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Die fürstbischöfliche Zeit im Zeichen des Absolutismus (1661 – 1802). 2. Teil Das 18. Jahrhundert.

Der Bestand an Truppen im 18. Jahrhundert im Wandel.

In der 1. Hälfte des 18. Jahrhunderts zählte die fürstbischöfliche Armee 7 Infanterie-Regimenter, 1 Landregiment, 2 Kavallerie-Regimenter und 1 Artillerie-Abteilung. Ein Infanterie-Regiment zählte regelmäßig 8 Kompanien mit einer jeweiligen Stärke von ca. 50 Mann.

Musketier und Offizier aus dem münsterischen Regiment v. Zimmer im Jahr 1704. Nach überarbeiteten Vorlage von Harald Berking/ Münster.
Musketier und Offizier aus dem münsterischen Regiment v. Zimmer im Jahr 1704. Nach überarbeiteten Vorlage von Harald Berking/ Münster.

Das Landregiment soll 10 Kompanien umfasst haben. Ein Kavallerie-Regiment hatte nur 6 Kompanien mit einer jeweiligen Stärke von ca. 40 Mann. Davon war aber nur ein kleiner Teil beritten.

Die Artillerie-Abteilung hatte nur ca. 100 Mann. Die Gesamtstärke der bewaffneten Macht zählte im Frieden etwa 3800 – 4000 Mann. Die Kriegsstärke war etwa doppelt so stark.

Münsterische Infanteristen im jahr 1720. Zeichnung von Harald Berkin/ Münster.
Münsterische Infanteristen im jahr 1720. Zeichnung von Harald Berkin/ Münster.

Nach dem Siebenjährigen Krieg wurde nicht nur die Stadt Münster entfestigt, sondern auch die Anzahl der Formationen auf 4 Infanterie-Regimenter und 1 Kavallerie-Regiment - unter gleichzeitiger Verminderung der Artillerie - reduziert. Das Landregiment war schon vorher eingegangen.   

Münsteristen Kavalleristen im Wandel der Zeit. Nach einer Zeichnung von Harald Berking/ Münster.
Münsteristen Kavalleristen im Wandel der Zeit. Nach einer Zeichnung von Harald Berking/ Münster.

Die nach der vorgenannten Reduzierung verbliebenen Regimenter finden wir auf der Grundlage von Subsidienverträgen (z. B. mit den Holländern, noch 1793) auf unterschiedlichsten Kriegsschauplätzen. Ferner waren militärische Reichsverpflichtungen zu erfüllen[1]. Im Österreichischen Erbfolgekrieg (1744) praktizierte das Fürstbistum Münster eine bewaffnete Neutralität.

Im Siebenjährigen Krieg (1756 – 63) fochten münsterische Truppen (gegen Preußen) mit wenig Erfolg, so wurden z. B. zwei Regimenter am 01.04.1759 bei Meiningen im Winterquartier überrumpelt und gefangen genommen.

Der letzte Einsatz münsterischer Truppen sah diese als Teil einer sogenannten Reichsexekutionsarmee zu Gunsten des von seinen Untertanen vertriebenen Lütticher Fürstbischofs im Jahre 1789.

[1]              1681 hatte Münster 787 Mann zu Fuß und 384 Mann zu Pferde vorzuhalten.

Die Belagerung der Stadt Münster im jahr 1759. Nach einem zeitgenössischen Kupferstich.
Die Belagerung der Stadt Münster im jahr 1759. Nach einem zeitgenössischen Kupferstich.
Die Belagerung der Stadt Münster im Jahr 1759. Nach einem zeitgenössischen Ölgemälde.
Die Belagerung der Stadt Münster im Jahr 1759. Nach einem zeitgenössischen Ölgemälde.

Die münsterischen Regimenter 1767–1803.

Nach dem Siebenjährigen Krieg wurde das münsterische Heer drastisch verkleinert.

Aus der bisherigen Organisation mit sieben Infanterie- und zwei Kavallerieregimentern wurde nach 1767 eine wesentlich kleinere Armee. Diese umfasste nun:

4 Infanterieregimenter und

1 Dragonerregiment sowie

Artillerie.

Das Landregiment war bereits vorher weggefallen.

Der rechnerische Friedensetat lag bei ungefähr 2.300 Mann, wobei die Verbände im Frieden etwa zur Hälfte gekadert waren. 

Übersicht über die vier Infanterieregimenter:

Regimentsnummer

Name um 1767/1780er

späterer Name

Bedeutung 1802

Nr. 1

von Stael

von Dincklage

noch vorhanden

Nr. 2

Schultz / Wenge

von Wenge

in der Formationsgeschichte aufgegangen bzw. 1802 nicht mehr als selbständiges Regiment vorhanden

Nr. 6

Schaumburg-Lippe

wechselnde Inhaber

1802 nicht mehr selbständig vorhanden

Nr. 7

Wartensleben

von Tönnemann

noch vorhanden

Münsterische Artilleristen Im Wandel der Zeit. Nach einer Zeichnung von Harald Berking/ Münster.
Münsterische Artilleristen Im Wandel der Zeit. Nach einer Zeichnung von Harald Berking/ Münster.

