Die Uniformen der französischen Armee unter Napoleon I. (1800 - 1815) - Die Linien-Infanterie. I. Teil

Französische Infanterie. Originaler Kupferstich. Augsburg um 1800.

Der zahlenmäßige Aufwuchs nach 1789.

Die französische Armee umfasste wie alle Armeen in der Napoleonischen Zeit alle Waffengattungen.

Sie bestand vor allem aus den eigentlichen französischen Truppen, aber zu ihr gehörten auch zahlreiche Fremden-Regimenter bzw. die Kontingente der zugehörigen Vasallenstaaten, z. B. die Truppen der sogenannten Rheinbundstaaten ("Confédération du Rhin", 1806 gegründet).

Die Infanterie war aber das Rückgrat der napoleonischen Armee.

Die napoleonische Infanterie hatte ihren Ursprung in der umwälzenden Umstrukturierung des französischen Militärwesens während der Revolutionsjahre (ab 1789).

Vor diesem Zeitpunkt umfasste die französische Infanterie 102 Linien-Regimenter. Davon waren 79 französische und 23 Fremden-Regimenter.

Ferner existierten auch noch 12 Bataillone "chasseurs a pied", 7 Kolonial-Regimenter, 1 Regiment Marineinfanterie und die Provinzialtruppen.

Am 01.01.1791 wurden die alten tradionellen - aristokratischen - Regimentsnamen abgeschafft und durch schlichte Nummern ersetzt.

Am 04.03.1791 wurde die Auflösung der o. g. Provinzial-Truppen befohlen. Diese wurden durch die National-Garde abgelöst.

Es sollten 169 in diesem Zusammenhang neue Freiwilligen-Bataillone errichtet werden. Deren Aufstellung und Rekrutierung oblag den jeweiligen Departements (= staatliche Verwaltungseinheiten).

Angesichts der militärischen Bedrohung der jungen französischen Republik durch die etablierten europäischen Mächte wurde durch den Nationalkonvent im Jahre 1793 die "levée en masse" angeordnet.

Hierbei handelte es sich um Art von Massenaushebung, also um eine umfassende Form der Wehrpflicht. Sie verpflichtete grundsätzlich alle ledigen und verwitweten (also unverheirateten) Männer im Alter von 18 bis 25 Jahren zum Kriegsdienst.

Damit konnte das revolutionäre Frankreich sein Heer rasch und maßgeblich vergrößern und verschaffte sich durch den Zugriff auf ein großes Reservoir an Rekruten eine zahlenmäßige Überlegenheit gegenüber den Koalitionsmächten. Dies war ein wichtiger Vorteil in den laufenden kriegerischen Auseinandersetzungen.

Die Truppenstärke wurde durch diese (Zwangs-)Maßnahme deutlich erhöht. Im Frühjahr des Jahres 1793 bestand die französische Armee aus 200.000 Mann. Im Sommer dieses Jahres waren es aber schon 500.000 Soldaten. Im Herbst soll die Kopfstärke der französischen Armee 732.000 Mann und im Winter sogar 804.000 Mann betragen haben. Dieser Bestand verringerte sich aber in den nächsten Jahren schnell, durch Verwundung und Tod ,aber auch durch eine zahlreiche Desertion (= Fahnenflucht).

Im Übrigen führte dieser Zugriff des Staates aber auch zu Unruhen und Widerstand in der Bevölkerung.

Der entscheidende Organisator dieser umfangreichen Mobilisierung war Lazare Nicolas Marguerite Carnot (* 13.05.1753 in Nolay, Burgund, heute Département Côte-d’Or; † 02. 08.1823 in Magdeburg). Er gehörte zum Wohlfahrtsausschuss und war dort für Militärangelegenheiten zuständig. Unter Napoleon Bonaparte wurde er zum Kriegsminister ernannt.

Infanterie der Halb-Brigaden um 1796. Originale Tafel aus der Uniformkunde. Band XV., Nr. 37. Die Abbildung dokumentiert die Vielfältigkeit der Bekleidung jener Zeit. Häufig wird durch Zeitgenossen auch das abgerissene Erscheinungsbild der Heere der Revolutionsjahre betont. Die Zusammenstellung wirkte oft willkürlich.

Die Einführung der "Amalgame" bzw. die Bíldung der Halbbrigaden.

Die Infanterie des revolutionären Frankreichs bestand zum einen aus den bereits unter dem Ancien Régime gedienten Soldaten ("Les blancs"), zum anderen aus den Freiwilligen bzw. Wehrpflichtigen ("Les bleus"). Hierbei handelte es sich um zwei sehr unterschiedliche Gruppen, die sich in ihrer militärischen Brauchbarkeit stark voneinander unterschieden. Während die alten Soldaten natürlich besser ausgebildet und erfahren waren, befanden sich unter den neuen Soldaten auch viele von den revolutionären Idealen begeisterte französische Bürger. Ihnen fehlte es aber im Ernstfall neben der Ausbildung auch an Standfestigkeit bzw. Disziplin.

Um die Vorteile der beiden unterschiedlichen Gruppierungen zu kombinieren bzw. zu kompensieren, wurde bereits am 21.01.1783 die Bildung von Halb-Brigaden ("demi-brigade de ligne" bzw. "demi-brigades légères") befohlen. Diese bestanden jeweils aus einem regulären und aus zwei freiwilligen Bataillonen. Diese mit dem 08.01.1794 in Kraft tretende Mischung alter und neuer Truppenbestandteile wurde "Amalgame" genannt.

Es entstanden so 209 Halb-Brigaden der Linie und 42 Halb-Brigaden leichter Infanaterie.

"Eine "demi-brigade de ligne" bestand nach dem Dekret vom 21.02.1793 aus 2.437 Offizieren, Unteroffizieren und Mannschaften und war gegliedert in:

-einen Brigadestab bestehend aus 31 Offizieren, Unteroffizieren und Mannschaften

-drei Bataillone (eines der Regulären Truppen und zwei Bataillone Freiwilliger) mit je

- einer Grenadierkompanie, bestehend aus 3 Offizieren und 62 Grenadieren

- acht Füsilierkompanien, bestehend aus 3 Offizieren und 86 Schützen

- einer Feldgeschützkompanie mit 6 vierpfündigen Kanonen" (Wikipedia).

