Eine kleine Geschichte der Uniform - 4. Teil - Die Entwicklung der Uniform vom 17. zum 18. Jahrhundert.
Zur Einführung der Uniformierung und zur Wahl der Grundfarben in einzelnen Staaten.
Frankreich
Unter der Regentschaft Ludwigs XIV wurde schließlich in Frankreich eine gleichmäßige Uniformierung eingeführt, vereinzelt schon 1670, aber 1674 für das ganze Heer mit Ausnahme der Kavallerie.
Eingeführt wurden Uniformen - auch aus Kostengründen - aus (ungefärbter) grauer Naturwolle.
Österreich
Bis etwa 1708 durften in Österreich die Regimentsinhaber die Uniformen ihrer jeweiligen Einheit selbst bestimmen.
Ab diesem Zeitraum verwendete man dann für die Infanterie - als Einheitsfarbe - hellgraue Naturwolle.
Die zunächst (hell-)graue Grundfarbe der Uniformen entwickelte sich allmählich zum Weiß.
Interessanterweise montierten insbesondere katholische Staaten wie Frankreich, Österreich, Spanien (ab 1710), aber auch Sachsen, ihre Truppen in weiße Uniformen, während (wohlhabende) Staaten mit relativ kleinen Armeen die kostspielige) rote (= Krappfärberei) Grundfarbe bevorzugten, z. B. Großbritannien, Hannover und Dänemark. Dies galt auch für das frühe Militär der Hansestädte, die neben Söldnern vor allem auch eine Brügerwehr unterhielten. (Protestantische) Staaten - wie z. B. Schweden (ab 1690 allgemein) und Brandenburg Preußen (Leibgarde bereits ab 1632, ab 1685 allgemein) kleideten ihre Soldaten vor allem in (dunkel-)blaue (= Indigofärberei) Röcke. Mitunter beeinflussten auch heraldische Motive die Farbwahl, z.B. in Hessen. Dort war z. B. die Leibwache des Landgrafen in den hessischen Wappenfarben: Silber, Blau und Rot gekleidet
England
Das Parlamentsheer unter Oliver Cromwell trat im Englischen Bürgerkrieg in einer noch dem zivilen Schnitt folgenden Kleidung auf, aber einheitlich in scharlachroter Farbe.
Auch die vom späteren König Karl II. von England im Jahre 1656 im niederländischen Exil gegründete Garde zu Fuß trug rote Unterkleider einschließlich roter Strümpfe, dazu wurde eine Sturmhaube und ein Lederkoller getragen.
Die im Jahre 1660 gegründete Leibgarde zu Pferde trug einen roten Tuchmantel mit kurzen Ärmeln und blauen - betressten - Ärmelaufschlägen. über einem Lederkoller.
Die rote Farbe blieb charakteristisch für die englische Armee.
Um 1680 sind schon Litzen und Rabatten festzustellen.
Die Grenadiermütze mit einem kurzen Beutel erhielt schon ab 1700 eine festere Form (siehe die obige Abbildung).
Schweden
Laut Knötel wurde in Schweden eine allgemeine Uniformierung unter Karl Gustav X * 08.11.1622 in Nyköping; † 13.02.1660 in Göteborg) eingeführt.
Die unterschiedlichen Farben der Röcke bzw. Jacken und der Hosen richteten sich zunächst nach den Wappen der verschiedenen Landschaften.
Ab 1690 wurde eine blaue Einheitsuniform eingeführt. Verschiedenfarbige Hosen und Strümpfe dienten als Regimentsabzeichen.
Gelbe Rabatten hatte nur die Leibgarde z. F.
Die Farben blau und gelb waren dem schwedischen Wappen entnommen und wurden für die Uniformierung schwedischer Truppen bestimmend.
Die Westen waren aus Leder.
Offiziere trugen lange im Felde eine graue Uniform.
Die blaue Montierung der Dragoner und Artillerie hatte (unter König Karl XII. (* 27.06.1682. in Stockholm; † 11.12.1718. bei Fredrikshald) keine andersfarbigen Abzeichen.
