Formations- und Uniformierungsgeschichte der altpreußischen Kavallerie 1740 - 86 - Teil I - Einleitung

Friderizianische Soldatentypen. Originale Lithographie aus dem 19. Jhdt.

Bestand an Kavallerie beim Regierungsantritt Friedrichs des Großen und der weitere Ausbau der Kavallerie.

Friedrich Wilhelm I. hinterließ an berittenen Truppen (1740):

Brandenburgische Truppen

Regimenter zu Pferd (= Kürassiere) zu je 5 Eskadrons

Regiment Gensdarmes

August Wilhelm Prinz von Preußen

Leopold von Geßler

Dragoner (10 und 5 Eskadrons)

Friedrich von Platen

Otto von Wittenhorst-Sonsfeld

Leib-Husaren-Corps

von Wurm (H 3, 3 Eskdarons)

Preußische Truppen

Regimenter zu Pferd

Dietrich von Buddenbrock

Heinrich von Katte

Sigmund von Waldow

Dragoner

Christoph von Thümen

Husaren-Korps

von Bronikowsky zu 6 Eskadrons

Pommersche Truppen

Regimenter zu Pferd

Friedrich Wilhelm Markgraf von Brandenburg-Schwedt

Dragoner

Friedrich Markgraf von Brandenburg-Bayreuth

Magdeburgisch-Halberstädtische Truppen

Regimenter zu Pferd

Leib-Regiment zu Pferd (von Wreech)

Leib-Karabiniers (Graf von Wartensleben)

Sigmund von Bredow

Fürst Eugen von Anhalt-Dessau

Clevisch-Westfälische Truppen

Regimenter zu Pferd

Christoph von Waldow

Insgesamt exisierten demnach zu diesem Zeitpunkt 12 Regimenter zu Pferd mit 60 Eskadrons, 5 Dragoner-Regimenter mit 45 Eskadrons und 2 Regimenter zu 9 Eskadrons.

Unter Friedrich dem Großen wurde die Kavallerie stark vermehrt.

Im Jahre 1786 umfasste die Kavallerie insgesamt

133 Eskadrons Kürassiere und Dragoner mit 22849 Mann,

100 Eskadrons Husaren und Bosniaken mit 15109 Mann,

sowie reitende Feldjäger mit 176 Mann und

ferner Husarenkommandos mit 26 Mann.

Den Bestand an Pferden wird mit 16000 angegeben.

Die "Kürassier-Regimenter" wurden unter König Friedrich Wilhelm I. noch als "Regimenter zu Pferd" benannt, erst unter seinem Nachfolger setzt sich allmählich die Benennung als Kürassier-Regimenter durch (vgl. Kling, Uniformierung und Bewaffnung der Kgl. Pr. Kürassier- und Dragoner-Regimenter ...., Weimar 1897, S. 9).

Friedrich der Große zu Pferde.

Zur inneren Struktur der Kavallerie 1740 - 86.

Unter Friedrich dem Großen existierten als Gattungen der Kavallerie die Kürassiere, die Dragoner und die Husaren. Letztere waren eine junge Unterart der preußischen Kavallerie.

Friedrich schätzte die Kavallerie höher als die Infanterie (Dette, Friedrich der Große, Diss Göttingen 1915, S. 72).

Die Kürassiere bestanden aus groß gewachsenen Reitern und galten als "ziemlich langsam und schwerfällig" Dette (a. a. O., S. 73).

Aus den halbkavalleristischen Dragonern wurden im Laufe der Zeit "ganze Reiter" (Dette, a. a.O., S. 73). Ein besonderes Augenmerk galt den stark vermehrten Husaren.

Auch die anderen Reitergattungen sollten sich hinsichtlich der Reitkünste und sonstigen dienstlichen Fertigkeiten an den Husaren orientieren.

Der Husarendienst galt deshalb als "die wahre Schule für jeden Kavallerieoffizier" (Dette, a. a.O. s. 74). "Reiter und Kürassiere mussten (insoweit) auch Husarendienste tun und sich dabei unter die Befehle der von ihnen anfangs etwas verächtlich angesehenen Husaren stellen" (Dette, a. a.O., S. 74).

Zwar bestand das soziale Gefälle zwischen den bisherigen Reitergattungen und der neuen Husarenwaffe grundsätzlich fort, denn bei den Husaren-Regimentern dienten viele bürgerliche Offiziere, allerdings wuchs die militärische Bedeutung der Husaren und dies nicht nur mit Blick auf den sogenannten "kleinen Krieg". Deshalb lobte Friedrich der Große diesselben auch ausdrücklich in seinem militärischen Testament. Insgesamt entwickelte sich die preußische Kavallerie unter dem Einfluss des Königs zu einer regelrechten Schlachtenkavallerie.

Preußische Kürassiere im Jahre 1786. Originaler Steindruck aus dem 19. Jhdt.

Die Kavallerie setzte sich ebenso wie die sonstigen preußischen Truppen aus Inländern und Ausländern zusammen. In der Regel hatte die Kavallerie keine Ersatzprobleme, weil bei ihr bessere Verhältnisse wie z. B. bei der Infanterie (Jany, Geschichte der Preußischen Armee ..., Bd. III., S. 57).

