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Die fürstbischöfliche Zeit im Zeichen des Absolutismus (1661 – 1802). 1. Teil . Das 17. Jahrhundert.

Nachfolgend wird die Armee des Hochstiftes Münster im 17 Jahrhundert vorgestellt, also hauptsächlich das Heerwesen des münsterischen Fürstbischofs Christoph Bernhard von Galen (1650 - 78). Hierbei nimmt auch dessen Konflikt mit der Stadt Münster einen breiten Raum ein.

Münsterische Truppen im Dreißigjährigen Krieg.

Georg Tessin (und Hans-Joachim Behr) schreiben hierzu das Nachfolgende:

"Die Bildung eines stehenden Soldheeres im Fürstbistum Münster ist verbundn mit der Person des kriegerischen Fürstbischof Christoph von Galen.

Nur mit Vorbehalt können einige Einheiten, die in der zweiten Hälfte des Dreißgjährigen Krieges aufgestellt wurden, als Stammtruppenteile für das spätere fürstbischöfliche Heer in Anspruch genommen werden, da zwischen Immediatregimentern und solchen der Liga oder des Niederländisch-Westfälischen reichskreies und auch des Kaisers nicht immer klar zu unterscheiden ist.

1632 stand im Heer des Grafen Gronsfeld in Westfalen ein vermutlich münsterisches Regiment Oer mit 10 Kompanien zu 300 Reitern. 1633 schloß das Stift mit Caspar v. Oer einen Traktat wegen Verstärkung des Regiments und wegen seiner Abfindung. 1637 warb v. Oer ein neues kaiserliches Reiterregiment. Auch das in münsterischen Akten genannte Regiment v. Westerholt dürfte kaiserlich gewesen sein. Als münsterisch kann man dagegen wohl auch ein Infanterieregiment bezeichnen, das 1632 von Alexander v. Velen aufgestellt wurde. Velen hatte bisher im Dienst des kaisers gestanden und im Frühjahr 1631 am Niederrhein und in Westfalen ein Regiment für die Liga geworben. Auf Bitten der münsterischen Landstände ließ er sich beurlauben, um den Schutz des von Hessen bedrohten Münsterlandes zu organisieren. Oberst v. Velen trat selber an die Spitze des daraufhin im Stift Münster ausgehobenen Regiments von 3000 Mann. Das Regiment Velen wird 1635 im Heer der Liga in Niedersachsen und Westfalen genannt. 1638 stand es unter Feldmarschall Graf Götze in Oberdeutschland. Dort befand sich auch ein münsterisches Infanterieregiment Reumont, das 1643, dann aber als kaiserliches Regiment, in Dorsten im Quartier lag.

Bei der Abdankung des Heeres blieben in Münster 1649offenbar nur zwei Kompanien Reiter unter den Rittmeistern Meinerzhagen und Gosäus bestehen. Die wenigen nicht abgedankten Kompanien Fußvolk lagen wie in alllen deutschen Teritorien in den Festungen und bildeten keinen Regimentsverband".

Quelle: Westfälische Forschungen, 1982, S. 87 ff.

Die fürstbischöfliche Zeit im Zeichen des Absolutismus (1661 – 1802)

