Die kommandierenden preußischen Generäle in Münster.
Das 1815 gegründete Generalkommando im Herzogtum Westfalen hieß ab 1816 Generalkommando von Westfalen. Ab 1820 führte es die Bezeichnung Generalkommando des 7. Armeekorps. Nachfolgend werden die einzelnen kommandierenden Generäle vorgestellt.
Die kommandierenden Generäle in Münster.
An der Spitze eines Armeekorps stand jeweils ein kommandierender General. Dieser residierte in Münster.
Die in Münster kommandierenden Generäle waren im Laufe der Zeit folgende:
Generalleutnant Levin Karl v. Heister (ab 1815)
Generalleutnant Johann Adolf v. Tielmann (ab 1815)
Generalleutnant Heinrich Wilhelm v. Horn (ab 1820)
Generalleutnant Friedrich Karl Ferdinand Frhr. V. Müffling (ab 1829)
General Ernst Adolph Heinrich v. Pfuel (ab 1838)
Generalleutnant Karl Graf v. d. Gröben (ab 1848)
General der Kavallerie Ludwig Frhr. Roth v. Schreckenstein (ab 1853)
General der Infanterie Karl Anton Fürst v. Hohenzollern-Sigmaringen (ab 1858)
Generalleutnant Eduard v. Bonin (ab 1858)
Generalleutnant Henrich Georg Eduard v. Schlegell (ab 1858)
General der Infanterie Eberhard Herwarth v. Bittenfeld (ab 1860)
General der Infanterie Eduard Vogel v. Falkenstein (ab 1865)
General Heinrich Adolf v. Zastrow (ab 1866)
General der Kavallerie Wilhelm Graf zu Stolberg-Wernigerode (ab 1871)
General der Kavallerie Karl Friedrich Wilhelm v. Witzendorf (ab 1882)
General der Kavallerie Emil Heinrich Ludwig v. Albedyll (ab 1888)
General der Infanterie Max Robert v. Goetze (ab 1893)
General der Infanterie Kajetan Viktor Hugo v. Mikusch-Buchberg (ab 1897)
Generalleutnant Frhr. Ernst Friedrich Wilhelm v. Bülow (ab 1900)
General der Kavallerie Frhr. Moritz Ferdinand v. Bissing (ab 1901)
General der Kavallerie Friedrich v. Bernhardi (ab 1907)
General der Kavallerie Karl v. Einem gen. v. Rothmaler (ab 1909)
General der Infanterie v. Claer (ab 1914)
General der Infanterie v. Francois (ab 1915)
Generalleutnant v. Woyna (ab 1918)
Generalleutnant Levin Karl v. Heister (ab 1815).
Der spätere Generalleutnant Levin Karl von Heister wurde am 22.05.1757 in Homberg geboren.
Er gehörte der hessischen Linie des Adelsgeschlechts von Heister an.
Im Jahre 1798 trat er in preußische Dienste, und zwar als Eskadronchef im Dragoner-Regiment von Voß.
Bereits vorher hatte v. Heister in der hessischen Kavallerie gedient.
1810 erfolgte die Ernennung zum Militärgouverneur für das Gebiet Rhein und Weser. In diesem Jahr war Heister auch zum Generalmajor ernannt worden.
1815 wurde er zum ersten kommandierenden General in Westfalen befördert, musste aber schon im Folgejahr wegen Krankheit die Amtsgeschäfte an seinen Nachfolger abgeben.
Er verstarb am 02.07.1816 in Karlsbad.
Generalleutnant Johann Adolf v. Tielmann (ab 1815).
Im Jahre 1815 folgte Generalleutnant Johann Adolf v. Tielmann als kommandierender General nach.
Er war im April 1765 in Dresden geboren worden und diente zunächst (ab 1780) im sächsischen und dann (ab 1813) im russischen Heer.
Am 09.04.1815 trat v. Tielmann in preußische Dienste über und kämpfte erfolgreich bei Ligny (16.06.1815) und Wavre (18.06. bis zum 19.06.1815) gegen die französische Nordarmee.
Am 30.10.1815 wurde er Kommandierender General des VII. Armeekorps (Sitz in Münster) ernannt.
Generalleutnant v. Tielmann (zuletzt General der Kavallerie) starb 10.10.1824 in Koblenz.
Generalleutnant Heinrich Wilhelm v. Horn (ab 1820).
Bereits im Jahre 1820 übernahm Generalleutnant Heinrich Wilhelm v. Horn die Funktion als Kommandierender General in Münster.
Heinrich Wilhelm von Horn wurde am 31.10.762 in Warmbrunn (Fürstentum Schweidnitz) geboren.
Er trat am 25.03.1778 als Gefreiterkorporal in das altpreußische Infanterieregiment „von Luck“ (No. 53) ein. Zuvor hatte er die Kadettenanstalt in Berlin besucht. Es folgte die Teilnahme am sogenannten Bayerischen Erbfolgekrieg (1778-79). Im Feldzug gegen Polen (1794-95) war er als Adjutant dem General Franz Andreas von Favrat (* 04.09.1733 in Bellevaux/ Savoyen; † 05.09.1804 in Glatz) zugeteilt. Horn konnte sich in der Schlacht von Rawka sowie bei der Belagerung von Warschau auszeichnen.
In der neu-preußischen Armee befehligte er im unseligen Feldzug gegen Russland (1812) eine Brigade innerhalb des preußischen Hilfskorps unter General Yorck von Wartenburg. In gleicher Funktion kämpfte v. Horn im Jahre 1813 bei Möckern, Königswartha/Weißig und Bautzen und bewährte sich als hervorragender Truppenführer.
Durch seine spezielle Art wurde er auch zu einer volkstümlichen militärischen Berühmtheit. Für seine Verdienste in den vorgenannten Kämpfen erhielt am 08.12.1813 das Eichenlaub zum Pour le Mérite verliehen.
Ab dem 03.10.1815 war v. Horn Kommandant von Magdeburg, ferner ab dem 23.11.1815 auch Inspekteur der Landwehr in seinem Regierungsbezirk.
Der zwischenzeitlich zum Generalleutnant beförderte v. Horn wurde schließlich im Jahre 1820 zum Kommandierenden General des VII. Armee-Korps ernannt.
Hier kritisierte er aufgrund des schlechten Gesundheitszustandes vieler Rekruten die weit verbreitete Kinderarbeit. Aus dieser Kritik folgten im Jahre 1839 die Kinderarbeit einschränkende staatliche Maßnahmen. Mit dem Preußischen Regulativ vom 09.03.839 (= Regulativ über die Beschäftigung jugendlicher Arbeiter in Fabriken) wurden erstmalig in Deutschland Bestimmungen zum Arbeitsschutz erlassen.
Generalleutnant Heinrich Wilhelm v. Horn starb im Jahre 1829 (31.10.) in Münster.
Generalleutnant Friedrich Karl Ferdinand Frhr. V. Müffling (ab 1829).
Friedrich Karl Ferdinand Frhr. v. Müffling wurde am 12.06.1775 in Halle (Saale) geboren und verstarb am 16.01.1851 in Erfurt.
Der spätere preußische Generalfeldmarschall (1847) war auch als Militärschriftsteller sowie Vermesser und Karthograph tätig.
Im Jahre 1820 wurde er Chef des Generalstabs und ab 1832 kommandierender General des VII. Armeekorps.
1837 wurde v. Müffling Gouverneur von Berlin. Von 1838 bis 1844 war er auch Präsident des Preußischen Staatsrats.
General Ernst Adolph Heinrich v. Pfuel (ab 1838).
er spätere preußische General der Infanterie Ernst Adolph Heinrich v. Pfuel wurde am (03.11.1779 auf dem Gut Jahnsfelde in der märkischen Schweiz geboren und verstarb am 03.12.1866 in Berlin.
Bereits mit 13 Jahren trat in die Preußische Kadettenanstalt ein und wurde im Jahre 1797 Fähnrich in einem preußischen Infanterie-Regiment.
Nach dem Niedergang der altpreußischen Armee war er - wie viele andere entlassene preußische Offiziere - zeitweise in österreichischen und russischen Diensten. So diente er als Kommandeur des 1. Infanterieregiments in der Russisch-Deutschen Legion.
Zurück gekehrt in die preußische Armee war v. Pfuel im preußischen Generalstab tätig und wurde im Jahre 1818 Chef des Generalstabs des VIII. Armee-Korps in Koblenz.
Ab 1837 wurde er kommandierender General des VII. Armeekorps.
1848 wurde v. Pfuel preußischer Ministerpräsident und (für 48 Tage) Kriegsminister. Vorher war er Gouverneur von Berlin gewesen.
Seine liberale politische Haltung im sogenannten Vor-März (März-Revolution) wurde ihm allerdings verübelt und so nahm er am 01.11.1848 seinen Abschied. 1858 wurde v. Pfuel allerdings in das Herrenhaus berufen.
Der General Ernst Adolph Heinrich v. Pfuel hat sich insbesondere um den Militärsport verdient gemacht und führte z. B. den Schwimmunterricht für die Soldaten ein.
Generalleutnant Karl Graf v. d. Gröben (ab 1848).
eneralleutnant (General der Kavallerie) Karl Graf v. d. Gröben wurde am 17.09.1788 in Schrengen im Kreis Rastenburg geboren und verstarb am 13. 07.1876 auf dem Gut Neudörfchen bei Marienwerder.
Graf v. d. Groeben trat mit 18 Jahren in die preußische Armee ein und zeichnete sich im Feldzug gegen die französische Armee im Jahre 1806 besonders aus.
Ab dem Jahre 1812 war er in russischen Diensten und nahm an den Schlachten von Lützen (02.05.1813) und Bautzen (20./21.05.1813) teil.
Wieder im preußischen Dienst, diente v. d. Gröben im Generalstab und wurde 1817 Chef des Generalstab des II. Armee-Korps.
Ab 1829 war er Adjutant des Kronprinzen.
Ab 1852 wurde v. d. Groeben Kommandierender General des VII. Armee-Korps und 1853 des Gardekorps. Ab 1854 wurde er in das Herrenhaus berufen.
Am 01. 06.1858 aus dem aktiven Dienst ausgeschieden, blieb er noch Generaladjutant des Königs.
General der Kavallerie Ludwig Frhr. Roth v. Schreckenstein (ab 1853).
Der preußische General und zeitweise Kriegsminister Ludwig Johann Karl Gregor Eusebius Freiherr Roth von Schreckenstein wurde am 16.11.1789 in Immendingen geboren. Er verstarb am 30.05.1858 in Münster.
Zunächst als Page im sächsischen Dienst wurde v. Schreckenstein im Jahre 1809 Offizier im sächsischen Kürassierregiment von Zastrow und kämpfte im russischen Feldzug Im Jahre 1812 u. A. in der Schlacht von Borodino.
Am 15.05.1815 wechselte v. Schreckenstein als Rittmeister in die preußische Armee und kämpfte in den Schlachten von Ligny und Wavre im Sommerfeldzug im Jahr 1815 preußische Dienste.
1834 wurde v. Schreckenstein Oberst und im Jahr 1837 zum Kommandeur der 13. Kavallerie-Brigade in Münsterernannt.
1841 erfolgte die Beförderung zum Generalmajor. Anschließend kommandierte v. Schreckenstein nacheinander die 5 und die 15. Division.
Im Revolutionsjahr 1848 wurde kurzfristig Kriegsminister, musste aber kurzfristig zurücktreten.
Ab 1849 übernahm v. Schreckenstein das Kommando über das Gardekorps und erfüllte diese Funktion
Am 02.06.1853 wurde v. Schreckenstein zum General der Kavallerie und zum Kommandierenden General des VII. Armee-Korps ernannt.
1858 begleitete er den preußischen Prinzen Friedrich Wilhelm von Preußen zu dessen Hochzeit im Januar mit der Prinzessin Victoria von Großbritannien und Irland nach London.
Verheiratet mit der Gräfin von Hatzfeldt (1800–1835) hatte er mehrere Kinder.
Generalleutnant Eduard v. Bonin (ab 1858).
Eduard Wilhelm Ludwig von Bonin gehört zu den bemerkenswertesten preußischen Offizieren, die in der Mitte des 19. Jahrhunderts an der Spitze des VII. Armee-Korps standen. Seine Münsteraner Zeit war zwar kurz, doch hatte er sich bereits zuvor als Truppenführer im Krieg gegen Dänemark und als preußischer Kriegsminister einen Namen gemacht. Nach seiner Tätigkeit in Münster wurde er ein zweites Mal an die Spitze des Kriegsministeriums berufen. Das LWL-Portal führt ihn ausdrücklich als Kommandierenden General des VII. Armee-Korps.
Eduard von Bonin wurde im März 1793 in Stolp in Pommern geboren. Bei der genauen Angabe des Geburtstages widersprechen sich selbst die biographischen Standardwerke: Die Neue Deutsche Biographie nennt den 12. März, während die ältere Allgemeine Deutsche Biographie den 7. März und das LWL-Portal den 3. März angibt. Gesichert ist dagegen sein Tod am 13. März 1865 in Koblenz. Sein Vater Ernst Friedrich Otto von Bonin war ebenfalls preußischer Generalleutnant. Bonin entstammte damit einer alten pommerschen Offiziersfamilie.
Seine militärische Laufbahn begann außergewöhnlich früh. Bereits als Dreizehnjähriger nahm er 1806 am Krieg gegen Napoleon teil. Als Junker kämpfte er in der Schlacht bei Jena und geriet nach der Erstürmung Lübecks in Gefangenschaft. Nach der preußischen Katastrophe setzte er zunächst seine schulische Ausbildung fort, bevor er als Fähnrich in die preußische Garde eintrat. 1810 wurde er Leutnant.
Während der Befreiungskriege von 1813 bis 1815 bewährte sich Bonin als junger Offizier. Nach der Schlacht bei Großgörschen 1813 erhielt er das Eiserne Kreuz II. Klasse. Für seinen Einsatz bei der Erstürmung des Montmartre während der Einnahme von Paris 1814 wurde ihm sogar das Eiserne Kreuz I. Klasse verliehen.
Damit gehörte Bonin zu jener Generation preußischer Offiziere, deren militärisches Selbstverständnis entscheidend durch die Niederlage von 1806, die anschließenden preußischen Reformen und schließlich die Befreiungskriege geprägt worden war.
Nach dem Ende der napoleonischen Kriege setzte er seine Laufbahn in der Friedensarmee fort. 1817 wurde er Hauptmann, 1829 Bataillonskommandeur im Kaiser-Alexander-Garde-Grenadier-Regiment und 1841 dessen Regimentskommandeur. 1842 erfolgte die Beförderung zum Oberst. Schon in dieser Zeit beschäftigte sich Bonin intensiv mit taktischen Fragen. Seine 1839 erschienene Schrift „Grundzüge für das zerstreute Gefecht“ zeigt sein besonderes Interesse an einer beweglicheren Infanterietaktik.
Seine eigentliche Bekanntheit als Truppenführer erlangte Bonin während der Schleswig-Holsteinischen Erhebung und des Krieges gegen Dänemark.
1848 erhielt er die Führung eines preußischen Truppenkorps. Unter dem Oberbefehl General Friedrich von Wrangels griff Bonin am 23. April 1848 in der Schlacht bei Schleswig entscheidend in die Kämpfe ein. Auch an den Gefechten bei Fredericia und Düppel war er beteiligt.
Nach dem Waffenstillstand von Malmö erhielt Bonin eine noch anspruchsvollere Aufgabe: Er wurde Kommandierender General der schleswig-holsteinischen Armee. Dabei ging es nicht allein um die Führung vorhandener Truppen. Bonin musste die Armee der Herzogtümer reorganisieren, ausbauen und auf einen erneuten Krieg vorbereiten. Die Neue Deutsche Biographie beurteilt diese Aufbauarbeit ausdrücklich als erfolgreich.
1849 wurden die Kämpfe wieder aufgenommen. Bonins Truppen rückten nach Nordschleswig vor und nahmen Kolding ein. Anschließend konzentrierte er sich jedoch auf die Belagerung der Festung Fredericia. Hier erlitt seine Laufbahn einen deutlichen Rückschlag. Da die Festung von See aus weiterhin versorgt und verstärkt werden konnte, gelang es den Dänen am 6. Juli 1849, einen erfolgreichen Ausfall zu unternehmen und Bonins Truppen zurückzuschlagen. Die spätere militärhistorische Beurteilung sah darin einen erheblichen Fehler seiner Operationsführung. D
Bonin lehnte dennoch das Angebot ab, dauerhaft in schleswig-holsteinische Dienste überzutreten, und kehrte 1850 in die preußische Armee zurück.
Nach seiner Rückkehr wurde Bonin zunächst Kommandant von Berlin und anschließend Kommandeur der 16. Division in Trier. Bereits während der politischen und militärischen Spannungen von 1850 führte er zudem ein bei Wetzlar zusammengezogenes Armeekorps.
Von 1852 bis 1854 bekleidete er erstmals das Amt des preußischen Kriegsministers. Diese Tätigkeit ist für seine spätere Rolle während der preußischen Heeresreform von besonderem Interesse. Bonin beschäftigte sich bereits damals intensiv mit einer Neuordnung der Armee. Insbesondere wollte er die Stellung der Landwehr verändern und ein stärker ausgebautes Reservesystem schaffen.
Seine erste Ministerzeit endete vor dem Hintergrund der außenpolitischen Auseinandersetzungen während des Krimkrieges. Anschließend wurde er wieder militärisch verwendet und am 20. März 1856 Vizegouverneur der Bundesfestung Mainz.
Für die Garnisongeschichte Münsters beginnt der besonders interessante Abschnitt anschließend. Bonin übernahm das Kommando über das VII. Armee-Korps mit Sitz in Münster. Das LWL-Portal weist seine Funktion ausdrücklich als „General, Kommandierender“ des VII. Armee-Korps aus.
Seine Münsteraner Tätigkeit fiel in eine wichtige Phase der preußischen Militärgeschichte. Das VII. Armee-Korps war für die westlichen Gebiete der Monarchie von erheblicher Bedeutung. Münster war als Sitz des Generalkommandos damit nicht lediglich Garnison mehrerer Truppenteile, sondern eines der militärischen Führungszentren des preußischen Staates.
Bonin brachte für diese Aufgabe außergewöhnlich umfangreiche Erfahrungen mit: Er hatte sowohl Regimenter und Divisionen als auch größere Truppenverbände geführt, eine Armee reorganisiert, Kriegserfahrung als höherer Truppenführer gesammelt und bereits das preußische Kriegsministerium geleitet.
Seine Zeit in Münster blieb allerdings kurz. Denn die politische Veränderung an der Spitze Preußens führte ihn erneut nach Berlin.
Im Oktober 1858 übernahm Prinz Wilhelm von Preußen – der spätere König Wilhelm I. – für seinen erkrankten Bruder Friedrich Wilhelm IV. die Regentschaft. Damit begann die sogenannte Neue Ära.
Bonin wurde nun zum zweiten Mal zum preußischen Kriegsminister berufen. Er gab deshalb das Generalkommando in Münster ab. Sein Nachfolger beim VII. Armee-Korps wurde Karl Anton Fürst von Hohenzollern-Sigmaringen, der am 22. November 1858 zum Kommandierenden General ernannt wurde.
Damit ergibt sich für Ihre Garnisongeschichte eine interessante personelle Konstellation: Der bisherige Kommandierende General in Münster, Eduard von Bonin, wechselte als Kriegsminister nach Berlin, während der neue preußische Ministerpräsident, Karl Anton von Hohenzollern-Sigmaringen, das Generalkommando des VII. Armee-Korps übernahm.
Bonins zweite Amtszeit als Kriegsminister wurde von der Frage bestimmt, wie die preußische Armee vergrößert und reorganisiert werden sollte.
Dabei bestand eine gewisse Ironie: Bonin selbst hatte sich schon während seiner ersten Ministerzeit intensiv mit Reformplänen beschäftigt. Seine Vorstellungen deckten sich jedoch nicht vollständig mit den nun vom Prinzregenten verfolgten Plänen. Besonders die zukünftige Stellung der Landwehr und der Reserve gehörte zu den umstrittenen Punkten.
Die Neue Deutsche Biographie hebt hervor, dass Bonin während beider Amtszeiten als Kriegsminister intensiv an einer Reorganisation des Heerwesens arbeitete und dabei ein Reservesystem anstelle der bisherigen Landwehrkonzeption entwickelte. Die ältere ADB berichtet dagegen, dass er den Reorganisationsplan des Prinzregenten 1858/59 letztlich nicht mittragen konnte.
Damit geriet Bonin zwischen seine eigenen Reformvorstellungen und die militärpolitischen Ziele Wilhelms.
Bereits 1859 endete seine zweite Amtszeit als Kriegsminister. Die Heeresreform wurde anschließend unter anderen Verantwortlichen weitergeführt und entwickelte sich wenige Jahre später zum Kern des preußischen Verfassungskonfliktes.
Nach seinem Ausscheiden aus dem Kriegsministerium kehrte Bonin erneut in den aktiven Truppendienst zurück. Er erhielt das Kommando über das VIII. Armee-Korps mit Sitz in Koblenz. Dort verbrachte er den letzten Abschnitt seiner militärischen Laufbahn.
Bonin starb am 13. März 1865 in Koblenz.
Die ältere Allgemeine Deutsche Biographie zeichnet ein anschauliches Bild seiner Persönlichkeit. Sie beschreibt ihn als körperlich beweglichen und geistig lebhaften Offizier, dessen Stärken insbesondere in taktischem Scharfblick, Ruhe im Gefecht und der unmittelbaren Truppenführung lagen. Zugleich bescheinigt sie ihm Schwächen bei längerfristiger und systematischer Stabsarbeit. Hervorgehoben wird dagegen seine Fähigkeit, rasch das Vertrauen und die Zuneigung seiner Soldaten zu gewinnen. Diese zeitgenössisch geprägte Charakterisierung sollte allerdings als historische Beurteilung und nicht als objektives Persönlichkeitsurteil verstanden werden.
Eduard von Bonins Bedeutung für Münster liegt weniger in der Dauer seiner Tätigkeit als in seiner herausgehobenen Stellung innerhalb der preußischen Militärgeschichte. Als er das VII. Armee-Korps führte, blickte er bereits auf mehr als fünf Jahrzehnte militärischer Erfahrung zurück – von Jena 1806 über die Befreiungskriege 1813/14 und Schleswig-Holstein 1848/49 bis zum Amt des preußischen Kriegsministers.
Seine Münsteraner Tätigkeit steht zugleich unmittelbar am Beginn jener Entwicklung, die zur großen preußischen Heeresreform der folgenden Jahre führte. Bonin verließ Münster, um erneut Kriegsminister zu werden; sein Nachfolger Karl Anton von Hohenzollern-Sigmaringen war gleichzeitig preußischer Ministerpräsident. Münster war damit über das Generalkommando des VII. Armee-Korps personell eng mit den militärpolitischen Entscheidungen in Berlin verbunden.
General der Infanterie Karl Anton Fürst v. Hohenzollern-Sigmaringen (ab 1858).
Ab 1858 wurde General der Infanterie Karl Anton Fürst v. Hohenzollern-Sigmaringen kommandierender General des VII. Armeekorps.
Er war vom 22. November 1858 bis 28. Juni 1860 Kommandierender General des VII. Armee-Korps; zum General der Infanterie wurde er allerdings erst am 31. Mai 1859 befördert.
Karl Anton Joachim Zephyrin Friedrich Meinrad Fürst von Hohenzollern-Sigmaringen wurde am 7. September 1811 auf Schloss Krauchenwies bei Sigmaringen geboren. Er entstammte der schwäbisch-katholischen Linie des Hauses Hohenzollern. Sein Vater war Fürst Karl von Hohenzollern-Sigmaringen, seine Mutter Antoinette Prinzessin Murat, eine Nichte des napoleonischen Marschalls und Königs von Neapel Joachim Murat. 1834 heiratete Karl Anton Prinzessin Josephine von Baden. Aus der Ehe gingen sechs Kinder hervor. Zu ihnen gehörten Leopold von Hohenzollern, dessen Kandidatur für den spanischen Thron 1870 eine wichtige Rolle in der Vorgeschichte des Deutsch-Französischen Krieges spielte, und Karl, der spätere König Carol I. von Rumänien.