Den Kürassier- und Dragoner-Regimentern waren eigene Kantons zugeteilt, die Husaren erhielten Inländer aus den Kantons anderer Regimenter.

Die preußische Reiterei in Schlesien erhielt zunächst keine Kantons, sondern erhielt von den Infanterie-Regimentern ihren Ersatz, und zwar jährlich 30 Kantonisten von 5 -bis 8 Zoll (v. Schmidt, Der Werdegang des preußischen Heeres ..., S. 129). Am 16.09.1747 wurden auch den Schlesischen Kavallerie-Regimentern eigene Kantons zugewiesen. Nur die Husaren blieben ohne eigene Kantons und erhielten ihren inländischen Ersatz aus den Kantons anderer Regimenter.

Zu den Zuständen bei der Kavallerie äußert sich Georg Heinrich v. Berenhorst in seinen "Betrachtungen über die Kriegskunst" (Leipzig 1798) wie folgt: "Bei der Reiterei ist der Schlag von Menschen nicht so groß, als beim Fußvolke; sie besteht, wie dieses, aus Fremden und Einheimischen, man sorgt aber dafür, sichere Leute und von besserer Aufführung zu haben. Die Disciplin ist weniger übertrieben, der Reiter ist auch weniger von seinem Hauptmanne bevortheilt, als der Fußgänger" (S. 302).

Zu den Anforderungen an den anzuwerbenen Ersatz für die Kavallerie äußerte sich Friedrich der Große in einem Schreiben vom 30.05.1748 an den späteren Generalmajor Franz Issak von Froidville (* 12.05.1720 in Ballens, Kanton Bern - getauft in Biere); † 30. 03.1794 in Paddein) wie folgt: "...aber keine Deserteurs, aller Massen Ich dergleichen bey denen Cavallerie Regimentern weiter anzuwerben nicht gestatten will, da nicht nur mit solchen Leuthen zu risquiren ist, daß, nach dem sie einmahl mit Pferd und allem wieder durchgehen, sondern auch Ich vielmehr haben will, daß die Cavallerie sich dagegen bemühen soll, tüchtige Bauern Knechte und dergleichen anzuwerben" (Priesdorff, Soldatisches Führertum, Bd. II., S. 240, der Adressat war auf Werbung am Rhein und zu diesem Zeitpunkt Subaltern-Offizier bei D XI).

Grundsätzlich sollte bei der Kavallerie keine Leute unter 6 Zoll angeworben werden und der Ersatz sollte nicht unter 30 Jahre alt sein. Die Körpergröße spielte bei der Kavallerie - anders als bei der Infanterie - nicht eine so große Rolle, allerdings waren "lauter bärtige und robuste Leute" als Ersatz erwünscht, "welche Kräfte haben sich zu wehren" (Jany, Geschichte der preußischen Armee ..., Bd. II, S. 245).

In seinen im Jahr 1788 erschienenen "Gedanken ..." äußert sich der preußische General Friedrich August von Finck (25.11.1718 in Strelitz; † 22. 02.1766) über die Anforderungen an den Kavalleristen: " Die Cavalleristen von sechs bis neuen Zoll sind gleichfalls die besten. Gar zu schwere Leute drücken die Pferde sehr. Die übernatürlich großen Pferde sind auch zu nichts nütze, bei den Pferden muss mann mehr auf die Kräfte als auf die Größe und Schönheit sehen" (S 10).

Geschlossene Attacke der Kürassiere. Zeichnung von Richard Knötel.

Der bereits erwähnte v. Berenhorst äußerst sich zu den Dragonern wie folgt: "Die Mannschaft der Dragoner ist klein, und so auch die Pferde. Sie haben himmelblaue Röcke. Einige Regimenter sind noch mit Flinten und Bajonetten bewaffnet; die andern führen Karabiner, und haben Pferde vom Don und Dnieper her" (S. 303).

Dragoner vom Dragoner-Regiment von Schorlemmer ( D VI) im Jahre 1745. Nach einer farbigen Zeichnung von Richard Knötel. Originale Tafel aus der Uniformkunde (Bd. III, Nr. 33).

Zur taktischen Entwicklung der Kavallerie ab 1740.

In der Anfangsphase des Ersten Schlesischen Krieges hatten viele Einheiten der Kavallerie stark gelitten, d.h., die österreichischeKavallerie war deutlich überlegen. Während sich die Infanterie bewährte, konnte dies von der Kavallerie nicht gesagt werden.

Allerdings gab es für die preußische Kavallerie ein gelungenes Gefecht am 17.05.1741 bei Rothschloß in Schlesien. Hier konnten 600 preußische Husaren und 300 preußische Dragoner unter dem Oberbefehl von Oberstleutnant Hans Joachim von Zieten (*14.05. 1699 in Wustrau, Ruppiner Land; † 27. 01.1786 in Berlin), etwa 1400 österreichische Kavalleristen besiegen.

