Die Deutschen Kolonien und die Schutztruppen

Soldaten der internationalen Truppenkontingente zur Niederschlagung des sogenannten Boxeraufstandes. Originales Foto aus dem Jahre 1901.

Die deutsche Kolonialgeschichte ist heute nur noch eine historische Fußnote, aber auch das kaiserliche Deutschland strebte wie alle anderen westlichen Mächte nach Kolonialbesitz1. Die entsprechenden expansiven Bestrebungen fallen in die 80iger und 90iger Jahre des 19. Jahrhunderts. In den Jahren 1884-85 wurden in Südwestafrika, Kamerun, Togo, Ostafrika, ferner in Neuginea, auf dem Bismark-Archipel und den Marschall-Inseln deutsche Kolonien gegründet. 1899 kamen die Samoa-Inseln Upolu und Sawaii unter die deutsche Verwaltung, von Spanien hatte Deutschland die Karolinen-, Marianen- und Polau-Inseln erworben. In China war bereits    1897 die Kiautschou –Bucht okkupiert worden (560 qkm). Hier investierten die Deutschen enorm, bis 1913 über 200 Millionen Mark. Um 1900 verfügte Deutschland über einen Kolonialbesitz mit einer Fläche von 2 962842 qkm, Großbritannien hingegen über 13 692 252 qkm, Frankreich über 11 377 058 qkm, Portugal über 2 081 911 qkm und Spanien über 260 171 qkm2. Die Kolonien waren in Deutschland populär, vom Kaiser gefördert und es gab es eine organisierte Kolonialbewegung. 1919 verlor Deutschland sämtliche Kolonien, damit blieb die Kolonialgeschichte - einst aus privaten Initiativen von Kaufleuten entstanden – ein Intermezzo der deutschen Geschichte.

Struktur des Reichs-Kolonialamtes. Entnommen aus: B. Friedag, Führer durch Heer und Flotte. Elfter Jahrgang 1914. Berlin 1913 (Nachdruck Krefeld 1976).
Deutsche Soldaten des Ostasiatischen Expeditionskorps gehen in Shanghai an Bord. Originales Foto aus dem Jahre 1900. Die Soldaten tragen den Drillichrock und Strohhüte mit der rechs aufgeschlagenen Hutkrempe mit der Reichskokarde.

Das ostasiatische Expeditionskorps bzw. die Ostasiatische Besatzungsbrigade.

Zu Anfang des 20. Jahrhunderts entlud sich die Volkswut in China gegen die Ausländer, die sich überall im Lande festsetzten und um Einfluss untereinander wetteiferten3. An die Spitze des Volksaufstandes setzte sich eine Gemeinorganisation, die Boxer. Im so genannten Boxeraufstand kam es zu blutigen Übergriffen auf Ausländer, so zur Einschließung und Beschuss des Fremdenviertels in Tientsin und des Gesandtschaftsviertels in Peking. 1900 wurde der deutsche Gesandte, Clemens Freiherr von Ketteler, ermordet.

Offiziere des II. Bataillon des Ostasiatischen Infanterie-Regiments im Sommeranzug. Dieses wurde aus dem I., II. und III. bayerischen Armeekorps in München formiert. Kommandeur desselben war Major Graf v. Montgelas. Originales Foto aus einem privaten Fotoalbum. 1900.
Originales Foto von Angehörigen des Ostasiatischen Reiter-Regiments noch in der Heimat vor der Abreise nach China. 1900.
Gruppenfoto von Angehörigen - Unteroffiziere und Offiziere - des Ostasiatischen Expeditionskorps überwiegend im Drillichrock, aber auch in Litewka. Getragen werden Mützen mit Nackenschutz. Wohl Feldartilleristen. Fotograf: Noack/ Berlin. Großformatiges Foto um 1900.

Das Ausland reagierte mit der Entsendung von Truppen. In Deutschland wurde mit Befehl vom 25.06.1900 das erste Expeditionskorps gebildet. Es bestand aus 2 See-Bataillonen, 1 fahrenden Feld-Batterie, 1 Detachement Pioniere und Telegraphisten und 1 Sanitäts-Detachement, insgesamt 2528 Mann.  Diese erste deutsche Truppe wurde durch ein aus Freiwilligen der Landarmee gebildetes Ostasiatisches Expeditionskorps verstärkt.  Dieses Korps  bestand aus

3 Ostasiatischen Infanterie-Brigaden mit jeweils zwei Infanterie-Regimentern,

1 Ostasiatischen Jäger-Kompanie,

1 Ostasiatischen Reiter-Regiment (Stärke: 4 Eskadronen),

1 Ostasiatischen Feld-Artillerie-Regiment (zu 3 Abteilungen zu je 3 Feldbatterien),

1 Ostasiatischen Bataillon schwerer Feldhaubitzen (zu 2 Batterien schwerer Feldartillerie),

1 Ostasiatischen Pionier-Bataillon (zu 3 Kompanien),

1 Ostasiatischen Eisenbahn-Bataillon (zu 3 Eisenbahnbau-Kompanien),

1 Korps-Telegraphen-Abteilung,

1 Sanitäts-Kompanien, verschiedenen Munitions-Kolonnen, Trains und Etappen-Formationen,

sowie Feld-Verwaltungs-Behörden.

Da Armee-Oberkommando in Ost-Asien unter Generalfeldmarschall Graf Waldersee bestand aus 41 Offizieren und Beamten, 172 Mann, 185 Pferden und 27 Fahrzeugen.

Vorübergehend wurde beim Kriegsministerium eine Ostasiatische Abteilung eingerichtet (16.08.1900 – 21.08.1902).