Karl Anton erhielt eine ungewöhnlich umfassende Ausbildung. Nach dem Besuch von Bildungseinrichtungen in Regensburg und Rastatt studierte er unter anderem in Genf, Tübingen und Göttingen. Während eines Aufenthaltes in Berlin wurde er zusätzlich in Militärwissenschaften und Staatsrecht unterrichtet. Hier kam er auch mit Prinz Wilhelm von Preußen, dem späteren König Wilhelm I., in Kontakt. Bereits als Erbprinz beschäftigte er sich intensiv mit militärischen Angelegenheiten seines kleinen Heimatstaates. Die beiden hohenzollernschen Fürstentümer stellten gemeinsam mit Liechtenstein ein Infanteriebataillon.
Die Revolution von 1848 führte zu einem entscheidenden Einschnitt in seinem Leben. Am 28. August 1848 übernahm Karl Anton von seinem Vater die Regierung des Fürstentums Hohenzollern-Sigmaringen. Die politischen und gesellschaftlichen Erschütterungen der Revolutionszeit ließen ihm jedoch eine dauerhafte selbständige Herrschaft wenig aussichtsreich erscheinen. Mit Staatsvertrag vom 7. Dezember 1849 trat er das Fürstentum an den König von Preußen ab. Hohenzollern-Sigmaringen wurde damit Teil des preußischen Staates.
Damit begann zugleich Karl Antons eigentliche Karriere im preußischen Staats- und Militärdienst. Von 1852 bis 1858 war er als preußischer Generalleutnant Kommandeur einer Division in Düsseldorf. Während des Krimkrieges wurde er darüber hinaus mit einer diplomatischen Mission in Paris betraut. Seine Tätigkeit beschränkte sich also keineswegs auf den engeren militärischen Bereich. Aufgrund seiner Herkunft, seiner verwandtschaftlichen Beziehungen und seines engen Verhältnisses zum späteren König Wilhelm I. bewegte er sich zugleich im Zentrum der preußischen Politik.
Für die Garnisongeschichte Münsters ist insbesondere das Jahr 1858 von Bedeutung. Am 22. November 1858 wurde Karl Anton zum Kommandierenden General des VII. Armee-Korps ernannt. Das Generalkommando des Korps befand sich in Münster. Er folgte in dieser Stellung Eduard von Bonin. Karl Anton führte das VII. Armee-Korps bis zum 28. Juni 1860; anschließend übernahm Eberhard Herwarth von Bittenfeld das Kommando.
Seine Münsteraner Kommandotätigkeit weist allerdings eine Besonderheit auf: Karl Anton war gleichzeitig einer der wichtigsten Politiker Preußens. Prinz Wilhelm hatte im Oktober 1858 die Regentschaft für seinen erkrankten Bruder König Friedrich Wilhelm IV. übernommen und leitete die sogenannte „Neue Ära“ ein. Am 5. November 1858 ernannte Wilhelm Karl Anton zum preußischen Ministerpräsidenten. Nur wenige Wochen später folgte die Ernennung zum Kommandierenden General des VII. Armee-Korps. Karl Anton vereinigte damit zeitweise das Amt des preußischen Regierungschefs mit einer der bedeutendsten militärischen Kommandostellen im Westen der Monarchie.
Für Münster bedeutete seine Ernennung daher, dass an der Spitze des dort ansässigen Generalkommandos eine Persönlichkeit stand, die unmittelbar zum engsten politischen Umfeld des Regenten gehörte. Allerdings dürfte Karl Anton wegen seiner Tätigkeit als Ministerpräsident einen erheblichen Teil seiner Zeit in Berlin verbracht haben. Sein Verhältnis zu Westfalen und zum westlichen Militärbezirk blieb dennoch eng. Am 31. Mai 1859 wurde er zum General der Infanterie befördert, und am 14. Juli 1859 zusätzlich zum Militärgouverneur von Westfalen ernannt.
Gerade das Jahr 1859 war militärpolitisch bedeutsam. Der Krieg Frankreichs und Sardinien-Piemonts gegen Österreich löste auch in Deutschland erhebliche Spannungen und Mobilisierungsmaßnahmen aus. Für einen Kommandierenden General im westlichen Preußen kam der Sicherung und Einsatzbereitschaft der Truppen daher erhöhte Bedeutung zu. Zugleich beschäftigte sich die preußische Führung bereits intensiv mit der Neuordnung und Verstärkung der Armee.
Karl Anton stand den geplanten Heeresreformen grundsätzlich positiv gegenüber. Bemerkenswert ist jedoch, dass er keineswegs lediglich die traditionellen gesellschaftlichen Strukturen des preußischen Offizierskorps verteidigte. Die Neue Deutsche Biographie hebt hervor, dass er eine stärkere Beteiligung des Bürgertums an höheren Offiziersstellen und eine Verjüngung der militärischen Führung anstrebte. Damit unterschied er sich in Teilen von stärker konservativ geprägten Vorstellungen innerhalb der Armee.
Am 28. Juni 1860 wurde Karl Anton auf eigenen Antrag vom Kommando des VII. Armee-Korps entbunden. Seine unmittelbare Tätigkeit als Kommandierender General in Münster hatte damit nur etwa anderthalb Jahre gedauert. Sein Nachfolger wurde General der Infanterie Eberhard Herwarth von Bittenfeld.
Karl Antons militärische Verbindung zu Westfalen endete damit jedoch nicht. Er blieb Militärgouverneur von Westfalen und erhielt am 17. März 1863 zusätzlich die Funktion des Militärgouverneurs für die Rheinlande. Im selben Jahr wurde er Mitglied der Ingenieurkommission. Während des Deutsch-Dänischen Krieges 1864 hielt er sich zeitweise im Hauptquartier Wrangels auf und nahm gemeinsam mit dem Kronprinzen an einer Erkundung vor Fredericia teil. Eine zunehmende Erkrankung beziehungsweise Lähmung der Beine schränkte seine aktive militärische Tätigkeit allerdings immer stärker ein.
Parallel dazu blieb seine politische Karriere von erheblicher Bedeutung. Als preußischer Ministerpräsident versuchte Karl Anton zwischen liberalen Reformkräften und konservativen Vertretern der Monarchie zu vermitteln. Gerade die geplante Heeresreform brachte diese Politik zunehmend in Schwierigkeiten. Nach dem Wahlerfolg der Fortschrittspartei 1861 verschärfte sich der Konflikt um den Militäretat. Am 12. März 1862 endete schließlich Karl Antons Ministerpräsidentschaft. Wenige Monate später berief Wilhelm I. Otto von Bismarck zum Ministerpräsidenten.
Noch einmal rückte Karl Anton 1870 in den Mittelpunkt der europäischen Politik. Seinem ältesten Sohn Leopold war die spanische Krone angeboten worden. Frankreich betrachtete die mögliche Wahl eines Hohenzollern zum spanischen König als Bedrohung. Karl Anton zog die Kandidatur seines Sohnes am 12. Juli 1870 zurück; die diplomatische Krise war damit jedoch nicht mehr aufzuhalten und mündete schließlich in den Deutsch-Französischen Krieg. Während dieses Krieges übernahm Karl Anton wegen seiner gesundheitlichen Einschränkungen kein Feldkommando.
Nach dem Aussterben der Linie Hohenzollern-Hechingen wurde Karl Anton 1869 Oberhaupt des gesamten fürstlichen Hauses Hohenzollern. Seine letzten Lebensjahre verbrachte er zunehmend zurückgezogen in Sigmaringen. Dort starb er am 2. Juni 1885 im Alter von 73 Jahren.
Für die Garnisongeschichte Münsters nimmt Karl Anton eine bemerkenswerte Stellung ein. Seine Amtszeit an der Spitze des VII. Armee-Korps war zwar vergleichsweise kurz, fiel aber in eine entscheidende Übergangsphase der preußischen Militärgeschichte. Die 1858 beginnende „Neue Ära“, die Mobilisierungskrise von 1859 und die einsetzende Heeresreform bildeten den Hintergrund seiner Münsteraner Tätigkeit. Zugleich war er der wohl politisch prominenteste Kommandierende General, der im 19. Jahrhundert an der Spitze des VII. Armee-Korps stand: Kommandierender General in Münster, Militärgouverneur von Westfalen und gleichzeitig preußischer Ministerpräsident. Gerade diese Verbindung macht seine Biographie für die Geschichte Münsters als preußische Garnison besonders interessant.
Generalleutnant Henrich Georg Eduard v. Schlegell (mit der Führung des VII. Armee-Korps beauftragt: 1858–1860).
Für die Garnisongeschichte Münsters besitzt Eduard Adolf Georg Heinrich von Schlegell – häufig auch von Schlegel geschrieben – eine besondere Bedeutung. Er war nicht nominell Kommandierender General des VII. Armee-Korps, sondern führte dieses ab November 1858 stellvertretend für Fürst Karl Anton von Hohenzollern-Sigmaringen. Eine zeitgenössisch orientierte Ordensliste bezeichnet ihn 1859 ausdrücklich als „General-Lieutenant, beauftragt mit der Führung des General-Commandos 7ten Armee-Corps“.
Schlegell wurde am 24. August 1793 in Zeitz geboren. Sein Vater Heinrich von Schlegel war Premierleutnant im kursächsischen Infanterieregiment „Kurfürstin“, seine Mutter Auguste Emilie Eleonore Katharina eine geborene von Troyff. Er wuchs somit in einem militärisch geprägten Elternhaus auf und besuchte seit 1805 die Ritterakademie in Dresden.
Seine militärische Laufbahn begann noch während der napoleonischen Zeit. Am 16. April 1809 trat er als Fähnrich in das Infanterieregiment „König“ der sächsischen Armee ein. Damit kämpfte er zunächst auf der Seite des mit Napoleon verbündeten Königreichs Sachsen. Bereits im selben Jahr nahm er am Krieg gegen Österreich teil und wurde in der Schlacht bei Wagram verwundet. Nach seiner Genesung kämpfte er bei Linz. 1810 wurde er zum Sekondeleutnant befördert.
1812 zog Schlegell mit der sächsischen Armee im Rahmen der napoleonischen Streitkräfte gegen Russland. Auch dort wurde er verwundet und nahm an mehreren Gefechten teil. 1813 erfolgte seine Beförderung zum Premierleutnant im sächsischen Grenadierregiment.
Seine militärische Biographie spiegelt damit besonders anschaulich die wechselnden Bündnisverhältnisse der napoleonischen Zeit wider: Zunächst kämpfte er auf französischer Seite, unter anderem bei Großbeeren und Dennewitz sowie im Zusammenhang mit Torgau. Nachdem Sachsen auf die Seite der Verbündeten übergegangen war, kämpfte er 1814 gegen Frankreich.
Am 4. Mai 1815 trat Schlegell in die preußische Armee über. Als Premierleutnant wurde er beim 27. Infanterie-Regiment angestellt.
Nur wenige Wochen später stand er im letzten Feldzug gegen Napoleon. Als Führer der 12. Kompanie nahm Schlegell am 16. Juni 1815 an der Schlacht bei Ligny teil. Dabei wurde er zweimal verwundet. Für seinen Einsatz erhielt er das Eiserne Kreuz II. Klasse.
Schlegell gehörte damit zu jener Offiziersgeneration, deren aktive Laufbahn bereits in den napoleonischen Kriegen begonnen hatte und die noch Jahrzehnte später wichtige Führungsstellen in der preußischen Armee besetzte.
Schlegells Verbindung zu Münster begann nicht erst 1858.
Am 18. März 1824 wurde er dem 13. Infanterie-Regiment aggregiert und zur Dienstleistung als Adjutant beim VII. Armee-Korps überwiesen. Damit kam er bereits mehr als drei Jahrzehnte vor seiner späteren Führung des Korps in den Bereich des Münsteraner Generalkommandos.
Auch privat wurde Münster damals für ihn wichtig: Am 6. September 1824 heiratete er in Münster Henriette Ludowike Adolfine von Horn, eine Tochter des Generalleutnants von Horn. Die Ehe wurde 1832 geschieden. Im folgenden Jahr heiratete Schlegell Friederike Ottilie Wilhelmine von der Lehe.
Damit hatte der spätere Führer des VII. Armee-Korps bereits in den 1820er Jahren persönliche und dienstliche Beziehungen zur westfälischen Garnison.
Nach seiner Verwendung beim Generalkommando führte Schlegell von 1829 bis 1833 eine Kompanie im 24. Infanterie-Regiment. Anschließend wurde er als Major Kommandeur des II. Bataillons im 12. Landwehr-Regiment.
1836 kehrte er zum 24. Infanterie-Regiment zurück. Dort stieg er weiter auf und wurde 1843 Oberstleutnant. Am 31. März 1846 wurde er unter gleichzeitiger Beförderung zum Oberst zunächst mit der Führung des 15. Infanterie-Regiments beauftragt und im Oktober desselben Jahres zum Regimentskommandeur ernannt.
Auch während der Revolution von 1848/49 wurde Schlegell aktiv eingesetzt. 1849 nahm er am Feldzug zur Niederschlagung der badischen Revolution teil. Im Juli 1849 wurde er zum Kommandeur der 10. Infanterie-Brigade ernannt.
Für seine Leistungen während dieses Feldzuges erhielt er den Roten Adlerorden II. Klasse mit Eichenlaub und Schwertern.
Seine militärische Erfahrung umfasste damit zu diesem Zeitpunkt bereits die napoleonischen Kriege, den Russlandfeldzug, die Befreiungskriege einschließlich des Feldzuges von 1815 und schließlich die innerdeutschen Revolutionskämpfe von 1849.
Am 22. September 1851 wurde Schlegell zum Generalmajor befördert und zum Kommandanten der bedeutenden Festungs- und Garnisonsstadt Magdeburg ernannt.
Seine dortige Tätigkeit wurde offenbar besonders geschätzt. Als er Magdeburg 1854 verließ, verlieh ihm die Stadt das Ehrenbürgerrecht. Die Stadt Magdeburg führt ihn bis heute in ihrer offiziellen Übersicht der Ehrenbürger.
Am 6. April 1854 übernahm Schlegell die 8. Division in Erfurt. Am 13. Juli desselben Jahres wurde er zum Generalleutnant befördert.
Im Sommer 1858 erhielt er zusätzlich einen Auftrag des Deutschen Bundes. Er sollte die Truppenkontingente mehrerer kleinerer Bundesstaaten – darunter Sachsen-Weimar, Anhalt, Hessen-Homburg, Schaumburg-Lippe, Lippe und Waldeck – inspizieren. Dies zeigt, dass er inzwischen als erfahrener höherer Truppenführer angesehen wurde.
Am 22. November 1858 begann der für die Münsteraner Garnisongeschichte entscheidende Abschnitt.
Karl Anton Fürst von Hohenzollern-Sigmaringen war zum Kommandierenden General des VII. Armee-Korps ernannt worden. Gleichzeitig war Karl Anton jedoch seit November 1858 preußischer Ministerpräsident und musste sich daher überwiegend seinen politischen Aufgaben in Berlin widmen.
Deshalb wurde Generalleutnant von Schlegell mit der tatsächlichen Führung des VII. Armee-Korps beauftragt. Die zeitgenössische Bezeichnung lautete entsprechend „beauftragt mit der Führung des General-Kommandos 7ten Armee-Corps“.
Karl Anton Fürst von Hohenzollern-Sigmaringen war der ernannte Kommandierende General; Generalleutnant von Schlegell führte während dessen Abwesenheit tatsächlich das Generalkommando in Münster.
Schlegells Stellung war keineswegs nur eine kurzfristige Urlaubsvertretung. Für die Dauer seiner Beauftragung erhielt er eine jährliche Dienstzulage von 5.000 Talern. Außerdem wurde ihm ausdrücklich eine Wohnung im Schloss Münster zugewiesen.
Gerade diese beiden Angaben zeigen, dass Schlegell für die praktische Garnisongeschichte Münsters 1858/59 erheblich wichtiger war, als eine bloße Liste der offiziell ernannten Kommandierenden Generale vermuten lässt.
Schlegells Führung des VII. Armee-Korps fiel zudem in eine militärisch angespannte Zeit. Der Sardinische Krieg von 1859, in dem Frankreich und Sardinien-Piemont gegen Österreich kämpften, führte auch im Deutschen Bund und in Preußen zu militärischen Vorbereitungen und Mobilisierungsmaßnahmen.
Damit gewann das Generalkommando in Münster zusätzliche Bedeutung. Gerade ein erfahrener Generalleutnant wie Schlegell, der bereits mehrere Feldzüge erlebt und Regimenter, Brigaden und eine Division geführt hatte, war für eine solche Aufgabe geeignet.
Sein fünfzigjähriges Dienstjubiläum fiel mitten in diese Münsteraner Zeit. Am 12. April 1859 wurde er durch die Verleihung des Roten Adlerordens I. Klasse mit Eichenlaub und Schwertern am Ringe in Brillanten ausgezeichnet.
Schlegells aktive Laufbahn endete zu Beginn des Jahres 1860. Am 20. Januar 1860 erhielt er zu seinem Abschied den Charakter als General der Infanterie.
Er hatte zu diesem Zeitpunkt mehr als fünfzig Jahre Militärdienst hinter sich – eine Laufbahn, die 1809 in der sächsischen Armee begonnen hatte und über die napoleonischen Kriege schließlich bis an die Spitze eines preußischen Armeekorps geführt hatte.
Seinen Ruhestand verbrachte Schlegell in Erfurt. Er starb dort Ende 1869. Beim exakten Sterbedatum bestehen in den verfügbaren Darstellungen allerdings Abweichungen: Häufig wird der 23. Dezember 1869 genannt, andere genealogische Angaben führen den 28. Dezember; selbst die Stadt Magdeburg weist auf unterschiedliche Überlieferungen zum Sterbemonat beziehungsweise -datum hin. Für eine endgültige Druckfassung Ihrer Garnisongeschichte würde ich diesen Punkt deshalb noch anhand eines zeitgenössischen Kirchen- oder Standesregisters absichern
Was spricht für seine Bedeutung für die Garnisongeschichte der Stadt Münster:
Erstens war Münster für ihn keineswegs nur eine letzte Station seiner Karriere. Bereits 1824 war er beim VII. Armee-Korps als Adjutant verwendet worden und heiratete im selben Jahr in Münster. Mehr als drei Jahrzehnte später kehrte er als Generalleutnant zurück.
Zweitens übte er 1858/59 praktisch die militärische Führung des VII. Armee-Korps aus. Die Zuweisung einer Wohnung im Schloss Münster und die erhebliche Dienstzulage unterstreichen den eigenständigen Charakter dieser Funktion.
Drittens bildet seine Tätigkeit eine wichtige Erklärung für die zunächst etwas verwirrende Führungssituation des VII. Armee-Korps: Bonin verließ Münster 1858, um Kriegsminister zu werden; Karl Anton von Hohenzollern wurde nominell Kommandierender General, war aber zugleich preußischer Ministerpräsident; Schlegell übernahm deshalb vor Ort die Führung des Korps.
General der Infanterie Eberhard Herwarth v. Bittenfeld (ab 1860).
Eberhard Herwarth von Bittenfeld gehört zu den militärisch bedeutendsten Generälen, die im 19. Jahrhundert an der Spitze des VII. Armee-Korps in Münster standen. Seine Münsteraner Dienstzeit von 1860 bis 1864 fiel unmittelbar in die Phase der preußischen Heeresreform. Anschließend übernahm er im Deutsch-Dänischen Krieg von 1864 ein Feldkommando und gehörte in den Kriegen von 1866 und 1870/71 zur obersten preußischen beziehungsweise deutschen Heeresführung. Die Deutsche Biographie nennt ihn für 1860 als Kommandierenden General des VII. Armee-Korps und ab 1864 als Führer des VIII. Armee-Korps.
Karl Eberhard Herwarth von Bittenfeld wurde am 4. September 1796 in Großwerther bei Nordhausen geboren. Er entstammte einer alten Offiziersfamilie. Sein Vater Eberhard Herwarth von Bittenfeld war preußischer Generalmajor; auch seine Brüder Hans und Friedrich schlugen die Offizierslaufbahn ein. Die militärische Tradition der Familie prägte somit bereits seine Jugend.
Herwarth trat in einer für Preußen dramatischen Zeit in die Armee ein. Am 15. Oktober 1811 wurde er zunächst als Musketier beim Normal-Infanterie-Bataillon angestellt. 1813, als Preußen sich gegen Napoleon erhob, war er noch ein sehr junger Offizier.
Herwarth nahm an den Befreiungskriegen gegen Napoleon teil und kämpfte unter anderem bei Großgörschen und Dresden. In der Schlacht bei Kulm am 30. August 1813 wurde er verwundet. Für seinen Einsatz erhielt er das Eiserne Kreuz II. Klasse.
Auch am Feldzug von 1815 nahm er teil. Damit gehörte Herwarth ebenso wie Eduard von Bonin und Eduard von Schlegell zu jener Generation preußischer Generäle, deren militärische Sozialisation noch unmittelbar auf die Befreiungskriege zurückging.
Nach dem Ende der napoleonischen Kriege verblieb Herwarth in der Armee und durchlief in den folgenden Jahrzehnten die verschiedenen Stufen der militärischen Hierarchie. Die lange Friedenszeit nach 1815 bedeutete allerdings, dass Beförderungen zunächst vergleichsweise langsam erfolgten.
Herwarth entwickelte sich zu einem erfahrenen Infanterieoffizier. Nach verschiedenen Verwendungen wurde er 1848 Oberst und Kommandeur des 1. Garde-Regiments zu Fuß – eines der angesehensten Regimenter der preußischen Armee.
1852 wurde er zum Generalmajor befördert und übernahm die 16. Infanterie-Brigade. 1854 wurde er Kommandant der Bundesfestung Mainz. 1856 folgte die Beförderung zum Generalleutnant und die Übernahme der 7. Division.
Damit verfügte Herwarth bereits vor seiner Berufung nach Münster über umfangreiche Erfahrungen als Regiments-, Brigade- und Divisionskommandeur sowie als Festungskommandant.
Am 29. Juni 1860 wurde Herwarth von Bittenfeld zum Kommandierenden General des VII. Armee-Korps ernannt. Damit endete die besondere Führungskonstruktion der vorangegangenen Jahre: Karl Anton Fürst von Hohenzollern-Sigmaringen schied als nomineller Kommandierender General aus, während Generalleutnant von Schlegell, der das Korps tatsächlich geführt hatte, bereits Anfang 1860 aus dem aktiven Dienst ausgeschieden war.
Mit Herwarth erhielt das VII. Armee-Korps wieder einen Kommandierenden General, der sich vollständig der militärischen Führung des Korps widmen konnte.
Für die Garnisongeschichte Münsters ist seine Amtszeit besonders interessant, weil sie genau in die Jahre der preußischen Heeresreform fiel. Unter König Wilhelm I. und Kriegsminister Albrecht von Roon wurde die Friedensstärke des Heeres erhöht, die Zahl der Linienregimenter vermehrt und das Verhältnis zwischen Linie, Reserve und Landwehr grundlegend verändert.
Münster war davon unmittelbar betroffen. Als Sitz des Generalkommandos des VII. Armee-Korps war die Stadt ein wichtiges Zentrum für die organisatorische Umsetzung der Reform im westfälischen Korpsbezirk. Herwarth stand somit an der Spitze eines Armeekorps, dessen Verbände während seiner Amtszeit erheblichen organisatorischen Veränderungen unterworfen waren.
Während seiner Münsteraner Dienstzeit erreichte Herwarth auch die nächste Rangstufe seiner Karriere. Am 18. Oktober 1861 wurde er zum General der Infanterie befördert.
Die Beförderung unterstreicht seine Stellung innerhalb der höheren preußischen Generalität. Als Kommandierender General gehörte er nun zu jener relativ kleinen Gruppe von Offizieren, die im Kriegsfall für die Führung vollständiger Armeekorps vorgesehen waren.
Seine Münsteraner Amtszeit endete im Zusammenhang mit dem Deutsch-Dänischen Krieg von 1864.
