, daß die Ohren bedecket sind, und müssen vor der Stirne eingebunden, und auf Parade allezeit wohl gepudert seyn.

N.B. Es soll kein Unter-Officier oder Gemeiner eine Peruque tragen, es wäre dann, daß einer nothwendig eine Peruque haben müsste, alsdann solche ganz dünne und kurz gemachet werden soll.

Parolebefehle aus dem Infanterie-Regiments No. 23 (überliefert durch v. Witzleben).

Die Haare werden auch verschnitten und die guten Bärte gut aufgebunden, so wie sie das Regiment trägt. 28.03.1751.

Der König lässt hart verbieten, daß kein Soldat einen gefärbten Bart, sondern so wie seine Haare tragen soll. 29.11.1751.

Der Herr General hat wahrgenommen, daß die Bärte bei denen Kompagnien nichts nutze sitzen, als sollen die Kompagnien danach sehen, daß die Leute lassen solche aufstutzen 11.03.1752.

Wenn Commandos abgehen, sollen sie ihre Haare nicht in Papillotten, sondern ausgekämmt und gepudert haben. 29.07.1753.

Die Chefs und Kommandeurs der Kompagnien sollen besser darnach sehen, daß, wenn ein Kerl ist, der einen Bart tragen kann, besonders wenn er ein gutes Grenadier Gesichte hat, solchen stehen stehen lassen, desgleichen auch die Rekruten, so noch nicht verspielt.

Die Zöpfe nicht zu hoch und nicht zu niedrig gefasst sein. Die Hakens sollen recht unter den Achselband sitzen, daß keine zu sehen. Auf die Frisur soll besser gesehen werden, daß jeder 3 gehörige Locken hat, es sei denn, daß er zu wenig Haare, so muß er doch 2 haben. Überhaupt soll auf die Propreté aufs Beste gesehen werden. 02.05.1780.

Altpreußischer Musketier. Farbige Zeichnung aus dem Soldatenfreund.

Die Uniformierung des Gemeinen. Der Hut.

Der Hut bestand aus Filz.

Die mit einer Kamelhaarborte eingefasste Krempe ist dreimal aufgeschlagen, und zwar vorn rechts, vorn links und hinten.

Die Klappen werden am Hutkopf von Stutzschnürchen gehalten, die auf jeder Klappe zweimal etwa je 2 1/2 m lang sichtbar sind.

Auf der Klappe vorn befindet sich ein Knopf.

Den Hutknopf schnürt ein Kordon ein, dessen Endquästchen rechts und links zwischen den Klappen zum Vorschein kommen, nachdem sich der Kordon hinten am Hutkopf überkrempt hat.

Auf der Rückseite der Krempe vorn links ist ein großer wollener Hutpuschel befestigt.

Gehalten wird der Hut auf dem Kopf durch eine Haarschnur.

Bei No. 15 I sind die Hüte mit Tresse eingefasst. Diese ist beim I. Btl. breit und gebogen. Dazu die Kokarde wie beim Offiziers-Hut (neueren Modells).

Beim II. Btl. ist die Tresse mittelbreit und gebogen.

Bei den Unrangierten fehlt der Hutrand, aber es wird eine Kokarde wie bei den Offizieren angelegt.

Der Hut (Dreispitz) ist schwarz, die Einfassung weiß. Bei No. 15 ist diese silbern, die Stutzschnüre schwarz.

Der Knopf hat jeweils die Regimentsfarbe.

Am Hut sind Kordon und Puschel von gleicher Farbe, aber bei den Regimentern untereinander verschieden.

Die Tressenspangen sind silbern.

Der Hut wird von den Linien-Kompanien getragen, und zwar von No. 5 - 5, 7 - 14, 15 I und II, 16 - 32, 34.

Er wird auf das rechte Auge gedrückt, die vorderte Spitze etwas nach links gedreht.

Die Halteschnur (des Hutes) wird unter dem Zopf durchgeführt.

Hüte preussischer Musketiere. Vorstudien von Adolph v. Menzel zum Armeewerk.

Regelungen des Infanterie-Regiments 1743.

Alle Jahre sollen neue Hüthe mit weisen Cameel-Haarnen Schnüren gegeben, auf die Mundirung der Hautbois, Pfeifers, Tambours und Gemeinen aber wollene Schnüre gesetzet werden.

N.B. Es sollen allezeit neue Hüthe mit Püschels auf der Mundirungs-Cammer in Verwahrung sey, damit, wann ein Marche kömmt oder es sonst befohlen wird, die Regimenter neue Hüthe haben.

N.B. Die Hüthe, welche getragen werden müssen im propre und gut aufgestutzet seyn. Weshalb die Hüthe alle Jahr einmahl ausgeformet, und die Tressen ausgewaschen werden müssen (S. 631).

Die Hüthe müssen laut Probe aufgestutzt, und schmale Schnüre darauf gesetzet werden (S. 638).

Die Grenadiers müssen niemahls sonder Grenadiers-Mützen, und die Musquetiers niemahls sonder ihrem Mundirungs-Huth, auch nicht ohne Säbel auf der Straße gehen.

N.B. Im Gewehr muß kein Huth oder Grenadier-Mütze abfallen, daher die Kerls die Hüthe und Mützen fest auf dem Kopf setzen müssen, und die Mützen und Hüthe müssen nicht hinten in den Nacken, sondern gerade auf dem Kopff gesetzet werden; Dahero in den Hüthen Creutzer gemachet werden müssen (S. 645/646).

Altpreußische Musketiere (Infanterie-Regiment v. Canitz. Um 1750-69. Originale Lithographie aus dem 19. Jhdt.

Die Uniform des Gemeinen. Die Grenadiermütze.

Die Grenadiermütze ist durch ein vorderes Blech gekennzeichnet, welches in Größe und Gestaltung (Ornamentik) regimentsweise unterschiedlich ist.

Am höchsten ist die Grenadiermütze bei No. 6, 15, 18, am niedrigsten bei No. 1 und 7.

Um den Kopf schließt sich der sogenannte Kranz an, meist aus Tuch, nur bei No. 6 und 15 sowie bei den Grenadier-Kompanien von No. 11 und 34 ist dieser aus Blech.

Der Kranz aus Tuch ist oben herum mit einer Borte besetzt und regimentsweise verschieden belegt.

Hinten mit einem Adler in verschiedener Form oder einem anderen kleinen Emplem besetzt, finden sich auf den Seiten jeweils eine Flamme oder eine Granate aus Blech.

Über dem Kranz schließt sich an das Vorderschild konisch der mit Fischbeinschienen gesteifte Sach an, dessen Nähte hinten und an der Seite mit einer Borte besetzt ist.

Bei No. 3, 6, 10, 15 I, II, III handelt es sich um einen Tressenbesatz.

Oben an der Spitze der Grenadiermütze befindet sich ein Wollpuschel.

Preussische Grenadier- und Füsiliermützen. Vorstudien von Adolph v. Menzel zum Armeewerk.

Das Vorderschild besteht aus blankem Messing oder dieses ist auf Silberglanz geputzt. Dies hängt von der jeweiligen Metallfarbe (golden oder silbern) des Regiments ab.

No. 3 und 11 haben silberne glänzende Schilde mit einem Mittelstück aus Messing bzw. aus blauer Emaille.

Borten und Schleifen sowie Grenadiermütze von No. 16 (bis 19.06.1762 C. Graf zu Dohna, danach bis 07.05.1771 F. W. v. Syburg). Tafel entnommen der Regimentsgeschichte v. Kopka v. Lossow, Geschichte des Grenadier-Regiments König Friedrich I (4. Ostpreußisches) Nr. 5, Berlin 1889 Bd. I., 1901 Bd. II..

Dem jeweiligen Blech entsprechen die Verzierungen des Kranzes.

Bei No. 6, 15, 11. 34 ist es ein ganzer Kranz aus Metall.

Die Grundfarben des Sackes und des Kranzes der Grenadiermütze sind voneinander verschieden.

Vorderschild einer preussischen Grenadiermütze. Nach einer originalen Zeichnung von A. Gay.

Die Uniform des Gemeinen. Die Grenadiermütze.

Der genannte Puschel entspricht dem des jeweiligen Regiments, soweit es Hüte mit einem solchen trägt.

Bei No. 15 III weicht der Puschel der Linien-Kompanien vom Puschel der Flügel-Grenadiere aller 3 Bataillone ab.

