Militärische Kopfbedeckungen im Wandel der Zeit -5. Teil - Moderne II. Von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis zum Ende des Ersten Weltkrieges (1840 bis 1918) - mit Zeichnungen des Verfassers

Der Beitrag wird laufend ergänzt bzw. vervollständigt. Nachfolgend wird - in mehreren Teilen - vordergründig die Geschichte der militärischen Kopfbedeckungen aufgezeigt und damit gleichzeitig in einer Art Überblick auch die Geschichte des Soldaten von der Antike bis in die Neuzeit dargestellt.

Preußische Flügelmütze - Modell 1843 - für einen Offizier im Landwehr-Husaren-Regiment Nr. 5.

Im Jahre 1808 gehörten zur preußischen Armee neben dem Leibregiment noch 5 weitere Husaren-Regimenter. Ersteres wurde bereits am 20.12.1808 geteilt.

Im Jahre 1815 existierten neben der Garde und den 1. und 2. Leib-Regiment noch 10 weitere Husaren-Regimenter.

Die Husaren trugen zunächst den üblichen Kavallerie-Tschako. Im Jahre 1843 (16.06.) wurden Flügelmützen aus Filz eingeführt. Nur die Garde und die Regimenter Nr. 3 und 10 erhielten Pelzmützen.

Um die schwarzen Filzmützen wurde ein schwarzer - farbig gefütterter - Tuchstreifen gewickelt, der in der Spitze endete. Zur Parade ließ man ihn zu Parade herunter hängen.

Zur Flügelmütze gehörten konvexe Messingschuppenketten, aber erst seit 1847 erlaubt, allerdings nicht zur Parade.

An der Mütze waren Fangschnüre angebracht und ein stehender (weißer) Haarbusch angebracht.

Auf der rechten Seite der Mütze sass die preußische Kokarde. Diese war für Offiziere schwarz-silbern.

Preußische Pickelhaube in der ursprünglichen Ausführung (1842). Nach Paul Pietsch.

Am 23.10.1842 wurde in Preußen mit dem Waffenrock die Pickelhaube als moderne Kopfbedeckung eingeführt, sie löste den viel zu schweren Tschako ab.

Zunächst war die Pickelhaube aber beinahe doppelt so hoch wie später, erst im Laufe der Zeit entwickelte sie sich zu einer ausgesprochen eleganten Kopfbedeckung. Der Augenschirm war eckig, der lange Nackenschirm geschweift.

Pickelhaube in der letzten Ausführung. Koppelschlloss. Überzug. Detail der Schärpe. Nach Realien.

Die Pickelhaube wurde nach und nach von allen anderen deutschen Bundesstaaten übernommen und teilweise auch im Ausland getragen, z. B. in Schweden, in Russland und auch in Großbritannien.

Rückansicht der Pickelhaube mit und ohne Nackenschiene. Nur kurze Zeit gebräuchliche besondere Aufhängung des Kinnriemens. Nach Paul Pietsch.

Die Pickelhaube (Helm) wurde als schwarz lackierter Lederhelm mit unterschiedlichem Helmzierrat/ - beschlag von den meisten Waffengattungen/ Truppenteilen des Reichsheeres getragen. Die Kürassiere, die sächsischen schweren Reiter (Gardereiter/ Karabiniers) und die Jäger zu Pferde trugen metallene Modelle mit lang heruntergezogenen Hinterschirm. Die Artillerie hatte (außer – bis 1916 - der bayerischen) eine Kugel statt der typischen Spitze als Helmaufsatz. Daneben wurden von den Jäger-, Telegraphen-, Luftschiffer-, Flieger-Bataillonen sowie von den Maschinengewehr-Abteilungen Tschakos getragen. Die Ulanen trugen die auf polnische Vorbilder zurück gehende Tschapka und die Husaren führten seit 1850 Pelzmützen.

Seit dem 22.03.1897 wurde rechts am Helm die Reichskokarde getragen, die Landeskokarde wurde nunmehr links angebracht.

Ab 1884 wurden bei Manövern weiße Kappen getragen. Seit 1892 (17.05.) fanden den ganzen Helm bedeckende schilfgrüne Überzüge Verwendung. Diese zeigten die jeweilige Regimentsnummer in roter Farbe (28.01.1897).