Herwarth wurde im Mai 1864 mit der Führung eines kombinierten preußischen Armeekorps betraut. Seine Truppen erhielten die Aufgabe, auf die Insel Alsen überzusetzen. Nachdem die preußisch-österreichischen Truppen bereits die Düppeler Schanzen erobert hatten, sollte durch die Einnahme Alsens die dänische Position in diesem Raum endgültig gebrochen werden.
Der Übergang erfolgte in der Nacht vom 28. auf den 29. Juni 1864. Preußische Truppen setzten in Booten über den Alsensund und überwanden den dänischen Widerstand. Die Einnahme der Insel wurde zu einem der wichtigsten preußischen Erfolge des Feldzuges.
Herwarth erhielt für seine Leistungen den Orden Pour le Mérite. Der Erfolg von Alsen begründete seinen Ruf als erfolgreicher höherer Truppenführer und führte ihn endgültig in die erste Reihe der preußischen Generalität.
Nach dem Feldzug von 1864 übernahm Herwarth das VIII. Armee-Korps mit Sitz in Koblenz.
Damit wechselte er von Westfalen in die Rheinprovinz. Seine militärische Karriere erreichte jedoch erst zwei Jahre später ihren eigentlichen Höhepunkt.
Im Krieg Preußens gegen Österreich und dessen Verbündete erhielt Herwarth 1866 ein selbständiges Armeekommando. Er führte die sogenannte Elbarmee, eine der drei großen preußischen Heeresgruppen, die von Norden nach Böhmen einmarschierten.
Die Elbarmee operierte auf dem westlichen Flügel der preußischen Streitkräfte und vereinigte sich schließlich mit der 1. Armee des Prinzen Friedrich Karl.
Am 3. Juli 1866 nahm Herwarth mit seinen Truppen an der entscheidenden Schlacht bei Königgrätz teil. Die Elbarmee griff auf dem linken preußischen Flügel ein und trug zum Sieg über die österreichische Nordarmee bei.
Für seine Leistungen im Feldzug erhielt Herwarth hohe Auszeichnungen; am 16. September 1866 wurde ihm insbesondere das Eichenlaub zum Pour le Mérite verliehen.
Beim Ausbruch des Deutsch-Französischen Krieges 1870 war Herwarth bereits 73 Jahre alt. Ein aktives Feldkommando erhielt er deshalb nicht mehr. Er wurde Generalgouverneur im Bereich des VII., VIII. und XI. Armee-Korps. Damit war er für große Teile der westlichen preußischen Gebiete verantwortlich, während die aktiven Korps gegen Frankreich marschierten.
Auch Westfalen und damit Münster gehörten zu diesem Zuständigkeitsbereich. Herwarth war während des Krieges somit nochmals – nun auf einer übergeordneten Ebene – mit der militärischen Organisation des westlichen Preußens verbunden.
Nach dem siegreichen Krieg und der Gründung des Deutschen Kaiserreiches erhielt Herwarth die höchste militärische Würdigung seiner Laufbahn. Am 8. April 1871 wurde er zum Generalfeldmarschall ernannt.
Damit war der ehemalige Kommandierende General in Münster bis zum höchsten Rang der preußisch-deutschen Armee aufgestiegen.
Herwarth von Bittenfeld starb am 2. September 1884 in Bonn, zwei Tage vor seinem 88. Geburtstag. Seine militärische Laufbahn hatte mehr als sechs Jahrzehnte umfasst – von den Befreiungskriegen gegen Napoleon bis in die Zeit des Deutschen Kaiserreiches.
Herwarth von Bittenfeld verdient innerhalb der Münsteraner Kommandierenden Generale besondere Aufmerksamkeit. Seine Amtszeit verbindet zwei Epochen der preußischen Militärgeschichte.
Als er 1860 nach Münster kam, war die preußische Armee noch stark von den Organisationsformen der Zeit nach den Befreiungskriegen geprägt. Während seiner Münsteraner Amtszeit wurde die große Heeresreform Wilhelms I. und Roons umgesetzt. Als Herwarth 1864 Münster verließ, begann jene Reihe von Kriegen, in denen die reformierte Armee 1864, 1866 und 1870/71 eingesetzt wurde.
Herwarth selbst verkörpert diese Entwicklung geradezu beispielhaft:
1813 kämpfte er als junger Offizier gegen Napoleon; 1860–1864 führte er von Münster aus das VII. Armee-Korps während der Heeresreform; 1864 führte er die preußischen Truppen beim Übergang nach Alsen; 1866 kommandierte er die Elbarmee bei Königgrätz; 1870/71 war er Generalgouverneur für weite Teile Westdeutschlands; 1871 wurde er Generalfeldmarschall.
Damit gehört Herwarth von Bittenfeld zweifellos zu den prominentesten Offizieren, die das Generalkommando des VII. Armee-Korps in Münster innehatten.
General der Infanterie Eduard Vogel v. Falkenstein (ab 1865).
Eduard Vogel von Falckenstein gehört zu den herausragenden preußischen Generälen der deutschen Einigungskriege. Für die Garnisongeschichte Münsters ist seine Biographie besonders interessant: Er übernahm das VII. Armee-Korps unmittelbar vor dem Deutschen Krieg von 1866 und führte in diesem Krieg als Oberbefehlshaber der preußischen Mainarmee einen selbständigen Feldzug gegen die mit Österreich verbündeten west- und süddeutschen Staaten. Später war er Generalgouverneur in Hannover und während des Krieges von 1870/71 Generalgouverneur der deutschen Küstenlande.
Eduard Ernst Friedrich Hannibal Vogel von Falckenstein wurde am 5. Januar 1797 in Breslau geboren. Sein Vater Hannibal Vogel von Falckenstein war preußischer Major, seine Mutter Charlotte Helene eine geborene Graetz. Damit stammte auch Falckenstein aus einem militärisch geprägten Elternhaus.
Wie Herwarth von Bittenfeld gehörte er jener Generation an, die noch während der napoleonischen Zeit in die preußische Armee eintrat. Am 9. April 1813, wenige Monate nach seinem 16. Geburtstag, begann er als freiwilliger Jäger im 1. Westpreußischen Grenadier-Bataillon seine militärische Laufbahn.
Falckensteins Eintritt in die Armee fiel unmittelbar mit dem Beginn der Befreiungskriege zusammen. Der junge Freiwillige nahm an den Kämpfen gegen Napoleon teil und bewährte sich bereits während des Feldzuges von 1813.
Bei Montmirail wurde er 1814 verwundet. Für seine Leistungen erhielt er das Eiserne Kreuz II. Klasse. Auch am Feldzug von 1815 nahm er teil.
Damit begann eine militärische Laufbahn, die sich über fast sechs Jahrzehnte erstrecken sollte. Ähnlich wie Herwarth von Bittenfeld wurde Falckenstein durch die Erfahrungen der Befreiungskriege nachhaltig geprägt.
Nach dem Ende der napoleonischen Kriege blieb Falckenstein Berufsoffizier. In der langen Friedensperiode stieg er schrittweise innerhalb der preußischen Infanterie auf.
1841 wurde er Major. 1848 erfolgte seine Beförderung zum Oberstleutnant, 1850 zum Oberst. Im gleichen Jahr übernahm er das Kommando über das Garde-Schützen-Bataillon.
1851 wurde er Kommandeur des 4. Garde-Regiments zu Fuß. Es folgten höhere Kommandostellen: 1855 wurde Falckenstein Generalmajor und Kommandeur einer Garde-Infanterie-Brigade, 1858 Generalleutnant und Kommandeur der 5. Division in Frankfurt an der Oder.
Seine Karriere verlief damit zunächst weniger spektakulär als diejenige Bonins oder Herwarths. Das sollte sich jedoch in den 1860er Jahren grundlegend ändern.
Im Krieg gegen Dänemark 1864 trat Falckenstein erstmals als höherer Truppenführer besonders hervor. Er wurde Chef des Generalstabes der verbündeten preußisch-österreichischen Armee unter dem Oberbefehl des Generalfeldmarschalls Friedrich von Wrangel.
Damit befand er sich unmittelbar im Zentrum der Operationsplanung.
Zwischen dem alten Feldmarschall Wrangel und seinem Generalstabschef kam es allerdings zu erheblichen Spannungen. Unterschiedliche Vorstellungen über die Kriegführung führten schließlich dazu, dass Falckenstein von seiner Stellung als Chef des Generalstabes abgelöst wurde.
Seine militärische Karriere erlitt dadurch jedoch keinen dauerhaften Schaden. Im weiteren Verlauf des Krieges erhielt er das Kommando über die 14. Infanterie-Division.
Besonders zeichnete er sich beim Übergang auf die Insel Alsen am 29. Juni 1864 aus. Für seine Leistungen erhielt er den Orden Pour le Mérite.
Damit begegnen wir einer interessanten Verbindung zu seinem Vorgänger in Münster: Der Übergang nach Alsen wurde von Herwarth von Bittenfeld als Oberbefehlshaber geleitet; Falckenstein führte dabei als Divisionskommandeur einen wesentlichen Teil der eingesetzten Truppen.
Am 30. Oktober 1865 wurde Falckenstein zum Kommandierenden General des VII. Armee-Korps mit Sitz in Münster ernannt. Gleichzeitig wurde er zum General der Infanterie befördert.
Damit übernahm erneut ein ausgesprochen kriegserfahrener Offizier die militärische Führung in Westfalen.
Seine Münsteraner Friedenszeit sollte allerdings nur wenige Monate dauern. Bereits im folgenden Jahr führte der Konflikt zwischen Preußen und Österreich zum Krieg.
Für Münster und das VII. Armee-Korps bedeutete dies den Übergang von der Garnisons- und Ausbildungsorganisation der Friedenszeit zur Mobilmachung und zum Feldeinsatz.
Im Juni 1866 erhielt Falckenstein ein selbständiges Kommando. Ihm wurde die Führung der preußischen Truppen übertragen, die gegen die mit Österreich verbündeten Staaten in Nord- und Westdeutschland operieren sollten.
Seine Aufgabe unterschied sich erheblich von den Operationen der großen preußischen Armeen in Böhmen. Während Moltke den entscheidenden Feldzug gegen Österreich plante, musste Falckenstein zunächst im Westen und Nordwesten Deutschlands handeln.
Ein erstes Ziel war die Ausschaltung der hannoverschen Armee.
Die preußischen Truppen rückten rasch in das Königreich Hannover ein. König Georg V. zog sich mit seiner Armee nach Süden zurück. Am 27. Juni 1866 kam es bei Langensalza zu einem Gefecht, in dem eine zahlenmäßig unterlegene preußische Abteilung eine Niederlage erlitt.
Strategisch änderte dies jedoch wenig. Die hannoversche Armee war inzwischen von preußischen Verbänden eingeschlossen. Am 29. Juni 1866 kapitulierte sie bei Langensalza.
Damit war Hannover als militärischer Gegner ausgeschaltet.
Anschließend wandte sich Falckenstein gegen die süddeutschen Bundestruppen.
Unter seinem Oberbefehl entstand die sogenannte Mainarmee. Ihr gehörten insbesondere Verbände an, die zuvor gegen Hannover eingesetzt worden waren. Dazu zählten auch westfälische Truppen aus dem Bereich des VII. Armee-Korps.
Falckenstein führte seine Truppen nun gegen die Bundesarmee, insbesondere gegen bayerische und hessische Verbände.
Am 10. Juli 1866 besiegten preußische Truppen die Bayern bei Kissingen. Wenige Tage später wurden weitere Bundestruppen bei Laufach und Aschaffenburg geschlagen.
Am 16. Juli 1866 besetzten Falckensteins Truppen Frankfurt am Main.
Damit hatte die Mainarmee innerhalb weniger Wochen einen erheblichen Teil des westlichen Kriegsschauplatzes unter preußische Kontrolle gebracht.
Trotz seiner militärischen Erfolge wurde Falckenstein bereits im Juli 1866 als Oberbefehlshaber der Mainarmee abgelöst.
Sein Nachfolger wurde General Edwin von Manteuffel.
Die Ablösung war weniger das Ergebnis einer militärischen Niederlage als Ausdruck unterschiedlicher Vorstellungen über die weitere Operationsführung und über den Umgang mit den besetzten Gebieten. Falckensteins Vorgehen gegenüber Frankfurt – insbesondere die hohen Kontributionsforderungen – löste erhebliche Kritik aus. Die zeitgenössischen und späteren Darstellungen bewerten seine Maßnahmen unterschiedlich; deshalb sollte man bei einer ausführlicheren Darstellung zwischen seinem militärischen Erfolg und den politischen Kontroversen seiner Besatzungspolitik unterscheiden.
Nach seiner Ablösung erhielt Falckenstein eine neue wichtige Aufgabe. Er wurde Generalgouverneur des besetzten Königreichs Hannover.
Diese Funktion war politisch außerordentlich bedeutsam. Nach dem preußischen Sieg wurde das Königreich Hannover annektiert und als Provinz in den preußischen Staat eingegliedert.
Falckenstein hatte damit den Übergang von der militärischen Besetzung zur Integration des ehemaligen Königreichs in die preußische Monarchie mit zu organisieren.
Für seine Leistungen im Feldzug von 1866 erhielt er hohe Auszeichnungen und eine Dotation.
Seine Verbindung mit Münster blieb bestehen. Falckenstein blieb beziehungsweise wurde wieder als Kommandierender General des VII. Armee-Korps geführt und gehörte weiterhin zu den ranghöchsten preußischen Generalen.
Damit ist seine Münsteraner Zeit besonders eng mit dem Krieg von 1866 verbunden.
Während bei Herwarth von Bittenfeld die Münsteraner Amtszeit vor allem mit der Heeresreform verbunden werden kann, steht Falckenstein für den ersten großen Kriegseinsatz westfälischer Truppen nach dieser Reform.
Beim Ausbruch des Krieges gegen Frankreich 1870 war Falckenstein bereits 73 Jahre alt. Für ein operatives Feldkommando an der französischen Front wurde er deshalb nicht mehr vorgesehen.
Stattdessen erhielt er eine strategisch wichtige Aufgabe im Heimatgebiet.
Er wurde Generalgouverneur der deutschen Küstenlande mit Sitz in Hannover. Seine Aufgabe bestand vor allem darin, die deutschen Nord- und Ostseeküsten gegen einen möglichen französischen Angriff zu sichern.
Eine französische Landungsoperation fand letztlich nicht statt. Dennoch mussten umfangreiche Truppenkräfte bereitgehalten, Küstenbefestigungen gesichert und mögliche Landungsräume überwacht werden.
Auch diese Aufgabe zeigt das Vertrauen, das die preußische Führung weiterhin in den inzwischen hochbetagten General setzte.
Nach dem Krieg von 1870/71 endete Falckensteins aktive militärische Laufbahn.
Am 8. April 1873 wurde er unter Verleihung des Schwarzen Adlerordens zur Disposition gestellt. Damit schied er nach rund sechzig Jahren aus dem aktiven Militärdienst aus.
Seinen Lebensabend verbrachte er auf seinem Gut Dolzig in der Niederlausitz.
Eduard Vogel von Falckenstein starb dort am 6. April 1885 im Alter von 88 Jahren.
Falckensteins Bedeutung für Ihre Garnisongeschichte ist besonders groß, weil seine Amtszeit den unmittelbaren Übergang von der Friedensgarnison zum Kriegseinsatz von 1866 markiert.
Er übernahm das VII. Armee-Korps am 30. Oktober 1865. Nur wenige Monate später begann die Mobilmachung. Westfälische Regimenter verließen ihre Garnisonen und rückten ins Feld.
Dabei stieg der Münsteraner Kommandierende General selbst zum Oberbefehlshaber einer selbständigen Armee auf.
Seine Biographie lässt sich deshalb sehr gut mit der Geschichte der Münsteraner Garnison verbinden:
1813 trat Falckenstein als sechzehnjähriger Freiwilliger in den Krieg gegen Napoleon ein. 1864 war er Generalstabschef Wrangels und später Divisionskommandeur beim Übergang nach Alsen. 1865 übernahm er das VII. Armee-Korps in Münster. 1866 führte er preußische Truppen gegen Hannover und anschließend die Mainarmee gegen die süddeutschen Bundestruppen. 1870/71 war er für die Sicherung der deutschen Küsten verantwortlich.
Damit gehört auch Eduard Vogel von Falckenstein zu den bedeutenden Persönlichkeiten in der Reihe der Münsteraner Kommandierenden Generale.
General Heinrich Adolf v. Zastrow (ab 1866).
Heinrich Adolf von Zastrow gehört zu den besonders interessanten Kommandierenden Generalen des VII. Armee-Korps. Anders als viele seiner Vorgänger begann er seine Laufbahn nicht ausschließlich als klassischer Truppenoffizier. Er galt als ausgewiesener Fachmann für Festungswesen, Befestigungskunde und Militärtechnik, war Lehrer an der Allgemeinen Kriegsschule und veröffentlichte militärwissenschaftliche Werke. Seine Münsteraner Amtszeit fiel zudem in eine entscheidende Epoche: Nach dem Krieg von 1866 führte er das VII. Armee-Korps in den Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71, wo es unter anderem bei Spichern, Metz und im Loirefeldzug eingesetzt wurde.
Heinrich Adolf von Zastrow wurde am 11. August 1801 in Danzig geboren. Er entstammte dem alten pommerschen Adelsgeschlecht von Zastrow. Sein Vater Alexander Heinrich Gebhard von Zastrow war preußischer Oberst und Kommandeur einer Infanteriebrigade.
Damit wuchs auch Zastrow in einem ausgeprägt militärischen Umfeld auf. Seine Ausbildung unterschied sich jedoch in einem wichtigen Punkt von derjenigen vieler älterer Generale unserer bisherigen Reihe: Er war zu jung, um noch als Soldat an den Befreiungskriegen von 1813 bis 1815 teilzunehmen. Seine militärische Prägung erfolgte vielmehr in der nachnapoleonischen preußischen Armee.
1815 trat er zunächst in das Kadettenkorps ein. 1819 wurde er als Sekondeleutnant dem 1. Garde-Regiment zu Fuß überwiesen.
Schon früh zeigte sich Zastrows Interesse an militärwissenschaftlichen und technischen Fragen.
Von 1823 bis 1825 besuchte er die Allgemeine Kriegsschule in Berlin, die spätere Kriegsakademie. Dort erhielt er eine umfassende Ausbildung in Taktik, Strategie, Militärgeschichte, Mathematik und Befestigungslehre.
Gerade das Festungswesen entwickelte sich zu seinem besonderen Fachgebiet.
1826 wurde Zastrow zur topographischen Abteilung des Großen Generalstabes kommandiert. Später war er selbst als Lehrer an der Allgemeinen Kriegsschule tätig.
Damit gehörte er zu jener neuen Generation preußischer Offiziere, bei denen wissenschaftliche Ausbildung und praktische Truppenführung zunehmend miteinander verbunden wurden.
Zastrow machte sich früh auch als militärischer Schriftsteller einen Namen.
Besonders bekannt wurde sein Werk über die Geschichte der Befestigungssysteme:
„Geschichte der beständigen Befestigung oder Handbuch der vorzüglichsten Systeme und Manieren der Befestigungskunst“.
Das Werk erschien erstmals in den 1830er Jahren und wurde mehrfach neu aufgelegt und erweitert.
Zastrow behandelte darin die Entwicklung des europäischen Festungsbaus und setzte sich systematisch mit unterschiedlichen Befestigungssystemen auseinander. Das Buch fand über Preußen hinaus Beachtung und wurde auch in andere Sprachen übertragen.
Für seine weitere Karriere war diese wissenschaftliche Tätigkeit keineswegs nebensächlich. Sie begründete seinen Ruf als einer der Fachleute der preußischen Armee für Festungs- und Belagerungsfragen.
1834 wurde Zastrow in den Großen Generalstab versetzt.
Es folgten verschiedene Generalstabsverwendungen. Diese Verbindung von Generalstabsdienst, militärwissenschaftlicher Tätigkeit und praktischer Truppenführung prägte seine gesamte Laufbahn.
1848 wurde er Oberstleutnant, 1850 Oberst.
In den folgenden Jahren erhielt er zunehmend höhere Truppenkommandos. 1856 erfolgte die Beförderung zum Generalmajor, später zum Generalleutnant.
Zastrow gehörte damit in den 1860er Jahren bereits zur Führungsschicht der preußischen Armee.
Während des Deutschen Krieges von 1866 führte Zastrow die 11. Infanterie-Division.
Mit ihr gehörte er zur 1. Armee des Prinzen Friedrich Karl von Preußen und nahm am Feldzug in Böhmen teil.
Seine Division kämpfte unter anderem bei Münchengrätz und Königgrätz. Besonders die Schlacht von Königgrätz am 3. Juli 1866 entschied den Krieg zugunsten Preußens.
Zastrow hatte sich damit als Divisionskommandeur in einem großen europäischen Krieg bewährt.
Nach dem Sieg über Österreich begann eine umfassende Neuordnung der preußischen Streitkräfte. Durch die Annexion Hannovers, Kurhessens, Nassaus und Frankfurts sowie die Gründung des Norddeutschen Bundes veränderte sich auch die Organisation der Armeekorps.
In dieser Situation erhielt Zastrow eine der wichtigsten Führungsstellen der westlichen preußischen Armee.
Am 20. September 1866 wurde Heinrich Adolf von Zastrow zum Kommandierenden General des VII. Armee-Korps ernannt.
Damit übernahm er das Generalkommando in Münster von Eduard Vogel von Falckenstein.
Seine Ernennung erfolgte unmittelbar nach dem Deutschen Krieg. Für das VII. Armee-Korps begann nun eine Phase der Neuordnung und der Auswertung der Kriegserfahrungen von 1866.
Zastrows Aufgabe bestand damit zunächst darin, die westfälischen Verbände wieder in die Friedensorganisation zurückzuführen, Verluste auszugleichen, Ausbildung und Ausrüstung weiterzuentwickeln und die Truppen auf der Grundlage der Erfahrungen des Feldzuges neu auszurichten.
Für Münster bedeutete dies zugleich eine weitere Festigung seiner Stellung als eines der wichtigsten militärischen Verwaltungs- und Führungszentren im Westen Preußens.
Die Friedenszeit nach 1866 dauerte nur vier Jahre.
In diesen Jahren wurden die Streitkräfte des Norddeutschen Bundes weiter vereinheitlicht. Preußen bildete dabei den organisatorischen Kern des neuen Bundesheeres.
Das VII. Armee-Korps blieb im Wesentlichen das westfälische Armeekorps. Seine Regimenter lagen über zahlreiche Garnisonen Westfalens verteilt; das Generalkommando verblieb in Münster.
Zastrow stand damit an der Spitze eines großen militärischen Organisationsbereichs.
Am 22. März 1868 wurde er zum General der Infanterie befördert.
Als 1870 der Krieg mit Frankreich ausbrach, war Zastrow fast 69 Jahre alt. Dennoch erhielt er – anders als einige andere Generale seiner Generation – ein aktives Feldkommando.
Und zwar kein geringes: Er führte sein VII. Armee-Korps selbst ins Feld.
Mit Beginn des Deutsch-Französischen Krieges wurde das VII. Armee-Korps mobilisiert.
Für Münster war dies ein einschneidendes Ereignis. Das Generalkommando ging von der Friedens- zur Kriegsorganisation über; Truppenteile wurden ergänzt, Reservisten einberufen, Pferde requiriert und umfangreiche Transporte vorbereitet.
Zastrows VII. Armee-Korps wurde der 1. Armee unter General Karl Friedrich von Steinmetz unterstellt.
Damit verließ der Kommandierende General Münster und zog mit den westfälischen Truppen an die französische Grenze.
Bereits am 6. August 1870 geriet das VII. Armee-Korps in die schwere Schlacht bei Spichern.
Die Kämpfe entwickelten sich zunächst ungeplant. Preußische Verbände trafen auf französische Truppen unter General Frossard, die starke Stellungen auf den Höhen südlich von Saarbrücken besetzt hatten.
Im Laufe des Tages wurden immer weitere deutsche Verbände in die Schlacht hineingezogen.
