Uniformierung und Ausrüstung der Alten Armee - Kavallerie - Schwere Reiter - Sachsen - Garde-Reiter-Regiment
Anmerkungen zum vorherigen Fotos.
Die Thonbesteigung von Friedrich August III. (* 25. 5. 1865 Dresden) erfolgte am 15. Oktober 1904. In der Folge des verlorenen Ersten Weltkrieges verzichtete er am 13.11.1918 auf den Thron. Friedrich August III. war der letzte sächsische Regent und starb im Exil am 18. 02. 1932 in Sybillenort bei Breslau. Sein Sarg traf am 22. Februar 1932 in Dresden ein. Eine halbe Million Menschen soll diesem gefolgt sein. Er galt als ein sehr volkstümlicher und beliebter König. Seine gescheiterte Ehe mit Luise von Toscana (02.09.1870 in Salzburg; † 23.03.1947 in Ixelles/Elsene bei Brüssel) beschäftigte ganz Europa. Diese entfloh im Jahr 1902 dem strengen (konservativen) höfischen Pflichtprogramm gemeinsam mit dem Hauslehrer ihrer Kinder, dem 23-jährigen belgischen Sprachlehrer André Giron. Die Ehe wurde 1903 aufgehoben, danach blieb Friedrich August III. ehelos. Der sächische König war vor seiner Thronbesteigung Inhaber zahlreicher militärischer Dienststellungen. Am Ersten Weltkrieg beteiligte er sich nicht aktiv, aber seine Söhne (Kronprinz Georg und Prinz Friedrich Christian).
Vorbemerkungen
Die traditionsreiche sächsische Kavallerie im Reichsheer umfasste:
zwei Regimenter Schwere Reiter in Dresden und Borna.
drei Husaren-Regimenter in Großenhain, Grimma und Bautzenund
drei Ulanen-Regimenter in Oschatz, Leipzig und Chemnitz.
Im Verband des Reichsheeres stellte das Königreich Sachsen das XII. Armeekorps. Die Nummerierung der Einheiten erfolgte im Rahmen der Nummernfolge der preußischen Armee (anders als Bayern).
An dieser Stelle wird das sächsische "Garde-Reiter-Regiment (1. schweres Regiment)" vorgestellt.
Diese Bezeichnung führte die Einheit ab Februar 1876.
Die Beschreibung folgt vor allem bzw. weitgehend:
Wolfgang Friedrich, Die Uniformen der Königlich Sächsischen Armee 1810 - 1867, Dresden 1997.
Herbert Knötel, Paul Pietsch, Baron Collas, Das Deutsche Heer. Friedensuniformen bei Ausbruch des Weltkrieges, Textband, Stuttgart 1982.
Hugo F. W. Schulz, Die Bayerischen, Sächsischen und Württembergischen Kavallerie-Regimenter 1913/14, Augsburg 1992.
R. v. Haber, Die Cavallerie des Deutschen Reiches. Derselben Entstehung, Etwicklung und Geschichte, nebst Rang-, Quarters-, Anciennitöts-Liste und Uniformierung, 1877 (Nachdruck Krefeld 1977),
sowie:
v. Hinüber, Stammliste des Kgl. Sächs. Garde-ReiterRegiments 1680 - 1905, Berlin 1907.
Börries Freiherr von Münchhausen, Rittmeister der Reserve des ehemaligen Kgl.Sächs.Garde-Reiter-Regiments: „Das Königlich Sächsische Garde-Reiter-Regiment von 1880 bis 1918“, Verlag und Buchdruckerei der Wilhelm und Bertha v. Baensch Stiftung, Dresden 1926.
Errichtung
Das sächsische Garde-Reiter-Regiment (1. schweres Regiment) bzw. deren Stammtruppenteile gehen auf das Jahr 1680 zurück.
Als Stiftungstage werden insoweit der 31.10. bzw. der 10.11.1680 angegeben.
Garnisonen und Mannschaftsersatz.
1877 stand der Stab, die 1., 2. und 3. Eskadron in Dresden, die 4. und 5. Eskadron in Pirna.stand das
Später stand in Regiment nur noch in Dresden.
Regimentsinhaber war der jeweilige sächsische König.
Die Rekrutierungsbezirke waren die Bezirke der Kgl. sächsichen 2. und 4. Infanterie-Brigade Nr. 46 und Nr. 48, und zwar die Amtshauptmannschaften Prina, Dippoldiswalde, Zittau, Löbau, Bautzen, Kamentz, Großenhain, Meißen, Roclitz, Borna und Döbeln.
Kriegsgeschichte im Ersten Weltkrieg und Auflösung.
Im Ersten Weltkrieg gehörte die Einheit zur 8. Kavallerie-Division und verrichtete nach Kriegsausbruch zunächst grenzsichernde Maßnahmen in Lothringen.
Ab September wurde das sächsische-Garde-Reiter-Regiment an die Ostfront verlegt und kämpfte in der Schlacht an den Masurischen Seen (09. - 15.09.1914).
"Die Schlacht an den Masurischen Seen vom 6. bis 14. September 1914 war eine Schlacht zwischen deutschen und russischen Truppen in Ostpreußen im Ersten Weltkrieg. Sie endete mit dem Rückzug der russischen Truppen nach schwersten Verlusten" (Wikipedia).
