Militärische Kopfbedeckungen im Wandel der Zeit - 2. Teil - Die frühe Neuzeit (1500 - 1800) - I. Das 16. und 17. Jahrhundert - mit Zeichnungen des Verfassers
Der Beitrag wird laufend ergänzt bzw. vervollständigt. Nachfolgend wird - in mehreren Teilen - vordergründig die Geschichte der militärischen Kopfbedeckungen aufgezeigt und damit gleichzeitig in einer Art Überblick auch die Geschichte des Soldaten von der Antike bis in die Neuzeit dargestellt.
Vorbemerkungen
Wie in dem vorherigen Beitrag dargestellt, wandelte sich der Krieg ab dem 14. Jahrhundert. Zunächst herrschte noch die Ritterschaft im Felde vor, sie war auch noch nicht auf dem Gipfel ihres Könnens angelangt, aber sie sah sich schon verschiedenartigen Waffengattungen gegenüber. Mit der Zeit wurde die Ritterschaft in ihrer führenden Rolle durch das Fußvolk auf dem Schlachtfeld abgelöst. Es wurde mit dem Aufkommen von Feuerwaffen in Schützen (Musketiere) und Spießer (Pikeniere) aufgeteilt. Ferner kam die Artillerie auf. Das bisher übliche Heeresaufgebot wurde weitgehend von Söldnern ersetzt.
Als die ritterliche Reiterwaffe hinter dem in seiner Bedeutung aufgestiegenen Fußvolk zurücktrat, begann für die Kriegsführung eine neue Epoche, dieser Prozess hatte aber etwa 200 Jahre gedauert. Die Geldwirtschaft, vor allem durch die vermögenden italienischen Städte befördert, lieferte die ersten Anreize zur zeitweisen Anstellung zahlreicher Söldnertruppen. Als erstes kam es mit dem lombardischen Fußvolk zu einer entsprechenden Massenbildung. Das Fußvolk trat nun geschlossen auf, zunächst noch als Hilfswaffe, aber schon im 14. Jahrhundert wuchs seine Bedeutung über diese sekundäre Rolle hinaus.
Doch noch konnte dieses (neue) Fußvolk keine Schlacht allein schlagen, aber es füllte den Hintergrund aus, vor dem die Ritterschlacht stattfand. Mit der Zeit wandelte sich die reine Ritterschlacht zu einer gewaltsamen Auseinandersetzung kombinierter Waffen. Im Jahr 1302 (11.07.) errangen erstmals bürgerliche bzw. städtische bzw. bäuerliche flämische Fußtruppen - insbesondere Bürgermilizen - in der Schlacht von Coutray (sogenannte Sporenschlacht von Kortrijk) einen bemerkenswerten Erfolg über gepanzerte (französische) Reiter unter dem Befehl von Robert Graf von Artois. Am Ende der in einem sumpfigen Gelände stattgefundenen Schlacht ("Schlacht der goldenen Sporen") hatten 700 französische Ritter ihr Leben verloren, darunter auch der Befehlshaber und verschiedene höhere französische Adlige. Weitere vergleichbare militärische Niederlagen ritterlicher Reiterheere folgten.
Damit wurde in der Kriegsgeschichte ein neues Kapitel aufgeschlagen. Die Geschichte und das äußere Erscheinungsbild der bald die militärische Kulisse dominierenden schweizer Söldner, deutschen Landsknechten und spanischen Fußsoldaten werden nachfolgend dargestellt.
Die Schweizer Söldner
Die Schweizer Söldner bestanden aus leicht bewaffneten Fußsoldaten, welche mit ihren langschäftigen Waffen (Hellebarden, Piken, Spiesse, Streithämmer) in dichten Kolonnen (Haufen) erfolgreich auch Ritterheere angriffen.
Die Schweizer Aufgebote beeinflussten durch ihre überraschenden Siege bei Grandson (1476), Murten (1476) und Nancy (1477) nachhaltig die damalige europäische Kriegsführung.
Die Ursprünge der Schweizer Söldner, welche sich im Laufe der Zeit zu einem wahren Exportschlager entwickelten, reichen aber viel weiter zurück. Teilweise wird dieser Schweizer Sonderweg mit der Aufgabe der Bewachnung der Handelswege über die Alpen begründet. Allerdings wurde aus dem "Reislaufen" (Reiseläufer = Kriegsreisende) vor allem für Angehörige ärmerer Bevölkerungsschichten ein attraktiver Nebenerwerb, bis das Engagement von Schweizern in fremden Diensten systematisch von den Kantonen organisiert wurde.
Die Blütezeit der Schweizer Söldern dauerte ab dem 15. Jahrhundert bis zum 18. Jahrhundert. Sie waren gefürchtet, denn sie gewährten - auch gegenüber Verwundetetn - kein Pardon. Dies war offiziell von den Kantonen im Jahr 1499 beschlossen worden. Hierbei ging es vor allem um die Wahrung der Disziplin, damit sich die Kolonnen nicht vorzeitig auflösten, wenn sich die einzelnen Söldner auf die Suche von Gefangenen begaben, um anschließend ein Lösegeld zu erpressen.
Die deutschen Landsknechte
Unter Kaiser Maximilian entstand ein neues Fussvolk. Nach Hans von Gottberg (S. 52) bestanden neben dem Reichsritterheer schon lange Söldnertruppen. Auch die Kriegsknechte und die Gehilfen der schwer gepanzerten Ritter waren im Grunde Söldner. In bzw. nach den Hussitenkriegen (1419 - 1436) entstanden die Böhmischen Knechte.
Das neue Fußvolk - ausgerüstet mit der Hellebarde oder dem Spieß - zeigte den ritterlichen Reiterheeren in blutigen Schlachten ihre Grenzen auf.
In der Folge der kriegerischen Auseinandersetzung der Eidgenossen mit den Habsburgern unter Leopold I. (Herzog von Österreich und der Steiermark, * 04.08.1290 in Wien, Herzogtum Österreich; † 28.02.1326 in Straßburg) wuchs die Bedeutung des schweizerischen Aufgebots. Die Schweizer verdingten sich später auch anderen Kriegsherrn als Söldner und entwickelten hieraus eine regelrechtes Geschäftsmodell.
Erst die Deutschen Knechte bzw. Landsknechte liefen ihnen im 16. Jahrhundert den Rang ab. Diese waren in Fähnlein zu ca. 500 Landsknechten und in Regimenter zu 6000 - 9000 Landsknechten organisiert. Ein solches Regiment wurde von einem Feldobristen aufgestellt und befehligt.