Allerdings am 10.06.1741 folgte ein Versagen der neu gegründeten preußischen Ulanenwaffe bei Olberndorf. Zur Vorgeschichte und zu den Folgen dieser Niederlage ist bei Genthe (Die Bosniaken in der preußischen Armee, S. 148) zu lesen: "Nach dem preussischen Generalstabswerke erhielt der Oberst v. Natzmer am12. März 1741 den Befehl, aus „flüchtigen polnischen Walachen oder Valassen“ ein Corps „Hulaners“ von 6 Escadrons zu errichten, welches am Ende des Monats schon übercomplet war und im Herbste deshalb auf 10 Escadrons „gesetzt“ wurde. Durch Kabinetsordre vom 04.06.1742 erfolgte jedoch die Umwandlung in ein Husarenregiment, das hellblaue Natzmer’sche Nr. 4, das spätere Prinz Eugen von Württemberg, da der König mit den Leistungen der Uhlanen nicht zufrieden war. Der kaiserliche Rittmeister v. Ruesch von den Pestvärmegyei-Husaren hatte das Regiment im Sommer 1741 bei Alt-Grottkau, nach Mackensen am 10. Juni 1741 bei Olberndorf, mit 300 Husaren gänzlich zersprengt; die Lanze hatte sich in den Händen der ungeübten, bunt zusammengewürfelten Mannschaften als höchst unpraktisch erwiesen. Dieser unglückliche Vorfall schien bei dem an und für sich nicht grossen Zutrauen in der Armee zur Lanze dieselbe für immer in Preussen unmöglich gemacht zu haben, und wenn auch in den nächsten drei Jahren verschiedene, sehr verlockende Anerbietungen polnischer Magnaten zur Errichtung von Uhlanenpulks einliefen".

Offizier aus H 1. Um 1748 Nach einer Zeichnung von Richard Knötel.

Die Folge die schlechten Erfahrungen der preußischen Kavallerie zu Beginn der Schlesischen Kriege waren intensive Bemühungen zur Reorganisation derselben durch Friedrich dem Großen. Dies führte zu vielen Abschiedsgesuchen von Kavallerie-Offizieren, da sich die dienstlichen Belastungen steigerten.

Ziel war eine taktische Neuaufstellung der preußischen Kavallerie, insbesondere sollte deren Angriffsgeist gestärkt werden. Die Pflicht zur ersten Attacke war bereits im Reglement von 1727 ausdrücklich ausgesprochen worden, ebenso beinhaltete das vorgenannte Reglement die Bestimmung, dass sich die Kavallerie des Schiessens vom Pferde enthalten müsse. Diese beiden Grundsätze wurden der Kavallerie nun wieder neu eingeschärft.

Schon laut einem kgl. Schreiben am 03.05.1741 an Generalmajor Friedrich Leopold von Geßler (Chef von K4) sollten die Kürassier-Regimenter vom Schulexerzieren mit dem Karabiner befreit sein, sie sollten allerdings mit dem Karabiner insoweit umgehen können, um sich bei Überfällen auf eine Unterkunft im Kriege verteidigen zu können (Kurt v. Priesdorff, Geßler, S. 66).

Dennoch zeitigten die intensiven Bemühungen schon bald Erfolge und am 28.08.1741 konnte der König dem "Alten Dessauer" (Fürst Leopold I. von Anhalt-Dessau, 1676-1747) schreiben: "Meine Cavallerie ist anjetzo in solcher Ordnung, als ich sie wünsche" (v. Priesdorf, Geßler, S. 66/67).

Altpreußische Kürassiere. Originales Aquarell aus dem Jahr 1943. Im Vordergrund Offiziere.

Friedrich der Große legte vor allem auf Schnelligkeit und Geschlossenheit der Attacken Wert. Diese sollten im Galopp ausgeführt werden.

Die Kürassiere wurden im 1. und die Dragoner im 2. Treffen eingesetzt. Die Reglements von 1743 verlangten den Galopp, man legte also Wert auf Geschwindigkeit. Der Angriff hatte mit der blanken Waffe zu erfolgen. Dabei sollte der Feind ".. mit der größten Geschwindigkeit und Force" angegriffen und überflügelt werden.

Für die Ausbildung der Kavalleristen gab es genaue Leistungsziele. Man versuchte "aus dem gemeinen Mann gute und tüchtige Reuters zu machen". Sie sollten zu Pferde "so adroit wie die Husaren sein". An den Major von Blumenthal (K 13) ging im Jahr 1747 die Anweisung: "Da bei der Eskadron viele junge Leute seynd, welche die beiden Campagnen vom letzten Kriege nicht mitgemacht haben, so will Ich, dass Ihr solche in dem Frühjahre künftigen Jahres besonders vornehmen, und sie allein so dressiren und exerciren lassen sollet, als bei denen Regimentern Cavallerie in anno 1743 geschehen, nämlich: dass sie einzeln reiten und dabei den Degen gebrauchen und nach Köpfe hauen lernen, demnächst aber mit Pistolen schiessen müssen, damit sie dadurch sehen und begreifen, dass mit einem Pistol nach einem Ziel zu schiessen mißlich, hingegen das Hauen sicherer und besser sei. Ihr sollet auch diese Leute über Grabens setzen lassen, damit sie erst dreiste im Reiten werden, als denn selbige bei der Eskadron gehöriger Massen mit exerviren lassen könnet" (Schöning, S. 50).