Zastrows VII. Armee-Korps spielte dabei eine wesentliche Rolle. Die Kämpfe um die Höhen von Spichern gehörten zu den verlustreichsten Auseinandersetzungen der ersten Kriegswochen.
Der französische Rückzug brachte den Deutschen schließlich den Sieg, doch wurde die Schlacht später wegen ihres teilweise improvisierten Verlaufs und der hohen Verluste auch kritisch beurteilt.
Für die Geschichte des VII. Armee-Korps war Spichern dennoch einer der wichtigsten Kampftage des Krieges.
Nach Spichern rückte Zastrows Korps weiter nach Frankreich vor.
Es folgten die großen Kämpfe um Metz. Das VII. Armee-Korps wurde in die Operationen einbezogen, durch die die französische Rheinarmee unter Marschall Bazaine schließlich in Metz eingeschlossen wurde.
Nach den Schlachten von Mars-la-Tour und Gravelotte/St. Privat war die französische Armee in der Festung eingeschlossen.
Das VII. Armee-Korps beteiligte sich anschließend an der Belagerung von Metz.
Hier kamen Zastrow seine langjährigen Kenntnisse des Festungswesens zugute, auch wenn die Belagerung selbst weniger durch klassische förmliche Belagerungsangriffe als durch die vollständige Einschließung und Aushungerung der französischen Armee entschieden wurde.
Am 27. Oktober 1870 kapitulierte Metz. Mehr als 100.000 französische Soldaten gerieten in deutsche Gefangenschaft.
Nach dem Fall von Metz wurden die dort gebundenen deutschen Truppen für andere Kriegsschauplätze frei.
Zastrows VII. Armee-Korps wurde nun der 2. Armee unter Prinz Friedrich Karl zugeteilt und nach Westen beziehungsweise Südwesten verlegt.
Dort kämpften die deutschen Truppen gegen die neu aufgestellten französischen Armeen an der Loire.
Das VII. Armee-Korps nahm an den Operationen um Orléans und Le Mans teil.
Besonders die Kämpfe im Winter 1870/71 stellten hohe Anforderungen an die Soldaten. Kälte, schlechte Straßen, lange Märsche und Versorgungsprobleme belasteten die Truppen zusätzlich zu den eigentlichen Gefechten.
Im Januar 1871 wurde die französische Loirearmee unter General Chanzy bei Le Mans entscheidend geschlagen.
Damit hatte Zastrows VII. Armee-Korps an nahezu allen wichtigen Phasen des Feldzuges im Westen teilgenommen: vom ersten Vormarsch über Spichern und Metz bis zu den Winteroperationen an der Loire.
Für seine Leistungen während des Krieges erhielt Zastrow hohe Auszeichnungen.
Besonders bedeutend war die Verleihung des Ordens Pour le Mérite. Später erhielt er zusätzlich das Eichenlaub zu diesem Orden.
Nach dem Krieg wurde ihm außerdem eine Dotation gewährt.
Die Auszeichnungen spiegeln die hohe Bewertung seiner Tätigkeit als Korpskommandeur wider.
Nach dem Frieden von Frankfurt kehrte das VII. Armee-Korps in seine westfälischen Garnisonen zurück.
Auch Zastrow nahm zunächst wieder seinen Sitz als Kommandierender General in Münster ein.
Für die Stadt muss die Rückkehr der Truppen 1871 ein bedeutendes Ereignis gewesen sein. Die Soldaten kehrten nun nicht nur als Sieger eines Krieges zurück; während des Feldzuges war zugleich das Deutsche Kaiserreich gegründet worden.
Die Münsteraner Garnison war damit von einer preußischen Garnison zu einem Bestandteil des Heeres des neuen Deutschen Reiches geworden – wenngleich das VII. Armee-Korps weiterhin organisatorisch zur preußischen Armee gehörte.
Zastrow blieb noch kurze Zeit nach dem Krieg an der Spitze des VII. Armee-Korps.
Am 5. Oktober 1871 wurde er unter Verleihung des Schwarzen Adlerordens mit Pension zur Disposition gestellt.
Damit endete eine mehr als fünf Jahrzehnte dauernde militärische Laufbahn.
Zastrow zog sich anschließend aus dem aktiven Militärdienst zurück.
Er starb am 12. August 1875 in Schöneberg bei Berlin, einen Tag nach seinem 74. Geburtstag.
Heinrich Adolf von Zastrow nimmt innerhalb der Münsteraner Kommandierenden Generale eine besonders wichtige Stellung ein.
Seine Amtszeit von 1866 bis 1871 umfasst eine der entscheidenden Epochen der deutschen und preußischen Militärgeschichte.
Er übernahm das VII. Armee-Korps unmittelbar nach dem Krieg von 1866 und führte es vier Jahre später persönlich in den Krieg gegen Frankreich.
Damit lässt sich seine Münsteraner Tätigkeit unmittelbar mit der Geschichte der westfälischen Regimenter verbinden.
Unter Zastrow erfolgte 1870 die Mobilmachung des VII. Armee-Korps in Westfalen. Anschließend führte er seine Truppen über die französische Grenze, kämpfte mit ihnen bei Spichern, nahm an den Operationen um Metz teil und führte sie schließlich in den Winterfeldzug gegen die französische Loirearmee.
1871 kehrte das Korps nach Westfalen zurück.
Damit ist Zastrow der erste der bislang behandelten Kommandierenden Generale, bei dem sich die Münsteraner Garnisongeschichte und die konkrete Feldzugsgeschichte des VII. Armee-Korps nahezu vollständig miteinander verbinden lassen.
General der Kavallerie Wilhelm Graf zu Stolberg-Wernigerode (ab 1871).
Wilhelm Graf zu Stolberg-Wernigerode wurde am 13. Mai 1807 in Wernigerode geboren und starb am 6. März 1898 in Jannowitz in Schlesien. Er entstammte dem weit verzweigten hochadeligen Haus Stolberg-Wernigerode. Sein Vater war Graf Constantin zu Stolberg-Wernigerode. Nach dessen frühem Tod erbte Wilhelm bereits als Kind die schlesischen Besitzungen Jannowitz und Kupferberg.
Bemerkenswert an seiner Laufbahn ist, dass sie keineswegs geradlinig verlief. Stolberg war zeitweise Berufsoffizier, schied wieder aus dem aktiven Dienst aus, widmete sich seinem Grundbesitz und übernahm zivile Aufgaben, bevor er erneut in die Armee eintrat.
Am 3. August 1825 trat Stolberg in das preußische Garde-Dragoner-Regiment ein. Am 17. April 1827 wurde er Offizier. 1835 wurde er Adjutant des Prinzen Wilhelm von Preußen, eines Bruders König Friedrich Wilhelms III.
Schon zwei Jahre später unterbrach er jedoch seine militärische Laufbahn. 1837 nahm er als Premierleutnant seinen Abschied, um sich um seine Besitzungen in Schlesien zu kümmern.
Diese Phase seines Lebens unterscheidet ihn von vielen anderen Kommandierenden Generalen des VII. Armee-Korps, die nahezu ihre gesamte Erwachsenenzeit im aktiven Militärdienst verbrachten.
Stolberg war zeitweise Landrat des Kreises Hirschberg und damit auch in der preußischen Zivilverwaltung tätig. Während der revolutionären Unruhen von 1848 beteiligte er sich an Maßnahmen zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung. Die Stadt Hirschberg verlieh ihm dafür das Ehrenbürgerrecht.
Am 7. Juli 1849 kehrte Stolberg als Rittmeister beim Regiment der Gardes du Corps in das stehende Heer zurück.
Nun begann seine eigentliche höhere militärische Karriere.
Er wurde unter anderem Adjutant der Garde-Kavallerie-Division und Stabsoffizier beim Garde-Kürassier-Regiment. Von 1856 bis 1859 führte er das Schlesische Husaren-Regiment Nr. 4 in Oels.
Stolbergs militärischer Schwerpunkt lag damit eindeutig bei der Kavallerie.
Das ist für unsere Reihe der Münsteraner Kommandierenden Generale durchaus interessant: Nach Infanteristen wie Zastrow übernahm nun ein ausgesprochener Kavallerieoffizier die Führung des westfälischen Armeekorps.
Der Krieg von 1866
Eine besondere Bedeutung für seine weitere Karriere gewann der Deutsche Krieg von 1866.
Stolberg übernahm als Generalmajor die 6. Landwehr-Kavallerie-Brigade. Seine Aufgabe lag zunächst an der schlesisch-galizischen Grenze. Dabei kam es auch zu Kämpfen im Raum Oświęcim/Auschwitz.
Nach dem Krieg wurde er zum Generalleutnant befördert. Am 18. Mai 1867 übernahm er die 12. Division in Neisse.
Damit gehörte Stolberg spätestens jetzt zum Kreis der höheren preußischen Truppenführer.
1870/71 – Führer der 2. Kavallerie-Division
Seine wichtigste Feldverwendung erhielt Stolberg im Krieg gegen Frankreich.
Im Juli 1870 wurde ihm die 2. Kavallerie-Division übertragen.
Diese Division gehörte zur 3. Armee des Kronprinzen Friedrich Wilhelm von Preußen. Aufgrund der zunächst noch unklaren Haltung Österreichs wurden Teile der Division jedoch in Schlesien zurückgehalten. Erst am 7. August 1870 war sie im Raum Mainz vollständig versammelt und konnte zur Armee aufschließen.
Die Aufgabe einer Kavalleriedivision bestand dabei keineswegs allein in spektakulären Reiterangriffen. Von großer Bedeutung waren Aufklärung, Sicherung der Flanken, Verfolgung des Gegners und die Abschirmung eigener Truppenbewegungen.
Stolbergs Division übernahm genau diese Aufgaben.
Sie deckte beim Vormarsch die linke Flanke der 3. Armee und befand sich auch während der Operationen, die zur Schlacht bei Sedan am 1. September 1870 führten, bei der Armee. Die ältere biographische Darstellung betont allerdings ausdrücklich, dass die Division der Schlacht beiwohnte, ohne selbst entscheidend in den Kampf einzugreifen.
Diese Einschränkung ist wichtig. Man sollte Stolberg deshalb nicht – wie es gelegentlich in verkürzten Darstellungen geschieht – eine „entscheidende Rolle bei Sedan“ zuschreiben.
Von Paris nach Orléans
Nach Sedan deckte Stolbergs Kavallerie erneut den linken Flügel der nach Paris vorrückenden 3. Armee.
Am 7. Oktober 1870 verließ die Division den Raum der Einschließungsarmee vor Paris und zog unter General von der Tann nach Süden. Dort nahm sie an den Kämpfen teil, die zunächst zur Einnahme von Orléans führten.
Nach der Schlacht bei Coulmiers wurde die Division der neugebildeten Armeeabteilung des Großherzogs Friedrich Franz II. von Mecklenburg-Schwerin unterstellt.
Nun folgte ein ausgesprochen bewegungsreicher Winterfeldzug.
Die Kavallerie operierte im Raum Orléans und blieb nach Darstellung der ADB bis zum Waffenstillstand nahezu ununterbrochen mit dem Gegner in Berührung. Später kam Stolbergs Division unter den Oberbefehl der 2. Armee des Prinzen Friedrich Karl und wirkte Anfang 1871 bei der Verfolgung der französischen Kräfte in Richtung Le Mans mit.
Stolberg kam also als kriegserfahrener Divisionskommandeur nach Münster.
Nach dem Krieg erfolgte der entscheidende Schritt seiner Laufbahn.
Am 5. September 1871 wurde Generalleutnant Wilhelm Graf zu Stolberg-Wernigerode zum Kommandierenden General des VII. Armee-Korps in Münster ernannt. Er trat damit die Nachfolge Heinrich Adolf von Zastrows an.
Hier ist für unsere Überschrift eine kleine Präzisierung sinnvoll:
Stolberg kam 1871 noch als Generalleutnant nach Münster.
Erst am 22. März 1873 wurde er während seiner Münsteraner Amtszeit zum General der Kavallerie befördert.
Seine Amtszeit unterscheidet sich erheblich von derjenigen seiner unmittelbaren Vorgänger.
Falckenstein und Zastrow führten das VII. Armee-Korps in einer Zeit großer Kriege.
Stolberg übernahm es dagegen unmittelbar nach der Reichsgründung.
Damit begann für das Korps und die Garnison Münster eine lange Friedensperiode.
Die Aufgabe bestand jetzt darin, die Kriegserfahrungen von 1870/71 auszuwerten, die Truppen wieder auf Friedensstärke zu bringen und zugleich die Armee des neu gegründeten Deutschen Kaiserreiches organisatorisch weiterzuentwickeln.
Für Münster dürfte diese lange Amtszeit besonders bedeutsam gewesen sein. Stolberg war nicht nur für wenige Jahre vorübergehend in der Stadt. Von September 1871 bis April 1882 stand er mehr als ein Jahrzehnt an der Spitze des VII. Armee-Korps. Die Stellenbesetzung weist seinen Nachfolger Karl Friedrich von Witzendorff ab dem 15. April 1882 aus.
Damit wurde Stolberg zu einer festen Persönlichkeit des militärischen Münster der 1870er Jahre.
Eine unmittelbare Verbindung zu unserer gerade behandelten Erinnerungskultur bietet seine Amtszeit ebenfalls.
Die Trauernde Germania für die Gefallenen des Infanterie-Regiments Nr. 13 wurde am 1. September 1872 eingeweiht – also während Stolbergs erster Jahre als Kommandierender General in Münster.
Das Denkmal gehörte damit in jene Phase, in der unter seiner Führung aus den heimgekehrten Kriegstruppen wieder eine Friedensgarnison wurde und zugleich die Erinnerung an 1870/71 institutionalisiert wurde.
Hier können wir später noch untersuchen, ob Stolberg persönlich an der Einweihung beteiligt war. Die Festrede hielt, wie bereits festgestellt, sein früherer Vorgänger im Generalkommando, Generalfeldmarschall Herwarth von Bittenfeld.
Während seiner Münsteraner Amtszeit erhielt Stolberg hohe Auszeichnungen.
Am 22. März 1873 erfolgte nicht nur seine Beförderung zum General der Kavallerie. Im selben Jahr wurde er unter Verleihung des Großkreuzes des Roten Adlerordens mit Eichenlaub und Schwertern zum Chef des 1. Schlesischen Dragoner-Regiments Nr. 4 ernannt.
Am 22. März 1880 erhielt er schließlich den Schwarzen Adlerorden, die höchste preußische Auszeichnung.
Neben seiner militärischen Stellung gehörte Stolberg außerdem seit 1866 dem Preußischen Herrenhaus an.
Er verkörperte damit in besonderer Weise die Verbindung von altem preußischem Adel, Großgrundbesitz, höherem Offizierkorps und politischer Elite des Kaiserreichs.
Am 15. April 1882 endete Stolbergs Tätigkeit als Kommandierender General des VII. Armee-Korps. Sein Nachfolger wurde Generalleutnant Karl Friedrich von Witzendorff.
Zu Stolbergs Abschied existiert sogar eine bemerkenswerte bildliche Quelle: Der Militärmaler Emil Hünten schuf 1882 ein Gemälde, auf dem Generalmajor Friedrich Wilhelm von Rauch dem scheidenden Kommandierenden General Wilhelm Graf zu Stolberg-Wernigerode Meldung erstattet. Stolberg sitzt dabei auf einem Schimmel.
Stolberg zog sich nach seinem Abschied aus dem aktiven Dienst auf seinen schlesischen Besitz zurück. Er starb hochbetagt am 6. März 1898 in Jannowitz.
Bedeutung für die Münsteraner Garnisongeschichte
Wilhelm Graf zu Stolberg-Wernigerode nimmt unter den Kommandierenden Generalen des VII. Armee-Korps eine besondere Stellung ein.
Er war kein General, dessen Münsteraner Amtszeit vor allem durch einen Krieg bestimmt wurde.
Seine Bedeutung liegt vielmehr in der Konsolidierung nach den Einigungskriegen.
Als er im September 1871 nach Münster kam, kehrten die Truppen gerade aus Frankreich zurück. Gefallene wurden betrauert, Denkmäler errichtet und die Erfahrungen des Krieges ausgewertet. Als er 1882 die Stadt verließ, hatte sich das VII. Armee-Korps längst in die neue Heeresorganisation des Deutschen Kaiserreiches eingefügt.
Damit bildet seine mehr als zehnjährige Amtszeit eine wichtige Brücke vom preußischen VII. Armee-Korps der Einigungskriege zum westfälischen Armeekorps des Deutschen Kaiserreiches.
General der Kavallerie Karl Friedrich Wilhelm v. Witzendorf (ab 1882).
Karl Friedrich Wilhelm von Witzendorff wurde am 28. April 1824 in Scharnebeck bei Lüneburg geboren und starb am 23. März 1891 in Göttingen. Er entstammte einer hannoverschen Beamten- und Adelsfamilie. Sein Vater Peter von Witzendorff war hannoverscher Oberhauptmann und Herr auf Wiebendorf, seine Mutter Charlotte entstammte der Familie von Spörcken. Karl war das sechste von elf Kindern.
Seine militärische Laufbahn verband drei Bereiche, die bei höheren preußischen Offizieren nicht immer in einer Person zusammentrafen: Generalstabsdienst, praktische Kavallerieführung und intensive Beschäftigung mit der reiterlichen Ausbildung.
Nach seiner Schulzeit in Salzwedel und am Pädagogium in Putbus trat Witzendorff am 1. Juni 1841 in das in Trier garnisonierende 8. Ulanen-Regiment ein. Bereits im Oktober 1842 wurde er Sekondeleutnant.
Seine Begabung führte ihn früh über den gewöhnlichen Regimentsdienst hinaus. Zwischen 1846 und 1851 besuchte er mit Unterbrechungen die Allgemeine Kriegsschule in Berlin. 1855 kam er als Hauptmann in den Generalstab des I. Armee-Korps, anschließend arbeitete er in der Topographischen Abteilung des Großen Generalstabes.
Damit erhielt er jene Verbindung von praktischer Truppenerfahrung und Generalstabsausbildung, die für seine spätere Laufbahn kennzeichnend werden sollte.
1859 wurde Witzendorff persönlicher Adjutant des Prinzen Friedrich Karl von Preußen, eines der bedeutendsten preußischen Heerführer der Einigungskriege.
Diese Stellung brachte Witzendorff in unmittelbare Nähe zur höheren militärischen Führung Preußens. Sie sollte insbesondere im Krieg von 1864 von Bedeutung werden.
Im Deutsch-Dänischen Krieg nahm Witzendorff im Stab Friedrich Karls an den Operationen in Schleswig teil. Er war bei Missunde, bei weiteren Kämpfen und beim Sturm auf die Düppeler Schanzen am 18. April 1864 eingesetzt.
Besonders bemerkenswert ist seine Beteiligung an der Vorbereitung des Übergangs nach Alsen.
Nach der biographischen Überlieferung ging die Planung dieses Unternehmens wesentlich auf Witzendorff zurück und fand die Zustimmung Helmuth von Moltkes. Der erfolgreiche Übergang preußischer Truppen nach Alsen in der Nacht vom 28. auf den 29. Juni 1864 wurde zu einem der bedeutendsten militärischen Erfolge des Feldzuges.
Damit begegnet uns Witzendorff bereits 1864 nicht lediglich als ausführender Stabsoffizier, sondern als Offizier mit erheblicher operativer Begabung.
Noch vor Abschluss des Krieges wurde er zum Direktor der Militärreitschule in Schwedt an der Oder ernannt.
Reformer der Kavallerieausbildungse Verwendung ist für die Beurteilung Witzendorffs mindestens ebenso wichtig wie seine Kriegsteilnahme.
Die preußische Kavallerie befand sich im 19. Jahrhundert in einem Spannungsverhältnis zwischen traditioneller Reitbahnausbildung und den Anforderungen des modernen Felddienstes. Witzendorff versuchte, beide Bereiche miteinander zu verbinden.
Die ältere Allgemeine Deutsche Biographie schreibt ihm später ausdrücklich zu, zwischen den beiden Richtungen vermittelt und damit eine Grundlage der modernen Campagnereiterei, also einer stärker auf den Felddienst ausgerichteten reiterlichen Ausbildung, geschaffen zu haben.
Das Pferd sollte nicht nur auf der Reitbahn beherrscht werden.
Offizier und Soldat mussten es ebenso sicher im Gelände, auf langen Märschen und unter Gefechtsbedingungen führen können.
Diese Auffassung sollte Witzendorffs weitere Karriere nachhaltig prägen
Bei Ausbruch des Krieges gegen Österreich wurde Witzendorff Chef des Generalstabes des Kavalleriekorps der 1. Armee, das unter Prinz Albrecht von Preußen stand.
Er nahm an den Kämpfen bei Münchengrätz und Gitschin sowie an der Entscheidungsschlacht von Königgrätz am 3. Juli 1866 teil. Für seine Leistungen erhielt er den Orden Pour le Mérite.
Der Feldzug vermittelte ihm allerdings auch negative Erfahrungen.
Die großen Kavalleriemassen waren nach zeitgenössischer Kritik nicht immer zweckmäßig eingesetzt worden. Gerade diese Erfahrungen beeinflussten Witzendorffs spätere Vorstellungen von Ausbildung und Verwendung der Kavallerie. Die ADB betont ausdrücklich, dass er aus den Fehlern von 1866 Konsequenzen für eine zweckmäßigere Verwendung der Waffe ziehen wollte.
Erste unmittelbare Verbindung zu einem westfälischen Regiment
Nach dem Krieg erhielt Witzendorff am 17. September 1866 das Kommando über das 2. Westfälische Husaren-Regiment Nr. 11, das damals in Lüneburg lag.
Diese Verwendung ist für unsere Münsteraner Reihe besonders interessant.
Schon sechzehn Jahre bevor er das VII. Armee-Korps übernahm, führte Witzendorff damit ein Regiment, das zum westfälischen militärischen Traditionsraum gehörte. Ende 1866 wurde er zum Oberst befördert.
Ende 1869 wurde Witzendorff zum Chef des Generalstabes des VIII. Armee-Korps in Koblenz ernannt.
Damit befand er sich beim Ausbruch des Deutsch-Französischen Krieges erneut in einer Schlüsselstellung.
Das VIII. Armee-Korps stand unter General August von Goeben.
Witzendorff nahm als dessen Generalstabschef an einem ungewöhnlich umfangreichen Teil des Feldzuges teil: an der Schlacht bei Spichern, den Kämpfen um Metz, der Einschließung der Festung sowie später an den Operationen in Nordfrankreich. Dort folgten unter anderem Amiens, Hallue, Bapaume und Saint-Quentin sowie die Belagerung von Péronne.
Damit hatte Witzendorff bis 1871 Erfahrungen in allen drei Einigungskriegen gesammelt.
Seine Leistungen wurden mit beiden Klassen des Eisernen Kreuzes gewürdigt; außerdem erhielt er das Eichenlaub zum Pour le Mérite.
Wieder an der Spitze der Kavallerieausbildung
Nach dem Friedensschluss kehrte Witzendorff auf ein Gebiet zurück, das ihm besonders lag.
Am 24. Juni 1871 wurde er Chef des nunmehr in Hannover befindlichen Militärreitinstituts; im August folgte seine Beförderung zum Generalmajor.
Unter seiner Leitung wurde die Einrichtung in eine Offizierreitschule und eine Kavallerie-Unteroffizierschule gegliedert. Gleichzeitig arbeitete Witzendorff in einer Kommission mit, die aufgrund der Erfahrungen des Krieges von 1870/71 neue Vorschriften für Ausbildung und Verwendung der Kavallerie erarbeitete.
1872 hielt er sich auf Einladung der britischen Regierung bei Truppenübungen in Salisbury auf. 1874 leitete er bei Müncheberg große Kavallerieübungen. Die zeitgenössische Würdigung sieht gerade in diesen Tätigkeiten einen wesentlichen Beitrag Witzendorffs zur Modernisierung der preußisch-deutschen Kavallerie.
1876 übernahm Witzendorff zunächst die Führung und anschließend das Kommando der Kavalleriedivision des XV. Armee-Korps. Gleichzeitig erfolgte seine Beförderung zum Generalleutnant.
Am 17. April 1879 wurde er Kommandeur der 14. Division in Düsseldorf.
