Französische Husaren 1724 - 1873.
Nach farbigen Zeichnungen von Eugène Tilleux. Entnommen einer kleinformatigen originalen Mappe um 1880.
Die Uniformierung der französischen Husaren (Richard Knötel). Entnommen aus dem Handbuch der Uniformkunde, S. 171 ff.
"Diese Waffe besteht in Frankreich seit 1692. Damals wurde nämlich ein Regiment unter dem Namen Hussards royaux errichtet, hauptsächlich aus Kroaten, Polen und Türken. 1701 folgte die Bildung eines 2. Regiments und später noch anderer. Bis zum Jahre 1720 waren die verschiedenen Husaren-Formationen fast ausnahmslos hellblau uniformiert. In diesem Jahren erhielt das neu erichtete Regiment Esterhazy hellocker-farbene Dolmans.... (Beim Regiment Bercheny) ist der Dolman himmelblau mit weißen Schnüren; die roten Hosen sind durch die himmelblauen Scharawaden fast verdeckt, die Schultern umflattert statt der Pelzjacke ein Fell, die Mütze hat einen roten Beutel. Die schwarze Säbeltasch zeigt eine weiße Lilie. Bis 1740 waren einzelne Leute außer mit dem Säbel noch mit dem "Panzerstecher" bewaffnet, einem langen, dünnen, vierkantigen Degen.
Nach dem Reglment von 1752 waren alle Husaren-Regimenter (Bercheny, Trupin, Polleresky, Linden, Beausobre, Raugrave und Ferrari) mit hellblauen Dolmans, Pelzen und Hosen uniformiert, die Schnüre waren weiß. Die Regimenter trugen nunmehr Flügelmützen, deren Farbe und Garnierung die Regimentsabzeichen bildeten. 1757 bestanden nur noch vier Regimenter, von denen "Nassau-Saarbrücken" erst 1756 gegründet war. Dies Regiment war völlig abweichend uniformiert. Schwarze Filzmützen mit ebensolchen orange und weiß bordierten Flügeln. Vorn an der Mütze eine weiße Lilie. Dolman und Hosen königsblau, Pelz rot, Schnüre weiß. Die rote Säbeltasche zeigte einen weißen gekrönten Löwen und war orange und weiß eingefasst. Um 1745 finden sich auch bei den verschiedenen Freikorps Husarenabteilungen.
Als solche sind unter anderen zu erwähnen die Bretonischen Frei-Husaren. Dolman, Schnüre auf dem Pelze, Hosen und Flügelmütze himmelblau, Pelz, Dolamaufschläge und Dolmanschnüre hellbraun. Frei-Husaren des Dauphins: Dolman und Hosen hellbraun, Pelz und Dolamnaufschläge hellblau, Schnüre gelb, Filzmütze schwarz mit hellblauem Flügel. Monet-Husaren: ganz grün mit weißenSchnüren und schwarzer Filzmütze. Cantabrische Husaren: ganz hellblau mit roten Aufschlägen und weißen Schnüren. Wie diese einzelnen Beispiele zeigen, war die Uniformierung sehr bunt.
Nach der Neuorganisation der Armee 1762 blieben nur drei Husaren-Regimenter bestehen, zu denen 1794 noch ein viertes kam. Die Abzeichen wurden jetzt vereinfacht. Alle vier Regimenter erhielten grüne Pelze und Dolmansmit weißen Schnüren, die Hosen wurden durchgängig rot. Als Schabracken Schaffelle mit gezahntem Tuchvorstöße. Die Farbe dieses Vorstoßes bildete im Verein mit den gleicfarbigen Dolamaufschlägen und dem Flügelfutter der Filzmützedas Unterscheidungsmerkmal der Regimenter, und zwar trug das Regiment Bercheny krapprot, Chamboran schwarz, Royal-Nassau aurore (hellorange) und Esterhazy weiß. Die Säbeltaschen waren rot und mit einer Lilie geschmückt, an deren Stelle Royal-Nassau den königlichen Namenszug trug. Noch in den siebziger, und zwar erhielt Bercheny als Grundfarbe, Chamboran braun, Conflans (aus der Legion Conflans- und Nassau-Husaren gebildet) grün, Esterhazy silbergrau, das 1783 aus der Legion Lauzun errichtete Husaren-Regiment gleichen Namens himmelblau.
Der Typus der Uniform änderte sich während der Revolution nicht wesentlich. Als 1791 die Regimenter ihre Namen verloren und dafür Nummern erhielten, war der Bestand sechs Regimenter.
