Militärische Kopfbedeckungen im Wandel der Zeit -1. Teil - Vom Altertum zum Mittelalter - mit Zeichnungen des Verfassers

Der Beitrag wird laufend ergänzt bzw. vervollständigt. Nachfolgend wird - in mehreren Teilen - vordergründig die Geschichte der militärischen Kopfbedeckungen aufgezeigt und damit gleichzeitig in einer Art Überblick auch die Geschichte des Soldaten von der Antike bis in die Neuzeit dargestellt. Der Beitrag wird zurzeit aufgeteilt.

Die Ägypter.

Schon im dritten Jahrtausend v. Chr. gab es im Niltal ein Großreich der Pharaonen, dessen Kultur schon damals einen hohen Stand erreicht hatte. Laut A. v. Pawlikowski-Cholewa (Die Heere des Morgenlandes, Berlin 1940, S 141) war Ägypten (während seiner überwiegenden Zeit) kein Militärstaat, sondern ein Bauernstaat mit uralter Kultur.

Da aber die Fruchtbarkeit des Flusstales viele andere Völkerschaften anlockte, musste Ägypten seit den ältesten Zeiten Krieg führen So kannte schon das alte Ägypten ein wohl organisiertes Heerwesen.

Zur Zeit des Ramses II (1324 - 1258 v. Chr.) wurde das Heer in 5 Korps zu 10000 Mann eingeteilt, die nach Göttern benannt waren (Amon, Re, Ptah, Phra und Seth). Die Korps waren weiter in jeweils 2 Abteilungen untergliedert. Zu jeder dieser Abteilungen gehörten auch Kampfwagen (50) und Troßwagen (6). Die Aufstellung erfolgte in dichten Formationen mit ewta 100 Mann Breite. Die Feldzeichen zeigten Bilder (Löwe, Stier, Pferd, Schiff usw.).

Ägyptische Krieger. Nach Saxtorph/ Bramsen (Kriegstrachten in Farben).

Ägypten besaß ein einfach gerüstetes Heer, dass in der Regel aus Fußvolk und leichten Streitwagen bestand.

Der Streitwagen war die Schlacht entscheidende Waffe, er war es, der im Grunde die Existenz des ägyptischen Reiches sicherte. Der Kampfwagen war eine leichte und bewegliche Plattform, von der aus die feindlichen Truppen beschossen wurden. Dessen Einsatz erforderte aber ein geeignetes Gelände, nämlich flache und möglichst baumlose Flächen. Die Laufbahn des Wagenkämpfers war geachtet, er war dem wichtigen "Schreiber" sozial gleichgestellt.

Das Gros des Heeres waren Söldnertruppen, wie z. B. Nubier oder andere Völkerschaften. In der ältesten Zeit war der Heeresdienstt noch Fondienst. Die als Soldaten Ausgehobenen fungierten auch als Arbeiter.

Die Bewaffnung des ägyptischen Kriegers bestand in der Hauptsache aus verschiedenartigen Bögen und Speeren (Lanzen), seltener war das Schwert in Gebrauch.

Der ägyptische Bogen war zunächst der einfache afrikanische Stab, später war er entweder dreieckig oder zurück gebogen und in der Regel aus verschiedenartigen Materialien zusammen gesetzt und bestand vor allem aus Holz, Sehnen, Leim und Tierhaut. Die Schussweite betrug etwa 300 - 400 Meter. Die Pfeilspitzen bestanden zumeist aus Feuerstein. Die ägyptischen Bogenschützen hatten einen guten Ruf.

Die ersten Schwerter waren einem Dolch ähnlich, kurz und gerade und zweischneidig. Erst später traten die Sichelschwerter auf. Es entwickelten sich verschiedene Formen von Schwertern: das Kurzschwert mit etwa 45 cm Länge, das Langschwert mit eine Länge von etwa 72 cm und das bereits erwähnte Sichelschwert.

Die Lanzenkonnten nur 1,30 - 1,50 m oder sogar bis 3 m lang sein. Auch die kurze Lanze wurde nicht als Wurflanze benutzt.

Nebenbei dienten Keulen und Äxte als Bewaffnung. Es handelte sich um einen 1 - 1 1/4 m langen Stab, wohl aus scherem Ebenholz.

"Die Kriegsbeile waren zuerst nur rechteckige oder halbrunde gegossene Scheiben von Kupfer, deren Schneide durch Hämmern geschärft und gehärtet war. Der Rücken des Beiles war in einem Knüppel eingelassen und durch Löcher oder über Verlängerungen des Rückens mit Lederriemen festgebunden (A. v. Pawlikowski-Cholewa , a.a., S. 143).

Der Soldat selbst trug eine dem Klima angepasste Kleidung, das leichte Fußvolk meist nur einen Lendenschurz.

Bei den Offizieren und Pharaonen finden wir schon Panzer aus Nilpferdhaut mit Metallschuppen. Die Schwerbewaffneten trugen einen Brustpanzer aus Krokodilhaut.

Mittig: Feldzeichenträger. Waffen und Schild. Nach Funcken.

Der Soldat schützte sich zusätzlich mit einem Holzschild, dessen Kanten Metall beschlagen waren. Die Form des Schildes war rechteckig, es gab aber auch runde und ovale Schilder. Laut A. v. Pawlikowski-Cholewa (a.a.O. S. 146) nur die schwere Infanterie (Lanzen- und Beilträger) einen Schild.

Zu den Abwehrwaffen gehören Helm, Panzer und Beinschienen, in Vorderasien waren diese Stücke nicht so verbreitet, allerdings gehörten regelmäßig die bereits erwähnten Schilde zur Ausrüstung des Soldaten. Im Neuen Reich wurde neben dem Schuppenpanzer ein Streifen- und Schienen-Panzer eingeführt. "Der erstere bestand aus Streifen von starkem Leder, die reihenweise mit weißen, gelben, blauen, roten und grünen Schuppen besetzt waren und um den Leib waagerecht über die Schultern aber schräg liefen. Der Schienenpanzer bestand abwechselnd aus Lederstreifen und Metallschienen" (A. v. Pawlikowski-Cholewa, a.a.O., S. 146).

Im ägyptischen Heer waren Helme aus Metall nicht verbreitet, sondern hier wurden einfache, nach hinten gezogene Kappen getragen, die hethitischen Ursprung waren. Sie waren aus Leder gefertigt und gehörten zur Standardausrüstung des ägyptischen Soldaten.

Es gab staatliche Zeughäuser und "eine ausgedehnte Industrie von Wagenbauern, Lederarbeitern, Bogenmachern, Schwert- und Lanzen-Schmieden, Panzer- und Helm-Fabriken usw. mit Zivilarbeitern" (A. v. Pawlikowski-Cholewa, a. a. O., S. 146).

Bekannt war auch schon eine Militärmusik, ausgestattet mit Trompeten, Flöten, Trommeln, Zimbeln usw. (Niels M. Saxtorph, Kriegstrachten in Farben. Von den Anfängen der Geschichte bis zum 17. Jahrhundert, Berlin 1971, S. 149).

Die Sumerer

Die Sumerer waren eine alte, aber nicht die älteste Bevölkerungsschicht in Mesopotamien. Sie gelten als die Schöpfer einer der frühesten Hochkulturen. Um 1800 v. Chr. gehen sie auf in den Akkadern.

Bildlich belegt sind Darstellungen des mit Lanzen und mit Beilen bewaffneten Fußvolkes der Sumerer, ausgestattet mit Stoffumhängen und Kappen mit Kinnriemen.

Sumerische Krieger. Nach Saxtorph/ Bramsen (Kriegstrachten in Farben).

Der dargestellte Offizier trägt ausnahmsweise einen Metallhelm.

Panzer wurden im Übrigen wohl nicht verwendet, aber zum Schutz z. B. gegen Pfeile wurden Schaffelle getragen. Dazu trug das schwer bewaffnete Fußvolk mit Eisen beschlagene rechteckige große Schilde.

Zum Einsatz kamen in der Schlacht schwere - von Eseln gezogene - Streitwagen.

Die Hethiter.

Bei den Hethitern handelt es sich um ein kleinasiatisches Volk, welches im 2. Jahrtausend v. Chr. zu politischen Einfluss und zur militärischen Stärke kam.

Sie lebten in der heutigen nördlichen Zentraltürkei und hatten ihren Ursprung in indogermanischen nomadischen Stämmen, welche um 2300 v. Chr. aus dem Gebiet der unteren Donau nach West- und Südanatolien einwanderten. Ihr Zentrum war die Stadt Kussar (Ḫattuša).

Von hier aus gründeten sie um 1700 v. Chr. ihr erstes Reich. Dazu gehörten auch eine Reihe von Vasallen- und Nachbarstaaten.

Hethitische Krieger. Nach Saxtorph/ Bramsen (Kriegstrachten in Farben).

Ägypten, Babylon und Assyrien betrachteten die Hethiter als Rivalen, es gab diplomatische Kontakte und kriegerische Auseinandersetzungen.

Zu den bedeutendsten militärischen Auseinandersetzungen der Antike gehört die Schlacht von Kadesch zwischen dem ägyptischen und dem hethitischen Reich. Sie fand im Jahre 1274 v. Chr. (1292/ 1285 v. Chr.) statt. Es handelte sich um die erste oder um eine der ersten belegten größeren Kampfhandlungen der Antike.

Das ägyptische Heer wurde vom Pharao Ramses II. Melamoun aus der XIX. Dynastie angeführt. Zu diesem Zeitpunkt hatte das ägyptische Heerwesen einen hohen Stand erreicht. Man hatte die Hyksos vertrieben. Nun drohte die Auseinandersetzung mit dem Hethiterreich um die ausgebaute Festung und Kultstätte Kadesch. Den Kern des ägyptischen Heeres bildeten Bogenschützen, Schleuderer, Speer- und Schwertträger. Ein beträchtlicher Teil waren nubische Söldner. Dazu kamen die Streitwagen, die für die notwendige Beweglichkeit des Heeres sorgten und mit Bogenschützen besetzt waren.

Das hethitische Fußvolk schätzt man auf 20000 Mann, die sich aus Aufgeboten von 12 Stammesverbänden zusammen setzten. Aber auch die Hethiter verfügten über 2500 Streitwagen. Deren Besatzung bestand seit 1400 v. Chr. aus jeweils drei Mann (Fahrer, Speer- und Schildträger). Das gegnerische Heer wurde von dem Hethiterkönig Muwatalli angeführt.

Aufgrund verschiedener taktischer Fehler besiegten die Ägypter die Hethiter, allerdings reichte der Sieg nicht aus, die Hethiter aus Syrien zu vertreiben. 17 Jahre nach der Schlacht von Kadesch wurde ein Friedensvertrag geschlossen (Markov/ Helmert/ Schlachten der Weltgeschichte, 28).

Im frühen 12. Jahrhundert ging das hethitische Großreichs unter. Die näheren Gründe sind nicht bekannt.

Die Hethiter waren in der Lage Eisen zu verarbeiten und konnten deshalb Eisenwaffen herstellen. Sie waren gute Speerkämpfer. Dies galt auch für die Krieger auf den Streitwagen. Benutzt wurden auch Sichelschwert und Dolch. Es finden sich auch Darstellungen rundschneidiger Streitäxte und von Schildern, die wie eine Acht geformt waren.

Zur Bekleidung der Hethiter ist bei Ortwin Gamber (Waffe und Rüstung Eurasiens. Frühzeit und Antike, S. 121) das Nachfolgende zu lesen: "Selbstdarstellungen der künstlerisch nicht sehr begabten Hethiter sind unvergleichlich seltener als jene der Ägypter. Die weibliche Tracht scheint aus Hemd, langem Rock, Mantel und zylindrischer Kopfbedeckung bestanden zu haben. Die Männer trugen runde Mützen, kurzärmelige Hemden, gegürtete Lendenschurze und vorne aufgebogene Sandalen. Götter und Fürsten werden durch hohe Zipfelmützen ausgezeichnet, wie sie den Indoeuropäern offenbar eigen gewesen sind. Die hethitischen Zipfelmützen waren völlig steif. Sie setzten sich aus Stirnreif, Vertikalstreben und einer kleinen Abschlußplatte zusammen. Bisweilen sieht es auf den Darstellungen so aus, als ob zwischen den Streben eine Stofffüllung hervorquellen würde".

Die oben dargestellten Helme sind Kopfbedeckungen von Fürsten oder Leib- oder Tempelwächtern, also nicht bei den sonstigen hethischen Kriegern üblich.

Die Assyrer.

Die Assyrer waren die stärkste Militärmacht der Eisenzeit. Sie besiedelten den nördlichen Teil Mesopotamiens und stammten wahrscheinlich aus der zweiten semitischen Wanderung (2500 v. Chr.). Im 2. Jahrtausend v. Chr. war Assyrien noch isoliert.

Bis zum 13. Jahrhundert v. Chr. wuchs die Macht der Assyrer nur langsam, aber mit dem Untergang der Machtfülle der Hethiter und der Ägypter nahm die Machtstellung Assyriens zu. Zahlreiche Kriege festigten das langsam entstehende assyrische Reich, dessen Ausgangspunkt die Stadt Assur am mittleren Lauf des Tigris war.

Assyrische Krieger. Nach Saxtorph/ Bramsen (Kriegstrachten in Farben).

Mehr als sechshundert Jahre überzogen die Assyrer den ganzen Mittleren Osten mit Krieg. Systematisch erweiterten sie durch Eroberungszüge ihren Herrschaftsbereich und erst die Eroberung der Hauptstadt Ninive im Jahre 612 v. Chr. durch Skythen, Meder und Babylonier beendete die Geschichte dieses bedeutenden Kriegervolkes.

Assyrische Krieger. Nach Saxtorph/ Bramsen (Kriegstrachten in Farben).

Die Assyrer verfügten über die am Besten ausgestattete Armee des Alten Orients. Neben den Spartanern und den Römern gelten die Assyrer als das wohl bedeutendste Kriegervolk des Altertums.

Der Kern des Heeres war schwer bewaffnete Streitwagen, die bildeten das Rückgrat der assyrischen Armee und waren eine gefürchtete Waffe. In offener Feldschlacht fiel ihnen die Hauptaufgabe zu. Sie griffen aus allen Richtungen an und zersprengten die feindliche Formation, während andere Verbände folgten und das Schlachtfeld "säuberten". Nebenbei dienten die Streitwagen der Verfolgung des fliehenden Feindes und zum Truppentransport.

Die Assyrer verwendeten als erste Kavallerie. Kurz vor 1000 v. Chr. eingeführt. Sie bestand aus gepanzerten Bogenschützen und Speerträgern. Die Kavalleristen kämpften stets paarweise, der eine Soldat schoss mit dem Bogen, während der andere Soldat die Pferde hielt. Die Speerträger verwendeten die Lanze in der Regel nicht als Wurfspeer, sondern als Waffe im Nahkampf. Im Laufe der Zeit nahm die assyrische Reiterei an Bedeutung zu und nahm den Streitwagen bald die Rolle als Stoßwaffe ab. Unter dem assyrischen Herrscher Sargon erscheinen Kavallerieeinheiten mit jeweils 1000 Reiter.

Assyrischer Krieger mit einer Steinschleuder.

Die Infanterie bestand aus Lanzenträgern, Bogenschützen und Steinschleuderer.

Die Lanzenträger trugen schwere Rüstungen und Helme. Sie führten als Stoßtruppe den Kampf Mann gegen Mann und wurden auch beim Angriff auf Festungen eingesetzt.

Assyrischer Bogenschütze.

Die Masse assyrischer Infanterie bestand aus Bogenschützen, die zunächst lange gepanzerte Umhänge trugen. Der große, kräftige Bogen war typisch für die assyrische Armee. Die Bogenschützen waren mit einem sehr guten - zusammen gesetzten - Bogen ausgerüstet. Im 8. Jahrhundert v. Chr. führte man einen neuen Bogen mit zurück gebogenen Spitzen ein, den man leichter spannen konnte. Es existierten auch leichte Einheiten, die aus Bogenschützen bestanden.

Tiglatpilesar III. führte neben der Steinschleuder, die sich besonders bei Angriffen gegen Steilhänge und Festungsmauern bewährte, auch den mannshohen, oben gebogenen Schild ein. Im Übrigen waren die assyrischen Schilde von unterschiedlicher Form und Größe. In der Regel bestanden sie aus Holz und waren mit Metallbeschlägen versehen. Fürsten und Offiziere wurden im Kampf von Schildträgern gedeckt. Helme kamen in verschiedensten Formen vor und waren aus Eisen oder Bronze gefertigt. Fast alle assyrischen Krieger trugen auf der linken Seite ein Kurzschwert, welches durchgehend auf der Scheide mit einer "Lilie" verziert war. Die aufgefundenen Reliefs zeigen einen überwiegenden Gebrauch von Panzerhemden. Sie kamen als Ring-, Ketten- und Schuppenpanzer vor und waren ein Zeugnis einer hoch entwickelten Schmiedekunst. Die Kavalleriepferde schützte man durch Filz- oder Wolldecken, die mit Metall- oder Lederauflagen verstärkt waren.

Assyrische Helmtypen.

Helmut Nickel (Ullstein Waffenbuch 1974, S. 67) beschreibt die assyrischen Helmtypen wie folgt: "Zum Beginn des 1. Jahrtausend v. Chr. treten uns die Krieger Assyriens auf den Reliefs der Königspaläste von Assur, Nimrud und Ninive. wohlbewaffnet im Lamellenpanzer und bronzenen Kegelhelm entgegen. Die Helme sind bei leicht geschweiftem Umriss scharf zugespitzt und haben entweder einen vom glatten Unterrand bis auf die Schultern herunterhängenden Panzerschutz aus Lamellenstreifen oder mit der Helmglocke in einem Stück gearbeitetete Wangenklappen. Bei vielen ist ein halbkreisförmiges Stirnschild sichtbar, das vielleicht dekorativ aus der Helmglocke getrieben ist; haben auch eine flach anliegende turbanartige Stoffumwicklung., die vielleicht verschiedenfarbig war und zur Unterscheidung von Truppenteilen gedient haben mag. Ganz ähnliche Helme sind als Weihegaben der Großkönige Urartu meist in Quellgebiet des Euphrat und Tigris gefunden worden - einer davon war aber bis nach Südrussland, wohl von plündernden Skythen, verschleppt worden. Ein solcher Fund ist ein Beweis, wie weiträumig internationale Beziehungen schon in frühgeschichtlicher Zeit waren, und eine Warnung, wie sehr man sich hüten muss, gerade bei einem unter allen Gegebenheiten beachteten und geschätzten Gegenstand wie einer Waffe , vom Fundort auf die Herkunft zu schließen. Unter den assyrischen Kriegerdarstellungen finden sich auch solche mit abweichend geformten Helmen ...".

Bei Hans Bonnet (Die Waffen der Völker des Alten Orients, Leipzig 1926, S. 206 ff.) ist zu den assyrischen Kopfbedeckungen das Nachfolgende zu lesen: "Bei den Assyrern hat der raupengeschmückte Helm erst seit der Zeit Tiglatilesers III. Eingang gefunden. Man folgt dabei ohne Frage dem urartäischen Vorbild, aber man übernimmt es nicht ohne weiteres. Die Form der Helmzier ist doch eine andere. Die Raupe liegt nämlich nicht unmittelbar auf der Helmkappe auf, sondern ist über sie hinaus gehoben, indem sie entweder auf einem Bügel, der sich gleichmäßig nach vorn wie nach hinten neigt , oder auf einer Art Spitze aufsitzt, die kräftig, gelegentlich geradezu halbkreisförmig nach vorn, seltener nach hinten umbiegt. Die Helmkappe selbst ist flach gewölbt und hat meist Ohrenklappen, falls nicht überhaupt der hintere Teil in den Nacken herabgezogen ist. So hat man den urartäischen Helmschmuck der heimischen Helmform angepasst. Denn es ist keine Frage, dass die assyrische Pickelhaube die Erhöhung des Raupenkammes vorbereitet hat. Diese wirkte im übrigen nicht nur gefälliger, sie war auch praktisch von Vorteil, indem der erhöhte Bügel seinerseits ebenfalls Hiebe auffangen und ihre Kraft schwächen konnte".

Die Nubier, Philister, Phönizier.

In dem nachfolgenden Bild sind weitere Krieger des Altertums dargestellt, nämlich Nubier, Philister, Phönizier usw..

Nubien lag im südlichen Niltal. Aus dieser Region bezogen die Ägypter wichtige Rohstoffe, wie Gold, Ebenholz, Elfenbein usw. aber auch Söldner. Nubien handelte mit Ägypten, wurde aber auch zeitweise von dem Reich der Pharaonen beherrscht. Die Söldner aus Nubien wurden zumeist von ägyptischen Offizieren befehligt.

Krieger des Altertums: Nubier, Phönizier, Philister usw. Nach Saxtorph/ Bramsen (Kriegstrachten in Farben).

Die Philister werden zur zweiten Wanderungsbewegung der sogenannten Seevölker gerechnet. Diese wurden von dem ägyptischen Heer unter dem Pharao Ramses III. um 1180 v. Chr. abgewehrt. In der Folge wurden die besiegten Philister als Militärkolonisten in der Nähe der Küste in Palästina angesiedelt und organisierten sich hier unter einem Fürsten. Mit dem Rückgang der ägyptischen Macht erstarkten die Philister und bekämpften die israelitischen Stämme. König Saul starb im Kampf gegen die Philister. Erst seinem Nachfolger, König David, gelang es, sie zu unterwerfen. Nachdem die Philister sich später teilweise politisch erholten, gerieten sie am Ende des 8. Jahrhunderts unter den Einfluss der Assyrer. Später gehörten sie zum neu-babylonischen bzw. persischen und danach zum römischen Reich.

Entlang der östlichen Mittelmeerküste und dem Hinterland bis hin zum Karmel-Gebirge lebten die Phönizier. Phönizien wird in dem Lexikon der Alten Welt (Zürich und Stuttgart 1965, S. 2312) wie folgt beschrieben: "Phönizien hieß die Küstenlandschaft Syriens vom Karmel im Süden bis zum Nahr el-Kelb im Norden, die durch Galiläisches Gebirge, Libanon und Nosairiergebirge vom syrischen Hinterland getrennt ist". Es handelte sich nicht um ein Gesamtreich, sondern es waren verschiedene ethnische Gruppen, die sich in Stadtstaaten organisierten. Die Phönizier werden als die besten Seefahrer des Altertums und hervorragende Techniker (Gerhard Herm) bezeichnet. Sie bauten den See- und Fernhandel mit vielen benachbarten Großreichen und Staaten aus, insbesondere mit Kleinasien, Ägypten, Assyrien, Griechenland und Babylonien, und gründeten viele Handelsniederlassungen, z. B. auch im westlichen Mittelmeer. Die Phönizier gerieten früh in die Auseinandersetzungen zwischen dem hethitischen und ägyptischen Reich und kamen später unter die Herrschaft der Assyrer. 333 v. Chr. wurde Phönizien von Alexander dem Großen erobert, allerdings leistete nur die Stadt Tyros den Griechen bzw. Makedoniern über einen längeren Zeitraum nachhaltigen militärischen Widerstand.

