Militärische Kopfbedeckungen im Wandel der Zeit - 3. Teil - Die frühe Neuzeit (1500 - 1789) - II. Das 18. Jahrhundert - mit Zeichnungen des Verfassers
Der Beitrag wird laufend ergänzt bzw. vervollständigt. Nachfolgend wird - in mehreren Teilen - vordergründig die Geschichte der militärischen Kopfbedeckungen aufgezeigt und damit gleichzeitig in einer Art Überblick auch die Geschichte des Soldaten von der Antike bis in die Neuzeit dargestellt.
Anmerkungen zum vorigen Bild (folgt).
Bereits um 1670 wurden in Frankreich Uniformen aus grauer Naturwolle für die Infanterie eingeführt, diese Grundfarbe wandelte sich im Laufe der Zeit in eine weiße Farbe.
Den Offizieren wurde aber hinsichtlich der Uniformierung zunächst freie Hand gelassen. Allerdings korrespondierte die Uniform der Offiziere farblich häufig mit den Farben der Aufschläge der Uniformen der Mannschaft (Kannik, Uniformen in Farben, S. 146). Die Tendenz zu einer diesbezüglichen Harmonisierung ging aber weiter.
Kennzeichen für Offiziere war im Übrigen vor allem der Ringkragen als Rest des früheren Harnisches.
Die Schnitt der Uniform (Rock und Weste) der französischen Infanterie blieb weiter als der der preußischen Uniform. Die Kragen zeigte die Regimentsfarbe. Die Regimenter unterschieden sich auch durch die unterschiedliche Anzahl der Knöpfe (auf den Ärmelaufschlägen) und die Form der Taschenpatten.
Als Kopfbedeckung diente der Dreispitz. Dieser war typisch für die zivile und die militärische Mode im späten 17. und im 18. Jahrhundert. Er soll auf den runden Hut mit breiter Krempe der spanischen Soldaten zurück zu führen sein, welche insbesondere im Kampf gegen die Niederlande (im Achtzigjährigen Krieg von 1568 bis 1648) in Mitteleuropa in Erscheinung traten.
Um einen besseren Schutz gegen Witterungseinflüsse zu erreichen und vor allem um ein Ablaufen des Regenwassers zu erreichen, schlug man die Hutkrempe erst auf einer Seite und und dann auf allen Seiten hoch und erhielt damit den Dreispitz.
Er wurde auch Bestandteil der bürgerlichen Kleidung und wurde im späten 18. Jahrhundert vom Zweispitz verdrängt.
Text zum vorigen Bild.
Oben links: Flügelmütze eines Husaren um 1785.
Oben rechts: Dragonerhelm (Offizier) um 1785.
Mitte rechts: Dreispitz eines Kavalleristen um 1760.
Mitte links: Offiziers-Epaulette 1760.
Unten: Vorderschild einer Grenadiermütze eines Offiziers. Um 1774 - 94.
Anmerkungen zum vorigen Bild.
Auch die altpreußischen Musketiere trugen den Dreispitz, der immer noch der frühere Rundhut war, allerdings - wie erwähnt - mit aufgeschlagenen Seiten. Der Hut wurde im Laufe der Zeit (nach 1740) immer flacher. Er bestand aus schwarzem Filz. Für einen festen Sitz wurde er hinter dem Zopf festgebunden.
Die Krempen des Hutes hatten eine schmale Einfassung, diese war weiß. Bei No. 6 bestand sie aus goldener Tresse. Auch die Unteroffiziere trugen am Hut eine Goldtresse sowie schwarz-weiße Hutpuschel.
Ferner wurden Hutpuschel getragen. Diese waren farblich unterschiedlich und dienten als zusätzliches Regimentsabzeichen.
Dieselben Farben wie der Hutpuschel zeigte auch eine Hutschnur, welche mit zwei kleinen Quasten um den Hutkopf gelegt war.
Auf der linken Seite des Hutes war vorn ein Messingknopt befestigt.
Auch die Unteroffiziere als eigene Chargengruppe waren durch besondere Uniformabzeichen und Bewaffnung ausgezeichnet. Am Hut wurde eine Goldtresse getragen. Der Hutbüschel war seit 1718 schwarz-weiß, ebenso die Hutschnur.
Diesem Muster folgte auch der Büschel an der Grenadiermütze der entsprechenden Unteroffiziere.
Anmerkungen zum vorigen Bild.