Auch die Landsknechte kämpften wie die Schweizer beim Angriff in Gevierthaufen und in der Verteidigung in massiven Gewalthaufen, die an die gewaltigen Dreiecke aller Tausendschaften (= Keile) der germanischen Heere erinnerten.
Ursprünglich entsprach die Bekleidung der Landsknechte der zivilen Mode, allerdings entwickelten die Söldner einen regelrechten Kleiderluxus, der ihr äußeres Erscheinungsbild maßgeblich beeinflusste.
Sehr früh wies die Kriegstracht - z. B. die geschlitzte und zerhauene Tracht der Landsknechte - bereits eine gewisse Gleichheit auf. Diese entwickelte sich insbesondere bei den deutschen Landsknechten zu einer farbenreichen und durch eine besondere Stofffülle geprägten Kriegstracht.
Die Landsknechte sind jedoch nicht die Erfinder der Dekorationsschlitze, sondern diese modische Erscheinung ist aus der zivilen Mode in die Soldatenkleidung gewandert. Aber diese Schlitze wurden in der Landsknechtskleidung besonders abwechslungsreich gestaltet und zeichneten den Söldner als einen individuellen Einzelkrieger aus.
Die übertriebene Kriegstracht war auch Statussymbol. In der zivilen Mode waren die Dekorationsschlitze bedeutend schlichter gehalten.
Als Kopfbedeckungen dienten Kappen, die sich zum dekorativen Federbarett entwickelten. In einem bekannten Landsknechtslied heißt es: "Vom Barette schwankt die Feder". Das Barett ist wohl italienischen Ursprungs. Es handelte sich ursprünglich um eine flache - runde oder eckige - Kopfbedeckung aus Filz, Stoff, Samt oder Seide - ohne Schirm. In der Landsknechtszeit wurde das federgeschmückte Barett immer ausladener.
Die Beinkleider waren zunächst eng und wurden dann von der Pluderhose abgelöst. Dazu wurden Bärenklauenschuhe getragen.
Der Feldhauptmann war ein in der Regel höherer Befehlshaber. Er befehligte ein Regiment oder sogar eine ganze Armee. Der Feldhauptmann meinte also vor allem eine bestimmte Funktion.
Der Locotenent hatte das Amt des Stellverrtreters inne. Er trägt hier beinahe eine vollständige Rüstung. Auch das Pferd ist mit einer Rüstung zum Schutz bedeckt.
Das Regiment der Landknechte unterstand dem Obristen (= Oberst). Er war auch der Gerichtsherr und musste für den Unterhalt und den Sold sowie für die Versorgung mit Proviant, Bekleidung und Ausrüstung Sorge tragen.
Die Landsknechte mussten aber für die eigene Bekleidung und Bewaffnung selbst aufkommen.
Der Hauptmann trägt neben dem klassischen federgeschmückten Barett auch eine Halbrüstung. Dies war auch erforderlich, da er in der Schlachtordnung an exponierter Stelle stand, nämlich in vorderster Reihe bei den sogenannten Doppelsöldnern.Neben dem kurzen Spieß ist er auch mit dem Katzbalger (Kurzschwert) und einem Dolch bewaffnet.
Die Landsknechte waren mit dem etwa 6 Meter langen Spieß bewaffnet, ähnlich wie die Schweizer Söldner.
Daneben waren Hellbarden und lange Schwerter sowie Dolche üblich.
Im Nahkampf kam der sogeannte Katzbalger zum Einsatz. Diese kurze Waffe hatte eine Klingenlänge von ca. 50 - 55 cm. Die Klinge war breit und die Parierstange häufig S-förmig.
Später erhielt der Katzbalger einen regelrechten Korb, um die die Waffe führende Hand besser zu schützen.
Die Bewaffnung der Landsknechte umfasste aber auch Streitkolben, Morgenstern, Kriegsflegeln, Spitzhammeräxte und auch Hakenbüchsen, die spezialisierte Büchsenschnützen benutzten.
Der oben dargestellte Landsknecht führt hier das eigentliche große Schlachtschwert mit sich, welches auch mit beiden Händen benutzt werden konnte. Deshalb wurde diese Waffe auch Bidhänder, Zweihänder oder Zweihandschwert genannt.
Es entstand im 15. Jahrhundert und wurde bis zum Ende des 17. Jahrhundert benutzt.
In der Regel hatte diese Waffe eine Länge von insgesamt 1,70 m, die Klinge war ca. 1,20 m lang.
Oft wies der Bidenhänder eine Parierstange auf und am unteren Ende der Klinge befand sich meist eine Fehlschärfe, die mitunter mit Leder umwickelt war und ein Umfassen mit der anderen Hand erlaubte.
Laut Martin Lezius (Vorwärts ... vorwärts. Das Buch vom deutschen Landsknecht, Leipzig o. J., S. 76) "war in die Hände des Schultheißen, der vom Feldobristen ernannt wurde, war die Ausübung der Gerichtsbarkeit und des Rechtsverfahrens gelegt. s war allgemein üblich, bei dem Zusammentritt der Landknechtsgemeinde auch eine Verständigung darüber herbeizuführe nach welchen Regeln und Gesetzen im Regiment Recht gesprochen werden sollte. Der Schultheiß sollte éin frommer und ehrbarer Mann in reiferen Jahren sein, der nicht nur Kenntnisse des bürgerlichen, sondern auch des peinlichen Rechtes hatte. "Peinlich" nannte man damals alles, was den Kopf oder den Hals eines Übertäters in Gefahr bringen konnte. Es war Bedingung, dass der Schultheiß vorher als Hauptmann musterhaft ein Fähnlein geführt und sich während dieser Zeit Kenntnisse über das Leben, die Gewohnheiten und Anschauung der Knechte erworben hatte, so dass man von ihm wohl ein gerechtes Urteil erwarten konnte".
Anmerkungen zum vorigen Bild.
Neben dem Schultheiß (Richter) hatte der Profoß die Polizeigewalt inne. Er war dem Regiment zugeordnet und hatte auch Gehilfen.
Der Profoss war eine Art Militärpolizist und wachte über die Einhaltung der Verpflichtungen aus den Artikeln.
Zum Heer der damaligen Zeit gehörte stets ein großer Troß. Dieser diente der Verpflegung und der Versorgung, im Lager fand der An- und Verkauf der Beute statt, ebenso diente es als Verbandsplatz.