Die Meder.

Die Meder gehörten zu dem Bündnis, welches das assyrische Reich um 609 v. Chr. zu Fall brachte. Sie lebten in der nach ihnen benannten Landschaft im heutigen Iran und ihr Reich wurde zur Grundlage für das spätere Reich der Perser. Hierzu schreibt Veit Valentin (Knaus Weltgeschichte, München - Zürich 65): "Das größte Reich im vorderen Orient ist von dem indoeuropäischen Volke der Perser gegründet worden. In ihm wird alles, was Semiten und Nichtsemiten vorher versucht haben, überwunden und zu einer majestätischen Einheit zusammengefügt. Das persische Hochland, südöstlich vom Ararat bis nach Indien und an den persischen Golf ausgedehnt, war die Heimstätte wandernder Indoeuropäer geworden, die nach der Landschaft den Namen Iranier erhielten; der Stamm der Meder wurde zuerst in der Geschichte Assurs wirksam; die Perser sind ihre nächsten und viel bedeutenderen Verwandten".

Ihre frühe Residenz lag in Pasargadae. Sie ist in 1900 m Höhe auf der Murghab-Ebene im Zagrosgebirge der Persis im heutigen Iran zu verorten. Pasargadae bestand aber vor allem aus einer Burg und verschiedenen Palästen. Charakteristisch für die Meder bzw. Perser war die militärische Einbindung der unterworfenen Völker. Unter der Dynastie unter den Achämeniden entstand ein großes Reich, welches erst unter unter dem Eroberungszug Alexander III. von Makedonien (ab 334 v. Chr. ) unterging. Auch schon vorher hatten die Perser militärische Niederlagen erlitten, so scheiterten Vorstöße in den Sudan oder gegen die Oasen in Libyen.

Krieger des Altertums: Meder und Perser. Nach Saxtorph/ Bramsen (Kriegstrachten in Farben).

Das altpersische Heer bestand aus Reitern und Fußvolk. Letztere benutzte insbesondere die Stoßlanze. Streitwagen wurden zwar eingesetzt, waren aber keine dominierende Waffengattung (mehr).

Die adligen Krieger der Meder und Perser waren aber vor allem leicht ausgerüstete Reiter und benutzten den zusammen gesetzten Bogen. Sie werden regelmäßig mit Hosen dargestellt. Das Äußere der oben dargestellten Leibwachen ist durch Reliefs in der Hauptstadt Persepolis dokumentiert (Saxtorph/ Bramsen, Kriegstrachten, S. 150).

Als eine Eliteeinheit galten die Unsterblichen. So nach Herodot genannt. Laut wikipedia "bezeichnete "Herodot" die Unsterblichen vom militärischen Gesichtspunkt her als schwere Infanterie. Im Frieden dienten sie als Leibgarde des imperialen Hofs und des Königs, unter anderem unter Dareios I. Im Kriegsfall bildeten sie eine Art stehendes Heer. So kämpften Unsterbliche in vielen Kriegen des Perserreiches, zum Beispiel in den Feldzügen Kyros II. 547 v. Chr., denen seines Sohnes Kambyses II. gegen Ägypten (525 v. Chr.) und bei der Invasion Ägyptens und Skythiens unter Dareios I. um 520 und 513 v. Chr. Auch an den Perserkriegen gegen die Griechen ab 480 v. Chr. nahmen sie teil.... Der Terminus „unsterblich“ bezieht sich in diesem Falle weniger auf den einzelnen Mann; obwohl sie eine Eliteeinheit darstellten, waren diese Truppen keineswegs optimal gepanzert, verglichen z. B. mit Hopliten. Es wird viel mehr die Einheit als Ganzes als unsterblich gesehen, da Verluste durch Tod, Verwundung oder Erkrankung der Mitglieder sofort durch Verstärkungen ausgeglichen wurden und so die Stärke konstant 10.000 betrug".

Die Griechen.

Griechenland liegt im südlichen Teil der Balkanhalbinsel, tief eindringende Buchten gliedern das Land in Nord-, Mittel- und Südgriechenland, während unwegsame Gebirge es in viele Landschaften teilen. Bald nach 2000 v. Chr. eroberten bäuliche Krieger auf Landsuche Griechenland und unterwarfen die Urbevölkerung. Die Einwanderer waren Indogermanen. Sie besetzten allmählich das ganze griechische Festland und viele Inseln.

Die militärische Geschichte der Griechen kann in eine frühe und eine klassische Periode sowie in die Zeit ab der Machtergreifung der Makedonen gegen Ende des 4. Jahrhunderts v. Chr. unterteilt werden.

In das erste Kapitel fällt die sagenumwobende Belagerung Trojas in Kleinasien im 13. oder 12. jahrhundert v. Chr..

Das zweite Kaptel wird dominiert durch

die Perserkriege im 5. Jahrhundert mit den Schlachten bei Marathon im Jahr 490 v. Chr. und bei Salamis und Plataiai im Jahr 480/479 v. Chr.

und

durch die Rivalität der verschiedenen Stadtstaaten - insbesondere Athen und Sparta - untereinander, welche im Peloponesischen Krieg von 431 v. Chr. bis 404 v. Chr. gipfelte.

In der letzten Periode unterlagen die griechischen Stadtstaaten dem makedonischen Nachbarstaat unter König Philipp II..

Dessen genialer Sohn Alexander (der Große) besiegte in einem etwa zehn Jahre währenden Feldzug (Frühjahr 334 bis März 324 v. Chr.) den früheren persischen Rivalen Griechenlands um die Macht im Mitterlmeerraum und führte zum Sturz des Achämenidenreiches.

In den Jahrhunderten vor und nach 1000 v. Chr. blühte in Griechenland eine Kultur, die ihren Namen nach der Burg Mykenä auf dem Peloponnes hat. Mykene war in vorklassischer Zeit eine bedeutende befestigte Stadt. Die Ansiedlung lag in der Ebene von Argos bzw. des Flusses Inachos. Die mykenische Kultur hatte enge Beziehungen zu den Kretern, deren Kultur sie weitgehend übernahm.

Kultur und Staatsethos der frühen Griechen war kriegerisch. Die großen Wandfresken der mykenischen Paläste und die figürlich verzierten Vasen aus Edelmetall oder Ton vervorzugten Jagd- und Kampfszenen. Mykene und Tiryns waren die wichtigsten Zentren der mykenischen Kultur.

Die große Völkerbewegung (= Dorische Wanderung), die um die Mitte des 12. Jahrhunderts v. Chr. die gesamte Welt des östlichen Mittelmeeres erschütterte, brachte aber auch die hoch entwickelte mykenische Staatenwelt zum Einsturz.

Im archaischen Griechenland vollzog sich ab dem 4. Jahrhundert eine soziale und wirtschaftliche Umwälzung, das Königtum fand sein Ende, die Macht ging auf den Adel über, der auf dem Streitwagen bzw. zu Pferde kämpfte, und schließlich auf den Bürger, der als schwerbewaffneter Fußsoldat (Hopliten) in dichten Formationen die Schlacht bestritt. Kennzeichnend für die klassische Zeit war die Volksherrschaft (Demokratie), die sich entwickelnden Stadtstaaten hießen Polis und die Bürger waren die Politen. Nur im antiken Sparta gab es in der klassischen und nachklassischen Zeit (bis zum 2. Jahrhundert v. Chr.) ein Doppelkönigtum. Allerdings war z. B. das demokratische Athen zeitweise auch nicht vor einer Alleinherrschaft (Tyrannis) gefeit (z. B. in Athen durch Peisistratos, 561 v. Chr., aber auch in Korinth, Sikyon, in Samos), die einer monarschischen Herrschaftsform gleichkam (Martin Dreher).

"War es in der archaischen Zeit für den freien Mann vom 18. bis 60. Jahre eine ganz selbstverständliche Sache, Krieger zu sein und in Waffen und Kampf zu leben und sterben, so blieb das bei der späteren Staatsform durch das überall gültige Gesetz der allgemeinen Wehrpflicht im Kern bestehen, nur dass damit Kriegsdienst und Heeresfolge durchaus geregelt und in der Form und Art der Beteiligung meist nach Steuerbegriffen abgestuft war. Jedenfalls war das Heerwesen in der Staatsverfassung verankert und gehörte zu ihren allerwichtigsten Bestandteilen.... Dagegen müssen wir auf die grundlegende Änderung dieser Verhältniss im 4. Jahrhundert durch das allmähliche Entstehen des Söldnerwesens hinweisen, denn dadurch wandelte sich das ganze Pflichtverhältnis des Bürgers zum Staat, oder vielmehr ersehen wir aus dieser Veränderung, wie sehr sich das kriegerische Staatsgefühl bereits neu geformt hatte...." (Thassilo v. Scheffer, Die Kultur der Griechen, Stuttgart o. J., S. 169 ff.).

Die Kriegskunst und Ausrüstung nebst Bewaffnung der mykenischen Krieger begegnet uns in den großen Dichtungen (Ilias und Odysee) Homers (ca. 1200 v. Chr.).

In der mykenischen Zeit war das Hauptstück des voll gerüsteteten Kriegers der große, fast mannshohe Schild. Er bestand aus mehreren Lagen aus Rindsleder, die über einen Holzrahmen gespannt waren, und er war außen mit Zierrat und einen Rand aus Metall beschlagen. Zu unterscheiden sind zwei Typen von Schildern in der mykenischen Zeit. Die eine Variante bestand aus zwei Hälften, deren untere Hälfte größer als die obere Hälfte war. Der Schild hatte fast die Form einer Acht und war tief eingebuchtet, so dass sich der Krieger mit den ganzen Körper "hineinlegen" konnte.

Daneben waren rechteckige Schilde in Gebrauch, die im Kampf vor sich auf den Boden gestellt wurden. Diese gewaltigen Stücke, Turmschilde genannt, wurden mit einem Riemen, der über die linke Schulter und den Nacken lief, gehalten und während des Marsches auf den Rücken geworfen.

Da der Schild den ganzen Mann deckte, trug man zu dieser Zeit in der Regel nur einen Rock, welcher oft mit Metallplatten und Beschlägen verstärkt war. Mitunter trugen die Krieger der mykenischen Zeit auch einen Harnisch aus Bronzebändern. Der Unterleib wurde durch mit Metall besetzten Lederbändern geschützt. Das Gewand war kurzärmelig und reichte nur bis zu den Oberschenkeln.

Der Helm bestand aus Leder aus Bronze. Er war mit Metallblättchen, Eberzähnen und einem Helmbusch versehen.

Die weiter unten dargestellten klassischen Helme mit Visier, mit Backenstücken und Nackenschutz kamen erst später in Gebrauch. Innen war die Sturmhaube mit Filz gefüttert.

An den Schienbeinen trug man als Beinschutz zunächst tuchene, dann lederne Gamaschen.

Bis etwa 1000 v. Chr. wurden die Waffen aus Bronze gefertigt.

Als Angriffswaren Speer, Dolch, Beil und seltener das Schwert in Gebrauch. Die wichtigste Waffe war der Speer, zum Stoß und zum Wurf gleichermaßen tauglich.

Überliefert sind auch zweischneidige Äxte.

Das kostbare Schwert war zweischneidig und mehr zum Hieb als zum Stich bestimmt.

Frühe griechische Krieger aus Mykene, u. A. in der sogenannten Dendra-Rüstung. Um 1400 v. Chr. Die linke Figur nach einer Vorlage von Warry. Die mittige Figur nach einer Vorlage von Niels Saxtroph. Die rechte Figur nach einer Vorlage von Gerhard Mönningshoff.

Die Figuren links und rechts tragen die sogenannte Dendra-Rüstung. Diese wurde in einem Dorf (Dendra) in der Nähe der Stadt Mykene gefunden.

Diese wird in einem Beitrag bei wikipedia wie folgt beschrieben: "Die Dendra-Rüstung ist aus Bronze hergestellt. Sie besteht aus einem Brustpanzer, einem Rückenpanzer, sechs Panzerringen, mehrteiligen Schulterpanzern, einem Halsschutz und einem Eberzahnhelm. Der Helm ist aus Leder und mit polierten Eberzähnen belegt. Auf der Oberseite ist eine Befestigung angebracht, die wahrscheinlich für einen Federbusch gedacht war. An den Seiten sind Wangenklappen aus Bronze, der Halsschutz ist rund und liegt auf dem Brustpanzer auf. Er ist mit einem gebogenen Rand versehen und schützt das Gesicht etwa bis zum Kinn des Trägers. Der Brustpanzer besteht ebenfalls aus Bronze und besitzt einen Brust- und einen Rückenteil. Diese Teile konnten wahrscheinlich mit Lederbändern verbunden werden. Unterhalb des Brust- und Rückenpanzers sind sechs Bronzehalbringe, je drei auf der Vorder- und Rückseite, die untereinander beweglich verbunden sind. Der letzte Ring auf der Rückseite ist breiter als der letzte Ring auf der Vorderseite und steht somit nach unten über den Vorderring. Die Schulterpanzer bestehen aus mehreren, beweglich miteinander verbundenen Plattenteilen. Die Mehrteiligkeit sorgte für eine bessere Beweglichkeit der Arme des Trägers. Zu der Rüstung gehörten wahrscheinlich noch Armschienen und Beinschienen. An den Füßen wurden die zu dieser Zeit üblichen Sandalen getragen. Alle Außenränder der Rüstungsteile waren wahrscheinlich mit Leder gepolstert, um den Träger vor den scharfen Kanten zu schützen".

In dem Werk: Die Kriegskunst der Griechen und Römer" von John Warry ist dazu zu lesen: "Diese ungewöhnliche Rüstung wurde in Dendra bei Mykene gefunden. Die Scharniere der Schulterstücke lassen schon auf eine gewisse technische Fertigkeit schließen. Der Helm aus Leder ist mit Eberzähnen belegt. Die Zeichnung zeigt, wie die Rüstung getragen wurde. Ein Fußsoldat war auf jeden Fall recht beengt und benötigte keinen Schild mehr. Vielleicht gehörte sie auch auf einen Streitwagen. In Dendra wurden auch noch Arm-und Beinschienen gefunden, von denen man aber nicht weiß, ob sie zu dieser Rüstung gehörten (S. 12).

Das war die Rüstung der Edlen, die angesichts ihrer überlegenen Ausrüstung die dominierende Rolle aufdem Schlachtfeld der mykenischen Zeit spielten. Die Kämpfer fuhren im Streitwagen auf das Schlachtfeld hinaus, stiegen aus und traten zum Zweikampf an. Das Heer der griechischen Frühzeit zerfiel in die adligen Kämpfer und der ihnen folgenden Masse der leichter bewaffneten Krieger, die mit Bogen, Speer und Schwert ausgerüstet waren.

Die Streitwagen wurden von zwei bis drei Pferden gezogen und boten Platz für den Wagenlenker und den Kämpfer, der zum eigentlichen Kampf vom Wagen sprang. Karel Toman (Der Soldat im Wandel der Zeit) schreibt: "Auf dem Schlachtfeld vor den Toren Trojas wirbelten die kämpfenden Krieger Staubwolken auf. Der Kampf wogte von einem Ort zum anderen. Auf der Suche nach einem ebenbürtigen Gegner jagden die Heroen mit wehendem Helmbusch auf polternden Streitwagen durch das Kriegsgetümmel. Wurfspieße durchbohrten Schilde, und im Notfall wurden auch Feldsteine zu Waffen".

So kämpften die Griechen der homerischen Zeit. Einzele Persönlichkeiten waren tragend in der Schlacht jener Zeit. Durch den gewaltigen Schild arg gehemmt, war es aber ein langsames, unbeholfenes Kämpfen, welches keinen wilden Kampf darstellte, sondern eher ein fast zeremonielles Streiten, das nach Ritterart ausgetragen wurde.

Mit der Zeit veränderte sich der Krieg im frühen Griechenland. Der hohe Turmschild wurde vom handlichen Rundschild abgelöst. Der Übergang vom mykenischen Schild zum Rundschild verlief über mehrere Zwischenstufen, so z. B. den sogenannten Dipylonschild und den sogenannten böotischen Schild.

Der Dipylonschild war dem mykenischen Schild noch sehr ähnlich, aber etwas kleiner.

Der böotische Schild besass noch kleinere Ausschnitte ab den Seiten, die auch an den mykenischen Schild erinnern. Dieser Schild wird aber schon am linken Arm geführt.

Weiterhin ist noch ein kleiner, aus Asien stammender Rundschild bekannt, der in der Mitte einen Bügel besass und von einer Hand gefhrt und gelenkt wurde.

Der hölzerne und mit Blech bezogene Rundschild machte den Krieger viel beweglicher, verlangte aber, da er nicht mehr den ganzen Körper des Kriegers schützte, einen ergänzenden Schutz durch einen Brustpanzer und Beinschienen (Knemides) aus festem Material, zuerst Bronze, dann Eisen. Vereinzelt waren auch Ober- und Unterarmschienen sowie Knöchel-, Oberschenkel- und Fußschutz in Gebrauch.

Ab dem 8. Jahrhundert v. Chr. entwickelte sich die typische Vollrüstung des schwer bewaffneten griechischen Kriegers, des Hopliten als Bürgersoldat. Sein Name leitete sich auch von seinem chrakteristischen schweren Rundschild ab, der Hoplon oder Aspis hieß und einen Durchmesser von 90 cm - 100 cm hatte.

Die Schilde waren bemalt, zunächst individuell, später teilweise einheitlich.

Griechischer Krieger. Nach Saxtorph (Kriegstrachten in Farben) und Jeff Burn (Die Kriegskunst der Griechen und Römer).

H. Droysen beschreibt die Kopfbedeckungen der griechischen Krieger in seinem Werk: Heerwesen und Kriegführung der Griechen (Freiburg 1880, S. 9 ff., hier ohne die Fußnoten zitiert) wie folgt:

"Zur Deckung des Kopfes diente der Helm und der Hut.

In der großen Fülle von Helmen, wie sie durch Abbildungen und Fundstücke bekannt sind, lassen sich drei Grundformen erkennen: der "korinthische", wie ihn die Athene auf korinthischen Münzen trägt, der "attische", mit der Athenekopf auf den attischen Münzen ausnahmslos bedeckt ist, und die eiförmige Haube. Der korinthische Helm bestand aus dem Kopfe, von dem vorne der frei abstehende Nasenflügel herabging, dem längeren oder kürzeren Nackenschutz, den Seitenteilen, die nach vorne bis auf einen Spalt für Nase und Mund, an dem oben die Augenlöcher ansetzten, zusammengingen und so die Backen bedeckten. Außerhalb des Kampfes wurde er auf den Kopf zurückgeschoben, im Kampfe so weit herabgezogen, dass das Gesicht bis an oder unter das Kinn verdeckt war; er war so ein sicheres, wie für den Träger sehr unbequemes Schutzmittel, weshalb man bisweilen die grössere Sicherheit der größeren Bequemlichkeit opferte und die Seitenteile so verkürzte, dass das Untergesicht freigelassen wurde.

Altgriechische Kopfbedeckungen. Nach Saxtorph und Realien.

Der attische Helm hatte den fest am Kopfe ansitzenden Nackenschirm, das Gesicht wurde nur teilweise geschützt, durch die Backenstücke, die entweder am Helmkopf fest und unbeweglich ansassen oder in Gelenken auf- und niedergeschlagen werden konnten. Die Vorderseite des Helmkopfes von Ohr zu Ohr wurde verstärkt durch einen Bügel, der an dessen unterem Rande angebracht entweder frei abstand oder auflag; auf einigen Darstellungen ist derselbe gleichsam heruntergeklappt, so dass er wie ein abstehender Schirm das Gesicht schützt. Nicht nur zum Schmuck sondern vor allem zur Steigerung der Widerstandsfähigkeit diente der Helmbusch und die Art, wie er angebracht war: entwder in einer hohen Röhre befestigt, so dass er "von oben herabnickt", oder auf einem breiten Bügel, der über den Helmkopf wegläuft, fest aufliegend. Der Busch selbst, der hervorragendste Teil des Helmschmuckes, bestand aus verschnittener Mähne des Pferdes, die den Kamm bildete, während hinten der Roßschweif frei herunter hing.

Altgriechische Kopfbedeckungen. Nach Saxtorph und Realien.

Die dritte Helmform war die der eiförmigen Haube mit oder ohne abstehenden Rand, wie sie als Besonderheit der Arkader und Lakonier angeführt wird.

Um den Druck des Helmes auf den Kopf zu vermindern, war derselbe entweder am unteren Rande gefüttert oder es wurde unter ihm eine Filzmütze getragen.

Eine leichtere Kopfbedeckung waren außer rindsledernen mit Metallbeschlag überzogenen Kappen in Helmform, die breitkrämpigen Filzhüte, die in einigen Gegenden Griechenlands zur nationalen Tracht gehörten, der thessalische Hut, die makedonische Kausia und der dieser ähnliche ätolische Hut; als Ausrüstungsstück für den Krieg hatten sie im Kopf noch eine besondere Verstärkung durch eingelegte Metallstreifen".

Griechische Hoplitenhelme und spätere Helmformen. Nach John Warry (Die Kriegskunst der Griechen und Römer).

Der Hoplit hatte als Angriffswaffe eine Stoßlanze (Dory) mit einer stählerner Spitze. Diese Stoßlanze war zunächst etwa 2 m lang, später sogar bis zu 6 m, die sogenannte Sarissa.

Später kamen noch kürzere Wurfspeere dazu.

Die Schwerter waren unterschiedlich, neben einem Kurzschwert (Xiphos) für den Nahkampf wurde auch noch ein schweres Schwert (Kopis) für den Hieb gebräuchlich.

Bekannt sind aber auch kurze, breite Dolche (Parazonion), die zunächst an der linken Seite getragen wurden.