Uniformteile des Infanterie-Regiments Nr. 15 I. (Leib-Garde-Bataillon). Zeichnung des Verfassers nach Melzner und Gay.

Grenadiermützen tragen bei allen Regimentern die Grenadier- bzw. Flügel-Grenadier-Kompanien und die Garnison-Grenadier-Kompanien, außerdem die Linien-Kompanien bei No. 6 und 15 III.

Regelungen des Infanterie-Reglements 1743.

Alle zwey Jahr sollen neue Grenadier-Mützen sonder Blech gemachet werden, neue Bleche aber können sehr lange dauern, und es sollen daher nicht eher neue Bleche gegeben werden, bis die alten nicht mehr repariret und gebraucht werden können. (S. 633).

Die Grenadier-Mützen müssen ganz enge auf dem Kopffe und nicht zu tieff sitzen, und die Unter-Officiers sollen schwarze und weiße Püschel auf den Mützen haben (S. 638).

Altpreußische Füsiliere (Infanterie-Regiment Prinz Heinrich von Preußen, 1740) im Angriff. Rechts im Hintergrund ein Offizier. Farbige Zeichnung von Richard Knötel. Der entsprechenden Regimentsgeschichte entnommen.

Die Uniform des Gemeinen. Die Füsiliermütze.

Bei der Füsiliermütze ist das Vorderblech niedriger als bei den zuvor beschriebenen Grenadiermützen.

Der Kranz ist seitlich und hinten mit kleinen Emblemen von Blech belegt. Der freistehende (!) und spitze Sack ist auf den Nähten mit Blechleisten verstärkt, außerdem ist er von einer halben flammenden Granate aus Metall gekrönt.

Kranz und Sack sind aus Tuch, bei No. 42, 44, 45 aus Wachstuch. Bei No. 46 aus Plüsch.

Das Vorderschild ist von der Metallfarbe der Grenadiermützen, die Verzierungen am Kranz ud Sack folgen der Metallfarbe des jeweiligen Regiments.

Die Farbe des Tuches ist regimentsweise verschieden und stimmt mit der Farbe des Tuches der Grenadiermütze überein.

Bei No. 42, 44 und 45 ist die Farbe des Sackes schwarz.

Die Füsiliermütze wird von den Linien-Kompanien von No. 33, 35 - 49 getragen.

Die Uniform des Gemeinen. Die Füsiliermütze.

In den "Denkwürdigkeiten zur Charakteristik der preußischen Armee unter dem großen König - Friedrich dem Zweiten. Aus dem Nachlaß eines alten preußischen Offiziers. Glogau 1826" (S. 139) ist zur Herkunft der Füsiliermütze das Nachfolgende zu lesen:

"Man sagt, der König habe, die Füsilier-Mützen für seine neuen Errichtungen deshalb gewählt, weil sie aus kleineren Leuten als die älteren Regimenter bestanden. Da aber de die Füsilier-Mützen viel Ähnlichkeit mit den Grenadier-Mützen hatten, von denn man sie von weitem fast nicht unterscheiden konnte, so musste im Kriege der Feind irre geführt werden, und vermuthen, alte Grenadiere oder Kerntruppen vor sich zu haben. Man hat wenigstens diesen letzten Grund zu Zeiten ebenfalls, für diese Kopfbedkleidung angeführt, und es ist wahr, dass sie einen imposanten Anblick gewährten, wenn die Sonne auf ein solches Bataillon schien, welches einer Reihe feuriger Palisaden ähnlich war".

Altpreußischer Füsilier No. 39). Rechts oben die entsprechende Grenadiermütze. Tafel aus dem Armeewerk von Adolph v. Menzel. Entnommen aus: Martin Lezius, Das Ehrenkleid des Soldaten., Berlin 1936, S. 204.

Die Uniform des Gemeinen. Die Zeltmütze.

Die Zeltmütze besteht aus Tuch.

Es ist eine Zipfelmütze, welche unten einen 2 Finger breiten Umschlag hat. Oben befindet sich ein Puschel.

Die Zeltmütze wird aus alten Kamisölern hergestellt.

Bei No. 15 I ist sie dunkelblau.

Der Umschlag in der Abzeichenfarbe.

Der Puschel ist wie der am Hut.

Sie wird außer Dienst getragen oder im Lager.

Regelungen des Infanterie-Reglements 1743.

N.B. Von den alten Camisölern sollen die Unter-Officiers und Gemeine Brusttücher, Schlaf-Mützen und Handschuh sich machen lassen (S. 630).

Uniformen der altpreußischen Infanterie-Regimenter No. 45, 46, 47 und 48. Originale farbige Skizze von unbekannter Hand.
Uniformen der altpreußischen Regimenter No. 52, 53, 54 und 55. Originale farbige Skizze von unbekannter Hand.

Die Uniform des Gemeinen. Die Bewaffnung. Das Gewehr.

Das Gewehr hat eine Gesamtlänge von 1,45 bis 1,55 m.

Das Kaliber beträgt 0,74 - 0,78 (bedingt durch Abnutzung), das entspricht etwa 20 mm.

Das Gewicht des Gewehrs mit Bajonett beträgt ca. 5 kg.

Der Lauf ist glatt und ohne Schweißteil 115,8 cm bzw. 104,5 cm lang.

12 cm vor der Mündung befindet sich das Korn.

Das Visier wird durch eine leichte Einhöhlung der Schwanzschraube ersetzt. Diese Schraube ist bei No. 6 und No. 15 noch besonders beschlagen.

Der Lauf ruht mit 1/3 seines Durchmessers in der Höhlung des Vorderschaftes, an dem er mit Stiften unsichtbar befestigt ist.

Das Schloß ist ein einfaches Batterieschloß, in das der Feuerstein in einem Lederkäppchen eingesetzt wird, unter dem Schloß ist der Abzugsbügel.

Der Schaft ist von Holz, unter dem Vorderschaft befinden sich 4 Röhrchen für den 98,5 cm bzw. 108 cm langen, konischen, verstählten Ladestock, davon das hinterste (Spitzröhrchen) mit einer Feder zum Festhalten desselben.

Vorn schützt den Vorderschaft das Mundblech, weitere Beschläge am Schaft sind folgende:

die "Schlange" auf der dem Schloß mit der Pfanneentgegen gesetzten Seite,

das "Daumenblech", ein rundes 4 1/2 bis 5 1/2 cm großes Schild, welches die gekrönte Chiffre zeigt,

oben auf dem Schaft vor dem Knick zum Kolben,

weiter ein Beschlag am Kolbenende (oben und hinten herum).

Der Kolben ist gerade geschäftet.

Der ziemlich breite lederne Gewehriemen ist vorn kurz vor dem zweiten Röhrchen und unten am Kolben an zwei Bügeln mit Schnallen befestigt, außerdem läuft er noch durch eine metallene Schluppe am Abzugsbügel.

Zum Gewehr gehört auch ein elderner Pfanndeckel, d. h. eine Hülle für die Batterie, mit Riemen an beiden Seiten, die um den Abzugsbügel unten gebunden wurde.

Zum Gewehr gehört ein lederner Pfanndeckel, d. h. eine Hülle für die Batterie, mit Riemen an beiden Seiten, die um den Abzugsbügel unten gebunden werden.

Alles Metall am Gewehr ist blank zu halten, das Holz des Schaftes wird gestrichen, meist rotbraun, aber auch regimentsweise gelb, braun, schwarzbraun oder schwarz.

Von Messing sind: das Korn, Abzugsbügel, Röhrchen, Mundblech, Schlange, Daumenblech, Kolbenbeschlag, die Schnallen zum Riemen, außerdem bei No. 6 und 1 der Schwanzschraubenbeschlaf, alles andere Metall am Gewehr ist Eisen.

Das Feuersteinläppchen ist rot-ledern, der Riemen und der Pfannendeckel sind rot gestrichen, bei letzterem die Riemchen zum Festhalten grau.

Die längeren Gewehre werden im 1. und im alben 3. Glied geführt.

Die Tragweite des Gewehrs beträgt 400 Schritt, wirklich wirksam ist es aber erst ab 200 Schritt.

Der Pfanndeckel wird über die Batterie gestülpt, damit der Schuß nicht vorzeitig losgeht, nur zur Chargierung wird er abgenommen und hinter das Säbelgehenk gesteckt.