Zum Troß gehörten Trainknechte, Pferdewärter, aber auch Händler, Marketender und Soldatenfrauen und - kinder, aber auch Schankwirte und Prostituierte.
Im Lager unterstanden sie dem Lagerprofoss.
Dieser hatte für die notwendige Disziplin zu sorgen und vollzog auch Bestrafungen. Unterstützt wurde er vom Tross- oder Hurenweibel. Der Rumormeister sorgte für Ruhe und Ordnung.
Er verlangte auch von den Händlern Gebührnisse und ebenso von der untergebrachten Gefangenen Geld.
Pikeniere und Musketiere im 16. und 17. Jahrhundert.
Text
Der Visierhelm wurde im auslaufenden 17. und beginnenden 17. Jahrhundert bald von anderen Helmformen abgelöst, insbesondere durch die auf türkische Vorbilder zurückgehende Zischägge als eine besondere Form der Sturmhaube.
Diese bestand zumeist aus einer halbkugeligen - zwiebelartigen - Helmglocke mit einem langen geschobenen bzw. geschienten Nackenschirm und Wangenklappen sowie einem flachen Augenschirm mit verstellbarem Naseneisen. Letzteres konnte vorn mit einer Flügelschraube individuell eingestellt werden. Die runde Helmglocke wies oft (sechs) herausgetriebene Rippen auf.
Mitunter boten seitlich angebrachte größere Flügel zusätzlichen Schutz gegen Hiebe mit einer Blankwaffe.
Diese Helmform blieb zum Ende des 17. Jahrhunderts erhalten und wurde auch von der leichten Reiterei getragen.
Die vorgenannte Zischägge hatte türkische Wurzeln, wie überhaupt die kriegerische Berührung mit den Türken verschiedene Einflüsse auf die Taktik und Bewaffnung der europäischen Heere hatte. So fand z. B. auch der Säbel eine weite Verbreitung.
Die Infanterie trug im 17. Jahrhundert häufig nur noch den halben Harnisch, insbesondere die Pikeniere schützten sich durch Halsberge, Schulterrüstteile (Spangröls), Oberarmzeug und die zu Schössen reduzierten Beintaschen.
Dazu wurde regelmäßig - wie hier dargestellt - ein Morion oder eine blecherne Sturmhaube (Schützenhaube) getragen. Letztere findet sich weiter oben dargestellt.
Der Morion bzw. die Schützenhaube konnte gegen Hiebe mit einer Blankwaffe schützen, dazu trug der Kamm bei. Diese Kopfbedeckung konnte aber nicht gegen Beschuss helfen. In der Regel bestand ein solcher Helm aus zwei Hälften, die durch eine Bördelung oder Vernietung miteinander verbunden wurden.
Laut Heinrich Müller (Alte Helme, 74) sank die Qualität dieser Kopfbedeckungen im 17. gegenüber dem 16. Jahrhundert, wohl auch weil das Plattnerhandwerk zurück ging.
Unter dem bereits erwähnten Morion ist ein offener Helmtypus ohne Visier zu verstehen. Er entstand in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts und hatte sich aus dem spanischen Eisenhut - Cabasset (Birnhelm) genannt – entwickelt. Teilweise wird aber auch eine umgekehrte Entwicklungslinie berichtet.
Für den Morion ist zumindest seine konisch gestaltete Form charakteristisch. Die Helmglocke war zudem von einer breiten Krempe umgeben, welche vorn und hinten nach oben gezogen war. Oft hatte der Morion einen hohen Kamm und Wangenklappen.
Morione waren mitunter mit dekorativen heraldischen oder ornamentalen Mustern bzw. Verzierungen versehen, z. B. mit einer Doppellilie und diese mitunter umgeben von einem Kranz mit Fischblasenmustern.
Die Morione von Leibgarden trugen häufig das Wappen des jeweiligen Dienstherrn und waren geschwärzt und mit vergoldeten Ätzungen versehen.
Das Futter war durch Nieten befestigt, die von außen sichtbar waren. Auch sie konnten mehr oder weniger aufwendig gestaltet - z. B. bedeckt mit Löwenköpfen aus Messing (Heinrich Müller, Alte Helme, 64) - sein.
Im Verlauf der ersten Hälfte des 17. Jahrhundert ist eine Entwicklung hin zu einer einheitlichen militärischen Bekleidung zu beobachten (Förster/ Hoch/ Mülle, Uniformen europäischer Armeen, S 54). Die Fußtruppen differenzierten sich in diesem Zeitraum insbesondere in Pikeniere und Musketiere. Die Zahl der Letzteren nahm im Verlauf des 17. Jahrhundert ständig zu Lasten der Ersteren zu.
Im Laufe der Zeit wurde die oben beschriebene Schutzrüstung zu Gunsten der Beweglichkeit weiter reduziert. Unter dem halben Harnisch wurde oft ein Lederkoller getragen. Es handelte sich hierbei um ein ärmelloses Kleidungsstück. Er hatte das Wams als Hauptbekleidungsstück abgelöst. Im Laufe der Zeit wurde der Lederkoller - zunächst noch nicht bei den Reitern - durch ein tuchenes Kamisol verdrängt.
Insbesondere die Pikeniere trugen noch - häufig geschwärzte - Sturmhauben, die Musketiere trugen - wie hier dargestellt - zumeist breitkrempige Filzhüte mit Federbusch.
Zu den Kopfbedeckungen der Pikeniere und vor allem der Musketiere findet sich bei Christian Beaufort-Sponton (Harnisch und Waffe Europas. Die militärische Ausrüstung im 17. Jahrhundert, S. 120 ff.) folgende Beschreibung:
"Im zweiten Drittel des 16. Jahrhunderts den Pikenieren noch weitgehend untergeordnet, war ihre Anzahl seit zirka 1570 ständig im Steigen begriffen. Analog dazu wurden die Pikeniere zahlenmäßig vermindert, und so wechselte allmählich die offensive Rolle innerhalb des Fußvolkes auf die Musketiere über.
Der Oranische Musketier, wie ihn Jacob de Gheyn zu Ende des 16. Jahrhunderts vorführt, ist gänzlich ungeharnischt, trug also nicht einmal ein Schützenhäubel.
