Formations- und Uniformierungsgeschichte der altpreußischen Kavallerie 1740 - 86 - Teil I - Einleitung
In Bearbeitung.
Bestand an Kavallerie beim Regierungsantritt Friedrichs des Großen und der weitere Ausbau der Kavallerie.
Friedrich Wilhelm I. hinterließ an berittenen Truppen (1740):
Brandenburgische Truppen
Regimenter zu Pferd (= Kürassiere) zu je 5 Eskadrons
Regiment Gensdarmes
August Wilhelm Prinz von Preußen
Leopold von Geßler
Dragoner (10 und 5 Eskadrons)
Friedrich von Platen
Otto von Wittenhorst-Sonsfeld
Leib-Husaren-Corps
von Wurm (H 3, 3 Eskdarons)
Preußische Truppen
Regimenter zu Pferd
Dietrich von Buddenbrock
Heinrich von Katte
Sigmund von Waldow
Dragoner
Christoph von Thümen
Husaren-Korps
von Bronikowsky zu 6 Eskadrons
Pommersche Truppen
Regimenter zu Pferd
Friedrich Wilhelm Markgraf von Brandenburg-Schwedt
Dragoner
Friedrich Markgraf von Brandenburg-Bayreuth
Magdeburgisch-Halberstädtische Truppen
Regimenter zu Pferd
Leib-Regiment zu Pferd (von Wreech)
Leib-Karabiniers (Graf von Wartensleben)
Sigmund von Bredow
Fürst Eugen von Anhalt-Dessau
Clevisch-Westfälische Truppen
Regimenter zu Pferd
Christoph von Waldow
Insgesamt exisierten demnach zu diesem Zeitpunkt 12 Regimenter zu Pferd mit 60 Eskadrons, 5 Dragoner-Regimenter mit 45 Eskadrons und 2 Regimenter zu 9 Eskadrons.
Unter Friedrich dem Großen wurde die Kavallerie stark vermehrt.
Im Jahre 1786 umfasste die Kavallerie insgesamt
133 Eskadrons Kürassiere und Dragoner mit 22849 Mann,
100 Eskadrons Husaren und Bosniaken mit 15109 Mann,
sowie reitende Feldjäger mit 176 Mann und
ferner Husarenkommandos mit 26 Mann.
Den Bestand an Pferden wird mit 16000 angegeben.
Zur inneren Struktur der Kavallerie 1740 - 86.
Unter Friedrich dem Großen existierten als Gattungen der Kavallerie die Kürassiere, die Dragoner und die Husaren. Letztere waren eine junge Unterart der preußischen Kavallerie. Friedrich schätzte die Kavallerie höher als die Infanterie (Dette, Friedrich der Große, Diss Göttingen 1915, S. 72). Die Kürassiere bestanden aus groß gewachsenen Reitern und galten als "ziemlich langsam und schwerfällig" Dette (a. a. O., S. 73). Aus den halbkavalleristischen Dragonern wurden im Laufe der Zeit "ganze Reiter" (Dette, a. a.O., S. 73). Ein besonderes Augenmerk galt den stark vermehrten Husaren. Auch die anderen Reitergattungen sollten sich hinsichtlich der Reitkünste und sonstigen dienstlichen Fertigkeiten an den Husaren orientieren. Der Husarendienst galt deshalb als "die wahre Schule für jeden Kavallerieoffizier" (Dette, a. a.O. s. 74). "Reiter und Kürassiere mussten (insoweit) auch Husarendienste tun und sich dabei unter die Befehle der von ihnen anfangs etwas verächtlich angesehenen Husaren stellen" (Dette, a. a.O., S. 74). Zwar bestand das soziale Gefälle zwischen den bisherigen Reitergattungen und der neuen Husarenwaffe grundsätzlich fort, denn bei den Husaren-Regimentern dienten viele bürgerliche Offiziere, allerdings wuchs die militärische Bedeutung der Husaren und dies nicht nur mit Blick auf den sogenannten "kleinen Krieg". Deshalb lobte Friedrich der Große diesselben auch ausdrücklich in seinem militärischen Testament. Insgesamt entwickelte sich die preußische Kavallerie unter dem Einfluss des Königs zu einer regelrechten Schlachtenkavallerie.
Zur taktischen Entwicklung der Kavallerie ab 1740.
In der Anfangsphase des Ersten Schlesischen Krieges hatten viele Einheiten der Kavallerie stark gelitten, d.h., die österreichischeKavallerie war deutlich überlegen. Während sich die Infanterie bewährte, konnte dies von der Kavallerie nicht gesagt werden.
Allerdings gab es für die preußische Kavallerie ein gelungenes Gefecht am 17.05.1741 bei Rothschloß in Schlesien. Hier konnten 600 preußische Husaren und 300 preußische Dragoner unter dem Oberbefehl von Oberstleutnant Hans Joachim von Zieten (*14.05. 1699 in Wustrau, Ruppiner Land; † 27. 01.1786 in Berlin), etwa 1400 österreichische Kavalleristen besiegen.