Grenadiermützen von No. 6 (ehemals Königs-Regiment). Rückansicht oben links nach Richard Knötel. Unten rechts: nach Alfred Gay. Unten rechts: nach einem zeitgenössischen Porträt. Zeichnungen des Verfassers.

Die Uniform des Gemeinen. Das Bajonett.

Beim Bajonett gibt es zwei Modelle.

Das ältere Modell ist 43 - 44 cm lange inclusive der Dille. Es ist dreischneidig.

Das neuere Modell ist 2 cm länger und breiter, stärker, spitziger und auch schwerer.

Das Bajonett wird -wenn es nicht aufgepflanzt ist - in einer Lederscheide mit Ortband, Ortbandzunge, Knauf in einer Lederscheide am Säbelgehenk getragen.

Das Bajonett ist blank geputzt. Die Scheide besteht aus braunem Leder.

Das Bajonett wird im Felde nur auf besonderen Befehl vom Gewehr genommen.

Die Uniform des Gemeinen. Der Infanterisäbel (Seitengewehr).

Der Infanterist ist zusätzlich mit einem Seitengewehr bzw. einem Säbel bzw. einem Pallasch ausgestattet.

Letzterer wird von No. 3, 28 - 30, 32, 48 getragen.

Der Säbel verfügt über einen Griff, ein Stichblatt und eine kleine Parierstange aus Metall.

Regimentsweise gibt es kleine Abweichungen.

Bei No. 3 war der Griff aus Holz, dieser ist mit Leder überzogen, darauf befindet sich ein Beschlag.

Die Klinge war 2 1/2 Zoll, ab 1744 nur noch 2 Zoll lang.

Die Scheide war von Leder, meist mit einer Holzeinlage.

Ortband, Ortbandzunge und Zwinge sind von Metall.

Letztere ist bis auf den Knopf von Leder bedeckt.

Am Griff ist die Säbeltroddel befestigt, und zwar an einem wollenen Band, bei No. 6, 11, 48 an einem ledernen Riemen.

Die Troddel selbst besteht aus Knopf, Eichel, Kranz und Fransen.

Getragen wird das Seitengewehr an einem Gehenk. Hierbei handelt es sich um einen etwa 5 cm breiten Lederiemen. Es hängt in einem Winkel von 30 Grad.

Zwischen dem Riemen dieser Tasche ist an das Gehenk eine kleine lederne Schlaufe für die Bajonettscheide angenäht.

Griff, Bügel, Stichblatt, Parierstange und die Metallteile der Scheide sind von blanken Messing.

Bei No. 6 sind sie aus Tombak, ebenso bei No. 3 der Beschlag des Griffes.

Der Lederbesatz ist schwarz.

Die Klinge ist von Eisen, und zwar blank.

Die Scheide ist braun-ledern.

Das Säbelband ist weiß bzw. der Lederriemen rot gestrichen.

Die Troddel ist regimentsweise verschieden, bei der Leib-Kompanie hat stets weiße Troddel. Bei den Übrigen sind die Farben nach Belieben des jeweiligen Chefs gestaltet, ganz oder teilweise farbig oder bunt gemustert.

Das Gehenk ist weiß gestrichen, die Schnalle besteht aus blankem Messing.

Die kürzeren Säbel werden zunächst an das 2. Glied abgegeben.

Das Gehenk wird über der Weste um den Leib geschnallt, im Kriege bei zugeknöpften Rock über demselben.

Regelungen des Infanterie-Reglements 1743.

Die Regimenter sollen alle 2 Jahr neue Säbel-Quaste haben, und die Unter-Officiers sollen in den 2 Jahren noch eine Säbel-Quaste sich anschaffen.

N.B. Die Säbel-Quaste sollen bey einer jeden Compagnie von einer Aparten Farbe laut Probe gemachet werden, damit die Compagnien an den Säbel-Quasten unterschieden werden können, die Leib-Compagnie aber soll anz weiße Säbel-Quaste haben (S. 632).

Die Gehencker müssen enge um den Leib gespannet werden, daß das Seiten-Gewehr recht darin hange (S. 639).

Altpreußische Grenadiere (No. 6) im Kampfeinsatz. Links im Hintergrund Unteroffizier mit Kurzgewehr, rechts im Hintergrund Offizier mit Sponton. Zeichnung von Richard Knötel.

Die Uniform des Gemeinen. Die Patronentasche.

Die Patronentasche ist von Leder.

Sie fasst in einer Kartusche 30 Patronen in drei Reihen a Stück, jede von 2 Lot Kugel- und 1 1/2 Lot Pulvergewicht.

Unter der Kartusche befinden sich weitere 30 Stück in einem verschnürten Leinenbeutel, im Notfall fasst die Tasche bis insgesamt 100 Stück.

Die Größe und Form des Deckels ist regimentsweise etwas verschieden. Der Deckel überragt den Kasten oft sogar erheblich und ist belegt mit einem ovalen Messingschild, das regimentsweise in Muster und Größe unterschiedlich ist.

Außerdem befinden sich bei allen Grenadier- und Füsilierkompanien in den vier Ecken der Patronentasche kleine Granaten, ebenso bei den Linienkompanien von No. 6.

Bei den Patronentaschen von No. 15 finden sich hier kleine runde Medaillons.

Altpreußische Patronentaschen. Vorstudien von Adolph von Menzel zum Armeewerk.
Altpreußische Patronentaschen. Vorstudien von Adolph von Menzel zum Armeewerk.

Unter dem Deckel ist ein kleiner Sack aus dünnem Leder befestigt, der Feuersteine, Krätzer, Kugelzieher enthält.

Getragen wird die Tasche an dem 10 - 12 cm breiten Patronentaschenbandelier, das hinten an der Tasche festgenäht ist.

Die Patronentasche war schwarz (gefirnisst)

Taschenbleche altpreußischer Patronentaschen. Nach Thieme 1792. Nach einer Zeichnung von Helmut Klapper, früher Archiv Bleckwenn/ Münster.
Taschenbleche altpreußischer Patronentaschen. Nach Thieme 1792. Nach einer Zeichnung von Helmut Klapper, früher Archiv Bleckwenn/ Münster.

Die Beschläge waren von blankem Messing, bei No. 6 und 15 von Tombak. Bei No. 15 waren die Beschläge auch versilbert.

Das Bandelier wird weiß gestrichen.

Die Patronentasche wird über der linken Schulter getragen (zu unterst). Sie hängt etwa auf der rechten Rocktasche.

Die Instrumente zum Reinigen und Entladen des Gewehrs werden zum Gebrauch auf ein Gewinde des Ladestockes geschraubt.

Regelungen des Infanterie-Reglements 1743.

Die Patron-Taschen müssen nicht zu kurz und nicht zu lang angenähet seyn (S. 638).

Altpreußischer Grenadier sowie Ansicht der Patronentasche. Zeichnung des Verfassers nach Menzel. Das Vorderschild der Grenadiermütze ist zeichnerisch nicht ausgeführt.

Die Uniform des Gemeinen. Das Gepäck (Tornister, Brotsack, Zeltpflöcke, Feldkessel, Feldflasche, Schanzzeug).

Der Tornister ist aus rauhem Kalbfell.

Derselbe besteht aus einem halben Deckel, der auf der Vordseite mit zwei Schnallen zu befestigen ist.

Getragen wird er an einem 3 bis 4 cm breiten Lederriemen, der mit einer Schnalle (aus Messing) links unten (vorn) zu verstellen ist.

Die Farbe des Tornisters ist naturfarben, alles Riemenwerk ist weiß gestrichen, die Schnallen aus Eisen.

Der Tornister enthält Kleidungsstücke und den sonstigen Besitz des Soldaten.

Er wird über dem der Patronentasche getragen und hängt auf dem Rücken, ist kurz geschnallt, damit der Brotsack daunter Platz findet.

Hierzu berichtet der Gardeoffizier v. Scheelen (August 1756, S. 107):

"Des Morgens besah der König einen gepackten Tornister von uns und 2ten, 3ten Bataillon Garde. In solchem ist Messer, Löffel, Gabel, Schuh- und Kehrbürste, Puderbeutel, Kamm, Talglappen, Feldmütze, Ärmel, 2 Unterhemder, 2 Collerets, 2 Vorärmel, 1 paar Strümpfe, Aderlaßbinde; kein Spiegel und auch kein Balbiermesser, die Feldscher sollen 4 Messer mitnehmen und sich durch Bursche helfen lassen balbieren; 2 Paar Leinenhosen, die neue tuchene Hosen werden mit Wagens mitgenommen".