Nach dem Dreißigjährigen Krieg hatte sich im Zuge sich entwickelnder territorialstaatlicher Souveränität das Militärwesen im Sinne eines stehenden Heeres entwickelt. In fast allen Staaten ging mit dieser Entwicklung ein Machtkampf zwischen dem Fürsten und den Ständen einher. Die Landstände sollten die finanziellen Mittel für ein Instrument bewilligen, welches sowohl nach außen als auch nach innen zum Einsatz kommen konnte. Aus diesem Grunde befürchteten sie – nicht ganz zu Unrecht - ein Ende ihrer Mitspracherechte im Finanzwesen und in der Außen- und Innenpolitik. Die geistlichen Fürstentümer hatten dabei die Besonderheit, dass der Fürstbischof vom Domkapitel gewählt und vom Kaiser als Reichsfürst und vom Papst als Bischof betätigt werden musste. Das Domkapitel des Fürstbistums Münster bestand aus 41 adligen Domherren, die häufig Sonderrechte für sich in Anspruch nahmen. Auch die Stadt Münster machte solche geltend. Der Fürst wurde in seiner Regierungstätigkeit von einigen Verwaltungsinstanzen unterstützt, z. B. die Pfennigkammer, die Hofkammer und der Geheime Rat. Die Fürstbischöfe lebten im offiziellen Zölibat und waren zwangsläufig von der Wahlentscheidung des Domkapitels abhängig, es gab also keine Thronfolge vom Vater auf den Sohn. Eine Kontinuität in der Außen- und Innenpolitik war unter diesen Bedingungen nur schwer möglich. Dieser Umstand wirkte auch die Militärpolitik und die langfristige Entwicklung des Militärwesens beeinträchtigend.   

Das münsterische Militär im 17. Jahrhundert.

Das Militär bestand im 17. Jahrhundert auch im Fürstbistum Münster vor allem aus Söldnern, die Werbeoffiziere angeworben hatten. Eine zwangsweise Rekrutierung war nicht ausgeschlossen. Das Heer gliederte sich schon in Infanterie, Kavallerie und Artillerie, wobei die Infanterie bestehend aus Musketieren und Pikenieren die Hauptmacht darstellten.

Die Entstehung und Ausformung eines stehenden Heeres im Fürstbistum Münster ist mit der eigenwilligen Persönlichkeit Fürstbischof Christoph von Galen eng verbunden[1]. Seine Regierungszeit (1650-78) war vom inneren Kampf gegen die Stände zur Durchsetzung eines absolutistischen Herrscheranspruchs geprägt und gipfelte in der Belagerung und Niederringung der eigenen Hauptstadt im Jahre 1661.

[1] Vgl. hierzu: Theodor Verspohl, Das Heerwesen des Münsterischen Fürstbischofs Christoph Bernhard von Galen 1650 – 1678, Hildesheim 1909.

Biographisches zu Fürstbischof Christoph von Galen.

Christoph Bernhard von Galen (geboren am 12.10.1606 auf Haus Bisping bei Rinkerode; gestorben am 19. September 1678 in Ahaus) war einer der bedeutendsten und konfliktreichsten Fürstbischöfe von Münster. Er regierte das Hochstift von 1650 bis zu seinem Tod 1678. Wegen seiner aggressiven Außenpolitik und dem massiven Einsatz von Artillerie ging er als „Kanonenbernd“ oder „Bomben-Bernd“ in die Geschichte ein.

Er entstammte dem alten westfälischen Adelsgeschlecht derer von Galen. Obwohl seine Eltern protestantisch waren, wurde er nach einer Familientragödie – sein Vater musste wegen eines tödlichen Jagdstreits jahrelang in Arrest – unter der Obhut seines katholischen Onkels katholisch erzogen.

Seine Ausbildung erhielt er von 1616 bis 1622 an der Jesuitenschule Paulinum in Münster. Danach studierte er Philosophie sowie Kirchen- und Staatsrecht in Köln, Mainz, Löwen und Bordeaux.

Nach dem Eintritt in das münsterische Domkapitel stieg er 1642 zum Schatzmeister (Thesaurar) auf. Am 14. 11.1650 wurde er schließlich vom Domkapitel zum neuen Bischof gewählt.

Christoph Bernhard von Galen . Originaler Kupferstich.
Christoph Bernhard von Galen . Originaler Kupferstich.

Zur Innenpolitik des Fürstbischofs Christoph von Galen. Die Unterwerfung Münsters.

