Uniformierung und Ausrüstung der Alten Armee - Kavallerie - Kürassier-Regimenter - Regiment der Gardes du Corps
Formations- und Kriegsgeschichte.
Das Regiment der Gardes du Corps geht zurück die namensgleiche - von Friedrich dem Großen - im Jahre 1740 errichtete Einheit.
Der Standort war immer Potsdam, zeitweise auch zusätzlich Charlottenburg und Berlin.
Inhaber der Einheit war regelmäßig der preussische König, der erste Regimentskommandeur hieß Otto Friedrich von Blumenthal und der letzte Regimentskommandeur Peter Martin Graf York von Wartenburg.
Die Formation, welche der preußischen Armee seit dem zuvor genannten Errichtungsjahr bis zu ihrer Auflösung am 01.10.1919 angehörte, hatte folglich als Stiftungstag den 23.06.1740.
Zunächst nur eine Eskadron (178 Mann) stark, wurde die Einheit zunächst auf 3 (1756) und schließlich auf 5 Eskadrons (1796) verstärkt.
Bei Neuformation der preußischen Armee im Jahre 1808 wurde das Regiment der Gardes du Corps zwar übernommen bzw. bestand fort, zählte zunächst aber nur noch 8 Kompanien.
Den vorgenannten Namen erhielt die Formation erst am 24.04.1855.
Ab 1867 (28.02.) zählte die Einheit wieder 5 Eskadrons.
Formations- und Kriegsgeschichte (Fortsetzung).
Es handelte sich stets um eine elitäre Einheit, die aber auch in der altpreußischen Armee als eine Art Mustereinheit für die Kavallerie fungierte und in der Schlacht eingesetzt wurde.
Im Siebenjährigen Krieg kämpfte sie - nicht immer vollständig - bei Lowositz, bei Prag, bei Kolin, bei Roßbach, bei Spielberg, bei Leuthen, bei Hochkirch, bei der Belagerung von Dresden, bei Burkerdorf und Reichenbach.
Auch im bayerischen Erbfolgekrieg und im Feldzug gegen Polen war die Formation beteiligt.
Im unglücklichen Jahr 1806 kämpfte die Einheit bei Auerstedt.
In den Befreiungskriegen waren die Gardes du Corps z. B. bei Arcis sur Aube und bei der Einnahme von Paris engagiert, sie nahmen aber nicht an der Schlacht von Waterloo teil.
Im Krieg gegen Dänemark war der Regiment der Garde du Corps nicht direkt beteiligt.
1866 kämpfte die Einheit u. A. in der Schlacht von Königsgrätz und im deutsch-französischen Kriege u. A. bei St. Privat la Montagne, bei Beaumont, bei Sedan und bei der Belagerung von Paris, hatte aber keine regelrechten Kampfeinsätze.
Im Ersten Weltkrieg kämpfte die mobil gemachte Einheit zunächst an der Marne und agierte dann im Stellungskampf in Nordfrankreich.
Später erfüllte sie eher polizeiliche Dienste an der belgisch-holländischen Grenze und kämpfte dann ab Mitte 1915 an der Ostfront. Hier wurde die Formation bis Mitte 1917 im Stellungskampf bei Pinsk und Kowl eingesetzt.
Es folgte Einsätze in Galizien, Kurland und Livland und bis Anfang 1918 westlich Lida (eine Stadt im Westen von Belarus, nahe der Grenze zu Polen und Litauen). Dann folgten polizeiliche Aufgaben in der Ukraine.
Am 12.11.1918 erhielt das Regiment den Befehl zur Rückkehr und kehrte am 13./14.02.1919 in Potsdam zurück, wo es demobilisiert und schließlich am 01.10.1919 aufgelöst wurde.
Das http://www.denkmalprojekt.org nennt 107 Gefallene, Vermisste und Gestorbene des Regiments der Gardes du Corps im Ersten Weltkrieg namentlich.
Der Koller.
Der Koller aus weißem Kirsey hatte einen abgerundeten Kragen und eine, auf den schwedischen Aufschlägen zwei weiße (altpreußische) Litzen mit roten Durchzügen. Diese waren bei den Offizieren in Silber gestickt.
Die (schmaleren) Tressen der Unteroffiziere waren wie bei der Garde-Infanterie gemustert.
Die weißen Schulterklappen zeigten keinen Namenszug, hatten aber rote Vorstöße.
Um den Kragen und die Ärmelaufschläge sowie vorn herunter lief eine rot-weiß-rote Kollerborte.
Der Kragen wurde 1868 niedriger. Ab 1893/95 war er vorn fast geschlossen.
Die Knöpfe waren weiß.
Der Koller (Fortsetzung).
Der Koller löste das Kollet ab und wurde durch AKO vom 23.10. und 08.12.1842 eingeführt.
Er wurde durch Haken und Ösen (16), nicht durch Knöpfe verschlossen.
Die Rückennähte und die Schoßtaschen hatten rote Vorstöße.