Damit befand er sich bereits im Bereich des VII. Armee-Korps.
Drei Jahre später folgte der Schritt nach Münster.
Am 15. April 1882 wurde Generalleutnant von Witzendorff zunächst mit der Führung des VII. Armee-Korps beauftragt. Er folgte Wilhelm Graf zu Stolberg-Wernigerode nach, dessen mehr als zehnjährige Amtszeit am Vortag geendet hatte.
Auch hier lohnt sich – wie schon bei einigen seiner Vorgänger – die genaue Unterscheidung:
Vom 15. April bis 22. November 1882 war Witzendorff mit der Führung des Korps beauftragt.
Erst am 23. November 1882 wurde er regulär zum Kommandierenden General des VII. Armee-Korps ernannt.
Witzendorff kam 1882 als Generalleutnant nach Münster.
Am 20. September 1884 wurde er zum General der Kavallerie befördert.
Witzendorffs Amtszeit fiel vollständig in die Friedensperiode des Kaiserreiches. Anders als Falckenstein oder Zastrow musste er das VII. Armee-Korps nicht in einen Krieg führen.
Das bedeutete keineswegs Untätigkeit.
Die Armee der 1880er Jahre war von intensiver Ausbildung, jährlichen Manövern und der Auswertung der Kriegserfahrungen von 1870/71 geprägt. Gerade bei einem Offizier wie Witzendorff, dessen besonderes Interesse seit Jahrzehnten Ausbildung, Gelände- und Kavalleriedienst galt, dürfte die praktische Gefechtsausbildung einen hohen Stellenwert besessen haben.
Eine zeitnahe biographische Würdigung zeichnet ein bemerkenswert differenziertes Bild Witzendorffs. Bernhard von Poten beschrieb ihn 1898 als eine „glänzende Erscheinung, von reicher militärischer Begabung und vielem Wissen, klar und bestimmt, ein weicher Kern in harter Schale.“
Diese Charakterisierung passt durchaus zu seiner Laufbahn: Witzendorff war kein reiner Repräsentationsgeneral, sondern ein Offizier, der sich intensiv mit Ausbildung, Taktik und praktischer Verwendung seiner Waffengattung beschäftigte.
Seine letzten Münsteraner Jahre wurden zunehmend von gesundheitlichen Problemen überschattet. Bereits 1886 musste Witzendorff einen achtwöchigen Urlaub nehmen.
Im Januar 1887 erhielt er noch das Großkreuz des Roten Adlerordens mit Eichenlaub und Schwertern am Ringe.
Nach dem Regierungsantritt Kaiser Wilhelms II. im Sommer 1888 verschlechterte sich sein Gesundheitszustand weiter. Ursache war ein zunächst nicht erkanntes Nierenleiden.
Witzendorff bat schließlich um seinen Abschied.
Am 7. August 1888 wurde er mit Pension zur Disposition gestellt und zugleich à la suite des 2. Westfälischen Husaren-Regiments Nr. 11 gestellt – jenes Regiments also, das er bereits nach dem Krieg von 1866 geführt hatte.
Damit endete nach mehr als sechs Jahren seine Tätigkeit in Münster.
Sein Nachfolger als Kommandierender General des VII. Armee-Korps wurde General der Kavallerie Emil von Albedyll.
Karl von Witzendorff starb am 23. März 1891 in Göttingen nach einer Operation.
Witzendorff gehört zu den fachlich besonders interessanten Kommandierenden Generalen des VII. Armee-Korps. Seine Laufbahn verbindet nahezu exemplarisch die Entwicklung der preußischen Armee in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts:
Generalstabsausbildung – Kriegserfahrung 1864 – Kavalleriereform – Königgrätz 1866 – Regimentskommando – Generalstabsführung 1870/71 – Reform der Kavallerieausbildung – Divisionskommando – schließlich Führung eines Armeekorps.
Für Münster ist außerdem bemerkenswert, dass er kein Fremder im westfälischen militärischen Raum war. Er hatte das 2. Westfälische Husaren-Regiment Nr. 11 geführt, anschließend die 14. Division in Düsseldorf kommandiert und übernahm schließlich 1882 das gesamte VII. Armee-Korps. Seine Münsteraner Jahre stehen deshalb weniger für Krieg als für etwas anderes: für die Professionalisierung und intensive Friedensausbildung der Armee des Kaiserreiches nach den Erfahrungen der Einigungskriege. Gerade darin unterscheidet er sich von Zastrow und Falckenstein – und gerade deshalb ist er für die weitere Entwicklung der Münsteraner Garnison von erheblichem Interesse.
General der Kavallerie Em)il Heinrich Ludwig v. Albedyll (ab 1888).
Emil Heinrich Ludwig von Albedyll wurde am 1. April 1824 in der Neumark geboren und starb am 13. Juni 1897 in Potsdam. Er entstammte einer alten Offiziersfamilie. Sein Vater August Friedrich Ludwig von Albedyll war ehemaliger preußischer Leutnant und Rittergutsbesitzer; seine Mutter Ernestine Ulrike stammte aus dem alten Adelsgeschlecht von Wedel. Auch sein jüngerer Bruder Georg machte eine bedeutende militärische Karriere und wurde später ebenfalls General der Kavallerie.
Am 10. April 1841, gerade siebzehnjährig, trat Albedyll in das 2. Kürassier-Regiment der Preußischen Armee ein. Zwei Jahre später wurde er Sekondeleutnant.
Seine ersten Kriegserfahrungen sammelte er bereits während der Schleswig-Holsteinischen Erhebung. Im Feldzug von 1848 gegen Dänemark wurde er als Ordonnanzoffizier eingesetzt und nahm an den Kämpfen bei Schleswig, Düppel und vor Fredericia teil.
Anders als bei Witzendorff deutete zunächst wenig darauf hin, dass Albedyll einmal zu den einflussreichsten Männern der preußischen Armee gehören würde. Seine Beförderung verlief vergleichsweise langsam: Erst 1854 wurde er Premierleutnant und 1858 Rittmeister.
Der entscheidende Wendepunkt kam nicht auf dem Exerzierplatz, sondern in Berlin.
1862 wurde Albedyll in die Abteilung für die persönlichen Angelegenheiten des Kriegsministeriums kommandiert.
Diese Einrichtung war von großer Bedeutung. Hier wurden die Personalangelegenheiten des preußischen Offizierkorps bearbeitet – Ernennungen, Versetzungen, Beförderungen und andere Entscheidungen, die über die Laufbahn eines Offiziers bestimmen konnten.
Chef der Abteilung war zunächst General Edwin von Manteuffel.
Albedyll erwies sich offenbar als außerordentlich geeignet für diese Tätigkeit. Zeitgenössische und spätere biographische Darstellungen heben seine Menschenkenntnis, sein außergewöhnliches Gedächtnis und seine genaue Kenntnis des Offizierkorps hervor.
Gerade diese Eigenschaften sollten seine weitere Karriere bestimmen.
Noch einmal im Krieg gegen Dänemark
Ganz vom Felddienst entfernt war Albedyll zunächst allerdings nicht.
Während des Krieges von 1864 befand er sich im Gefolge Manteuffels und nahm unter anderem am Gefecht bei Missunde teil.
Damit hatte auch Albedyll – wie mehrere seiner Vorgänger im Münsteraner Generalkommando – persönliche Erfahrungen aus dem Deutsch-Dänischen Krieg.
Seine eigentliche Bedeutung lag jedoch inzwischen eindeutig in der Nähe zur obersten militärischen Führung.
Im Krieg gegen Österreich 1866 gehörte Albedyll zum Großen Hauptquartier.
Am 29. Oktober 1866 wurde er Oberstleutnant und zugleich Flügeladjutant König Wilhelms I. Außerdem wurde ihm das Kommando über die Leibgendarmerie übertragen.
Damit gehörte Albedyll nun zum unmittelbaren militärischen Umfeld des Königs.
In den Jahren nach 1866 fiel ihm eine Aufgabe zu, deren Bedeutung kaum überschätzt werden kann: Er wirkte maßgeblich an der personellen Neuorganisation jener Truppenteile mit, die infolge der preußischen Annexionen und territorialen Veränderungen neu aufgestellt oder in die preußische Armee integriert wurden.
Das betraf insbesondere Schleswig-Holstein, Hannover und Hessen-Nassau.
Hier zeigte sich bereits jene Fähigkeit, die später sein eigentliches Lebenswerk werden sollte: die Eingliederung unterschiedlicher militärischer Traditionen in eine gemeinsame Heeresorganisation.
1870 – Personalentscheidungen für die mobilgemachte Armee
Beim Ausbruch des Deutsch-Französischen Krieges 1870 kam Albedyll eine außerordentlich verantwortungsvolle Aufgabe zu.
Während der Mobilmachung mussten innerhalb kürzester Zeit die Führungsstellen der Feldarmee besetzt werden.
Nach der Neuen Deutschen Biographie stellte Albedyll innerhalb einer einzigen Nacht die Besetzung der Führerstellen der Armee zusammen.
Das ist ein bemerkenswertes Detail. Während andere spätere Münsteraner Kommandierende Generale ihre Fähigkeiten 1870 auf den Schlachtfeldern von Spichern, Gravelotte oder Sedan bewiesen, saß Albedyll im Großen Hauptquartier und entschied mit darüber, welche Offiziere diese Truppen überhaupt führen sollten.
Auch den Krieg von 1870/71 erlebte er im königlichen Hauptquartier.
Albedyll war darüber hinaus an den Vorbereitungen für eines der symbolträchtigsten Ereignisse des Krieges beteiligt.
Er wirkte an der Vorbereitung der Feierlichkeiten zur Kaiserproklamation Wilhelms I. in Versailles am 18. Januar 1871 mit.
Damit begegnet uns Albedyll an einer Stelle, die unmittelbar an unseren vorherigen Abschnitt über Münster anschließt.
Während die Nachricht von der Kaiserproklamation in Münster – wie die Stadtchronik zeigt – bemerkenswert zurückhaltend aufgenommen wurde, gehörte der spätere Kommandierende General des VII. Armee-Korps zu den Männern, die im königlichen Hauptquartier an der Vorbereitung dieses Ereignisses beteiligt gewesen waren.
Nach dem Krieg begann der wichtigste Abschnitt seines Berufslebens.
1871 wurde Albedyll Chef der für Personalangelegenheiten zuständigen Abteilung. 1872 übernahm er die Leitung des Militärkabinetts und behielt diese Stellung bis 1888.
Das Militärkabinett war eine Schlüsselstelle der preußisch-deutschen Militärverfassung.
Sein Chef hatte unmittelbaren Zugang zum Kaiser und bearbeitete insbesondere die Personalangelegenheiten des Offizierkorps.
Beförderungen, Ernennungen und Versetzungen höherer Offiziere liefen damit in erheblichem Maße über Albedylls Schreibtisch.
Sein Einfluss auf das preußisch-deutsche Offizierkorps war entsprechend groß.
Die ältere biographische Überlieferung fasste seine Stellung später in einem geflügelten Wort zusammen: „Wie Gott will und wie Albedyll.“
Die Formulierung war sicherlich zugespitzt. Sie vermittelt aber einen Eindruck davon, wie seine Zeitgenossen seinen Einfluss wahrnahmen.
Albedyll genoss über viele Jahre das besondere Vertrauen Wilhelms I.
1873 wurde er Generalmajor und General à la suite des Kaisers. Am 1. April 1876 ernannte Wilhelm ihn zum Generaladjutanten; wenige Monate später wurde Albedyll Generalleutnant.
Am 18. September 1886 folgte schließlich die Beförderung zum General der Kavallerie.
Damit hatte er seinen höchsten regulären Dienstgrad bereits erreicht, bevor er nach Münster kam.
Von besonderer institutioneller Bedeutung war das Jahr 1883.
Bis dahin bestanden enge organisatorische Verbindungen zwischen Militärkabinett und Kriegsministerium. Als General Paul Bronsart von Schellendorff Kriegsminister wurde, ergab sich unter anderem ein Rangproblem: Albedyll war dienstälter und konnte ihm nicht ohne Weiteres untergeordnet werden.
Das Militärkabinett wurde daraufhin aus der bisherigen Bindung an das Kriegsministerium herausgelöst und dem Kaiser unmittelbar unterstellt.
Damit gewann die Behörde erheblich an Selbständigkeit.
Albedyll stand nun an der Spitze einer Institution, die unmittelbar dem obersten Kriegsherrn zugeordnet war.
Seine Bedeutung war deshalb nicht nur persönlicher, sondern auch institutioneller Natur.
Eine seiner wichtigsten Leistungen bestand in der weiteren Zusammenführung der unterschiedlichen deutschen Militärkontingente nach 1871.
Das neue Deutsche Reich besaß nicht einfach eine vollständig einheitliche Armee. Bayern, Sachsen und Württemberg bewahrten erhebliche militärische Sonderrechte; andere Kontingente mussten enger in das preußisch dominierte Heer integriert werden.
Albedyll wirkte insbesondere bei der Eingliederung beziehungsweise engeren Verbindung der verschiedenen Offizierkorps mit. Die Neue Deutsche Biographie hebt seine Rolle bei der Verschmelzung beziehungsweise Annäherung der Kontingente ausdrücklich hervor.
Damit hatte der spätere Münsteraner Kommandierende General erheblichen Anteil am personellen Zusammenwachsen des Heeres des Deutschen Kaiserreiches.
Das Jahr 1888 brachte für Albedyll eine tiefgreifende Veränderung.
Am 9. März starb Kaiser Wilhelm I., dem er jahrzehntelang eng verbunden gewesen war.
Unter dessen Sohn Friedrich III. blieb Albedyll zunächst Chef des Militärkabinetts und Generaladjutant. Doch Friedrich III. starb bereits am 15. Juni.
Mit dem Regierungsantritt des jungen Wilhelm II. änderten sich die Verhältnisse.
Albedyll war inzwischen 64 Jahre alt und gehörte zur alten Führungsschicht aus der Zeit Wilhelms I. Er wünschte zudem selbst, seine Laufbahn noch einmal mit einem großen Truppenkommando abzuschließen. Die Neue Deutsche Biographie hebt diesen Wunsch ausdrücklich hervor.
Am 7. August 1888 ernannte Wilhelm II. ihn zum Kommandierenden General des VII. Armee-Korps in Münster.
Er trat damit die Nachfolge Karl von Witzendorffs an. Albedyll unterschied sich von vielen seiner Vorgänger. Er war zwar Kavallerieoffizier und hatte Kriegserfahrung, doch hatte er über Jahrzehnte kaum größere Truppenverbände geführt. Seine Karriere war vor allem am Hof und in der militärischen Personalverwaltung verlaufen. Selbst die ADB weist darauf hin, dass er – abgesehen von einer kurzen Führung des Halberstädter Kürassier-Regiments 1869 – über lange Zeit nicht im eigentlichen Truppendienst verwendet worden war.
Die Übernahme eines ganzen Armeekorps war deshalb für den 64-jährigen General eine bemerkenswerte Rückkehr in den praktischen Truppendienst.
Von 7. August 1888 bis 2. Juni 1893 stand Albedyll an der Spitze des VII. Armee-Korps.
Seine Münsteraner Amtszeit fiel in die ersten Regierungsjahre Wilhelms II.
Gerade deshalb ist ein Ereignis besonders interessant.
Bei den Herbstmanövern 1889 führte Albedyll sein VII. Armee-Korps persönlich Kaiser Wilhelm II. vor. Die zeitgenössisch nahe ADB erwähnt dies ausdrücklich.
Für unsere Garnisongeschichte ist das ein ausgesprochen interessanter Ansatzpunkt. Hier sollten wir später gezielt untersuchen, wo diese Manöver stattfanden, ob Wilhelm II. dabei Münster besuchte und welche Truppenteile des VII. Armee-Korps beteiligt waren.
Ein zweites Ereignis seiner Münsteraner Jahre verdient besondere Beachtung.
Am 10. April 1891 beging Albedyll sein 50-jähriges Dienstjubiläum.
An diesem Tag erhielt er den Schwarzen Adlerorden, die höchste preußische Ordensauszeichnung.
Da Albedyll zu diesem Zeitpunkt Kommandierender General in Münster war, liegt es nahe, dass das Jubiläum auch innerhalb des VII. Armee-Korps entsprechend begangen wurde.
Nach fast fünfjähriger Führung des Korps bat Albedyll 1893 um seinen Abschied.
Am 2. Juni 1893 übergab er das VII. Armee-Korps an Generalleutnant Robert von Goetze.
Am folgenden Tag trat Albedyll offiziell in den Ruhestand. Er blieb jedoch Generaladjutant Kaiser Wilhelms II. und weiterhin à la suite seines Kürassier-Regiments.
Er zog nach Potsdam, wo er seinen Lebensabend verbrachte.
Am 13. Juni 1897 starb Emil von Albedyll im Alter von 73 Jahren. Seine letzte Ruhestätte fand er auf dem Bornstedter Friedhof bei Potsdam.
Die ältere biographische Würdigung hebt Eigenschaften hervor, die erklären, weshalb Albedyll gerade als Chef des Militärkabinetts so erfolgreich war.
Genannt werden große Menschenkenntnis und Arbeitskraft, ausgeprägtes Gerechtigkeitsgefühl, Unparteilichkeit, freundliche Umgangsformen und vor allem eine außergewöhnliche Kenntnis des Offizierkorps, die auf seinem bemerkenswerten Gedächtnis beruhte. Er war damit ein ganz anderer Typus als der operative Generalstabs- und Kavalleriefachmann Witzendorff. Witzendorffs Stärke lag bei Ausbildung, Taktik und Truppenführung. Albedylls besondere Begabung lag bei Menschen, Personalentscheidungen und militärischer Organisation.
Er kam nicht als unbekannter General nach Münster. Vielmehr hatte er zuvor fast zwei Jahrzehnte lang an einer Stelle gesessen, von der aus die Karrieren zahlreicher Offiziere der preußisch-deutschen Armee beeinflusst worden waren.
Mancher General und Regimentskommandeur des VII. Armee-Korps, der Albedyll 1888 in Münster gegenübertrat, dürfte ihm bereits aus seiner Zeit im Militärkabinett persönlich oder zumindest aus den Personalakten bekannt gewesen sein.
Seine Amtszeit markiert zugleich den Übergang in eine neue Epoche.
Mit 1888 begann die Regierungszeit Wilhelms II. Die Generation der Einigungskriege stand noch an der Spitze der Armee, doch eine jüngere Offiziergeneration rückte zunehmend nach.
Albedyll selbst verkörperte wie kaum ein anderer die militärische Führungsschicht der alten Kaiserzeit Wilhelms I.
Dass gerade er seine Karriere von 1888 bis 1893 als Kommandierender General in Münster abschloss, macht ihn für die Garnisonsgeschichte der Stadt zu einer besonders bemerkenswerten Persönlichkeit.
General der Infanterie Max Robert v. Goetze (ab 1893).
Max Robert von Goetze, meist schlicht Robert von Goetze genannt, wurde am 30. Dezember 1829 in Nakel an der Netze in der damaligen Provinz Posen geboren und starb am 17. November 1904 in Hannover. Sein Vater Adolf von Goetze brachte es ebenfalls bis zum preußischen Generalmajor; die Mutter Emilie war eine geborene Netzer. Robert wuchs somit in einem ausgeprägt militärischen Umfeld auf.
Eine kleine Präzisierung ist für unsere Reihe wichtig: Als Goetze am 3. Juni 1893 das VII. Armee-Korps übernahm, war er noch Generalleutnant. Erst am 27. Januar 1894 wurde er zum General der Infanterie befördert. Die passende Überschrift wäre daher:
Goetze besuchte zunächst die Bürgerschule in Paderborn. Damit bestand bereits in seiner Jugend eine Verbindung zu Westfalen, lange bevor er später als Kommandierender General nach Münster zurückkehrte.
Anschließend wurde er in den Kadettenanstalten von Bensberg und Berlin militärisch ausgebildet.
Am 1. April 1848 trat er als charakterisierter Portepeefähnrich in das 40. Infanterie-Regiment in Mainz ein. Am 15. Dezember desselben Jahres erhielt er das Patent zu seinem Dienstgrad.
Goetzes Eintritt in die Armee fiel damit genau in das Revolutionsjahr 1848. Seine weitere Laufbahn verlief zunächst keineswegs außergewöhnlich schnell. Erst Mitte September 1861 wurde er Hauptmann und wenige Wochen später Kompaniechef.
Das ist für seine Biographie durchaus kennzeichnend: Goetze machte keine spektakuläre Blitzkarriere. Sein Aufstieg vollzog sich schrittweise über den praktischen Truppendienst.
Im Deutschen Krieg von 1866 führte Goetze das Ersatzbataillon seines Regiments.
Damit unterscheidet sich seine Kriegserfahrung von derjenigen mancher Vorgänger im Münsteraner Generalkommando. Während etwa Zastrow eine Division auf den böhmischen Schlachtfeldern führte oder Witzendorff im Generalstab eines Kavalleriekorps tätig war, blieb Goetze 1866 im Ersatzwesen eingesetzt.
Nach dem Friedensschluss kam er am 30. Oktober 1866 zum 2. Nassauischen Infanterie-Regiment Nr. 88.
Diese Versetzung ist historisch interessant. Das Regiment gehörte zu den Verbänden, die nach der Annexion des Herzogtums Nassau in die preußische Armee eingegliedert worden waren. Goetze gehörte damit zu jener Generation preußischer Offiziere, die nach 1866 unmittelbar mit der Integration der neu hinzugekommenen Truppenteile befasst war.
Seine eigentliche Kriegserfahrung gewann Goetze vier Jahre später.
Im Krieg gegen Frankreich führte er eine Kompanie des 2. Nassauischen Infanterie-Regiments Nr. 88.
Mit diesem Verband nahm er an mehreren der entscheidenden Operationen des Krieges teil. Genannt werden insbesondere Weißenburg, Wörth und Sedan sowie später die Belagerung von Paris.
Damit erlebte Goetze den Feldzug nicht aus einem Hauptquartier, sondern als Kompaniechef unmittelbar bei der kämpfenden Infanterie.
Das ist für seine spätere Tätigkeit als Kommandierender General durchaus bedeutsam. Er wusste aus eigener Erfahrung, was Gefechtsdienst für den einzelnen Infanteristen bedeutete.
Für seine Leistungen erhielt er beide Klassen des Eisernen Kreuzes.
Nach dem Krieg setzte Goetze seine Laufbahn konsequent im Truppendienst fort.
Er übernahm zunächst ein Bataillon des Infanterie-Regiments Nr. 116 in Gießen und wurde zum Major befördert. Später führte er das Rheinische Jäger-Bataillon Nr. 8 in Zabern.
Am 1. April 1881 wurde er mit der Führung des neu aufgestellten Infanterie-Regiments Nr. 130 in Trier beauftragt. Am 14. Mai folgte die förmliche Ernennung zum Regimentskommandeur; am 16. September 1881 wurde er Oberst.
Dieses Regiment sollte später noch einmal eine besondere Bedeutung für ihn gewinnen. Goetze führte es bis 1886.
Am 4. Dezember 1886 erfolgte seine Beförderung zum Generalmajor und die Ernennung zum Kommandeur der 60. Infanterie-Brigade in Metz.
Damit gehörte Goetze nun endgültig zur höheren Generalität.
Am 17. Juni 1889 wurde er unter Beförderung zum Generalleutnant Kommandeur der 33. Division in Straßburg. Bereits am 13. November 1890 wechselte er an die Spitze der 21. Division in Frankfurt am Main.
Seine höheren Kommandos lagen damit mehrere Jahre in den nach 1871 besonders wichtigen westlichen Reichsgebieten.
1891 erhielt er den Kronenorden I. Klasse.
Am 3. Juni 1893 ernannte Kaiser Wilhelm II. Generalleutnant von Goetze zum Kommandierenden General des VII. Armee-Korps in Münster.
Er trat die Nachfolge Emil von Albedylls an.
Nur wenige Monate später, am 27. Januar 1894, dem Geburtstag Kaiser Wilhelms II., erfolgte seine Beförderung zum General der Infanterie.