De Gheyn erklärt dies selbst in der Einleitung seines Werkes: "... soll man wißen, das die Schützen mit Sturmhueten, und die Musquetiers mit huetten furgebildet, und in unterschidlichen kleydungen staffirt sind, nicht das solch nöttig werde, sonderlichen nur damit solche veränderung die bildungen geziehret und dan auch die manier der Kriegsleuthe in ihren kleidungen so ietz in diesen zeiten gebreuchlich ... gezeigt wurden".
Die Musketiere waren regelmäßig mit dem Luntenschloßgewehr ausgestattet und ungepanzert, zumindest um die Mitte des 17 Jahrhunderts tragen sie in der Regel keine eigentliche Schutzbewaffnung mehr.
Das Luntengewehr wog etwa 8 - 10 kg. Aus diesem Grunde wurde dieses beim Schuss auf einen Gabelstock gelegt. Der Ladevorgang zerfiel in über dreißig Einzelakte und war sehr aufwändig bzw. zeitintensiv. In dieser Phase wurden die Musketiere notwendigerweise von den Pikenieren geschützt.
Auf dem vorstehenden Bild ist beim Musketier auch das Bandelier mit den lederbezogenen Kapseln aus Holz zu sehen. Diese Behältnisse beinhalteten das jeweils für einen Schuss abgemessene Pulver und wurden im Soldatenjargon als die 12 Apostel bezeichnet. Zur vollständigen Ausrüstung gehörten noch die Pulverflasche für das feine Zündpulver und ein Lederbeutel für die Bleikugeln.
Die schwedischen Musketiere wurden später mit leichteren Gewehrmodellen ausgerüstet.
Die Rolle Spaniens in der Kriegsführung
Im 16. Jahrhundert hatte Spanien in Europa eine Vormachtstellung inne. Seit der Entdeckung Amerikas im Jahr 1492 (bis 1504) durch den Abenteurer und Seefahrer Christoph Columbus (1451 - 1506), der Eroberung Mexikos durch Hernando Cortés (1485 - 1547) und Perus durch Francisco Pizarro (1478 - 1541) und der Gründung verschiedener Kolonien in der Neuen Welt konnte Spanien - finanziert durch das Gold und Silber aus den aus Lateinamerika - sogar zeitweise den Status einer Weltmacht erlangen. Zum Ende des 15. Jahrhunderts war auch bereits die Reconquista beendet, d. h., die Rückeroberung der ganzen spanischen Halbinsel von den Mauren.
Als europäische Hegemonialmacht versuchte Spanien den katholischen Glauben in allen Reichsteilen wiederherzustellen. Dies war der Anlass für den Aufstand der protestantischen Stände in den Niederlande. Dieser Konflikt dauerte bis 1648. Im Dreißigjährigen Krieg war Spanien eine der kriegsführenden Parteien. In dieser im Anfang als Religionskrieg geführten Auseinandersetzung gehörte Spanien zur katholischen Liga und die spanischen unterstützten die österreichischen Habsburger. Parallel hierzu fand der Französisch-Spanische Krieg (1635 - 1659) vor allem um Italien statt, der die spanische Dominanz beendete und die französische Vorherrschaft begründete. Das Ziel von einem universalen, katholischen spanischen Kaisertum war gescheitert.
Der Aufstieg und der Niedergang Spaniens als Großmacht dauerte viele Jahrhunderte. Ab 1600 begann aber die Bedeutung von Spanien zu sinken.
Für die Erlangung und Behauptung dieser Rolle bedurfte es einer starken und leistungsfähigen Armee und Flotte. Zur Bedeutung der Spanier in der europäischen Kriegführung äußert sich der Viscount Montgomery of Alamein in seiner Weltgeschichte der Schlachten und Kriegszüge (S. 211) wie folgt: "Auch bei der Weiterentwicklung von Kriegstechnik und Taktik zu Lande und zu Wasser stand Spanien an führender Stelle, den wichtigsten technischen Beitrag leistete es aber bei der Weiterentwicklung der Feuerwaffen. In der Schlacht bei Cerignola bewies Gonzalo de Cordoba, den die Spanier mit Recht als einen ihrer großen Feldherren angesehen, dass die Arkebuse von nun an die wichtigste Kriegswaffe war. Die Bestückung mit Kanonen ermöglichte erst die Eroberung der Meere durch die europäischen Nationen. Der schöpferische Geist auf dem Gebiet der Navigation und Taktik zur See war die Engländer Sir Francis Drake, aber auch spanischen Seeleute waren trotz der Niederlage der Armada 1588 immer bereit, Neuerungen einzuführen. Nach 1525 beschränkte sich die Landkriegsführung fast ausschließlich auf das gegenseitige Ausmanövrieren feindlicher Armeen und den Festungskrieg. Zur offenen Feldschlacht kam es kaum. Die bedeutendsten Feldherren in den europäischen Kriegen jener Epoche waren Alexander von Parma, Ambrogio Spinola und Moritz von Nassau. Die ersten beiden standen im Dienst Spaniens".
Eduard Wagner (Tracht, Wehr und Waffen im Dreißigjährigen Krieg, Prag 1980, S. 9) äußert sich zur Rolle Spaniens ergänzend: "An der Spitze der Habsburger Koalition stand Spanien. Als mächtiger Staat hatte es sich schon Anfang des 16. Jahrhunderts seine Stellung an der Spitze der europäischen Politik gesichert. Zu dieser Zeit war Spanien schon ein Feudalstaat mit nahezu vollendeter zentralisierter Staatsverwaltung. Der spanische Habsburger Karl V. wurde im Jahre 1519 Deutscher und im Jahre 1530 auch Römischer Kaiser. Damit erreichte Spanien für etwa Vierteljahrhundert den Höhepunkt seiner Macht (1530 - 1556). Das Fundament der machtpolitischen Aktivitäten Spaniens bildete der Strom des Silbers, das von den Kolonien in die spanische Staatskasse floß. Die spanische Söldnerarmee, deren wichtigstes Element das gut ausgebildete und ausgerüstetete Fußvolk darstellte, war die beste und stärkste Armee in Europa. Auch wenn es sich später zeigen sollte, dass die Ambitionen der spanischen Politik die Möglichkeiten seiner Staatskasse überstiegen, stand Spanien bis zum Beginn des Dreißigjährigen Krieges an der Spitze der Habsburger-Koalition".
Die spanische Ordonnanz sah den Kampf der Infanterie in sogenannten Tercios vor. Es handelte sich hierbei um einen Kampfverband mit ca. 3000 Mann, der sich in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts ausbildete.