Der Brotsack ist aus Leinen.

Er wird mit einer Klappe verschlossen, der entsprechende Knopf ist aus Metall.

Der Brotsack kann Brot für drei Tage aufnehmen oder auch mehr.

Er wird an einem weißen Riemen getragen. Der Brotsack besteht aus ungebleichter Leinwand und ist grünlich-grau.

Man trägt ihn über der rechten Schulter, und zwar unter dem Tornister. Ist er leer, kann er auch unter dem Rock seinen Platz finden.

Die Zeltpflöcke sind aus Holz. Es handelt sich um geschnitzte Heringe, pro Mann 3 - 4 Stück. Sie wurden hinten an den Tornister angebunden.

Die Feldkessel sind aus Kupfer. Darin befindet sich ein Kaserol.

Je vier Kessel werden in einem ledernen Beutel transportiert. Werden sie einzeln von den Mannschaften getragen, dient dazu ein Riemen.

Die Feldkessel bestehen aus blankem Kupfer. Der lederne Beutel sind schwarz, die Riemen wohl weiß.

Gewöhnlich werden die Feldkessel in dem beschriebenen Beutel auf Packpferden befördert.

Bei einigen Regimentern geschieht der Transport durch die Mannschaften, dann wohl über der linken Schulter.

Die Feldflasche ist aus Blech gefertigt. Über deren Öffnung ist ein Becher gestülpt. Die Feldflasche wird an einem 3 - 4 cm breiten Lederriemen getragen, dieser mit Schnalle, der durch Ösen um die ganze Flasche herum läuft.

Die Farbe ist hellgrau, der Riemen ist weiß gestrichen.

Die Feldflasche wird über der linken Schulter getragen, der Riemen liegt unter dem der Patronentasche.

Zeitgenössischer Bericht über die Belastung des Soldaten durch die Ausrüstung und das Gepäck im Rahmen der Mobilmachung m Jahre 1756..

"Die in Berlin nächst uns einquartierte Regimenter, denen ich mich erinnere, waren Vokat, Winterfeld, Meyring und Kalkstein; dann vier Prinzenregimenter: Prinz von Preußen, Prinz Ferdinand, Prinz Carl und Prinz von Württemberg, die alle vier vor, teil nach uns abmarschierten, nachwärts aber im Feld wieder zu uns gestoßen sind. Itzt wurde Marsch geschlagen,; Tränen von Bürgern, Soldatenweibern, H... und dergleichen flossen zu Haufen. Auch die Kriegsleute selber, die Landskinder nämlich, weclhe Weiber und Kinder zurückließen, waren ganz niedergeschlagen, voll Wehmut und Kummers,; die Fremden hingegen jauchzten heimlich vor Freuden und riefen: Endlich gottlob ist unsre Erlösung da!

Jeder war gebündelt wie ein Esel, erst mit einem Degengurt umschnallt, dann die Patrontasche über die Schulter mit einem fünf Zoll langen Riemen, über die andre Achsel den Tornister, mit Wäsche und so fort bepackt, item der Habersack, mit Brot und andrer Fourage gestopft.

Hiernächst mußte jeder noch ein Stück Feldgerät tragen: Flasche, Kessel, Hacken oder so was, alles an Riemen; dann erst noch eine Flinte, auch an einem solchen. So waren wir fünfmal übereinander kreuzweis über die Brust geschlossen, daß anfangs jeder glaubte, unter solcher Last ersticken zu müssen. Dazu kam die enge gepreßte Montur und eine solche Hundstagshitze, daß mir`s manchmal deuchte, ich geh auf glühenden Kohlen, und wenn ich meiner Brust ein wenig Luft machte, ein Dampf herauskam wie von einem siedenden Kessel. Oft hatt`ich keinen trockenen Faden mehr am leib und verschmachtetet bald vor Durst".

Ulrich Bräker, Lebensgeschichte und natürliche Ebenteuer des Armen Mannes im Tockebnurg, Zurüch 1789 (Ausgabe Stuugart 1965, S. 121.

Das Schanzzeug besteht aus dem Zeltbeil, der Hacke und der Schippe.

Jedes Stück wird in einem ledernen - zugeschnallten - Futteral versorgt und an einem 3 - 4 cm breiten Lederriemen getragen.

Die Stiele sind holzfarben, die Futterale sind schwarz.

Der Trageriemen ist weiß gestrichen.

Die Metalle sind wohl blank.

Pro Mann wird nur ein Stück transportiert. Der Riemen läuft über die linke Schulter.

Mitunter wird das Schanzzeug der Truppe nachgefahren.

Regelungen des Infanterie-Regiments 1743.

Die Gewehr-Kappen, Feld-Flaggen, Feld-Kessel, Feld-Flaschen, Zelt-Beile, Trommel-Überzüg ud Zelt-Decken sollen, wann die Regimenter solche Stücke in Krieges-Zeiten anschaffen müssen, extraordinaire bezahlet werden (S. 637).

Altpreußische Grenadiere (No. 27) bei Marschpause. Zeichnung von Adolph von Menzel (aus der Heerschau der Soldaten Friedrichs des Großen). Entnommen aus dem Nachdruck durch den Verlag Heere der Vergangenheit, Krefeld, 1970.

Die Uniform der Spielleute.

Die Spielleute tragen die beschriebene Uniform der Gemeinen.

Aber mit folgenden Unterschieden bzw. Besonderheiten:

Kein Dragoner am Rock.

An den Schultern werden sogenannte Schwalbennester getragen. Diese haben die Grundfarbe des Rockes. Bei No. 3 sind sie rot gefüttert.

Im Übrigen hat der Rock der Spielleute einen besonderen Besatz bestehend aus besonderen Tambourborten aus Plüsch oder Wolle.

Nur bei No. 15, 17, 18 und 48 treten die Schleifen der Gemeinen auf.

Die Anordnung, das Muster und die Breite der Tambourborten sind regementsweise verschieden.

Die meisten Regimenter haben zwei im Muster gleiche Borten von verschiedener Breite.

Borte von nur einer Breite haben: No. 14, 18, 21, 25, 33, 41, 47, G IV, V, VII, VIII, NG.

Bei No. 21 und 25 ist es nicht sicher, bei No. 3 gab es Borten in drei verschiedenen Breiten.

Die breite Borte sitzt auf den Ärmelnähten, sonst ist ein genereller Unterschied nicht festzustellen.

Im Regiment sind die Borten für alle Spielleute die gleichen. Es gibt aber bei den Hoboisten und bei den Regiments-Tambouren Borten mit einer reicheren Ausführung.

Bei No. 12 und 18 finden sich statt Weiß in den Borten Silber.

Die Achselschnüre der Tamboure sind bei No. 15 rot-silbern mit silbernen Stiften.

Die Halsbinde der Spielleute entspricht der der Gemeinen.

Bei den Hoboisten und wohl auch bei den Regiments-Tambouren werden Halsbinden wie die der Unteroffiziere getragen, also deshalb bei No. 3 und 6 weiß.

Die Frisur der Spielleute entspricht die der Gemeinen, Bärte werden nicht getragen.

Auch die Kopfbedeckung entspricht der der Gemeinen, aber die Hoboisten und die Regiments-Tamboure tragen die Kopfbedeckung der Unteroffiziere.

Die Grenadier-Pfeifer bei No. 15 tragen einen türkischen Bund.

Das Schurzfell besteht aus rauhem Kalbfell. Es ist außen naturfarben. Innen ist es weiß gestrichen.

Beim Tragen der Trommel auf dem Rücken wird das Schurzfell untergelegt.

Bei vorgebundener Trommel wird das Schurzfell über der Weste gebunden.

Die Uniform der Spielleute.

Die Spielleute haben das Seitengewehr der Gemeinen. An diesem tragen die Hoboisten und die Regiments-Tamboure die Troddel der Unteroffiziere.

Bei No. 3 und No. 6 schnallen die Hoboisten und die Regiments-Tamboure das Gehenk unter die Weste.

Die Trommel besteht aus einem Metallkessel mit Holzreifen. Deren Maße sind regimentsweise verschieden.