Der Streitwagen hatte an Bedeutung verloren, die Masse der Krieger trug nun das Gefecht. Im Zuge des Aufblühens der Städte und des zunehmenden Wohnstandes konnten sich immer mehr freie Bürger und Bauern eine Vollrüstung leisten. Die Zeit, in der nur der adlige Grundbesitzer das Privileg der weiter oben beschriebenen Vollrüstung hatte, war vorbei. Mit dem Verlust der wirtschaftlichen und sozialen Überlegenheit hatte nicht nur das Zeitalter der heroischen Einzelkämpfe ein Ende gefunden, sondern das bürgerliche bzw. bäuerliche Kollektiv beanspruchte auch die politische Mitsprache, was aber auch das Recht und die Pflicht zur Verteidigung ihres Gemeinwesens nach sich zog. Besitzlose Athener konnten sich eine Ausrüstung auch im staatlichen Zeughaus ausleihen.

Es gab zwar nach wie vor eine Reiterei, die aber zunächst keine große Bedeutung hatte. Thassilo v. Scheffer (a. a.O., S. 170) schreibt dazu: "Seltsam ist, dass die Reiterei und die Zugehörigkeit zu ihr zwar als die edelste und auch kostspieligste Form des Kriegsdienstes galt, praktisch aber ganz an Wirksamkeit und Erfolg zurückstand und in den seltensten Fällen eine ausschlaggebende Rolle spielte".

Eine wirklich bedeutsame leichte (Elaphroi) und schwere Reiterei entstand erst in der makedonischen Zeit unter Alexander dem Großen, die nicht nur die Aufgabe der Aufklärung hatte, sondern auch als echte Schlachtenkavallerie zum Einsatz kam.

Im klassischen Zeitalter kämpfte das schwer bewaffnete Fußvolk in dichten Formationen. Die verschiedenen Stadtstaaten, wie Athen, Sparta, Theben, Korinth, hatten häufig kriegerische Auseinandersetzungen miteinander. Ihre Ausrüstung und ihre Taktik ähnelten einander.

Seit dem 7. Jahrhundert v. Chr. kämpften die griechischen Krieger in der sogenannten Phalanx. Der Name bedeutet "Rundbalken" oder "Walze" und beschreibt gut die Eigenart dieser geschlossenen Formation. Die schwer bewaffneten Hopliten standen acht Glieder tief und der Raum zwischen den einzelnen Krieger war gerade so groß, dass sich der einzelne Kämpfer einigermaßen frei bewegen konnte. Der Abstand von Glied zu Glied betrug etwa drei Schritte.

Die Phalanx gliederte sich in Anbteilungen zu 1000 Mann und zu etwa 300 Mann. Sie wurde aber insgesamt als ein taktischer Verband verstanden. Im erstenetwa und letzten Glied standen nach Theodor Fuchs (Geschichte des europäische Kriegswesens, Bd. I. S. 21) die besten Krieger.

Für den Einsatz der Phalanx war ein ebenes Gelände ideal. Geländehindernisse konnten die Formation zerreißen. Insoweit bedurfte es einer hohen Disziplin, um die geschlossene Ordnung auch unter widrigen Bedingungen zu halten. Der eigentliche Kampf wurde durch leicht bewaffnete Kämpfer, wie Bogner und Schleuderer eingeleitet, die vor dem Aufeinanderprallen der geschlossenene Formationen seitlich auswichen.

Zu diesen leicht bewaffneten Kämpfer bzw. Plänkler gehörten die sogenannten Peltasten. Sie trugen keine Rüstung, statt des Helmes eine Fellmütze, hatten aber einen kleineren Schild (Pelta) und waren mit Wurfspeeren und einem Kurzschwert bewaffnet. Die Wurfspeere der Peltasten waren am Ende des Schaftes mit einer Schlaufe (Ankyle) ausgestattet. Die anderen leichten Kämpfer (Psilenen oder Psiloi) - Bogner und Schleuderer - waren nicht nicht durch ein Schild geschützt, denn dies hätte sie nur beim Abschießen der Pfeile oder beim Schleudern behindert.

Die Stärke der Phalanx war der wuchtige und geschlossene Angriff. Die Hopliten bildeten im Grunde einen Schilderwall. Da die Hopliten den Schild mit der linken Hand hielten und nach vorn ausrichteten, bewegte sich die Formation automatisch immer ein wenig nach links. Deshalb machte man den rechten Flügel häufig ein stärker.

Die makedonische Infanterie kämpfte immer noch in der Phalanx. Diese gliederte sich nun in Grundeinheiten von 256 Mann (Syntagma = 16 x 16 Mann).

Die Phryger und die Skythen.

Nachfolgend dargestellt sich phrygische und skythische Kriegertypen.

Phrygien war ein Königreich, welches im 8. Jahrhundert v. Chr. auf der anatolischen Hochfläche existierte und "von den Oberläufen des Rhyndakos und des Mäander bis zum Halys und Tattasee " reichte (Lexikon der Alten Welt, Bd. II., S. 2318). Die Phryger waren um etwa 1200 v. Chr. (vielleicht auch früher) aus dem makedonisch-thrakischen Raum nach Kleinasien eingewandert. Die Hauptstadt war Gordion. Vorher waren die Phryger wandernde Nomaden gewesen und gerieten auch mit den Assyrern aneinander. Sie kämpften gegen Perser, Griechen und Römer. Später verloren sie ihre staatliche Selbständigkeit und gingen in der römischen Provinz Asia auf. Eine eigentliche prygische Kunst entwickelte sich nach der Aufgabe des Nomadenlebens, dies bezeugen überlieferte Relikte wie Keramik, Bronzegeschirr, bemalte Amphoren, bedeutende Metallerzeugnisse und Steinplastiken. Sie schufen auch größere Bauwerke sowie größere Tumuli mit reich ausgestatteten hölzernen Grabkammern.

Die phrygischen Fußsoldaten trugen einfache Helme aus Metall mit einem kammartigen Helmschmuck, dazu einen Brustpanzer wohl aus Leder mit Metallverstärkungen. Zur Schutzausrüstung gehörten auch eigenartig geformte Schilde. Als Bewaffnung dienten Lanze und Schwert. Es gab ferner berittene Bogner, die auch die kurze Lanze mit sich führten.

Phryger (rechts und ganz rechts) und Skythen (links und ganz links). Nach Saxtroph.

Auch die kriegerischen Skythen waren ursprünglich Nomaden und gefürchtete Gegner. Sie waren ein iranisches Volk, welches mit den Persern nahe verwandt waren (Lexikon der Alten Welt, Bd. III., S. 2819). Die Reiterhirten - in verschiedene Stämme aufgegliedert - wanderten um 700 v. Chr. aus dem eurasischen Raum ein und herrschten einige Zeit im nördlichen Iran und Armenien. Später drangen sie in die Karpathen und der Dobrudscha ein und widerstanden den Persern unter Dareios. Ab 300 wurden sie aber von den Sarmaten verdrängt. Die Skythen waren für ihre hoch entwickelte Metallkunst - insbesondere Silberarbeiten - berühmt.

Die Skythen waren gute Rinderzüchter und gute Bogenschützen. Der kurze Bogen wurde in einem Köcher (Gorytos) verwahrt. Das besonders ausgeführte - kurze - Schwert - mit herzförmigen Griffabschluss und Antennenknauf - wurde als eine heilige Waffe betrachtet. Der berittene Bogner hatte auch eine kurze Lanze. Die Bekleidung bestand aus einem Ärmelrock, lange Hosen aus Tuch und Schuhe, dazu ein ggfls. ein Pelz bzw. eine Lederjacke. Fußsoldaten trugen für den Nahkampf durchaus eine Panzerung aus metallenen Schuppen, auf den Ärmeln aufgesetzte Metallplättchen und einem Helm mit Wangenstücken aus Metall.

Phrygischer Krieger. Nach einer altgriechischen Skulptur. Auffällig und charakteristisch ist die besondere Mütze mit der leicht nach vorn fallenden Spitze. Diese kommt auch bei den Skythen vor und war ein guter Schutz bei der rauhen Witterung in der Steppe.

Die Germanen.

Die Germanen waren kein homogenes Volk, sondern es handelte sich um verschiedene Stämme, welche in Nord- und Mitteleuropa siedelten.

Sie können von den Kelten und Skythen kulturell abgegrenzt werden.

Kennzeichnend für die Germanen. war eine bäuerliche Lebensweise. Es gab kein einheitliches Staats- und Heerwesen.

Germanischer Krieger. Nach einem Münchner Bilderbogen.

Die Germanen kannten kein klassisches Berufsheer, sondern jeder männliche Germane war grundsätzlich auch ein Krieger und jeder freie Mann konnte aufgeboten werden (Döbler, Die Germanen und. Legende und Wirklichkeit, Band 2, S. 563).

Im Zuge der Völkerwanderung kamen die Germanen mit dem hochgerüsteten und in einer ausgefeilten Kampftaktik geschulten römischen Heer in Berührung. Im Laufe dieser Konfrontation entwickelte sich im Grunde auch erst ein eigentliches germanisches Kriegswesen (Hans von Gottberg, Männer, Waffen, Strategien, S. 20).

An der Spitze des germanischen Heeres stand der gewählte Herzog, dieser wurde durch Gaukönige und sonstige Edelleute unterstützt, welche sich schon in Friedenszeiten Gefolgschaften schufen, welche faktisch Berufskrieger waren.

Links: germanischer Krieger mit Lanze und Schild. Rechts: germansiche Spangenhelme nach Realien bzw. rekonstruierten Stücken.

Das erst im Kriegsfalle zusammen gerufene Heer organisierte sich in Tausend-, Hundert- und Zehntschaften, die von den Gauen bzw. den Dorf- und Sippengemeinschaften gebildet wurden. Es handelte sich also um ein Volksaufgebot.

Beim Angriff wurde ein Heereskeil gebildet, der mit Wucht versuchte, die gegnerische Formation aufzuspalten.

Die Germanen beherrschten aber auch das zerstreute Gefecht.

Es gab ferner eine gute germanische Reiterei, die in geschlossenen Geschwadern anzugreifen vermochte.

Ein gemischter Verband aus Reitern und Fußkriegern bildete die sogenannte (und gefürchtete) Trabantenreiterei.

Das Pferd spielte bei den Germanen nicht nur bei der Kriegsführung, sondern auch in der Landwirtschaft und bei spirituellen Praktiken eine wichtige Rolle.

Germanischer Krieger. Nach einem Münchner Bilderbogen.

Anmerkungen zum vorigen Bild.

Die Bekleidung, Ausrüstung und Bewaffnung der Germanen war einfach.

Die Bekleidung war zweckmäßig. Charakteristisch waren lange Hosen. Dazu wurde ein langer Kittel getragen, der bis zu den Oberschenkel herunter reichte. Ferner waren mantelartige Umhänge üblich. Das Schuhwerk waren geschnürte Buntschuhe aus Leder.

Als Bewaffnung diente vor allem der längere Speer (Frame), aber auch - jedoch seltener - das Schwert.

Der Speer hatte eine schmale und kurze Eisenspitze. Laut Pastenaci (Die Kriegeskunst der Germanen , Karlsbad und Leipzig, S. 52) war die eigentliche germanische Waffe die Lanze. Demnach war der germanische Krieger mit einer oder, je nach Bedarf, mit mehreren Lanzen ausgerüstet.

Germanische Krieger. Nach verschiedenen Quellen.

Das längere Schwert, Spatha, genannt, war eine reine Hiebwaffe.

Diese Blankwaffe wird von Döbler (Die Germanen und. Legende und Wirklichkeit, Band 2, S. 491) wie folgt beschrieben: "Zweischneidiges Schwert, dessen Klinge und dessen Griff reich geschmückt war. Offensichtlich ist es nur von Edlen getragen worden. Die Klinge war 75 - 95 cm lang und 4 - 6 cm breit. Der bronzene oder eiserne Griff mit Griffschalen aus Holz oder Knochen war mit Goldblech überzogen, der Schwertknauf tauschiert. Man trug es bis zur Mitte des 7. Jhdt. an einem langen, über die Schulter geworfenen Riemen, später an dem deshalb breiter werdenden Leibgurt",

Kürzere Schwerter (Sax) wurden als Stoßwaffe benutzt. Von Döbler (Die Germanen und. Legende und Wirklichkeit, Band 2, S. 467) wird diese Waffe als "Einschneidiges Kurzschwert der Fränkischen Zeit" bezeichnet.

Spät kamen Streitäxte in Gebrauch. Bekannt sind z. B: die fränkische Wurfstreitaxt bzw. die Franziska.

Es kam aber auch der Bogen zum Einsatz, der sowieso schon zur Jagd benutzt wurde. Laut Pastenaci (Kriegskunster der Germanen, S. 56) fehlen aber der Bogen und Pfeil als Fernkampfwaffen fast vollständig. Dies gilt auch für die Kelten in der Eisenzeit. Für den Fernkampf wurde die Lanze eingesetzt.

Germanische Waffen nach Originalen.

Zum Schutz diente der runde oder ovale Schild. Dieser hatte einen metallenen Randbeschlag, sowie einen bronzenen oder eisernen Schildbuckel. Gehalten wurde der Schild an einer Schildfessel oder am Arm befestigt. Der Schild wie folgt näher beschrieben: " Zur Abwehr der Angriffe trug der Krieger einen Schild, der sich wesentlich von dem römischen Soldaten unterscheidet. Die Eisenbeschlagteile, welche auf dem Schildholz sassen, erlauben die Wiederherstellung des Schildes. Der wichtigste Beschlagteil ist der Schildbuckel, der in der konischen Form und als Stangenbuckel vorkommt. Der Schildbuckel sieht wie ein kleiner Helm aus. Er ist mit seinem Rand auf dem Schildholz mit Nieten befestigt und bedeckt den runden Ausschnitt für die Hand des Kriegers. In diesem Ausschnitt ist der Handgriff aus Holz eingelassen, der häufig durch die eiserne oder bronzene Schildfessel verstärkt ist. Der Rand des Schildes war durch einen Beschlag aus Eisen, Bronze oder Silber gesichert. Die Form der Randbeschläge gibt uns einen Anhaltspunkt für die Größe der Schilde. Da aus den Metallbeschlägen das Holz herausgebrannt ist, lässt sich die Dicke des Schildholzes genau ermitteln. Nach Ausweis der Schildfessel und Schildrandnieten war der Schild in der Mitte 1,4 bis 1,6 cm dick. Der Rand dagegen nur 0,4 bis 0,6 cm dick. Der vollständig erhaltene Randbeschlag eines Fundes von Kothendorf in Mecklenburg zeigt uns, dass der Schild einen Durchmesser von 0,56 m hatte. Vor allem kam es bei dem germanischen Schild auf Leichtigkeit an. Die herabsausenden Speere und die Schwerzhiebe wurden dem Schildbuckel abgefangen und abgewehrt" (Wegewitz, zitiert nach: Kurt Pasenaci, Die Kriegskunst der Germanen, Karlsbad und Leipzig, S. 53).

Sonstige Rüstungsteile, wie z. B. aufwändige Helme (aus Silber) oder Kettenpanzer, waren in der Regel den Fürsten bzw. dem Kriegeradel vorbehalten.

Hierbei handelte es sich häufig um Beutestücke.

Wenn der germanische Krieger einen Helm trug, waren es einfache Kopfbedeckungen, z. B. Glocken oder Eisenkreuzhelme. Laut Pastenaci (Kriegskunster der Germanen, S. 57)kommen Helm und Panzer erst in der Völkerwanderungszeit in stärkerem Maße auf.

Schutzausrüstung und Waffen der Germanen. Schild, Axt, Schwerter und Helme. Nach Realien.

Links ist der Helm von Valsgärde bei Alt-Uppsala aus dem 7. Jahrhundert dargestellt.

Er wird wie folgt beschrieben: "Er ist für einen Schädel ungewöhnlicher Länge gearbeitet. Ein Zierstreifen mit Tiergeflecht umrandet ihn, zwei andere wölben sich senkrecht dazu nach oben. Damit ist sein Aufbau bestritten. Oben lagert eine beidendköpfdige Schlange und über den Augen ragen Vogeldrachen empor, alles zur Abwehr schädlicher Einflüsse von diesen empfindlichen Stellen und im Dienste der Absicht, das Antlitz des Kriegers besonders schreckhaft erscheinen zu lassen" Wolfgang Schulz, Altgermanische Kultur in Wort und Bild. Drei Jahrtausende germanischen Kulturgestaltens, München 1937, Bild Nr. 141).

Die Bewaffnung des germanischen Kriegers war grundsätzlich seine eigene Angelegenheit oder die seiner Sippe. Letztlich war sie zweckmäßig und vor allem auf Beweglichkeit im Kampf abgestellt. " Für den Kampf in Keilformation genügte die Bewaffnung der ersten Glieder mit Lanze und Schwert vollauf. Die tiefer im Keil stehenden Glieder kamen ohnehin kaum dazu, ein Schwert gebrauchen zu können. Sie werden dafür, mit mehreren Lanzen oder Wurfspeeren ausgesrüstet gewesen sein, denn sie konnten aus ihrer Stellung heraus den Kampf der ersten Glieder durch das Schleudern ihrer Speere verstärken. Wir können uns vorstellen, dass ein so bewaffneter und kämpfender Schlachtkeil eine sehr große Waffnwirkung gehabt hat. Die Voraussetzung für das Schleudern von Speeren aus den mittleren und hinteren Reihen ist die, dass die Glieder des Keils nicht zu eng aufgeschlossen waren, sondern dass sie im ausreichenden Abstand voneinander standen, um die Waffe gebrauchen zu können."(Pastenaci, Kriegskunst der Germanen, S. 58).

Die Kelten bzw. die Gallier.

Im Nachgang sollen die Kelten bzw. insbesondere die äußere Erscheinung und Ausrüstung bzw. Bewaffnung ihrer Krieger vorgestellt werden, vor allem der Gallier. Auch sie waren hartnäckige Gegner der Römer, deren Kriegswesen weiter unten besprochen wird.

Die Kelten waren ein Zusammenschluss verschiedener Volksstämme und Volksgruppen. Ihre Entstehung wird im Raum zwischen Burgund und Württemberg verortet. Es gab gallische Stämme, keltiberische und lusitanisch-Gallaecische Stämme, Ostkelten und britannische und irische Stämme. Zu den Kelten gehörten z. B. in Bayern die Treverer, die Boier, die Vendeliker, die Helvetier, die Raeter, die Noriker usw.

Es existieren zwar Unterschiede in der Gesellschaftsordnung der verschiedenen Stämmen, allerdings gab es eine übereinstimmende Sprache und kulturelle Übereinstimmungen.

In der Kunst bildete sich ab dem 5. Jahrhundert ein keltischer Stil heraus. Die Kelten warten sehr begabt in der Goldschmiedekunst. Über ihre Religion ist wenig bekannt.

Für die Erforschung der Kelten sind insbesondere die archäologische Funde der Hallstattkultur (frühe Eisenzeit) und der La-Tène-Kultur (späte Eisenzeit) von Bedeutung. 

Gallischer Krieger. Ausrüstungsteile (Helme, Brustpanzer, Schild) und Waffen. Nach Funcken.

Der griechische Geschichtsschreiber Diodor Diodorus Siculus berichtet über die Bewaffnung der keltischen Krieger: "Als Waffen führten sie Schilde von Mannshöhe, die eigentümlich bemalt sind; an einigen sind wohl ausgearbeitete, eherne Tiergestalten in erhabener Arbeit angebracht, die nicht nur als Zierrat, sondern auch zum Schutz dienen. Den Kopf bedecken sie durch eherne Helme mit hochragenden Aufsätzen, weshalb sie außerordentlich groß erscheinen. Einige tragen nämlich angeschmiedete Hörner,, andere die Köpfe von Vögeln oder vierfüßigen Tieren. Etliche tragen einen eisernen Ringpanzer; andere haben keinen Panzer als ihre Haut und fechten nackt. Sie werfen Speere, die sie Lanzen nennen und deren Eisen eine Elle lang ist, der Schaft noch länger; sie sind nicht viel weniger als zwei Hände breit. Die Speere sind bald wie eine Schraube und mit Auszackungen nach allen Seiten, so dass sie beim Auftreffen nicht nur in das Fleisch einschneiden, sondern dasselbe förmlich zerreißen und beim Herausziehen die Wunde noch vergrößern" (zitiert nach: Peter Kolb, Wer waren die Kelten. Katalog München 1993, S. 34).

Die Kelten führten Langschwerter. Daneben waren Dolche, Lanzen und Beile im Gebrauch. Auch Pfeil und Bogen gehörten zur Bewaffnung.

Ab ca. 500 v. Chr. änderte sich die Bewaffnung bzw. wurde angereichert. Nun finden sich zusätzlich Helme und Holzschilde sowie Streitwagen.

Die Lanzen waren bis zu 2,50 m lang bzw. die Speere waren mannshoch.

Die Langschwerter waren zum Hieb oder Stich gedacht, je nachdem hatten sie ein stumpfes bzw. spitzes Ende.

Der Griff hatte häufig die Form eines länglichem X. und war zumeist aus Holz, seltener aus Bronze oder Eisen.

Die Kelten waren besonders gut in der Verarbeitung von Eisen. In der Folge wurden die Schwerter härter und besser und verbogen sich nicht so schnell.

Das Schwert wurde rechts an einem Riemen getragen, der zusätzlich mit einer Kette befestigt war.

Der Schild gehörte zur Standausrüstung des keltischen Kriegers. Waren diese zunächst relativ klein und oval, entwickelten sich im Laufe der Zeit zu den für die Kelten typischen sehr großen Schilde. Diese waren fast mannshoch und hatten eine Mittelrippe aus Holz und einen bereiten Schildbuckelstreifen aus Metall.

Im Einzelfall sollten keltische Krieger mit nacktem Oberkörper gekämpft haben, es waren auch Brustpanzer - z. B. aus Leder mit Bronzescheiben verstärkt - und Kettenhemden aus Eisen in Benutzung.

Der keltische Krieger trug häufig einen Helm. Hierbei handelte es sich nach Peter Kolb in der Regel um spitz zulaufende bzw. kegelförmige oder halbrunde Helme aus Leder, aber auch aus Bronze oder Eisen. Die (bronzenen) Spitzhelme hatte auch einen kurzen Nackenschirm.

In späteren Zeiten waren vermehrt einfache halbrunde Helmformen üblich, die an italische Helme erinnern.

Im Übrigen waren lange Hosen üblich, die unten zusammen gebunden waren. Getragen wurde ferner ledernes Schuhwerk.