Die Grenadiere (Granatiere) entstanden als eine Variante der Infanterie im 17. Jahrhundert. Sie waren auf den Umgang mit der Handgranate spezialisiert und galten aufgrund der durchaus risikoreichen Handhabung dieser Waffe als eine Elitetruppe. Am Ende des 17. Jahrhundert wurden in verschiedenen Armee die Grenadiere vermehrt und auch zu spezielle Einheiten zusammen gezogen. und z. B. auch bei der Belagerung von Festungen oder auch in der Schlacht konzentriert eingesetzt.
Besonderes Charakteristikum der Grenadiere war deren besondere Kopfbedeckung. Diese entwickelte sich in zwei Varianten, zum einen als Bärenfell- und zum anderen als konische Blechmütze. Merkwürdig ist, dass damals die erste Spielart insbesondere von katholischen und die zweite Spielart insbesondere von protestantischen Staaten bevorzugt wurden, so dass wie bei den Grundfarben der Uniformen auch hier ein bestimmtes Bekleidungsmuster zu beobachten ist.
Letztere Ausprägung findet sich in der altpreußischen Armee.
Die Grenadiermütze hatte sich aus der Zipfelmütze (Lagermütze) entwickelt, welche an Stelle des Hutes getragen wurde. Letzterer war beim Überwerfen des Gewehres vor dem Wurf der Handgranate hinderlich.
Eine ähnliche Entwicklung findet sich in anderen Heeren auch bei den Dragonern als berittener Infanterie.
Der Mützensack der Grenadiermütze war vor 1700 noch hängend und wurde dann mittels Fischbeinschienen aufgerichtet und stabilisiert. Die Spitze der Mütze zierte ein wollener Puschel. Dieser stimmte mit dem Hutpuschel des Musketierhutes überein. Die nun steife tuchende Vorderseite wurde zunächst durch Stickereien und später durch Metallbeschläge bzw. metallene Embleme geschmückt. Diese wuchsen im Laufe der Zeit zu einem Blechschild zusammen.
Das zunächst noch durchbrochene Blechschild zeigte in dieser frühen Phase die Tuchunterlage und wurde dann aber zu einem vollmetallenen Vorderschild, z. B. für No. 6 schon um 1729 belegt. Das Vorderblech bestand aus Tombak.
In der altpreußischen Armee vor 1740 bildete das sogenannte rote Grenadier-Garde-Bataillon gemeinsam mit dem II. und III. Bataillon das Leib-Regiment bzw. Königs-Regiment (No. 6).
Die roten Grenadiere trugen eine besonders hohe Form der Grenadiermütze, zunächst noch mit einer tuchenen Vorderseite, welche den silbernen Gardestern mit der Devise Semper talis zeigte.
Diese Einheit hatte schon recht früh ein Vollmetallschild, aber ab 1733 findet sich ein solches auch bei dem Infanterie-Regiment No. 15 und ab 1738 bei dem Infanterie-Regiment No. 3.
Die Grenadiermützen der altpreußischen Infanterie-Regimenter zeigten auf diesem Vorderschild unterschiedlichen Zierrat mit manigfaltigen Schmuckelementen, Motiven und Mustern, insbesondere den königlichen Namenszug, den gekrönten (preußischen) Adler, den Stern des Schwarzen-Adler-Ordens, den Löwen als Ausdruck kriegerischer Stärke, verschiedenartige Chiffren und die üblichen Kriegsarmaturen im opulenten barocken Dekor.
Die Grenadiere hatten bis zum Jahre 1725 auch noch den Hut, danach jedoch nur noch die Grenadiermütze. Allerdings trugen die Offiziere der Grenadiere weiter den Hut.
Im altpreußischen Infanterie-Reglement aus dem 1726 (S. 619 ff.) hieß es zur Beschaffung und Trageweise der Grenadiermütze: "Alle Jahr sollen neue Grenadiers-Mützen sonder Blech und alle 3. Jahr neue Grenadiers-Mützen mit Blech gemachet werden". Und weiter: "Die Grenadiers-Mützen müssen ganz enge auf dem Kopfe, und nicht zu tieff sitzen" (so auch in den Ökonomie-Rgelements für No. 3 und No.14 aus dem Jahre 1725 (Dieterich, S. 183) geregelt.
Zu Beginn des 7-jährigen Krieges (1756) bestanden 12 preußische Regimenter zu Pferde mit je 5 Eskadronen, wobei die Eskadrons jeweils in 2 Kompanien eingeteilt waren. Dazu kam das 1740 errichtete Regiment Garde du Corps mit (ab 1756) 3 Eskadronen.