Soldat des Ostasiatischen-Expeditionskorps im Drillichanzug mit Bordmütze vor der Abreise nach China. Fotograf: R. Schubert/ Berlin. Originale KAB aus dem Jahre 1900.
Unteroffizier des Ostasiatischen-Expeditionskorps in der blauen Litewka mit Strohhut. Der Soldat ist feldmarschmäßig montiert. Fotograf: Müller/ Berlin. Originale KAB aus dem Jahre 1900.
Soldat des Ostasiatischen Expeditionskorps im Khakianzug mit Strohhut feldmarschmäßig. Originale KAB um 1900. Fotograf: Ludwig Nitsche/ Alt-Damm.
Offiziere des Ostasiatischen Expeditionskorps in Litewka mit Hüten mit hier links aufgeschlagener Hutkrempe nebst Reichskokarde. Die Hüte haben Kinnriemen. Originales Foto aus dem Jahre 1901. Die Offiziersdegen sind teils unter-, teils übergschnallt.
Soldaten aus dem 2. Ostasiatischen Infanterie-Regiment in verschiedenen Anzugsarten. Dessen I. Bataillon wurde aus dem VI., XII. und XIX. Armeekorps und das II. Bataillon aus dem IV., XI. und XVIII. Armeekorps formiert. Der Stab wurde in Berlin beim 2. Garde-Regiment zu Fuss gebildet. Originales Foto um 1901.
Offizier aus einem Ostasiatischen Infanterie-Regiment mit Pickelhaube und im Waffenrock. Originale CDV um 1901.
Offizier aus einem Ostasiatischen Infanterie-Regiment mit Pickelhaube und in Litewka. 1900. Originale cdv. Fotograf: Carl Seegert/ Berlin.
Soldat aus dem 2. Ostasiatischen Infanterie-Regiment mit Pickelhaube und in Litewka (mit verdeckter Knopfleiste). Originale KAB um 1901. Fotograf: Hung Chang. Die Pickelhaube zeigt als Zierrat den besonderen Reichsadler.
Soldat aus dem 3. Ostasiatischen Infanterie-Regiment mit Pickelhaube und in Litewka. Originale KAB um 1901. Fotograf: Yuen Chang/ Tientsin.
Reiter aus dem Ostasiatischen Reiter-Regiment in Litewka mit dem KD 89. Fotograf: Ernst Zink/ Potsdam. Um 1900.
Reiter aus dem ostasiatischen Reiter-Regiment in Khakiuniformen und teiweise mit dem Tropenhelm. Originales Foto um 1901.
Artilleristen bzw. Kanoniere der Ostasiatischen Besatzungsbrigade im Sommeranzug. Originales mittelgroßes Foto. Jüterbog 25.07.1900.
Unteroffiziere des Ostasiatischen Feld-Artillerie-Regiments in weißer und in Khaki-Uniform mit Feldmützen. Auf den Schulterklappen der Khaki-Uniform ist eine platzende Granate zu sehen.
Feldartilleristen des Ostasiatischen Expeditionskorps mit Geschützen. Originale KAB um 1901. Die Pickelhaube hat keine Spitze, sondern eine Kugel (wie bei der Artillerie beim sonstigen Reichsheer - außer in Bayern).

Am 17.05.1901 wurde das Ostasiatische Expeditionskorps aufgelöst. Aus diesem Verband entstand d ie Ostasiatische Besatzungsbrigade. Diese war in Peking, Tientsin, Langfang, Yangtsun, Tangku und Schanghaikwan stationiert und gliederte sich wie folgt:.

1 Kommandostab nebst Verwaltungsbehörden

2 Infanterie-Regimenter mit je 6 Kompanien (davon jeweils eine Kompanie beritten)

1 Eskadron Jäger zu Pferde

1 Feldbatterie

1 Pionier-Kompanie mit Telegraphen-Detachement

1 Feldlazarett

Diese Ostasiatische Besatzungsbrigade wurde im Verlauf des Jahres 1902 weiter reduziert und am 06.03.1906 gänzlich aufgelöst. Die militärische Funktion wurde durch die Marine(-Infanterie) übernommen, welche bis zur Eroberung durch die Japaner im Ersten Weltkrieg die Besatzung von Tsingtau stellte.

Das originale Foto zeigt die 2. berittene Kompanie des 2. Ostasiatischen Infanterie-Regiments. So die umseitige Beschriftung. Hier schon als Teil der Ostasiatischen Besatzungsbrigade. Foto um 1904.

Die Besatzung von Kiautschou.

1897 wurde von Kiautschou durch das ostasiatische Geschwader unter Admiral Otto v. Dieterischs Besitz ergriffen. Als Vorwand diente die Ermordung zweier deutscher Missionare. Der Pachtvertrag wurde mit der chinesischen Regierung auf 99 Jahre erst am 06.03.1898 abgeschlossen. Kiautschou mit der Stadt Tsingtau war bis 1919 deutsches Schutzgebiet. Der deutsche Handel mit China belief sich im Jahre 1897 bereits auf 80 Millionen Reichsmark, während im gleichen Jahr der Gesamthandel mit den deutschen Schutzgebieten erst 35 Millionen Reichsmark ausmachte. Das zur Provinz Schantung gehörende Pachtgebiet umfasste 552 qkm zuzüglich eines 50 km breiten neutralen Landstreifens. Im Jahre 1912 zählte die Gesamtbevölkerung ca. 200000 Menschen, darunter 4500 Weiße und nur 400 Deutsche. Die dem Reichsmarineamt unterstehenden Gouverneure waren:

Kapitän zur See Karl Rosendahl - 07.03.1898 – 19.02.1899

Kapitän zur See Otto Ferdinand Paul Jäschke - 19.02.1899 – 27.01.1901

Kapitän zur See Max Rollmann (provisorisch) – 27.01.1901 – 08.06.1911

Kapitän zur See Oskar von Truppel – 08.06.1901 – 19.08.1911

Kapitän zur See Alfred Meyer-Waldeck – 19.08.1911 – 07.11.1914

Unteroffizier des 3. See-Bataillons in Khaki-Uniform. Originale KAB. Fotograf: T. Takahashi/ Tsingtau.