Standartenträger aus dem Regiment der Gardes du Corps im Jahre 1763. Nach einer farbigen Zeichnung von Richard Knötel. Nachdruck der Tafel aus der Uniformkunde (Bd. III, Nr. 46).

Die schwere Kavallerie wurde vom Schulexerzieren mit dem Karabiner befreit. Die Exerzierzeit dauerte vom 01.04. bis zum 01.06. In dieser Zeit sollten die Kürassier und Dragoner in der Woche 5 x zu Pferde und 1 x zu Fuß exerzieren. Dabei war der Diensttuerstand höher als bei der Infanterie, da ja auch der Pferdebestand gepflegt werden muste. Im Winter und Sommer sollten die Pferde täglich geritten werden. Dies forderte aber schon das bereits erwähnte Reglement von 1727. Bei den Kürassieren wurde der Fußdienst stark eingeschränkt. Sie übten die Chargierung vor allem, um sich in ihren Quartieren bei einem Überfall verteidigen zu können. Die Dragoner wurden nach wie vor infanteristisch ausgebildet. Heinrich Friedrich Wilhelm Achaz v. Bismarck berichtet ergänzend über seine Dienstzeit als Offizier bei K 13: "Im Winter war bis zum 1. März weiter kein Dienst, außer die sogenannten Rekruten, dass heißt Leuten welche noch nicht fünf Jahre dienten, in der Reitbahn reiten mussten. A, 1. März kamen die sogenannten Beurlaubten nach Potsdam, und alsdann ging das Exerzieren zur Revue an" (Derselbe, Die merkwürdigsten Begebenheiten und Abenteurer aus dem sehr bewegten Leben des ...; Berlin 1856, S. ).

Husaren auf einer Patrouille. Zeichnung von Richard Knötel.

Offiziere der Kürassiere und der Dragoner wurden zur stark vermehrten Husarenwaffe zur Fortbildung abkommandiert, so wurden z. B. unter dem 22.07.1755 2 Offiziere von D IX zum Husaren-Regiment v. Wartenberg zur Ausbildung im Husarendienst abkommandiert (v. Priesdorff, Soldatisches Führertum, Bd. I., S.373).

An dieser Praxis hielt der König auch nach dem Siebenjährigen Krieg (1756-63) fest. So wurden nach einer kgl Ordre vom 27.07.1768 Offiziere und Unteroffiziere von K 13 zum Husaren-Regiment v. Werner (H 6) abkommandiert, um dort eine Ausbildung im Patrouillendienst zu erhalten (v. Priesdorf, Soldatisches Führertum, Bd I., S. 482).

Der Inspekteur der oberschlesischen Kavallerie-Inspektion, Georg Ludwig von Dalwig (* 26. 12.1725[1] in Silkerode; † 27. 09.1796 in Ratibor), erhielt am 29.09.1773 folgende Anweisung: "Warum Ich mit Euren Regimentern für dies Jahr zufrieden zu seyn nicht ursach gehabt habe, ist Euch bekannt. Träge und schwer bewegliche Cavallerie ist der Armee nur zur Last. Ihr habet bey denen Husaren gestanden. Lasset die Pferde auf eben dem leichten geschwinden Fuß dressiren, so könnet Ihr Euch gewiß meiner Zufriedenheit versichert halten" (v. Priesdorff, Soldatisches Führertum, Bd. II., S. 33).

Im Übrigen wurde darauf geachtet, dass der Dienstbetrieb und die Grundsätze des Exerzierens in den verschiedenen Kavalerie-Regimentern einheitlich praktiziert wurde. Hierfür dienten bestimmte Einheiten als Muster. Am 16.06.1753 ging an den Chef von D IX (Georg Ludwig Herzog v. Holstein-Gottorp) der kgl. Befehl, 5 Offiziere nach Berlin zu schicken, damit sie für eine gewisse Zeit bei K 10 Dienst tun sollten. Oder aber es wurden erfahrene Offiziere zu anderen Kavallerie-Regimentern geschickt, um diese zu instruieren.

Offizier aus dem Kürassier-Regiment von Seydlitz (K 8). 1757. Nach einer farbigen Zeichnung von Richard Knötel. Nach der originalen Tafel aus der Uniformkunde.

Bei seinem Regierungsantritt fand Friedrich der Große 3 Eskadrons des in Berlin stehenden "Leib-Korps Husaren" und 6 Eskadrons des "Preußischen Husarenkorps" vor. Letztere standen in einigen ostpreußischen Garnisonen. 1786 gab es 10 Husaren-Regimenter zu je 10 Schwadronen.

Von den Husaren wurde vor allem Reitfertigkeit verlangt. "Se. Königl. Majestät verlangen, dass ein Husare zu Pferde so adroit seyn soll, dass er, wann das Pferde im vollen laufen ist, mit der Hand von der Erde was aufheben, und einer dem anderen in vollem Jagen die Mütze abnehmen kann". Die Pferde mussten so zugeritten sein, dass der Husar " sich auf einem Pferde tummeln und wenden kann, wie er will". Das Fußexerzieren wurde bei den Husaren als "Nebenwerk" bezeichnet. Dennoch mussten die Husaren mit dem Karabiner umgehen können, aber auch bei ihnen sollte die blanke Waffe bevorzugt werden.

