Organsiation- und Uniformierung der altpreußischen Armee im Jahre 1806 - mit Zeichnungen des Verfassers.
In Vorbereitung.
Der Bestand der altpreußischen Armee im Jahr 1786.
Am 17.08. 1786 starb Friedrich der Groß in Sanssouci und wurde in der Potsdamer Garnisonkirche beigesetzt. Seinem Nachfolger hinterließ er ein erprobtes Heer.
Die Armee umfasste nach Jany (Geschichte der Preußischen Armee, Bd. III., S. 134) zu diesem Zeitpunkt
an Infanterie
141 Bataillone (einschließlich der 32 Grenadierbataillone) mit 111730 Mann,
das Regiment Fußjäger mit 1302 Mann,
3 Regimenter leichte Infanterie mit 4899 Mann,
an Kavallerie
133 Eskadrons Kürassiere und Dragoner mit 22849 Mann,
100 Eskadrons Husaren und Bosniaken mit 15109 Mann,
sowie reitende Feldjäger mit 176 Mann
und ferner Husarenkommandos mit 26 Mann,
ferner
das Feldartilleriekorps mit 9746 Mann,
die Garnisonregimenter mit 37 Bataillonen mit 26298 Mann,
die Garnisonartillerie mit 13 Kompanien und einem Kommando in Brieg mit 1761 Mann,
die Mineurs mit 4 Kompanien mit 484 Mann,
die Pontonniers mit 29 Mann und
die Stämme der Landregimenter (4) mit 429 Mann.
Nach Paul von Schmidt (Der Werdegang des Preussischen Heeres, Berlin 1902, S. 193) verteilte sich die preußische Armee im Jahr 1806 wie folgt:
I. Infanterie
Potsdamsche Inspektion
2. Grenadier-Bataillone, Regiment Garde, Bataillon Grenadier-Garde, 2 Regimenter
Berlinische Inspektion
3 Grenadier-Bataillone, 6 Regimenter
Märkische Inspektion
2 Grenadier-Bataillone, 4 Regimenter, Feldjäger-Regiment (York)
Magdeburgische Inspektion
2 Grenadier-Bataillone, 5 Regimenter, 3 Füsilier-Bataillone
Pommersche Inspektion
2 Grenadier-Bataillone, 2 Regimenter
Ostpreußische Inspektion
3 Grenadier-Bataillone, 6 Regimenter, 6 Füsilier-Bataillone
Westpreußische Inspektion
3 Grenadier-Bataillone, 6 Regimenter
Südpreußische Inspektion
2 Grenadier-Bataillone, 2 Regimenter
Warschauer Inspektion
2 Grenadier-Bataillone, 5 Regimenter, 6 Füsilier-Bataillone
Oberschlesische Inspektion
3 Grenadier-Bataillone, 6 Regimenter, Mineur-Korps
Niederschlesische Inspektion
2 Grenadier-Bataillone, 5 Regimenter, 6 Füsilier-Bataillone
Westphälische Inspektion
Fränkische Inspektion
1 Grenadier-Bataillon, 2 Regimenter, Besatzungen von Plassenburg und Würzburg
II. Kavallerie
Märkische Inspektion
Regiment Gensd`armes, 1 Kürassier-, 1 Dragoner-, 1Husaren-Regiment
Magdeburgische Inspektion
4 Kürassier-Regimenter
Pommersche Inspektion
1 Kürassier-, 3 Dragoner-, 1 Husaren-Regiment
Preußische Inspektion
1 Kürassier-, 7 Dragoner-, 3 Husaren-Regimenter
Oberschlesische Inspektion
2 Kürassier-, 3 Husaren-Regimenter
Niederschlesische Inspektion
2 Kürassier-, 2 Dragoner-, 1 Husaren-Regimnent
Inspektion der Towarczys
Regiment und Bataillon Towarczys, 1 Regiment Dragoner
Jäger-Koprs zu Pferde
Artillerie-Inspektion
4 Regimenter Fuß-Artillerie, 1 Regiment reitender Artillerie, Festungs-Artillerie Neisse, Graudenz, Magdeburg, Glatz, Stettin, Cüstrin, Cosel, Hameln, Schweidnitz, Breslau, Pillau, Glogau, Silberberg, Colberg, Brieg, Danzig, Plassenburg.
Pontonier-Korps
Ingenieur-Korps: 2 Brigaden
Nach den Etats in Summa 194436 Mann INfanterie einschließlich 4952 Artilleristen zur Bedienung der Regimentsgeschütze,
40102 Mann Kavallerie,
10345 Mann Feld- und 2500 Mann Festungs-Artillerie mit 464 Geschützen der Linie und 136 der Reserve, nebst 434 Regiments-Geschützen.
Mit Mineur- und Pontonier-Koprs im ganzen eine Armee von 247724 Mann.
Hinweis: die wirklich vorhandene Anzahl blieb aber hinter dem Etat zurück.
König Friedrich Wilhelm II. (* 25.09.1744 in Berlin; † 16.11.1797 im Marmorpalais in Potsdam) reformierte u. A. die Uniformierung.