Die Besatzung von Kiautschou bestand in erster Linie aus dem III. Seebataillon und einem Matrosen-Artillerie-Detachement. Die Stammkompanien des III. Seebataillons blieben mit einer Stärke von 755 Soldaten in der Heimat stationiert. Die für Übersee bestimmten Soldaten mussten für den Tropendienst tauglich sein. Sie verbrachten die ersten 7-8 Monate ihrer dreijährigen Dienstzeit zur Ausbildung in der Heimatgarnison bzw. auf der Anreise, um dann für 24 Monate in Kiautschou Dienst zu tun. Die restlichen beiden Monate waren für die Rückreise bestimmt. Die Marineinfanterie war vor allem in Tsingtau, aber auch in Kiautschou, Schatzykou und Tsangkou untergebracht, in Litsun befand sich eine Chinesen-Kompanie. Die Stärke des im Pachtgebiet stationierten III. Seebataillons betrug 18 Offiziere, 112 Unteroffiziere und 1004 Gemeine, das Matrosen-Artillerie-Detachements zählte 4 Offiziere, 30 Deck- und Unteroffiziere und 205 Gemeine. Dazu kamen noch 110 Soldaten der Marine-Feldartillerie, 141 Angehörige der Chinesen-Kompanie und weiteres Personal der Matrosen-, Werftdivision, Sanitätspersonal.

Parademäßige Aufstellung der Garnison von Windhuk. Großformatiges Foto. Umseitig datiert: 27.01.1897.

Die deutschen Schutztruppen in den afrikanischen Kolonien.

Zum Schutz der Deutschen und des Kapitals in den Kolonien bedurfte es bewaffneter Verbände.  Zur „Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung und Sicherheit“ entstanden in den afrikanischen Schutzgebieten nach und nach dem Kaiser direkt unterstehende Schutztruppen.

Angehörige der Schutztruppe in Deutsch-Südwestafrika. Originale Fotokarte. Reiter der 10. Kompanie im Gelände. 1905.

Das kaiserliche Kommando der Schutztruppen war als oberste Verwaltungsinstanz im Reichs-Kolonialamt (Berlin) angesiedelt. Kommandeur der Schutztruppen war 1913 Generalmajor v. Glasenapp. Das Bekleidungsdepot der Schutztruppen befand sich in Berlin-Schöneberg.

Appell beim Verkehrszug in Karibib in Deutsch-Südwestafrika. Fotograf: Erich Staebe. Originales großformatiges Foto. Um 1910.

Kaiserliche Schutztruppen gab es in Deutsch-Ostafrika, Südwestafrika, Kamerun und Togo. Im Kamerun und Togo waren nur die Offiziere und Unteroffiziere deutsche Staatsbürger, während die Gemeinen aus angeworbenen Farbigen bestanden. Für die Schutzgebiete sah der Haushalts-Etat von 1913 fortdauernde Ausgaben von insgesamt 20 124 961 Reichsmark und einmalige Ausgaben von 1 113 607 Reichsmark vor. Die Gehälter waren höher als beim Landheer bzw. der Marine.

Rückreise von Schutztrupplern auf dem Dampfschiff Ernst Woermann zurück in die Heimat. Originales großformatiges Foto. Um 1907.

Die deutsche Schutztruppe in Südwestafrika.

Die Schutztruppe in Südwestafrika bestand überwiegend aus berittener Infanterie und war nach europäischen Maßstäben ausgerüstet und ausgebildet.  Die Schutztruppe wurde laut § 1 des Gesetzes vom 22.03.1891 aus Offizieren, Ingenieuren des Soldatenstandes, Sanitätsoffizieren, Beamten und Unteroffizieren des Reichsheeres und der kaiserlichen Marine gebildet. Voraussetzung war freiwillige Meldung. Ferner wurde angeworbene Farbige eingestellt. Die der Schutztruppe zugeteilten Mannschaften schieden für die Zeit des Dienstes aus dem Reichsheer bzw. der Marine aus. Die Kapitulation (= Dienstvertrag) lautete für Deutsch-Südwestafrika in der Regel über einen Zeitraum von 3 Jahren.

Soweit sich Freiwillige der Fußtruppen meldeten, wurden Kenntnisse in der Behandlung und Wartung von Pferden verlangt. Bei ehemaligen Kavalleristen wurde besonderer Wert auf gute Schießausbildung gelegt.

Im letzten Friedensjahr (1913) umfasste die Schutztruppe in Deutsch-Südwestafrika 1967 Deutsche.

Die Pferde waren zunächst deutscher Herkunft, später wurden aber belastbarere argentinische Pferde eingeführt.

Die Schutztruppe bestand im Übrigen aus Freiwilligen aus dem Reichsherr bzw. Marine, erst ab 1913 ließ man auch weiße Landesbewohner als Freiwillige zu. In Deutsch-Südwestafrika wurden – wie in den anderen Schutzgebieten – an den wichtigsten Plätzen Militärstationen errichtet.

Reiter der deutschen Schutztruppe in Südwestafrika. Originale Fotokarte. Fotograf:_ Ernst Hecker/ Windhuk.

Die Schutztruppe verteilte sich in Deutsch-Südwestafrika im Süden und im Norden. Im Norden standen 1906 11 Kompanien, 4 Geschütze, 2 Maschinenkanonen und 2 Maschinengewehre, im Süden 25 Kompanien, 38 Geschütze, 6 Maschinenkanonen und 19 Maschinengewehre.

Ferner gab es auch rückwärtige Verbindungen. Kommandeur war zu diesem Zeitpunkt: Oberst Dame.

Offiziere der Schutztruppe in Südwestafrika bei einem Manöver vor 1914. Originale Fotokarte. Fotograf: Ernst Hecker/ Windhuk.

Im letzten Friedensjahr bestand die Schutztruppe nach Werner Haupt aus 90 Offizieren, 20 Saniätsoffizieren, 9 Veterinäroffizieren, 35 Beamte, 369 Unteroffiziere und 1444 Mannschaften.

Offizier (Leutnant) der Schutztruppen in der Heimatuniform aus Tuch. Undatiertes originales Foto um 1905. Der Offizier führt den besonderen IOD für die Schutztruppen mit der aufgesetzten Kaiserkrone.

Uniformkundliche Anmerkungen zum vorherigen Foto.

Die Uniform der Offiziere in Südwestafrika wird in der entsprechenden Bekleidungs-Vorschrift (Neudruck 1898) wie folgt beschrieben:

Hut

Aus grauem, weichem Haarfilz mit ovalem 15 cm hohen Kopf. Um den unteren Rand des Kopftheiles ein Ban dvon kornblumenblauem 3 172 cm breiten Seitenrips, an der linken Seite mit einer Schleife. 12 cm breite Hutkrempe mit 1 cm breiter Einfassung von kornblumenblauem Seitenrips. Die rechte Seite der Krempe aufgeschlagen und vermittels einer großen deutschen Offizierskokarde an dem Kopftheil des Hutes befestigt.