Nach dem Dreißigjährigen Krieg war das Verhältnis zwischen dem absolutistisch eingestellten Fürstbischof und der nach Unabhängigkeit strebenden Stadt Münster extrem angespannt. Als sich die Bürger weigerten, seine Truppen zu finanzieren, ließ von Galen die eigene Stadt militärisch belagern. Im Jahr 1661 kapitulierte Münster, verlor seine städtischen Privilegien und von Galen ließ zur Absicherung seiner Macht die monumentale Zitadelle von Münster errichten.

Gleichzeitig förderte er vehement die Gegenreformation, bekämpfte den Protestantismus und belebte das katholische Glaubensleben durch die Förderung von Wallfahrten (wie der Wallfahrt Bethen) und Prozessionen neu.

Außenpolitik und Kriege des Fürstbischofs Christoph von Galen..

Von Galen war ein leidenschaftlicher Militärstrategischer und Außenpolitiker. Er schuf ein schlagkräftiges stehendes Heer und verwickelte sein Bistum in zahlreiche internationale Konflikte:

Kriege gegen die Niederlande: In Bündnissen (unter anderem mit England und Frankreich) führte er zwei große Feldzüge (1665 und 1672) gegen die Republik der Sieben Vereinigten Provinzen, um ehemals verlorene Gebiete zurückzugewinnen. Berühmt wurde seine erfolglose, aber verheerende Belagerung von Groningen im Jahr 1672.

Schwedenkrieg: Später kämpfte er im Nordischen Krieg an der Seite Dänemarks und Brandenburgs gegen Schweden und eroberte dabei das Herzogtum Bremen-Verden.

Tod und Nachwirkung des Fürstbischofs Christoph von Galen.

Christoph Bernhard von Galen starb am 19. September 1678 im Schloss Ahaus. Er fand seine letzte Ruhestätte in der von ihm erbauten St.-Josephs-Kapelle im St.-Paulus-Dom zu Münster. Er gilt historisch als klassischer Vertreter des barocken Absolutismus, der die weltliche Souveränität des Fürstbistums Münster radikal festigte, jedoch die Bevölkerung durch seine ständigen Kriege wirtschaftlich stark belastete.

Zum Heerwesen unter Fürstbischof Christoph von Galen.

Die Armee des Fürstbistums Münster erreichte unter Christoph Bernhard von Galen auf dem Höhepunkt seiner Macht eine für ein geistliches Territorium völlig überdimensionierte Stärke von rund 60.000 Mann unter Waffen.

Von Galen gilt als der eigentliche Schöpfer der Münsterschen Armee, da er direkt nach seinem Amtsantritt begann, die Streitkräfte massiv auszubauen. Die Entwicklung seiner Truppenstärke im Detail:

Die Anfänge (1651): Zu Beginn übernahm er lediglich 1.500 Soldaten aus den Restbeständen des Dreißigjährigen Krieges in Westfalen und stockte diese schnell auf 3.000 Mann auf, um außenpolitisch handlungsfähig zu sein.

Die Expansion (1650er/1660er): Um die Truppen dauerhaft zu finanzieren, zwang er die Landstände zur Zahlung von Geldern und errichtete moderne Zitadellen in Coesfeld, Vechta und Münster. Seine Armee wuchs in dieser Zeit auf ein stehendes Heer von mehreren Tausend Berufssoldaten.

Der Höhepunkt (1672): Für den großen Feldzug im Zuge des Hollandse Oorlogs (Holländischer Krieg) an der Seite Frankreichs mobilisierte er durch umfassende Werbung und Bündnisgelder (Subsidien) ein riesiges Heer von bis zu 60.000 Soldaten.

Diese enorme militärische Schlagkraft war jedoch künstlich aufgebläht und wurde fast vollständig durch ausländische Subsidienzahlungen (u. a. von Frankreich und England) finanziert. Nach von Galens Tod im Jahr 1678 war der Staat hoch verschuldet, weshalb seine Nachfolger den Militäretat radikal kürzten und die Truppenstärke drastisch reduzierten.