Damit hatte der einstige Kompaniechef von 1870 nach mehr als 45 Dienstjahren eine der höchsten militärischen Führungsstellungen der preußischen Armee erreicht.
Goetzes Münsteraner Amtszeit fällt in eine für die Garnisonsgeschichte interessante Periode.
Die deutsche Armee wurde in den 1890er Jahren weiter vergrößert. Neue Verbände entstanden, Garnisonen wurden ausgebaut und die Ausbildung großer Truppenkörper gewann weiter an Bedeutung.
Unmittelbar vor Goetzes Amtsantritt war 1892 der Truppenübungsplatz Senne bei Paderborn erworben worden. Er diente insbesondere gefechtsmäßigen Schießübungen und dem Exerzieren größerer Verbände des VII. Armee-Korps.
Damit fiel Goetze die Aufgabe zu, diesen neuen Übungsraum während seiner ersten Nutzungsjahre in die Ausbildung des Korps einzubeziehen.
Bis dahin hatten größere Übungen des VII. Armee-Korps zwangsläufig an wechselnden Orten stattfinden müssen. Mit der Senne entstand nun ein dauerhafter militärischer Übungsraum, dessen Bedeutung in den folgenden Jahrzehnten stetig wachsen sollte.
Gerade für Goetzes Amtszeit wäre deshalb später eine gesonderte Untersuchung der Korpsübungen in der Senne zwischen 1893 und 1898 sinnvoll.
Unter Goetze blieb Münster nicht nur Sitz des Generalkommandos.
Hier befand sich auch das Kommando der 13. Division, während die 14. Division ihren Sitz in Düsseldorf hatte. Zum Korps gehörten darüber hinaus Infanterie-, Kavallerie-, Artillerie-, Jäger-, Pionier- und Trainverbände an zahlreichen westfälischen und rheinischen Garnisonsorten.
Der Kommandierende General war deshalb keineswegs nur „Garnisonskommandeur von Münster“.
Von Münster aus führte und inspizierte Goetze einen militärischen Großverband, dessen Truppen über einen erheblichen Teil Westfalens und angrenzender Gebiete verteilt waren.
Inspektionsreisen und Manöver gehörten deshalb zu seinen wichtigsten Aufgaben.
Einen besonderen Höhepunkt seiner Münsteraner Zeit bildete das Jahr 1898.
Am 1. April 1898 konnte Goetze auf genau 50 Jahre Militärdienst zurückblicken.
Kaiser Wilhelm II. ehrte den inzwischen 68-jährigen General, indem er ihn zum Chef des Infanterie-Regiments Nr. 130 ernannte – jenes Regiments, das Goetze von 1881 bis 1886 selbst geführt hatte.
Die Ernennung zum Regimentschef war eine hohe persönliche Auszeichnung.
Bereits im Januar 1897 hatte Goetze das Großkreuz des Roten Adlerordens erhalten.
Nur wenige Tage nach seinem 50-jährigen Dienstjubiläum endete seine aktive Laufbahn.
Am 4. April 1898 wurde Goetze auf eigenen Antrag mit Pension zur Disposition gestellt. Seine Stellung als Chef des Infanterie-Regiments Nr. 130 behielt er.
Damit endete seine fast fünfjährige Amtszeit in Münster.
Die Übersicht der Kommandierenden Generale weist für ihn den Zeitraum vom 3. Juni 1893 bis 4. April 1898 aus.
Sein Nachfolger wurde Generalleutnant Viktor von Mikusch-Buchberg, der am 5. April 1898 die Führung des VII. Armee-Korps übernahm.
Robert von Goetze lebte anschließend noch mehrere Jahre im Ruhestand.
Er starb am 17. November 1904 in Hannover im Alter von 74 Jahren.
Goetze war seit dem 26. November 1859 mit Antonie von Lobenthal verheiratet. Aus der Ehe gingen mehrere Kinder hervor. Seine Frau starb bereits 1879, sodass Goetze bei seiner Berufung nach Münster seit vielen Jahren Witwer war.
Auch seine Familie blieb dem preußischen Militär verbunden. Mehrere seiner Söhne schlugen Offizierslaufbahnen ein; die militärische Tradition setzte sich damit in der nächsten Generation fort.
Goetze verkörpert einen anderen Typ des Kommandierenden Generals als Albedyll.
Albedyll hatte jahrzehntelang im unmittelbaren Umfeld des Kaisers und im Militärkabinett gewirkt.
Goetze dagegen war vor allem Truppenoffizier.
Seine Laufbahn führte vom Kompaniechef über Bataillon und Regiment zur Brigade, Division und schließlich zum Armeekorps. Selbst im Krieg von 1870/71 hatte er noch unmittelbar an der Spitze einer Infanteriekompanie gestanden.
Seine Münsteraner Amtszeit fällt zugleich in eine Phase, in der sich die Armee des Kaiserreiches immer stärker auf einen möglichen künftigen großen Krieg vorbereitete. Die Erfahrungen von 1870/71 lagen inzwischen mehr als zwanzig Jahre zurück. Eine neue Soldatengeneration musste unter möglichst realistischen Bedingungen ausgebildet werden.
Der kurz vor Goetzes Amtsantritt eingerichtete Truppenübungsplatz Senne erhielt dabei für das VII. Armee-Korps wachsende Bedeutung.
General der Infanterie Kajetan Viktor Hugo v. Mikusch-Buchberg (ab 1897).
Kajetan Viktor Hugo Eduard Melzer, seit 1869 von Mikusch-Buchberg, wurde am 18. Oktober 1842 in Rawitsch geboren. Er starb am 15. August 1911. Sein Lebensweg unterscheidet sich deutlich von demjenigen seines Vorgängers Goetze. Während Goetze vor allem als langjähriger Truppenoffizier aufgestiegen war, gehörte Mikusch-Buchberg stärker zur Generalstabsschule der preußischen Armee. Er verband allerdings Generalstabsdienst und Truppenführung in bemerkenswerter Weise.
Viktor wurde zunächst unter dem Familiennamen Melzer geboren. Sein Vater war der preußische Major a. D. Eduard Melzer, seine Mutter Emilie, geborene von Mellenthin.
Nach der Scheidung der Eltern heiratete seine Mutter 1857 Wilhelm Franz Mikusch von Buchberg.
Am 27. Februar 1869 wurden Viktor und seine Brüder durch König Wilhelm I. unter dem Namen „von Mikusch-Buchberg“ in den erblichen preußischen Adelsstand erhoben.
Für eine ausführliche Biographie sollte deshalb nicht der Eindruck entstehen, Mikusch-Buchberg sei unter diesem Namen bereits in eine alte preußische Offiziersfamilie hineingeboren worden. Die Nobilitierung erfolgte erst während seiner eigenen militärischen Laufbahn.
Mikusch-Buchberg erhielt seine militärische Ausbildung in den Kadettenhäusern Wahlstatt und Berlin.
Am 6. März 1860 wurde er als Sekondeleutnant dem Westfälischen Jäger-Bataillon Nr. 7 überwiesen.
Hier zeigt sich bereits eine erste Verbindung zu Westfalen.
Er begann seine Offizierslaufbahn also nicht erst Jahrzehnte später im Bereich des VII. Armee-Korps, sondern gehörte bereits als junger Leutnant einem westfälischen Verband an.
Mit dem Westfälischen Jäger-Bataillon Nr. 7 nahm Mikusch-Buchberg am Krieg gegen Dänemark 1864 teil.
Damit gehörte auch er jener Generation von Offizieren an, deren militärische Laufbahn durch die drei Einigungskriege geprägt wurde.
Für den jungen Offizier war dieser Feldzug die erste unmittelbare Kriegserfahrung. Seine weitere Karriere führte ihn jedoch schon bald stärker in Richtung Generalstabsdienst.
Auch am Deutschen Krieg von 1866 nahm Mikusch-Buchberg teil.
Gerade in diesen Jahren entwickelte er sich von einem gewöhnlichen Truppenoffizier zunehmend zu einem für den Generalstabsdienst geeigneten Offizier.
Damit gehörte er zu jener Generation, die unter dem Eindruck der Feldzüge von 1864 und 1866 in das von Moltke geprägte Generalstabssystem hineinwuchs.
Hier wird seine Biographie für unsere Münsteraner Garnisonsgeschichte besonders interessant.
Bei Beginn des Krieges gegen Frankreich wurde Mikusch-Buchberg für die Dauer des mobilen Verhältnisses als Generalstabsoffizier zum Generalkommando des VII. Armee-Korps kommandiert.
Das war genau jenes Korps, dessen Kommandierender General er fast drei Jahrzehnte später werden sollte.
Das VII. Armee-Korps stand 1870 unter General von Zastrow.
Mikusch-Buchberg nahm in seiner Generalstabsverwendung an den Schlachten bei Spichern, Colombey und Gravelotte sowie an den Belagerungen von Metz und Diedenhofen/Thionville teil. Für seine Leistungen erhielt er das Eiserne Kreuz II. Klasse.
Am 26. Februar 1871 wurde er zum Hauptmann und Kompaniechef befördert, blieb aber weiterhin in seiner Verwendung als Generalstabsoffizier.
Damit ist seine Verbindung zum VII. Armee-Korps ungewöhnlich eng:
1870/71 junger Generalstabsoffizier des Korps – 1898 Kommandierender General desselben Korps.
Diese Klammer sollte in unserer Garnisongeschichte unbedingt hervorgehoben werden.
Im Mai 1871 wurde Mikusch-Buchberg dem Generalstab aggregiert. Am 3. Oktober 1871 erfolgte seine Versetzung in den Generalstab der Armee, wobei er zunächst beim Generalstab des VII. Armee-Korps verblieb.
Damit dürfte seine Beziehung zu Münster beziehungsweise zum westfälischen Korpsbereich auch nach dem Feldzug zunächst fortbestanden haben.
1874 kam er in den Generalstab der 17. Division in Schwerin.
Später folgte eine Verwendung im Generalstab des X. Armee-Korps in Hannover. Zwischendurch sammelte er wieder praktische Truppenerfahrung, unter anderem beim Hannoverschen Füsilier-Regiment Nr. 73.
Diese Wechsel waren für Generalstabsoffiziere durchaus charakteristisch: Ein höherer Stabsoffizier sollte nicht ausschließlich am Schreibtisch arbeiten, sondern immer wieder praktische Führungserfahrung bei der Truppe erwerben.
Am 30. April 1885 wurde Mikusch-Buchberg nach Karlsruhe versetzt und zum Chef des Generalstabes des XIV. Armee-Korps ernannt.
Damit erreichte er eine der wichtigen Generalstabspositionen unterhalb des Großen Generalstabes.
Während dieser Verwendung wurde er am 21. Juli 1888 zum Oberst befördert.
Seine Karriere war nun eindeutig auf höhere Führungsverwendungen ausgerichtet.
Kommandeur des Kaiser Franz Garde-Grenadier-Regiments Nr. 2
Trotz seiner ausgeprägten Generalstabslaufbahn erhielt Mikusch-Buchberg anschließend wieder ein bedeutendes Truppenkommando.
Vom 1. April 1889 bis 19. September 1890 führte er das renommierte Kaiser Franz Garde-Grenadier-Regiment Nr. 2.
Damit hatte er nun auch praktische Erfahrung als Regimentskommandeur eines der angesehensten Infanterieregimenter der preußischen Armee gesammelt.
Nach dem Regimentskommando kehrte Mikusch-Buchberg erneut in den Generalstab zurück.
Er wurde Chef des Generalstabes des XI. Armee-Korps in Kassel und am 18. November 1890 zum Generalmajor befördert.
Seine Laufbahn weist damit ein bemerkenswertes Muster auf:
Gerade diese Verbindung galt als wichtige Voraussetzung für höhere Kommandostellen.
Am 22. Dezember 1891 wurde Mikusch-Buchberg nach Württemberg kommandiert.
Dort übernahm er die in Ulm stationierte 54. Infanterie-Brigade (4. Königlich Württembergische) und führte sie bis zum 16. November 1892.
Auch diese Verwendung ist interessant. Ein preußischer General wurde damit in einem der anderen Kontingente eingesetzt, die innerhalb des Reichsheeres weiterhin eine eigene militärische Identität besaßen. Mikusch-Buchberg sammelte somit praktische Erfahrung mit der Zusammenarbeit innerhalb der föderalen Heeresstruktur des Kaiserreiches.
Ende 1892 kehrte er nach Berlin zurück und wurde Oberquartiermeister im Großen Generalstab.
Gleichzeitig gehörte er ab Dezember 1892 der Studienkommission der Kriegsakademie an. Mitte März 1894 wurde er zum Generalleutnant befördert.
Damit hatte Mikusch-Buchberg eine Stellung erreicht, die ihn unmittelbar mit der Ausbildung des militärischen Führungsnachwuchses und der Arbeit des Großen Generalstabes verband.
Er gehörte also nicht nur zu den Nutzern des preußischen Generalstabssystems – er wirkte nun selbst an dessen Fortentwicklung und an der Ausbildung künftiger Generalstabsoffiziere mit.
Am 18. April 1895 übernahm Mikusch-Buchberg die 8. Division.
Damit kehrte er endgültig in die große Truppenführung zurück. Die Stellenbesetzung bestätigt seine Führung der Division vom 18. April 1895 bis zum 4. April 1898.
Im Januar 1898 erhielt er den Kronenorden I. Klasse.
Wenige Monate später folgte der Höhepunkt seiner militärischen Karriere.
Am 5. April 1898 wurde Generalleutnant von Mikusch-Buchberg zum Kommandierenden General des VII. Armee-Korps in Münster ernannt.
Er folgte Robert von Goetze, dessen Amtszeit am 4. April geendet hatte.
Für unsere Reihe ist dieser Tag deshalb eindeutig festzuhalten:
5. April 1898 – Übernahme des VII. Armee-Korps. Nicht 1897.
Am 10. September 1898 wurde Mikusch-Buchberg zum General der Infanterie befördert.
Seine Ernennung hatte eine bemerkenswerte biographische Dimension. Als junger Offizier hatte Mikusch-Buchberg 1870/71 im Generalstab des VII. Armee-Korps gedient. Damals war Heinrich von Zastrow sein Kommandierender General gewesen. Nun, fast drei Jahrzehnte später, saß Mikusch-Buchberg selbst an der Spitze dieses Korps. Aus dem jungen Generalstabsoffizier des Feldzuges von 1870 war der Kommandierende General in Münster geworden.
Generalleutnant Frhr. Ernst Friedrich Wilhelm v. Bülow (ab 1900).
Bei Ernst Freiherr von Bülow haben wir einen Sonderfall: Seine Zeit an der Spitze des VII. Armee-Korps war außerordentlich kurz. Er kam erst Anfang 1900 nach Münster und starb bereits im Mai 1901. Zugleich war er der erste Kommandierende General unserer Reihe, der seine militärische Laufbahn nicht in der preußischen, sondern in der hannoverschen Armee begonnen hatte.
Ernst Friedrich Wilhelm Freiherr von Bülow wurde am 1. Mai 1842 in Stade geboren und starb am 9. Mai 1901 in Bad Ems. Sein Vater, ebenfalls Ernst Friedrich Wilhelm Freiherr von Bülow, war hannoverscher Verwaltungsbeamter und zuletzt Landdrost des Fürstentums Calenberg. Seine Mutter Ernestine entstammte der Familie von Frese. Bülow gehörte dem weitverzweigten niedersächsischen Adelsgeschlecht von Bülow an.
Für unsere Reihe ist die genaue Amtsbezeichnung wichtig: Bülow wurde am 27. Januar 1900 zunächst nur mit der Führung des VII. Armee-Korps beauftragt. Erst am 22. Juli 1900 erfolgte seine förmliche Ernennung zum Kommandierenden General. Er blieb bis zu seinem Tod am 9. Mai 1901 im Amt.
Bülow besuchte zunächst das Gymnasium in seiner Heimatstadt Stade und anschließend das Kadettenkorps des Königreichs Hannover.
Am 21. September 1859 wurde er als Sekondeleutnant dem Garde-Regiment der hannoverschen Armee überwiesen. Ab Oktober 1864 besuchte er mit Unterbrechungen die Militärakademie in Hannover.
Das unterscheidet ihn von nahezu allen bisher behandelten Kommandierenden Generalen.
Bülow war zunächst kein preußischer Offizier.
Er diente einem selbständigen deutschen Staat, dessen Armee 1866 noch gegen Preußen kämpfen sollte.
Damit erhielt der Deutsche Krieg für Bülow eine ganz andere Bedeutung als für Goetze, Mikusch-Buchberg oder Witzendorff. Bülow stand auf hannoverscher Seite.
Die hannoversche Armee geriet nach Kriegsausbruch in eine äußerst schwierige strategische Lage. Nach dem Gefecht beziehungsweise der Schlacht bei Langensalza am 27. Juni 1866, in der die Hannoveraner zwar einen taktischen Erfolg erzielten, war ihre operative Lage aussichtslos. Am 29. Juni kapitulierte die Armee. Das Königreich Hannover wurde anschließend von Preußen annektiert.
Für Offiziere wie Bülow stellte sich damit eine grundlegende Frage: Sollten sie ihre militärische Laufbahn beenden oder in die Armee des bisherigen Gegners eintreten?
Bülow entschied sich für Preußen.
Vom hannoverschen zum preußischen Offizier
Nach der Auflösung der hannoverschen Armee wurde Bülow in die Preußische Armee übernommen.
Dieser Vorgang ist für die Geschichte des preußisch-deutschen Heeres von erheblicher Bedeutung. Nach 1866 mussten zahlreiche Offiziere aus Hannover, Hessen-Kassel, Nassau und anderen annektierten Gebieten in die preußische Heeresorganisation integriert werden.
Bülow gehört zu denjenigen ehemaligen hannoverschen Offizieren, denen diese Integration nicht nur gelang, sondern die später bis in die höchste Generalität aufstiegen.
Damit verkörpert seine Biographie geradezu die Entwicklung von der deutschen Staatenwelt vor 1866 zur Reichsarmee nach 1871. Mit der hannoverschen Armee zog Bülow nun als preußischer Offizier in den Krieg gegen Frankreich.
Damit stand er gemeinsam mit Offizieren und Soldaten im Feld, gegen deren Armee er 1866 noch gekämpft hatte.
Diese Erfahrung war keineswegs ungewöhnlich. Gerade in den nach 1866 neu eingegliederten Provinzen Hannover, Hessen-Nassau und Schleswig-Holstein wurden ehemalige Angehörige der früheren Armeen Teil der preußischen Streitkräfte.
Für die militärische Integration des 1866 erheblich vergrößerten Preußen war dies von großer Bedeutung.
Bülows weitere Laufbahn zeigt, dass seine hannoversche Herkunft seiner Karriere in der preußischen Armee schließlich nicht im Wege stand.
Aufstieg in der preußischen ArmeeNach dem Krieg von 1870/71 setzte Bülow seine Laufbahn in der preußischen Infanterie fort.
Dabei durchlief er die für einen späteren General typische Abfolge von Truppen- und Führungsverwendungen. Schließlich gelangte er in das 2. Garde-Regiment zu Fuß, einen der angesehensten Verbände der preußischen Armee.
Gerade seine späteren Verwendungen im Gardekorps sind bemerkenswert. Ein ehemaliger hannoverscher Offizier war damit vollständig in den innersten Bereich der preußischen Militärtradition integriert worden.
Seine Laufbahn führte ihn schließlich bis in höhere Kommandostellen.
Am 17. Juni 1893 wurde Bülow zum Generalmajor befördert und zum Brigadekommandeur ernannt. Gleichzeitig blieb er mit der Wahrnehmung der Geschäfte der Kommandantur von Potsdam beauftragt.
Potsdam war nicht irgendeine Garnison.
Die Stadt war neben Berlin das eigentliche Zentrum der preußischen Gardetruppen und eng mit dem Hof verbunden. Eine Führungsstellung dort brachte Bülow deshalb in unmittelbare Nähe zur militärischen Elite des Kaiserreiches.
Am 27. Januar 1897 wurde Bülow zunächst zur Vertretung des Kommandeurs der 29. Division in Freiburg im Breisgau kommandiert.
Am 22. März 1897 erfolgte seine Beförderung zum Generalleutnant. Vom 17. April bis 31. August 1897 führte er die 29. Division regulär.
Anschließend erhielt er eine noch prestigeträchtigere Verwendung:
Bülow wurde Kommandeur der 1. Garde-Division.
Damit stand er an der Spitze eines der bedeutendsten Großverbände der preußischen Armee. Die Division gehörte zum Gardekorps und umfasste besonders traditionsreiche Regimenter.
Dass ein Mann, der seine Laufbahn 1859 als hannoversischer Leutnant begonnen hatte, nun die 1. Garde-Division Preußens führte, zeigt besonders eindrucksvoll seinen beruflichen Aufstieg.
Nach dem Ausscheiden Viktor von Mikusch-Buchbergs blieb die Führung des VII. Armee-Korps zunächst für kurze Zeit vakant.
Am 27. Januar 1900 wurde Bülow nach Münster versetzt und mit der Führung des VII. Armee-Korps beauftragt.
Das Datum ist bemerkenswert: Der 27. Januar war der Geburtstag Kaiser Wilhelms II. und traditionell ein Tag zahlreicher militärischer Ernennungen und Beförderungen. Bülow war damals 57 Jahre alt.
Nach fast sechs Monaten der kommissarischen Führung erfolgte am 22. Juli 1900 seine reguläre Ernennung zum Kommandierenden General des VII. Armee-Korps.
Bülow übernahm einen großen, über Westfalen und angrenzende Gebiete verteilten Truppenverband. Die Friedensgliederung von 1900 weist unter anderem die 13. Division in Münster und die 14. Division in Düsseldorf aus. Hinzu kamen Jäger, Fußartillerie, Pioniere, Kavallerie und Train. Auch das Westfälische Train-Bataillon Nr. 7 lag in Münster.
Münster war damit nicht lediglich Sitz des Generalkommandos, sondern weiterhin ein wichtiger militärischer Standort.
Bülows Aufgabe bestand vor allem in der Überwachung der Ausbildung, den Inspektionen der Verbände und der Vorbereitung und Durchführung größerer Übungen und Manöver.
Für eine ausführliche Darstellung seiner Tätigkeit in Münster ergibt sich allerdings ein Problem: Bülow blieb nur etwas mehr als ein Jahr in der Stadt und war lediglich rund zehn Monate regulär Kommandierender General. Deshalb konnte er das VII. Armee-Korps nicht in vergleichbarer Weise prägen wie Stolberg-Wernigerode, Witzendorff oder Albedyll. Dennoch fällt seine Amtszeit in eine ausgesprochen interessante Periode.
Im Sommer 1900 begann der sogenannte Boxeraufstand in China, worauf das Deutsche Reich Truppen für das ostasiatische Expeditionskorps bereitstellte. Auch die preußische Armee musste hierfür Offiziere und Mannschaften abgeben und Ersatz organisieren.
Anlässlich des Ordensfestes im Januar 1901 erhielt Bülow den Roten Adlerorden I. Klasse mit Eichenlaub. Das Militär-Wochenblatt veröffentlichte die entsprechende Auszeichnung.
Zu diesem Zeitpunkt konnte niemand ahnen, dass Bülow nur wenige Monate später sterben würde. Im Frühjahr 1901 hielt sich Bülow in Bad Ems auf. Dort starb er am 9. Mai 1901, nur wenige Tage nach seinem 59. Geburtstag. Sein Tod kam offenbar unerwartet.
Damit trat für das VII. Armee-Korps eine ungewöhnliche Situation ein: Der amtierende Kommandierende General war während seiner Dienstzeit verstorben. Kaiser Wilhelm II. reagierte unmittelbar.
Am 11. Mai 1901 verfügte der Kaiser, dass sämtliche Offiziere des VII. Armee-Korps für drei Tage Trauer anzulegen hatten. Diese Anordnung wurde im Militär-Wochenblatt veröffentlicht. Es zeigt, dass Bülows Tod nicht lediglich als privater Todesfall eines Generals behandelt wurde, sondern im gesamten Armeekorps sichtbar gemacht werden sollte. Man kann sich vorstellen, wie sich dies auch im militärischen Erscheinungsbild Münsters bemerkbar machte – doch sollten wir Einzelheiten zu Trauerfeier, Beflaggung oder Beteiligung Münsteraner Truppen erst dann beschreiben, wenn wir sie in der örtlichen Presse nachgewiesen haben.