Mit einem Dekret vom 29.11.1793 wurde die Anzahl der freiwilligen Bataillone in einigen Halbbrigaden auf vier bis fünf aufgestockt.

Zwei Halbbrigaden bildeten eine Brigade, zwei Brigaden formierten eine Division. Zur Division gehörten aber noch weitere Verbände.

Der Begriff der "Halb-Brigade" wurde auch noch später - nach der Wiedereinführung der Regimenter - verwendet, z. B. für die Schaffung provisorischer bzw. zusammen gesetzter Formationen.

Noch um 1805 wird die Zahl der alten Soldaten (aus der Revolution und des Konsulats) auf etwa 50 % geschätzt (Funcken, Historische Uniformen. Napoleonische Zeit. Bd. 1, S. 26).

Infanterist um 1795. Originale Lithographie von Hippolyte Bellangé (17.01.1800 in Paris; † 10.04.1866).

Die Entwicklung der Zusammensetzung des Infanterie-Regiments im Laufe der Zeit.

Mit kaiserlicher Verfügung vom 18.02.1808 wurde bestimmt, dass zukünftig ein Infanterie-Regiment aus 5 Bataillonen bestehen sollte.

Die ersten 4 Bataillone waren Kriegs-Bataillone und bestanden aus 1 Grenadier-, 1 Voltigeur- und 4 Füsilier-Kompanien.

Das 5. Bataillon war ein Depot-Bataillon, welches nur 4 Füsilier-Kompanien umfasste. Es wurde von einem Major befehligt, unter ihm hatte ein Capitaine die Befehlsgewalt. Letzterer führte gleichzeitig eine Kompanie. Zum Depot-Bataillon gehörten auch ein Adjutant und zwei Stabsfeldwebel.

Jede Kompanie zählte nach Emile Nußbaum 3 Offiziere, 1 Feldwebel, 4 Sergeanten, 1 Fourier-Korporal (Schreiber), 8 Korporäle, 2 Trommler (2 Hornisten bei den Voltigeurs) und 121 Gemeine.

Das Bataillon wurde von einem "chef de bataillon" kommandiert. Dieser wurde durch 1 Adjutanten und 2 Stabsfeldwebeln unterstützt.

Der Regiments-Stab wurde gebildet aus: 1 Oberst, 1 Major, 4 Bataillons-Kommandeure, 5 Adjutanten, 1 Quartier- bzw. Zahlmeister, 1 Rechnungsführer und 1 Adlerträger.

Damit zählte das Regiment insgesamt 108 Offiziere und 3862 Mann.

Zu jedem Bataillon gehörten 4 Zimmerleute, welche der Grenadier-Kompanie zugehörig waren.

Zu jeder Kompanie gehörten auch 2 Soldatenkinder.

Diese waren Pfeifer oder Trommler (ab 16 Jahre). Erst ab 18 Jahren galten sie als reguläre Soldaten.

Laut Peter Schuchardt bestand das französische Infanaterie-Regiment der letzten Jahre des Kaiserreichs aus bis zu 7 Bataillonen. Diese umfassten jeweils 6 Kompanien. Zwei dieser Kompanien - eine Grenadier- und eine Voltigeur-Kompanie - galten als Elitekompanien. Das nach wie vor existierende Depot-Bataillon bestand nur aus 4 Kompanien und war für die Aufnahme neuer Rekruten zuständig.

Im Jahre 1813 umfasste die Linien-Infanterie 156 Regimenter, aber nur auf dem Papier, da insgesamt 21 Nummern vakant waren.

Links: Grenadier der Linien-Infanterie um 1805-05. Originales Aquarell von Henri Boisselier.

Einsatz und Taktik.

Der Einsatz der französischen Infanterie gestaltete sich nach Funcken (Historische Uniformen. Napoleonische Zeit. Bd. 1, S. 26) wie folgt:

"In der Schlacht stellte das Bataillon im Zentrum seine Füsilier-Kompanien auf, die deshalb auch Zentrums-Kompanien genannt wurden, und an den Flügeln die Elite-Kompanien: links die Voltigeure und rechts die Grenadiere. Bei der Leichten Infanterie wurden die Grenadiere durch Karabiniers ersetzt. Zwei oder drei Regimenter bildeten eine Brigade, zwei Brigaden bildeten eine Division.

Die Elite-Kompanien hatten festumrissene Aufgaben. Die Voltigeure, für die man kleinwüchsige, äußerst behende Männer auswählte, sollten vor den Massen der feindlichen Infanterie ausschwärmen und sie durch beliebiges, aber gezieltes Störfeuer beunruhigen. Die Grenadiere dagegen waren von hohem Wuchs und zogen die Füsiliere der Zentrums-Kompanien mit sich oder, je nach Fall, schoben sie nach vorn."

In der entsprechenden kaiserlichen Verfügung (18.02.1808) heisst es: "Im Einsatz kämpft die Grenadier-Kompanie auf dem rechten Flügel des Bataillons und die der Leichten Infanaterie auf dem Linken (Ziffer 5). Wenn alle sechs Kompanien eines Bataillons beeinander sind, wird stets divisionsweise marschiert und gehandelt. Sind die Grenadiere und die Leichte Infanaterie nicht da, manövriert und marschiert das Bataillon zugweise. Zwei Kompanien werden ein Division, jede Kompanie einen Zug und jede Halbkompanie eine Sektion bilden (Ziffer 7)" (zitiert nach: H. C. B. Rogers, Die Armee Napoleons, Stuttgart 1976, S. 99).

M. A. Martin Mas (La Grande Armée. Die Geschichte der Armee Napoleons, Berlin 2005, S. 41) äußerst sich zu den Grenadieren und Karabiniers wie folgt: "Sowohl die Grenadiere als auch die Carabiniers waren Elitesoldaten, die wegen ihrer Körpergröße, ihrer Kamperfahrung und ihres Mutes ausgewählt worden waren. Da neu aufgestellte Regimenter noch über keine Kampferfahrung verfügten, liess sich noch nichts über die Mutigsten in ihren Reihen sagen, weswegen sie auch keine Grenadier-Kompanien besassen". Der Hauptmann wählte in bestimmten zeitlichen Abständen aus den Füsilier-Kompanien geeigneten Ersatz für die Grenadier-Kompanie aus (hier Coignet zitieren!).