Der Schnitt des Schosses war zunächst glockeartig.
Die Achselknöpfe zeigten beim Regiment der Gardes du Corps di Kompanie-Nummern.
Der Helm.
Mit dem Koller kam auch der Metallhelm zur Einführung (AKO v. 22.02.1842 bzw. 05.04.1843).
Der Helm war beim Regiment der Gardes du Corps aus Tombak und hatte als Helmzierrat vorn den silbernen, achtstrahligen Gardestern.
Der Adler in dem gelb-metallenen Mittelschild war schwarz emailliert.
Bei den Offizieren war der Stern versilbert und mit Emaille und Gold ausgelegt.
Beim Offiiershelm war der Untersatz der Spitze vierteilig. Diese war geriefelt. Die Rosetten waren sternförmig. Das Ventilationsloch im Spitzenhals hatte eine Kreuzform.
Der Helm (Fortsetzung).
Zur Parade wurde ein neusilberner - zum Flug ansetzender - Adler aufgeschraubt.
Dieser war bei den Offizieren versilbert und hatte eine goldene Krone.
Der Untersatz blieb das Kreuzblatt.
Der Helm folgte im Übrigen der Entwicklung des Kürassierhelmes.
Der Mantel der Mannschaften
Der Mantel der Mannschaften war - ab 05.05.1894 - hell-grau.
Das Brustschild.
Das Regiment der Gardes du Corps hatte einen besonderes Brustschild.
Dieses hatte für Unteroffiziere eine vergoldetes Mittelschild.
Bei den Offizieren war das Mittelstück rot emailliert, die Trophäen ziseliert, der Rand bestand aus weißem Metall.
Der Kürass.
Der Kürass war mit Messingplatten belegt. Bei den Offizieren waren diese aus Tombak.
Die Verbindungsriemen hatten messingene Schuppen, bei den Gemeinen und Unteroffizieren waren es messingene Ketten.
Der Kürass (Fortsetzung).
Zusätzlich hatte das Regiment der Gardes du Corps für die Frühjahrsparade in Potsdam Kürasse aus schwarz lackiertem Eisen mit einer Einfassung aus roter Wolle bzw. roter Seide.
Die Verbindungsriemen waren messigene Schuppen. Bei den Offizieren waren diese vergoldet.
Der Waffenrock.
Der dunkel-blaue Waffenrock war etatmäßig. Kragen und Ärmelaufschläge waren ponceau-rot und zeigten Garde-Litzen wie am Koller.
Er hatte bei den Offizieren rotes Schoßfutter.
Die Offiziersuniform.
Der Koller der Offiziere entsprach dem der Mannschaften, durfte aber aus Tuch sein.
Die Litzen bestanden aus Silberstickerei.
Die Epauletten und Achselstücke der Offiziere hatten silberne Felder bzw. Vorstöße.
Wie erwähnt waren die auf dem Kürass der Offiziere aufgelegten Metallplatten aus Tombak.
Die Schuppen waren vergoldet.
Der rote Gala-Rock der Offiziere.
Die Offiziere hatten auch einen roten Gala-Rock. Diesen beschreibt Mila (Geschichte der Bekleidung und Ausrüstung der Königlich Preußischen Armee 1808 - 1878, Berlin 1878 (Nachdruck Krefeld 1970, S. 162) wie folgt: "Zur großen Hofgala trugen die Officiere der beiden Garde-Regimenter ponceau-rothe Waffenröcke, wie im § 572 beschrieben, mit silbernen Knöpfen, schwedischen Aufschlägen, eckig geschnittenenm Kragen; auf jedem Aufschlage und jeder Kragenseite zwei silberne Litzen; Epauletts wie auf dem Koller; hierzu beim Regiment du Corps dunkelblaue Kragen, Aufschläge und Rockverstöße, beim Garde-Kürassier-Regiment kornblaue Kragen und Aufschläge mit weißem Vorstoß und weiße Rockvorstöße. Zu diesen Röcken werden bei großen Hofcouren weiße Beinkleider und hohe Kanonenstiefel mit steifen Shäften, Cartouche und Pallasch, zu großen Hofbällen lange weiße Beinkleider von Kasimir (=nTuch aus Baumwolle) mit Tresse, keine Schärpen und keine Cartouche, und statt des Pallasches der Degen angelegt".
Die Gala-Uniform für die Gardes du Corps.
Ab Anfang 1900 wurde trugen die Offiziere des Regiments der Garde du Corps die Supraweste, den Bezug zur Säbeltasche und das Bandelier aus rotem Samt.
Die Weste, die Tasche, die Kartusche und die Bandelier waren mit silberner Mustertresse besetzt bzw. silbern bestickt.
Die Gala-Uniform für die Gardes du Corps.
Das Regiment der Gardes du Corps hatte einen besonderen Gala-Wachanzug.
Dessen auffäliger Bestandteil war die sogenannte Supraweste.