Links: Helm mit weißer Manöverkappe (um 1884-92). Rechts: Trichter mit Helmbusch. Nach Paul Pietsch.

Ab 1887 wurde bei der preußischen Pickelhaube die Kugelverzierung durch einen umlaufenden Wulst ersetzt. Diese Vereinfachung galt nicht für die Helme der Offiziere.

Ab dem 08.01.1891 wurde eine neue - hier dargestellte - Art der Befestigung der Schuppenketten verbindlich, die die Haken ablöste. Jetzt hatte der Augenschirm auch wieder eine stabilisierende Schiene.

Die Garde-Infanterie und auch andere Regimenten trugen zur Parade weiße oder schwarze Haarbüsche, die Spielleute hatten wie üblich rote Haarbüsche.

Details der preußuschen Infanterie, u. A. die Feldmütze.

Preussische Mannschaften trugen zu verschiedenen Gelegenheit die unschöne schirmlose Feldmütze. Die Mütze bestand aus dunkelblauem Tuch mit (bei der Infanterie) ponceauroten Besatzstreifen und eben solchen Vorstoß um den Deckelrand. Vor 1897 wurde nur die jeweilige Landeskokarde (auf dem Besatzstreifen) getragen. Seit 1897 wurde an der Feldmütze die Reichskokarde vorn auf dem Mützendeckel getragen

Musketier aus dem Infanterie-Regiment Herwarth von Bittenfeld (1. Westfälisches) Nr. 13 im Ausgehanzug (mit Eigentumsmütze mit Schirm). Nach einem zeitgenössischen Foto.

Die Feldmütze mit Schirm - wie hier dargestellt - war nicht etatmäßig, es handelt sich deshalb auf den zeitgenössischen Fotos von Mannschaften im Ausgehanzug regelmäßig um Eigentumsstücke.

Helm (Modell 1889) eines Kürassiers aus dem preußischen Kürassier Regiment Nr. 2 mit dem besonderen Bandeau. Um 1900. Nach einem Originalstück.

1914 gab es im deutschen Reichsheer neben dem Regiment der Gardes du Corps (Potsdam) und dem Garde-Kürassier-Regiment (Berlin) 8 Linien-Kürassier-Regimenter zu je 5 Eskadronen.

Die preußischen Kürassiere trugen (seit 1843) grundsätzlich Helme von hellpolierten Eisen mit messingenem Beschlag und gewölbten Schuppenketten.

Das Regiment der Gardes du Corps trug allerdings wie das Garde-Kürassier-Regiment und das Kürassier-Regiment Nr. 6 Helme und Schuppenketten von Tombak und Beschlag von Neusilber.

Hinsichtlich des Helmzierrats gab es bei einigen Linien-Regimentern Besonderheiten, so beim Leib-Kürassier-Regiment Großer Kurfürst (Schlesisches) Nr. 1. Dieses Regiment trug Helme von weißem Eisen mit gelben Schuppenketten und einem Helmzierat aus Messing. Zunächst wurde der heraldische Adler geführt. Später (1902) erhielt die Einheit den fridericianischen Adler mit dem Devisenband: PRO GLORIA ET PATRIA.

Das Kürassier-Regiment Königin (Pommersches) Nr. 2 trug ab 1861 das (hier dargestellte) besondere Helmbandeau, welches an die Schlacht bei Hohenfriedberg (auch Schlacht bei Hohenfriedeberg oder Schlacht bei Striegau) fand am 4. Juni 1745 während des Zweiten Schlesischen Krieges erinnern sollte.

Helm eines Offiziers der preußischen Garde-Dragoner. Nach einem Originalstück.

Dragoner waren ursprünglich als berittene Infanterie entstanden. 1914 gab es im deutschen Reichsheer insgesamt 26 Dragoner-Regimenter, darunter 2 meckenburgische (Nr. 17, 18), 2 hessische (Nr. 23, 24) und 2 württembergische (Nr. 25, 26).

Die Dragoner trugen als Kopfbedeckung einen Helm von schwarz-lackiertem Leder mit eckigem Vorder- und wenig abgerundetem Hinterschirm, Kreuzblatt und dem Dragoneralder mit dem Devisenband: MIR GOTT FÜR KÖNIG UND VATERLAND. Bei den beiden Garde-Regimentern diente als Helmzierrat der Gardeadler mit Stern. Auch andere Dragoner-Regimenter führten am Helm besonderen Helmzierrat.