Die meisten Soldaten der in einem gewaltigen Geviert aufgestellten Soldaten waren Pikeniere, umgeben von Musketieren oder Arquebusieren. Letztere bewährten sich bereits in der Schlacht von Pavia (24.02.1525) gegen die französische Kavallerie.
Die vier Tercios einer Brigade wurden in dem Muster eines Schachbretts aufgestellt. Die starre Gefechtsordnung war aber auf Dauer nicht nachhaltig, insbesondere weil im Laufe der Zeit die Anzahl der mit Stangenwaffen ausgestatteten Soldaten immer mehr zu Gunsten der Musketiere abnahm und die Gewalthaufen ein zu gutes Ziel für die sich immer mehr verstärkende Artillerie darstellten.
Charakteristisch für die spanische Infanterie dieser Zeit war der hohe Morion, ein breitrandiger Helm mit Kamm. Die Weste bestand mit den Ärmeln aus einem Stück. Die Wülste auf den Schultern sollten ein Abgleiten des Bandeliers verhindern. Als Schutzausrüstung diente eine dünne Brustplatte meist ohne Mittelkante.
Als blanke Waffe wurde der Rapier benutzt. Dieser hatte eine zweischneidige, gerade schlanke Klinge mit einem sehr spitzen Ort. Das Gefäß schützte auch den Zeigefinger
Der Dreißigjährige Krieg
Im Frühjahr 1618 herrschte in Europa Frieden, verschiedene Auseinandersetzungen hatten zu diesem Zeitpunkt ihr Ende gefunden. Selbst Spanien und die Niederlande hatten einen Waffenstillstand geschlossen (1619).
Ein Ereignis bereitete aber diesem Zustand ein Ende und stand am Anfang eines europäischen Bürgerkrieges: der sogenannte Prager Fenstersturz am 23.05.1618. Dies war für den Erzherzog Ferdinand - der spätere Kaiser (Nachfolger von Kaiser Matthias) - der erhoffte Anlass, gegen die Stände (in Böhmen) loszuschlagen.
Was folgte, war eine vordergründig religiös begründete Auseinandersetzung (Glaubenskrieg) über mehrere Jahrzehnte, letztlich ging es aber um politische Machtfragen bzw. um die Hegemonie im Heiligen römischen Reich Deutscher Nation.
"Die wahre Tragödie des Dreißigjährigen Krieges bestand nicht darin, dass er unausweichlich war, sondern dass ein Konflikt dieses Umfangs hätte vermieden werden können. Zunächst lokal beschränkt, weitete er sich rasch und verheerend aus – mit Folgen für ganz Europa" (Peter H. Wilson).
Der Dreißigjährige Krieg. Verlauf. Kurze Zusammenfassung.
Text
Der Dreißigjährige Krieg und seine Folgen
Der Dreißgjährige Krieg hat sich mit seiner intensiven Ausprägung und seinen katastrophalen - demografischen, wirtschaftlichen und politischen - Folgen in das kollektive europäische und insbesondere in das deutsche Bewußtsein eingeprägt. Etwa 30-40% der Bevölkerung starben durch Hunger, Kälte, Seuchen und kriegerische Einwirkung. "Nach Schätzungen schrumpfte die Bevölkerung in Deutschland von 16,5 Millionen im Jahr 1618 auf 10,5 Millionen im Jahr 1648. Die Landbevölkerung ging um ca. 40 Prozent, die städtische Bevölkerung um ca. 25 Prozent zurück" (Diercke). Auf dem Land, durch das ja die Söldnerheere zogen, starben folglich mehr Menschen als in den Städten. Ganze Landstriche - insbesondere in Mitteldeutschland, Mecklenburg, Pommern und der Pfalz wurden verwüstet und faktisch entvölkert. Handel, Gewerbe und Landwirtschaft waren ruiniert. Dörfer, Städte und Gehöfte wurden geplündert und zerstört. Man hat geschätzt, dass es fast 100 Jahre (1720?) gedauert hat, bis die Bevölkerungszahl und die wirtschaftliche Leistung das Niveau vor diesem langwierigen Krieg wieder erreichten. Die traumatische Erfahrung dieses langen Krieges veränderte auch das Weltbild und förderte eine pessimistische Grundhaltung. Gleichzeitig wurde der Absolutismus in den Teilstaaten und damit auch die politische Zersplitterung (Territorialisierung) gefördert, denn die Landesfürsten erhielten eine weitgehende Landeshoheit (Souveränität). Dies schwächte die Macht des Kaisers drastisch, während die Niederlande und die Schweiz aus dem Reich ausschieden.
Soldaten oder Soldateska?
Der Dreißgjährige Krieg prägte als traumatisches geschichtliches Ereignis auch lange das Bild vom Soldaten, die Soldaten wurden als disziplinlose Soldateska wahrgenommen. "So gehört etwa das Bild des vagabundierenden und marodierenden Söldners zu den zählebigsten Klischees der historischen Überlieferung. Seuchen, Mißernten und Krieg waren die apokalyptischen Geißeln, denen sich der Mensch des späten Mittelalters und der frühen Neuzeit in regelmäßigen Abständen ausgesetzt sah. Alle drei waren in ihren Auswirkungen gleich furchtbar. Während Hunger und Krankheit als göttliche Fügung hingenommen werden mussten, galt der Krieg ebenfalls als ein unabänderliches Schicksal, liess sich aber unschwer in der Gestalt des Söldners als des vordergründig Hauptschuldigen personalisieren." (Bernhard R. Kroener, Soldat oder Soldateska? In: Militärgeschichte. Probleme - Thesen - Wege. Herausgegeben vom Militärgschichtlichen Forschungsamt, Stuttgart 1982, S. 100 ff.).
Das Heeresaufgebot im 16. Jhdt. und 17. Jhdt.
Im 16. und 17. Jahrhundert erfolgte ein notwendiges Truppenaufgebot durch ein Landesaufgebot und/ oder die Anwerbung von Söldnern. Der jeweilige Herrscher ersuchte die Stände um die Aufstellung des Landesaufgebotes, wobei es sich regelmäßig um eine bäuerliche oder bürgerliche Miliz handelte. Dieses Landesaufgebot bzw. diese Landesdension bestand aus einem militärisch nicht ausgebildeten Volksaufgebot und durfte grundsätzlich nur innerhalb der Landesgrenzen, also nicht offensiv militärisch eingesetzt werden. Die Stände übernahmen deren Bekleidung und Ausrüstung. Das Landesaufgebot war aber häufig nicht brauchbar und nicht zuverlässig, deshalb war die ergänzende Anwerbung von professionellen Soldaten erforderlich. Die Landesherren verzichteten sogar vorzugsweise auf das wenig effektive Landesaufgebot, sondern ließen sich die entsprechenden Finanzmittel für die Aufstellung eines Söldnerheeres bewilligen. "Deshalb wurden die Söldnerheere, auch wenn das System des Landesaufgebotes noch in vielen europäischen Staaten weiter existierte, zum grundlegenden, bestimmenden Element des Kriegswesens" (Wagner).