Allerdings am 10.06.1741 folgte ein Versagen der neu gegründeten preußischen Ulanenwaffe bei Olberndorf. Zur Vorgeschichte und zu den Folgen dieser Niederlage ist bei Genthe (Die Bosniaken in der preußischen Armee, S. 148) zu lesen: "Nach dem preussischen Generalstabswerke erhielt der Oberst v. Natzmer am12. März 1741 den Befehl, aus „flüchtigen polnischen Walachen oder Valassen“ ein Corps „Hulaners“ von 6 Escadrons zu errichten, welches am Ende des Monats schon übercomplet war und im Herbste deshalb auf 10 Escadrons „gesetzt“ wurde. Durch Kabinetsordre vom 04.06.1742 erfolgte jedoch die Umwandlung in ein Husarenregiment, das hellblaue Natzmer’sche Nr. 4, das spätere Prinz Eugen von Württemberg, da der König mit den Leistungen der Uhlanen nicht zufrieden war. Der kaiserliche Rittmeister v. Ruesch von den Pestvärmegyei-Husaren hatte das Regiment im Sommer 1741 bei Alt-Grottkau, nach Mackensen am 10. Juni 1741 bei Olberndorf, mit 300 Husaren gänzlich zersprengt; die Lanze hatte sich in den Händen der ungeübten, bunt zusammengewürfelten Mannschaften als höchst unpraktisch erwiesen. Dieser unglückliche Vorfall schien bei dem an und für sich nicht grossen Zutrauen in der Armee zur Lanze dieselbe für immer in Preussen unmöglich gemacht zu haben, und wenn auch in den nächsten drei Jahren verschiedene, sehr verlockende Anerbietungen polnischer Magnaten zur Errichtung von Uhlanenpulks einliefen.
Die Folge die schlechten Erfahrungen der preußischen Kavallerie zu Beginn der Schlesischen Kriege waren intensive Bemühungen zur Reorganisation derselben durch Friedrich dem Großen. Dies führte zu vielen Abschiedsgesuchen von Kavallerie-Offizieren, da sich die dienstlichen Belastungen steigerten.
Ziel war eine taktische Neuaufstellung der preußischen Kavallerie, insbesondere sollte deren Angriffsgeist gestärkt werden. Die Pflicht zur ersten Attacke war bereits im Reglement von 1727 ausdrücklich ausgesprochen worden, ebenso beinhaltete das vorgenannte Reglement die Bestimmung, dass sich die Kavallerie des Schiessens vom Pferde enthalten müsse. Diese beiden Grundsätze wurden der Kavallerie nun wieder neu eingeschärft.
Friedrich der Große legte vor allem auf Schnelligkeit und Geschlossenheit der Attacken Wert. Diese sollten im Galopp ausgeführt werden. Die Kürassie wurden im 1. und die Dragoner im 2. Treffen eingesetzt. Die Reglements von 1743 verlangten den Galopp, man legte also Wert auf Geschwindigkeit. Der Angriff hatte mit der blanken Waffe zu erfolgen. Dabei sollte der Feind ".. mit der größten Geschwindigkeit und Force" angegriffen und überflügelt werden.
Für die Ausbildung der Kavalleristen gab es genaue Leistungsziele. Man versuchte "aus dem gemeinen Mann gute und tüchtige Reuters zu machen". Sie sollten zu Pferde "so adroit wie die Husaren sein".
Die schwere Kavallerie wurde vom Schulexerzieren mit dem Karabiner befreit. Die Exerzierzeit dauerte vom 01.04. bis zum 01.06. In dieser Zeit sollten die Kürassier und Dragoner in der Woche 5 x zu Pferde und 1 x zu Fuß exerzieren. Dabei war der Diensttuerstand höher als bei der Infanterie, da ja auch der Pferdebestand gepflegt werden muste. Im Winter und Sommer sollten die Pferde täglich geritten werden. Dies forderte aber schon das bereits erwähnte Reglement von 1727. Bei den Kürassieren wurde der Fußdienst stark eingeschränkt. Sie übten die Chargierung vor allem, um sich in ihren Quartieren bei einem Überfall verteidigen zu können. Die Dragoner wurden nach wie vor infanteristisch ausgebildet.
Offiziere der Kürassiere und der Dragoner wurden zur stark vermehrten Husarenwaffe zur Fortbildung abkommandiert.
Von den Husaren wurde vor allem Reitfertigkeit verlangt. "Se. Königl. Majestät verlangen, dass ein Husare zu Pferde so adroit seyn soll, dass er, wann das Pferde im vollen laufen ist, mit der Hand von der Erde was aufheben, und einer dem anderen in vollem Jagen die Mütze abnehmen kann". Die Pferde mussten so zugeritten sein, dass der Husar " sich auf einem Pferde tummeln und wenden kann, wie er will". Das Fußexerzieren wurde bei den Husaren als "Nebenwerk" bezeichnet. Dennoch mussten die Husaren mit dem Karabiner umgehen können, aber auch bei ihnen sollte die blanke Waffe bevorzugt werden.