Die Voltigeure waren regelmäßig hervorragende Schützen und für einen eigenständigen Einsatz vor der Front des Bataillons prädestiniert. Laut dem zuvor erwähnten M. A. Martin Mas waren "die besten Bataillone der Linien-Infanterie ... der leichten Infanterie durch ebenbürtig, auch wenn erstere für Plänkelaufaufgaben nicht so gut geeignet waren. Die Linien-Infanaterie kämpfte en masse, ging in Linie vor, bildete Kolonnen und Karees und war in all ihren Manövern auf die Befehle ihrer Offiziere angewiesen" (ebd., S. 40).

Grenadier und Füsilier der Linien-Infanterie zwischen 1801 und 1806. Originales Aquarell von Henri Boisselier.

Frühe (zeitgenössische) Beschreibungen des Erscheinungsbildes französischer Infanterie.

Die neue französische Infanterie machte auf die Zeitgenossen einen nachhaltigen Eindruck, wobei deren militärische Leistungsfähigkeit durchaus mit dem äußeren Erscheinungsbild kontrastierte. Ein dänischer Subaltern-Offizier berichtete von seiner Reise durch Deutschland im Jahre 1802 - durch den Heereskundler Preben Kannik übermittelt - das Nachfolgende: "In Mainz sah L. zum ersten Male französische Truppen, und auch ihm, wie so vielen Beobachtern, fiel der Mangel an Gleichartigkeit auf das stärkste ins Auge. Die Wachparade stellte sich auf den Platz vor seinem Quartier, und hier bemerkte er, das nur die "Chasseur à cheval et à pied" gut in schmucken Uniformen gekleidet waren, während die Linien-Infanterie schrecklich aussah. "Röcke und Dreispitze sind das einzig Gleichmäßige, im übrigen kommt jeder, wie er will, einige mit Stiefeln, andere mit weißen, blauen oder braunen Pantalons, wieder andere hatten Mäntel mit Gehäng und Bandolier darüber. Die Grenadiere hatten schmucke rote Federbüsche. Die Parade war in drei Gliedern aufgestellt und vollzog die Schwenkungen in Pelotons im Parademarsch sehr müde. Zirka 40 Tambours schlugen Marsch indem gleichzeitig die stark besetzte Janitscharen-Musik spielte. Knapp war die Parade 50 Schritt marschiert, als die Musik aufhörte und jede Wache in größter Unordnung zu ihrem Bestimmungsort marschierte. L. bemerkte, dass die Bajonette klein waren" (ZfH, 1960, S. 2 ff.).

Die ersten Franzosen in Leipzig im Jahre 1806. Originaler Stahlstich von Geißler.

Frühe (zeitgenössische) Beschreibungen des Erscheinungsbildes französischer Infanterie.

In den Mittheilungen zur Geschichte der militärischen Tracht- zugehörig zur im Verlag Babenzien in Rathenow erschienenen "Grossen Uniformkunde" von Richard Knötel - findet sich ein weiteres zeitgenössisches Urteil des Geschichtsschreibers und Literaturhistorikers Wolfgang Menzel: ".... Dagegen beherbergten wir im Frühjahr (1807) französische Linieninfanterie, welche grosses Aufsehen erregte. Ich sah diesen noch halben Sansculotten oft zu, wenn sie im freien Felde exerzierten, und das Herz im Leibe that mir wohl dabei. Unsere ganz Bevölkerung (Waldenburg in Schlesien) theilte einigermassen das Gefühl, denn es war unmöglich, die martialischen Kerle zu sehen, ohne sich ein wenig für sie zu enthusiasmieren. Sie trugen noch die altmodischen Hüte aus der zeit vor und während der Revolution und kurze dicke Zöpfe. Nur die rothen Epauletten gaben Ihnen einigen Glanz. Sonst waren ihre Uniformen ein Frack mit hoher Taille und langen Schössen, sehr abgetragen, und Hosen hatten sie von allen Farben, meist selbstgemacht aus geraubten Bettbezügen. Aber ihre braunen, verwegenen Gesichter, ihre funkelnden Augen und die Elasticität, Raschheit und Energie ihrer Bewegungen, vor allem das Feuer ihres Bajonettangriffs, überzeugte die Zuschauer, dass wir hier die ersten Soldaten der Welt vor uns sahen. In ihrem Äusseren lag etwas Räubermässiges, besonders wenn sie ungeordnet marschirten und alles mögliche mitgehen liessen und auf ihre Bajonette spiessten. Aber der Heldencharakter überwog doch den des Räubers. Man schämte sich beim Anblicke dieser etwas unsauberen, aber echten Krieger des bisherigen preussischen Paradewesens...".

Französische Linien-Infanteristen werden zu ihren Quartieren in Leipzig geführt. Nach einer Radierung von C. G. H. Geißler. Entnommen aus: Paul Martin, Die französische Armee 1789 - 1807, Stuttgart.

Farbe und Schnitt der Uniformen.

Knötel (Handbuch der Uniformkunde, Hmburg 1937, S. 158) beschreibt den Rock der neu entstandenen Nationalgarde wie folgt: "Blauer Rock mit weißen Futter, ebensolchen Rabatten und Aufschlagspatten, roten Kragen und Aufschlägen. Die Zentrums-Kompanien truge Hüte, auch wohl den damals bei den Jägern üblichen Helm; die Grenadiere die Pelzmütze, die indessen als zu kostspielig abgeschafft und durch den Hut mit rotem Busch ersetzt wurde. Indessen taucht die Pelzmütze immer wieder auf. Die eben beschriebene Uniform ging im Jahre 1793 auch auf die Linien-Infanterie über, die damals in Halb-Brigaden formiert wurden. Jede Halbbrigade bestand aus einem Linien-Bataillon und zwei Bataillonen von Freiwilligen der National-Garden. 1803 wurde die Organisation wieder aufgehoben und nun wieder Regimenter gebildet".

Der Abschied von der weißen Grundfarbe der Uniform aus der königlichen Zeit fiel vielen alten Soldaten schwer und es wurde von offzieller Seite bemängelt, dass viele Offiziere immer noch ihre langen weißen Uniformröcke trugen. Auch die einfachen Soldaten trugen außerhalb Dienstes bzw. der Parade noch längere Zeit ihre bisherigen weißen Röcke und benutzten an den neuen blauen Uniformen noch ihre alten Regimentsknöpfe.