Bereits wenige Tage nach Bülows Tod wurde die Nachfolge geregelt.
Am 18. Mai 1901 übernahm Moritz Freiherr von Bissing das VII. Armee-Korps. Er sollte wesentlich länger in Münster bleiben und bis Dezember 1907 an dessen Spitze stehen. Mit Bissing beginnt dann ein Abschnitt, der bereits deutlich in die militärische Entwicklung des frühen 20. Jahrhunderts hineinführt.
Bülow hatte am 5. Mai 1869 auf Burg Hinta Hedwig von Frese geheiratet. Aus der Ehe gingen mehrere Kinder hervor. Das Familienleben wurde von schweren Verlusten überschattet: Zwei Söhne, Cuno und Leopold, starben bereits 1879 im Kindesalter; ein weiterer Sohn, Ernst, war schon 1872 im Geburtsjahr verstorben. Drei Töchter erreichten das Erwachsenenalter. Seine Witwe Hedwig überlebte ihn bis 1918.
Ernst von Bülow gehört nicht wegen der Länge seiner Amtszeit zu den bemerkenswerten Münsteraner Kommandierenden Generalen. Seine Bedeutung liegt vielmehr in seiner Biographie. 1859 begann er als Offizier des Königreichs Hannover. 1866 stand seine Armee Preußen gegenüber. Nach der Annexion Hannovers trat er in preußische Dienste. Schließlich führte ihn seine Laufbahn über das Gardekorps bis an die Spitze des VII. Armee-Korps in Münster. Damit verkörpert Bülow geradezu die militärische Integration Deutschlands in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts.
Seine Münsteraner Amtszeit endete abrupt. Am 9. Mai 1901 starb der Kommandierende General im Amt; zwei Tage später ordnete Kaiser Wilhelm II. für sämtliche Offiziere des VII. Armee-Korps dreitägige Trauer an.
General der Kavallerie Frhr. Moritz Ferdinand v. Bissing (ab 1901).
Der General der Kavallerie Frhr. Moritz Ferdinand v. Bissing war vom 18. 05.1901 bis zum 11. 12.1907 kommandierender General des VII. Armeekorps (Münster).
Moritz Ferdinand Freiherr von Bissing wurde am 30. 01. 1844 in Ober Bellmannsdorf geboren. Sein Vater Moritz von Bissing (1802–1860) war ein Gutsbesitzer, seine Mutter Dorothea (1800–1847) war eine geborene Freiin von Gall.
Im Jahr 1858 wurde v. Bissing in den preußischen Freiherrenstand erhoben.
1865 wurde Bissing Sekondeleutnant und diente ab 1862 als Rittmeister im Königs-Husaren-Regiment (1. Rheinisches) Nr. 7 in Bonn. Ab 1883 gehörte v. Bissing zum Generalstab.
Als persönlicher Adjutant des Prinzen Wilhelm trat er in nähere Beziehung zum späteren Deutschen Kaiser (Wilhem II.). 1888/89 wurde er auch dessen Flügeladjutant.
Ab dem 20. 05.1893 (bis 31.08.1894) kommandierte v. Bissing die 4. Garde-Kavallerie-Brigade. Als Generalmajor kommandierte er der 29. Division ( ab 01.09.1897). Am 27. 01. 1902 stieg v. Bissing zum General der Kavallerie auf. Bereits am 18. 05.1901 war er zum kommandierenden General in Münster ernannt worden.
Seit 1980 im Ruhestand, wurde v. Bissing mit dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges reaktiviert und als Generaloberst zum Kommandierender General des Stellvertretenden Generalkommandos des VII. Armee-Korps ernannt. Mit dem 24. 11.1914 wurde v. Bissing zum Generalgouverneur für das deutsche General-Gouvernement Belgien. Damit übernahm er faktisch die Funktion des Regierungschefs des besetzten Belgiens und erfüllte diese mit harter Hand, z. B. bestätigte er verschiedene Todesurteile (z. B. der britischen Krankenschwester Edith Cavell) und organisierte die Zwangsarbeit und teilweise Deportation von einer großen Zahl von Belgiern nach Deutschland.
Am 18. April 1917 starb v. Bissing in Vilvoorde (Belgien).
General der Kavallerie Friedrich v. Bernhardi (ab 1907).
Gern. Bei Friedrich von Bernhardi kommen wir zu einem der bekanntesten – und wegen seiner späteren militärpolitischen Schriften auch kontrovers diskutierten – Kommandierenden Generale des VII. Armee-Korps. Für unsere Chronologie ist zunächst eine kleine Präzisierung wichtig: Er übernahm die Führung des Korps im Dezember 1907, wurde aber erst am 27. Januar 1908, gleichzeitig mit seiner Beförderung zum General der Kavallerie, regulär Kommandierender General.
Friedrich Adam Julius von Bernhardi wurde am 22. November 1849 in Sankt Petersburg geboren. Seine Familie kehrte 1851 nach Deutschland zurück; Bernhardi wuchs anschließend in Kunnersdorf in Schlesien auf. Sein Vater war der Historiker und Diplomat Theodor von Bernhardi, seine Mutter Charlotte eine Tochter des russischen Admirals Adam Johann von Krusenstern.
Bernhardi gehört zu einer jüngeren Generation als die bisher behandelten Generale. Den Krieg von 1866 erlebte er noch nicht als Offizier. Seine militärische Prägung erfolgte vielmehr im Krieg von 1870/71 und anschließend in der Armee des neu gegründeten Kaiserreiches.
1869 trat Bernhardi als aktiver Offizier in das 2. Hessische Husaren-Regiment Nr. 14 in Kassel ein. Damit begann eine Laufbahn, die von Anfang an eng mit der Kavallerie verbunden war.
Bereits ein Jahr später musste sich der junge Leutnant im Krieg bewähren.
Als Sekondeleutnant zog Bernhardi mit seinem Regiment gegen Frankreich. Für seine Leistungen erhielt er das Eiserne Kreuz II. Klasse. Eine häufig hervorgehobene Episode seiner Biographie ist seine Teilnahme am deutschen Einzug in Paris: Bernhardi gehörte zu den Reitern an der Spitze des Einmarsches durch den Arc de Triomphe.
Damit gehörte er jener Offiziersgeneration an, deren Selbstverständnis entscheidend durch den Sieg von 1870/71 und die Reichsgründung geprägt wurde.
Das sollte für seine spätere Gedankenwelt von erheblicher Bedeutung werden.
Nach einigen Jahren im Truppendienst besuchte Bernhardi von 1875 bis 1878 die Kriegsakademie in Berlin. Anschließend folgte eine Verwendung in der Topographischen Abteilung des Großen Generalstabes. Von 1882 bis 1886 wurde er zu umfangreichen topographischen Arbeiten nach Griechenland kommandiert.
Diese Tätigkeit war militärisch keineswegs nebensächlich. Gute Karten waren eine wesentliche Voraussetzung moderner Operationsplanung. Bernhardi gewann dadurch besondere Erfahrungen in Geländeaufnahme, Kartographie und militärischer Geographie.
Nach seiner Rückkehr wurde er Erster Generalstabsoffizier der 15. Division.
1888 wurde Bernhardi Kompaniechef im Westfälischen Ulanen-Regiment Nr. 5 in Düsseldorf. Damit war er bereits fast zwanzig Jahre vor seiner Berufung nach Münster im Bereich des VII. Armee-Korps tätig.
Wie bei mehreren seiner Vorgänger war Münster für ihn deshalb 1907 kein völlig unbekannter militärischer Raum.
Vom 21. Februar 1891 bis 13. Mai 1894 war Bernhardi deutscher Militärattaché in Bern.
Eine solche Stellung verlangte andere Fähigkeiten als der gewöhnliche Truppendienst. Der Militärattaché beobachtete die militärische Entwicklung des Gastlandes, pflegte Kontakte zu dessen Offizierkorps und berichtete nach Berlin.
Bernhardi gewann damit Erfahrungen auf dem Gebiet der internationalen Militärbeziehungen und der militärpolitischen Beobachtung.
Nach seiner Rückkehr erhielt er wieder ein praktisches Truppenkommando. 1894 wurde Bernhardi Kommandeur des traditionsreichen 1. Badischen Leib-Dragoner-Regiments Nr. 20.
1897 erfolgte seine Beförderung zum Oberst. Im September desselben Jahres wurde er Chef des Generalstabes des XVI. Armee-Korps in Metz.
Damit arbeitete er unter einem der bekanntesten deutschen Generale seiner Zeit, Gottlieb Graf von Haeseler.
Eine für Bernhardis weitere Entwicklung besonders wichtige Aufgabe folgte 1898.
Er wurde Chef der Kriegsgeschichtlichen Abteilung des Großen Generalstabes und zugleich als Lehrer an der Kriegsakademie verwendet.
Bernhardi beschäftigte sich intensiv mit den Feldzügen Friedrichs des Großen, mit Clausewitz und mit den Erfahrungen der Kriege von 1866 und 1870/71. Schon in dieser Zeit trat er zunehmend als Militärschriftsteller hervor. Zu seinen Veröffentlichungen gehörte 1899 die Schrift „Unsere Kavallerie im nächsten Kriege“.
Gerade diese Arbeit zeigt, dass Bernhardi nicht nur historisch zurückblickte. Ihn interessierte vor allem die Frage, welche Folgerungen aus der Vergangenheit für einen künftigen Krieg gezogen werden mussten.
1900 wurde Bernhardi Generalmajor.
Am 18. April 1901 übernahm er die 31. Kavallerie-Brigade in Straßburg. Drei Jahre später, am 24. April 1904, wurde er Generalleutnant und Kommandeur der 7. Division in Magdeburg.
Bemerkenswert ist, dass der Kavallerist Bernhardi damit mehrere Jahre einen gemischten Großverband führte. Dies war eine wichtige Voraussetzung für die spätere Übernahme eines Armeekorps.
Nach dem Ausscheiden Moritz Freiherr von Bissings wurde Bernhardi im Dezember 1907 mit der Führung des VII. Armee-Korps in Münster beauftragt. Eine detaillierte Laufbahnübersicht nennt dafür den 14. Dezember 1907.
Am 27. Januar 1908 erfolgte die reguläre Ernennung zum Kommandierenden General. Gleichzeitig wurde Bernhardi zum General der Kavallerie befördert.
Damit sollte unsere Überschrift für die endgültige Garnisongeschichte präzise lauten:
Bernhardis Münsteraner Amtszeit war erstaunlich kurz.
Bereits 1909 schied er wieder aus dem aktiven Dienst. Die Neue Deutsche Biographie nennt 1909 als Jahr seines Abschieds; detaillierte Laufbahndaten weisen seine Versetzung zur Disposition im Spätsommer 1909 aus.
Damit stand Bernhardi kaum zwei Jahre an der Spitze des VII. Armee-Korps.
Dennoch ist diese kurze Zeit für unsere Garnisonsgeschichte interessant. Münster wurde in diesen Jahren von einem General geführt, der sich intensiv mit der Frage beschäftigte, wie ein künftiger europäischer Krieg aussehen würde.
Dabei sollten wir allerdings seine Münsteraner Amtszeit und seine erst später veröffentlichten politischen Schriften sauber voneinander trennen. Sein bekanntestes und umstrittenstes Werk erschien erst nach seinem Ausscheiden aus dem aktiven Dienst.
Nach seiner Pensionierung widmete sich Bernhardi verstärkt der schriftstellerischen Arbeit. 1910 erschienen unter anderem Arbeiten über Reiterdienst sowie Taktik und Ausbildung der Infanterie. 1911 folgte sein zweibändiges Werk „Vom heutigen Kriege“.
1911/12 unternahm er außerdem eine ausgedehnte Weltreise über England und Ägypten nach Ostasien und über die Vereinigten Staaten zurück nach Deutschland. Nach Darstellung der NDB gewann er dabei den Eindruck, dass die damalige deutsche Weltpolitik die Kräfte des Reiches überdehne. 1912 veröffentlichte Bernhardi das Buch, das seinen Namen international bekannt machte: „Deutschland und der nächste Krieg“.
Darin vertrat er eine stark sozialdarwinistisch und machtpolitisch geprägte Auffassung internationaler Politik und argumentierte für umfassende militärische Vorbereitung auf einen von ihm als wahrscheinlich beziehungsweise unvermeidlich betrachteten europäischen Großkrieg. Das Werk fand im Ausland erhebliche Beachtung und wurde vielfach als Ausdruck aggressiver Strömungen im wilhelminischen Deutschland gelesen. Die NDB bezeichnet Bernhardi in diesem Zusammenhang als einen Exponenten nationalistischer und alldeutscher Bestrebungen und betont zugleich die erhebliche internationale Wirkung des Buches.
Der zwischenzeitlich fast 65-jährige General wurde wieder zum aktiven Dienst herangezogen.
Er führte im Verlauf des Krieges größere Verbände insbesondere an der Ostfront, später auch an der Westfront. Für seine Leistungen erhielt er 1916 den Orden Pour le Mérite. Die NDB nennt ihn zuletzt als Führer einer Armeegruppe. Damit wurde aus dem Militärtheoretiker noch einmal ein praktischer Truppenführer.
Nach dem Krieg widmete sich Bernhardi erneut der schriftstellerischen Tätigkeit. 1927 veröffentlichte er seine „Denkwürdigkeiten aus meinem Leben“, die für unsere weitere Arbeit noch interessant werden könnten: Gerade dort könnten sich persönliche Erinnerungen an seine Zeit als Kommandierender General in Münster finden.
Bernhardi starb 1930 in Kunnersdorf bei Hirschberg in Schlesien. Bei den leicht voneinander abweichenden Tagesangaben in Nachschlagewerken sollten wir uns für eine endgültige Buchfassung auf die archivalisch bzw. biographisch bestgesicherte Angabe stützen; die NDB führt den 10. Juli 1930.
Friedrich von Bernhardi unterscheidet sich deutlich von seinen unmittelbaren Vorgängern. Er war Kavallerist, Generalstabsoffizier, Militärattaché, Militärhistoriker, Lehrer an der Kriegsakademie, Divisionskommandeur und schließlich Kommandierender General. Seine Biographie führt zudem unmittelbar in die militärischen Diskussionen der Jahre vor 1914. Für Münster ist allerdings gerade die zeitliche Trennung wichtig. Als Bernhardi 1907/08 das VII. Armee-Korps übernahm, befand sich Deutschland noch mitten in der langen Friedensperiode seit 1871. Als sein später berühmtes Buch Deutschland und der nächste Krieg 1912 erschien, war er bereits seit mehreren Jahren aus dem Münsteraner Generalkommando ausgeschieden.
General der Kavallerie Karl v. Einem gen. V. Rothmaler (ab 1909).
General der Kavallerie Karl v. Einem gen. v. Rothmaler wurde im Jahre 1909 zum kommandierenden General in Münster ernannt. Seine Familie entstammte dem Stadtadel von Einbeck.
Er trat am 03. 08.1870 als Fähnrich in das 2. Hannoversche Ulanen-Regiment Nr. 14 ein, und nahm am Deutsch-Französischen Krieg (1860/71). erhielt v. Einem sein 1870 Offizierspatent und wurde zum Sekondeleutnant befördert.
In der Zeit von 1873 bis 1876 war v. Einem Adjutant und später Chef einer Eskadron. Anschließend diente er im Großen Generalstab. Ab 1893 (bis 1895) war er Kommandeur des Kürassier-Regiments „von Driesen“ (Westfälisches) Nr. 4, welches überwiegend in Münster seinen Standort hatte.. Am 18. Oktober 1895 wurde v. Einem zum Chef des Generalstabs des VII. Armee-Korps ernannt und im Jahre 1900 mit der Organisation des deutschen Expeditionskorps während des sogenannten in China (1900/ 1901) beschäftigt.
Die Person von Generaloberst Karl Wilhelm Georg August Gottfried von Einem genannt von Rothmaler (* 01. 01.1853 in Herzberg am Harz; † 07. 04.1934 in Mülheim an der Ruhr) ist mit der Garnison Münster im besonderen Maße verbunden.
Er war nicht nur - wie erwähnt - bis 1895 Kommandeur des Kürassier-Regiments von Driesen (Westfälisches) Nr. 4 in Münster, sondern auch Chef des Generalstabs des VII. Armee-Korps (ab 1896) und später (ab 1909) Kommandierender General des VII. Armee-Korps.
Im Jahre 1914 wurde er zum Oberbefehlshaber der 3. Armee ernannt und 1915 schließlich zum Generaloberst befördert. In der Zeit von 1903 bis 1909 war er Kriegsminister gewesen.
Er stand bereits dem jungen Kaiser Wilhelm II. nahe, der ihn auch stets protegierte. In den Vorbemerkungen zu den persönlichen Aufzeichnungen des Generalobersten v. Einem über seine Zeit als Armeeführer im 1. Weltkrieg bezeichnet der Herausgeber dessen fünfjährige Zeit als kommandierender General des VII: Armeekorps als „alles in allem die glücklichste Zeit seines Lebens“ (Junius Alter/ Hrgb., Ein Armeeführer erlebt den Weltkrieg. Persönliche Aufzeichnungen des Generalobersten v. Einem, Leipzig 1938, S. 22).
Am 07.04.April 1934 gegen 4 Uhr morgens starb von Einem im Alter von 81 Jahren in seinem damaligen Wohnort Mühlheim an der Ruhr. Sein Grab befindet sich auf dem auf dem Zentralfriedhof , und zwar im evangelischen Feld West I. An der Beerdigung nahm auch der Sohn Oskar des im niederländischen Exil lebenden Kaisers Wilhelm II. teil.
Nach 1945 wurde v. Einem wegen seiner öffentlich verttretenen ablehnenden Haltung zur Homosexualität und zur geistigen Nähe zum Nationalsozialismus kritisiert.
Eine nach ihm benannte Straße in Berlin wurde im Jahr 2012 bzw. 2013 umbenannt.
General der Infanterie v. Claer (ab 1914).
Mit Eberhard von Claer beginnt ein völlig neuer Abschnitt. Seine Vorgänger führten das VII. Armee-Korps überwiegend als Friedensverband von Münster aus. Claer dagegen übernahm es mitten im Ersten Weltkrieg, als das westfälische Korps bereits schwere Kämpfe hinter sich hatte. Sein Amtssitz war daher faktisch nicht mehr Münster, sondern das jeweilige Hauptquartier des Korps im Felde.
Eberhard Gabriel Laurenz von Claer wurde am 9. August 1856 in Lüben in Schlesien geboren. Er entstammte einer militärisch geprägten Familie. Sein Vater Otto de Claer brachte es ebenfalls zum preußischen Generalleutnant. Die Familie führte ursprünglich den Namen de Claer; 1882 erhielt sie die Genehmigung, fortan die Form von Claer zu führen.
Nach seiner Ausbildung im Kadettenkorps trat Claer am 19. April 1873 als Sekondeleutnant in das Garde-Füsilier-Regiment ein. Er gehörte damit bereits zu einer Generation, die die Einigungskriege nicht mehr selbst als aktive Offiziere erlebt hatte. Als er in die Armee eintrat, lag der Krieg gegen Frankreich erst zwei Jahre zurück, doch das Deutsche Reich war bereits gegründet.
Seine militärische Ausbildung und sein Berufsverständnis wurden daher durch die Erfahrungen von 1866 und 1870/71 geprägt, ohne dass er selbst an diesen Kriegen teilgenommen hatte.
Claers Laufbahn verlief über zahlreiche Truppen- und Stabsverwendungen. Er gehörte lange dem Generalstab an und war auch im Kriegsministerium tätig. Eine zeitgenössische Pressemeldung von 1914 bezeichnete ihn deshalb als einen „hochgebildeten und vielseitigen Offizier“.
Anders als sein späterer Vorgänger Bernhardi war Claer kein ausgesprochener Kavallerist. Seine Laufbahn war eng mit der Infanterie, zugleich aber auch mit Stabsarbeit und später besonders mit dem Ingenieur- und Festungswesen verbunden.
Zu seinen Truppenverwendungen gehörten unter anderem das Infanterie-Regiment Nr. 76, das neu aufgestellte Infanterie-Regiment Nr. 162 und das Lauenburgische Jäger-Bataillon Nr. 9, dessen Kommandeur er wurde. Anschließend diente er beim Königin Elisabeth Garde-Grenadier-Regiment Nr. 3.
Am 18. Oktober 1902 wurde Claer Oberst.
Am 27. Januar 1903 übernahm er als Kommandeur das Garde-Grenadier-Regiment Nr. 5 in Spandau. Damit führte er eines der angesehenen Regimenter der preußischen Garde.
Aufstieg in die Generalität
1907 wurde Claer Kommandeur der 11. Infanterie-Brigade in Brandenburg an der Havel und am 22. März desselben Jahres zum Generalmajor befördert.
Am 22. März 1910 folgte die Beförderung zum Generalleutnant. Wenige Wochen später übernahm er die 22. Division in Kassel.
Bereits im folgenden Jahr wechselte er erneut: Am 13. Juni 1911 wurde Claer Kommandeur der 11. Division in Breslau.
Damit hatte er vor dem Ersten Weltkrieg sowohl Regiment als auch Brigade und Division geführt.
Der nächste Karriereschritt ist für seine spätere Verwendung besonders wichtig.
1913 wurde Claer zum Chef des Ingenieur- und Pionierkorps und Generalinspekteur der Festungen berufen. Damit übernahm er eine der wichtigsten technischen Führungsstellungen der preußischen Armee. Die Quellen nennen hierfür Anfang 1913; detaillierte Laufbahnangaben führen den 1. April, andere Darstellungen den 4. Januar. Für eine endgültige chronologische Tabelle sollten wir dieses Detail noch anhand der amtlichen Ranglisten festlegen.
Am 22. März 1914 wurde Claer zum General der Infanterie befördert.
Damit gehörte er bei Kriegsausbruch zur höchsten preußischen Generalität.
Mit der Mobilmachung im August 1914 wurde Claer als General der Ingenieure und Pioniere beim Großen Hauptquartier verwendet.
Seine besondere Fachkenntnis im Festungs-, Ingenieur- und Pionierwesen war angesichts des erwarteten Angriffs auf belgische und französische Befestigungen von erheblicher Bedeutung.
Am 25. August 1914 wurde er zunächst mit der Führung des neu aufzustellenden XXIV. Reserve-Korps beauftragt.
Doch schon wenige Wochen später erhielt er ein anderes Kommando.
Beim Kriegsausbruch stand das VII. Armee-Korps unter General der Kavallerie Karl von Einem. Das Korps hatte Münster und die westfälischen Garnisonen verlassen und war an die Westfront gezogen. Seine Friedensgliederung umfasste insbesondere die 13. Division in Münster und die 14. Division in Düsseldorf sowie weitere Korpsverbände.
Im September 1914 kam es jedoch zu einem Wechsel in der deutschen Heeresführung.
Der sächsische Generaloberst Max von Hausen musste die Führung der 3. Armee krankheitsbedingt abgeben. Karl von Einem wurde zu seinem Nachfolger als Armeeführer bestimmt.
Damit wurde die Führung des VII. Armee-Korps frei.
Am 12. September 1914 wurde Eberhard von Claer zum neuen Kommandierenden General des VII. Armee-Korps ernannt. Zeitgenössische Zeitungen meldeten diesen Wechsel ausdrücklich.
Damit übernahm Claer das „Westfälische Korps“.
Kein Kommandierender General in Münster
Für unsere Garnisonsgeschichte ist hier eine wichtige Unterscheidung erforderlich.
Claer war formal Kommandierender General jenes Armeekorps, dessen Generalkommando seinen Friedenssitz in Münster hatte.
Er führte dieses Korps jedoch nicht von Münster aus.
Das mobile Generalkommando befand sich im Felde. In Münster bestand währenddessen das stellvertretende Generalkommando des VII. Armee-Korps, das die militärischen Aufgaben im Heimatgebiet wahrnahm.
Claer erhielt sein neues Kommando in einer außerordentlich schwierigen Situation.