Der bereits erwähnte Diodor erwähnt den Einsatz von Streitwagen bei den Kelten: "Um sich zu bewegen und zu fechten, benutzten sie Wagen mit zwei Pferden, auf denen der adlige Krieger mit seinem Wagenlenker stand. Bei der Begegnung mit feindlichen Reitern warfen sie sofort Speere, sprangen vom Wagen und kämpften zu Fuß weiter ...".

Die Streitwagen wurden durch zwei Pferde gezogen, die Räder hatten einen Durchmesser von 1 m und der Plattform mit Seitenaufbau hatte eine Fläche von 1 x 1,50 m. In dem illustrierten Nachschlagewerk über Waffen, Krieger und Kriegskunst in Griechenland und Rom von John Warry (Köln 1981, S. 165) ist darüber das Folgende zu lesen: "Auf dem Wagen befinden sich zwei typische keltische Krieger. Sie begaben sich mit nacktem Oberkörper oder gänzlich unbekleidet in den Kampf. Um möglichst furchterregend auszusehen, härteten sie ihr Haar mit Kalk und Lehm. Manche Stämme trugen Tätowierungen. Die Pikten leiteten sogar ihren Namen von dieser Sitte ab. Das Bild zeigt, dass der Wagenlenker meistens saß, während der Krieger hinter ihm stand. Beide bewegten sich völlig frei auf dem Schlachtfeld. Der Krieger kämpfte aus abgesessen, wobei der Wagen aber für Notfälle in seiner Nähe blieb". ;it den Streitwagen konnten aber auch Krieger als Ersatz zu einem bestimmten Punkt auf dem Schlachtfeld transportiert oder dort abgeholt werden.

Gaius Julius Cäsar berichtet, dass im Zeitpunkt seiner Invasionen in Britannien noch Streitwagen in Gebrauch werden. Die beiden militärischen begrenzten Eroberungszüge in Britannien wurden von ihm den Jahren 55 und 54 v. Chr. im Rahmen seines Gallischen Krieges durchgeführt.

Der Angriff keltischer Krieger wurde durch Feldzeichen geleitet und durch Blasinstrumente begleitet.

Die Feldzeichen zeigten regelmäßig Tierdarstellungen, z. B. einen Eber.

Die bronzenen Blasinstrumente der Kelten waren lange - aus mehreren Stücken zusammen gesetzte - Signalhörner mit Schalltrichtern. Auch diese hatten die Form eines Tierkopfes.

Die Etrusker.

Die Etrusker waren ein antikes Volk in Etrurien (800 - 350 v. Chr.). Sie gründeten eine Hochkultur in Mittelitalien und hatten sich in einem losen Bund bestehend aus 12 Städten organisiert, d. h., sie lebten nicht in einem Zentralstaat. Kennzeichnend war aber die monarchische Herrschaftsform.

Zeitweise verbündet mit Karthago durchliefen sie eine mit Griechenland parallele kulturelle Entwicklung. Die Etrusker praktizierten eine hoch entwickelte Agrarwirtschaft und erreichten einen hohen Stand in der Metallgewinnung und - verarbeitung. Sie betrieben Handel mit Korsika und Elba und im übrigen Mittelmeerraum sowie auch mit Gallien bis herauf nach Lyon. Hier förderte ihr Kontakt die Urbanisierung. Ihre Waren (z. B. Wein) tauschten sie für andere Rohstoffe, z. B. Bernstein.

Etruskischer Leichtbewaffneter und schwer bewaffneter etruskischer Krieger. 600 - 200 v. Chr. Nach Saxtorph (Kriegstrachten in Farben) und Jeff Burn (Die Kriegskunst der Griechen und Römer).

Anfänglich ein Konkurrent von Rom stellte z. B. eine römische Familie mit etruskischen Wurzeln (Tarquinius) in der römischen Frühzeit einige Könige. Dies wurde in Rom als Übernahme einer fremden Macht wahrgenommen und erst mit der Vertreibung des letzten etruskischen Königs um 509 v. Chr. konnte sich Rom von der etruskischen Abhängigkeit lösen. Gleichzeitig mit dem politischen Niedergang der Etrusker begann Rom als nunmehrige Republik sich die umgebenden Gebiete anzugliedern und zu expandieren.

Die Etrusker gelten aber als die Lehrherren Roms, auch die Grundlagen des römischen Militärwesens einschließlich der Bewaffnung und Ausrüstung sind stark etruskisch beeinflusst.

Etruskische und frühe italische Helme. Links: nach Originalen. Rechts: etruskischer Krieger mit Kammhelm.

Das etruskische Fußvolk differenzierte sich nach Saxtorph (Kriegstrachten, S. 161) in leicht und schwer bewaffnete Krieger.

Erstere waren maximal durch eine durch Kreuzriemen gehaltene Brustplatte geschützt.

Letztere hatten eine vollständige Panzerung, welche aus einem Lederharnisch mit Metallplatten und Schulterschutz. Dazu wurden große Helme getragen.

Als Bewaffnung dienten die Stoßlanze und das Schwert.

Zahllose - einer Haube ähnliche - frühe italische Helme sind erhalten geblieben (vgl. hierzu: Markus Egg, Italische Helme. Monographien des RGZM. Heidelberg 2023, Text- und Tafelband).

Optisch auffällig sind gefundene Kammhelme, die z. B. auf dem Pass Lueg entlang eines Altweges in den Alpen gefunden wurden.

Der solcher Kammhelm wird bei wikipedia.org wie folgt beschrieben: "Ein Etruskischer Kammhelm besteht in der Regel aus Bronze. Die Helmglocke ist halbkugelförmig gearbeitet. Auf der Scheitellinie ist ein auffälliger, dreieckiger Kamm angebracht, der aus Bronzeblech besteht und hohl gearbeitet ist. Der Kamm ist mit mehreren Zierknöpfen dekoriert und mit der Helmglocke vernietet. Auf der Helmvorder- und -rückseite sind unmittelbar vor und hinter dem Kamm Bleche angebracht, auf denen jeweils drei Bronzebolzen (sogenannte „Falsche Nieten“) angebracht sind. Helme dieser Art wurden auch als Abdeckung für Bestattungsurnen benutzt, die in ihrer Form als Vorbild der späteren Pommerellischen Gesichtsurnen aufzufassen sind, allerdings ohne die etruskischen Helmformen als Deckel. Die Form des Kammes konnte variieren und wird mit einem Federbusch bestückt rekonstruiert. Während der frühen griechischen Antike verschwindet die Helmform wieder und wird durch keltische und römische Helmformen ersetzt" (Hugh O’Neill Hencken: The earliest European helmets. Bronze Age and early Iron Age (= American School of Prehistoric Research. Bulletin 28, ZDB-ID 223123-2). Peabody Museum, Cambridge MA 1971, S. 99.).

Die Schilde waren aus Holz mit Leder bezogen und mit Blech beschlagen.

Die Römer.

Das Römische Reich (Imperium Romanum) dominierte in der Antike nicht nur die Welt des Mittelmeers, sondern reichte weit darüber hinaus. Es erreichte drei Kontinente- Europa, Asien, Afrika - und umfasste auf seinem Höhepunkt etwa 5 000 000 km2 an Fläche.  Die Grenze war etwa 7500 km lang und teilweise künstlich befestigt (Hadrianswall = 120 km, Limes = 548 km, Antoniuswall = 60 km). Die römische Gesamtbevölkerung wird auf ca. 50 bis 70 Millionen Menschen geschätzt (Tony Domin, Roma Victor. Die römische Legion. Legende und Wahrheit. Hamburg 2012). Die römische Staatsform entwickelte sich vom Königstum zur  Republik und letztlich zum Kaisertum. 

Für den bemerkenswerten und lang andauernden politischen Erfolg des römischen Reichs gab es viele Gründe, insbesondere eine geniale Strategie. Die Römer waren Taktiker der Macht (Hans-DieterStöver, Die Römer, Hamburg 1978). „Vor allem aber entwickelten die Römer wirksame Konzepte zur politischen Umsetzung militärisch gewonnener Herrschaft, indem sie in Italien ein Flechtwerk aus Bündnissen, Kolonien und Formen direkter Abhängigkeiten schufen. Günstig wirkte sich auch die prinzipielle Bereitschaft aus, die Führungsschichten der unterworfenen Städte und Völker in den römischen Staat zu integrieren“ (Kathryn Lomas, Der Aufstieg Roms. Von Romulus bis Pyrrhus, Stuttgart 2019). Der römische Geschichtsschreiber Sallust (Gaius Sallustius Crispus , *01.10.86 v. Chr. in Amiternum; † 13.05.35 oder 34 v. Chr. in Rom) bemerkte: „Erstaunlich leicht sind diese Völker trotz verschiedener Rasse, trotz ungleicher Sprache und verschiedenartiger Lebensweise ineinander verschmolzen“. Neben einer stabilen inneren Ordnung, einer leistungsfähigen Verwaltung und einem ausgefeilten Rechtssystem war es aber vor allem die nahezu modern anmutende leistungsfähige römische Militärmaschinerie, welche das Überleben des übergroßen römischen Staates gegen innere und äußere Feinde wirksam schützte.

Ursprünglich war die Stadt Rom in drei Teile gegliedert. Jede dieser drei Tribus stellte 1000 Mann und folgerichtig zählte die aus dem Bürgeraufgebot bestehende Legion aus 3000 Mann. Mit dem Anwachsen der Stadt bildete man zwei Legionen zu jeweils 3000 Mann, die jeweils von einem Konsul befehligte. Im Laufe der Zeit wuchs die Stadt und in der Folge auch die Truppenstärke.

Döbler (Die Germanen. Legende und Wirklichkeit, München 1975, S. 362 ff.) beschreibt die die Einberufung in die Legion wie folgt: „Nun waren die Bürger aber keineswegs eine ungegliederte Masse, sondern jeder gehörte zu einer Abteilung (lat. tribus), von denen es insgesamt drei gab und die auf eine alte Geschlechtergliederung zurückgingen. Eine dieser Abteilungen wrde durch Los bestimmt, in diesem Jahr die Dienstpflichtigen zu stellen. Nun wurde sortiert: aus den Listen der Tribus wählte man je vier etwa gleich taugliche Männer und verteilte sie an je ein Legion (lat. Legio - ausgelesene Mannschaft), dann vier weitere Männer und so fort, bis alle einer Legion zugeteilt waren“.

Wehrpflichtig waren alle Besitzenden (Bürger) zwsichen dem 17. und 46. Lebensjahr.

Die neuen Rekruten leisteten dann den Gehorsamseid, wobei ein Mann den vollen Text sprach und alle "Das nämliche für mich" sagten.

Unter Marius erfolgte vor dem Hintergrund durch die Bedrohung durch die Kimbern und Teutonen eine grundsätzliche Heeresreform statt.

"Durch seine militärischen Erfolge, vor allem aber durch die Umgestaltung der alten römischen Heeresverfassung hat sich Marius größte Verdienste erworben. Marius hat das römische Milizheer, das ursprünglich aus römischen Vollbürgern bestand, die für Ausrüstung selbst aufkommen konnten, durch Erwerbs- und Besitzlose sowie durch Italiker aufgefüllt. An die Stelle der Bürgeraufgebote, traten stehende Heere von Berufssoldaten. Diese Maßnahmen hatten weitreichende soziale und politische Folgen. Durch die Neuordnung war den Bauern geholfen, die früher das Gros des Heeres gestellt hatten, dem Proletariat war eine Erwerbsquelle erschlossen worden, und durch die Einbeziehung der Italiker wurde eine Erweiterung der Vollbürgerschaft eingeleitet. Zum anderen stellte das Berufsheer den Staat in Zukunft vor zwei Probleme: vor die Pflicht der Veteranenversorgung und vor die Machtsteigerung seiner Feldherren, die in den ihnen treu ergebenen Beurfssoldaten eine gewaltige Gefolgschaft gewonnen hatten" (Enzo Orlandi, Caesar und seine Zeit, Wiesbaden o. J., S. 6).

Zu den Ursachen für diese grundlegende Änderung im römischen Wehrwesen äußert sich Herbert Schwarz: "Ein wichtiger Grund für die Änderung der Heeresverfassung war die Verarmung der kleineren Bauern durch die langen Kriegszüge. Sie sanken zum Proletariat herab. Damit waren sie nicht mehr wehrpflichtig. Als man nun begann, im ersten Jahrhundert v. Chr. die Legionen aus wehrpflichtigen Bürgern, welche immer schwieriger zu erhalten waren, und aus Söldnern, römischen Proletariern aufzustellen, musste man neue Gefechtsformen entwickeln. Die Manipularordnung erforderte taktische Selbständigkeit von kleinen Einheiten, damit Moral und Intelligenz. Der Ersatz verschlechterte sich, der Gegner, in erster Linie die Cimbern und Teutonen, wurden gefährlich" (Die Entwicklung des römischen Heeres, in: Zeitschrift für Heereskunde, 1985, S. 124). Deshalb entstand die sogenannte Kohortentaktik (siehe dazu weiter unten)

Die Heeresreformen des Gaius Marius (um 107 v. Chr.) wandelten das römische Milizheer in eine schlagkräftige Berufsarmee. Durch die Öffnung für besitzlose Bürger, eine staatliche Ausrüstung, die Einführung der Kohorten-Taktik (s.w.u.) und die Abschaffung des Trosses wurden die Legionen flexibler, schneller und - wie erwähnt - loyaler gegenüber ihren Feldherren als dem Staat. · 

Da der Staat die Ausrüstung der Legionäre übernahm, führte dies zu einer Standardisierung führt, d. h., Rüstung und Waffen wurden in Erscheinungsform und Qualität weitgehend identisch. Die Legionäre mussten nun aber ihr Gepäck (Sarcina) überwiegend selbst tragen, den Rest trugen Maultiere. Dies machte aber die römischen Truppen schneller und beweglicher.

Römischer Offizier. Nach Saxtorph (Kriegstrachten in Farben) und Jeff Burn (Die Kriegskunst der Griechen und Römer).

Eine Legion zählte in der Regel 4200 Mann. Ihre Stärke konnte aber auch auf 5000 Mann ansteigen. In der Regel waren jeder Legion eine gleiche Anzahl Bundesgenossen zugeordnet.

Die Legion gliederte sich in 60 Zenturien. Zwei Zenturien bildeten ein Manipel. die Hastati, die Principes und die Triarii machten jeweils 10 Manipel aus. Dazu kamen 1200 Velites.

Ferner gehörten zu einer Legion auch eine kleine Anzahl Berittener, und zwar 300 Reiter.

Man unterschied vier verschiedene Arten von Legionären. Und zwar die Hastati, die Principes und die Triarii sowie die Velites.

Die Hastati und die Principes waren die klassischen schwer bewaffneten Legionäre und bildeten die ersten beiden Linien einer aufgestellten Legion.

Die Triarii waren die altgedienten Legionäre stellten das dritte und damit hintere Glied der aufgestellten Legion. Sie bildeten eine Art eiserner Reserve für eine Krise im Gefecht.

Velites waren leichter bewaffente Soldaten, die mit dem Schwert und Wurfspeeren bewaffnet waren.

Die römische Kavallerie war weniger bedeutend. Die typische Einheit der Kavallerie war die Ala. Eine Ala bestand aus 16 turmae, die jeweils 30 Reiter zählten. Die turma befehligte ein Decurio. Der Ala selbst stand ein Präfekt vor.

Römischer Legionär um 100 bis 300 n. Chr. Nach Saxtorph (Kriegstrachten in Farben) und Jeff Burn (Die Kriegskunst der Griechen und Römer) sowie Karel Toman (Der Soldat im Wandel der Zeiten).

Zur Rangordnung in der römischen Armee schreiben Pleticha/ Schönberger (Die Römer, Gütersloh 1980, S. 284) das Nachfolgende: „Die Rangordnungen in der römischen Armee, streng geschieden nach Mannschaften, Unteroffizieren und Offizieren, waren im Prinzip nicht viel anders als die Dienstgrade in den modernen Armeen, mit einer entscheidenden Ausnahme: Ein römischer Legionär trug keinen "Marschallsstab im Tornister", wenn er nicht dem ersten Stand, dem Senatorenstand angehörte. Als Bürger der dritten Klasse konnte er es vom Gemeinen zum Gefreiten bringen, ins Unteroffizierskorps als "Portepeeträger", Feldwebel oder Fähnrich aufrücken und dann in die Schreibstuben bei verschidenen Stäben abkommandiert werden. Wollte er noch höher steigen, musste er als "Offiziersanwärter" zurück in den Truppendienst, kehrtenach einer harten Ausbildung bei der Praetorianergarde in Rom und ebstandener "Offiziersprüfung" als Hauptmann (centurio) zur Legion zurück und konnte als der beste Soldat der Legion, als rangältester Hauptmann, den Gipfel seiner militärischen Laufbahn erreichen, immerhin mit einem Sold, der sechzig mal höher lag als der eines gemeinen Soldaten. Alle höheren Chargen waren ihm, selbst wenn militärisch die Eignung für höhere Aufgaben besaß, verschlossen, denn sie standen ausnahmslos nur den Rittern und Senatoren offen“.

Römische Helme und Waffen. Links oben ist das berühmte römische Schwert - ein gladius - zu sehen. Rechts unten die maßgebliche Fernwaffe des römischen Legionärs, der pilum. Ferner verschiedene Helmformen.

Nach Polybios gehörten zur schützenden Ausrüstung des schweren römischen Infanteristen: Helm, Schild, Beinschienen und der von ihm nicht erwähnte Panzer.

Als Bewaffnung dienten Schwert, Wurfspeer und Lanze. Letztere verschwand aber bald.

Die Rüstung eines Legionärs wog 29,3 kg, das Marschgepäck 18,4 kg. Dieser Belastung musste ein Legionär standhalten. Das Zelt nebst anderen Gegenständen wog etwa 144 kg. Dies war die maximale Traglast für ein Tragtier.

Der Helm (Cassis) wog (mit Busch) 2,1 kg. Im Laufe der Zeit entwickelten sich verschiedene Helmtypen. Veith beschreibt den Helm unter Bezug auf Polybios wie folgt: "Der Helm (cassis), aus starkem Bronzeblech verfertigt, war offen und wurde vor dem Kampfe oder zur Parade mit einem aufgesetzten ca. 1/2 m höhen Federbusch (crista) geschmückt, der aus drei roten oder schwarzen Federn bestand. Beim Marsch wurde der schwere Helm an einem Lederband umgehängt getragen" (Johannes Kromayer/ Georg Veith, Heerwesen und Kriegführung der Griechen und Römer, München 1928, S. 324).

Römische Helme. Nach Originalen und Rekonstruktionen.

Als eine frühe Kopfbedeckung gilt der Montefortino-Helmtyp. Die obige Helmspitze (Knauf für den Busch) war mit Blei gefüllt. Der Nackenschirm war mit einem Doppelring ausgestattet, durch den der Riemen zur Befestigung des Helmes am Kopf lief. Die (seitlichen) Wangenklappen waren an Haken befestigt. Die Helme wurden in einer Massenfertigung hergestellt und waren deshalb mitunter minderwertig. Der Montefortino-Helmtyp war sehr lange – vor allem in Italien - gebräuchlich.

Der italische Helm war geschlossen. Es war eine Art etruskisch-korinthischer Helm, der aber nicht vor das Gesicht gezogen wurde, sondern wie eine Kappe aufgesetzt war. Später verschwanden die funktionslosen Augenlöcher.

Nach der Eroberung Galliens durch Caesar (Gaius Julius Cäsar; * 13.07.100 v. Chr. in Rom; † 15.03.44 v. Chr. ebenda) wurden die zuvor genannten Helmvarianten von einem Helm mit einer gallischen Form abgelöst. Dieser Helmtypus war rund mit einer Verstärkung an der Stirn und mit Wangenschutz. Ferner hatte er einen ergänzenden tief gezogenen Nackenschutz. Hieraus entwickelten sich die bekannten "Jockeymützen" bzw. eine späte Ausformung der kaiserlich-gallischen Helmform.

Die Helme waren zunächst aus Bronze, später – vor allem die gallischen Helmformen - aus Eisen.

Römische Helme nach verschiedenen Quellen. Die Figur rechts (Zenturion) nach Embleton.

Der Körper des Legionärs wurde durch einen Panzer geschützt. Die frühe Form beschreibt Veith wie folgt:"Der Panzer (lorica), von Polybios nicht ausdrücklich erwähnt, war aus Sohlenleder gefertigt und bestand aus mehreren Stücken; die Herzgegend konnte durch ein spannenbreites Bleckstück besonders geschützt werden; die Wehrmänner der obersten Zensusklassen trugen statt desselben über der lorica einen Kettenpanzer" (Johannes Kromayer/ Georg Veith, Heerwesen und Kriegführung der Griechen und Römer, München 1928, S. 324).

Später kamen Ringpanzer bzw- (nach keltischem Vorbild) Kettenhemden auf. Dieses Lorica hamata wog 8,3 kg. Der Kettenpanzer auch noch in der Zeit nach Cäsar getragen. Doch dann wurde der typische Schienenpanzer eingeführt und überwiegend als Element der Ausrüstung des Legionärs gebräuchlich.

War der Ringpanzer nur kurz, deckten daran befestigte Lederstreifen den Unterkörper.

Offiziere trugen sowohl in der Republikanischen und in der kaiserlichen Zeit Muskelpanzer nach griechischem Vorbild getragen.

Brustpanzer, Schienenpanzer (lorica segmentata), Dolch mit Scheide und ein Auxilar-Gürtel mit Leistenschutz. Bild ganz links: nach einer Zeichnung von Peter Conolly. Die anderen Zeichnungen nach Rekonstruktionen von Michael Simkins.

Zur Ausrüstung des Legionärs gehörte stets ein großer Schild, die zumeist rechteckig und gewölbt waren. In der frühen Zeit war der Schild oval. Der Schild (Scutum) wog etwa 9,6 kg. Die Schilde wurden beim Vorrücken der Legionäre nach vorn und Kante an Kante aneinandergehalten. Der linke Arm zeigte dabei mit dem Schild nach vorn. Aus diesem Grund wurde das Kurzschwert (Gladius) rechts getragen.

Schildformen römischer Soldaten und Schilde von Hilfstruppen.