Diese Veränderung betraf auch die Kopfbedeckungen, so wurden die bisher getragenen Hüte, die Grenadier- und Füsiliermützen abgeschafft und durch einen zweiklappigen Hut ersetzt. Dieses "Casquet" hatte rund geschnittene Krempen, die weiß eingefasst und durch Schnüre am Hutkopf befestigt waren. Die Krempen konnten bei schlechtem Wetter herunter gelassen werden. Auf der vorderen Krempe befand sich ein Zierrat aus Messing, nämlich bei den Musketieren ein verschlungener königlicher Namenszug, bei den Grenadieren eine Granate und bei den Füsilieren ein fliegender Adler.
Die Füsiliere waren aber nunmehr eine Art leichter Infanterie. Hutkordons waren nicht mehr vorgesehen, aber bei den Musketieren ein Hutbüschel und bei den Grenadieren ein weißer Stutz. Der Zopf wurde verkürzt.
Friedrich Wilhelm III. (* 03. 08.1770 in Potsdam; † 07.06.1840 in Berlin) trat im Jahr 1797 die Regentschaft an und veränderte wiederum die Uniformierung.
So wurden die bisherigen zweiklappigen Hüte abgeschafft und die bisherige dreieckige Hutform (3) wieder eingeführt, allerdings in modischer Abänderung, d. h., der Hut war nicht mehr so flach wie vorher. Der nunmehrige Hut hatte jetzt Hutbüschel und Kordons in den alten Regimentsfarben.
Der Zopf war wurde erneut gekürzt und auch das Pudern der Haare geschah nun noch für Paradezwecke.
Für die Grenadiere wurde eine neuartige Mütze geschaffen. Diese hatte vorn ein schwarzes Lederschild, welches eine Einfassung aus schwarzer Wolle und ein Messingschild aufwies. Letzteres schmückte der preußische Adler. Darüber war eine Granate angebracht. Der eigentliche Kopfteil aus schwarzem Filz war niedriger und mit einer Borte in den Regimentsfarben versehen. Links wurde ein weißer Federbusch getragen.
Oben links: Koller für Offiziere von K 13 aus weißem Tuch mit Abzeichen aus Samt, geschlossen durch Messinghaken. Um 1806. Quelle: Merta, Klaus-Peter, Das Heerwesen in Brandenburg und Preußen von 1640 bis 1806, Berlin 1991, S. 159.
Oben mitte: Kamisol von K 10. Um 1785. Diese Weste wurde unter dem Kollet getragen. Quelle: Merta, Klaus-Peter, Das Heerwesen in Brandenburg und Preußen von 1640 bis 1806, Berlin 1991, S. 161.
Oben rechts: Kollet und Weste von Mannschaften aus K 2 um 1785. Das Kollet wurde offen getragen. Quelle: Merta, Klaus-Peter, Das Heerwesen in Brandenburg und Preußen von 1640 bis 1806, Berlin 1991, S. 166.
Unten links: Interimsrock für Offiziere aus K 13 um 1805/06. Wurde neben dem Kollet und dem Galarock getragen. Quelle: Merta, Klaus-Peter, Das Heerwesen in Brandenburg und Preußen von 1640 bis 1806, Berlin 1991, S. 158.
Unten mitte: Karabiner-Bandelier von K 5 um 1785. Bestehend aus mit Borte geschmücktem Leder. Das Leder wurde gestrichen. Quelle: Merta, Klaus-Peter, Das Heerwesen in Brandenburg und Preußen von 1640 bis 1806, Berlin 1991, S. 173.
Unten rechts: Brustkürass der Offiziere von hinten (1731 - 86). Quelle: Heinrich Müller, Das Heerwesen in Brandenburg und Preußen von 1640 bis 1806, Berlin 1991, S. 178.
Ganz unten mittig: Schleifenbesatz von K 5 und K 9 (Tressenmusterbuch). Quelle: Merta, Klaus-Peter, Das Heerwesen in Brandenburg und Preußen von 1640 bis 1806, Berlin 1991.
Ganz unten rechts: Mannschaftsedegen (Pallasch) - Modell 1732. Quelle: Heinrich Müller, Das Heerwesen in Brandenburg und Preußen von 1640 bis 1806, Berlin 1991, S. 132.
Die Husaren-Regimenter sollten seit 1796 (25.06.) nur noch die weiter oben beschriebenen Filzmützen tragen, lediglich das Regiment Göckingk (Nr. 2) hatte noch Pelzmützen. Im Jahr 1805 (18.03.) wurden aber nach russischem Vorbild Tschakos aus Filz mit einem ledernen Augenschirm eingeführt (4). Vorn befand sich eine Bandkokarde in den Regimentsfarben, nur das Husaren-Regiment Nr. 5 hatte als Zierrat einen Totenkopf. Auf dem oberen Rand sass ein Büschel, darunter die Kokarde. Um den oberen Rand des Tschakos war ein farbiger Kordon gelegt, dessen Quasten rechts herunter hingen.