Anmerkungen zum vorigen Bild (folgt).

Die typische Kopfbedeckung der Ulanen war im deutschen Reichsheer - wie auch in anderen europäischen Heeren - die Tschapka. Diese geht auf polnische Ursprünge zurück. Der Kopfteil der Tschapka bestand aus gepressten schwarzlackierten Leder, der Vorderschirm war rund. Ein Hinterschirm nicht vorhanden. Auf dem Kopfteil saß ein Aufsatz mit viereckigem Deckel. Auf dem Deckel wurden das Feldzeichen und der ca. 30 cm lange – herab hängende – Parade-Haarbusch, sowie die sogenannte Fangschnur befestigt. Die Fangschnur endigte in zwei Quasten. An dem Aufsatz befestigte man zu Paradezwecken eine Rabatte aus Stoff in der jeweiligen Abzeichenfarbe. Das Kopfteil trug vorne den Helmzierrat, der von Regiment zu Regiment und von Kontingent zu Kontingent unterschiedlich war. Die (gelben) Schuppenketten waren stets gewölbt.   

Pelzmütze mit Kolpak des preußischen Garde-Husaren-Regiments (Potsdam) nach einem Originalstück.

rden. 1914 gab es im deutschen Reichsheer neben dem Leib-Garde-Husaren-Regiment (Potsdam) 20 Linie-Regimenter, davon drei sächsische Einheiten (Nr. 18, 19, 20).

Ab 1850 trugen alle Husaren-Regimenter Pelzmützen, die Garde-Husaren und Husaren-Regiment Nr. 3 waren bereits im Jahre 1843 damit ausgestattet worden. Die bisherigen Flügelmützen wurden an die Landwehr-Kavallerie abgegeben.

Die Pelzmütze der Offiziere des preußischen Garde-Husaren-Regiments bestand aus Opussum, die der Mannschaften aus schwarzem Seehundfell. Der Kolpak war rot. Als Helmwappen wurde von den Offizieren ein weißer Garde-Stern getragen, bei den Mannschaften ein gelber Stern. Um den Stern lief das geprägte Vaterlandsbandeau. Die gelben Rosetten bzw. Schuppenketten waren gewölbt.

Zur Parade schmückte die Pelzmütze bei den den Offizieren ein weißer Reiher-Federbusch mit einer Manschette aus Straußenfedern, der Halter war silbern mit kleinen Ketten.

Der Paradebusch der Unteroffiziere war weiß, das untere Drittel schwarz, der der Mannschaften gänzlich weiß. 

Offizier aus dem 1. Leib-Husaren-Regiments Nr. 1 oder des 2. Leib-Husaren-Regiments Nr. 2.

Die 1. Leib-Husaren wurde am 16.10.1807 errichtet und als Stammtruppenteil galt das Husaren-Regiment v. Prittwitz Nr. 5 . Garnisonen waren (1877) Langfuhr, Osterode und Stargardt.

Die 2. Leib-Husaren wurden dann am 20.12.1808 in Oletzko aus dem vorgenannten Leib-Husaren-Regiment errichtet. Nach Haber (Die Kavallerie des Deutschen Reiches, S. 158) wurde das Regiment aus dem 4. Eskadronen starken 2. Bataillon des 1. Leib-Husaren Regiments errichtet. Die 4. Eskadron wurde aber 1815 zur Errichtung des 8. Husaren-Regiments abgegeben. Garnisonen waren (1877) Posen und Lissa in Posen.

Die Leib-Husaren-Regimenter Nr. 1 und 2 (beide Danzig-Langfuhr) trugen als Besonderheit auf der Pelzmütze einen weiß-metallenen Totenkopf unter dem Devisenband.

Bei den Offizieren war es ein versilberter Totenkopf.

Anmerkungen zum vorigen Bild (folgt).

Die Artillerie erhielt bei Einführung des Waffenrockes auch die Pickelhaube, allerdings zunächst das Modell der Infanterie. Erst im Jahre 1844 wurde die Kugel eingeführt, die zuerst eine längliche Form hatte. Erst Ende der vierziger Jahre wurde diese rund.