Auf dem Kessel ist das große Staatswappen oder der Adler eingeprägt. In einzelnen Fällen findet sich auch ein Namenszug.

Unten an der Trommel hängt der Trommelriemen. Dieser ist beiderseits am Reifen befestigt, welcher mit Tambourborte eingefasst ist.

Das Trommelbandelier ist von Leder und etwa 10 bis 12 cm bereit. Auf der Schulter ist er schmaler. Die Enden sind abgerundet und das vordere auf den hinteren befestigt.

Auf dem Bandelier befinden sich vorn in der Mitte zwei Schlaufen. Meist sind sie mit Borten besetzt. Sie dienen zur Unterbingung der Trommelstöcke.

Vorn untern befinden sich zwei kleine Lederriemen zum Anbinden der Trommel.

Die Trommelstöcke sind von Holz und zum Teil mit Metall beschlagen.

Das Bandelier samt der Schlaufen und Riemchen ist weiß gestrichen und mit einer schmalen Tambour-Borte.

Die Trommeln sind entsprechend den Gewehrschäften des jeweiligen Regiments gestrichen., der Beschlag ist von Messing.

Das Bandelier wird über der rechten Schulter (zu unterst) getragen.

Regelungen des Infanterie-Regiments 1743.

Der Regiments-Tambour und die Hautbois sollen Hüthe haben, wie die Unter-Officiers, und weisse Säbel-Quäste wie die Leib-Compagnie; Die übrige Mundirung aber soll der Pfeiffer und Tambour-Mundirung égal seyn.

Trommler aus No. 21. Farbige Zeichnung von Menzel aus dem Armeewerk.

Die Uniform der Spielleute.

Die Pfeifen sind Querpfeifen aus Holz mit Metallklappen.

Sie werden in einem ledernen Futteral zu 2 oder 3 Stück verwahrt. Getragen werden die Pfeifen an einem 9 cm breiten Lederriemen, der mit einer Borte besetzt ist.

Die Farbe der Pfeifen war wohl gelb mit Messingklappen. Das Futteral ist rot-juchten. Der Riemen ist weiß gestrichen und besetzt mit einer schmalen Tambourborte.

Getragen wird der Riemen über der linken Schulter.

Zum Infanterie-Regiment gehören auch die Hoboisten.

Sie haben Blasinstrumente, und zwar 1 Trompete, 2 Fagots und 3 Oboen.

Die Trompete ist größer als die der Kavallerie und hat einen Aufsatz von Messing.

Bei manchen Regimentern gibt es außerdem noch eine Trompeter aus Silber.

Getragen wird sie auf dem Rücken mit der Öffnung nach oben, und zwar an einer Banderole von Wolle, diese ist golden oder silbern durchwirkt, in Abhängigkeit vom im jeweiligen Regiment gebräuchlichen Metall.

Die Farben der Banderole entsprechen denen der benutzten Tambourborte.

Das Tornister der Spielleute entspricht dem der Gemeinen, aber er wird über der linken Schulter getragen., und zwar über dem Trommelbandelier.

Der Pfeifer trägt ihn über der rechten Schulter (wohl wie die Hobisten).

Der Brotsack ist wie bei den Gemeinen, ebenso die Zeltpflöcke (?).

Regelungen des Infanterie-Regiments 1743.

Der Regiments-Tambour und die Hautbois sollen Hüthe haben, wie die Unter-Officiers, und weiße Säbel-Quäste wie die Leib-Compagnie; Die übrige Mundirung aber soll mit der Pfeifer und Tambour-Mundirung ègal seyn (S. 634).

Die Uniform der Zimmerleute.

Die Zimmerleute gehören zu den Grenadier-Kompanien.

Je Kompanie sind es sechs (Infanaterie-Reglement 1743, S. 5). Später wurde die Zahl auf 7 (1749) und dann auf 10 (1781 - 84) je Grenadier-Kompanie erhöht.

Sie sind eigentlich zuständig für Pionierarbeiten, also für die Ausbesserung von Wegen, Wiederherstellung von Brücken, Errichtung oder Beseitigung von Verhauen usw.

Im Felde werden die Zimmerleute aber von ihren Kompanien getrennt und bedienen die Regimentsgeschütze.

In den Aufzeichnungen des preußischen Gardeoffiziers v. Scheelen ist dazu zu lesen:

"1756.: Den 18. April mussten die Zimmerleuthe vom 2. und 3. Battl. Retzow und Heinrich Rgt. nach Berlin bey er Artillerie, daselbst sie das laden, rüchten (riichten), und was bei die Canonen zu thun ist, lernen müssen. Die vom 1. Batl. blieben in Potsdam; per Regt. oder per Battl. ging 1 Unterofficier mit, sie meldeten sich in Berlin bei Obl. Diesko, der ließ sie zu 2 Mann einquartieren, und bestellte sie alle morgen beym Unterbaum zum exerciren".

Zimmermann der altpreußischen Infanterie (No. 22). Tafel aus dem Armeewerk von Adolph v. Menzel. Entnommen aus: Martin Lezius, Das Ehrenkleid des Soldaten, Berlin 1936, S. 202.

Die Uniform der Zimmerleute.

1755 mussten die Gewehre der Zimmerleute abgegeben werden.

Charakteristika der Zimmerleute sind die Zimmeraxt und das Schurzfell.

Im Übrigen tragen sie die beschriebene Uniform der Gemeinen (Grenadiere), also auch die Grenadiermützen.

Grenadiere zweier altpreußischer Infanterie-Regimenter (No. 2 und No. 7) - zu einem Grenadier-Batailonn vereinigt - im Einsatz. Farbige Zeichnung von Richard Knötel.

Die Uniform der Unteroffiziere.

Die Unteroffiziere tragen die Uniform der Gemeinen, sind aber durch einige Besonderheiten ausgezeichnet:

Am Rock findet sich ein regimentsweise unterschiedlicher Besatz von (silbernen oder goldenen) Schleifen oder Borten.

Am Hut tragen sie eine goldene bzw. silberne Tresseneinfassung. Sie ist etwa daumenbreit.

Bei No. 3 findet sich eine schmale Huttresse wie bei den Offizieren.

Am Hut wird ferner ein schwarz-weißer Büschel aus Wolle getragen.

Es wurden Handschuhe getragen. Diese waren aus Leder und weiß angestrichen.

Am Seitengewehr wird eine schwarz-weiße wollene Troddel getragen. Diese hängt an einem Band mit schwarzem Rand.

Unteroffizier aus dem Infanterie-Regiment No. 5. Unkolorierte Tafel ais dem Armeewerk von Adolph v. Menzel.

Regelungen des Infanterie-Regiments 1743.

Auf die Unter-Officiers-Mundirung und Hüthe sollen Band-Tressen gesetzet werden, damit solche vor das Geld laut Rechnung können angeschaffet werden (S. 630).

Die Unter-Officiers sollen 3. Jahr neue Handschuh, und das ganze Regiment alle Jahr neue Strümpfe à 8. Gr. haben, und die Strümpfe sollen nicht länger als bis an die Knie gemachet werden.

N.B. Die Unter-Officiers sollen in den 3 Jahren auch ein paar Mundirungs-Handschuh, und die Bursche alle Jahr 1. Paar Sitefeletten anschaffen, weil sie alle Jahr ihre ganze Mundirung verkauffen (S. 633).

Die Unteroffiziere führen auch einen Stock (Rohrstock) bei sich. Dieser wird an einem Knopf des Rockes angehängt, wenn der Unteroffizier z. B. das Kurzgewehr führt.

Altpreußische Kurzgewehre nach dem Bestand im Zeughaus Berlin. Nach einer Zeichnung aus dem Jahr 1931. Früher Archiv Bleckwenn/ Münster.

Die Unteroffiziere der Grenadiere und Musketiere sind mit einem sogenannten Kurzgewehr bewaffnet.

1755/56, also kurz vor Beginn des Siebenjährigen Krieges, wurden längere Kurzgewehre (wohl nur für die Unteroffiziere der Grenadiere) eingeführt (Scheelen, Aufzeichnungen). Diese waren über 3 m lang (12 Fuß 11 Zoll, bezeichnet als "Pique für die Unter Officiers von die Grenadier").