Mütze

Der Form nach wie für die Offiziere des Preußischen Heeres vorgeschrieben, jedoch von hell-grauem Trikotstoff von kornblumenblauem und einem ebensolchen Vorstoß rings um den Deckel. Vorn auf dem Mützenbund die deutsche Offizierskokarde.

Waffenrock

Aus hellgrauem Trikotstoff im Schnitt des preußischen Waffenrocks, jedoch mit eckig geschnittenem, leicht gesteiftem und mit 1 Paar Haken und Oesen zum Schließen versehenem Umlegekragen, schwedische Aufschläge. Kragen, Aufschlähe, sowie Vorstöße von kornblumenbaluem Tuch. Auf jeder Kragenseite und auf jedem Ärmelaufschlag je ein paar gestickte silberne Litzen. Die Knöpfe versilbert, mit Kaiserkornen. Auf der linken Schulter ein grau gesponnenrer Knopf zum Befestigen des Achselbandes.

Interimsrock

Aus hellgrauem Trikostoff wie der Waffenrock, jedoch Kragen und Aufschläge vom Stoff des Rockes, ohne Litzen und mit kornblumenblauem Vorstoß versehen.

Hemdkragen

Weißer Marine-Stekkragen.

Achselstücke

Der Charge entsprechend, wie bei den Marine-Infanaterie-Offizieren, jedoch ohne Kaiserkrone und mit kornblumenn+blauer Tuchunterlage.

Hauptmann der deutschen Schutztruppe im Kordrock. Originale cdv. Fotograf: Günther/ Munster.

Feldbinde

Wie bei der preußischen Armee, jedoch mit rothem Seidenfaden durchzogen, das Schloß versilbert, mit Kaiserkrone. Die Adjutanten tragen die Schärpe der Marineinfanterie.

Säbel und Säbelkoppel

Infanteriedegen neuen Modells, jedoch statt des im Korbe vorgeschirebenen preußischen Adlers den Reichsadler und an Stelle des glatten Knopfes eine 1 cm hohe Kaiserkrone. Das Säbelkoppel wie für die Marineinfanterie vorgeschrieben, jedoch Trage- und Schleppriemen von naturfarbenem Leder.

Portepee

Wie für die preußische Infanterie vorgeschrieben, jedoch die Mitte des Lederiemens mit einem rothen Seidenfaden durchsteppt.

Handschuhe

Von weißem Wasch-Wildleder. Weißer Wollstoff, der sich äußerlich hiervon nicht wesentlich unterscheidet, gestattet.

Offizier der deutschen Schutztruppe in der sogenannten Heimatuniform. Originale cdv. Fotograf: Schaarwächter/ Berlin.

Fußbekleidung

Hohe Stiefel von naturfarbenem Leder, Schäfte geradem fest und faltenlos, bis zum Knie reichend.

Anschnallsporen

Wie für die Kürassieroffiziere vorgeschrieben, die Sporenriemen aus naturfarbenem Leder.

Stiefelhose

Aus hellgrauem Tricotstoff, Schnitt wie für die preußische Infanaterie vorgeschrieben, jedoch mit

Bestehend aus zwei silbernen, 109 cm langen Achselschnüren und einem 25 cm langen und 3 cm breiten Achselgeflecht, welches in eine 25 cm lange Achselschnur mit Knoten und mit versilberter Spitze ausläuft. An den Achselschnüren eine Vorrichtung zum Befestigen auf der Schulter des Waffenrocks.

Subaltern-Offizier der deutschen Schutztruppe im Tuchrock. Oroginale cdv. Fotograf: Obergassner/ München.

Fußbekleidung

Hohe Stiefel von naturfarbenem Leder, Schäfte geradem fest und faltenlos, bis zum Knie reichend.

Anschnallsporen

Wie für die Kürassieroffiziere vorgeschrieben, die Sporenriemen aus naturfarbenem Leder.

Paletot

Wie für die Offiziere der preußischen Infanterie vorgeschrieben, jedoch versilberte Knöpfe mit Kaiserkronen. Kragen und Kragenstege innen und auße

Reiter der Schutztruppe in Deutsch-Südwestafrika im Kordrock. Porträtaufnahme. Undatiert. Gut zu sehen ist das typische Achselband der Schutztruppe.

Uniformkundliche Anmerkungen zum vorherigen Foto.

Kennzeichnend für die Uniform der Schutztruppe in DSWA war der Kordwaffenrock. Dieser entsprach im Schnitt dem in der Heimat getragenen Waffenrück, bestand aber aus sandgrauem Kord, der durch das häufige Waschen immer heller wurde. Die Abzeichen entsprachen dem heimatlichen Waffenrock.

Alternativ wurde der Kordfeldrock angelegt, ehemals Kordfeldlitewka genannt. Dieser hatte den Schnitt der in der Heimat getragenen Litewka und hatte zwei eingeschnittene Brusttaschen und Seitentaschen mit einfachen Taschenklappen.

Am Kragen wurden keine Kragenpatten oder Tressen, allerdings die Schulterschnüre, angelegt.

Reiter der Schutztruppe in Deutsch-Südwestafrika im Kordrock zu Pferd. Undatierte originale Pappaufnahme vor 1914.

Uniformkundliche Anmerkungen zum vorherigen Foto.

Gut zu sehen ist die besondere Tragweise des Karabiners im Holfter am Sattel (an der rechten Seite).

Koppel und Seitenwaffe waren die der Heimatuniform.

Im Dienst kam das Schutztruppengewehr 98 zum Einsatz. Anstelle des üblichen Koppels wurde ein hinten zuzuschnallender Patronengurt aus Naturleder angelegt.

Dieser hatte 12 Patronentaschen und wurde durch zwei Schulteriemen gehalten. Daran angenäht war die Seitengewehrtasche.