Dänemark
Eine Uniformierung der dänischen Armee wurde schon unter König Christian IV. (* 12.04.1577 auf Schloss Frederiksborg; † 28.02.1648 auf Schloss Rosenborg, Kopenhagen, von 1588 bis 1648 König von Dänemark und Norwegen) versucht, aber erst nach dem Schonischen krieg (1675 - 79) wirklich umgesetzt.
Die oben dargestellte dänischen Grenadiere tragen eine Grenadiermütze mit Schild, welche sich aus der Lagermütze entwickelt hatte. Es handelt sich um eine frühe Form der später im 18. Jahrhundert üblichen spitzen Grenadiermütze.
Der rote Rock hatte einen reichen Litzenbesatz.
Niederlande
Für die Niederlande gilt 1680 als das Jahr der Einführung der Uniform, und zwar in der Farbe Eisengrau für die Infanterie und in der Farbe Blau für die Garde.
Rußland
Das russische Heer zählte zählte schon unter den Vorgängern von Peter dem Großen (09.06.1672 - 08.02.1725, Regierungsantritt: 1689) etwa 370000 Mann und bestand aus Truppen nach der traditionellen russischen Art (113000 Mann), Truppen ausländischer Art (90000 Mann). Kosacken und ander irreguläre Reiter (160000 Mann) und Artillerie (3400 Mann).
Die hier gezeigten traditionell gekleideteten Strelitzen (Bogenschützen) gehörten einem erblichen Militärstand an und hatten innenpolitisch eine große Bedeutung.
Nach dem großen Strelitzenaufstand im Jahre 1698 wurden die Strelitzen grausam bestraft und die entsprechenden Regimenter aufgelöst.
Peter der Große verordnete seinem riesigen und rückständigen Reich eine Modernisierung nach europäischem Vorbild. Dies betraf auch und vor allem das russische Heer, und zwar neben der inneren Gliederung auch Muster und Schnitt der Uniformierung sowie die Bewaffnung.
Ab 1720 montierte Rußland dunkelgrün.
Zur neuen Uniformierung schreibt Fuchs (Theodor Fuchs, Geschichte des europäischen Kriegswesens. Teil II: Von der Aufstellung der ersten stehenden Heere bis zum Aufkommen der modernen Volksheere, München 1974, S. 158) das Nachfolgende:
"Die Uniformfarbe der Röcke hing zunächst von den Regimentskommandanten ab. So trug zum Beispiel das Preobratschenski-Regiment dunkelgrün, was später zur allgemeinen Farbe der Russen werden sollte. Alle Regimenter hatten ab er dunkelgrüne, zuweilen auch rote Beinkleider und Kamisole, sowie dunkelgrüne Strümpfe. Die Form der Röcke entsprach derjenigen in den deutschen Regimentern. Das traf zum Teil auch für die Hüte zu. Der andere Teil trug runde, leicht zugespritzte Mützen mit einer vorn angenähten, meist aufwärts gekehrten Spitze und einer an den Rand genähten Klappe, die bei Kälte heruntergeschlagen wurde. Im Winter trug man dazu einen roten Mantel mit kleinem Kragen. Die Uniform der Offiziere entsprach der der Gemeinen. Nur war sie an allen Nähten mit Goldtressen besetzt. Die gleiche Verzierung besass der Hut, der außerdem mit kleinen weißen und roten Federn an den oberen Rändern geschmückt war. Die Schärpe war rot, grün und weiß. Wie bei den Offizieren im übrigen Europa gehörten Ringkragen, Degen und Spontan zu den allgemeinen Offizierabzeichen".
Brandenburg-Preußen.
Die Anfänge der Uniformierung der preußischen Armee gehen bis in die Zeit des Kurfürsten Georg Wilhelm zurück, so soll die Leibgarde des Kurfürsten (1000 Mann Fußvolk und 150 Reiter) im Jahre 1632 dunkelblau gekleidet gewesen sein. Erst seit 1670 trat der Uniform in Preußen im größeren Maßstabe auf.