Zusammenfassung: Unter seiner Regentschaft verfügte das Fürstbistum Münster schließlich über ein schlagfertiges, aber völlig überdimensioniertes Heer. 1672 sollen rund 60000 Mann unter Waffen gestanden haben. Seine ehrgeizigen Pläne wurden aber nicht Realität und der Etat des münsterischen Militärs unter seinen Nachfolgern deutlich gekürzt.

Zusammensetzung der Armee. Die Kavallerie.

Die Regimenter der Münsterschen Armee waren im 17. Jahrhundert – wie in der Barockzeit üblich – nach ihren jeweiligen Regimentsinhabern bzw. Kommandeuren benannt. Da Truppenteile bei einem Wechsel des Kommandeurs umbenannt, neu aufgestellt oder zusammengelegt wurden, änderte sich die Struktur fortlaufend.

Auf dem Höhepunkt der Mobilisierung im Jahr 1672 (während des Feldzugs gegen die Niederlande) bestand das Kernheer aus folgenden nachgewiesenen Regimentern:

Kavallerie (Reiterei & Dragoner)

Die Kavallerie bildete die mobile Elite und war für schnelle Vorstöße und Flankenabsicherungen zuständig:

Leibregiment Münster: Das persönliche Regiment des Fürstbischofs Christoph Bernhard von Galen.

Regiment Nagel: Kommandiert vom münsterischen Oberbefehlshaber Dietrich Hermann von Nagel zu Vornholz.

Regiment Bentheim: Unter der Leitung von Oberstleutnant Friedrich Moritz Graf zu Bentheim-Tecklenburg.

Weitere Kavallerieregimenter 1672: Regiment Post, Regiment Westerholt, Regiment Meinerzhagen, Regiment Maspach, Regiment Courseiller, Regiment Macdonnel, Regiment Lenard, Regiment Hautin, Regiment Bernsing, Regiment Offen, Regiment Bönninghausen, Regiment Kaldenbach, Regiment Sander und Regiment Probst.

Zusammensetzung der Armee. Die Infanterie.

Infanterie (Fußtruppen)

Die Infanterie stellte die Masse der Soldaten bei Belagerungen und bestand hauptsächlich aus Musketieren und Pikieren:

  • Regiment Pleuren: Geführt von Generalleutnant Oswald von Pleuren (ca. 950 Mann).

  • Regiment Scherenberg: Unter dem Kommando von Oberst Scherenberg (ca. 891 Mann).

  • Regiment Elverfeldt: Kommandiert von Oberst von Elverfeldt (ca. 850 Mann).

  • Regiment Töller: Geführt von Oberst Töller (ca. 660 Mann).

  • Regiment Sankt Thuin: Geleitet von Oberst Sankt Thuin (ca. 600 Mann).

  • Weitere Infanterieregimenter: U.a. Regiment Walpott

Offizier der Infanterie im Jahr 1672. Nach einer umgearbeiteten Vorlage einer farbigen Zeichnungen von Harald Berking/ Münster.
Offizier der Infanterie im Jahr 1672. Nach einer umgearbeiteten Vorlage einer farbigen Zeichnungen von Harald Berking/ Münster.

Zusammensetzung der Armee. Spezialtruppen.

Die Artillerietruppe: Obwohl seltener als geschlossenes "Regiment" organisiert, bildete sie unter dem "Kanonenbernd" das technologische Herzstück der Armee. Sie verfügte über modernste Belagerungsgeschütze, Mörser und Brandgeschosse (die sogenannten "Münsterischen Bomben").