Studioaufnahme eines Schutztrupplers im Kordrock in vollständiger Montierung und Ausrüstung vor der Abfahrt nach Deutsch-Südwestafrika. Fotograf: Schubert/ Berlin.

Uniformkundliche Anmerkungen zum vorherigen Foto.

Der besondere Hut der Schutztruppe war eine Kopfbedeckung aus hellgrauem Haarfilz mit einem Hutband und Besatz aus Wollrips in der jeweiligen Abzeichenfarbe.

Die rechte Seite des Hutes war hochgeschlagen. Darauf befand sich die Reichskokarde.

Angehörige der Schutztruppe in DSWA. Originales Foto um 1905.
Erinnerungsfoto an die dreijährige Dienstzeit bei der III. Feld-Kompanie der Schutztruppe in DSWA. Originales Foto aus dem Jahre 1905.

Die deutsche Schutztruppe in Südwestafrika im Einsatz gegen die einheimischen Hirtenvölker.

Die Schutztruppe in Deutsch-Südwestafrika hatte verlustreiche Kämpfe gegen die einheimischen Herero7 und Hottentotten8 zu bestehen (1904/07). Der deutschen Kolonialmacht gelang es nur mühevoll den überraschenden Aufstand  der einheimischen Hirtenvölker niederzuschlagen, sie musste nach Beginn der Erhebung gegen die deutschen Kolonialherren- kurzfristig  stark vermehrt werden.

MG-Trupp der deutschen Schutztruppe in Südwestafrika. Originale Fotokarte. Fotograf: Ernst Hecker/ Windhuk.

Der Kriegszustand wurde erst am 31.03.1907 aufgehoben. Vor allem in der Anfangsphase waren zahlreiche deutsche Farmer umgekommen, im späteren Verlauf der Auseinandersetzung kam es unter den aufständischen Stämmen zu großen Verlusten bei den  Nichtkombattanten, also Alten, Frauen und Kindern, vor allem als die Schutztruppe die Hererokämpfer mit ihren Familien nach der Schlacht am Waterberg in die wasserlose Omaheke-Wüste abdrängte. Nur wenige konnten sich in das benachbarte britische Territorium flüchten.

Geschütz mit Ochsengespann in Deutsch Südwest-Afrika. Originale Fotokarte. Um 1905.

Die Artillerie der deutschen Schutztruppe in Südwestafrika.

An Artillerie existierten 1905 2 reitende Feldartillerieabteilungen.

Im zum Südbezirk gehörigen Keetmannshoop befanden sich u. A. das Artillerie- und Traindepot, ein Lazarett, das Sanitätsdepot, das Bekleidungsdepot, das Proviantamt, sowie die Garnisonverwaltung.

Reitende Feldartillerie-Abteilung mit Gespannen. Fotograf: O. Ziegler/ Laribib - Omaruru. Vor 1914.

Farbige Söldner.

Zur Ausstattung der Deutschen Schutztruppe in Südwestafrika gehörte auch eine Tropen-Uniform.

Der Feldrock dieser Tropen-Uniform hatte eine jacketartige Form und war aus gelbem Khaki-Drell gefertigt.

Er hatte einen Umlegekragen und schwedische Ärmelaufschläge.

Kragen und Ärmelaufschläge hatten kornblumenartige Vorstöße.

Der Feldrock hatte auch einen solchen Vorstoß vorn herunter.

Die Knöpfe waren aus weisssem Metall und zeigte die geprägte Kaiserkrone.

Auf den Schultern befand sich eine vierfach zusammen genähte schwarz-weiß-rote Mohaisschnur.

Die Chargenabzeichen befanden sich auf dem linken Ärmel.

Die Feldhose war auch aus gelbem Khaki-Drell hergestellt und hatte seitlich kornblumenblaue Vorstöße.

Farbige Söldner aus dem Stamm der Basutho, einem Bergvolk aus dem südlichen Afrika. Originale Fotokarte.
Reiter der deutschen Schutztruppe in DSWA. Originale Fotokarte aus 1913.

Die Kamelreiter-Kompanie.

Zur Schutztruppe gehörte auch eine Kamelreiter-Kompanie (7.) in Gochas und Arahoab.

Angehörige der Kamelreiter-Kompanie. Originales Foto um 1900.
Angehörige der Kamelreiter-Kompanie. Originales Foto um 1900.
Kamelreiter in DSWA. Originale Fotokarte. Umseitig datiert: 1908.

Gliederung der Schutztruppe in Deutsch-Südwestafrika.

 

Die Gliederung der Schutztruppe in Deutsch-Südwestafrika war im Mai 1914 wie folgt:

Kommando/ Windhuk

 

Gericht des Kommandos, Intendantur, Sanitätsamt und Vermessungstrupp

 

Nordbezirk/ Kommando Windhuk

Südbezirk/ Kommando Keetmanshoop

Artillerie- und Train-Depot , Lazarett, Haupt-Santäts-Depot, Ortskommandeur, Garnison- und Bauverwaltung

Verkehrszug 2, Artillerie- und Train-Depot, Lazarett, Sanitäts-Depot, Bekleidungs-Depot, Proviant-Amt, Ortskommandantur, Garnison-Verwaltung

1. Kompagnie-Regenstein, Seeis

2. Kompagnie - Ukamas

4. Kompagne (MG) - Okanjande

3. Kompagnie - Kanus

6. Kompagnie – Outjo und Otavi

5. Kompagnie (MG) – Chamis und Churufabis

2. Batterie – Johann-Albrechts-Höhe

7. Kompagnie (Kamelreiter und MG) – Gochas und Arahoab

Verkehrszug 1 - Karibib

8. Kompagnie und Lazarett - Warnbad

Proviantamt – Karibib

9. Kompagnie - Kabus

Pferde-Depot - Okawayo

1. Batterie - Narubis

Ortskommandantur und Proviant-Amt - Swakopmund

3. Batterie – Kranzplatz bei Gibeon

 

Pferde-Depot - Aus

 

Kamelgestüt – Kalkfontain N.