Die Kurzgewehre sind angestrichen (braun, bei No. 3 gelb), und zwar wie die Stangen der Spontone der Offiziere (Infanterie-Reglement 1743, S. 647).

Unteroffizier aus der Genadier-Garde (No. 6). Unkolorierte Tafel aus dem Armeewerk v. Adolph v. Menzel. Links: Kurzgewehr.

Ein Gewehr bzw. eine Patronentasche haben sie nicht.

Allerdings gibt es bei den Grenadier-Kompanien eine limitierte Anzahl von Unteroffizieren mit Gewehren. Es handelt sich um Gewehre mit gezogenen Läufen (v. d. Oelsnitz, Geschichte des 1. Infanterie-Regiments, Berlin 1855, S. 398).

Unteroffizier aus dem Infanterie-Regiment No. 17 mit Kurzgewehr. Unkolorierte Tafel ais dem Armeewerk von Adolph v. Menzel.

Regelungen des Infanterie-Regiments 1743.

N.B. Der Officiers Spontons und UnterOfficiers Kurz-Gewehr müssen allezeit ègal angestrichen seyn (S. 647).

Parolebefehle des Infanterie-Regiments No. 23 (überliefert von v. Witzleben).

Wenn künftig ein Unteroffizier einen andern Stock noch, als den seinigen angehängt hat, bekommt er auf der Stelle 30 Fuchteln. 02.05.1780.

Auch die Gefreiten-Korporale (auch Freicorporal oder Junker genannt) tragen die Uniform der Unteroffiziere. Sie sind oft sehr jung (etwa 13 - 19 Jahre alt).

Es handelt sich um zukünftige Offiziere (= Offiziers-Aspiranten).

Seit 1763 führen die fünf ältesten Gefreiten-Korporale das Offiziers-Portepee am Seitengewehr. Sie erhielten auch Fähnrichs-Patente (Instruktion vom 11.05.1763, Reinhard, Geschichte des 1. Garde-Regiments zu Fuß, 1858, S. 139).

Gefreiten-Korporal = Fahnenjunker (No. 1). Nach Menzel. Entnommen aus: Martin Lezius, Das Ehrenleid des Soldaten, Berlin 1936, S. 207.

Hierzu ist in den Betrachtungen über die Kriegskunst (v. Berenhorst, Leipzig 1798, S. 143) zu lesen:

"Der Erziehung nachzuhelfen, verordnete Friedirch Amphibien zwischen Ober- und Unteroffizieren, Fahnenjunker mit Fähnrichspatent und silberem Degenquast. Er wollte sie der Gesellschaft der Offiziere mehr fähig machen, um sich unter ihnen, unter Leuten, wo neunen von zehnen slebst Ausbildung abgieng, auszubilden".

Fahnentafeln aus dem Armeewerk von Adolph v. Menzel.

Zu ihrem Dienst usw. vgl auch: v. Weltzien, Memoiren des Generals v. Reiche, Leipzig, Bd. I., S. 15).

Sie tragen die Fahnen (Infanterie-Reglement 1743, S. 6, 567).

Es gab auch überkomplette Junker (vgl. v. Suckow, Aus meinem Soldatenleben, 1862, S. 9).

Füsilier und Grenadier (No. 39). Originale Tuschezeichnung von Knötel d. J.

Der Feldwebel trug auch die Unteroffiziers-Uniform, hatte aber am Seitengewehr das Portepee der Offiziere (erst im Jahr 1822 erhielten die Feldwebel auch die Offizierswaffe). Beim No. 15 I hatten sie auch ein "Premier-Lieutenant-Patent" (v. Reinhard, Geschichte des 1. Garde-Regiments zu Fuß, 1858, S. 60).

Die Uniform der Offiziere. Der Rock.

Der Rock der Offiziere ist aus Tuch und reicht fast bis zum Knie. Die Taille befindet sich etwa handbreit über der Hüfte.

Die Schöße haben je drei Falten und sind mit Leinenwand gesteift.

Der ganze Rock ist mit Etamin gefüttert.

Kragen, Rabatten und Ärmelaufschläge sind wie - vom Schnitt her - bei den Gemeinen, abweichend von diesem Grundsatz finden sich

bei No. 3, 6, 19, 21, 27 GNG kein Kragen,

bei No. 4 geschlossenen Ärmelaufschläge,

bei No. 16 und 26 offene Ärmelaufschläge,

bei No. 40 Rabatten.

Die Knöpfe sind bei den alten Regimentern klein, hochgewölbt und regimentsweise verschieden gemustert.

Bei den neuen Regimentern sind sie flach und größer.

Der Sitz der Knöpfe ist wie bei den Gemeinen,

abweichend auf der Rabatte bzw. Brust bei No. 3, 6, 8, 15, 19 - 22, 40, 44,

rechts vorn in der Taille 3 Knöpfe bei No. 3,

über dem geschlossenen runden Aufschlag 3 Knöpfe bei No. 3 und 44.

Die Regimenter mit alter Uniform - außer No. 3 - tragen einen Besatz aus Tressen, Litzen, Schleifen oder Stickereikante aus Metallfäden, bei No. 14 sogar mit Seide durchzogen.

Sitz und Muster des Besatzes sind regimenstweise verschieden.

Bei den Regimentern neuer Uniform findet sich grundsätzlich kein Besatz, außer bei No. 40, 41, 49.

Bei No. 15 ist ein Rock mit und ein Rock ohne Besatz (Interimsuniform) in Gebrauch.

Das Achselband ist aus Metallfäden gemacht und besteht aus zwei Schlingen und zwei losen Schnüren mit Stiften.

Befestigt ist das Achselband auf der rechten Schulter an einem geflochtenen Achselstück.

Die Farbe des Rockes ist dunkelblau, das Futter rot. Bei No. 18, 31, 40 ist die Farbe (des Futters) rosa.

Die Abzeichenfarbe entspricht der der Gemeinen.

Die Knöpfe sind versilbert oder vergoldet, je nach dem im Regiment gebräuchlichen Metall.

Ebenso sind die Besätze und das Achselband in Gold oder Silber ausgeführt. Bei No. 14 ist die Tresse orange durchzogen.

Die Rabatten am Offiziersrock werden wie bei den Gemeinen auch übergschlagen bzw. beim Rock ohne Rabatten wird dieser zugehakt.

Die Schösse werden nur aufgehakt, wenn der Offizier Stiefel trägt.

Bei No. 15 wird der ungestickte Rock im Felde getragen.

Offizier aus dem Infanterie-Regiment No. 18. Unkolorierte Tafel aus dem Armeewerk von Adolph v. Menzel.

Regelungen des Infanterie-Regiments 1743.

Das Tuch zu die Ober-Officiers-Mundirung und das Tuch zu Camisöler, Hosen, Aufschlägen und Klappen vor Unter-Officiers und Gemeine bey den alten Regimentern soll aus dem Königlichen LagerHause genommen, und das gemeine Tuch mi 12 Gr. die Elle bezahlet werden; Hingegen das blaue Tuch und der Boy auch das Tuch zu den Camisölern und Hosen vor die neuen Regimenter sollen aus den Städten, wo die Regimenter laut Oconomie-Reglement, angewiesen sind, genommen werden.

N.B. Es müssen alle Mundirungs-Stücke absonderlich alle wollene Waaren in Königl. Landen und in Accis-baaren Städten genommen werden, und solches bey Cassation des Obristen (S. 634/ 635).

Parolebefehle des Infanterie-Regiments No. 23 (überliefert vom v. Witzleben).

Die Herrn Officiers, so sich nicht Maßnehmen lassen, sollen beim Schneider Noak gehen 14.02.1754.

Altpreußische Infanterie-Offiziere. Rechts mit Sponton. Zeichnung des Verfassers nach Menzel und Knötel.

Die Uniform der Offiziere. Das Kamisol. Das Oberhemd. Die Busenkrause.

Das Kamisol der Offiziere ist wie bei den Gemeinen, jedoch sind die Knöpfe versilbert oder vergoldet.

Das Oberhemd der Offiziere ist wie beim Gemeinen.

Die Busenkrause ist besteht aus Spitzen und wird auf dem Vorhemd getragen, welches durch die Busenkrause verdeckt wird.

Offizier aus dem Infanterie-Regiment No. 26. Unkolorierte Tafel aus dem Armeewerk von Adolph v. Menzel.