Nr. | Frühere Bezeichnung | Dolman | Pelz | Schnüre | Hosen | Flügelmützen |
1 | Bercheny | blau | blau | weiß | blau | rot und schwarz |
2 | Chamboran | braun | braun | weiß | himmelblau | himmelblau und schwarz |
3 | Esterhazy | blaugrau | blaugrau | rot | blaugrau | weiß und schwarz |
4 | Saxe | grün | grün | gelb | rot | grün |
5 | Colonel-Général | blau | rot | gelb | blau | schwarz |
6 | Lauzun | blau | weiß | gelb | blau | rot und schwarz |
Die Offiziere trugen Pantherfellschabracken und Pelzmützen. Der Stutz auf der Flügelmätze war schwarz mit roter Spitze. Als das Regiment Saxe-Husaren emigrierte, fand bei den Regimentern 5 und 6 eine Nummernverschiebung statt, Colobel-Général erhielt Nr. 4 und Lauzun Nr. 5. In den folgenden Jahren geschahen viele Neubildungen, meist nur von kurzer Dauer. Wir finden jetzt außer den erwähnten regulären Regimentern zwei Korps der Freiheit, ferner amerikanische Husaren, Husaren zu Fuß, Husaren des Todes, Wildschützen-Husaren, Frei-Husaren des Nordens (auch schwarze Husaren geannnt), Husaren der Gleichheit u.a.m. Die Frei-Husaren von Paris wurden wegen ihrer gelben Dolamns und Pelze mit dem Spitznamen Kanarienvögel bezeichnet. An Stelle der Flüglemützen traten Tschakos. Anfänglich war der Stutz über der linken Seite des Tschakos angebracht, später vorn. Gegen 1812 wird die Form des Tschakos mehr zylindrischer, erhält farbigen Tuchbezug.
Die Regimentsabzeichen waren 1803 bis 1812 folgende:
Nr. 1 | Dolman | Kragen | Aufschläge | Pelz | Schnüre | Hosen |
1 | himmelblau | himmelblau | rot | himmelblau | weiß | himmelblau |
2 | braun | braun | himmelblau | braun | weiß | himmelblau |
3 | grau | grau | rot | grau | rot | grau |
4 | königsblau | königsblau | rot | rot | gelb | königsblau |
5 | himmelblau | himmelblau | weiß | weiß | gelb | himmelblau |
6 | rot | rot | rot | königsblau | gelb | königsblau |
7 | grün | rot | rot | grün | gelb | rot |
8 | grün | rot | rot | grün | weiß | rot |
9 | rot | hellblau | hellblau | hellblau | gelb | hellblau |
10 | himmelblau | rot | rot | himmelblau | weiß | himmelblau |
11 | königsblau | rot | rot | königsblau | gelb | königsblau |
Der Pelzvorstoß war durchgängig schwarz mit Ausnahme des 11. Regiments, welches weißen trug. Die Schärpe war karmin mit gelben oder weißen Knoten, nach der Farbe der Schnüre und Knöpfe. Die Säbeltasche, die auf farbigem Grunde während der Revolutionszeit ein Bündel von Liktorenstäben von der Freiheitsmütze überragt neben zwei Kränzen mit den Buchstaben R. F. gezeigt hatte, erhielt 1804 den kaiserlichen Adler. Später wurde sie von schwarzenm Blankleder gefertigt, mit der mettnen Regimentsnummer darauf. An Stelle der ungarischen Hosen, die nur Paradestück waren, wurden im Felde und zum gewöhnlichen Dineste Überknopfhosen getragen, teilweise von grauer Farbe, teilweise der Farbe der ungarischen Hosen entsprechend. Die Elite-Kompanien der Husaren waren durch eine Pelzmütze mit rotem Stutz ausgezeichnet. 1812 grüne Reithosen. 1813: Das ehemalige Regiment 9 erhielt die Nummer 12 und behielt die Uniform des 9. Regiments mit weißen Schnüren. Das Regiment 13 erhielt die Bekleidung des 2. Regiments mit hellblauen Kragen und rotem zylindrischen Tschako.
Unter den Husarenformationen des ersten Kaiserreiches müssen wir noch die vier Regimenter Ehrengarden (1813 - 1814) erwähnen. Roter Tschako mkit weißer Borte und weißem Adler, grüne, weißbeschnürte Pelze und Dolmans; letztere mit roten Kragen und Aufschlägen, karmin und weißer Schärpe, rote ungarische Hosen mit weißem Besatz, grüne Überknopfhose. Schwarze Säbeltasche mit weißem Adler. Die Regimenter unterschieden sich durch die farbige Spitze des Tschakostutzes, und zwar waren diese Farben für das 1. Regiment rot, 2. blau, 3. gelb, 4. weiß. Weiße Schaffelldecke mit gründem Tuchrande. Ein 1813 errichtetes Kroatisches Husaren-Regiment erhielt himmelblaue Dolmans und Pelze, chamois Kragen und Aufschläge, weiße Schnüre und eisengraue Hosen; im übrigen glich die Uniform ganz denen der anderen Regimenter.
Uniformen französischer Husaren im Wandel ab 1724.
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