Grundsätzlich beauftragte der jeweilige Landesherr (oder die Stände) einen Kriegsunternehmer mit der Aufstellung einer Miltäreinheit (z. B. ein Regiment). Entsprechende Patente erlaubten die Anwerbung der Soldaten, entweder durch den Kriegsunternehmer selbst oder durch diesen ernannte Offiziere. Der bekannteste Kriegsunternehmer war der böhmische Feldherr Wallenstein (eigentlich Albrecht Wenzel Eusebius von Waldstein; * 24. September 1583 in Hermanitz an der Elbe, Königgrätzer Kreis; † 25. Februar 1634 in Eger im Elbogener Kreis, vgl. hierzu: Josef Polisenský/ Josef Kollmann, Wallenstein. Feldherr des Dreißigjährigen Krieges, Köln 1997). Er kämpfte für den Kaiser auf der Seite der katholischen Liga und stellte teilweise auf der Grundlage seiner umfangreichen Ländereien auf eigene Rechnung ganze Armeen auf. Es gab aber auch andere Kriegsunternehmer, z. B. Graf Mansfeld, Marquis von Hamilton oder Herzog Bernhard von Sachsen-Weimar. Laut Geoffrey Parker (Der Dreißigjähige Krieg, 1991, S. 286) widmeten sich fast während des gesamten Krieges etwa 100 Personen dieser Aufgaben, in den Jahren der besonders intensivierten Militäraktionen (1631 - 1643) stieg ihre Zahl auf etwa 300. Demnach haben insgesamt während des Dreißgjährigen Krieges etwa 1500 solcher Unternehmer die Anwerbung eines oder mehrerer Regimenter für einen beteiligten Kriegsherren finanziert.
Die angeworbenen Soldaten erhielten in der Regel ein Handgeld. Der eigentliche Sold war abhängig von der Bewaffnung und Ausrüstung des angeworbenen Soldaten. Die Angeworbenen wurden von einem Schreiber gelistet. War die Einheit vollständig, wurde sie regelmäßig besichtigt und nach Prüfung - zur Vermeidung von Listenbetrug - faktisch abgenommen. Der Kriegsunternehmer ernannte die Offiziere und besetzte die sonstige Chargen. Insoweit waren diese nur ihm verpflichtet. Die vereinbarten Geldmittel erhielt er vom Auftraggeber und zahlte den Sold aus. Der Soldat musste sich selbst ernähren und ausrüsten, teilweise wurde diese aber auch gestellt. Je länger der >Krieg dauerte, umso leichter wurde die Beschaffung von Ersatz, da durch die zunehmenden Verwüstungen des Krieges viele Angehörige der bäuerlichen und sogar bürgerlichen Schichten alles verloren hatten (Knötel, Reiterleben im dreißigjährigen Krieg, a. a. O., S. 146 ff.).
Zum Regiment gehörte auch - wie bei den deutschen Landsknechten - ein großer Tross, u. A. auch Soldatenfrauen und - kinder.
Zur Ausrüstung und Bekleidung der (kaiserlichen) Soldaten
J. Heilmann (Das Kriegswesen der Kaiserlichen und Schweden zur Zeit des dreißigjährigen KriegesLeipzig und Meißen 1850, S. 3 ff.) beschreibt die Bekleidung der kaiserlichen Kriegsvölker wie folgt:
"Die Soldaten trugen weite Hosen, ein Camisol mit sehr weiten Ärmeln, welches dicht am Leibe schloss. Mäntel waren noch nicht im Gebrauch. Die Hüte hatten die Form eines abgenutzten Kegels mit kleinen herabhängenden Krempen zur Basis, gleich den Hüten der holländischen Matrosen.
Die Pikeniere hatten als Schutzwaffen ein schußfreies Bruststück ..., Halsberge, Armschienen, Blechschurz und eine eiserne Sturmhaube. Die Haupt-Angriffswaffe war die Pike, deren Länge zwischen 15 und 18 Fuß wechselte; die Stange von Eschenholz hatte an ihrem äußersten Ende eine zwei Zoll breite, zweischneidige und von eingezackte eiserne Spitze, welche mittelst zweier Eisenbänder an der Stange befestigt war; am entgegengesetzten Ende war die Pike mit Eisen beschlagen und endigte sich in einem Stachel. Ein langer Degen hing an der linken Seite.
Die Musketiere, welche an die Stelle der Arkebusiere getreten waren, hatten als Schutzwaffe nur eine eiserne Sturmhaube, an deren Stelle oft der oben erwähnte Hut trat. Die Offensivwaffen waren ein drei Fuß langer, breiter und am Ende gekrümmter Säbel und die Muskete mit Luntenschloß, welche Kugeln schoß, on denen 8 bis 10 auf das Pfund gingen. Ihre ganze Länge betrug 5*, die des Laufes 3 1/2 rheinländische Fuß. Die Schußweite betrug 300 Schritte. Die Musketen-Gabel ... war 4 Fuß lang, hatte unten eine und oben zwei eiserne Spitzen, und wurde auf Märschen an einem Riemen, welcher am obern Ende der Gabel durch ein Loch lief, von dem Musketier nachgezogen. Die Ladung befand sich in elf Kapseln von Holz oder Blech, welche mit Leder überzogen und durch einen Deckel geschlossen waren; sie hingen an einem Bandelier, welches von der linken Schulter zur rechten Hüfte lief. Von diesen Kapseln enthielten zehn die Ladung, die elfte das Pulver zum Aufschütten der Zündpfanne. Überdies hing noch an diesem Bandelier eine mit Pulver gefüllte blecherne Flasche, ein lederner Beutel mit Kugeln und Lumpen zum Reinigen der Muskete, eine Räumnadel, ein Ölfläschchen, der Hut und drei bis vier Stück Lunten, beides zwei Fuß lang. Der brennende Theil der Lunte befand sich in der Nachtzeit und bei feuchter Witterung in einem weißblechenen Luntenverberger".