Aus den besten Leuten wurden bei den Husaren 10 Büchsenschützen je Eskadron gewählt. Sie taten Gefreitendienst und sollten vorzugsweise Unteroffiziere werden. Die Husaren sollten sich im Übrigen bevorzugt aus Jägern rekrutieren.
Bei der Attacke ritten die Husaren nur 2 Glieder tief.
Zum Dienst der Husarenwaffe gehörten auch Feldwachen, Aufklärungspatrouillen, Vorpostendienst, Parteien gegen den Feind, Verhütung der Desertion eigener Soldaten, Beitreibung von Kontributionen und Fouragierungen, Marschsicherung und Bedeckung der Bagage.
Die Offiziere der Husaren sollten auch theoretisch auf die vorgenannten Aufgaben vorbereitet werden.
Die Husaren übernahmen ferner in der Regel auch die Verfolgung des fliehenden Feindes.
Nähere Umstände der Ausbildung und Vorbereitung der Kavallerie auf den Ernstfall.
Friedrich der Große äußerte sich mehrfach in Instruktionen zu seinen Anforderungen an die Kavallerie, so. z. B. am 14.08.1748 und am 14.12.1754.
In der letzteren Anweisung finden sich konkrete Gesichtspunkte zur Ausbildung:
Im Winter mussten die Reiter schon einzeln genug geritten haben, um dann im Frühjahr gleich gliederweise anfangen können zu exerzieren. Schlechte Reiter mussten noch korrigiert werden.
Bei den Gliederattacken hatte man das Pferdematerial zu beobachten, sogenannte "stumpfe" Pferde gehörten ins hinterste Glied.
Die Beurlaubten bzw. die Überkompletten und die Rekruten mussten zu Beginn der Exerzierzeit - nun war das Regiment vollständig - einzeln vorgenommen werden, um wieder "guten Schluss und Positur"zu bekommen und und erneut Meister ihrer Pferde zu werden.
Bis diese soweit waren, um im Gliede mit zu exerzieren zu können, hatten die Reiter weiter Dienst zu tun. Dann folgte das Exerzieren in der Eskadron und darauf die Zusammenstellung im Regiment.
Gingen die Attacken, Schwenkungen, Auf- und Abmärsche, Grabensetzen usw. gut, wurden die anderen Manöver geübt, wie Fourageieren, Passieren von Brücken, Märsche mit dem Regiment usw..
Bei den Revuen wurden jeweils Höchstleistungen gefordert.
In der Disposition vom 03.09.1753 verlangte der König bei Attacken 300 Schritt im Trabe, 300 Schritt im kurzen Galopp und 600 Schritt in der "Carriere". Je länger das Regiment zusammen war, je weiter sollten die Attacken gemacht werden.
In der vorgenannten Instruktion heißt es ferner, dass man bei 400 Schritt anfangen kann bis auf 1200 Schritt. Darauf sollte man die Pferde durch regelmäßiges Traben vorbereiten und durch allmächliches Streigern auf 1000, 2000, 3000 und 4000 Schritt. Das Leistungsziel war eine Attacke auf 12 bis 1500 Schritt mit "Carriere" auf 4 bis 500 Schritt.
Bewertung der Leistungsfähigkeit der altpreußischen Kavallerie.
Nach Jany (Geschichte der preußischen Armee, Bd. II., S. 315) ist der Leistungsanstieg der preußischen Kavallerie vor allem durch die Hebung des Reitergeistes und durch den energischen Gebrauch von Mann und Pferd, sowie durch die Kriegspraxis, weniger durch die taktische Fortentwicklung zu erklären.
Der britische Historiker Christopher Duffy (1936 - 2022) urteilt über das Niveau des friderizianischen Kavallerie: "Friedrich schöpferischer Einfluss auf die verschiedenen Waffengattungen zeigte sich wahrscheinlich bei der Kavallerie am deutlichsten. Nach einem nicht gerade überwältigenden Debüt (im Jahre 1740) wuchs die Tüchtigkeit und Moral der preußischen Reiterei ständig weiter, bis sie schließlich im Siebenjährigen Krieg, bei den Schlachten von Rossbach, Leuthen und Freiberg, die Entscheidung herbeiführte. Das Verdienst hierfür gebührte zum Teil dem König selbst, der von der berittenen Kriegführung eine äußerst klare Vorstellung besass, zum anderen der Arbeit seiner beiden Gehilfen - des "Husarenkönigs" Hans-Joachim v. Zieten und des ausschweifenden Friedrich Wilhelm v. Seydlitz (*03. 02.1721 in Kalkar, am Oberrhein, † 08.11.1773 in Minkowsky), mit den stets verschlafenen Augen, dem vermutlich begnadetsten Menschenführers im Preußen des XVIII. Jahrhunderts".
Anlage: Friedrich der Große und sein Einfluss auf die Kavallerie in den Schlesischen Kriegen.
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