Aus den besten Leuten wurden bei den Husaren 10 Büchsenschützen je Eskadron gewählt. Sie taten Gefreitendienst und sollten vorzugsweise Unteroffiziere werden. Die Husaren sollten sich im Übrigen bevorzugt aus Jägern rekrutieren.

Bei der Attacke ritten die Husaren nur 2 Glieder tief.

Zum Dienst der Husarenwaffe gehörten auch Feldwachen, Aufklärungspatrouillen, Vorpostendienst, Parteien gegen den Feind, Verhütung der Desertion eigener Soldaten, Beitreibung von Kontributionen und Fouragierungen, Marschsicherung und Bedeckung der Bagage.

Die Offiziere der Husaren sollten auch theoretisch auf die vorgenannten Aufgaben vorbereitet werden.

Die Husaren übernahmen ferner in der Regel auch die Verfolgung des fliehenden Feindes.

Preußische Husaren im Lager. Nach einer Radierung von C. Ziegler. London 1799. Entnommen aus: Katalog: Der bunte Rock in Preussen, Berlin 1981, S. 127.

Nähere Umstände der Ausbildung und Vorbereitung der Kavallerie auf den Ernstfall.

Friedrich der Große äußerte sich mehrfach in Instruktionen zu seinen Anforderungen an die Kavallerie, so. z. B. am 14.08.1748 und am 14.12.1754.

In der letzteren Anweisung finden sich konkrete Gesichtspunkte zur Ausbildung:

Im Winter mussten die Reiter schon einzeln genug geritten haben, um dann im Frühjahr gleich gliederweise anfangen können zu exerzieren. Schlechte Reiter mussten noch korrigiert werden.

Bei den Gliederattacken hatte man das Pferdematerial zu beobachten, sogenannte "stumpfe" Pferde gehörten ins hinterste Glied.

Die Beurlaubten bzw. die Überkompletten und die Rekruten mussten zu Beginn der Exerzierzeit - nun war das Regiment vollständig - einzeln vorgenommen werden, um wieder "guten Schluss und Positur"zu bekommen und und erneut Meister ihrer Pferde zu werden.

Bis diese soweit waren, um im Gliede mit zu exerzieren zu können, hatten die Reiter weiter Dienst zu tun. Dann folgte das Exerzieren in der Eskadron und darauf die Zusammenstellung im Regiment.

Gingen die Attacken, Schwenkungen, Auf- und Abmärsche, Grabensetzen usw. gut, wurden die anderen Manöver geübt, wie Fourageieren, Passieren von Brücken, Märsche mit dem Regiment usw..

Die Rekruten aus dem Kanton (= Inländer) wurden zunächst ein Jahr bei den Überkpmpletten eingereiht und erst nach einer vollständigen Ausbildung in das Regiment einrangiert (Jany, Geschichte der preußischen Armee ..., Bd. II., S. 245).

Für den Reitunterricht bei ungünstiger Wtterung existierten in der Regel Reithallen bzw. Reithäuser, teilweise schon vor 1740. So genehmigte König Wilhelm I. (Regierungszeit: 1713-40) dem damaligen Oberst Geßler (Chef von K 4) am 13.03.1738 für den Bau eines solchen Reithauses in Mohrungen "vier Schock Holz" (v. Priesdorf, Geßler, S. 48/49).

Kürassier aus dem Kürassier-Regiment v. Wirsbitzki (K 2). 1775. Nach einer farbigen Zeichnung von Richard Knötel. Nachdruck der Tafel aus der Uniformkunde (Bd. VIII, Nr. 57).

Zur Ausbildung eines Kavalleristen ist in den Erinnerungen von Heinrich Friedrich Wilhelm Achaz v. Bismarck zu lesen: "Zur Ausbildung im Reiten und im Exerzilium mit dem Karabiner und dem Säbel wurde ich dem Wachtmeister der Kompagnie übergeben, der mich in ersterem, bei meinen früheren langjärigen Übungen bald taktfest machte, während letzteres von meiner Seite eine große Anstrengung verlangte, um es nach sechs Wochen soweit gebracht zu haben, dass ich für ausexerziert gelten konnte" (S. 54/55).

In den Erinnerungen eines ehemaligen preußischen Dragoners (v. Below, D V.) ist zur Reitausbildung das Nachfolgende zu lesen: "Bei unserem Regiment wurde, sowohl von den einzelnen Reitern, wie von den geschlossenen Schwadronen, in sehr scharfer und ausdauernder Gangart geritten, und alle Augenblicke Hindernisse, die auf dem Exerzierplatz wie vor den Hof-Eingängen zu den Stall-Quartieren angebracht waren, genommen .... Eine Vorliebe hatte der König bei den Revuen für die Prüfung der Pferde auf freies Abreiten. Wenn der Schwadrons-Chef neben dem König hielt, und dieser ihm einen Mann durch Nummer und Glied bezeichnete, so hatte er den Namen des Mannes aufzurufen, der nun sofort im Galopp vor die Schwadron reiten musste. Wehe den Offizieren, wenn hierbei die Pferde klebten. Dieses freie Herausreiten bildete daher auch bei jeder Schwadron den Gegenstand sorgfältigster Dressur" .