 

Ortskommandantur und Proviant-Amt - Lüderitzbucht

Stärke: 90 Offiziere, 22 Ärzte, 9 Veterinäre, 59 Beamte, Feuerwerker usw., 342 Unteroffiziere, 1444 weiße Soldaten

Schiffe auf Station: Kanonenboote „Panther“ und „Eber“

Vor allem Offiziere der deutschen Schutztruppe in DSWA bei einer Besprechung im Rahmen eines Manövers. Originale Fotokarte aus dem Jahr 1912.
Etatsstärke der Schutztruppe in Deutsch-Südwestafrika. Entnommen aus: B. Friedag, Führer durch Heer und Flotte. Elfter Jahrgang 1914. Berlin 1913 (Nachdruck Krefeld 1976).
Musiker bzw. Kapelle der Schtztruppe in Deutsch-Südwestafrika. Originale Fotokarte vor 1914.
Trompeterkorps der deutschen Schutztruppe in Südwestafrika. Originale Fotokarte.

Die deutsche Schutztruppe in Kamerun und in Togo.

Die Deutsche Schutztruppe für Kamerun und Togo bestand aus deutschen Offizieren und Unteroffizieren.

Die einfachen Soldaten waren angeworbene Farbige, meist Haussa oder Lagosleute (auch Dagombas).

In Friedenszeiten war die Stärke der Schutztruppe ungefähr wie folgt:

1 Hauptmann (als Kommandeur der Truppe in Kamerun), 1 Premierlieutnant (als Kommandeur in Togo), 2 Seconde-Lieutenants, 1 Arzt, 19 Unteroffiziere, 1 Lazarettgehilfe, 1 Zahlmeister-Aspirant und 1 Büchsenmacher, dazu kamen 300 farbige Gemeine.

In Kamerun waren die Standorte: Jaunde, Lolodorf und Victoroa.

Der Stab war in Sappo stationiert.

Appell bei der kaiserlichen Schutztruppe in Kamerun. Der Appell wird abgenommen von einem weißen Offizier in Tropenuniform. Undatierte Fotokarte vor 1914.

Uniformkundliche Anmerkungen zum vorherigen Foto.

Die Mannschaften bzw. farbigen Unteroffiziere trugen als Kopfbedeckung den roten Rollfez. Dieser hatte an der Vorderseite einen versilberten fliegenden Reichsadler.

Dazu wurde als Oberbekleidung ein Khakidrellrock wie in Ostafrika getragen.

Dieser hatte aber am Kragen einen Besatz von einer roten Bandborte und einer roten Litze.

An den Ärmelm wurde ein in eine Spitze auslaufende roter Bortenbesatz getragen.

Die Chargen wurden durch Armwinkel aus roter, weiß unterlegter Borte gekenntzeichnet, und zwar 1 Winkel für den Gefreiten, 2 Winkel für Unteroffiziere und 3 Winkel für Sergeanten.

Spielleute und Musiker zeichneten sich durch weiße Schwalbennester mit rotem Bortenbesatz aus.

Matrosen der kaiserlichen Marine im Weißzeug und mit Tropenhelm in Lome (Togo). Originales Foto. Um 1900.

Dazu wurden Stiefelhosen, Wickelgamaschen und Schnürschuhe getragen.

Es gab auch farbige Feldwebel. Diese trigen die allgemeine Uniform der farbigen Soldaten, hatten aber einen Hut wie die deutschen Unteroffiziere zur Heimatuniform mit rotem Besatz, dazu den Khakifeldrock und die Feldhose der deutschen Unteroffiziere.

Auf dem linken Ärmel befanden sich 4 rote, weiß unterlegte Winkel.

Etatsstärke der Schutztruppe in Kamerun. Entnommen aus: B. Friedag, Führer durch Heer und Flotte. Elfter Jahrgang 1914. Berlin 1913 (Nachdruck Krefeld 1976).
Angetretene Angehörige der Schutztruppe in Togo. Originales Foto vor 1914.
Wachdienst bei der Polizeitruppe in - laut umseitiger Aufschrift - in Togo.

Die deutsche Schutztruppe in Ostafrika.

Zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung – insbesondere zur Bekämpfung des Sklavenhandels - wurde auch in Ostafrika eine Schutztruppe aufgestellt.

So begründete die Formierung § 1 des Gesetzes, betreffend die Kaiserliche Schutztruppe für Deutsch-Ostafrika vom 22.03.1891. Zum Stiftungstag wurde der 08.02.1889 in Erinnerung an die so genannte Wissmann-Truppe bestimmt.

Diese hatte bereits im April 1889 aus 25 deutschen Offizieren, 7 deutschen Feldwebeln und 56 deutschen Unteroffizieren, 6 Kompanien Sudanesen (600 Mann), 1 Kompanie Zulus (100 Mann), 1 Abteilung Askari (80 Mann), 1 Abteilung sudanesischer Artilleristen (30 Mann) und 1 Abteilung Somalis (40 Mann) bestanden.

Deutsche Offiziere in Tropenuniform in Ostafrika nebst farbigen Melder bzw. Späher. Der Stab, das Rekrutendepot, die 10. Kompanie, die Signal-Abteilung waren in Daressalam stationiert. Originales undatiertes Foto vor 1914.

Die neue Schutztruppe unter dem Kommando von Leutnant v. Zelewski verteilte sich die Militärstationen Tanga, Bagamoyo, Daressalam, Kilwa, Lindi (Mgao), Mpapua, Bukoba, Muana, Masinde und Moschi. Nach einer schweren Niederlage im Kampf gegen die Wahehe wurde die Schutztruppe weiter ausgebaut.

Vorbeimarsch von Einheiten der kaiserlichen Schutztruppe in Deusch-Ostafrika. Zeitgenössisches Foto. Um 1910.

Sie gliederte sich in einen Stab, bestehend aus dem Kommandeur, 1 Oberführer, 7 Leutnants, 1 Oberarzt, 1 Intendanten und 10 Kompanien zu je 150 Mann. Das europäische Personal (165 Mann) bestand schließlich aus 2 Stabsoffizieren, 11 Hauptleuten, 17 Premierlieutenants, 15 Secondelieutenants, 60 Unteroffzieren, 1 Ober-Stabsarzt, 15 Stabs- und Assistenzärzten, 26 Lazarettgehilfen, 1 Zahlmeister, 13 Zahlmeister-Aspiranten, 1 Ober-Feuerwerker und 3 Büchsenmacher.