Näheres über den Schild ist von Veith zu erfahren: "Der Schild der schweren Infanaterie (scutum) war rechteckig mit schwach zylindrischer Wölbung, ca. 120 cm hoch und nicht ganz 1 m breit, aus einer doppelten, aufgeleimten Bretterlage gefertigt und außen mit Leinwand, darüber mit Kalbfell überzogen. Die beiden kurzen Seiten (oben und unten) waren durch Blechbänder verstärkt, oben zum besseren Auffangen von Schwerthieben, unten zum Schutz gegen Abnützung beim Aufstützen auf den Boden. Die Mitte war mit einem eisernen Buckel versehen. Das scutum war eine schwere, aber überaus wirksame Schutzwaffe von vielseitiger Verwendbarkeit, der die rechtwinkelige, den lückenlosen Zusammenschluß ganzer Reihen ermöglichende Form sowie die bedeutende, den etwas geduckten Kämpfer fast ganz deckende Dimension besonders zustatten kamen" (Johannes Kromayer/ Georg Veith, Heerwesen und Kriegführung der Griechen und Römer, München 1928, S. 324/ 325).

Römische Schilde. Nach Vorlagen von R. Embleton.

"Das berühmte römische Schwert (gladius), welches in dieser Zeit zur Einführung gelangte, war, wie die Römer selbst immer betonten, nicht römischer Herkunft. Von den verschiedenen Angaben verdient wohl die auch von Polybios gestützte, wonach es spanischen (iberischen) Ursprungs gewesen, den Vorzug; id enOtizen, die es in einer Zeit erwähnen, wo noch keine Berührung mit Spanien stattgefunden, sind nicht Gegenbeweise, sondern Anachronismen. Andererseits ist wohl anzunehmen, dass das spanische Schwert von dem altrömischen nicht gar so wesentlich verschieden gewesen ist, sondern gewissermaßen nur einen wesentlich verbesserten Typ darstellte; wie überhaupt das autochthone spanische Kriegswesen dem römisch-italischen vielfach verwandt gewesen zu sein scheint.

Das römische "spanische" Schwert war im Vergleich zu allen andern Schwerttypen des Altertums relativ kurz - Klingenlänge 60 - 70 cm -, ziemlich breit, etwas vorgewichtig, zweischneidig, mit sehr scharfer, oft verstärkter Spitze. Seine Kürze und Handlichkeit ermöglichen die blitzschnelle Führung in Hieb und Stich, überhaupt die Ausbildung einer vollendeten Fechtkunst, Der Griff war lang und kräftig, eine Parierstange nicht oder nur andeutungsweise vorhanden. - Das Schwert wurde in einer aus zwei Holzstücken bestehenden, mit Leder überzogenenen, mit breitem blchernem Mundstück und Ortsband zusammengehaltenen Scheide an einem Wehrgehänge, das von der linken Schulter zur rechten Hüfte lief, getragen. Chargen trugen es links" (Johannes Kromayer/ Georg Veith, Heerwesen und Kriegführung der Griechen und Römer, München 1928, S. 325).

Römische Blankwaffen und Schild. Nach Realien und Rekonstruktionen.

Ergänzend wird dem römischen Legionär als Bewaffnung noch ein Dolch (pugio)zugeschrieben. Es ist aber nicht sicher, ob dieser schon in der republikanischen Zeit zur regelmäßigen Ausstattung gehörte.

Während die Lanze bald nicht mehr zur Bewaffnung der römischen Legionäre gehörte, war dies beim Wurfspeer anders. Er war die klassische Fernwaffe des römischen Soldaten. Die Legionäre des ersten Gliedes (Hastati) und des zweiten Gliedes (Principes) verfügten jeweils über zwei Wurfspeere (Pila).

Veith weiß über den Pilum Folgendes zu berichten: "Noch charakteristischer für den römischen Legionär als das Schwert und dieseman Bedeutung ebenbürtig ist der Wurfspieß (pilum)., den Rom im Laufe der Zeit zu einer Präzsionswaffe sondergleichen herangebildet hat. Seine höchste Vollendung und damit seine überragend taktische Bedeutung hat das Pilum allerdings erst gegen Ende der polybianischen Zeit erreicht. Polybios führt uns einen Übergangszustand vor Augen. Nach ihm führten die Hastaten und Principes je zwei Pilen, ein schweres und ein leichtes., die Triarier aber die hasta (Stoßlanze). Das schwere Pilum beschreibt er als ein überaus schwerfälliges, "balkenartiges" Wurfgeschoss, dessen feldmäßige Brauchbarkeit sehr zweifelhaft und dessen baldiges Verschwinden daher durchaus einleuchtend ist; es scheint sich da wohl um irgendein Experiment der scipionischen Zeit zu handeln, das er aus Pietät in einer über seine wahre Bedeutung hinausgehenden Form verewigt hat. Dieser Auffassung entspricht auch die gleichzeitige Führung zweier Pilen, d. h. des normierten und eines zeitweise "in Erprobung befindlichen ", desgleichen die Existenz von zwei Untertypen mit rundem bzw. vierkantigem Schaft. - Der eigentliche römische Pilumtyp ist das polybianische "leuchte" Pilum, bestehend aus einem etwa 1 1/3 m langen Holzschaft, in den Eisenspitze von gleicher Länge bis zur halben beiderseitgen Länge eingefügt und mit zahlreichen Klammern sehr stark befestigt war. Die Gesamtlänge betrug daher ca. 2 m, wovon je ein Drittel auf den massiven Schaft, den Schaftteil mit eingefügten Eisen, und die blanke Spitze entfiel. Die Dicke des Eisens betrug in der Mitte, wo es an den Schaft anschloß, nicht ganz 3 cm, der Schaft dürfte daher etwa 4 cm dick gewesen sein. Ob das Eisen in einer zentrale Höhlung des Schaftes eingebohrt oder seitlich in eine Rinne eingelassen war, ist nicht sicher zu entnehmen, die Erwähnung von Klammern spricht eher für das letztere als Urtypus, der sich wohl mit der Zeit und der fortschreitenden Technik in die erstere Form verbessert haben mag, die in ihrer allseitig symmetrischen Querschnittsform und dementsprechenden Gewichtsverteilung eine weit größere Sicherheit der Handhabung bieten musste. Der Schwerpunkt lag etwas vor der Mitte" (Johannes Kromayer/ Georg Veith, Heerwesen und Kriegführung der Griechen und Römer, München 1928, S. 325/ 326).

Charakteristisch für die römische Armee war deren straffe Manneszucht, d. h., es bestand eine strenge Disziplin und die Vorgesetzten hatten die Strafgewalt. Die strenge Einhaltung von Regeln und Vorschriften und eine nur beschränkte Handlungsfreiheit war Voraussetzung für die Umsetzung der komplizierten römischen Kampftaktik.

Das Heer der frühen Republik kämpfte noch nach griechischem Vorbild in einer kompakten Phalanx (Servianische Heeresreform).

Aufgrund der relativ geringen Beweglichkeit einer Phalanx vor allem im hügeligen bzw. bergigen Gelände wechselte das römische Heer aber zur sogenannten Manipulartaktik über. Die bereits weiter oben erwähnten zu Manipel zusammen gefassten Centurien (jeweils 2) wurden in drei Linien dergestalt schachbrettartig aufgestellt, dass die Manipel der zweiten Linie (1200 Principes) die Lücken der Manipel der ersten Linie (1200 Hastati) und die Manipel der dritten Linie (600 Triarii) die Lücken der Manipel der zweiten Linie jeweils deckten.

"Die Entwicklung zur Manipularlegion ist zu Anfang des 3.Jh. v. Chr. mit dem Krieg gegen Pyrrhos (280 bis 275 v. Chr.) abgeschlossen" (Uni Tübingen).

Wohl unter dem Einfluss des römischen Feldherrn und Staatsmannes von Gaius Marius (* 158/157 v. Chr. in Cereatae nahe Arpinum; † 13.01.86 v. Chr. in Rom) wurde die sogenannte Kohortentaktik eingeführt. Nun wurde die Kohorte zur maßgeblichen taktischen Einheit der Legion.

Di Legion umfasste nun 10 Kohorten, welche im Gefecht bzw. in der Schlacht nebeneinander - jeweils in drei Treffen gegliedert - aufgestellt wurden. Die Kohorten zählten jeweils 480 Mann, die 1. Kohorte war jedoch stärker (800 Mann?). Die Kohorten gliederten sich immer noch in Centurien (zu jeweils 80 Mann).

Insgesamt zählte jetzt eine Legion 6400 Mann, davon waren 4800 Mann die eigentlichen Legionäre. Dazu kamen Reiter, Handwerker, Lagerarbeiter, Sanitätspersonal usw. Es gab 30 (durchnummerierte) Legionen.

Die Anlage fester Militärlager (castrum) bzw. befestigter Orte war typisch für die römische Armee. Diese castra hatten auch eine symbolische Funktion, denn sie repräsentierten die Macht Roms vor Ort, und sie ermöglichten die ständige Besetzung der eroberten Gebiete. Ein solches Kastell umfasste die Kasernen, die Komandantur, das Haus des Befehlshabers, das Verpflegungsmagazin, die Stallungen und ein Krankenhaus/ Lazarett. An wichtigen Stellen in den eroberten Ländern wurden auch Militärkolonien angelegt, d. h.., es wurden Soldaten angesiedelt. Damit wurde die Romanisierung dieser Bereiche befördert.

Charakteristisch für das römische Militärwesen waren aber auch die abendlichen Marschlager, die mit einem Wall und einem Graben umwehrt waren und die Sicherheit des lagernden Heeres in der Nacht auch im Feindesland garantierten. Dessen normierte Grundstruktur hat Polybios überliefert.

Römische Feldzeichen und Tapferkeitsabzeichen. Oben rechts: Adler der X. Legion. Mittig: Tapferkeitsabzeichen. Unten rechts: Vexillum der Reiterei. Letzteres bestand aus Stoff.

"Jede Centurie und jeder Manipel, wahrscheinlich auch jede Kohorte, hat ihr eigenes Stangenfeldzeichen (signum). Die Befehle der Centurionen werden von dem Feldzeichenträger (signifer) visuell und von dem Hornisten (Cornicen, tubicen, bucinator) akustisch an die Truppe weitergegeben" (Uni Tübingen).

Der Träger des Feldzeichens war der Signifer (Zeichenträger). Es handelte sich hierbei um eine wichtigen Unteroffizier (Principales) in der römischen Armee. Dieser musste besonders tapfer sein, insoweit war das Tragen des Signums(Feldzeichen) der Centurie eine Auszeichnung. Zusätzlich verwaltete er die Truppenkasse und erhielt einen doppelten Sold.

Das Feldzeichen diente als Orientierungspunkt im Kampf.

Das höchste Feldzeichen der römischen Legion war die Aquila (lateinisch Aquila, ursprüngliche Bedeutung: „Adler“). Der Adler war auch ein religiöses Symbol. "Die Aquila unterstand der Aufsicht der ersten Kohorte, insbesondere des diese anführenden Primus Pilus, des höchsten Centurio der Legion. Getragen wurde sie vom Aquilifer (lat. „Adlerträger“), dem ranghöchsten Feldzeichenträger der Legion. Dieser stand im Rang direkt unter den Centurionen, erreichte deren Rang im Gegensatz zu anderen ranghohen Unteroffizieren allerdings nur selten. Wahrscheinlich wurde der Rang des Aquilifer als Ehrenposten an verdiente Unteroffiziere vergeben. Als „duplicarius“ erhielt der Aquilifer den doppelten Sold eines normalen Legionärs." (Wikipedia).

Der Adlerträger trug häufig einen Schuppenpanzer und an die alte römische Tradition anknüpfend einen Überhang aus Wolfsfell.

Im römischen Heer gab es unterschiedliche Auszeichnungen (dona militaria) für besondere Tapferkeit. So konnte wegen Tapferkeit eine Krone oder ein Kranz (corona) verliehen werden. Diese erhielten zumeist aber nur Offiziere. Es gab aber auch Ehrenwaffen. Untere Chargen bzw. Ränge konnten sich durch einen besonderen Einsatz sogenante Phalerae (= silberne oder versilberte Scheiben) oder Armillae (Armreife) oder Torques (verkleinerte Halsringe) verdienen. Denkbar war auch ein eigener Beiname (Torquatus).

"Aus dem ursprünglichen römischen Bürgerheer wurde in der Kaiserzeit eine Armee von Berufssoldaten. Seit dem 3. Jahrhundert u. Z. bestanden die römischen Legionen zum größten Teil aus germanischen Söldnern. Die zerfallende innere Ordnung, die häufigen Krisen des Kaiserreiches, die Sklavenaufstände und der Geldmangel zersetzten die einstmaligen eiserne Disziplin der Armee. Der militärische Wert der gefürchteten Legionen, die sich nur durch den Sold ans Imperium gebunden fühlten, sank stetig und unaufhaltsam. Der Ansturm der in einer neuen Gesellschaftsordnung lebenden Volksstämme, deren zumeist berittene Krieger mit Speer und Pfeil kämpften, konnte auch durch das sinnreich ausgedachte System von Grenzfestungen und Wällen nicht aufgehalten werden. Als germanische Führer im römischen Dienst den letzten weströmischen Kaiser absetzten, hörte nicht nur das sich bereits in Verfall befindende große Römische Reich zu existieren auf, sondern es fand gleichzeitig eine Gesichtsepoche ihren Abschluß, in der der disziplinierte schwere Infanterist das Schlachtfeld beherrscht hatte" (Karel Toman, Der Soldat im Wandel der Zeit, Prag 1964, S. 29).

Unter der Ägide byzantinischer Truppen unter den Feldherrn Belisar und Narses gelang es zwar, Italien dem Reich noch einmal für eine gewisse Zeit anzugliedern. Die Machtverhältnisse in Italien waren jedoch zersplittert. In Ravenna vertrat ein Exarch und in Rom der dux romanus den byzantinischen Kaiser. Unter dem König der Langobarden (Agilulf) bestand in Italien neben dem von Konstantinopel (bis ins 8. Jahrhundert) verwalteten römischen Gebieten auch ein langobardisches Reich. W. Seaton äußert sich zum Niedergang des weströmischen Reichs: "Die römische Zivilisation lebte weiter, mit einzigartigem Glanz bei des Westgoten Spaniens und bei den Ostgoten Italiens, weniger existenzsicher ei den Burgundern Galliens, fast betäubt bei den Franken. Nirgends jedoch verschwand sie ganz und für immer".

Die Parther.

Die Parther waren ein Volk im Großraum Vorder- und Zentralasien. Sie kamen als Nomaden mit skythischen Wurzeln und gründeten - 250 - 130 v. Chr. - ein großes Reich. Zu dessen Kerngebieten gehörte u. A. Babylonien. Im Grunde umfasste ihr Reich die Länder vom heutigen Irak bis an die Grenzen Afghanistans. Die Hauptstadt war Ctesiphon (in der Nähe von Bagdat gelegen). Die Hauptreligion war der Zoroastrismus.

Das Heeresaufgebot war im parthischen Reich dezentral organisiert, d. h., die verschiedenen Adelsfamilien stellten im Kriegsfall entsprechende Kontingente.

Die Parther waren hervorragende Reiter. Das parthische Militär bestand deshalb vor allem aus Kavallerie, und zwar leicht bewaffnete berittene Bogenschützen und schwer gepanzerte Reiter, sogenannte Kataphrakten. Letztere waren bewaffnet mit Lanzen und Schwertern. Auch die Pferde waren durch eine Panzerung geschützt.

Bekannt ist der sogenannte „Partherschuss“, d. h., ein Schießen im vorgetäuschten Rückzug. Dies war die Taktik der berittenen Bogenschützen. Sie machten das Gros der Reiterei der Parther aus und bestanden aus den Lehnsleuten (und Sklaven) des Adels.

Die Infanterie bestand aus den Bewohnern der Bergregionen und Vasallen und war von sehr unterschiedlicher Qualität.

Die Parther gerieten bald mit dem um sich weiter expandierenden römischen Reich in Konflikt. Im sogenannten Partherkrieg (58–63 v. Chr.) ging es um die Kontrolle über Armenien bzw. um die Vorherrschaft im Kaukasus.

Die militärische jahrelange Auseinandersetzung gipfelte in der Schlacht von Carrhae (53 v.Chr.). Hier erlitten die Römer unter Crassus eine schwere Niederlage. Die römische Streitmacht umfasste etwa 25000 bis 28000 Legionäre, 4000 Mann leichte Truppen, dazu an Kavallerie u. A. 1000 Gallier. Die Parther kämpften unter Surena und verfügten u. A. über etwa 1000 Kataphrakten und 6-8000 berittene Bogenschützen, also nur über Reiterei. Von der römischen Streitmacht wurden in dem gesamten Feldzug 20.000 Soldaten getötet und 10.000 Soldaten gefangengenommen. Die parthischen Bogenschützen hatten die Römer mit einen ständigen Pfeilhagel in einem tagelangen Kampf zermürbt. Der römische Oberbefehlshaber wurde später zu einer Unterredung mit Surena in einen Hinterhalt gelockt und umgebracht.

Die Völkerwanderung und die Zeit des Niederganges des römischen Reiches.

In der Spätantike setzte die sogenannte Völkerwanderung ein. Inesbesonderen germanische Völkerschaften drangen in Mittel- und Südosteuropa ein, u. A.. verursacht durch die massiven Angriffe der Hunnen.

"Wie ein Sturm fegten sie über die Völker nördlich des Schwarzen Meeres hinweg. Sie eroberten alles Land unter den Hufen ihrer Pferde und vernichteten jeden, der sich ihnen in den Weg stellte. Aus den Tiefen der eurasischen Steppe drangen im Verlauf des 4. Jahrhunderts n. Chr. unbekannte Krieger nach Westen vor. Jede Gegenwehr war vergeblich, ein Volk nach dem anderen musste sich geschlagen geben. Die Stämme der Alanen und Sarmaten sowie die germanischen Goten – sie alle unterlagen, flüchteten oder wurden in den Verband der Reiterkrieger eingegliedert. Wer entkam, floh nach Westen und trug die Kunde von der drohenden Gefahr bis in den letzten Winkel des Römischen Reichs. Der Name der berittenen Eindringlinge verbreitete Angst und Schrecken: Die Hunnen kamen. Ganze Völkerschaften verließen ihre angestammten Sitze im äußersten Osten Europas und suchten Zuflucht auf dem Gebiet des Imperium Romanum. Das Ostgotenreich am Nordpontus (Moldawien und Ukraine) fiel innerhalb eines Jahres der überwältigenden Macht des Reiterheers zum Opfer. Sein König Ermanarich wählte im Jahr 376 den Freitod, um das Ende seines Reichs nicht mehr mit ansehen zu müssen. Die Unterlegenen, durch das Leben in der südrussischen Steppe selbst zu einer Art Reitervolk geworden, wurden zum Waffendienst verpflichtet. Fortan kämpften die gefürchteten ostgotischen Krieger, im Lanzenkampf erprobt, in den Reihen des hunnischen Verbands. Auch ihre nächsten Verwandten, die Westgoten, die weiter südlich am Balkan siedelten, stellten sich den Hunnen zum Kampf. Und auch sie unterlagen in blutigen Schlachten." (Lars Römer, vgl. hierzu auch: Hermann Schreiber, Die Hunnen. Attila probt den Weltuntergang, Düsseldorf 1987). Die erste Völkerwanderung wurde demnach Ende des 2. Jahrhunderts von den Goten (Ost-, Westgoten, Gepiden) ausgelöst, die, aus dem Ostseeraum kommend, in das Gebiet der heutigen Ukraine zogen. Diese erste Wanderungsbewegung kam Ende des 3. Jahrhunderts zum Stillstand, ab dem 4. und 5. Jahrhundert kam es zu weiteren vergleichbaren Migrationen durch die Vandalen (bis nach Nordafrika, 439 Eroberung von Karthago) und (ab 450) durch die Jüten, Angeln und Sachsen.

Der Begriff der Völkerwanderung wird aber in der heutigen historischen Forschung eher zurückhaltend benutzt, da mit diesem Vorgang irrigen Vorstellungen (Forschungymythos) verbunden sind. "Statt fester Völker, die von einer „Urheimat“ aus aufbrachen und sich nach einer „Wanderung“ woanders neu ansiedelten, handelte es sich dem aktuellen Forschungsstand zufolge vielmehr um heterogene Gruppen, deren Zusammensetzung fließend war (vgl. Ethnogenese) und deren Migration (aus jeweils unterschiedlichen Gründen) einen Prozess mit offenem Ausgang darstellte. Manche dieser Verbände versuchten am Reichtum des römischen Imperiums als Vertragspartner zu partizipieren (womit der römische Staat kampffähige Truppen erhielt), andere griffen zu diesem Zweck zu militärischen Mitteln und errichteten neue Herrschaftsräume auf dem Boden des Westreiches" (Wikipedia). Auch welche Rolle die Entwicklungen der Völkerwanderungszeit bei derm Untergang des Weströmischen Reiches spielten, ist ein in der Forschung immer wieder diskutiertes Problem und nicht pauschal zu beantworten. Demnach hatte dessen Auflösung und Niedergang vielschichtige Gründe. Auf alle Fälle bedeutete der Verlust reicher Provinzen - z. B. in Nordafrika - auch bedeutende finanzielle Einbußen mit negativen Folgen für die Finanzierung des kostspieligen römischen Militärwesens.

Mit bzw. nach dem Niedergang des römischen Reiches dominierten im Kriegswesen vor allem Reiterheere. Es handelte sich um schwer bewaffnete Krieger, es gab aber auch berittene Bogenschützen, z. B. bei den Hunnen oder den Awaren oder den Petschenegen. Auch im byzantinischen Heer kamen berittene Bogenschützen zum Einsatz. Nach dem Vorbild der Sassaniden wurden von Byzanz auch schwer gepanzerte und mit Lanzen bewaffnete sogenannte Kataphrakten aufgestellt.

Die Entwicklung der Kopfbedeckungen vom Spangenhelm der Völkerwanderungszeit bis zum 17. Jhdt. Nach Helmut Nickel (Ullsteins Waffenbuch). I. Ursprung.
Die Entwicklung der Kopfbedeckungen vom Spangenhelm der Völkerwanderungszeit bis zum 17. Jhdt. Nach Helmut Nickel (Ullsteins Waffenbuch). II. Entwicklungslinien.
Krieger der Völkerwanderungszeit. 5-6 Jhdt. nach Saxtorph/ Bramsen

Der oben dargestellte Krieger trägt einen typischen Helm der Völkerwanderungszeit. Schon zu deren Beginn wurden einfache Eisenkreuzhelme getragen.

Dieser Helmtyp bestand aus einem Stirnreifen mit über dem Kopf gekreuzten Metallbändern.

Die Zwischenräume konnten mit Stücken aus Horn oder Metall gefüllt sein.