Die münsterische Artillerie hatte einen guten Ruf, insbesondere nach ihrem Einsatz vor Belgrad (1688) gegen die Türken. Ihre Führer – wie z. B. Johann Konrad Schlaun (Kommando: 1733 – 1773) machten sich auch als Baumeister einen Namen. Ihr Geschützpark war üppig, aber bald veraltet. Für die Artillerie – lange ein Zwischending von Waffengattung und Zunft - sind schon früh blaue Röcke überliefert, sie behielten auch die roten Westen bei.

Einsatzorte der münsterischen Truppen.

Die wichtigsten Einsatzorte im Überblick:

1. Im eigenen Territorium (Münsterland & Westfalen)

Bevor von Galen außenpolitisch aktiv werden konnte, setzte er seine Truppen im Inneren ein, um fremde Besatzer zu vertreiben und die Region zu befrieden:

Vertreibung fremder Truppen: Nach dem Dreißigjährigen Krieg vertrieb er hessische Truppen aus Coesfeld, schwedische Soldaten aus Vechta und niederländische Besatzer aus der Burg Bevergern.

Belagerung von Münster (1657 und 1660/61): Seine Armee belagerte mehrfach die eigene Hauptstadt, um den Unabhängigkeitswillen der Bürger zu brechen. Nach der Kapitulation der Stadt 1661 wurden die Truppen dauerhaft in der neu errichteten Zitadelle von Münster stationiert, um die Stadt zu kontrollieren.

Der Konflikt mit der Stadt Münster.

Die Ausgangslage: Reichsunmittelbarkeit vs. Landesherrschaft

Münster hatte sich im Spätmittelalter und während des Dreißigjährigen Krieges eine weitgehende Autonomie erkämpft. Die wohlhabenden Bürger und Gilden verwalteten sich selbst, besaßen eine eigene Gerichtsbarkeit und weigerten sich oft, dem Bischof Steuern zu zahlen. Das große Ziel der Stadt war die Reichsunmittelbarkeit – also die offizielle Anerkennung als Freie Reichsstadt, die nur dem Kaiser unterstellt war.

Als Christoph Bernhard von Galen 1650 Bischof wurde, traf dieser Freiheitsdrang auf einen Herrscher, der den barocken Absolutismus verkörperte. Für von Galen war eine autonome Stadt im Zentrum seines Territoriums ein inakzeptabler Zustand. Er wollte das Hochstift zentralisieren und die Macht der Landstände und Städte brechen.

Der Verlauf des Konfliktes.

Die Eskalation und der Bündnisverrat (1650–1656)

1650: Direkt nach seiner Wahl fordert von Galen die Huldigung der Stadt. Münster zögert diese hinaus und knüpft sie an Bedingungen. Der Bischof fordert zudem Geld für Truppen, was die Stadt strikt verweigert.

1654: Münster unternimmt einen diplomatischen Affront. Die Stadt schickt heimlich Gesandte in die protestantischen Niederlande, um ein Schutzbündnis gegen den eigenen katholischen Landesherrn zu schließen. Von Galen erfährt davon und wertet dies als schweren Landesverrat.

Die erste Belagerung und der Scheinfriede (1657–1659)

August 1657: Von Galen verliert die Geduld. Er zieht rund 5.000 Soldaten zusammen und belagert Münster zum ersten Mal. Seine Artillerie beschießt die Stadt, woraufhin die Bürger wütend das fürstbischöfliche Kloster Überwasser außerhalb der Mauern niederbrennen.

Oktober 1657: Der Konflikt droht zu einem Reichskrieg zu werden, da die Niederlande Truppen an der Grenze mobilisieren. Der Kaiser greift ein und vermittelt den „Klever Akkord“. Von Galen muss die Belagerung abbrechen, doch die Kernfrage der städtischen Unabhängigkeit bleibt ungelöst. In den folgenden zwei Jahren rüsten beide Seiten im Geheimen massiv auf.

Die große Blockade und das Aushungern (1660–1661)

Juli 1660: Nachdem die Stadt erneut fürstliche Befehle ignoriert hat, zieht von Galen ein weitaus größeres Heer zusammen und riegelt Münster komplett von der Außenwelt ab.