Dragoner aus dem Dragoner-Regiment v. Pomeiske (D IX). 1762. Nach einer farbigen Zeichnung von Richard Knötel. Nachdruck der Tafel aus der Uniformkunde (Bd. IX, Nr. 13).

Der junge Offiziersanwärter v. d. Marwitz berichtet in seinen Erinnerungen über seinen Dienstalltag bei dem Regiment Gensdarmes (K 10) ab 1791 wie folgt:

In diesem Regiment und unter solchen Verhältnissen trat ich meinen Dienst an. Ich war sehr klein und schwach und noch ein sehr schlechter Reiter. Wie die Exerzierzeit Ende März losging, wurde es mir unmäßig sauer. Da zu jener Zeit alles Exerzieren mit der frühesten Morgenstunde begann, so musste ich gewöhnlich schon um halb drei Uhr morgens im Stall zum Putzen sein. Ich musste also um zwei Uhr von hause weggehen, aus der Wilhelmstraße, um zur rechten Zeit im Stalle zu sein, im Akademiegebäude, am Ende der Linden. Um halb vier Uhr ging dann alles nach Hause, um sich anzukleiden, um halb fünf war man wieder im Stall zum Satteln, um fünf Uhr wurde ausgerückt, wenn das Regiment im ganzen vor dem halleschen Tore, auf dem Felde bei Tempelhoff exerzierte. Davon war beinahe eine Stunde Marsch, ebensoviel zum Rückweg, und etwa zwei Stunden zum Exerzieren, so war man um beu Uhr zurück, und nachdem die Parole ausgegeben war, etwa um zehn Uhr zu Hause.

In der ersten zeit aber, wenn die Beurlaubten erst im einzelnen wieder eingeübt wurden, fing es zwar eine Stunde später an. Man ging nach dem Platz im Tiergarten. Da die Mannschaft aber in zwei Abteilungen nacheinander herauskam, so kamen wir nicht vor ein Uhr nach Hause, um drei Uhr aber wurde schon im reinen Anzug unter den Linden zu Fuß exerziert, bis halb fünf und dann von fünf bis sechs abends im Stall wieder geputzt. Man war also von halb vier Uhr morgens bis halb sieben Uhr abends in einer Bewegung, und darunter wenigstens sechs Stunden zu Pferde (denn die Standartenjunker mussten zwei Pferde reiten, in jeder Abteilung eins) - es ist also begreiflich, dass dieser Dienst, im vierzehnten Jahre geleistet, höchst angreifend war. Bei dem nachherigen Exerzieren zu Pferde im Ganzen fiel das Exerzieren zu Fuß am Nachmittag weg, aber der Stalldienst blieb jahraus, jahrein, abends und morgens, nur dass außer der Exerzierzeit später, und im Winter erst um sechs oder halb siehen Uhr (bei der Laterne), angefangen wurde. Außer der Exerzierzeit war der Dienst sehr leicht. Es ritt täglich nur eine kleine Abteilung oder exerzierte zu Fuß; der Junker war aber ein für allemal in dieser Abteilung.

Mit meinem Reiten ging es auf diesen großen, ungeschickten Pferden erbärmlich. Ungeachtet man mir die gangbarsten aussuchte, so konnte ich sie doch nicht halten, und in der erste Attakce brach mein Pferd aus dem zweiten Gliede durch das erste hindurch und ging mit mir, die Offiziere vorbei zu allen Teufeln. Ich hatte Fuchtel verdient (denen die Junker wie die Unteroffiziere und Gemeinen unterworfen waren)., kam aber glücklicherweise mit dem Auslachen davon. Nun wurde mir erlaubt, mein eigenes Pferd zu reiten, welches glücklicherweise ein Schwarzbrauner war. Es war aber ziemlich klein, und ich spielte eine schlechte Figur auf dem Flügel des zweiten Gliedes neben einem fünfzölligen Pgerde und großen Kerl.

Wie es gegen die Revue kam, sollte ich, meinem eigentlichen Dienste gemäß, die Standarte führen und wurde nun mit selbiger wieder auf ein großes Dienstpferd gesetzt. Dummerweise hatte man mir aber (weil ich so klein sei) den Standartenschuh weit kürzer geschnallt als gewöhnlich. Sie bekam dadurch ein großes Übergewicht, und da es unglücklciherweise den Tag sehr windig war, so konnte ich sie nur mit der größten Anstrengung halten, und nach der ersten Attacke gegen den Wind war ich dermaßen erschöpft, dass ich den Rittmeister sagen musste; es sei völlig aus mit meinen Kräften. ie er mich leichenblaß und schweißbedeckt sah, konnte er nicht daran zweifeln und ließ mich sie dem Unteroffizier übergebeb, der sie bisher geführt hatte. Ehe wir aber damit fertig werden konnten, wurde schon wieder angeschenkt, und nun hörte man den Regimentskommandeur rufen: "Wo ist die Standarte der zweiten Schwadron geblieben?" Da indessen im nächsten Augenblick die Standarte auf ihrem Platze erschien, so ging das Exerzieren ruhig vorüber. Es konnte nicht aber nicht unbemerkt bleiben, dass ich sie hinausgeführt hatte, und dass sie nin in anderen Händen war. Es wurde daher allgmein geglaubt, ich hätte sie fallen lassen. Dies wäre eine Beleidgung der Ehre des Regiments gewesen, und keine Macht in der Welt hätte mich trotz meiner Jugend und Schwäche vor der Strafe retten können. Es begann also ein scharfes Examen, welches aber auf das Zeugnis des Rittmeisters ohne Folgen blieb.-