Bei der Musterung Ende Mai 1785 betrug die Ist-Stärke der vorgenannten vier Infanterieregimenter zusammen 1.377 Mann. Das entsprach 94 % der Sollstärke. 

Das widerlegt bereits eine mögliche Vorstellung, die Armee sei nach dem Siebenjährigen Krieg praktisch nur noch eine Ansammlung von Restbeständen gewesen.

Aber: Die Personalfluktuation war enorm, und zwar:

Zwischen Mai 1785 und Mai 1786n schieden 573 Soldaten = 42 % aus, gleichzeitig wurden aber 672 Freiwillige angeworben. Bei der nächsten Musterung waren davon nur noch 594 tatsächlich im Dienst, darunter 236 Ausländer = 40 %. 69 der neu Geworbenen waren bereits desertiert. Noch ein Jahr später waren von den im ersten Jahr angeworbenen Freiwilligen nur noch 491 = 73 % vorhanden.

Das Problem war demnach nicht unbedingt, Soldaten überhaupt zu bekommen, sondern sie dauerhaft im Dienst zu halten.

Diese kleine Armee war aber nicht billig. Im ersten Werbejahr bis Mai 1786 wurden insgesamt 9.539 Reichstaler aufgewendet, darunter 1.600 Taler Vorschuss an die Regimenter.

Die 1786 ausgeschriebenen Werbegelder brachten 22.159⅓ Reichstaler.

Bis Dezember 1788 waren aber bereits 27.408 Reichstaler 22 Schilling 8 Pfennig aus der Werbekasse ausgegeben worden.

Zusätzlich mussten die Landstände erneut Gelder bewilligen. 

Zur Sozialstruktur des münsterischen Militärs.

Zur Herkunft und sozialen Zusammensetzung des münsterischen Militärs ist in der Magisterarbeit von Thomas Diembach zum Militär des Hochstifts Münster im Zeitalter des Absolutismus das Nachfolgende zu lesen: "Da sich die Mannschaft aus Deserteuren und aus Leuten, die in anderen Erwerbszweigen nicht unterkommen konnten, zusammensetzte und außerdem sehr schlecht bezahlt wurde, galten die einfachen Soldaten in der bürgerlichen Gesellschaft der Stadt als Gesindel. Bis zur Fürstenbergschen Reform hatte das münsterische Militär wohl auch so etwas wie einen Strafanstaltscharakter, da ein zur Zuchthausstrafe Verurteilter bei Bedarf auch unter die Soldaten gesteckt werden konnte. Es ist zu vermuten, dass sich das Ansehen der einfachen Soldaten nach Einführung der Losung besserte, da das Heer nun im Wesentlichen aus der einheimischen Landbevölkerung bestand. Das Recht der verabschiedeten Soldaten lbenslang ihre alte Regimentsuniform zu tragen, weist darauf hin".

Zur Situation des münsterischen Militärs im Jahr 1802.

Am Ende des Fürstbistums war die Armee nochmals erheblich kleiner.

Es existierten zu diesem Zeitpunkt nur noch:

Infanterieregiment von Dincklage Nr. 1

Infanterieregiment von Tönnemann Nr. 7

Dragonerregiment von Nagel Nr. 1

Artillerie.

Für 1802 werden folgende effektive Bestände angegeben:

Truppengattung

effektiver Bestand

Infanterie

1.401

Dragoner

328

Artillerie

49

zusammen

1.778

Je nach Zählweise werden 1.399 Infanteristen, 326 Dragoner und 47 Artilleristen angegeben. Die Differenz erklärt sich aus der verwendeten Zählweise bzw. dem jeweiligen Bestand. 

Münsterischer Offizier der Infanterie (Regiment Kur-Köln) im Jahr 1800. Nach umgearbeiteten farbigen Zeichnung von Richard Knötel.
Münsterischer Offizier der Infanterie (Regiment Kur-Köln) im Jahr 1800. Nach umgearbeiteten farbigen Zeichnung von Richard Knötel.

Bewertungen.

Nach Jutta Nowosadtko (Stehendes Heer im Ständestaat. Das Zusammenleben von Militär- und Zivilbevölkerung im Fürstbistum Münster 1650–1803, 2011) war das münstersche Militär war keine „Operettenarmee“. Das ist vermutlich ihre wichtigste militärhistorische These.

Die ältere Forschung hatte das Militär kleiner geistlicher Territorien häufig als militärisch unbedeutend betrachtet. Nowosadtko wendet sich ausdrücklich gegen dieses Bild. Sie zeigt, dass sich das münsterische Heer als moderne Armee seiner Zeit präsentieren konnte und seine militärischen Fähigkeiten auch außerhalb des Hochstifts anerkannt wurden. 

Insoweit bedeutete die Reduzierung der Truppenstärke nach 1763 nicht automatisch eine qualitative „Verlotterung“ der Armee. Quantitative Schwäche und militärische Leistungsfähigkeit müssen demnach getrennt betrachtet werden.

Die vorgenannte Autorin beschreibt das Militär nicht als eine Institution, die einer zivilen Stadt gegenübersteht. Vielmehr waren Militär und Gesellschaft waren eng miteinander verflochten. Das Militär war also kein Fremdkörper in Münster, sondern ein Bestandteil der städtischen Gesellschaft. 

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