Später kamen noch ein kurzes Naseneisen und ein Kettengehänge dazu, ferner Wangenklappen (Vesey Norman, Waffen und Rüstungen, S. 8 ff.).

Die Westgoten.

In der Zeit ab 418 existierte ein westgotisches Reich im Südwesten Galliens und später auf der iberischen Halbinsel.

Die Hauptstadt dieses Reiches war zunächst Tolosa.

Laut Döbler (Die Germanen. Legende und Wirklichkeit, Bd. II., S. 584 ff.) kamen die Westgoten ursprünglich als Flüchtlinge vor den Hunnen aus dem Schwarzmeerraum ins römische Reich und erhielten von König Valens Siedlungsraum im nördlichen Thrakien zugewiesen.

Später begründete der westgotische Kriegerverband - welcher zeitweise mit West-Rom verbündet war - dass vorgenannte Reich in Gallien und ab dem 5. Jahrhundert auch in Hispanien. Es war für eine gewisse Zeit ein bedeutender Nachfolgestaat des Weströmischen Reiches.

Zuvor hatten die Westgoten z. B. in der Schlacht auf den Katalaunischen Feldern (451) auf Seiten des römischen Heermeisters Aëtius gegen die Hunnen Attilas und andere Völkerschaften gekämpft.

In der kriegerischen Auseinandersetzung mit den Franken wurden die Westgoten auf die iberische Halbinsel abgedrängt.

Westgotischer Krieger um 600 nach Saxtorph/ Bramsen.

Das westgotische Staatsgebilde hatte in seiner späten Phase gesellschaftlich schon feudale Ausprägungen, es gab aber dann Probleme im Heerwesen. "Im westgotischen Heerwesen trat im Lauf des 7. Jahrhunderts ein Verfall ein. Eine wesentliche Rolle spielte dabei der Umstand, dass zahlreiche Wehrpflichtige sich dem Heeresdienst entzogen, wodurch der Anteil der Freien im Heer zurückging. Der größte Teil des Heeres bestand aus Unfreien, die mit ihren Herren zum Kriegsdienst einrückten. Die Vornehmen rüsteten nur einen kleinen Teil ihrer Unfreien aus und führten ihn ins Feld. Gesetze König Wambas und seines Nachfolgers Erwig illustrieren diese unbefriedigenden Verhältnisse; Wamba drohte bei Nichterfüllung der militärischen Pflichten den Säumigen drastische Vermögens- und Freiheitsstrafen an. Diese Militärgesetze spielen in der Forschungsdebatte um den westgotischen „Protofeudalismus“ eine wichtige Rolle (wikipedia)".

Gotischer Krieger und Waffen und Schild sowie Schildbucke. Nach Funcken.

Unter König Roderich († zwischen 19. und 26.07.711 am Guadalete) erlitten die Westgoten aber gegen ein muslimisches Heer - vor allem aus Berbern bestehend - unter Tāriq ibn Ziyād im Jahre 711 eine entscheidende militärische Niederlage.

Der oben dargestellte westgotische Krieger trägt ein Panzerhemd, Haubert genannt. Dieser Ringelpanzer findet sich schon im dritten Jahrhundert nach Christus in Westeuropa (Vesey Norman, S. 7).

Die Byzantiner.

Mit der Alleinherrschaft des Kaisers Konstantin war das Christentum im römischen Reich als Staatsreligion eingeführt worden.

Anstelle von Rom wurde nun Byzanz zur Hauptstadt ernannt. Das war im Jahr 330. Ihr neuer Name lautete jetzt Konstantinopel.

Das Weströmische Reich ging in der Folge unter dem Ansturm der Völkerwanderung unter, aber das Oströmische Reich blieb noch für beinahe 1000 Jahre bestehen und war faktisch die Fortsetzung des römischen Reiches im östlichen Mittelmeerraum. Es befand sich im dauernden inneren und äußeren Machtkämpfen und konnte sich lange gegenüber äußeren Feinde behaupten. Aber schon während der Völkerwanderung war die östliche Hälfte des damals noch existierenden römischen Reichs das Ziel germanischer Angreifer, wie z. B. der West- und Ostgoten. In der Schlacht von Adrianopel im Jahr 378 erlitt das oströmische Heer eine schwere Niederlage gegen die (West-)Goten, denen in der Folge Siedlungsräume südlich der Donau zugewiesen wurden.

Die weströmische Armee hatte sich jedoch um 470 faktisch aufgelöst und als Machtfaktor aufgehört zu existieren. Unter Kaiser Justinian (527–565) und unter den beiden oströmischen Feldherren Belisar und Narses wurden große Teile der weströmischen Provinzen – Italien, Nordafrika und Südspanien – zurückerobert, doch die andauernden Kämpfe gegen die Vandalen, Goten und Sassaniden belasteten das Reich.

Ab dem 7. Jahrhundert begannen die Abwehrkämpfe unter der herakleischen Dynastie gegen den Islam. Die arabisch-byzantinischen Kriege dauerten vom 7. bis 11. Jahrhundert und wurden von mehreren arabischen Dynastien gegen das Byzantinische Reich geführt. Die muslimischen Kalifate eroberten im Laufe der Zeit große Teile des christlichen byzantinischen Reiches und belagerten auch mehrfach erfolglos die byzantinische Hauptstadt Konstantinopel.

Dann folgte im Jahr 1204 die Katastrophe des Vierten Kreuzzuges und im Jahr 1453 sah Europa tatenlos zu, wie Konstantinopel von einer Übermacht der Türken belagert und schließlich erobert wurde.

Angesichts der vielfältigen Bedrohungen und zahlreichen Kriege bedurfte Byzanz einer stets starken Armee. Voraussetzung hierfür waren eine gute Verwaltung und ausreichende finanzielle Mittel.

Montgomery (Kriegsgeschichte. Weltgeschichte der Schlachten und Kriegszüge, London 1968, Sonderausgabe Frechen o. J., S. 143) beurteilt die byzantinische Armee wie folgt:

"Die Byzantiner waren die besten europäischen Soldaten im frühen Mittealter, aber man hörte auch am wenigsten von ihren Taten. Das lag daran, dass sie meist eine Defensivstrategie trieben und sich mehr auf ihren Verstand als auf rohe Gewalt verließen. Sie mussten die Araber daran hindern, in Kleinasien einzudringen, die Langobarden und Franken aus den italienischen Provinzen fernhalten und Griechenland und den Balkan gegen Slawen, Bulgaren, Awaren, Magyaren und Petschenegen verteidigen. Mit äußerster Wachsamkeit hielten sie ihre Grenzen besetzt und betrachteten es als ihre Hauptaufgabe, sie zu schützen. Nur selten wurden sie offensiv wie zum Beispiel Mitte des 9. und Ende des 10. Jahrhunderts".

Der bereits erwähnte Montgomery (a.a.O., S. 1140 ff.) beschreibt die Geschichte der byzantinischen Kavallerie mit folgenden Worten: "Während der ganzen byzantinischen Geschichte war die Kavallerie die Hauptwaffengattung. Der Reiter trug ein langes Kettenhemd bis zu den Oberschenkeln, einen mittelgroßen Rundschild, eine gepolsterte Stahlkappe, Beinschienen und eiserne Schuhe. Die Offizierspferde und die Pferde im ersten Glied waren mit einem stählernen Brustschutz gepanzert, und alle trugen bequeme Sättel mit eisernen Steigbügeln. Die Angriffswaffen waren ein breites Schwert, ein Dolch, ein kurzer Bogen mit Köcher und eine lange, reich verzierte Lanze, die am unteren Ende mit einem Riemen versehen war. Manche Reiter trugen am Sattel eine Streitaxt. Ähnlich wie die Römer und anders als alle übrigen europäischen Armeen vor dem 16. Jahrhundert waren die byzantinischen Soldaten uniformiert. Umhang, Lanzenwimpel und Helmbusch bezeichneten durch ihre Farbe die jeweilige Einheit. Die Reiter mussten wohlhabende Leute sein, um sich eine so gute Ausrüstung leisten zu können. Jeder Offizier und je vier bis fünf Reiter hatten einen Burschen. Das bedeutete zwar eine erhebliche Mehrausgabe, aber man glaubte, es lohne sich, wenn der Soldat sich ganz auf seine militärischen Aufgaben konzentrierte und durch gute Ernährung dafür gesorgt würde, dass seine körperliche Leistungsfähigkeit erhalten blieb".

Eine Besonderheit im byzantinischen Heer waren die sogenannten Kataphraken. Bei den letzteren handelte es sich um schwer gepanzerte mit Lanzen bewaffnete Reiterei, deren Rüstung den Mann und das Pferd bedeckten und die ein eigenartiges Gesichtsvisier trugen. Sie sollten die gegnerische Front durchbrechen.

Später führte eine umfassende Reform des byzantinischen Heeres dazu, dass der Infanterie wieder die Hauptrolle bzw. eine bedeutendere Rolle im Kampf zufiel.

Die Karolinger.

Die Karolinger waren ein Herrschergeschlecht der westgermanischen Franken. Der Name leitet sich von dem in dieser Familie häufig gewählten Namen: Karl ab. Als Stammvater dieses Geschlechts gilt Pippin der Ältere. Karl Martell war – königlicher Verwalter (688 – 741) der Merowinger und konnte diese nach inneren Machtkämpfen von der königlichen Macht verdrängen. Er beendete die Bürgerkriege der Merowingerzeit und konnte – unterstützt von langobardischen, sächsischen und friesischen Kontingenten - in der Schlacht bei Tours und Poitiers (732) die muslimische Expansion nach Gallien hinein aufhalten. Pippin III. aus dem Geschlecht der Karolinger wurde der erste König der Franken.

Wesentlich bedeutsamer war aber Karl der Große, der vom Papst Leo zum römisch-deutschen Kaiser (800) gekrönt wurde. Er unterstützte den Papst gegen die Langobarden und innere Gegner. Besondere Merkmale seiner Regierungszeit waren aggressive Expansionen und die Intoleranz gegen Heiden, insbesondere gegenüber den nach langen Kämpfen unterworfenen Sachsen. Das östliche Grenze des karolingischen Reiches wurde bis an die Elbe vorgeschoben und in Italien das Langobardenreich erobert. Der Zugriff der Araber wurde auf die iberische Halbinsel beschränkt. Karl der Große regierte mit Unterstützung des Adels und der Kirche. Das Reich der Karolinger war neben Byzanz der erfolgreichste Nachfolgestaat des römischen Reiches.

Das Werkzeug für zahlreiche Eroberungen war ein gut organisiertes Heerwesen. Die Karolinger begannen früh mit der Verteilung von Ländereien an diejenigen, die Dienste erwiesen hatten. Diese Landleihe betraf häufig ehemaligen Landbesitz der Kirche. Der Herrscher schaffte sich durch die Verleihung solcher „beneficia“ eine Schicht von Vasallen und Krieger, die diesem in persönlicher Treue verbunden waren. Aus diesem Procedere folgte aber. Dies war auch ein Grund für Eroberungen. Die in diesen eroberten Gebieten enteigneten Ländereien wurden dann die eigenen Adligen verteilt.

Das karolingische Heer bestand ursprünglich vor allem aus Fußsoldaten. Diese kämpften noch in der bereits erwähnten Schlacht von Tours und Poitiers – wie ehemals die Germanen – in geschlossenen Formationen. Es war also vor allem ein Fußgefecht unterstützt von berittenen Kämpfern. Aber ab Mitte des 8. Jahrhunderts dominieren im Heer der Karolinger aber die Reiter. Dies war eine bedeutende militärgeschichtliche Umwälzung und war mit einem großen Aufwand verbunden.

Die Ausrüstung des berittenen Kriegers war sehr teuer. Die leichten Kavalleristen waren mit Lanze, Schwert, Dolche und Schild ausgestattet. Dazu wurden aber auch immer mehr schwer bewaffnete Reiter. Diese eingeführt trugen einen Schuppenpanzer und einen konischen Helm aus Metall. Auch das Pferd war geschützt. Die Ausstattung eines schweren Reiters kostete etwa das Dreifache der Ausrüstung eines leicht bewaffneten Reiters. Sowohl die Panzer als auch die Schwerter der Franken waren von hoher Qualität und sehr begehrt, aber ihr Export war unter Strafe verboten.

In Band 10 der Fischer Weltgeschichte (Das frühe Mittelalter, S. 63 ff.) wird zu den Folgen dieser Veränderung der Kriegsführung und der Ausrüstung das Nachfolgende ausgeführt: “Bedeutende, die Geschichte der Technik betreffende Fragen gelten der Einführung des Steigbügels, des Sattels und des Hufeisens. Man stelle sich nur einmal einen Reiter vor, der ohne Steigbügel ein Pferd besteigt, das anstelle eines Sattels eine Decke trägt! Nehmen wir ferner an, dass dieser Reiter gegen einen anderen Reiter oder einen Infanteristen kämpfen muss. Bewaffnet mit einer Lanze oder mit einem Schwert oder mit einem Beil, wird unser Reiter außerstande sein, die Lanze zum Tiefstoß zu senken und den Gegner anzugreifen; denn er würde bei einem Zusammenprall mangels der Stützen, die Sattel und Steigbügel bieten, von seinem Tier geworfen werden. Zudem kann er gegen seinen Feind auch keinen kräftigen Schwertstreich führen, da er ja vor allem darauf bedacht sein muss, sein Gleichgewicht auf dem Pferd nicht zu verlieren. Es ist ihm also fast unmöglich, den Gegner hart zu treffen.

Wir stellen und den gleichen Reiter nunmehr auf einem Pferd mit Sattel und Steigbügeln vor. Alle Manöver, die dem Kavalleristen ohne diese beiden Errungenschaften nahezu verwehr waren, sind nunmehr einfach durchzuführen. Aus dem Reiter, dessen kriegerische Leistung auf das Schießen mit Pfeil und Bogen beschränkt war, ist jetzt ein offensiv auftretender furchtbarer Krieger geworden, der, falls er außerdem noch ein Panzerhemd trägt, zum wahren König der Schlachtfelder werden musste“.

Dies wird durch Niels Saxtorph in „Kriegstrachten in Farben“ (Berlin 1971, S. 180) wie folgt ergänzt: „Etwas Neuartiges zeigt der Reiter ... nicht in Rüstung und Waffen, sondern mit dem hohen Sattel und den Steigbügeln. Es ist möglich, dass man in Europa schon früher Steigbügel benutzte, den militärischen Wert für die schwerbewaffneten Reiter erkannte aber erst Karl Martell. Ein Reiter auf einem Bocksattel mit hohen Vorder- und Hinterzwieseln, hatte einen wesentlich festeren Sitz, und er konnte, aufrecht in den Bügeln stehend, mit eingelegter Lanze den Lanzenstoß weit genauer führen und die Geschwindigkeit des Pferdes auf den Lanzenstoß übertragen.  Allerdings bestand die Gefahr, dass bei diesem Manöver die Lanze zu tief eindrang und nur schwer wieder aus dem Opfer zu lösen war., so dass der Reiter seiner Waffe verlustig ging. Daher hatten Reiterlanzen oft einen Knebel, der ein zu tiefes Eindringen verhindern sollte“.

Die gepanzerten Reiter wurden aber auch nach wie vor durch Fußsoldaten unterstützt. Diese konnten auch Schuppenpanzer und einen Spangenhelm tragen, Kniehosen waren üblich. Zum Schutz dienten schwere Rundschilder. Die übrigen Angehörigen des Aufgebots waren noch einfacher ausgestattet, allerdings hatten auch sie Lanzen und Schilde.

Die Wikinger.

"Sie haben der Geschichte des Abendlandes in den Jahren zwischen 800 und 1100 ihren Stempel aufgeprägt, so stark und so deutlich, dass man von einem Zeitalter der Wikinger sprechen kann. Es waren Wikinger, die in diesen drei jahrhunderten an den Küsten Europas plünderten, raubten, mordeten und die Menschen in Angst und Schrecken hielten. Es waren aber auch Wikinger, die mit einer Kühnheit ohnegleichen auf ihren schnellen Booten, den "Schlachtrossen des Meeres", den nördlich Atlantik durchpflügten, Island und Grönland besiedelten und ein halbes Jahrtausend vor Kolumbus bis nach Amerika vordrangen. Und wieder waren es Wikinger, die im Osten das Russische Reich gründeten, mit ihren Flußbooten die großen Ströme befuhren und Verträge mit den Kaisern von Byzanz schlossen, an deren Hofe sie als geschätzte und gefürchtete Leibwache lange Zeit dienten" Frank R. Donovan, Das große Buch der Wikinger, Reutlingen 1965, S. 7).

Nordische Schwerter, Lanzenspitzen, Axt und Helm mit Nasal und Brillenhelm der Wikinger. Nach Realien sowie Zeichnungen in Ian Heath/ David Nicolle und Angis McBride, Wikinger und Normanen (Sankt Augustin 2003) und Terence Wise/ Gerry Embleton, Sachsen, Wikinger und Normammen (Königswinter 2013).

Die Wikinger galten als Räuber und Piraten. Sie waren aber auch Händler, Handwerker, Schiffsbauer, Seefahrer, Entdecker und Kolonisten. Aber die Wikinger waren vor allem Bauern (vgl. u. A. Rudolf Simek, Die Wikinger, München 2009). Mit dem Überfall auf das englische Kloster Lindisfarne im Jahr 793 n. Chr. traten sie aber vor allem gewaltsam in das Licht der Geschichte. Für die nächsten Jahrhunderte praktizierten die Wikinger ufernahen Raub und verursachten durch diese gewaltsamen Übergriffe in Europa große Unsicherheit und eine Untergangsstimmung. Im Mittelmeehrraum plünderten die Wikinger im Jahr 850 die in der Toskana gelegene Stadt Luna, weil sie die Ansiedlung mit Rom verwechselten. In den Jahren 885 bis 888 kam es sogar zur Belagerung von Paris. Die größe Flotte der Wikinger wurde angeführt von von Sigfred und Rollo (?). Die Wikinger segelten die Seine hoch und versuchten die Stadt einzunehmen, was jedoch nicht gelang. Obwohl die Besatzung von Paris unter Graf Odo die Angriffe erfolgreich abwehren konnte, beendete der französische König aber die militärische Auseinandersetzung mit einer Tributzahlung, was sein Ansehen gewaltig beschädigte und letztlich zu seiner Absetzung führte. Den zahlreichen Raubzügen in England und Irland folgte vor allem durch dänische Wikinger auch die Gründung verschiedener Königreiche auf englischem Boden und fortan siedelte auch eine nordsiche Minderheit auf der Insel. Erst Alfred dem Großen (gekrönt 871) gelang ein längefristiger Abwehrerfolg und die Wikinger und Angelsachsen teilten England unter sich auf.

Auch im Osten gründeten vor allem schwedische Wikinger eine Reihe von Fürstentümer (vgl. . Schon seit langer Zeit waren die Schiffe der vor allem schwedischen Nordmänner auf dem Flusssystem im Osten unterwegs, zuerst als Eroberer und Plünderer, später nur noch als Händler. Es gab wechselvolle Kämpfe mit der an diesen Flüssen lebenden Einheimischen bis hin zu regelrechten Vertreibungen. Es wurden Siedlungen und ganze Stadtstaaten gegründet, wobei häufig die Waräger die politische Oberschichte und die vorhandenen Einwohner, zumeist Slawen, die beherrschte Unterschicht stellten. Im Lauf der Zeit verschmolzen aber die gewalttätigen Zuwanderer mit den anderen Bevölkerungsgruppen und erst spät – mit dem Mongolensturm – sollten diese Handelswege an Bedeutung verlieren.

Viele Jahre waren die schwedischen Wikinger auch gegen die reiche Romaburg des Ostens an angestürmt. Die Rus bzw. die Rusi, wie sie auch von den Slawen genannt wurden, bezeichneten diese große Stadt als Miklagard und mehrfach gelang es sie zu belagern und ertragreiche Friedensabkommen zu erzwingen. Seit Waldemar bzw. Wladimir, der eine oströmische Kaisertochter heiratete, besserte sich aber das Verhältnis zu Byzanz und fortan sah man dort neben den Händlern auch viele - vor allem schwedische und norwegische - Wikinger als Söldner der Leibwache (Waräger).

Nordische bzw. normannische Helme (nach verschiedenen Quellen). Der Brillenhelm stammt aus dem 7. Jahrhundert. Gefunden wurde er im Vendelschiffsgrab in Schweden.

Anmerkungen zur vorigen Abbildung.

Während die Kopfbedeckungen der karolingischen Krieger noch relativ offen waren, finden sich aber schon früh Helme, die aus einem Stirnreifen mit darüber über Kreuz angebrachten eisernen Bändern bestanden. Dazwischen befanden sich Füllstücke aus Horn oder Metall. Häufig haben diese Helme auch ein Naseneisen, Wangenklappen und als Nackenschutz ein am Helm montiertes Kettengehänge.

Aus diesem Helmtyp entwickelten sich die klassischen konischen normannischen Helme, wobei der Wangenschutz bald entfiel. Die Spitzen dieser Helme neigten sich im Laufe der Zeit nach vorn. Mitunter findet man auch einen leicht nach unten gezogenen hinteren Abschluss der Kopfbedeckung, der als Nackenschutz dienen sollte.

Oben links findet sich eine Darstellung des Helms des hl. Wenzeslaus, welcher im Schatz des St. Veits-Domes in Prag aufbewahrt wird. Dieser wird von Vesey Norman (Waffen und Rüstungen, S. 9) wie folgt beschrieben: "Einige wenige Helme aus der Zeit vom 10. bis zum 12. Jahrhundert sind erhalten geblieben. Das schönste und älteste erhaltene Stück einer eurpäischen Rüstung wird im Prager Dom aufbewahrt und soll dem hl. Wenzeslaus (gest. 935) gehört haben. Es ist einer der typischen knonischen Helme jener Zeit. An der aus einem Stück verfertigten Helmglocke sind gesondert ein mit Silber eingelegtes Naseneisen und ein ebensolcher Randstreifen aufgenietet".

Nordische bzw. normannische Schilde. Die im sogenannten Gokstadschiffsgrab gefundenen Schilde aus Holz waren etwa 90 cm breit und waren an den Kanten mit Leder gebunden. Kettenpanzer ähnelten den im sonstigen Europa gebräuchlichen Modellen bzw. waren sowieso Beutestücke.