Ich hätte mich nicht beschweren können, wenn ich ausgehauen worden wäre, denn hätte ich mich von Anfang an darum gekümmert, wie der Standartenschuh sitzen muss, was meine Schuldigkeit war und hätte ihn gehörig lang geschnallt, so hätte die Standarte nur ein so geringes Übergewicht gehabt, dass ich sie hätte halten können" (S. 68 ff.).

Revue des Regiment Gensd`armes ca. 1730. Nach einem Kupferstich von Ch. Wolfgang. Entnommen aus : Georg Liebe, Der Soldat in der deutschen Vergangenheit, Leipzig 1899, S. 117.

Über die Vorbereitungen der jährlichen Revuen ist in einem detaillierten Regimentsbefehl (D III/ IV) vom 23.03. 1786 das Nachfolgende zu erfahren: "Den 15. April rückt der Major v. Irving mit seiner Eskadron hier bei Landsberg in die Kantonirungs-Quartiere ein und bringt alles Nöthige zur Revue mit. Die jetzt tragende Mondirung wird auf dem Marsche angezogen, und die neue nebst Hüten eingepackt. Die alten Hüte werden aufgesetzt, welche vorher aber in sehr guten Stand gebracht werden müssen. Marschirt die Eskadron durch Friedeberg, so muss selbige in größter Ordnung zu vieren geschehen.

Die Herrn Officiere reiten vor ihren Zügen, haben Interims-Mondirungen an und Interims-Chabracken auf den Pferden. Der Marsch geschieht mit Avant- und Arriergarde, damit die Saat aber nicht ruinirt wird., brauchen keine Seiten-Patrouillen gegeben zu werden. Das gute Packen, und dass der Bursche recht gerade sitzt, rekommandire ich auf`s Schärfste an. Sobald die Beurlaubten eingekommen, müssen die Pferde, so es nöthig thut, geschoren und die Mähnen egal verzogen werden, wobei die Herrn Offiziere zu Fuß gegenwärtig sind, damit jedem Mann eine ordentliche Positur gezeigt werden kann, welche darin besteht, dass der Unteroffizier und der Dragoner auf der Spalte sitzt, die Knie nicht vorstreckt, sondern die Positur gerade so, wie er steht, behält, bei Führung des Zügels die flache Hand gegen den Leib und den Daumen nach der rechten Hand hat.

Bei dem Einzeln-vorbei-Reiten muss scharf darauf gehalten werden, dass er die Brust sehr nahe der Hand bringt und dem, wo er vorbeireitet, gerade in die Augen sieht. Im geschlossenen Gliede aber muss er nicht so sehr rechts sehen, und mit gerader Stellung seines Leibes und des Pferdes reiten, so dass Knie neben Knie und niccht Knie hinter einander kommt. Sobald der Bursche in einer guten Positur im Reit-Hause geübt ist, so wird gliederweise auf dem Felde exercirt, 5 Unteroffiziere und 48 Mann stark, damit jeder Zug 12 Mann stark ist.

Zum Anfange nimmt jeder Offizier seinen Zug, den er in der Eskadron führt, allein vor, zeigt den Burschen das Recht-gerade-Reiten im Schritt und im Trabe, damit kein Gedränge vorfällt, schwenkt mit selbigen öfters rechts und links und hält scharf darauf, dass der Zug recht gerade schwenkt, auch die Mitte nicht vorprellt. Sobald mit Zügen den Burschen alles Nöthige gezeigt, so zieht der Chef von der Eskadron die 4. Züge zusammen, formirt einigemal die Eskadron im Schritt oder Trab und zeigt ihnen alle nöthigen Hülfen.

Zuletzt werden die Attacken gemacht. Der Chef muss auch jedesmal die Eskadron im Schritt, Trab und Galopp einzeln vorbeireiten lassen, welches zuerst jeder Offizier mit seinem Zuge thun muss. Bei allen Exerciren zu Pferde und zu Fuß muss scharf auf eine gute Positur und Stille gehalten werden, besonders bei Zusammenkunft der Mannschaften, auch muss sher darauf gesehen werden, dass der Bursche nicht das Kinn herunter hänge, sondern so gerade, wie der Mensch gewachsen, das Kinn in die Höhe bringt. Auf einen guten, richtigen Anzug, dass die Stiefel glatt sitzen, dass die Bärte und Frisur nach meiner Ordre im Stande sind, muss ebenfalls scharf gehalten werden.