Schnitt und Farbe des Rockes der neuen Uniformierung änderten sich bis zum Jahr 1807 nicht, allerdings waren die Pelzmützen jetzt größer.

Als es einen Mangel an Indigo (Farbstoff) gab, wurde im Jahr 1806 kurzfristig der weiße Rock wieder eingeführt, zunächst aber nur bei bestimmten Regimentern: Nr. 3, 4, 8, 12, 14, 15, 17, 18, 19, 21, 22, 24, 25, 27, 28, 33, 34 und 86.

Nachdem man in Frankreich einen Ersatz für den fehlenden Farbstoff gefunden hatte, kehrte man (Oktober 1807) zur zwischenzeitlich tradionellen blauen Grundfarbe der Uniform zurück (vgl. zur weißen Uniform den entsprechenden Fachbeitrag in diesem Schwerpunkt).

Grenadier (rechts) und Füsilier (links) der Linien-Infanterie um 1807. Originales Aquarell von Henri Boisselier.

Kopfbedeckungen.

Die Infanterie der Revolutionsjahre trug überwiegend den Hut, es wurden aber auch Pelzmützen und Raupenhelme getragen.

Der Hut wurde oder

Zeitweise verschwand die Pelzmütze, kehrte aber - nun größer - wieder. Der Tschako sollte den Hut ersetzen, aber in den frühen Feldzügen unter Napoleon I. war noch lange der Hut (Zweispitz) gebräuchlich.

Der Zweispitz wurde mit der Spitze nach vorn oder quer getragen.

Der Tschako bestand aus einem Korpus aus Filz. Dieser war mit Leder verstärkt bzw. besetzt und hatte einen Augenschirm (aus Leder).

Hinten hatte der Tschako eine Schnalle zum Einstellen der individuellen Kopfweite.

Den Tschako schmückte vorn eine Kupferplatte und oben mittig die französische Kokarde.

Darüber befand sich ein farbiger Stutz oder ein Federbusch.

Der Zierrat wechselte aber im Laufe der Zeit seine Form.

Den Tschako schmückte ferner eine - geflochtene - Schnur, an der zwei Platten mit Quasten hingen.

Ein Sturmriemen sorgte für einen sicheren Halt der unförmigen Kopfbedeckung.

Im Felde wurde der Tschako regelmäßig durch einen Überzug aus Leinen oder aus Wachstuch geschützt bzw. verborgen.

1810 wurden die Behänge abgeschafft, aber in der Praxis durchaus weiter getragen.

Der ab 1811 ausgegebene ein wenige kürzere aber oben breitere Tschako hatte ein neues Mützenblech. Es zeigte den kaiserlichen Adler auf einer halbrunden Platte mit der jeweiligen Regimentsnuummer.

Die schwarze Pelzmütze schmückte vorn ein Schild mit einer entflammten Garante. Links wurde über der Kokarde ein (roter) Federbusch getragen. Ferner hatte die Pelzmütze einen (weißen) Behang.

Es werden auch Pelzmützen ohne Frontschild dargestellt, bei den Pelzmützen der Sappeure fehlte dieses regelmäßig.

Sergeant aus dem 81. Linien-Infanterie-Regiment um 1812. Originale farbige Zeichnung von unbekannter Hand. Vorderseite.
Sergeant aus dem 81. Linien-Infanterie-Regiment um 1812. Originale farbige Zeichnung von unbekannter Hand. Rückseite.
Französische Linien-Infanterie. Links: Tambour. Rechts: Infanterist in kleiner Uniform. 1812. Nach einer originalen Lithographie aus dem 19. Jhdt.

Die Bardin-Reform im Jahr 1812.

Im Jahre 1812 änderte sich das äußere Erscheinungsbild der französischen Infanterie durch die sogenannte "Bardin-Reform" nachhaltig. Der Verfasser war Baron Étienne Alexandre Bardin 1774–1840), Oberst bei den Grenadieren der Kaisergarde.

Anstelle des langeschössigen Rockes mit spitz zugeschnittenen Rabatten wurde nun die Habit-Veste (= Spenzer) eingeführt. Diese war ein kurzschössiger - vorn geschlossener - Uniformrock mit Rabatten, die bis kurz über der Hüfte geschlossen waren.

Die dunkelblaue Grundfarbe wurde bei der Linien-Infanaterie beibehalten. Auch die Rabatten blieben weiß, waren aber rot vorgestoßen.

Die Ärmelpatten wurden nun einheitlich dunkelblau und waren rechteckig mit einem roten Vorstoß.

Die kurzen Rockschöße waren weiß mit unterschiedlichen darauf angebrachten Abzeichen für die Grenadiere, Voltigeure und Füsiliere.

28. Infanterie-Regiment der Linie 1812 - 1813. Rechts: Leutnant der Füsiliere, mittig: Sergeant der Voltigeure, rechts: Grenadier. Originales Aquarell von Henri Boisselier.
28. Infanterie-Regiment der Linie 1812 - 1813. Links: Sappeur, mittig: Tambour der Füsiliere, rechts: Musiker. Originales Aquarell von Henri Boisselier.

Uniformkundliche Merkmale der Füsiliere.

Die Füsiliere trugen Schulterklappen aus Tuch und farbige - nach Kompanien verschiedene - Pompons am Tschako.

Der Kragen war wie bei den Grenadieren rot mit blauem Vorstoß.

Die Ärmelaufschläge waren rot mit blauem Vorstoß mit blauen Patten .

In den Schoßumschlägen der Habit-Veste trugen die Füsiliere ein blaues N.

Französischer Grenadier feldmarschmäßig. Originale farbige Tuschzeichnung aus dem Jahr 1897.

Weitere Abzeichen.

"Korporale trugen 2 gelbe wollene Tressen, 25 mm. breit, quer über de Aufschlagspatte. Nicolet zeigt sie auf rotem, in Zick-Zack ausgeschnittenen Tuch genäht. Der Fourier trug eine goldene Tresse quer über dem Oberarm, der Sergeant 1 goldene quer über die Aufschlagspatte, der Feldwebel deren 2. Alle Metalltressen auf rotem Tuch.