Parolebefehle des Infanterie-Regiments No. 23 (überliefert vom v. Witzleben)

Die Herrn Offiziers sollen auch sogleich ihre Camisöler um sowiel abscheniden lassen, daß sie von dem Hosenquerl bis unten nur selbige 1/4 Theil lang seyen, und muß solches gleich geschehen. 23.05.1752.

Die Herrn Offiziere, so zur Cour kommen, sollen ordentlich und propre angezogen sein, probemäßige Binde und Weste haben, widrigenfalls sie vom Schloß aus gleich in Arrest kommen. 22.12.1780.

Der Herr Obrist befehlen, daß sich die Herrn Offiziers mundirungsmäßig tragen und nicht mit kurzer Weste auf Parade kommen, sonst werden sie sogleich nach dem neuen Markt geschickt werden. 15.09.1781.

Details der Offiziers-Uniform. Röcke, Schleifen. Zeichnung des Verfassers nach Menzel und Melzner.

Die Uniform der Offiziere. Die Hosen. Die Strümpfe. Die Schuhe. Die Stiefeletten. Die Stiefel.

Strümpfe und Schuhe der Offiziere sind wie beim Gemeinen.

Auch die Stiefeletten des Offiziers sind wie beim Gemeinen, aber deren Knöpfe sind vergoldet oder versilbert.

Die Stiefel sind von Leder und zwar wie bei der Kavallerie, mit Manschetten und Sporen.

Sie werden gewöhnlich getragen von Stabs-Offizieren und Adjutanten im Dienst zu Pferde.

Auf dem Marsch und im Felde werden sie von den Offizieren allgemein getragen.

Altpreußischer Infanterie-Offizer mit Sponton aus dem Infanaterie-Regiment No. 18 (Prinz von Preußen, August Wilhelm, bis 08.12.1758, dann Friedrich Wilhelm Prinz von Preußen). Spontone (Klingen). Zeichnung des Verfassers nach einer Vorlage von Richard Knötel.

Die Uniform der Offiziere. Die Schärpe. Die Halsbinde. Die Handschuhe.

Die Schärpe besteht aus einem Netzwerk von Metallfäden, durchzogen mit Seide.

Sie wird - regimentsweise verschieden - ein- oder zweimal um den Leib gebunden.

Am Ende hat die Schärpe Quasten.

Sie ist silbern mit schwarzen Längsstreifen, die Quasten sind schwarz-silbern gemischt.

Die Schärpe wird zu jedem Dienst getragen, und zwar über der Weste. Wird der Rock geschlossen getragen, wird die Schärpe über diesem angelegt, die Quasten befinden sich dann vor dem Degen.

Die Machart der Halsbinde ist bei den Offizieren wie bei den Gemeinen, jedoch bei den Regimenter mit roter Halsbbinde weiß und bei den Regimentern mit schwarzer Halsbinde aus schwarzer Seide.

Die Handschuhe der Offiziere snd wie die der Unteroffiziere. Es werden aber auch braune Handschuhe getrage, was durch einen Befehl vom August 1760 verboten wird.

Ergänzende Hinweise zur Schärpe des Offiziers.

In den bereits erwähnten "Denkwürdigkeiten zur Charakteristik der preußischen Armee unter dem großen König - Friedrich dem Zweiten. Aus dem Nachlaß eines alten preußischen Offiziers. Glogau 1826" (S. 153) heißt es zu der Schärpe:

"Die Scherpe (sic) war lediglich ein Zeichen, das ein Offizier sich in Verrichtung des Dienstes befand, und durfte also dabei schlechterdings nicht fehlen, es sey bei Wachen, Ronden, Paraden, Vehrören, Kriegs- und Stand-Rechten, Kommandos aller Art usw. Bei einigen dieser dientlichen Geschäfte, als bei den Wachen und Paraden, kam bei der Infanterie die Anlegung des Ringkragens hinzu. Im Felde, und bei dem Feld-Etat, so wie auch bei irgend einer Versammlung von Truppen, mussten allgemein die Scherpen getragen werden. Selbst die Offiziere, welche bei Revuen Zuschauer waren, mussten solche angelegt haben. Dabei wurde die Scherpe gar nicht als Kleidungsstück oder zum vollen Anzuge gehörig betrachtet, und fiel daher in allen denjengen Fällen weg, bei welchem man nicht als unmittelbar in Reih und Glied stehend, oder im eigentlichen Dienstgeschäft begriffen anzusehen war., folglich auch bei allen täglichen Paraden, bei welchem die Offizeire lediglich zum Empfang des Befehls versammelt waren., bei Kirch-Paraden, welche damals ohne Obergewehr und Patrontasche abgehalten wurden, usw. Wer sich auf Urlaub befand, trug niemals die Scherpe, es sey denn, daß derselbe dem Exerzieren einer Garnison, Rebue und dergleichen beiwohnen wollte. Die Scherpe diente also nicht zum Staat und Putz oder zur Zierde, sondern sie war dem Offizier das, was die Stola dem Priester ist. "

Die Frisur der Offiziere.

Die Frisur entspricht der der Gemeinen, allerdings zu jedem Dienst gepudert. Bärte sind nicht üblich.

Parolebefehle des Infanterie-Regiments No. 23 (überliefert vom v. Witzleben)

Der Herr General lassen befehlen, daß die Offiziers so gut sein und sich in ihren Anzug so tragen, wie es beim Regiment gebräuchlich, besonders mit den Haaren und keiner mit einer solchen Capuciner-Frisur, wie der Lieutenant von Zastrow erscheint. 26.07.1781.

Offizier aus dem Infanterie-Regiment No. 16. Unkolorierte Tafel aus dem Armeewerk von Adolph v. Menzel.

Die Uniform der Offiziere. Der Hut.

Der Hut der Offiziere hat die Form wie der der Gemeinen. Dazu wird aber kein Puschel getragen (außer bei No. 27, hier ein Puschel aus Metallfäden).

Die Einfassung ist bei den Regimentern alter Uniform (und bei den Garnison-Grenadieren) von schmaler Tresse.

Bei den Regimentern neuer Uniform ist die Tresse breit und gebogen, dazu befindet sich vorn an der vorderen linken Krempe eine Bandkokarde in einer Tressenschlinge.

Der Kordon besteht bei den Regimentern alter Uniform aus Metallfäden, außer bei No. 6 und GNG. Bei diesen und den Regimentern neuer Uniform ist der Kordon aus Metall und Seide gedreht.

Bei No. 6 und GNG hat der Kordon besonders große Quästchen.

Für Generale und zur Parade bei No. 15 I befindet sich eine Plümage aus Straussenfedern hinter dem Krempenrand.

No. 11 hat ausnahmsweise vorn links eine Bandkokarde.

Der Hut ist schwarz. Der Puschel bei No. 27 golden. Die Tressen sind silbern oder golden, je nach dem Regimentsmetall.

Der Kordon ist bei den betreffenden Regimentern alter Uniform golden, bei den übrigen Einheiten schwarz-silbern, die Quästchen silbern mit schwarzer Füllung.

Der Knopf links am Hut ist vergoldet oder versilbert.

Die Bandkokarde ist schwarz, auch bei No. 11.

Die Plümage ist schwarz.

Parolebefehle des Infanterie-Regiments No. 23 (überliefert vom v. Witzleben)

Die Herrn Offiziers können ihre Hüte aufpassen, und wer eine neue Schärpe haben will, kann sich bei Zeiten melden. 28.01.1753.

Offiziere des I. Bataillons Leibgarde in Parade-Uniform. Zeichnung des Verfassers vor allem nach Menzel.

Die Uniform der Offiziere. Der Ringkragen

Der Ringkragen ist regimentsweise verschieden.

Oben hat er eine Ein- und unten eine mehr oder weniger abgerundete Ausbuchtung.

In der Mitte der Platte befindet sich ein emailliertes Feld, darauf ist meist ein Adler, aber auch der königliche Namenszug dargestellt.

Um dieses Feld herum befinden sich Kriegsembleme.

Offizier aus dem Infanterie-Regiment No. 11 mit Ringkragen. Zeitgenössisches Porträt.

Getragen wird der Ringkragen an einem seidenen Band.

Der Grund des Ringkragens ist silbern, die Embleme um das Mittelfeld und der Rand sind meist vergoldet.