Die Ausrüstung und Bewaffnung der Wikinger wird von Torsten Capelle wie folgt beschrieben: "Erstaunlich ist das geringe Schutzbedürfnis der Wikinger im Kampf gewesen. Brünnen und Helme wurden gemäß archäologischer Überlieferung nicht getragen, obwohl beides in der voraufgehenden Vendelzeit sowhl in Schweden als auch in Norwegen bekannt war. Zwar gibt es einige Darstellungen konischer Kopfbedeckungen, doch muss es sich dabei um etwas anderes als Helme gehandelt haben. Lediglich der Schild war so weit verbreitet, dass er eine Art Standarfdwaffe gewesen sein wird. Der aus schmalen Brettern zusammengesetzte Schild war rund, zuweilen mit metallenen Beschlägen verstärkt unhd besass fast stets einen eisernen Schildbuckel im Zentrum, um die Hand besonders zu schützen. Manche Schilde müssen reich bemalt gewesen sein. Dies ist daraus zu folgern, dass Helden laut altnordischer Überlieferung in Anlehnung an die auf ihrem Schild in Bildern wiedergegebenen Taten besungen wurden. Zu dem Schiffsfund von Gokstad nahe Oslo gehörten an der Relig aufgehängte bemalte Schilde, die allerdings nur abwechselnd schwarz und gelb getrichen waren. Auf gotländischen Bildsteinen sind ebenfalls oft an der Reling aufgehängte Rundschilde zu erkennen. Sie erhöhten in dieser Anordnung die Bordwand, und sie konnten daher ebenso vor überschlagenden Wellen wie vor einem Pfeilhagel schützen".

Nordische Schwerter. Die meisten Schwerter hatten eine gerade Kloinge mit einem stumpfen Ende, da sie Hiebwaffen waren.

"Vielfältiger waren die Angriffswaffen. Unter ihnen sind an erster Stelle die zweischneidigen Langschwerter zu nennen, deren qualitätvolle, stahlartig harte Klinen den Inschriften gemäß zuweilen aus dem karolingischen Gebiet importiert wurden. Exportierende Schwertfeger müssen den Namnformen nach zu urteilen am Niederrhein ansässig gewesen sein. Die drei- oder fünfgliedrige charakteristische Knaufbildung vieler wikingischer Schwerter macht jedoch deutlich, dass die Fertigstellung dieser Waffe jeweils in einer einheimischen nordischen Werkstatt erfolgt sein muss. Auch die Streitaxt ist als gefürchtete Waffe der Nordleute überliefert und sowohl in einfacher als auch in verzierter Prunkausführung in Grabfunden belegt. Sie wurde als Hiebwaffe und auch als Wurfwaffe eingesetzt. Häufig vertreten ist ebenfalls der Speer, der besonders wirkungsvoll zur Eröffnung eines Kampfes geworfen wurde. Die Lanze als Stoßwaffe ist dagegen vornehmlich in der jüngeren Wikingerzeit in einigen reich ausgerüsteten Gräbern Berittener vorhanden".

Nordische - schwedische - Schwerter. Die gezeigten Schwerter hatten einen großen Knauf als ein Gegengewicht zur Klinge. Ab dem 10 Jahrhundert kamen Schwerter mit einem gekrümmten Griff auf, nach englischem Vorbild.

"Welche Rolle schlielich Pfeil und Bogen gespielt haben, lässt sich noch nicht zutreffend beurteilen. Sicher ist die Bedeutung dieser Fernkampfwaffe bisher unterschätzt worden. Sie ist nämlich nur selten in den Funden nachzuweisen, da sämtliche Teile aus organischem Material bestanden haben können. Neue Funde ais Haithabu erweisen aber die Verwendung von Langbögen. Sie sind aus Eibenholz gefertigt, das bereits Jahrhunderte zuvor in der germanischen Welt wegen seiner Elastizität bevozugt worden ist. Die mannshohen Bögen müssen im Stand benutzt worden sein, das heißt, sie sind kaum als Jagdwaffen, sondern wohl ausschließlich als Kampfwaffen anzusprechen. Da in der zeitgenössischen Literatur "Pfeilhagel" genannt werden, ist hier und da vieleicht an den Einsatz von ganzen Bogenschützengruppen zu denken" (Derselbe, Die Wikinger. Kultur- und Kunstgeschichte, Darmstadt 1988, S. 39 ff.).

Überwiegend nordische Speerspitzen. Schwedische Wikinger bevorzugten lange Speere mit gerader Klinge aus Bronze sowie einem Silbergriff.

Der Wikinger rüstete sich selbst aus, häufig auch mit Beutestücken, z. B. Ringpanzer oder Helme. Insoweit war das Erscheinungsbild der Wikinger sehr unterschiedlich. Die Waffen waren der kostbarste Besitz eines Wikingers, wobei der einfache Krieger häufig nur eine Axt besass. Zur Standardausrüstung gehörten aber grundsätzlich die Axt, das Schwert, der Speer und der Schild, seltener ein Kettenhemd oder ein Brustpanzer oder ein Helm. Kettenhemden zeigt aber z. B. der vor 1082 in Südengland gefertigte Teppich von Bayeux.

Die Schwerter hatten Eigennamen und eine fast mythische Bedeutung. Die meisten Schwerter hatten eine flache Hohlklinge und waren zweischneidig, mitunter mit einer Damaszener Klinge ausgestattet. Der Knauf und das Heft wiesen mitunter geometrische Muster auf bzw. waren tauschiert bzw. mit Silber oder Kupfer beschlagen. Die Klingen wurden häufig (aus dem Rheinland) importiert (vgl. Hildegard Elsner, Die Wikinger, Nürnberg 2010, S. 10, und Angus Konstam, Atlas der Wikinger. Geschichte, Eroberungen un Kultur der Winkinger, Wien 2002, S. 120 ff.).

Nordische Äxte.

Die Axt hatte regelmäßig einen langen Schaft und ein breites Blatt aus Eisen. Letztere konnte Verzierungen aufweisen. Die Axt wurde mit beiden Händen geführt.

Die Lanze fungierte als Stoßwaffe und hatte eine breite Klinge. Der Schaft der Klinge wurde an den Holzstab angenietet. Die eisernen Pfeilspitzen wurden an Birkenholzschäften angebracht.

Der Schild hatten einen Durchmesser von etwa 1 m und eine Einfassung aus Leder oder sogar Metall schützte den Rand. Ein eisnerer Schildbuckel schützte die Hand des Kriegers vgl. Susan M. Margeson/ Peter Anderson, Wikinger, Hildesheim 1994). (Farbige) Umhänge und Hosen waren üblich.

Wikinger im Zweikampf. Studie.

Die Ritterzeit - Vorbemerkungen.

Der Aufbau der feudalen mittelalterlichen Gesellschaft hatte als Basis den Bezug zum Grundbesitz. Dieser war Anknüpfungspunkt für die Stellung in der Gesellschaft und Grundlage für Reichtum und Macht. Zentrales Element des mittelalterlichen Militärverfassung war das Lehnswesen. Die Lehnsherren lebten von den Überschüssen ihrer Ländereien bzw. von Pachtgeldern und finanzierten damit auch ihre kostspielige militärische Ausrüstung, denn sie schuldeten dem König nicht nur Treue, sondern im Kriegsfalle auch aktiven militärischen Dienst. Insoweit war ihre maßgebliche Rolle die eines Schwertadels. Die Vasallen des Königs konnten das königliche Lehen auch erneut an Untervasallen weiterverleihen. Diese waren dann nur dem unmittelbaren Lehnsherrn Treue verpflichtet. 

Aus diesem Schwertadel entstand im 11. Jahrhundert das Rittertum, dessen Ursprung man auch im germanischen Gefolge sehen kann. Es war auf jeden Fall ein berittenes Berufskriegertum, welches das Erscheinungsbild des Mittelalters maßgeblich prägte. Der adlige Ritter wurde im Laufe der Zeit zur Leitfigur der höfischen Gesellschaft. Das Ideal des Ritters war geprägt durch die Begriffe von Ehre und Tapferkeit sowie des Maßhaltens bzw. der Mäßigung (Mâze) geleitet. Die Mâze gehörte zum Grundkanon der ritterlichen Tugenden der mittelhochdeutschen Dichtung (vgl. hierzu: Fuchs, Geschichte des europäischen Kriegswesens, Bd. 1, S. 126 ff.). Die Wurzeln des Rittertums liegen in Frankreich und von Deutschland aus breitete sich das Rittertum nach Osten aus.

Die Aufnahme in den Ritterstand ging eine mehrjährige - harte - Ausbildung voraus, die im Grunde schon in der Kindheit begann (vgl. hierzu: Fuchs, Geschichte des europäischen Kriegswesens, Bd. 1, S. 130 ff.). Erforderlich waren vor allem ein intensives körperliches Training, die ständige Übung im Umgang mit den maßgeblichen Waffen, insbesondere im Schwertkampf, und ein ausgiebiges Reittraining, aber auch das Kriegshandwerk musste in seinen Grundzügen erlernt werden. Im Alter von etwa zwölf Jahren folgte die Pagenzeit an einem gräflichen bzw. fürstlichen Hof. Im Alter von etwa 14 Jahren begann die Zeit als Knappe im Dienst eines einzelnen Ritters. Die eigentliche Aufnahme in den Ritterstand geschah in einem Alter von etwa 21 Jahren durch den feierlichen Ritterschlag bzw. die Schwertleite.

Auch unfreie Ritter – sogenannte Ministeriale - konnten in den Ritterstand aufsteigen. Hierbei handelte es sich um unfreie Dienstleute von Königen und Fürsten, die oft als lokale Verwalter und Krieger fungierten.

Das mittelalterliche Kriegsbild dominierte der Ritter als Panzerreiter, also als Reiter in schwerer Rüstung, welche den Körper vollständig bedeckte. Die Türken nannten sie deshalb Eisenleute. Auch das Reitpferd war geschützt. In der mittelalterlichen Taktik dominierte der Einzelkampf, der Kampf in einer rangierten Formation war den Rittern unbekannt bzw. entsprach nicht ihrem individuellen Denken. Er kämpfte also als Einzelkämpfer, auch in der Schlacht.

Der Ritter agierte aber nicht allein, sondern regelmäßig in einem kleinen Verband, die Gleve. Die Gleve galt als kleinste Einheit der Kavallerie und umfasste neben einem Ritter (Glevner) ein kleines Gefolge von  drei bis vier Mann (einschließlich des Knappen). Es handelte sich aber nicht um eine taktische Einheit, sondern um eine Maßeinheit bei Aufstellung eines mittelalterlichen Heeres. Der Heerbann bestand aus allen Lehnsträgern, dazu kamen häufig noch ein bäuerliches bzw. städtisches Aufgebot sowie Söldner. Die Größe der aufgebrachten Heere war aber zahlenmäßig deutlich geringer, als die zeitgenössischen Berichte glauben lassen wollen (vgl. hierzu: Mittelalter. Strategie und Kriegskunst, S. 10 ff.). Feldschlachten waren eher selten und viele Kriege waren im Grunde kleinteilige Privatfehden.

Aber obwohl die Panzerung bzw. der Plattenpanzer dem Ritter ein hohes Maß an körperlicher Sicherheit verlieh und die Sitte weit verbreitet war, den gefangenen Rittern Pardon zu gewähren und sie gegen ein Lösegeld freizulassen, konnten die tödlichen Verluste beträchtlich sein (Maurice Keen, Das Rittertum, 1991, S. 340). In der Schlacht von Azincourt am 25.10.1415 erließ z. B. der englische Oberbefehlshaber, König Heinrich V. . während einer Krise im Verlauf der Auseinandersetzung sogar den ausdrücklichen Befehl, die gefangenen Franzosen - bis auf die Wichtigsten - zu töten. "Nach der Schlacht begleiteten zwischen 1.000 und 2.000 französische Gefangene das englisch-walisische Heer zurück nach England, von denen die meisten vor dem Befehl gefangen genommen worden waren. Die Chronisten berichten auch, dass der Befehl zurückgenommen wurde, nachdem sich Heinrich V. sicher war, dass die dritte französische Linie von einem Angriff absah" (Wikipedia). Allerdings gaben die Schweizer und auch die Aufgebote der flämischen Städte kein Pardon.

Die Normannen.

Unter dem Begriff Normannen wurde zum Einen ursprünglich die gesamte Bevölkerung Skandinaviens, zum Anderen - und das wurde später die Regel - die Bevölkerung der Normandie verstanden. Die "Nordmänner" siedelten sich nach langwierigen und blutigen Eroberungszügen in der Normandie an und schufen hier ein Herzogtum, welches , im Vertrag von Saint-Clair-sur-Epte von dem französischen König Karl dem Wikinger Rollo (Hrolf) als Lehen zugesprochen wurde. Damit endeten auch die Überfälle der bisher landlosen Wikinger und die Zuwanderer vermischten sich mit der einheimischen Bevölkerung. Zur nachhaltigen und umfassenden Wirkung der Normannen schreibt R. Allen Brown (Die Normannen, München 1991, S. 7): "Die erste und keineswegs geringste dieser Leistungen war der Aufbau der Normandie selbst - in den kurzen anderthalb Jahrhunderten zwischen 911 (dem traditionellen Datum der ersten Zuweisung eines nordwestfranzösischen Territoriums durch König Karl "den Einfältigen" an den Wikingerfürsten Rollo und seine Norweger) und den 1060er Jahren. Hier entstand ein Staatswesen, das - nach zeitgenössischen Maßstäben - zum mächtigsten der feudalen Fürstentümer wurde, die damals in Frankreich, dem westfränkischen Königsreich, bestanden. Es entstand aber auch eine von Energie überschäumende, integrierte, loyale und selbstbewusste Gesellschaft, die in den letzten Jahrzehnten des 11. Jahrhunderts die ganze bekannte Welt zu ihrem Spielball zu machen schien. Nachdem sie ihre Souveränität und Oberherrschaft auch auf die Grafschaften Maine und Ponthieu und Teile der Bretagne und der Grafschaft Boulogne ausgedehnt hatten, machten sich die Normannen - wie alle Welt weiß - daran, mit ihren Bundesgenossen, Rittern und Pferden, ihren Bogenschützen und ihrer gesamten Kriegsmaschinerie das weitaus größere und reichere Königreich England in einer der wenigen wirklich epochemachenden Schlachten der europäischen Geschichte - bei Hastings, am Samstag, dem 14.Oktober 1066 -zu unterwerfen...." Im Anschluss wurde Wales und das schottische Tiefland erobert. Damit war aber die Energie der Normannen, welche Ende des 8. Jahrhunderts ihre skandinavische Heimart verlassen hatten, nicht erschöpft, vielmehr eigneten sich Teile der Normannen auch Gebiete in Süditalien und Sizilien an und gründeten dort eigene Herrschaften.

Normannischer Ritte aus dem 11. - 12. Jahrhundert.

Die normannische Herrschaft war feudal organisiert, d. h., nach Unterwerfung der Adligen leisteten diese als Lehnsherren Waffendienst. Dafür wurden ihnen Ländereien verpachtet. Der Dienst war näher reguliert. Auch die Kirche (Bischöfe und Äbte) unterlag der herzoglichen Macht. Die normannische Streitmacht, welche im Jahr 1066 über den Kanal setzte, bestand nach Brown aus ca. 7000 Mann, davon waren etwa 4-5000 Mann Fußvolk und 2-3000 Ritter bzw. deren berittene Knappen. Unter dem Fußvolk befanden sich auch viele Bogenschützen und Schleuderer aus ganz Europa.

Normannischer Ritter aus dem 11. - 12. Jahrhundert..

Anmerkungen zum vorigen Bild.

Rolf Roeingh (Ein Schwerthieb über den Kanal. Die Siegreiche Englandfahrt Wilhelms des Eroberers nach den Bildberichten des Teppichs von Bayeux, Berlin 1941, S.) beschreibt die normannischen Schutzwaffen wie folgt: "Gegenüber der Zivil- und Alltagstracht spielt auf den Bilderszenen die kriegerische Tracht eine weit größere Rolle. Sie zeigt als Hauptbestandteil den langen Schuppenpanzer und den Ringpanzer, wie sie beide nebeneinander in jener Zeit, das heißt etwa bis zum Beginn der Kreuzzüge, auch von Deutschen und Franzosen getragen wurden. Panzerhemden oder Scheibenhemden, wie der Schuppenpanzer auch genannt wird, sind schon aus karolingischer Zeit bekannt, sie wurden noch in der Folgezeit getragen. Das Scheibenhemd besteht aus einem Leder- oder Leinwandkleide von drei- bis vierfacher Stärke, unten rundlich oder viereckig gebildet, in der Weise aufgenäht sind, dass sie, wie Schuppen oder Dachziegel übereinandergreifend , eine dicht geschlossene Metallfläche bilden. Häufiger als dieses Schuppen- oder Scheibenhemd ist der Ringpanzer dargestellt. Bei diesem sind auf die gleiche Unterlage von Leder oder Leinwand eiserne Ringe aufgenäht, entweder tangierend nebeneinander, jeder Ring mit vier Stichen, oder - was mehr Widerstand gab - als sogenanntes geschlossenes Panzerhemd und zwar so, dass die Ringe dichter übereinandergreifen. Das war die Brünne - französisch - broigne - oder Houbert - normannisch hauberk, vom lateinischen halbercum, wahrscheinlich vom deutschen Halsberge, abgeleitet. Dies war ein Halsschutz, der ursprünglich nur eine Panzerkapuze war, dann aber für das ganze Panzerhemd den Namen hergab. ...

"... Als besondere Form tritt neben dem eigentlichen Ringelhemd bei den normannischen Kriegern und Rittern noch ein dickes Lederhemd auf, das mit einem Gitter von einzelnen quadratischen Lederstreifen verstärkt ist. Diese Streifen tragen je eine runde Eisenplatte oder einen Nagelkopf. Der Panzer ist zumeist als weiter Ärmelrock geschnitten und reicht, besonders beim Reiter, hosenartig tief herab, so dass Oberschenkel und Teile des Unterschenkels an der Panzerung teilhaben. Von den Schultern reicht die Panzerung nach oben kapuzenartig bis über den Kopf, wenigstens bei den Schwerbewaffneten, die darüber noch den charakeristischen normannischen, kegelförmigen Spitzhelm tragen. Dieser Helm ist offenbar hervorgegangen aus dem altgermanischen Spitzhut, der sich hier, mit Eisenbeschlag und Eisenblech verstärkt, in den Helm verwandelt hat. Da dieser Helm dem Gesicht und den Nacken zu wenig Schutz gewährte, war vor dem Gesicht ein Naseneisen, nasale, und oft auch im Nacken ein eiserner Nackenschutz angebracht. In der Grudnform entspricht der normannische Helm etwa dem späteren Spangenhelm ...."

"... Als Schild diente den Normannen in der Regel ein spitzovaler leicht gewölbter Holzschild, 1 1/2 m hoch und 1/2 m breit, außen mit Leder bezogen und am Rande mit Metall beschlagen. Innen waren die Schilde gepolstert und in der oberen Hälfte mit Ledergriffen versehen, die kreuzweise mit Schrauben befestigt waren, damit der Schild entweder senkrecht oder waagerecht gehandhabt werden konnte. Ein langer Riemen ermöglichte das Umhängen dieser Schutzwaffe. Die Außenseite war mit primitiv gefertigten Bildern von Drachen, Greifen, Schlangen, Löwen oder mit Ornamenten bunt bemalt. Wappendarstellungen kannte man damals noch nicht. Die Darstellungen auf den Schilden dienten anderen Zwecken".

Die Trutzwaffen waren das zumeist längere Schwert, die lange Stoßlanze und der kürzere Wurfspieß. Die Schwerter entsprachen den früheren Modellen der Wikinger, auch die Speere der Normannen unterschieden sich nicht oder nicht wesentlich von den ehemaligen Modellen. Allerdings übernahmen die Normannen von den Franken den Dienst zu Pferde. Ab etwa 993 kämpften die Normannen nach Terence Wise (Sachsen, Wikinger und Normannen 2013, S. 72) zu Pferde, benutzten dabei den Speer als Wurflanze oder als Stoßlanze. Auch Äxte kamen zum Einsatz, ebenso Bögen. Letzterer konnte auf nahe Distanz auch ein Panzerhemd durchbohren. Das Panzerhemd wurde im Laufe der Zeit immer länger und bestand aus einem geflochtenen Ringen. Die weiten Ärmel reichten aber zunächst nur bis zum Ellenbogen. Die Helme hatte regelmäßig einen Nasenschutz. Der große - oben dargestellte - Schild war für den normannischen Ritter charakteristisch.

Die Ritter vom 11. bis zum Beginn des 15. Jahrhunderts.

Text

Gepanzerte Krieger aus dem 11. Jahrhundert (rechts) und 12. Jahrhundert (links). Nach Funcken.
Englischer Ritter nach einer Miniatur von Matheus Paris um 1250.

Anmerkungen zum vorigen Bild.

Der oben dargestellte englische Ritter trägt ein Panzerhemd aus Eisengeflecht, darüber hat er ein Überkleid bzw. einen Überwurf angelegt.

Der knielange Haubert bzw. das Kettenhemd hatte dreiviertellange Ärmel und schloss am Hals ab oder hatte eine Kapuze. Die Ärmel wurden aber im Laufe der Zeit länger und endeten dann bald in Fäustlingen aus Leder, die auch mit einem Ringelgeflecht bedeckt bzw. geschützt waren. Diese waren auch häufig aufgeschlitzt, so dass man leicht mit der Hand herausschlüpfen konnte.

Das Kettenhemd war in der Regel vorn und hinten geteilt, so dass es beim Reiten am Sattel links und rechts herunter hängen konnte und die notwendige Bewegungsfreiheit gewährleistete.

Darüber wurde ein loses fallendes Überkleid getragen. Laut Vesey Norman (Waffen und Rüstungen, S. 11 ff.) begann diese Sitte in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts und hatte Vorbilder in der Kriegstracht der Sarazenen. Es sollte den Panzer vor Regen schützen und diente auch als Sonnenschutz. Zunächst einfarbig, zeigte dieses Überkleid bald auch heraldischen Schmuck.

Unter dem Ringelpanzer wurde auch notwendigerweise ein Kleidungsstück getragen, vermutlich ein einfacher Kittel.

Ferner wurde eine ergänzende Beinpanzerung üblich, teilweise aus Ringelgeflecht oder aus regelrechten Beinschienen.

Französischer Ritter um 1220 - 50. Nach Funcken.

Anmerkungen zum vorigen Bild.

Der dargestellte französische Ritter trägt einen Topfhelm.