Da die Woldenberger Escadron dieses Jahr Zeit hat, in der Garnison etwas vorzunehmen, so hoffe ich, dass sie in solchem Stande anher kommen wird, dass wir hier alsdann gleich mit ganzen Escadrons zu exerciren anfangen können.

Da die Remonte-Pferde dieses Jahr wegen schlechter Fütterung und strarkem Umweg schlecht angekommen, und selbige in starkem Kropf stehen, so müssen selbige mit Gersten-Schrot und gutter Futterung, von Anfang besonders mit gutem Heu gesucht werden aufzuhelfen, und wenn sie eine kurze Zeit auf Trenke geritten, so müssen ihnen Kandaren aufgelegt werden, damit sie in der Exercirzeit und bei der Revue zu Allem gebraucht werden können" (E. v. Hagen, Geschichte des Neumärkischen Dragoner-Regiments Nr. 3, Berlin 1885, S. 164).

Bei den Revuen wurden jeweils Höchstleistungen gefordert.

In der Disposition vom 03.09.1753 verlangte der König bei Attacken 300 Schritt im Trabe, 300 Schritt im kurzen Galopp und 600 Schritt in der "Carriere". Je länger das Regiment zusammen war, je weiter sollten die Attacken gemacht werden.

In der vorgenannten Instruktion heißt es ferner, dass man bei 400 Schritt anfangen kann bis auf 1200 Schritt. Darauf sollte man die Pferde durch regelmäßiges Traben vorbereiten und durch allmächliches Streigern auf 1000, 2000, 3000 und 4000 Schritt. Das Leistungsziel war eine Attacke auf 12 bis 1500 Schritt mit "Carriere" auf 4 bis 500 Schritt.

Der preußische Garde-Offizier v. Scheelen berichtet ergänzend über die Ausbildung der Kavallerie: "Der König hat bei alle(n) Kavallerie-Regimenter befohlen, dass 12 Mann per Esquadron von die (den) geschickesten Leute zu Flanquers sollen abgerichtet werden. Zu dem Ende die Garde du Corps alle Nachmittage die sämmtlichen Offiziers, der Major und täglich 6 Mann vor die Thore ritten. Die Offiziers versteckten sich, und die 6 Mann mussten die Offiziers, so den Feind vorstellte, suchen und das Terrain rekognosieren und dem Major rapportiren. Man nahm täglich ein neu Terrain. Vormittags exerzirte die ganze Esquadron vor der Langen Brücke oder Berliner Thor ...." (S. 40, Tagebuch März 1755).

Friedrich Wilhelm Freiherr von Seydlitz-Kurzbach (* 03. 02.1721 in Kalkar; † 08. 11.1773 in Ohlau). Zeichnung von Adolph von Menzel (* 08. 12.1815 in Breslau; † 09. 02.1905 in Berlin), deutscher Maler, Zeichner und Illustrator.).

Bewertung der Leistungsfähigkeit der altpreußischen Kavallerie.

Nach Jany (Geschichte der preußischen Armee, Bd. II., S. 315) ist der Leistungsanstieg der preußischen Kavallerie vor allem durch die Hebung des Reitergeistes und durch den energischen Gebrauch von Mann und Pferd, sowie durch die Kriegspraxis, weniger durch die taktische Fortentwicklung zu erklären.

Hans Joachim von Zieten. Nach einer Zeichnung Adolph von Menzel (* 08. 12.1815 in Breslau; † 09. 02.1905 in Berlin), deutscher Maler, Zeichner und Illustrator).

Der britische Historiker Christopher Duffy (1936 - 2022) urteilt über das Niveau des friderizianischen Kavallerie: "Friedrich schöpferischer Einfluss auf die verschiedenen Waffengattungen zeigte sich wahrscheinlich bei der Kavallerie am deutlichsten. Nach einem nicht gerade überwältigenden Debüt (im Jahre 1740) wuchs die Tüchtigkeit und Moral der preußischen Reiterei ständig weiter, bis sie schließlich im Siebenjährigen Krieg, bei den Schlachten von Rossbach, Leuthen und Freiberg, die Entscheidung herbeiführte. Das Verdienst hierfür gebührte zum Teil dem König selbst, der von der berittenen Kriegführung eine äußerst klare Vorstellung besass, zum anderen der Arbeit seiner beiden Gehilfen - des "Husarenkönigs" Hans-Joachim v. Zieten und des ausschweifenden Friedrich Wilhelm v. Seydlitz (*03. 02.1721 in Kalkar, am Oberrhein, † 08.11.1773 in Minkowsky), mit den stets verschlafenen Augen, dem vermutlich begnadetsten Menschenführers im Preußen des XVIII. Jahrhunderts".

Anlage: (Kgl.) Instruction für die Commandeurs derer Cavallerie-Regimenter, wie sich solche wegen des Kleinen Dienstes in den Guarnisons der Mannszucht des Gemeinen Mannes der scharfen Discipline, des Exervierens der Regimenter, guter Aufsicht und Zucht derer Offiziers, und wegen der Oeconomie zu verhalten haben. Postdam, den 11.May 1763. haben.

Anlage: Friedrich der Große und sein Einfluss auf die Kavallerie in den Schlesischen Kriegen.

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