"Die Offiziere der Pikeniere führten Piken, die der Musketiere Partisanen nebst den Degen. Als Schutzwaffe hatten sie ein Bruststück. Federbüsche von verschiedener Farbe auf den Hüten, goldene Ketten und Feldbinden waren die damaligen Distinctions-Zeichen.
Musketiere. Ergänzende Anmerkungen.
Laut Hailmann (a. a. O., S. 15) bewog die große Überlegenheit der Feuerwaffen den schwedischen König Gustav Adolf bereits um 1626 das Gewicht der Musketen zu erleichtern. Nun konnten sie ohne Gabeln benutzt werden. Dafür wurden sogenannte Schweinsfedern mitgeführt, um die Infanterie vor Angriffen durch die Kavallerie zu schützen. Später wurden diese der Truppe nur noch nachgefahren. "Die Muskete, welche die Arkebuse verdrängt hatte, schoss 2 1/2 löthoge Kugeln und wurde mittels eines Luntenschlosses abgebrannt. Die Lunte, um gegen die Witterung geschützt zu sein, befand sich in einem Luntenverberger von gelbem oder weißem Blech. Neben dieser Waffe führte der Musketier noch einen 3 Fuß langen Säbel. Als Schutzwaffe hatte er eine eiserne Schutzhaube" (Heilmann, a. a. O., S. 16).
Pikeniere. Ergänzende Anmerkungen.
"Die Pikeniere führten als Offensivwaffen eine 15 bis 16 Fuß lange Pike, Partisane genannt, deren 2 Fuß langes Eisen unten 4 1/2 Zoll breit und auf beiden Seiten schneidend war, und einen langen Degen. Als Schutzwaffen trugen sie ein Bruststück, Armschienen, Blechschurz und eine Sturmhaube" (Heilmann, a. a. O., S. 16). In der schwedischen Armee wurden die weniger brauchbaren Pikeniere bald durch immer mehr Musketiere ersetz. Bereits 1631 gab es ganze Musketier-Regimenter. Bereits 1626 wurden die Musketiere und Pikeniere getrennt eingesetzt. Teilweise sollen die (schwedischen) Musketiere auch mit Musketen mit sogenannten Radschlössern ausgerüstet gewesen sein.
Infanterie. Aufbau, Etat, Taktik und innere Verhältnisse.
Text.
Die Gattungen der Reiterei im Dreißgjährigen Krieg.
Laut Richard Knötel (Geschichte der deutschen Reiterei in Einzelbildern, Nachdruck Krefeld 1969, S. 141 ff.) zerfielen "... die um die Mitte des dreissigjährigen Krieges vorhandenen deutschen Reitertruppen in Cürassiere, Carabiniers (Arquebusiere) und Dragoner. Kosaken, Croaten und Husaren, welche ausserdem einen wichtigen Bestandteil der kaiserlichen Heere ausmachten, kommen hier für uns als aus ungarischen und slavischen Völkern rekrutiert nicht in Betracht. Die Cürassiere, schwer gepanzert, und mit Degen, in schräg nach hinten hängender Scheide getragen, und zwei Pistolen bewaffnet, bildeten die schwere, die Carabiniers und Dragoner, leicht oder gar nicht gepanzert und neben Degen mit Arquebusen, beziehungsweise langen Lunten-Musketen ausgerüstet (die Carabiniers führten ausserdem noch Pistolen) die leichte Cavallerie. Die Dragoner, oft auch im Fusskampfe verwendet, trugen niedrige Schuhe, meist ohne Sporen und sind als eine Art Mittelglied zwischen Fusssoldat und Reiter anzusehen, weshalb der treffliche Grimmelshausen seinem Simplicius die scherzhafte Bemerkung in den Mund legt: "Wenn ein Dragoner vom Pferde fällt, so steht ein Musketier wieder auf." Die vielfach genannten reitenden Jäger waren ebenfalls ungepanzerte Reiter, welche sich durch nichts als den Namen von den schon genannten leichten Cavalleristen unterschieden"....".
Auch Wahlhausen nennt in seiner "Kriegskunst zu Pferde" die Lanzierer, die Kürassiere, die Arkebusiere und Dragoner als Gattungen der Kavallerie. Die ersteren beiden Varianten machten die Schwere Kavallerie und beiden letzteren Gattungen die leichte Kavallerie aus.
Über die Ausrüstung und Bewaffnung der Reiterei.
Über die Ausrüstung und Bewaffnung der Reiterei in der Zeit von 1600 – 1700 ist bei Gohlke (Die blanken Waffen und die Schutzwaffen, Nachdruck Krefeld, S. 32 ff.) ergänzend zu lesen:
„Henrik Sattler schreibt über die Bewaffnung der Reiter: „Jeder Kürisser trägt Helm, Ring- und Halskragen, Brust- und Ruckstuck sampt den Schulterblatten, beyden Armschienen und eysernem Handschuh, den Zaun damit zu halten, dann ein Pistolen oder Rohr, dessen lauff 2 Schuh (0,6 m) lang, ein Reitschwert zu hawen und zu stechen. Befehlstragende sind vom Gürtel bis auf die Knew mit beyden Tasseten, Knewstucken und Culoten (Schurz), wie auch noch einem Rohr bewaffnet. Reuter, welche nicht Kürisser sind, tragen keine Schulterblatten und Armschienen. Sie führen außer dem Schwert ein Carabyn (Karabiner) oder Rohr von 3 Fuß (0,9 m) Länge, sie sind mit Waffenröcken zu bekleiden, wie vorzeiten die Lancierer".
Kavallerie Taktik
Bereits im 16. Jahrhundert fand die Entwicklung der ritterlichen Reiterei zur Kavallerie statt. Wie bereits im ersten Beitrag dargestellt, war der Ritter im Grunde ein Einzelkämpfer, der wenig oder gar nicht diszipliniert kämpfte. Gesucht wurde der Einzelkampf. Schon um die Mitte der 16. Jahrhunderts gab es auch Schützen zu Pferd, die zwar auch gepanzert waren, sich aber doch von den ritterlichen Reitern unterschieden (Theodor Fuchs, Geschichte des europäischen Kriegswesens,. Teil I: Vom Altertum bis zur Aufstellung der stehenden Heere, München, S. 222 ff.). Die Gensdarmes behielten noch lange die Lanze, während die Schützen zu Pferd diese bald abgaben. Ein Beispiel für diese neue Ausrichtung der Kavallerie waren die sogenannten "Schwarzen Reiter" im Schmalkaldischen Krieg. "Der Schmalkaldische Krieg wurde von 1546 bis 1547 von Kaiser Karl V. gegen den Schmalkaldischen Bund, ein Bündnis protestantischer Landesfürsten und Städte unter der Führung von Kursachsen und Hessen, geführt. Dabei versuchte der Kaiser, im Heiligen Römischen Reich den Protestantismus zurückzudrängen und gegenüber den Reichsständen die kaiserliche Macht zu stärken" (Wikipedia).