Von den Kürassieren wurde der Hut getragen, wie dies auch bei der schweren Kavallerie der anderen europäischen Staaten üblich war.
Der Hut war aus schwarzem Filz. Um seine Krempen herum verliefen je nach Eskadron verschiedenfarbige Puschel.
Die Kokarde bestand aus einem starken Band aus Wolle. Zum Schutz des Kopfes wurde zusätzlich ein eisernes Kreuz getragen.
Ab 1762 waren weiße Federbüsche eingeführt worden.
Anmerkungen zum vorigen Bild.
Zu Beginn des 7-jährigen Krieges (1756) bestanden 12 preußische Dragoner-Regimenter (insgesamt 70 Eskadronen), davon umfassten D 1 - IV, Vll - XII 5 und D V und VI 10 Eskadronen.
Hut, Haartracht , Stiefel, Hosen, Handschuhe, Mantel, Stallkittel, Gepäck und Reitzeug der Dragoner entsprachen nach Jany/ Skarbina den Stücken der Kürassiere.
Anmerkungen zur vorigen Abbildung.
Das Dragongoner-Regiment Grenadiere zu Pferde (D III.) trug die dargestellte besondere Grenadiermütze. Nach einer militärischen Schlappe bei Baumgarten im Jahre 1741 verlor das Regiment aber seine besondere Kopfbedeckung.
Anmerkungen zum vorigen Bild.
Die 8 im Jahre 1756 vorhandenen preußischen Husaren-Regimenter waren sämtlich 10 Eskadronen stark, bei H 5 bestand eine Fahne Bosniaken. 1762 wurde letztere zu einem Regiment mit insgesamt 10 Eskadrons vermehrt (H 9).
In der Neuherausgabe (Jany/ Skarbina, 1908-12) von 100 Tafeln aus dem Werk: Die Armee Friedrichs des Großen in ihrer Uniformierung (Armeewerk) von Adolph Menzel werden die Kopfbedeckungen der Husaren wie folgt beschrieben: "Bei 5 Regimentern ist dieselbe zylinderförmig und mit Bärenpelz ausgeschlagen. Das obere Ende ist mit einem sackartig genähten Stücke Tuch, Kolpack, geschlossen und inwendig an der Seite der Federbusch nebst Kordon (von starker Schnur) befestigt. Die Höhe der Mütze beträgt bei den Regimentern Nr.. 1 und 4 11 Zoll, bei Nr. 2, 3 und 9 12 Zoll. Vier andere Regimenter trugen Mützen von Filz (ungarische Hüte). Auch bei diesen ist am oberen Ende Kordon und Federbusch befestigt. Um das untere Ende läuft ein breites, spitz zulaufendes Stück Tuch, Flügel genannt, weil es bei heftigem Reiten lose flattert. Die Mützen der Regimenter Nr. 6 und 7 betragen in der Höhe 9-10 Zoll, die der Regimenter 5 und 8 10-11 Zoll".
Anmerkungen zum vorigen Bild.
Die altpreußische Artillerie bestand aus der Feldartillerie, der Garnison-Artillerie und der Reitenden Artillerie. Letztere entstand erst im Siebenjährigen Krieg 1756-63). Die Feldartillerie (Garnison: Potsdam) wurde erstmals im Jahre 1698 in Kompanien gegliedert. Die Garnison-Artillerie war in verschiedenen Festungen verteilt. Zuletzt erhielten 1782 Silberberg und Graudenz eigene Kompanien.
Die Feldartillerie bestand am Ende des Siebenjährigen Krieges aus 4 Regimentern.
Sie stand immer in Berlin, allerdings erhielten die Regimenter Nr. 2 bis 4 ab 1763 Garnisonen in märkischen Städten., später - 1764 - 1772 wurden diese Regimenter aber wieder nach Berlin in neue Kasernen verlegt.
Eine Besonderheit der altpreußischen Artillerie waren die hier gezeigten Bombardiermützen, die sogar noch nach 1756 bei der Garnison-Artillerie in Gebrauch waren.
Empfohlene Beiträge
Französische Uniformen des 2. Kaiserreichs in originalen Lithographien von François Hippolyte Lalaisse
Auszug aus: A. v. Heyden, Die Tracht der Kulturvölker Europas, Leipzig 1889, S. 237 ff.