Altpreußische Ringkragen. Vorstudien von Adolph v. Menzel zum Armeewerk.
Altpreußische Ringkragen. Vorstudien von Adolph v. Menzel zum Armeewerk.
Altpreußische Ringkragen. Vorstudien von Adolph v. Menzel zum Armeewerk.

Das Mittelfeld ist weiß oder hellblau, darauf der Adler stets schwarz. Die Chiffre ist schwarz oder weiß.

Das Band ist schwarz (zumeist mit einer weißen Kante).

Der Ringkragen wird zusammen mit den Sponton (Esponton) um den Hals auf der Weste bzw. dem Oberhemd getragen, auch bei geschlossenem Rock.

Details der Offziersuniform. Rock, Schleifen, Schärpe, Hut. Hier No. 15 I. Zeichnung des Verfassers nach Menzel und Melzner.

Die Uniform der Offiziere. Die Bewaffnung. Der Degen.

Der Griff des Degens ist von Holz mit einem Gefäß und einem Knauf aus Metall.

Das Muster des Gefäßes ist unterschiedlich.

Vor 1740 hatte der Degen oft eine kleine Seitenklappe.

Der Griff ist mit Draht umwickelt (unter König Friedrich Wilhelm I. anfangs nicht).

Die Scheide ist von Leder und hat ein Ortband, eine Ortbandzunge und eine Zwinge von Metall.

Die Scheide hängt in einem Winkel von 45 Grad an einem breiten, ledernen Leibriemen in einer festgenähten Tasche (aus Riemen).

Das Portepee besteht aus Metallfäden und Seide und ist ein Band mit einer Quaste mit losen Fransen.

Es wird um den Korbbügel geschlungen.

Griff, Gefäß, Bügel sind vergoldet.

Die Umwicklung des Griffes ist von Kupfer, später von Silber.

Die Scheide ist braun-ledern.

Die Metallteile bestehen aus vergoldetem Messing.

Die Quaste am Portepee ist schwarz-silbern gemischt, das Band selbst ist silbern mit schwarzen Rändern.

Der Degen wird stets getragen. Er soll hoch über der linken Hüfte sitzen. Er wird beim Dienst zu Pferde gezogen.

Das Gehenk wird unter der Weste um den Leib geschlungen.

Bei entsprechendem Wetter wird das Gehenk über dem geschlossenen Rock angelegt.

Altpreußische Infanterie-Offiziere. Zeichnung des Verfassers nach zeitgenössischen Porträts.

Die Uniform der Offiziere. Die Bewaffnung. Das Sponton.

Das Esponton (kurz Sponton) ist eine Stangenwaffe und regimentsweise verschieden, auch in der Länge.

Es hat eine Klinge auf einem Schaft aus Holz.

Die Klinge hat eine kleine Parierstange von Eisen.

Deren Stand steht nicht ganz parallel.

Auf der Klinge befindet sich der königliche Namenszug, darunter der eingravierte Regimentsname.

Auf dem Schaft befindet sich von der Spitze an zum Halt ein Beschlag von zwei Eisenschienen.

Der Schuh ist von Eisen.

Die Eisenteile sind blank.

Offizier aus dem Infanterie-Regiment No. 12 mit Sponton. Unkolorierte Tafel aus dem Armeewerk von Adolph v. Menzel.
Sponton vor 1740 vor No. 6 (früher Burg Altena). Negativ früher Archiv Bleckwenn/ Münster.
Sponton vor 1740 vor No. 44 (früher ostpreußischer Familienbesitz). Negativ früher Archiv Bleckwenn/ Münster.

Die Chiffre und der Regimentsname sind vergoldet.

Der Schaft wird regimentsweise verschieden angestrichen, oft wie bei den Kurzgewehren der Unteroffizieren bzw. die Fahnenstangen bzw. die Gewehre im jeweiligen Regiment.

Mitunter aber auch völlig abweichend voneinander.

Das Sponton wird im großen Dienst zu Fuß geführt.

Altpreußische Infanterie-Offiziere. Zeichnung des Verfassers nach zeitgenössischen Porträts.

Die Uniform der Offiziere. Der Stock.

Der Stock besteht aus Rohr.

Er ist lang und hat einen Metallknauf mit Zwinge, dazu ein Band, auch in Form eines kleinen Portepees.

Der Stock ist braun, Knauf und Zwinge sind vergoldet.

Er wurde nicht bei Benutzung des Spontons oder bei gezogenem Degen mitgeführt.

Preußische Offiziers-Degen. Zeichnung des Verfasser nach Realien.

Die übernommenen sächsischen Regimenter.

Nach der Kapitulation der sächsischen Armee bei Pirna wurden Teile derselben zwangsweise in die preußische Armee übernommen, und zwar 10 Infanterie-Regimenter als geschlossene Einheiten. Die Stabsoffiziere und Kapitains waren Preußen, die Subalternoffiziere zumeist Sachsen. Sächsische Freicorporals wurden zu Fähnrichen ernannt.

Dieses Experiment funktionierte nicht , schon auf den Märschen gab es starke Fahnenflucht, später meuterten ganze Truppenteile. "Die Absicht des Königs, seiner Armee durch die Einverleibung der Sachsen eine beträchtliche Stärkung zuzuführen, ist gescheitert" (Jany, Geschichte ..., Bd. 2, S. 373).

Die restlichen sächsischen Einheiten wurden im Verlauf des Krieges entweder vom Gegner gefangen genommen oder vernichtet bzw. später einfach in preußische Einheiten untergesteckt (Jany, Geschichte ..., Bd. 2, S. 375 ff.).

Uniformen der "sächsischen" Regimenter nach dem sogenannten Darmstädter Tableau. Nach einer originalen Zeichnung früher im Archiv Bleckwenn/ Münster.

Zur Uniformierung dieser Einheiten wird auf das nachfolgende Dokument aus dem ehemaligen Geheimen Staatsarchiv verwiesen. In dem Tagebuch eines preussischen Offiziers über die Feldzüge 1756 bis 1763 (S. 352) heißt es hierzu: "Die Mondirungen von den Sächsischen Regimentern war alle einerley, nämlich: blaue Röcke, weisse und paille Aufschläge und auch solche Westen. Der Unterschied, woran man ein Regiment von den andern erkennen konnte, bestand in den Knöpfen. Die Offiziere hatten entweder goldene oder silberne, breite Tressen, so aber nicht ausgezackt nicht".

Dokument aus Februar 1757 über die Uniformierung der sächsischen Regimenter in preuss. Diensten.

Zeitgenösssiche kritische Stimmen zur Montierung des altpreußischen Soldaten.

In seinen "Gedanken .... " (1788) äußert sich der ehemalige preußische General v. Fink wie folgt:

"Die Art Kleidung und Bewaffnung eiens Soldaten ist unstreitig so wol bei der Cavallerie als Infanaterie auf den preußischen Fuß die beste. Ich brauche also nur mit kurzem anzuführen, daß die Reinlichkeit eines Soldaten unentbehrlich ist. Die Kleidung muß nicht zu enge seyn, weil sie sonst den Soldaten auf dem Marsch und bei dem Manövrieren ungemein hinderlich ist. Der Hut muß feste auf dem Kopfe sitzen, und daher nicht zu kelin seyn. Es wäre sehr gut, wenn ein jeder Soldat einige Paar Fußsocken von Leinwand hätte, damit er die wollenen Strümpfe nicht auf die bloßen Füße leicht durchscheuert, wodurch der Soldat bei starkem Märschen marode wird.

Die Grenadier- und Füsiliermützen, nach preußischer Art, sind den Soldaten sehr hinderlich. Ich wollte, daß die Füsiliers alle Hüte trügen, die Grenadiers hingegen Mützen von gebranntem Pfundlede, wie die russischen Grenadiers der Garde tragen, welche viel bequemer sid, auch zur Noth einem Hiebe widerstehen und sehr gut aussehen, besonders wenn Federbüsche darauf gesteckt sind. Für die Infanterie sind die Säbel ganz und gar unnütz. Ein Gemeiner hat an seinem Gewehr und Bajonette genug. Auch habe ich den Nutzen der langen Pike und Kurzgewehre der Unterofficiers nicht eingesehen. Daher ich wollte, daß sie alle mit guten gezogen Röhren mit Bajonetts versehen wären. Mit selbigen können sie bei vielen Gelegenheiten sehr guthe Dineste thun" (S. 7/8).

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