Das farbige Personal bestand aus 16 Offizieren, 134 Unteroffizieren und 1900 Gemeinen. Die 12 Kompanien standen in 1. Moschi, Kisuami und Marangu, 2. Iringa, 3. Lager Idunda, 4. Kilimatinde und Mpapua, 5. Daressalam, 6. Kilwa, 7. Pangani, 8. Lindi, 9. Udjidji, 10. Tabora, 11. Bukoba und Manza und 12. Kiloossa.

Das Stabsquartier war in Daressalam.

Insgesamt haben die Deutschen zwischen 1884 und 1918 mehrere zehntausend Söldner in Afrika, Asien und Ozeanien für die Schutztruppe rekrutiert. In Ostafrika waren das einheimische Personals die Askaris, mit denen sich ein gewisser Treue-Mythos verbindet.

Zunächst vor allem noch Ausländer, also Sudanesen, Somali, Abessinier, Manyema, Baganda und Bemba, stellte bereits Einheimische im Jahre 1914 72,5 % der Askari. 

Wachdienst durch einen Askari- Zeitgenössisches Foto.

Anmerkungen zum vorherigen Foto.

Die farbigen Soldaten in Ostafrika trugen eine Tropenuniform. Als Kopfbedeckung diente der sogenannte Tarbusch mit Nackenschleier. Vorn zeigte der Tarbusch einen versilberten fliegenden Reichsadler. Zum Arbeitsdienst und außer Dienst wurde ein roter Fez mit einer schwarzen Trodell getragen. Als Oberbekleidung wurde ein Khalidrellrock angelegt, der im Schnitt der der im Heer benutzten Drillichjacke ähnelte. Der Khalidrellrock hatte einen niedrigen Umlegekragen und Schulterklappen aus dem Grundtuch. Vorn wurde er durch 5 glatte Knöpfe aus Nickel geschlossen. An diesem Rock wurden auf den linken Oberärmel die verschiedenen Dienstgradabzeichen angebracht, nämlich: Askai (= Gemeiner) kein Winkel, Ombascha (= Gefreiter): einen Winkel, Schausch (= Unteroffizier) zwei Winkel, Betschausch (=Sergeant) drei Winkel und Sol (= Feldwebel) vier Winkel.

Exerzierübungen von Askaris in Deutsch-Ostafrika. Originales Foto der Zeit (Ausschnitt). Vor 1914.

Uniformkundliche Anmerkungen zum vorigen Foto

Die Hose der Askaris bestand aus Khakidrell. Es war eine Stiefelhose. Dazu wurden feldgraue Wickelgamaschen angelegt. Als Fußbekleidung dienten Schnürschuhe aus Naturleder.

Es gab auch farbige Offiziere (= Effendi). Diese trugen im Grunde die Uniform der Askaris, jedoch den Feldrock der deutschen Unteroffiziere. Dieser hatte Schulterklappen aus dem Grundtuch und darauf 3 ägyptische Gradsterne. Der Rock hatte an den Ärmelaufschlägen kornblumenblaue Vorstöße. Im Standort wurde eine lange Feldhose getragen. Als Bewaffnung diente der Kavalleriesäbel 52.

Deutsche Offiziere in Ostafrika. Nicht datiertes originales großformatiges Foto.

Uniformkundliche Anmerkungen zum vorherigen Foto

Der im vorherigen Foto zu sehende Tropenhelm für Offiziere der Schutztruppe in Deutsch-Ostafrika in den entsprechenden Bekleidungs-Bestimmungen vom 04.06.1891 wie folgt beschrieben:

„Aus Hollundermark mit weißem Wollenstoff überzogen, nach Muster. Fliegender Reichsadler, vergoldete gereifelte Spitze auf klauenförmigen Untersatz. Befestigung der vier Klauen erfolgt durch vier goldene Stern am Helm. Um den unteren Theil des Kopfes und über den Vorder- und Hinterschirm läuft eine goldene, ½ cm breite Schnur. Über der Mitte des Vorderschirms wird auf der goldenen Schnur die schwarz-weiß-rothe Kokarde befestigt. In kleinen, an den Seitentheilen des Schirmes inwendig befestigten Häkchen hängt der Sturmriemen aus weiß lackiertem Leder mit vergoldeter Schnalle. Zum Garnisonanzug wird derselbe Helm, aber ohne Adler, Schnur und Helmspitze nebst klauenförmigem Untersatz getragen. An Stelle der Spitze und des Untersatze tritt eine mit weißem Wollenstoff bezogene Ventilationskappe. Die Kokarde wird über der Mitte des Vorderschirmes befestigt. Der für de Garnisonanzug bestimmte Helm erhält zum Feldanzug einen Überzug von wasserdichtem braunem Wollenstoff; über demselben ist die Kokarde sichtbar nach Vorschrift zu befestigen.“

Die Offiziere trugen im Grunde die Uniform der Unteroffiziere, aber ohne die Winkeldienstgradabzeichen, dafür mit den Schulterstücken des jeweiligen Dienstgrades.

Die Abzeichenfarbe war weiß.

Die Schärpe wurde nur zum Garnisondienst und bei Paraden angelegt, nicht im Felde.

Als Gesellschaftsanzug diente eine weiße Messejacke, eine weiße weiße baumwollene Weste, eine weiße Hose aus Baumweolle, sowie ein weißes Hemd mit Stehkragen und schwarzer Schleife sowie schwarze Lackstiefel bzw. Lackschuhe.

Etatsstärke der Schutztruppe in Deutsch-Ostafrika. Entnommen aus: B. Friedag, Führer durch Heer und Flotte. Elfter Jahrgang 1914. Berlin 1913 (Nachdruck Krefeld 1976).
Matrosen und Musiker der Schutztruppe in Deutsch-Ostafrika. Die Matrosen sind Besatzungsmitglieder der SMS Geier. Zeitgenössisches Foto.

Uniformkundliche Anmerkungen zum vorherigen Foto

Die Spielleute der farbigen Mannschaften hatten Schwalbennester aus Khakidrell mit Besatz aus roter Borte. Der Besatz war senkrecht angebracht.

