Hannoversche Uniformen 1813 und 1866 nach originalen Aquarellen von C. Ernst.

Vorbemerkungen.

Das Kurfürstentum Braunschweig-Lüneburg, informell auch Kurfürstentum Hannover genannt, war ab 1692 das neunte Kurfürstentum im Heiligen Römischen Reich deutscher Nation. Die Kurfürstenwürde wurde den Welfen verliehen. Ab 1714 bestand mit Großbritannien eine Personalunion. In den Napoleonischen Kriegen ging das Kurfürstentum Hannover unter. Es wurde - nach einer mehrmaligen Aufforderung Napoleons an den preußischen König Friedrich Wilhelm III. - zunächst von preußischen Truppen besetzt, bis zum bis zum Frieden von Amiens am 27. 03.1802. Damit brachte der spätere französische Kaiser den preußischen Staat geschickt in einen politischen Gegensatz zu Großbritannien. Im Jahre 1803 ging Frankreich dann selbst gegen das Kurfürstentum Hannover militärisch vor. Das hannoversche Heer wurde entwaffnet und aufgelöst. Ab 1807 ging Hannover im Königreich Westphalen auf bzw. wurde teilweise sogar territorialer Bestand des französichen Kaiserreichs. Viele ehemalige hannoversche Soldaten traten vor allem in die Deutsche Legion des (britischen) Königs ein, welche schon 1803 auf der Insel Wight gebildet wurde und zu den erfolgreichsten und populärsten militärischen Einheiten der Napoleonischen Kriege zählt.

Als Nachfolgestaat des Kurfürstentums Braunschweig-Lüneburg entstand auf dem Wiener Kongress im Jahr 1814 das Königreich Hannover. Bis zum Jahr 1837 bestand (wieder) eine Personalunion zwischen Großbritannien und Hannover, d. h., der Herrscher des Vereinigten Königreichs Großbritannien und Irland war gleichzeitig auch König von Hannover.

Das Königreich Hannover war Mitglied des Deutschen Bundes, dessen Streitmacht das Bundesheer war. Der Bund hatte selbst keine Truppen, sondern war auf Truppen der Mitgliedsstaaten angewiesen. Diese Truppen waren in Bundeskorps eingeteilt. Das Kontingent des Königreich Hannovers umfasste 13054 Mann, davon entfielen 10118 Mann auf die Infanterie, 1865 Mann auf die Kavallerie und 1071 Mann auf die Artillerie. Zur letzteren Zahl gehörten auch 217 Pioniere und Pontonniere. Ferner gehörten zum Kontingent 26 Geschütze.

Insgesamt verfügte das Königreich Hannover über eine Truppenmacht von 21000 Mann. Es waren 12 Infanterie-Regimenter, 8 Kavallerie-Regimenter sowie die Artillerie und sonstigen technischen Truppen.

Ab 1833 wurde die hannoversche Heeresstärke gemindert. Die Reiterei bildete z. B. nur noch 4 Regimenter. Zunächst gab es Kürassiere, Husaren und Ulanen, .ab 1833 waren es nur noch Dragoner. Das Regiment Garde du Corps gab die Kürasse ab. Später (1738) wurde die Zahl der Kavallerie-Regimenter wieder vermehrt und jetzt gab es wieder Kürassiere und Dragoner.

Zur Infanterie gehörten nun die Garde-Grenadiere und Garde-Jäger sowie zwei leichte und zwölf Linien-Bataillone. Die Artillerie umfasste zwei Kompanien reitende Artillerie und sieben Kompanien Fußartillerie und eine Handwerker-Kompanie.

Ferner gab es ein kleines Ingenieurkorps und für Polizeiaufgaben ein sogenanntes Landjägerkorps (Landdragoner) bzw. 14 Feldjäger (H. A. Eckert und D. Monten, Das Deutsche Bundesheer. Band IV. Hannover - Braunschweig - Oldenburg - Hansestädte - Holstein. Bearbeitet vin Georg Ortenburg, Dortmund 1981, S. 9 ff.).

Im Jahr 1866 eskalierte der seit langem schwelende politische Konflikt zwischen dem preußischen Königreich und dem österreichischen Kaiserreich. Der Deutsche Krieg oder Deutsche Bruderkrieg, auch als Deutsch-Deutscher Krieg oder Preußisch-Österreichischer Krieg, bezeichnet, endete nach der Schlacht von Königsgrätz am 03.07.1866 mit der Niederlage Österreichs. Das Königreich Hannover 1866 kämpfte hierbei auf der österreichischen Seite und verlor in der Folge seine Unabhängigkeit.

Die mobilgemachte hannoversche Armee zählte etwa 15000 Mann, darunter auch 2000 unausgebildete Rekruten, 2200 Pferde und 42 Geschütze (Die Althannoverschen Überlieferungen des Füsilier-Regiments Generalfeldmarschall Prinz Albrecht von Preussen (Hannoversches) Nr. 73, Hannover 1907, S. 77). Zwar gelang der hannoverschen Armee ein anfänglicher Erfolg in der Schlacht bei Langensalza gegenüber den preußischen Truppen, musste dann aber am 29.06.1866 kapitulieren. Am 03.10.1866 wurden die Welfen enthront und das Königreich Hannover von Preußen annektiert. Es wurde die preußische Provinz Hannover und das hannoversche Militär bildete zukünftig das preußische X. Armee-Korps.

Für die hannoversche Infanterie wurden 1858 Käppis in Form des österreichischen Tschakos eingeführt (Richard und Herbert Knötel/ Herbert Sieg, Handbuch der Uniformkunde. Die militärische Tracht in ihrer Entwicklung bis zu gegenwart, Hamburg 1937, S. 116). 1866 wurden die Tschakos im Felde mit einem Überzug egtragen. Ab 1837 war die Uniform nach preußischen Muster geändert worden und dunkelblaue Kollets eingeführt. Bis zu diesem Zeitpunkt war die Grundfarbe der hannoverschen Uniformierung vor allem rot gewesen.

Feldjägerkorps Kielsmannsegge im Jahre 1813
Offizier aus dem Feldjäger-Korps (Kielsmannsegge). 1815.
Husaren-Regiment Herzog von Cumberland im Jahre 1815.

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