Nach zehnjähriger Dienstzeit bekannen Soldaten und Unteroffiziere einen roten, 25 mm breiten Balken auf dem linken Oberarm aufgenähnt, nach 15 Jahren deren 2, nach 20 Jahren 3. Obige Balken standen in 10 mmm Abstand.

Pfeifer behielten den Rock der Kompanie, mit Trommler-Borten".

Quelle: Emile Nußbahm (Straßburg), Das französische 18. Linien-Infanterie-Regiment in Straßburg 1814-14, in: ZfH 19.., S. 63 ff.). Ferner sei verwiesen auf: Robert v. Arnoldi, Das 57. französische Linien-Infanterie-Regiment 1806, in: ZfH 19.., S. 351 ff.).

Tuschezeichnung (aus dem Jahr 1887) eines französischen Grenadiers. Wohl nach einer Vorlage von Jean Baptiste Édouard Detaille (* 05.10.1848 in Paris; † 23.12.1912 ebenda).

Uniformkundliche Merkmale der Voltigeure.

Bei der Uniform der Voltigeure dominierten gelbe und grüne Abzeichen, also Kragen, Fransen-Epauletten (z. B. gelbe oder grüne mit gelben Halbmond), Ärmelpatten und Federbusch (gelb und gründer oder gelb und roter Stutz) am Tschako.

In den Schoßumschlägen der Habit-Veste trugen die Voltigeure ein gelbes (chamoisfarbenes) Jagdhorn.

Die weißen Rabatten waren aber auch rot vorgestoßen.

Offizier und Voltigeur aus dem 96. Linien-Infanterie-Regiment. Originale Faksimile aus dem Otto-Manuskript.

Uniformkundliche Merkmale der Grenadiere.

Die besondere Kopfbedeckung der Grenadiere - die Pelzmütze - wurde bereits erwähnt.

Später (ab 1808) trugen auch die Grenadiere Tschakos mit roten Verzierungen bzw. Besatz (rote Seitenstege und Einfassungsborten).

Der Feldbusch blieb rot.

Am Uniformrock wurden rote Kragen, Ärmelaufschläge und Epauletten getragen.

Die Patten der Ärmelaufschläge waren - wie bei den Füsilieren - blau.

In den Schoßumschlägen der Habit-Veste trugen die Grenadiere eine rote platzende Granate.

Eine Granate trug auch die lederne Patronentasche der Grenadiere.

Offizier und Grenadier aus dem 85. Linien-Infanterie-Regiment. Originale Faksimile aus dem Otto-Manuskript.
Grenadier und Voltigeur aus dem 94. Linien-Infanterie-Regiment. Originale Faksimile aus dem Otto-Manuskript.
Offizier und Voltigeur aus dem 85. Linien-Infanterie-Regiment. Originale Faksimile aus dem Otto-Manuskript.

Mäntel und sonstige Ausrüstung.

Ab 1806 wird der Mantel ein offizielles Bekleidungsstück.

Nach Jack Cassin-Scott (Derselbe/ John Fabb, Uniformen der Napoleonischen Kriege, München 1973, S. 131) wurden graue oder blau-graue Mäntel getragen.

Die weißen Breeches und Gamaschen wurden im Feld oft durch Überhosen ersetzt.

Im Winter trug man sonst anstelle der weißen nun schwarze Gamaschen.

Der Tornister bestand aus (braunem) Ziegenleder.

Französische Linien-Infanterie 1813-14. Originale Tafel von Richard Knötel in der Uniformkunde (Bd. XII., Nr. 24). Gezeigt wird hier u. A. die Feldmütze. Der Mantel sollte eigentlich beige sein, doch getragen werden hier auch andersfarbige Mäntel. Die hier gezeigten Modelle werden auch ein- oder zweireihig geknöpft. Der Gebrauch des Säbels wird seltener.

Zur Bewaffnung.

Zur Bewaffnung der französischen Infanterie finden sich zur benutzten Steinschloßflinte - fußend aus Thoumas, Les transformations de l`armée franciase, Paris 1887, Bd. II., S. 94 - folgende Hinweise:

"Die Französische Infanterie führte 1806 nicht, wie meist angegeben wird, ein Gewehrmodell von 1777, sondern von 1802 17,5 mm. Zwischen beiden liegt noch ein Modell von 1794, beschrieben in Streffleurs Österreichischer militärischer Zeitschrift 1886, III, 44. Alle diese unterschieden sich indessen nur in den Abmessungen und sämmtlich die alte Konstruktion ohne tricherförmiges Zündloch und ohne zylindrischen Ladestock. Die Sappeurs, Tambours, Musiker und Zahlmeister hatten ein am Riemen getragenes Mousqueton mit Bajonett. Die Voltigeur-Kompanien führten das kürzere glatte Dragonergewehr (mit Bajonett), ihre Offiziere und Unteroffiziere kurze gezogene Karabiner, 7 Züge, 4 kg Gewicht, 28 Kugeln auf 1 Pfund. Die sogenannten leichten Regimenter unerschieden sich 1806 in der Bewaffnung nicht von den Linien-Regimenter".

Das Bajonett war dreikantig und wurde in einer eigen Scheide links getragen.

Dazu wurde als Seitenwaffe nach wie vor ein Säbel geführt, der bekannte "sabre briquet" (Infanteriesäbel Model AN XI).

Er war zum Schlagen und Stechen zu gebrauchen.

Die Länge betrug 61,5 cm bis 77 cm. Der Säbel besass eine geschwungene Parierstange aus Metall (Messing).

Voltigeur der Linien-Infanterie. 1813. Originales Aquarell von Henri Boisselier.
Französischer Infanterist feldmarschmäßig im Mantel. Nach einer Lithographie von Charlet aus dem 19. Jhdt..

Die Lagermütze.

Die Lagermütze ( "bonnet de police") war blau mit roten Vorstößen (siehe nachfolgende Abbildung).

Die Lagermütze konnte auch vorn die Regimentsnummer oder ein Abzeichen zeigen.

Die "bonnet de police" wurde später durch ein praktischere Feldmütze abgelöst, die auch - zum besseren Schutz vor den Unbilden der Witterung - herunter klappbare Stoffteile aufwies.

Lagerszene beim 54. Linien-Infanterie-Regiment. Originales kleinformatiges Aquarell nach einer Vorlage von Pierre-Albert Leroux (1890 – 1959).