Polizeisoldaten in Deutsch-Neuguinea und in Deutsch-Samoa.

Text

In Deutsch-Neuguinea und Deutsch-Samoa gab es keine eigentlichen Schutztruppen, sondern nur Polizeisoldaten.

Seltene Aufnahme von Exerzierübungen der Polizeitruppe in Deutsch-Neuguinea wohl in Herbertshöhe (heute: Kokopo). Herbertshöhe und war von 1899 bis 1910 Hauptstadt der ganzen Kolonie und Sitz des Gouverneurs. Originales Foto um 1905.

Bereits zu Beginn des Weltkrieges war die Situation der deutschen Einheiten in den Kolonien aussichtslos, auf personelle Verstärkungen oder Nachschub an Material konnten sie nicht hoffen.

Nur in Deutsch-Südwestafrika existierte eine gut bewaffnete und aus Deutschen bestehende Schutztruppe, sie war allerdings zahlenmäßig nicht sehr stark.

Zu letzterer wurden noch ergänzend Reservisten (823) sowie Angehörige der Landwehr I und II und des Landsturms eingezogen.

Die aktive Truppe verfügte über 1967 Offiziere, Unteroffiziere und Mannschaften. Dazu kamen noch 482 Mann der Landespolizei.

Eine Bevorratung war für 14 Monate vorhanden, dazu auch an Bewaffnung u. A. 12500 Gewehre - 98.

Angehörige der deutschen Schutztruppe in Gefangenschaft. Originale Fotokarte, rückseitig datiert: 18.09.1917.

Gegen die Schutztruppe in DSWA kamen ca. 67237 Weiße und 33545 farbige Soldaten zum Einsatz.

Einer solchen Übermacht konnte die zahlenmäßig limierte deutsche Schutztruppe nicht standhalten.

Nach anfänglichen Kämpfen versammelte sich der Rest (ca. 800 Mann) bei Kkorab und erwarteten hier den feindlichen Sturmangriff mit ca. 8000 Mann.

Sie kapitulierte nach verschiedenen Kämpfen gegen den überstarken Gegner – zumeist britische und südafrikanische Verbände - am 09.07.1915 und hatte insgesamt einen Verlust von  ca. 170 Toten zu beklagen.

Parade in Keetmanshoop (DSWA). Vor 1914.

Die Kämpfe in Ostafrika  unter Paul v. Lettow-Vorbeck sind legendär. Unter seiner Führung konnte sich die überwiegend aus Farbigen bestehende Schutztruppe (Friedensstärke ca. 3000 Mann, nämlich 410 Deutsche und 2682 Askaris) bis zum Ende des Weltkrieges behaupten.

In der Regel die direkte Konfrontation mit dem Gegner vermeidend, war der Krieg in Ostafrika durch Kleinkrieg und Patrouillenunternehmungen geprägt. Überaus beweglich, konnte die Schutztruppe nicht gestellt werden und soll im Laufe der Jahre etwa 300000 gegnerische Soldaten gebunden haben. Ihre maximale Kopfstärke hatte sie mit 14000 Mann, darunter nur 3000 Europäer.

Erst nach dem in Europa am 13.11.1918 geschlossenen Waffenstillstand ergab sich die fern der Heimat kämpfende Truppe den Briten.

Nach dem 1. Weltkrieg waren die teilweise abenteuerlich anmutenden Kämpfe in Ostafrika überaus populär, dazu trugen auch die vor allem für die Jugend in einem lockeren Ton geschrieben Erinnerungen des zuletzt zum Generalmajor beförderten Kommandanten bei.

Literaturhinweise

Zur deutschen Kolonialgeschichte vgl. u. A. Horst Gründer, Geschichte der deutschen Kolonien, Paderborn 1985. , Gisela Graichen/ Horst Gründer, Deutsche Kolonien. Traum und Trauma. Berlin 2005 und Guido Knopp, Das Weltreich der Deutschen, München 2010.

Vgl. zum Boxeraufstand allgemein: Egbert Kieser, Als China erwachte. Der Boxeraufstand. Esslingen und München 1984.

Jean Mabire, Blutiger Sommer in Peking. Der Boxeraufstand in Augenzeugenberichten. Wien 1978.

Mechthild Leutner/ Klaus Mühlhahn, Kolonialkrieg in China. Die Niederschlagung der Boxeraufstand 1900 – 1901. Berlin 2007.

Zum Einsatz deutscher Truppen im Boxeraufstand siehe: Herbert v. Kleist, Die Kämpfe des III. Seebataillons während der Wirren 1900/01, Tsingtau  o. J. und Deutsche Truppen im Land des Drachen. Boxeraufstand und Krieg mit China. Wolfenbüttel 2007.

Zur Garnison Tsingtau:

Unsere Truppen in Ostasien. Neudruck der Ausgabe Leipzig (2. Auflage) Starnberg 1989.

C. Huguenin, Geschichte des III. Seebataillons. Tsingtau 1912.

Zu den Schutztruppen:

Vgl. hierzu: Werner Haupt, Die Deutsche Schutztruppe. 1898/1918. Utting (1988). und Reinhard Schneider, Die Kaiserliche Schutz- und Polizeitruppe für Afrika. Felduniform, Ausrüstung und Bewaffnung.  Stegen/ Ammersee 2005.

Thomas Morlang, Askari und Fitafita. „Farbige“ Söldner in den deutschen Kolonien. Berlin 2008.

Zu den Kämpfen in Afrika:

Walter Nuhn, Sturm über Südwest. Der Hereroaufstand von 1904 – Ein düsteres Kapitel der deutschen kolonialen Vergangenheit Namibias. Bonn 1996.

Walter Nuhn, Feind überall – Guerillakrieg in Südwest. Der große Nama-Aufstand 1904-1908. Der Große Nama-Aufstand (Hottentottenaufstand) 1904-1908 in Deutsch-Südwestafrika (Namibia). Bonn 2000.

Lettow-Vorbeck, Heia Safari. Deutschlands Kampf in Ostafrika Leipzig 1920.

Hans Dollinger (Hgb.), Der Erste Weltkrieg in Bildern und Dokumenten, Wiesbaden S. 1965, S. 18 - 19.

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