Der deutsche Vormarsch durch Belgien und Nordfrankreich war nach der Marneschlacht zum Stillstand gekommen. Die deutschen Armeen gingen hinter die Aisne zurück.
Als Claer am 12. September das VII. Armee-Korps übernahm, kämpfte dieses am rechten Flügel der 2. Armee. Das Korps verteidigte die Höhen östlich des Aisne-Marne-Kanals.
Bis zum 20. September behaupteten beziehungsweise erkämpften seine Verbände eine Linie im Raum Orainville–Merlet–Aguilcourt–Guignicourt.
Damit fiel Claers Amtsantritt unmittelbar in den Übergang vom Bewegungskrieg zum Stellungskrieg.
Anfang Oktober wurde das VII. Armee-Korps der 6. Armee des bayerischen Kronprinzen Rupprecht unterstellt.
Nun wurde das Korps nach Norden verlegt.
Es folgten die schweren Kämpfe während des sogenannten Wettlaufs zum Meer und im Raum Arras. Teile der 13. Division unterstützten zunächst die Kämpfe bei Souchez, während die 14. Division weiter nach Norden verlegt wurde.
Im Oktober 1914 kämpften die westfälischen Verbände dann unter anderem im Raum Neuve-Chapelle und Givenchy.
Für die Soldaten des VII. Armee-Korps begann damit jener Stellungskrieg, der das Bild der Westfront in den folgenden Jahren bestimmen sollte.
Im Winter 1914/15 lag das Korps im nordfranzösisch-flandrischen Frontgebiet.
Eine britische Darstellung der Winteroperationen nennt ausdrücklich das VII. Armee-Korps unter General von Claer mit seinen beiden Divisionen: der 13. Division unter Generalleutnant Kurt von dem Borne und der 14. Division unter Generalleutnant Paul Fleck. Das Korps hielt Abschnitte gegenüber britischen und indischen Verbänden im Raum Neuve-Chapelle.
Die westfälischen Regimenter, die wenige Monate zuvor noch in Münster, Paderborn, Minden, Detmold oder anderen Garnisonen gelegen hatten, standen nun dauerhaft in Schützengräben.
Im März 1915 wurde das Korps in die Schlacht von Neuve-Chapelle hineingezogen. Es folgten weitere schwere Kämpfe im Frühjahr und Frühsommer 1915 im Raum La Bassée und Arras.
Damit führte Claer das VII. Armee-Korps während einer Phase, in der der improvisierte Stellungskrieg des Herbstes 1914 zunehmend zu einem technisch und materiell immer aufwendigeren Grabenkampf wurde.
Hier dürfte ihm seine vorherige Erfahrung als Chef des Ingenieur- und Pionierkorps durchaus zugutegekommen sein. Wie weit sich dies allerdings konkret in der Führung des VII. Armee-Korps nachweisen lässt, müsste anhand der Korpsakten und Kriegstagebücher untersucht werden.
Am 29. Juni 1915 endete Claers Führung des VII. Armee-Korps.
Am selben Tag verlieh ihm Kaiser Wilhelm II. den Orden Pour le Mérite, die höchste preußische militärische Tapferkeits- beziehungsweise Verdienstdekoration für Offiziere.
Sein Nachfolger als Kommandierender General wurde General der Infanterie Hermann von François.
Damit hatte Claer das westfälische Korps etwas mehr als neun Monate geführt.
Claer kehrte anschließend als General der Ingenieure und Pioniere in das Große Hauptquartier zurück.
Diese erneute Verwendung entsprach seiner besonderen fachlichen Qualifikation.
Allerdings war Claer offenbar mit der ihm dort zugedachten Stellung beziehungsweise Aufgabe nicht zufrieden. Die biographische Überlieferung berichtet, dass ihn diese Verwendung schließlich veranlasste, um seinen Abschied zu bitten.
Am 3. Juli 1916 wurde er unter Stellung à la suite des Garde-Grenadier-Regiments Nr. 5 zur Disposition gestellt.
Damit endete seine aktive militärische Laufbahn nach mehr als 43 Dienstjahren.
Claer überlebte den Ersten Weltkrieg um fast drei Jahrzehnte.
Seine Ehefrau Magdalena, geborene von Heyden, starb 1944. Eberhard von Claer selbst erlebte noch die letzten Wochen des Zweiten Weltkrieges.
Er starb am 28. April 1945 in Bad Langensalza, wenige Tage vor dem Ende des Krieges in Europa. Als Begräbnisstätte wird der Berliner Invalidenfriedhof genannt.
Claer war Kommandierender General des VII. Armee-Korps, aber nicht mehr Kommandierender General in Münster im eigentlichen Friedenssinne.Als er das Kommando am 12. September 1914 übernahm, befanden sich die Münsteraner und westfälischen Truppen bereits im Krieg. Das mobile Generalkommando war an der Front. Münster selbst wurde militärisch durch das stellvertretende Generalkommando geprägt.
General der Infanterie v. Francois (ab 1915).
Hermann Karl Bruno von François wurde am 31. Januar 1856 in Luxemburg geboren und starb am 15. Mai 1933 in Berlin-Lichterfelde. Er entstammte einer ausgeprägten preußischen Offiziersfamilie. Sein Vater Bruno von François war preußischer Generalmajor und fiel 1870 im Krieg gegen Frankreich. Auch seine Brüder Curt und Hugo schlugen militärische beziehungsweise koloniale Laufbahnen ein.
François gehört zu den bekanntesten deutschen Truppenführern des Ersten Weltkrieges. Sein Name ist vor allem mit Stallupönen, Tannenberg, Gorlice-Tarnów und Verdun verbunden. Gleichzeitig galt er als ausgesprochen selbstbewusster und eigenwilliger Befehlshaber, der mehrfach Anweisungen seiner Vorgesetzten nur eingeschränkt oder verzögert ausführte. Diese Eigenschaft trug sowohl zu seinem militärischen Ruf als auch zu Konflikten innerhalb der höheren Führung bei.
François besuchte die Kadettenanstalten in Wahlstatt und Berlin und war zeitweise Page Kaiser Wilhelms I. Am 15. April 1875 trat er als Sekondeleutnant in das traditionsreiche 1. Garde-Regiment zu Fuß in Potsdam ein.
Anders als zahlreiche ältere Kommandierende Generale des VII. Armee-Korps hatte François an den Einigungskriegen nicht mehr selbst teilgenommen. Seine militärische Laufbahn begann erst nach der Reichsgründung.
Von 1884 bis 1887 besuchte er die Kriegsakademie. Anschließend wurde er zum Großen Generalstab kommandiert und 1889 als Hauptmann in den Generalstab der Armee übernommen. Es folgten verschiedene Generalstabs- und Truppenverwendungen.
François gehörte damit zu jener jüngeren Generalstabsgeneration, die ihre Vorstellungen vom Krieg zwar aus der Analyse von 1866 und 1870/71 entwickelte, selbst aber erst 1914 mit einem europäischen Großkrieg konfrontiert wurde.
Seine weitere Laufbahn führte François wiederholt zwischen Generalstab und Truppe hin und her. 1903 wurde er Oberst. Ab August 1904 führte er das Königin Elisabeth Garde-Grenadier-Regiment Nr. 3 in Charlottenburg. 1907 erhielt er die Führung der 49. Infanterie-Brigade (1. Großherzoglich Hessische) und wurde am 27. Januar 1908 zum Generalmajor befördert.
Dann folgte eine Verwendung, die für unsere Garnisonsgeschichte von unmittelbarer Bedeutung ist.
Am 20. März 1911 wurde François zum Generalleutnant befördert und gleichzeitig zum Kommandeur der 13. Division in Münster ernannt.
Damit lebte und wirkte François mehr als zwei Jahre in Münster.
Die 13. Division bildete zusammen mit der in Düsseldorf stationierten 14. Division den Kern des VII. Armee-Korps. François lernte somit bereits in Friedenszeiten die westfälischen Truppen, ihre Offiziere und die Ausbildungsbedingungen des Korps kennen.
Das unterscheidet ihn deutlich von Claer, der das VII. Armee-Korps erst während des Krieges übernahm.
Für unsere spätere Vertiefung ist François' Tätigkeit als Divisionskommandeur in Münster von 1911 bis 1913 deshalb fast ebenso interessant wie seine spätere Führung des Korps. Hier dürften sich in der Münsteraner Presse zahlreiche Hinweise auf Manöver, Paraden, Kaisergeburtstage und gesellschaftliche Veranstaltungen finden lassen.
Am 1. Oktober 1913 verließ François Münster. Er wurde zum Kommandierenden General des I. Armee-Korps in Königsberg ernannt. Bereits am 19. August 1914 erfolgte seine Beförderung zum General der Infanterie.
Mit dem I. Armee-Korps stand François bei Ausbruch des Ersten Weltkrieges im Mittelpunkt der Kämpfe um Ostpreußen
Bereits in den ersten Kriegstagen zeigte sich eine Eigenschaft, die François' militärische Laufbahn im Weltkrieg bestimmen sollte: seine ausgeprägte Bereitschaft, aufgrund der Lagebeurteilung vor Ort selbständig zu handeln – auch wenn dies mit den Absichten seiner Vorgesetzten kollidierte.
Bei Stallupönen setzte er sein Korps entgegen der vorsichtigeren Operationsführung der 8. Armee offensiv ein. Wenige Tage später spielte das I. Armee-Korps auch in der Schlacht bei Gumbinnen eine wichtige Rolle. Zeitgenössische und spätere Darstellungen beurteilen François' eigenmächtige Entscheidungen unterschiedlich; unstrittig ist jedoch, dass sie zu Spannungen mit der Armeeführung führten.
Noch bekannter wurde sein Verhalten während der Schlacht bei Tannenberg Ende August 1914.
François widersetzte sich beziehungsweise verzögerte mehrfach Befehle Hindenburgs und Ludendorffs, weil er insbesondere den Einsatz seiner Artillerie abwarten wollte. Nachdem sein Angriff schließlich begann, trug das I. Armee-Korps wesentlich zur Umfassung der russischen 2. Armee bei.
Damit gehörte François zu den wichtigen Truppenführern des deutschen Sieges bei Tannenberg.
Sein Verhältnis zu Hindenburg und vor allem Ludendorff blieb jedoch belastet.
Im Oktober 1914 erhielt François sogar vorübergehend den Oberbefehl über die 8. Armee. Die LWL-Biographie nennt den 9. Oktober als Beginn dieser Verwendung. Sie war jedoch nur von kurzer Dauer. Bereits Anfang November wurde François wieder abgelöst.
Damit zeigte sich ein wiederkehrendes Muster seiner Karriere:
François konnte als energischer Truppenführer große Erfolge erzielen, tat sich aber mit der Einordnung in eine übergeordnete Führungsstruktur offenbar schwer.
Am 24. Dezember 1914 erhielt François die Führung des neu aufgestellten XXXXI. Reserve-Korps.
Nach einem Einsatz im Westen wurde das Korps im Frühjahr 1915 nach Galizien verlegt. Dort nahm es im Verband der 11. Armee unter Mackensen an der großen deutschen Offensive von Gorlice-Tarnów teil.
Die Operation begann Anfang Mai 1915 und führte zu einem weitreichenden Durchbruch der russischen Front.
Für die Leistungen seines Korps erhielt François am 14. Mai 1915 den Orden Pour le Mérite.
Nach der Rückeroberung Lembergs endete diese Verwendung.
Dann führte ihn sein Weg wieder zu jenem Korps, das er aus seiner Münsteraner Zeit bereits gut kannte.
Am 29. Juni 1915 übernahm General der Infanterie Hermann von François die Führung des VII. Armee-Korps von Eberhard von Claer. Die LWL-Datenbank führt François als Kommandierenden General des Korps von Juni 1915 bis zum 6. Juli 1918.
Damit kehrte François gewissermaßen zu seinen früheren westfälischen Truppen zurück.
Allerdings galt wiederum:
Er war nun Kommandierender General des VII. Armee-Korps, aber nicht mehr Kommandierender General in Münster im Friedenssinne.
Das mobile Generalkommando befand sich an der Front. In Münster führte weiterhin das stellvertretende Generalkommando die militärischen Aufgaben des Heimatgebietes.
Der wohl bedeutendste Abschnitt seiner Tätigkeit als Kommandierender General des VII. Armee-Korps begann 1916.
Das Korps wurde im Rahmen der 5. Armee in die Kämpfe um Verdun einbezogen. Mitte Juli 1916 erhielt François zusätzlich die Führung der westlichen Angriffsgruppe an der Maas.
Damit trug der frühere Münsteraner Divisionskommandeur Verantwortung in einer der verlustreichsten Schlachten des Ersten Weltkrieges.
Für unsere Garnisonsgeschichte ergibt sich hier ein besonders wichtiger Ansatz: Wir sollten später nicht nur François' Führung betrachten, sondern gezielt untersuchen, welche westfälischen und insbesondere mit Münster verbundenen Verbände des VII. Armee-Korps unter ihm bei Verdun eingesetzt wurden und welche Verluste sie erlitten.
Das würde die Verbindung zwischen der Heimatgarnison und dem Frontgeschehen wesentlich deutlicher machen.
Auch 1917 blieb François mit seinem Korps an der Westfront eingesetzt.
In der Zweiten Aisneschlacht im Frühjahr 1917 standen seine Verbände wiederum in schweren Abwehrkämpfen. Seine Leistungen bei Verdun und an der Aisne wurden schließlich mit einer weiteren hohen Auszeichnung gewürdigt.
Am 27. Juli 1917 erhielt François das Eichenlaub zum Pour le Mérite.
Damit gehörte er zum relativ kleinen Kreis deutscher Generale, denen im Weltkrieg diese Steigerung des Ordens verliehen wurde.
François führte das VII. Armee-Korps auch noch während der deutschen Frühjahrsoffensiven des Jahres 1918.
Ende Mai beteiligte sich das Korps im Verband der 7. Armee an der Offensive zwischen Soissons und Reims. Nach dem zunächst weitreichenden deutschen Vormarsch zwangen alliierte Gegenmaßnahmen die deutschen Verbände jedoch wieder zum Rückzug beziehungsweise zur Verkürzung ihrer Front.
Damit hatte François sein westfälisches Korps über drei Jahre lang durch einige der schwersten Kämpfe des Weltkrieges geführt.
Am 6. Juli 1918 gab François die Führung des VII. Armee-Korps ab.
Sein Nachfolger wurde Generalleutnant Wilhelm von Woyna, der das Korps bis zum Kriegsende führen sollte.
François erhielt kein neues bedeutendes Frontkommando mehr. Am 14. Oktober 1918 wurde er unter Verleihung des Großkreuzes des Roten Adlerordens mit Eichenlaub und Schwertern zur Disposition gestellt.
Damit endete seine mehr als vier Jahrzehnte dauernde aktive Militärlaufbahn.
Nach dem Krieg trat François als militärhistorischer Schriftsteller hervor.
Er veröffentlichte mehrere Arbeiten über die Feldzüge und Schlachten des Weltkrieges. Dazu gehörte insbesondere „Marneschlacht und Tannenberg“ von 1920. Außerdem beschäftigte er sich mit der militärischen Tätigkeit des deutschen Kronprinzen Wilhelm, unter dessen Heeresgruppe das VII. Armee-Korps zeitweise gekämpft hatte.
1925 erhielt François für seine militärhistorischen Arbeiten beziehungsweise in Erinnerung an seine Leistungen im Feldzug von 1915 eine Ehrendoktorwürde.
Er starb am 15. Mai 1933 in Berlin-Lichterfelde.
François besitzt unter den Kommandierenden Generalen des VII. Armee-Korps eine besondere Stellung, weil seine Beziehung zu Münster in zwei deutlich voneinander getrennte Abschnitte fällt:
1911–1913 war er Kommandeur der 13. Division in Münster. Hier erlebte er das VII. Armee-Korps noch als Friedensverband des Kaiserreiches.
1915–1918 führte er dasselbe Korps als Kommandierender General im Weltkrieg.
Dazwischen lagen Königsberg, Stallupönen, Gumbinnen, Tannenberg, die vorübergehende Führung der 8. Armee und Gorlice-Tarnów.
Generalleutnant v. Woyna (ab 1918).
Wilhelm Friedrich Karl von Woyna wurde am 7. Mai 1863 in Königsberg geboren. Er entstammte einer preußischen Offiziersfamilie. Sein Vater war der spätere General der Infanterie Wilhelm von Woyna, seine Mutter Antonia, geborene von Bismarck. Auch der Sohn schlug damit einen für seine Herkunft typischen militärischen Berufsweg ein.
Er war deutlich jünger als François oder Claer. Als 1870 der Krieg gegen Frankreich begann, war Woyna erst sieben Jahre alt. Er gehörte damit vollständig zu jener Offiziersgeneration, die im Deutschen Kaiserreich aufwuchs und ihre erste große Kriegserfahrung erst 1914 machte.
Nach seiner Ausbildung im Kadettenkorps trat Woyna am 15. April 1882 als Sekondeleutnant in das Kaiser Alexander Garde-Grenadier-Regiment Nr. 1 ein. Damit begann er seine Laufbahn in einem der angesehensten Regimenter der preußischen Garde.
Schon früh zeigte sich seine Eignung für höhere Stabsverwendungen. Er besuchte die Kriegsakademie und wurde anschließend zum Großen Generalstab kommandiert.
Wie bei zahlreichen späteren Generalen wechselten sich in seiner Karriere Generalstabs- und Truppenverwendungen ab.
Woyna entwickelte sich zunehmend zum Generalstabsoffizier. Er wurde in verschiedenen Stäben verwendet und sammelte gleichzeitig praktische Führungserfahrung bei der Truppe.
Seine Laufbahn führte ihn schließlich in höhere Kommandostellen. Vor dem Ersten Weltkrieg gehörte er bereits zur Führungsschicht der preußischen Armee. Am 22. März 1912 wurde er zum Generalmajor befördert.
Bei Kriegsausbruch 1914 stand somit ein erfahrener Stabs- und Truppenoffizier zur Verfügung.
Während des Weltkrieges führte Woyna verschiedene größere Verbände.
Besonders wichtig wurde seine Tätigkeit als Divisionskommandeur. Im Juni 1915 übernahm er die 3. Garde-Division, die an der Westfront eingesetzt wurde.
Damit führte Woyna einen der angesehensten Großverbände des deutschen Heeres.
Unter seinem Kommando war die Division in schwere Kämpfe verwickelt. Dazu gehörten Einsätze während der großen Materialschlachten des Weltkrieges. Seine Kriegserfahrung unterschied sich damit grundlegend von derjenigen der Generale des 19. Jahrhunderts: Woyna war ein Truppenführer des industrialisierten Massenkrieges mit Maschinengewehren, schwerster Artillerie, ausgebauten Grabensystemen und immer größeren Materialkonzentrationen.
Während des Krieges erfolgte seine Beförderung zum Generalleutnant.
Woyna gehörte damit 1918 zu den erfahrenen deutschen Divisionsführern. Gerade dies dürfte ein wesentlicher Grund dafür gewesen sein, dass ihm im letzten Kriegsjahr noch ein Armeekorps anvertraut wurde.
Und dieses Korps war das VII. Armee-Korps.
Am 6./7. Juli 1918 kam es zum Führungswechsel. General der Infanterie Hermann von François schied aus der Führung des VII. Armee-Korps aus. Generalleutnant Wilhelm von Woyna wurde mit der Führung des Korps beauftragt und übernahm es Anfang Juli 1918. Die Stellenbesetzungen nennen regelmäßig den 7. Juli 1918 als Beginn seiner Führung.
Damit war Woyna der letzte Führer des VII. Armee-Korps im Ersten Weltkrieg.
Die Bezeichnung sollte deshalb für unsere Garnisonsgeschichte möglichst genau lauten:
Woyna übernahm das VII. Armee-Korps in einem denkbar ungünstigen Augenblick. Die großen deutschen Frühjahrsoffensiven von 1918 hatten ihre Ziele nicht erreicht. Zwar waren die deutschen Armeen weit vorgedrungen, doch die Verluste waren enorm gewesen. Die Reserven wurden knapp, während auf alliierter Seite immer mehr amerikanische Soldaten eintrafen. Als Woyna das VII. Armee-Korps übernahm, war die strategische Initiative der deutschen Armee bereits im Begriff, endgültig verloren zu gehen. Nur wenige Tage später begann am 15. Juli 1918 die letzte große deutsche Offensive an der Marne.
Am 18. Juli folgte der alliierte Gegenangriff. Damit begann die Phase, die schließlich in den deutschen Rückzug mündete. Die letzten Kämpfe des VII. Armee-Korps
Woynas Aufgabe unterschied sich damit fundamental von derjenigen François' in den Jahren 1915 bis 1917.
Es ging nun kaum noch um langfristige deutsche Angriffsoperationen. Immer stärker standen Abwehr, Rückzug und Erhaltung der Kampffähigkeit im Vordergrund.
Nach der alliierten Offensive bei Amiens am 8. August 1918 geriet die deutsche Westfront zunehmend unter Druck.
Die deutschen Armeen mussten schrittweise die seit Jahren gehaltenen Stellungen räumen.
Auch das VII. Armee-Korps wurde in diese Rückzugskämpfe hineingezogen. Woyna hatte nun Verbände zu führen, die nach vier Kriegsjahren erhebliche Verluste erlitten hatten und deren Ersatz zunehmend weniger gut ausgebildet war.
Im September und Oktober 1918 wurde die Lage immer schwieriger.
Die Alliierten griffen an zahlreichen Frontabschnitten gleichzeitig an. Die deutsche Armee musste die Hindenburgstellung räumen und sich in Richtung der belgischen und deutschen Grenze zurückziehen.
Gleichzeitig verschärfte sich die politische Krise im Deutschen Reich.
Damit war das VII. Armee-Korps nicht mehr nur mit einem militärischen Gegner konfrontiert. Die Soldaten erfuhren von Friedensverhandlungen, politischen Veränderungen und schließlich von der Revolution in Deutschland.
Die Armee, in der Woyna fast vier Jahrzehnte gedient hatte, begann sich unter den Bedingungen der Niederlage grundlegend zu verändern.
Mit dem Waffenstillstand von Compiègne am 11. November 1918 endeten die Kampfhandlungen.
Für Woyna und das VII. Armee-Korps war der Krieg damit jedoch organisatorisch noch keineswegs beendet. Nun begann eine militärisch anspruchsvolle Aufgabe: der geordnete Rückmarsch nach Deutschland.
Millionen deutscher Soldaten mussten innerhalb der im Waffenstillstand festgelegten Fristen die besetzten Gebiete räumen. Material, Geschütze, Fahrzeuge und Versorgungseinrichtungen mussten zurückgeführt oder entsprechend den Waffenstillstandsbedingungen abgegeben werden.
Gleichzeitig befand sich Deutschland mitten in der Revolution. Das VII. Armee-Korps war im August 1914 aus seinem westfälischen Friedensbereich in den Krieg gezogen.
Mehr als vier Jahre später kehrten seine Verbände zurück.
Aber das Deutschland, in das sie heimkehrten, war nicht mehr jenes Kaiserreich, das sie 1914 verlassen hatten. Der Kaiser hatte abgedankt. Die Monarchie war zusammengebrochen. Arbeiter- und Soldatenräte waren entstanden. Die alte preußische Armee befand sich in Auflösung.
Die Demobilisierung bedeutete schließlich auch das Ende des alten VII. Armee-Korps.
Mit der Bildung des Übergangsheeres und anschließend der Reichswehr verschwand die bisherige preußische Korpsorganisation.
Damit endete eine Institution, deren Generalkommando seit dem frühen 19. Jahrhundert aufs Engste mit Münster verbunden gewesen war.
Woyna war ihr letzter militärischer Führer.
1919 schied auch er aus dem aktiven Militärdienst aus.
Nach seiner Verabschiedung lebte Woyna als pensionierter Generalleutnant. Anders als François oder Bernhardi trat er nach dem Krieg nicht in vergleichbarer Weise als weithin bekannter militärpolitischer Schriftsteller hervor. Deshalb ist er heute erheblich weniger bekannt als seine beiden unmittelbaren Vorgänger.
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Text wird ergänzt.
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