Hierbei handelte es sich um eine rote Wollweste mit umlaufender weißer Borte und einem (vorn) aufgelegten Gardestern mit einem handgesticktem Zentrum in Mannschaftsausführung.
Seitlich hatte die Weste Haken zum verschließen.
Innen war die Weste mit Leinen gefüttert.
Die Gala-Uniform für die Gardes du Corps (Fortsetzung).
Dazu wurde - ab 1883 - eine Säbeltasche getragen. Diese Säbeltasche war aus juchtenrot gefärbten Leder gemacht und hatte eine Einfassung in doppelter Kollerborte.
Sie zeigte zudem den geschwungenen Namenszug FR und darüber eine Krone aus weißem Band.
Die Säbeltasche wurde mit weißen Riemen am Koppel befestigt.
Die weiße Hose bestand aus Waschleder.
Die hohen schwarzen Kanonenstiefel waren aus steifem Glanzleder.
Die uniformkundlichen Merkmale der Trompeter.
Am Koller und am Waffenrock trugen die Trompeter wie üblich Schwalbennester.
Diese waren mit Regiments-Tresse besetzt. Bei der Garde waren die Tressen gemustert.
Dazu kam auf den Ärmeln des Kollers ein besonderer Bortenbesatz. Der Koller hatte an der Ärmelnaht und auf den Ärmeln zusätzlich einen Bortenbesatz, und zwar elfmal quer gesetzt. Auch die Schulterklappen bestanden aus Bortenbesatz. Die Schwalbennester waren weiß und auch mit Borte besetzt.
Letztere waren beim Stabstrompeter mit Fransen versehen. Dieser hatte auch 12 Querborten.
Trompeter trugen nie Kürasse.
Zur Parade wurde auch der Adler aufgesetzt, vorher hatten die Trompeter rote Haarbüsche gehabt.
Die Trompeter trugen zur Gala im Übrigen keine Suprawesten.
Die Hosen und Stiefel. Die Stulphandschuhe.
Die Kürassiere bekamen hohe - altbrandenburgische - Stiefel, die bereits seit Mitte der fünfziger Jahre bereits erprobt worden waren. Diese wurden ab 1867 auch für die Mannschaften obligatorisch.
Die Schäfte wurden hoch gezogen. Beim Fußdienst wurden sie nach unten geschoben.
Später (ab 1886) kamen Stulpstiefel in Gebrauch
Die Garde du Corps hatten dazu weiße Hosen aus Kirsey mit weißer Biese. Letztere entfiel später. Die weißen Hosen waren auch mit weißem Reitleder besetzt.
Dazu gab es Tuchhosen und Stallhosen.
An den Schuhen und Steifeln waren Anschlagsporen in Gebrauch.
Ferner waren weiße Stulphandschuhe in Gebrauch.
Die Bewaffnung: Der Pallasch und der Stichdegen, die Lanze, die Schußwaffen, die Kartusche und das Bandelier.
Zur Bewaffnung der Kürassiere gehörte zunächst der Pallasch. Ab 1814 kamen französische Beutestücke in Gebrauch. Diese sollte auch die Garde du Corps behalten.
Hinsichtlich der Pallasche gab es dann zwei Ausformungen, nämlich französische und russische. Erstere hatten drei, letztere zwei Seitenbügel. Der Korb bestand aus Messing.
Der Griff war aus verdrilltem Messingdraht.
Die Offiziere trugen zum kleinen und außer Dienst sogenannte Stichdegen.
Die Garde-Offiziere hatten am Griff des Pallasches und des Degens den kleinen silbernen Gardestern.
Ab 1888 hatten die Kürassiere Lanzen aus Holz, ab 1890 aus Gußeisen. Der Halteriemen war weiß.
Als Schußwaffen waren Pistolen und - ab 1888 allgemein - Karabiner (M 1871) in Gebrauch. Die ersteren wurden ab 1883 durch den Revolver 79 abgelöst.
Die Kartusche hatte einen Deckelbeschlag, und zwar einen versilberten Stern. Bei den Offizieren war es ein silbern-emaillierter Stern.
Das übliche Koppel war weiß, ebenso wie das Bandelier.
Ab 1883 gehörten zum Gala-Wachanzug ein mit roter Borte besetztes weißes Bandelier und ein ebenso mit roter Borte besetztes weißes Koppel.
Die Kartusche war dann auch aus weißem Leder, mit Kollerborte und versilbertem Stern besetzt.
Die Pferdeausrüstung.
Die Schabracken und die Schabrunken waren dunkelblau mit weißem Besatz.
In den hinteren Ecken der Schabracken und auf den Schabruncken befand sich der Stern des Schwarzen Adlerordens.
Dessen orange-farbene Medaillon zeigte den schwarzen Adler mit gelben Fängen, Krone usw. Der Kranz war grün und die darüber liegende Krone hell-gelb gestickt.
Für die Offiziere war es Silberstickerei bzw. Silberborte.
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