Besonderheiten der Offiziersuniform.

Die Uniform der Offiziere entsprach der der Mannschaften, war aber aus feinerem Tuch hergestellt. Der Tschako hatte oben eine goldene Borte, die hinsichtlich der Breite in Abhängigkeit vom Rang des jeweiligen Trägers differierte. Der Oberts war durch eine zweite goldene Borte gekennzeichnet. Er führte auch am Tschako einen weißen Federbusch, der Chef des Bataillons einen roten. Die anderen Offiziere hatten Pompons vorn mittig am Tschako.

Dazu wurde der Degen am weißen Bandelier getragen, das Portepee war golden. Ferner zeichnete ein goldener Ringkragen den Offizier aus.

Die Offziere trugen (nach 1812) neben der zweireihigen "habit-veste", gern die einreihige dunkelblaue Pikesche.Diese hatte lange Schöße mit roten Schoßumschlägen.

Unteroffizier und Adjutant der Linien-Infanterie aus der originalen Serie: La Grande Armee De 1812, Marseille: Collection Raoul et Jean Brunon, 1959. Künstler: Antoine Charles Horace Vernet, genannt Carle Vernet, (* 14.08.1758 in Bordeaux; † 1711.1836 in Paris).

Rangabzeichen.

Philipp Haythornthwaite (Derselbe/ Michael Chapell, Uniformen des Napoleonischen Rußlandfeldzugs, München 1976, S. 111) beschreibt das System der Rangabzeichen wie folgt:

"Der Rang eines Offiziers wurde durch Goldepauletten angezeigt:

Oberst, zwei mit schweren Fransen;

Major, wie Oberst, aber mit silbernen Stegen;

"Chef de Bataillon", wie Oberst, aber Fransen nur links;

Hauptmann, wie der Vorangegangene, aber mit dünnen Fransen;

Hauptm. Adjutant-Major, wie Hauptmann, aber mit einem roten Streifen auf dem Steg;

Oberleutnant, wie Hauptmann, aber mit einem roten Streifen auf dem Steg;

Leutnant, wie Oberleutnant, aber mit zwei roten Streifen".

Die Unteroffiziere waren durch diagonale Tressen auf den Ärmeln gekennzeichnet, zwei goldene für den Quartiermeister, einen goldenen für den Sergeanten und zwei orangene für den Korporal, immer auf einem roten Untergrund.

Offizier der Grenadiere in Paradeuniform. Originales Aquarell von E. L. Bucquoy.
Offizier der Grenadiere in Spanien. Originales Aquarell.

Uniformen bei Waterloo.

Zur Uniformierung der französischen Infanterie im Zeitpunkt der Schlacht von Waterloo (18.06.1815) ist bei Philipp Haythornthwaite (Die Uniformen der Schlacht von Waterloo, München 1974, S. 159) zu lesen: "Die französische Infanaterie war zum Teil außerordentlich schlecht ausgerüstet; man hat sogar behauptet, an manche einberufene Soldaten seien nur Tschako, Mantel, Bandelieren und Musketen ausgegeben worden, während sie darunter ihre Zivilbekleidung trugen".

Sappeur aus dem 65. Linien-Infanterie-Regiment. Originale Faksimile aus dem Otto-Manuskript.

Besonderheiten der Zimmerleute.

Die Zimmerleute gehörte zur Kolonnenspitze und hatten im Häuserkampf die Trüen zu öffnen oder kleinere Brücken anzulegen.

Es waren je Bataillon vier und wurden durch einen Sergeanten angeführt.

Sie wurden aus den besten Soldaten der Grenadier-Kompanien ausgewählt. Sie blieben aber weiter der Grenadier-Kompanie zugehörig.

Neben der großen Zimmermannsaxt trugen sie die Pelzmütze und eine feste Lederschürze (aus Büffelleder. Letztere war entweder naturfarben oder weiß.

Auf den Ärmeln ihrer Uniform waren zwei (wollene) gekreuzte Äxte (in rot) unter einer Granate (nicht immer) als Hinweis auf ihre Funktion zu sehen.

Als zusätzliche Bewaffnung diente eine Faschinenmesser mit Sägeklinge. Den messingenen Griff schmückte oft der Kopf eines gallischen Hahnes.

Meist hatten sie eine üppige Barttracht.

Sappeur aus dem 94. Linien-Infanterie-Regiment. Originale Faksimile aus dem Otto-Manuskript.
Sappeur aus dem 85. Linien-Infanterie-Regiment. Originale Faksimile aus dem Otto-Manuskript.
Französischer Sappeur. Originales Aquarell von Henri Boisselier.
Französischer Sappeur um 1813. Originales Aquarell von Henri Boisselier.

Uniformierung der Musiker und Spielleute.

Die Spielleute und Musiker trugen goldene Tressen um die Kragen, Ärmelaufschläge, Rabatten und dazu glatte rote Schwalbennester.

Diese Vorgaben galten nur grundsätzlich, denn in der Praxis wurde hiervon nach dem Willen des Regiments-Kommandeurs häufig abgewichen.

Häufig wurden gewechselte oder gänzlich anderen Grundfarben getragen.

So zeigt z. B. Rigo in seiner Tafelserie "Le plumet" die Musiker des 9. Linien-Infanterie-Regiments in roten Röcken mit grünen Kragen, Rabatten und Ärmelaufschlägen - jeweils mit goldenen bzw. gelben Borten - sowie mit Tschakas als Kopfbedeckung. Auch die Beinkleider sind grün mit weißer Verschnürung (Tafel 84, 1809).

Auch für das 30. Linien-Infanterie-Regiment ist für die Musiker eine rote Grundfarbe der Uniformröcke mit schwarzen Abzeichen überliefert (Zeichnungen von H. Boisselier nach Collection Würtz).

Die Musiker des 27. Linien-Infanterie-Regiments tragen zwar blaue Röcke, aber mit orangenen (betressten) Rabatten (Tafel 66, 1807 - 1809).

Für das 67. Linien-Infanaterie-Regiment werden für die Musiker gelbe Uniformröcke mit blauen Abzeichen übermittelt (Tafel 99, 1808 - 1809).