Die Taktik der Zermürbung: Statt die starken Stadtmauern im Sturm zu nehmen, setzt von Galen auf ein systematisches Aushungern. Seine Truppen besetzen das Umland, plündern die Versorgungshöfe der Bürger und fangen jeden Händler ab.

Das Abschneiden des Wassers: Um den Druck zu maximieren, lässt der Bischof den Fluss Aa stauen und umleiten. Dadurch stehen die Wassermühlen der Stadt still – das Mahlen von Getreide und die Brotherstellung werden unmöglich. In der Stadt bricht eine schwere Hungersnot aus.

Der Zusammenbruch und die bedingungslose Kapitulation (1661)

Frühjahr 1661: Die Lage in der Stadt ist katastrophal, die Vorräte sind restlos aufgebraucht. Die erhoffte militärische Hilfe aus den Niederlanden oder vom Kaiser bleibt aus, da niemand einen offenen Krieg mit dem militärisch starken Bischof riskieren will. Die Moral der hungernden Bürger bricht ein.

26. 03.1661: Der Stadtrat erkennt die Ausweglosigkeit und unterzeichnet die bedingungslose Kapitulation.

Der Einzug des Bischofs: Wenige Tage später zieht Christoph Bernhard von Galen hoch zu Ross und im Triumphzug durch die Tore der gedemütigten Stadt. Er lässt den Stadtrat absetzen, die städtischen Privilegien physisch verbrennen und beginnt umgehend mit dem Bau der Zitadelle, um die Stadt für immer zu unterwerfen.

Wie verlief die Belagerung?

Die Belagerung von 1660 bis 1661 war keine klassische Erstürmung mit Leitern und Breschen, sondern ein monatelanger, psychologisch und logistisch extrem brutaler Zermürbungskrieg. Christoph Bernhard von Galen setzte auf die Taktik des systematischen Aushungerns und der totalen Isolation.

Die militärische Einschließung

Von Galen riegelte die Stadt mit einem dichten Ring aus Befestigungen, Schanzen und Truppenlagern ab.

Abschneiden der Zufuhr: Kein Händler, kein Bauer und keine Nachricht drangen mehr durch. Das reiche Umland, das Münster sonst mit Lebensmitteln versorgte, wurde von den bischöflichen Truppen kontrolliert und geplündert.

Die Blockade der Aa: Die folgenschwerste Maßnahme war die gezielte Umleitung und Stauung des Flusses Aa vor den Toren der Stadt. Da die Wassermühlen der Bürger dadurch keinen Antrieb mehr hatten, konnte kein Getreide mehr gemahlen werden. Die Mehl- und Brotherstellung brach fast vollständig zusammen.

Die Unterwerfung hatte für die Bürger von Münster drastische Konsequenzen, die das Stadtbild und die Verwaltung für Jahrhunderte prägten:

Verlust aller Privilegien: Das städtische Selbstdarstellungs- und Verwaltungsrecht wurde aufgehoben. Der Stadtrat verlor seine Unabhängigkeit und wurde dem Bischof unterstellt.

Entwaffnung: Die Stadt musste ihre eigenen Kanonen und Waffen an den Bischof übergeben. Die Bürgergarden wurden aufgelöst.

Bau der Zitadelle: Um die Bürger dauerhaft zu kontrollieren und zukünftige Aufstände im Keim zu erstickten, ließ von Galen ab 1661 die monumentale, sternförmige Zitadelle von Münster (das heutige Schlossgelände) im Westen der Stadt errichten. Ihre Kanonen waren bezeichnenderweise nicht nach außen, sondern direkt auf die Stadt gerichtet.

Politische Folgen: Durch diesen Sieg brach von Galen den Widerstand im Inneren endgültig und machte Münster zur wehrhaften Residenzstadt eines absolutistischen Fürstentums.

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