Im Jahre 1685 befahl der Große Kurfürst, daß „einem jedweden Regimente eine gewisse Couleur von Fähnleins und Kleidern“ gegeben werden sollte. Mit einigen Ausnahmen war die Infanterie zu diesem Zeitpunkt bereits dunkelblau uniformiert. Dennoch waren die Infanterie-Regimenter unter dem Großen Kurfürsten oft sehr verschieden gekleidet, unter Friedrich I. ist hingegen eine deutliche Tendenz zu den Farben Blau und Rot festzustellen.
Eine umfassende und auch das letzte Detail berücksichtigende Regelung erfuhr das Gebiet der militärischen Bekleidung aber erst in der Regierungszeit Friedrich Wilhelms I..
Andere deutsche Staaten
Die anderen Staaten orientierten sich (vor allem im Heiligen Römischen Reich deutscher Nation) je nach politischer Ausrichtung - an Frankreich bzw. Österreich oder an Preußen.
Bayern
Die Uniformen in Bayern (ab 1670) waren zuerst überwiegend blau und erhielten später dann die für bayerische Truppen charakteristische hellblaue Farbe.
Hessen
Bei der hessischen Uniformgeschichte sind die Landgrafschaften Hessen-Darmstadt (später Großherzogtum) und Hessen-Kassel (Kurfürstentum/ Kurhessen) zu unterscheiden.
Vor 1700 gab es in Hessen-Darmstadt an militärischen Truppen einen Landesausschuss, die später zu Feldtruppen wurden.
Für die frühe Zeit werden blaue Röcke berichtet, z. B. für die Landmiliz, später werden blaue (wie z. B. das oben gezeigte Infanterie-Regiment von Schrautenbach und das Kreis-Regiment) und weiße z. B. die Bataillone Düring, Dallwig und Lehrbach) Röcke üblich. Das Leibgrenadierkorps trug in der Zeit von 1739 bis 1768 weiße Röcke.
Sachsen
Um 1683 finden sich beim Leib-Regiment rote und bei der übrigen Infanaterie graue Uniformröcke. Das Futter derselben war unterschiedlich.
Seit 1695 war in Sachsen die Infanterie und die berittenen Truppen rot uniformiert. Knötel bezeichnet die rote Farbe für die kursächsische Infanterie in dieser frühen Phase als ziemlich allgemein.
Zu diesem Zeitpunkt wurde nicht mehr zwischen Musketieren und Pikenieren unterschieden.
1701 gab es 21 Infanterie-Regimenter. Deren Röcke hatten keine Rabatten und eine Reihe Knöpfe (ab 1742 zwei Reihen Knöpfe, keine Rabatten mehr), so dass diese vorn herunter ganz zugeknöpft werden konnten.
Noch 1730 trägt die Infanterie rote Röcke mit andersfarbigen Rabatten, Schoßumschlägen, Ärmelaufschlägen und Westen. Die Beibekleidung war lederfarben, die Strümpfe weiß.
Die Grenadiermützen waren mit einem roten Vorderschild mit Messingbeschlag und einem farbigen Beutel ausgestattet.
Später wurden weiße Uniformröcke üblich. 1754 hatte nur noch die Leibgrenadier-Garde rote Uniformröcke, die restlichen (12) Infanterie-Regimenter weiße und die (4) Kreis-Regimenter lichtgraue Uniformen.
Württemberg
In der frühen Uniformierung württembergischer Truppen finden sich Röcke in weiß, hellblau oder gelb.
Ab 1734 waren bei der Infanterie weiße Röcke vorherrschend mit unterschiedlichen Abzeichenfarben. Drei der 5 Regimenter hatten rote Rabatten. Die Ärmelaufschläge waren rot oder blau, ebenso die Westen. Die Knöpfe waren weiß oder gelb. Das Leib-Regiment und das Kreis-Regiment hatten rote bzw. blaue Litzen.
Ab 1745 trug die gesamte württembergische Infanterie gelbe Röcke, nicht aber das Kreis-Regiment. Im Jahre 1752 wurden blaue Röcke eingeführt.