Für die Linien-Infanterie-Regimenter Nr. 9, 18 und 88 wird eine orientalisch eingekleidete "Chapeaux Chinois" dargestellt (Tafel 154, 1805 - 1809).

Besonderer Blickfang war stets vor allem die prächtige - üppig betresste - Uniform des Tambour-Majors. Dieser trug regelmäßig einen quer sitzenden betressten großen Zweispitz oder eine Pelzmütze mit farbigen Behang und Federschmuck.

Mit der o. g. Bardin-Reform (19.01.1812) wurde jedoch für die Spielleute eine eigene Montur eingeführt, welche eine grüne Grundfarbe hatte, einen roten Kragen und rote Ärmelaufschläge aufwies und mit einer dunkelgrünen Tresse besetzt war, welche im Wechsel grüne Adler und ein grünes N auf gelben Feldern zeigte. Die Ärmel hatten sparrenförmige Besätze in gleicher Art wie die zuvor beschriebene Borte.

Musiker der Linien-Infanterie unter Napoleon I. Rechts: Musikmeister aus dem 67. Linien-Infanterie-Regiment um 1809, mittig: Musikmeister aus dem 9. Linien-Infanterie-Regiment um 1809 und rechts: Musiker aus dem 8. Linien-Infanterie-Regiment um 1812. Originale Tafel aus der Uniformkunde, Band XII., Nr. 43.

Text zur vorherigen Abbildung.

"Die Uniformen der Militärmusiker waren ganz dem Belieben der Regiments-Kommandeure anheimgegeben. Natürlich bestrebte sich jedes Regiment, eine möglichst prächtige "téte de colonne" zu haben, und da der Phantasie keine Schranken gesetzt waren, fanden sich die merkwürdigsten Farbenzusammenstellungen. Auch hinsichtlich der Kopfbedeckung herrschte völlige Willkür; wir finden hier Hüte, dort Czakos, dort wieder Czapkas, letztere manchmal recht merkwürdig gestaltet. Genau wie mit der Musik, stand es auch mit den Spielleuten, und selbst die Befehle zur Einführung der einheitlichen gründen, gelb besetzten napoleonischen "Livree" für letztere (vom 31.Dezember 1811, 10. Januar und 7. Februar 1812) scheinen bei vielen Regimentern völlig geblieben zu sein" (Richard Knötel).

Tambour-Major aus dem 75 Linien-Infanterie-Regiment. Originale Faksimile aus dem Otto-Manuskript.
Tambour-Major der französischen Linien-Infanterie. Originales großformatiges Aquarell von Henri Boisselier.
Tambour (der Grenadiere), Kornet (der Voltigeure) und Tambour-Major der französischen Linien-Infanterie um 1807-09. Originales Aquarell von Henri Boisselier.
Tambour aus dem 63. Linien-Infanterie-Regiment um 1808. Originales Aquarell von Henri Boisselier.
Musiker der Linien-Infanterie. 1805 - 09. Originales Aquarell von Henri Boisselier.
Musiker (Tambours) der französischen Linien-Infanterie. 1806 - 09. Originales Aquarell von Henri Boisselier.
Tambours der Linien-Infanterie aus der originalen Serie: La Grande Armee De 1812, Marseille: Collection Raoul et Jean Brunon, 1959. Künstler: Antoine Charles Horace Vernet, genannt Carle Vernet, (* 14.08.1758 in Bordeaux; † 1711.1836 in Paris).
Tambour-Major mit der neuen Uniform im Jahre 1812. Originale aquarellierte Zeichnung.

Besonderheiten der Bedeckung der Fahnen und der Adler.

Am 05.12.1804 übergab Kaiser Napoleon I. den Regimentern neue Fahnen und Standarten. Auf der Spitze des Fahnenstockes war ein Adler befestigt. Der Adlerträger und seinen Begleitung wurden vom Kaiser selbst ernannt. Hierbei handelte es sich um eine Auszeichnung.

M. A. Martin Mas (La Grande Armée. Die Geschichte der Armee Napoleons, Berlin 2005, S. 47) äußert sich zur Ausgestaltung der Adler wie folgt: "Während des Bestehens des Kaiserreiches wurden zwei Ausführungen des Adlers verwendet, das Modell von 1804 und das von 1815, obwohl die Unterschiede eher gering waren. Der Adler aus Bronze hatte seine beiden Schwingen ausgebreitet, hielt ein Blitzbündel in seinen Fängen und blickte nach links. Sein Erscheinungsbild orientierte sich stark an den Adlern der altrömischen Legionen, die Napoleon so bewunderte. Auf dem Sockel des Adlers war biederseits die Regimentsnummer eingeprägt. Die Adler der Kaisergarde trugen allerdings keine Nummern sondern das Symbol der jeweiligen Truppengattung, z. B. eine Granate für die Grenadierregimenter usw.".

Philipp Haythornthwaite (Die Uniformen der Schlacht von Waterloo, München 1974, S. 159) schreibt über die Bedeutung der Adler: "Der Adler war das kostbarste Stück jedes Regiments; er bestand aus einem hölzernen Schaft und einem vergoldeten Kaiserlichen Adler. Von untergeordneter Bedeutung war dagegen die am Schaft befestigte Fahne; mitunter wurde auch der Schaft allein mitgeführt, dann wurde sie um den Schaft gewickelt und steckte in einem Wachstuchfutteral; sie wurde erst entfaltet, wenn das Regiment zum Angriff entfaltet, wenn das Regiment zum Angriff antrat. In der Schlacht markierte der Adler den Sammelpunkt und symbolisierte damit die Ergebenheit der Truppe gegenüber dem Kaiser".

Fahnenbedeckung des 9. Linien-Infanterie-Regiment. Originale farbige Zeichnung von Rigo.

Besonderheiten der Bedeckung der Fahnen und der Adler.

Ab 1806 wurde der Adler bzw. die Regimentsfahne mit einer eigenen Bewachungseskorte versehen. Der Offizier, welcher den Adler trug, führte die Bezeichnung: "Premier Porte-Aigle" (= Erster Adlerträger). Er wurde durch zwei dienstälteste Unteroffiziere begleitet, nämlich dem "Deuxième" und dem "Troisième" Porte Aigle. Diese waren mit jeweils zwei Pistolen und einer Halbpike bewaffnet. An der Letzteren waren rote bzw. weiße Wimpel befestigt. Die Aufschrift war auf der einen Seite "Napoleon" und auf der anderen Seite die jeweilige Regimentsnummer. Es gab hiervon aber in der Praxis Abweichungen.