Auch in den Hugenottenkriegen in Krankreich (1562 - 1598) kamen vermehrt "reitres" zum Einsatz. Ende des 16. Jahrhunderts waren (auch) die Kürisser mit Radschloßpistolen ausgestattet. Daneben gab es die weiter oben erwähnten Arkuebusiere bzw. später die Dragoner. Dabei ist zu beachten, dass die damaligen Pistolen keineswegs zuverlässig waren und auch das Schießen vom Pferd aus schwierig war. Die Schussweite der Pistolen war zudem sehr gering. Um die Feuerwirkung zu optimieren benutzte man das taktische Manöver der "Caracole" (Schnecke). Damit versuchte man vor allem gegen die die geschlossenen Pikenier-Formationen vor einem direkten Angriff zu schwächen. "Bei einer Caracolla ritt die Kavallerie in mehreren Reihen hintereinander auf die gegnerischen Linien zu. Die einzelnen Reihen feuerten jeweils ihre Salven mit ihren Radschlosswaffen auf die Gegner und kehrten danach sofort um (Kürassiere konnten mit ihren beiden Pistolen zweimal feuern, Bandelierreiter mit ihren Arkebusen einmal, aber auf größere Entfernung). War der Gegner ausreichend geschwächt, ging die Kavallerie in geschlossener Formation und mit gezogenem Degen gegen die sich auflösenden gegnerischen Reihen vor" (Wikipedia).
Beim Kampf zwischen den immer noch vorhandenen Lanzenreitern und Kürissern waren letztere im Vorteil, da im Nahkampf die schwere Lanze hinderlich war. Der in der niederländischen Tradition stehende schwedische König Gustav Adolf favorisierte aber den direkten Angriff mit der blanken Waffe im Galopp. Dafür wurde die Kavallerie nur noch drei Glieder aufgestellt. Die Niederländer behielten das erwähnte Korakolieren noch bei, aber die Kaiserlichen (unter Wallenstein) übernahmen die schwedische Art und Weise des Einsatzes Kavallerie. Nunmehr wurde maximal noch eine Salve kurz vor der unmittelbaren Konfrontation abgefeuert. Insoweit war damit eine moderne Schlachtenkavallerie geschaffen worden.
Feuerwaffen. Ausbau der Artillerie. Einsatz.
Text.
Der Eintritt der Schweden in den Dreißigjährigen Krieg.
Zu den bedeutendsten historischen Gestalten im Dreißigjährigen Krieg gehört zweifellos der schwedische König Gustav II. Adolf (1594 – 1632). Nach Felix Berner wurde dieser gleichermaßen als der verheißende Retter, als „Löwe von Mitternacht“ bejubelt, wie andererseits geschmäht als beutegieriger Abenteurer“. Der Eintritt der Schweden in diesen „Glaubenskrieg“ schlug ein neues Kapitel auf. In den Jahren 1621 – 26 eroberten schwedische Truppen Livland. Innerhalb kurzer Zeit wurde Riga eingenommen. Ab 1623 bereitete Schweden die Invasion Polens vor. Ab 1626 erfolgte die Eroberung des polnischen Preußens. Am 06.07.1626 landete Gustav II. Adolf bei Pillau. Bis 1630 eroberten die Schweden einen Brückenkopf in Deutschland und stießen ab 1631 wurde nach Mitteldeutschland vorgestoßen. Nach der Stürmung und Plünderung Magdeburgs (20.05.) durch die Kaiserlichen besiegten die verbündeten Schweden und Sachsen in der Schlacht von Breitenfeld die Armee der katholischen Liga unter dem Oberbefehl von Tilly (Johann T’Serclaes von Tilly (auch Johannes T’Serclaes von Tilly bzw. Jean T’Serclaes von Tilly, niederländisch Johan t’Serclaes van Tilly; * Februar 1559 auf Schloss Tilly im Herzogtum Brabant; † 30. April 1632 in Ingolstadt).Im Folgejahr stießen die Schweden nach Süden von Deutschland vor. Es folgte ein weiterer Sieg der Schweden in der Schlacht bei Rain am Lech vom 14./15.04.l1632 . Hier wurde Graf von Tilly tödlich verwundet. Augsburg und München wurden eingenommen. Allerdings scheiterte ein schwedischer Angriff auf das Lager von Wallenstein bei Nürnberg. In der Schlacht von Lützen - südwestlich von Leipzig - am 06.11.1634, einer der Hauptschlachten des Dreißigjährigen Krieges, errangen die Schweden einen verlustreichen Sieg. Allerdings fiel in dieser blutigen Konfrontation Gustav Adolfs II., ebenso der kaiserliche General Pappenheim. Dies schockte die Schweden und sie gerieten in die Defensive.
Anmerkungen zur Struktur Bekleidung und Ausrüstung der schwedischen Armee.
Text.
Söldner aus anderen Ländern.
Im Dreißigjährigen Krieg trafen auf dem Kriegsschauplatz unterschiedlichste internationale Truppen aufeinander, z. B. auch schottische Einheiten.
Zu den frühesten schottischen Regimentern gehörte das Mackay-Regiment. Es wurde 1626 gegründet und diente bis zum Ende des Dreißigjährigen Krieg auf dem europäischen Kontinent, zunächst unter dem schwedischen König Gustav Adolf.
In der grünen Brigade dienten drei weitere schottische Regimenter. Später diente das zuvor genannte Regiment unter dem dänischen König.
Bekleidet sind die gezeigten Soldaten mit der typischen schottischen Tracht. Sie tragen - neben der Schottenmütze - den Kilt bzw. die Pluderhose in einem bestimmten karrierten Wollstoff (Tartan). Es handelte sich um einen Stoff, der aus horizontalen und vertikalen Streifen in verschiedenen Farben auf einem bunten Hintergrund bestand.
Der rechte Soldat zeigt dazu einen Umhang aus eben diesem Stoff. Dieser trägt auch vorn die typische Geldbörse aus Leder.
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