Anschließend verbleib die Einheit an der Ostfront kavalleristisch aktiv, in Polen und in Kurland (1915) und bei Jakobsstadt (ab 1917).
Sie kehrte im Januar 1919 in die Heimat zurück und wurde am 31.03.1919 aufgelöst.
Die Verluste des Garde-Reiter-Regiments finden sich aufgelistet auf der Webseite: http://www.denkmalprojekt.org/. Dort werden 139 Namen genannt.
Helm.
Der Helm des sächsischen Garde-Reiter-Regiments war aus Tombak. Vorn zeigte er einen Stern aus Neusilber mit dem aufgelegten sächsischen Wappen aus Tombak.
Waffenrock (Koller).
Der Waffenrock bzw. Koller hat als Grundfarbe konblumenblau und hatte einen weißen Kragen und schwedische weiße Ärmelaufschläge.
Letztere standen ungefähr 1,5 cm weg vom Ärmel.
Der Waffenrock bzw. Koller hatte weiße Vorstöße
um die unteren und hinteren Schoßränder,
sowie an den Taschenleisten mit jeweils 2 Knöpfen auf jeder Leiste,in den Rücken- und Ärmelleisten, nicht oben um den Ansatz der Ärmel.
Ferner Vorstöße aus dem Grundtuck um den Kragen und um die Aufschläge.
Ähnlich wie bei den preußischen Kürassieren verlief am Koller vorn herein eine weiße Borte mit kornblumenblauen Streifen.
Die Passanten hatten die Farbe des Kollers.
Daneben befand sich eine glatter Knopf für die Achselschuppen.
Die Knöpfe waren gelb.
Achselschuppen (Epauletten).
Charakteristisch für die sächsischen schweren Reiter waren deren Achselschuppen (Epauletten).
Diese bestanden aus Messing mit Krone und hatten ein kornblumenblaues Unterfutter.
Am oberen Rande des Schiebers befand sich ein Haken und ein Knopfloch.
Litewka.
Auf der obigen Stubenszene sind auch die grauen Litewken zu sehen. Diese hatten - wie der Mantel - weiße Kragenpatten zu sehen.
Der Löwenaufsatz zum Helm.
Zu Pardezwecken wurde auf den Helm ein neusilberner Löwe aufgeschraubt.
Reithosen und Stiefel.
Die (weißen) Reithosen und die (hohen) Stiefel entsprachen dem Muster der preußischen Kürassiere.
Bandolier und Pallaschkoppel.
Bandolier und Pallaschkoppel waren weiß wie bei den preußischen Kürassieren. Das Koppelschloß entsprach aber dem der sächsischen Infanterie.
Der Kartuschkasten hatte keine Deckelverzierung.
Bewaffnung. Karabiner.
Text
Bewaffnung. der Gardereitersäbel M. 79.
Neben der Karabiner und der Stahlrohrlanze wurde der als Blankwaffe der besondere Garde-reiter-Säbel M 79 benutzt.
Uniformkundliche Merkmale der Trompeter
Die Trompeter hatten vorn am Koller auf der Brust einen auffälligen Besatz aus weißen Borten.
Offiziere
Der Helm der Offiziere der Garde-Reiter-Regiments entsprach dem der preußischen Garde-Kürassier. Der Stern und der zur Parade aufgesetzte Löwe waren versilbert.
Die Kollerborte war bei den Offizieren aus Silbertresse, also nicht golden. Die Borte war mit hellblauer Seide durchzogen.
Die Passanten wiesen goldene Kettchen auf.
Auch der Überrock war konblauenblau und hatte weiße Abzeichen. Die Farbe war bei den Offizieren oft heeler als bei den Mannschaften.
Die Litewka hatt weiße Kragenpatten, ebenso solche Vorstöße.
Die Epauletten waren vergoldet.
Die langen kornblumenblauen Tuchhosen hatten zur Gala einen weißen Vorstoß und einen ebensolchen Streifen.
Als Kartuschkasten diente ein kleiner metallener Kasten, dessen Vorderwand und Boden war mit schwarzen Leder überzogen, im Übrigen vergoldet.
Der Deckel zeigte das Königliche Wappen mit Krone und Lorbeerzweigen.
Das schmalere weiße Koppel hatte eine viereckige Schnale in Gold.
Die Dienstdecke war dunkelblau. Das Sattelfell zeigte in den hinteren Ecken einen versilberten Stern mit einem konblumenblauen Mittelstück Dieses zeigte eine versilberte Krone.
Als Bewaffnung diente der besondere Garde-Offiziersdegen.
Zaumzeug.
Das Zaumzeug hatte am Vorderzeug und dan der Kandare Buckel aus Tomba. Diese zeigten das Königliche Wappen.
Empfohlene Beiträge
Die Uniformierung der Infanterie des Deutschen Reichsheeres - 1871 – 1914. X. Teil - Bayern (ohne Jäger)
Die Uniformierung der Infanterie des Deutschen Reichsheeres - 1871 – 1914. Teil XI. Jäger und Schützen.