In der bereits erwähnten kaiserlichen Verfügung vom 18.02.1808 heißt es unter Ziffer 17: "Jedes Regiment erhält einen Adler. Dieser wird von einem Adlerträger getragen, der Oberleutnant oder Leutnant ist und mindestens vier Dienstjahre oder aber die die vier Feldzüge von Ulm, Austerlitz, Jena und Friedland hinter sich habn muss. Zwei gute Leue, ausgewählt aus dem Kreise von des Lesens und Schreibens unkundigen Soldaten, die aus diesem Grunde auch nicht befördert werden können, erhalten den Titel des zweiten und dritten Adlerträgers und weichen nie von seiner Seite. Sie werden dem Rang nach Feldwebel sein und die Besoldung eines Oberfeldwebels erhalten. An beiden Armen tragen sie je vier Winkel. Der Adler ist stets dort, wo die meisten Bataillone sind. Die Adlerträger gehören zum Regimentsstab. Sie werden von UNS ernannt und können auch nur von UNS wieder abgesetzt werden" (zitiert nach: H. C. B. Rogers, Die Armee Napoleons, Stuttgart 1976, S. 105 ff.).

Carle Vernet zeigt in seiner Serie: "La Grande Armee De 1812" einen Adlerträger mit einem besonderen Helm, und zwar mit einem Bügelhelm aus Messing mit silbernen Beschlag und einer roten wollenen Raupe.

Offiziere und Adlerträger aus dem 9. Linien-Infanterie-Regiment. Entnommen: Manuscrit du Bourgeois de Hambourg. Reproduktion (Faksimiles) aus dem Jahre 1902 (Paris).

Besonderheiten der Bedeckung der Fahnen und der Adler.

Jedes "bataillon du Bataille" (= Kriegs-Bataillon) hatte eine Standarte. Diese wurde von einem ausgewählten Unteroffizier getragen.

Den Adler führten nur Linien-Regimenter (als Fahne),also keine Formationen, die nur provisorisch aufgestellt worden waren oder nicht zur regulären Armee gehörten.

Die eigentliche Fahne hatte eine geringere Bedeutung.

Der bereits erwähnte Emile Nußbaum beschreibt den Adler bzw. das Fahnentuch des 18. Linien-Infanterie-Regiments wie folgt:

"Seit 1812 hatte jedes Regiment nur einen Adler, blau-weiß-rot, ähnlich wie heute, der blaue senkrechte Streifen an der Stange, dann der weiße, zuletzt der rote. Das viereckige Tuch mass 83 cm und hatte 2,5 cm lange goldene Fransen. Alle Stickereien aus Gold. Auf der Vorderseite die Inschrift in goldenen Buchstaben "L`Empereur Napoléon au 18 Régiment d`Infanterie de Ligne", auf der Rückseite die siegreichen Schlachten "Ulm, Austerlitz, Jena, Eylau, Eckmühl, Eßling, Wagram". Die seidene Cravatte um die Stange unterm Adler mittels eines goldenen 66 cm langen Cordon mit 2 goldenen 16 cm langen Quasten geschlungen, maß 1,06 m, war 18 cm breit, blau-weiß-rot mit goldenen Verzierungen und Fransen von 7 cm Länge. Die Holzstange, blau übermalt, maß 2,45 m, der Schuh 5 cm Länge. Der Adler, den Kopf nach rechts gedreht, aus vergoldetem Messing, war 185 mm hoh, die Spannweite der Flügel betrug 23 cm. Der Adler ruhte auf einem vergoldeten Kästchen, 4 cm hoch, 12 cm breit, mit der mit der Regiments-Nummer, das mittels eines 7 cm hohen Messingschuhs an die Stange mit 3 Schrauben festgemacht wurde".

Die übrigen Bataillone hatten Wimpel mit verschiedenen Farben. In der Praxis wurden diese Wimpel auch verziert, d. h., es gab also Unterschiede in der Gestaltung.

Adlerträger. Farbige Skizze des französischen Militärmalers Pierre Albert Leroux (1890 -1959).
Offizier und Adlerträger aus der originalen Serie: La Grande Armee De 1812, Marseille: Collection Raoul et Jean Brunon, 1959. Künstler: Antoine Charles Horace Vernet, genannt Carle Vernet, (* 14.08.1758 in Bordeaux; † 1711.1836 in Paris).
Kompaniefahnen der Linien-Infanterie aus der originalen Serie: La Grande Armee De 1812, Marseille: Collection Raoul et Jean Brunon, 1959. Künstler: Antoine Charles Horace Vernet, genannt Carle Vernet, (* 14.08.1758 in Bordeaux; † 1711.1836 in Paris).

Französische Linien-Infanterie. Farbige Skizzen des französischen Militärmalers Pierre Albert Leroux (1890 -1959).

Französische Linien-Infanterie. Zeichnungen und Skizzen des Verfassers.

Quellen

Cdt. Bucquoy, Les Uniformes du Premier Empire, L`Infanterie, Paris1979.

Duffy, Christopher, Doe Schlacht bei Austerlitz. Napoleons größter Sieg, München 1979.

Liliane und Fred Funcken, Historische Uniformen. Napoleonische Zeit, 2. Bd., München 1978.

Philipp Haythornthwaite/ Michael Chapell, Uniformen des Napoleonischen Rußlandfeldzugs, München 1977.

Philipp Haythornthwaite, Die Uniformen der Schlacht von Waterloo, München 1976.

Preben Kannik, Uniformen in Farben, Berlin 1967.

Knötel/ Sieg, Handbuch der Uniformkunde, Hamburg 1937.

Paul Martin, Die französische Armee 1789 - 1807, Stuttgart.

Más, Miguel Ángel Martin, La Grande Armée. Die Geschichte der Armee Napoleons, Berlin 2005.

Rigo, Le plumet. Französische Serie von Uniformtafeln.

Rogers, H. C. B., Die Armee Napoleons, Stuttgart 1976.

Lucien Rousselot, Napoleons Armee 1800 - 1815, Berlin 2010.

Peter Schuchhardt, Deutsche Serie von Uniformtafeln.

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