Der Helm der Karolinger ließ noch das Gesicht frei und war dem späteren Morion ähnlich. Er wurde später ersetzt durch den konischen Helm der Normannen, der als rudimentären Gesichtsschutz ein Naseneisen aufwies.

Aus einer Fortentwicklung dieses Helmes mit einer gewölbten Kalotte entstand der Topfhelm, auch Kübelhelm genannt. Zunächst hatte man ein Visier angeheftet . Dies war eine Zwischenform.

Der Topfhelm wird häufig mit einem Helmschmuck abgebildet, dieser wurde aber nicht im Krieg getragen.

Das zunächst flache Scheitelstück des Topfhelmes war problematisch bzw. durch einen Schlag mit einem Streitkolben verletzbar.

Eine Verstärkungsplatte konnte für das Untergesicht angebracht werden. Dieses nannte man Bart.

Am Ende des 15. Jhdt. verschwand der Topfhelm, blieb aber noch für den Turnierkampf erhalten.

Verschiedene Ausprägungen von Topfhelmen. Nach Funcken.
Ritter des Deutschen Ritterordens. 12. Jhdt.

Gemeinsame Abzeichen von Heeren und Truppen waren schon früh üblich, so war das Kreuz das verbindende Symbol der Kreuzritter. Nach der Eroberung von Jerusalem (1099) wurden auch eine Reihe von Ritterordnen gegründet, z. B. der Templerorden (1120), der Johanniterorden (1120) und der Deutsche Orden (1190). Diese kriegerischen Vereinigungen hatten eine einheitliche Ordenstracht, z. B. trugen die Tempelherren einen weißen Mantel mit einem roten Kreuz mit acht Balken. Der Deutsche Orden hatte auch einen weißen Mantel, jedoch mit einem schwarzen Kreuz.

Der Ritter des Deutschen Ritterordens hält einen Topfhelm im Arm.

Die frühen zylindrischen Modelle hatten oft einen flachen Scheitel.

Unter dem Topfhelm wurde eine Haube getragen, die von einer turbanartigen Rolle umgeben ist. Auf dieser Haube ruhte der schwere Topfhelm, es handelte sich also um eine Art von Auflager (Vesey Norman, S. 13).

Deutscher Ritter aus dem frühen 14. Jahrhundert. Nach Embleton (in: Terence Wise, Ritter und Rüstungen).

Im 15. Jahrhundert trugen die schweren Reiter Rüstungen aus Stahlplatten, die den ganzen Körper bedeckten. Die Rüstungen entwickelten sich ständig weiter und erreichten um 1450 ein optimales Verhältnis zwischen Beweglichkeit und Schutz.

Die Plattenrüstungen waren im 14. Jahrhundert entstanden und lösten den Haubert ab, da dieser den Krieger vor Schwertstreichen schützte, aber nicht vor Hieben mit dem Streitkolben, dem Streithammer oder der Streitaxt. Die Plattenpanzer bzw. Plattenharnische bestanden aus körpergereecht geformten Platten und sollten den Körper des Kriegers möglichst vollständig vor Gewalteinwirkung im Zweikampf bzw. im Gefecht bzw. in der Schlacht schützen.

Die Entwicklung der Bewaffnung und Ausrüstung des Ritters wurde durch technische Verbesserungen auf Grund von Fortschritten in der Waffenschmiedekunst beeinflusst. Sie folgte aber nicht nur den Zwängen der kriegerischen Gegebenheiten und dem technischen Fortschritt, sondern gehorchte auch modischen Einflüssen. So bildeten sich im Laufe der Zeit insbesondere verschiedene Stilrichtungen aus, zum einen die deutsche Form mit gebrochenen und zackigen Konturen, zum anderen die italienische Form mit abgerundeten und glatten Konturen sowie einfachen Linien und großen Flächen.

Mit der Zeit entstand ein regelrechter Exporthandel mit Harnischen. In Deutschland waren Nürnberg und Augsburg Zentren der Plattnerkunst, später auch Innsbruck. In Italien war Mailand ein großes Zentrum der Herstellung von Rüstungen. In den Zentren der Plattnerkunst arbeiteten Generationen von spezialisierten Plattnern an der Vervollkommnung des Harnisches.

Das Eisen kam in Form von Barren in die Werkstatt des Plattners. Es wurde zunächst kalt mit verschiedenen Hämmern behandelt. Mit Scheren wurden die Ränder der Platten ausgeschnitten.

An den verwundbarsten Stellen des Körpers wurde dabei das Eisen stärker gehalten und damit die Schutzwirkung der Rüstung erhöht, meist war die linke Hälfte des Harnisches schwerer als dessen rechte Hälfte. Die Mitte des Brustteils des Harnisches war oft mehrere Milimeter dick, an den Rändern war es oft nur 1 Milimeter.

Der Harnisch wurde von Hand gefertigt und war in dieser Phase des Produktionsprozesses schwarz und rauh und verbeult von unzähligen Hammerschlägen. In einem nächsten Schritt wurde der Harnisch poliert und die verschiedenen Teile locker aneinander aneinander genietet.

"Den Großteil des Rüstungsschmiedens nahm der Plattner am erkalteten Metall vor. Fähige Plattner waren in der Lage, aus einer einzigen Metallplatte einen Vollhelm zu schmieden. Auch das Färben von Harnischen war den Plattnern möglich, indem sie durch das kurze Abkühlen des erhitzten Harnisches oder das erneute Erhitzen auf eine niedrigere Temperatur (Anlassen) einen bläulichen Farbton erzeugten. Eine dunklere Tönung und Rostschutz konnte auch durch das Erhitzen mit Leinöl, das Schwarzfärben erreicht werden" (Wikipedia).

Teile der Rüstung waren im Übrigen gepolstert. Durch Scharniere und Verschlüsse konnte der Harnisch geöffnet.

Die in Zünften organisierten Plattner (= Schmiede von Plattenpanzern) versahen ihre Produkte regelmäßig mit ihren Initialen bzw. Marken. Aber nicht nur Plattner waren an der Schaffung der prunkvollen Harnische beteiligt, sondern auch auch Goldschmiede und Ätzer. Zunftmeister unterzogen die Harnische einer Probe durch Beschuss mit einer Armbrust. Bei bestandener Prüfung wurden die Rüstungen mit einem Gütesiegel versehen. Die Plattner waren im Grunde Metallkünstler. Den Höhepunkt erreichte die Plattnerkunst um das Jahr 1500.

Bis zum Ende des 15.Harhunderts wurde unter dem Harnisch noch der Haubert getragen, doch bürgerte sich mit der Zeit ein Panzerkragen und ein - schurz ein.

Unter dem Stechhelm und der Schaller trug man gelegentlich eine Harnischhaube.

Die Unterkleidung, die der Ritter im 15. und 16. Jahrhundert unter dem Harnisch trug, war sehr dick und bestand vermutlich aus weichem Wollstoff. Das Wams sass lose, die dagegen enger an.

Grundsätzlich bestand ein vollständiger Harnisch aus einem Glockenhelm mit Klappvisier, Kinnberge, Halsberge, Achselstücke, Armzeug, Harnisch- oder Stückpanzer, Ellbogenkacheln (Meuseln genannt), vorderer Schurz, Kampfhandschuhen, Beinschienen, Kniekacheln und Eisenschuhe.

In Deutschland war allerdings der Bedarf an Harnischen etwas geringer. Man bevorzugte hier im 15. Jahrhundert eine Brustplatte mit ausgebuchteter Form, einen Schurz aus Kettengeflecht und einen Eisenhut oder eine Beckenhaube mit einem Visier und einem Halsreifen. Zum Eisenhut wurde häufig ein eng anliegender Kragen getragen. Das Armzeug bestand aus zusammen genieteten Ober- und Unterarmröhren, die Schultern wurden durch Reifen geschützt., die Achseln durch Armkacheln. Bewegliche Scheiben schützten das Schultergelenk. Das Beinzeug blieb unverändert.

Neben dem Topfhelm entwickelte sich auch die Beckenhaube (Kesselhaube, Basinet, Bacyn, Basnet oder Bascinet). Die Beckenhaube hatte ein freies Gesichtsfeld. Durch das Anhängen eines Nasen-bzw. Gesichtsschutzes wurde sie im Laufe der Zeit zu einem vollständigen Kopfschutz.

Ferner war an der Beckenhaube ein Geflecht von Ringen aus Metall mit Nieten befestigt. Dieses Kettengehänge wurde auch Helmbrünne genannt. Es konnte auch hoch - vor das Gesicht - gezogen werden, dafür war vorn an der Beckenhaube ein Haken befestigt.

Verschiedene Beckenhauben. Nach Funcken.

Später wurde die Beckenhaube statt des Nasals durch aufklappbare Visiere in Form eines Rüssels oder Wulstes, teilweise mit Kinnreff, ergänzt. Es gab auch Absteckvisiere, also mit einem Steckbolzen befestigte Visiere.

Hatte das Visier die Form einer Hundeschnauze, sprach man insgesamt von einer Hundsgugel. Diese entstand in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts.

In der frühen Zeit (13. Jhdt.) wurde sogar die Beckenhaube bei Gelegenheit gemeinsam mit einer Polsterung unter dem Topfhelm getragen. Später blieb die Beckenhaube allein als Kampfhelm im Gebrauch, der Topfhelm wurde immer mehr zum Turnierhelm.

Soldat mit Beckenhaube aus dem 14. Jahrhundert. Nach Embleton.

Die italienische Variante der Beckenhaube nannte man Barbuta oder Celata.

"Die Helmglocke der Barbuta bedeckte Kopf und Hals ihres Trägers nahezu vollständig und verfügte über einen annähernd T- oder Y-förmigen Gesichtsausschnitt. Manche Varianten besaßen ein Nasenstück, woraus sich eine große Ähnlichkeit zum Korinthischen Helm der griechischen Antike ergab. Da die Barbuta ausreichend Schutz bot, ohne Sicht und Atmung empfindlich zu erschweren, fand sie auch außerhalb Italiens rege Verbreitung. Im späten 15. Jahrhundert wurde sie von anderen Helmarten wie dem Armet und der Schaller verdrängt" (Wikipedia).

Beckenhauben. Nach erhaltenen Originalen.

Der Eisenhut war eine in ganz Europa weit verbreitete (einfache) militärische Kopfbedeckung und wurde vor allem von Fußtruppen getragen.

Er orientierte sich an den zivilen Vorbildern und hatte breite Ränder und häufig ein ergänzendes Naseneisen.

Verschiedene Eisenhüte.

Die Eisenhüte waren oft aus einem Stück gearbeitet, hatte aber mitunter angenietete Ränder.

Es finden sich auch Eisenhüte mit einem vorn tief herunter gezogenen Rand mit einem Sehschlitz.

Kriegsknecht.

Die Schaller war deutschen Ursprungs und wurde zum Konkurrenten zum Visierhelm. Vom Wort her ist die Bezeichnung von der der Schale abzuleiten. Es handelte sich um einen einfachen Helm, welcher das Gesicht frei ließ. Zumeist hatte die Schaller einen nach hintengezogenen Schirm.

Verschiedene Ausprägungen von Schallern. Nach Funcken.

Die Kopfbedeckung wurde mit einem Riemen befestigt. Im Laufe der Zeit wurde die Schaller weiter entwickelt und mit einem Sehlitz und mit einem angebrachten Visier ausgestattet.

Visierhelme aus dem 15. Jahrhundert. Nach Funcken.

Der Visierhelm war im Grunde eine Beckenhaube versehen mit einem Gesichtsschutz. Er hatte eine runde Form, umschloss das Kinn und bedeckte den Hals.

Einen vollständigen Visierhelm, schon im 15. Jahrhundert entwickelt, nannte man auch Bicoque oder Bicoquet. Er hatte eine gewölbte Helmglocke, ggfls. mit Kamm, ein Visier, welches des Gesicht bzw. die Nase schützte und ein Helmfenster.

Ein Kamm sollte zusätzlich vor Schwerthieben schützen.

Das Helmgesicht nannte man mézail. Ursprünglich bestand es aus einem Nasenstück und Backenstücken, die dann zusammen wuchsen. Das Helmfenster bzw. der Sehschlitz konnte noch zusätzlich durch Zacken geschützt sein.

Eine Durchlöcherung (auch des Scheitelstückes) sorgte für die Luft zum Atmen und zur Kühlung. Das Kinn schützte ein Kinnschutz und den Hals bzw. das Genick verbarg die Halsberge.

Das Visier war beweglich, also (an Zapfen) hochklappbar oder (an - Schläfen-Bolzen) drehbar. Ursprünglich war das Visier am Stirnteil der Beckenhaube befestigt. Auch das Kinnreff war aufgeschlagbar, damit der Ritter den Helm aufsetzen konnte.

Das Nackenschirm bestand im Laufe der Zeit aus Schienen.

Die Endform war dann ein geschlossener Helm. Eine Variante war der sogenannte Burgunderhelm.

Helme mit einem sehr ausgeprägten - nach vorn gewölbten - Visier, nannte man Hundsgugel, da diese Ausformung an eine Hundeschnauze erinnerte.

Zusätzlich konnte der Visierhelm auch Verstärkungen - seitlich oder auf dem Scheitel bzw. der Stirn - aufweisen.

Englischer Archer of the Guard um 1485 - 1500. Nach Embleton (in: Terence Wise, Ritter und Rüstungen).

Anmerkungen zum vorigen Bild.

Die Einheit wurde unter König Eduard III. (1327 - 1377) gegründet. Sie bestand auch unter König Heinrich VII. Tudor. Ihre Stärke betrug zunächst 50 Bogenschützen, später wurden es 600 Bogenschützen.

Die Kriegstracht war in grün und weiß gehalten. Dies waren die Farben der Tudor.

Umgeben von einem goldenen Laubkranz zeigt die Kriegstracht eine rote Rose. Diese Rose war ein Symbol für die Vereinigung der Häuser Lancaster und York in der Dynastie der Tudors.

Als Kopfbedeckung diente ein Art Barett.

Vom Niedergang des Ritterums.

In der Kriegskunst bahnte sich eine Wende an, als im Jahre 1302 flämisches Fußvolk - und zwar 20000 Angehörige von Stadtmilizen - bei Coutrai (11.07.) den französischen Rittern - angeblich 50000 Mann - eine schwere Niederlage beibrachte.

Im Jahr 1314 (23. und 24.06.) besiegten schottische Fußsoldaten englische gepanzerte Reiter bei Bannockburn. Hier waren 10000 Schotten gegen 23000 Engländer siegreich. Laut Terence Wiese (Ritter und Rüstungen, Bonn 1980, S. 20) war dieser Sieg darauf zurück zu führen, dass die Ritter versuchten allein, also Unterstützung durch das Fußvolk, zu kämpfen. Die Schotten waren überwiegend mit 3,70 m langen Spießen bewaffnet.

1315 (15.11.) vernichteten Schweizer ein österreichisches Ritterheer bei Morgarten in einem Hinterhalt. Hier kamen auch lange Stangenwaffen zum Einsatz.

1339 (21.06.) besiegten die Schweizer (Stadt und Republik Bern) in einer offenen Feldschlacht ein Heer aus Burgund und der Stadt Freiburg bei Laupen, wobei sich die angreifenden Ritter zwar gegen die Träger von zu kurzen Hellebarden, nicht aber gegen die Pikeniere mit ihren überlangen Stagenwaffen durchsetzen konnten und sich letztlich vom Schlachtfeld zurük zogen.

1346 konnte ein englisches Heer (angeblich nur 10000 Mann) und vor allem dessen Langbogenschützen über das französische Lehnsheer (angeblich 35000 Mann) bei Crécy (26.08.) einen großen Triumph feiern.

Diese militärischen Erfahrungen führten zum verstärkten Einsatz von schwer bewaffnetem Fußvolk.

Oben: Hellebarden (links: deutsche Herkunft aus dem 16. Jhdt., mittig: Schweizer Hellebarde aus dem späten 14. Jahrhundert, rechts: Deutsche Hellebarde um 1500). Darunter links: Eisenkeule aus der 2. Hälfte des 15. Jhdt. Darunter rechts: Rundschild. Nach Originalen.

Das Kriegsbild veränderten aber insbesondere die englischen Langbogenschützen. Sie zählten zu den wichtigsten Truppenteilen der englischen Armee. Der Langbogen war bereits seit dem 12. Jahrhundert in Südwales und in Teilen Englands in Gebrauch. Unter den englischen Königen Eduard I., II. und III. wurde der taktische Einsatz von Langbogenschützen weiter entwickelt. Sie verdrängten die bisher angeworbenen Armbrustschützen und kamen schon in der Auseinandersetzung mit den Walisern und in den schottischen Kriegen (z. B. im Jahr 1298 bei Falkirk, im Jahr 1332 bei Dupplin und im Jahr 1333 bei Halodon Hill) vermehrt zum Einsatz. Auch in der Seeschlacht von Sluis (englisch Battle of Sluys, französisch Bataille de l'Ecluse) am 24.06.1340 im Zwin vor Sluis war der Einsatz englischer Langbogenschützen beim Kampf der Besatzungen der Schiffe entscheidend. Die französischen Armbrustschützen schossen zu langsam. Mit dem Langbogen konnten 12 Pfeile verschossen werden, bevor eine Stahlarmbrust gespannt war.

Viele Jahre musste ein Schütze üben, um die Kunst des Bogenschießens zu beherrschen. Der englische Langbogen kam ursprünglich aus Wales und überwog bald die Armbrust an Bedeutung. Die Bogen waren 6 Fuß, 4 Zoll hoch und bestanden aus Eiben- oder Ulmenholz. Der Bogen wurde bis hinter das Ohr gespannt und die Spannkraft des Bogens betrug ca. einen Zentner. Die Sehne war aus Hanf- und Leinenfasern gefertigt. Der Pfeil war 37 Zoll lang und hatte eine scharfe, rautenförmige Spitze. In seiner Reichweite von 100 - 240 m zeigte sich der Bogen äußerst wirksam.

Da der Schütze beim Schuß aufrecht stehen musste, war er gepanzert und trug einen offenen Eisenhut, der gute Sicht gewährte, dazu wurde ein attierter Überrock getragen. Letzterer war mitunter mit Metall verstärkt, dazu wurden Bein- und Armpanzerungen aus gekochtem Leder angelegt. Seltener waren Kürasse bzw. ein Brustschild in Gebrauch. Dies war die typische Schutzausrüstung dieser Elitetruppen.

35 Jahre nach der erwähnten Schlacht von Courtrai begann der sogenannte Hundertjährige Krieg zwischen England und Frankreich, der militärhistorisch von großer Bedeutung war. Im Jahre 1346 (26.04.) kam es zur Schlacht bei Crécy. "In diesem Gefecht beim heutigen Ort Crécy-en-Ponthieu im Département Somme standen sich die Heere von Eduard III. von England (etwa 12.000 Mann) und Philipp VI. von Frankreich (etwa 20.000 oder gar 25.000 Mann) gegenüber" (Wikipedia). Zum französischen Heer gehörten auch 6.000 Armbrustschützen (zumeist aus Genua) unter Carlo Grimaldi und Antonio Doria. Die Engländer verteidigten einen 2000 langern Höhenrücken erfolgreich gegen eine Vielzahl beinahe selbstmörderischer Reiterattacken französischer Ritter, die im Pfeilhagel der englischen Langbogenschützen erfolglos blieben. Neben verschiedenen bekannten Adligen, z. B. König Johann von Böhmen, Graf von Luxemburg, Charles, Comte d’Alençon, Louis de Châtillon, Comte de Blois et Dunois, Ludwig I. (Flandern), Graf von Flandern, Nevers und Rethelwerden usw. werden die französischen Verluste mit 1542 Rittern und ungezählten einfachen Soldaten angegeben. Dieser militärische Erfolg brachte den Engländern die zeitweise Führung auf militärischem Gebiet ein.

Helm und Brigantine aus dem 15. Jahrhundert. Beinschiene und Eisenschuh aus dem 14. Jahrhundert. Panzerhandschuh des 15. Jahrhunderts. Ringkragen aus dem 14. Jahrhundert. Streitkolben aus Metall aus dem 14. Jahrhundert. Nach einem bei Terence Wise (Ritter und Rüstungen) abgedruckten älteren Druck (S. 31).

Die Franzosen entwickelten darauf hin die Taktik und die Ausrüstung ihrer Ritter weiter, um sie gegen die feindlichen Bogenschützen besser zu schützen. Die schweren Reiter gingen zu Plattenrüstungen über, die aber mehr Nachteile als Vorteile einbrachten, da sie den einzelnen Ritter noch unbeweglicher machten. Die Rüstungen wurden letztlich zu schwer und auch als österreichische Ritter - zunächst nur die Avantgarde - im Jahr 1356 bei Sempach zu Fuß gegen die feindliche Infanterie in die Schlacht zogen, wurden sie vernichtend geschlagen. Zu dieser Schlacht gibt es aber eine widersprüchliche Überlieferung. "Es gibt auch Hinweise, dass die habsburgischen Ritter in Panik geraten sein könnten, als sie realisierten, dass sie unter den gegebenen Umständen damit rechnen mussten, getötet zu werden, und nicht darauf hoffen konnten, für spätere Lösegeldforderungen gefangen genommen zu werden, wie es in ritterlichen Kriegen sonst üblich war. Eine österreichische Quelle spricht jedenfalls davon, dass etliche Ritter sehr «träge» waren, ihre Pflicht zu tun und viele sich aufs Pferd setzten, der Schlacht eine Weile zuschauten und dann die Flucht ergriffen. Leopold III. von Habsburg nahm zu Beginn nicht selbst an der Schlacht teil. Erst als die Habsburger die Schlacht zu verlieren drohten, versuchte er offenbar das Ruder noch herumzureißen, indem er sich selbst in die Schlacht stürzte. Der Versuch war vergeblich und kostete Leopold das Leben" (Wikipedia).

Der Niedergang des Rittertums begann somit schon vor der Verwendung des Schießpulvers, denn bereits die höhere Reichweite und Durschlagskraft von Langbögen und Armbrüsten und der gefährliche Stich der langen Piken der Fußsoldaten zeigten den geharnischten Rittern ihre Grenzen auf (Maurice Keen, Das Rittertum, 1991, S. 337). Sie wurden letztlich durch eine neue Art von Infanterie abgelöst, das schweizer Fußvolk bzw. die deutschen Landsknechte. Es handelte sich hierbei um professionelle Soldaten mit einer eigenen Kampftechnik. Als Waffengattung überlebten die Ritter dann in der schweren Reiterei.  

Empfohlene Beiträge