Die Uniformen der französischen Armee unter Napoleon I. (1800 - 1815) - Die Kaisergarde - Die Ehrengarden
Zur Kaisergarde gehörten auch vier Regimenter Ehrengarden.
Nach den enormen Verlusten in dem Russlandfeldzug im Jahre 1812 und dem erforderlichen Wiederaufbau der französischen Armee mangelte es vor allem an Kavallerie.
Vor diesem Hintergrund entwickelte Napoleon die Idee, auch die gehobenen Schichten der Gesellschaft einzubinden und dies möglichst ohne große Kosten für den Staat. In diesem Kontext entstanden die elitären Ehrengarden mit einem Bestand von zusammen 10000 Mann. Die Idee knüpfte an die bereits vorhandenen zahlreichen Ehrengarden (Gardes d`Honneur) an, die in den Städten gebildet wurden, um den Kaiser bei seinem Besuch „ehrenvoll zu bewachen“ (Sicherheitswachen).
Als Stiftungstag der Ehrengarden gilt der 05.04.1813.
Sie rekrutierten sich aus den (ungedienten) Söhnen des reichen Bürgertums und des niederen Adels. Diese mussten sich selbst ausstatten. Ihr Alter betrug zumeist zwischen 19 und 25 Jahren.
Nach einem zwölfmonatigen Dienst konnte der Leutnantsgrad erreicht werden.
Die Resonanz war aber sehr unterschiedlich.
Ihre Garnisonen befanden sich in Versailles (1. Rgt.), in Metz (2. Rgt.), Tours (3. Rgt.) und Lyon (4. Rgt.).
Die Ehrengarden wurden am 29.07.1813 (zunächst) in die Kaisergarde integriert, was von der restlichen Kaisergarde mit Unwillen aufgenommen wurden.
Durch ihren tapferen Einsatz in den Schlachten bei Hanau (1813) und bei Reims (1814) verdienten sie sich aber den Respekt der altgedienten Soldaten.
Das 1. Regiment wurde den Reitenden Jäger, das 2. Regiment den Dragonern der Kaiserin, das 3. Regiment den Reitenden Grenadieren und das 4. Regiment den Lanciers zugeteilt.
Als Kopfbedeckung dienten Tschakos.
Der rote Tschako der Offiziere hatte oben eine breite Silberkrempe mit seitlichen silbernen (Löwen-)Knöpfen. An diesen war der Behang befestigt.
Der Tschakobeschlag war versilbert.
Der schwarze lederne Augenschirm hatte eine silberne Einfassung.
Die Ringschuppenketten wurden von fein geprägten Medusenköpfen gehalten.
Der Korpus des Tschakos der Mannschaften war mit rotem Filz bezogen. Der Deckel, der Unterrand und der Augenschirm waren von schwarzem Leder. Letzterer hatte eine silbernen Metalleinfassung. Im Nacken befand sich eine Eisenschnalle. Vorn befand sich ein eiserner Helmzierrat, der einen bekrönten Adler mit einem Schild mit der Regimentsnummer zeigte. Die Kinnriemen waren mit Schuppen besetzt. Das Innenfutter bestand aus Leder und Leinen. Der Behang war aus (weißer) Wolle).
Die Tschakos der einzelnen Regimenter unterschieden sich durch die Farbe der Federbüsche und der Pompons. Letztere waren beim 1. Rgt. blau, beim 2. Rgt. gelb, beim 3. Rgt. rot und beim 4. Rgt. wiederum gelb. Die grünen Federbüsche hatten beim 1. Rgt. eine rote Spitze, beim 2. Rgt. eine blaue Spitze, beim 3. Rgt. eine weiße Spitze und beim 4. Rgt. eine schwarze Spitze.
Die Pferde der Ehrengarden hatten weiße Schaffelle mit gezackten farbigen Randbesatz.
Die vier Regimenter trugen eine identische husarenähnliche Uniform, d. h., einen verschnürten Dolman und Pelz mit Schnurbesatz.
Die Verschnürung war weiß. bzw. silbern für die Offiziere.
Die Grundfarbe der Uniform war grün, der Kragen des Dolmans mit Verschnürung war rot, ebenso die spitz zugeschnittenen Ärmelaufschläge, jeweils mit weißem bzw. silbernen Vorstoß.
Der Pelz hatte einen grundsätzlich schwarzen Pelzbesatz.
Die Schärpe war rot-weiß.
Die Beinkleider waren rot mit weißem Besatz. Im Felde wurden grüne Überhosen mit schwarzen Ledereinsatz getragen. Die Knopfleiste war weiß.
Die Stiefel hatten vorn einen herzförmigen Einschnitt mit einem weißen bzw. silbernen Besatz.
Die schwarzen ledernen Säbeltaschen zeigten einen eisernen bekrönten Adler mit der jeweiligen Regimentsnummer.
Das Lederzeug war weiß.
Trompeter trugen einen hellblauen Dolman mit weißer Verschnürung und mit rotem Kragen und ebensolchen spitzen Ärmelaufschlägen, jeweils weiß vorgestoßen. Knötel zeigt einen solchen vom 4. Rgt. in seiner großen Uniformkunde (Band XIII, Nr., 38) auch mit blauen Pelz und Pelzmütze.
Die Uniformen der Offiziere zeichneten sich durch einen silbernen Besatz und eine silberne Verschnürung aus.
Ferner war natürlich die Qualität der Tuche bzw. Stoffe besser.
Zur kleinen Unform wurde unter dem offenen grünen Rock mit eben solchen Rabatten (mit rotem Vorstoß) und langen Schoßumschlägen eine rote Weste mit silberner Verschnürung getragen. Der Kragen war rot.
Das nachfolgende Bild zeigt die rote Weste.
Die Bewaffnung war die der leichten Kavallerie.
Die Einheiten wurden am 29.06.1814 aufgelöst, einige Angehörige traten in die Haustruppen von König Ludwig XVIII ein.
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