Die Feldartillerie trug den den schwarz lackierten Lederhelm mit runden Vorderschrim und gelbem Beschlag und Aufsatzkugel. Der Beschlag war von Messing, bei der Garde ausTombak. In der Regel wurde von den preußischen Formationen der gelbe preußische Wappenadler mit FR getragen. Das Vaterlandbandeau hatte dieser im Jahre 1860 erhalten.

Hier gab es aber eine Reihe von Besonderheiten, so trugen einige Regimenter den Adler mit einem Brustschild und den Buchstaben FWR bzw. Helmbänder. Ab 1895 wurde der um den Spitzenhals laufende Wulst eingeführt.

Französische Tschakos im 19. Jahrhundert. Nach Realien.

Oben rechts: Tschako eines Offiziers vom 7. Garde-Infanterie-Regiment (Schweizer) der Garde du Roi um 1814-16.

Oben links: Tschako der 3e Chasseurs d`Afrique. Um 1850.

Mitte links: Tschako (Modell 1874) für Mannschaften Chasseurs à cheval (Jäger zu Pferde).

Mitte rechts: Tschako (Modell 1874) für Mannschaften im "6e régiment de hussards" (6. Husaren-Regiment).

Ganz unten: Tschako der Ecole Speciale Militaire um 1914.

Schirmmützen und Krätzchen deutscher Soldaten im Ersten Weltkrieg nach originalen Fotografien.

 Mit A.K.O. vom 14.02.1907 (Bekanntgabe am 25.02.1907) wurde in der preußischen Armee die feldgraue Bekleidung nach einer Reihe von Versuchen für die Mannschaften der Fußtruppen eingeführt. Bayern (22.03.2007), Sachsen (21./ 22.03.2007) und Württemberg (23.05.1907) folgten. In erster Linie wurden die Grundfarben der Bekleidung und der Ausrüstung geändert. Aber auch der Schnitt wurde lockerer und bequemer. Die neue Bekleidung war in den Farben feldgrau und graugrün (für Jäger und Schützen) und trat zunächst neben die bisherige bunte Uniformierung. Die ersten Proben wurden im April des Jahres 1907 ausgegeben. Auch die Kavallerie erhielt (später) eine neue Feldbekleidung aus feldgrauem oder graugrünem Tuch. Für die Offiziere wurde die feldgraue Uniform vom 23.02.1910 festgesetzt. Sie hatten Uniformen in gleicher Farbe wie die der Mannschaften zu tragen. Entsprechende Ausführungsbestimmungen datieren vom 18.03.1910.

Die obigen Zeichnungen zeigen Schirmmützen und Krätzchen deutscher Soldaten im Ersten Weltkrieg. Die feldgraue Feldmütze hatte einen farbigen Besatzstreifen, der unterhalb das Grundtuch sichtbar ließ. Der Deckel und die Ränder des Besatzstreifens hatten farbige Vorstöße. Die Feldmütze hatte keinen Schirm. Sie wurde als unpraktisch kritisiert. Für Mannschaften war nur die Feldmütze etatmäßig. Unteroffiziere hatten eine Dienstmütze mit Schirm. Ab 1915 waren auch deren Kinnriemen und Schirm feldgrau. Auch die Offiziere trugen Schirmmützen mit oder ohne Kinnriemen. Es waren Eigentumsstücke.

Deutsche - preußische - Unteroffiziere im vereinfachten Feldrock mit Stahlhelm. 1916/17. Nach zeitgenössischen Fotografien.

Die augenfälligste Veränderung des deutschen Soldaten brachte aber die Einführung des Stahlhelms im Jahre 1916 mit, der die klassische Pickelhaube ablöste.

Anlass für diese Neuerung war die enorme Zahl von Kopfverletzungen z. B. auch durch Granat- oder Steinsplitter. Laut Jürgen Kraus lagen bei den tödlichen Verwundungen die Kopfverletzungen mit fast 50 % an der Spitze.

Ab Sommer 1915 entwickelten zwei bekannte Wissenschaftler einen neuen Helmtyp, der Chirurg Professor Dr. August Bier und der Hauptmann der Artillerie Friedrich Schwerd. Zunächst wurden 400 Versuchshelme produziert, die den ersten Test am 20.11.1915 bestanden.

In einer Sitzung im Kriegsministerium am 23.11.1915 wurde die Einführung des Stahlhelms befürwortet., die Vergabe der ersten Aufträge erfolgte ab April 1916.

Im April wurden die ersten 1,2 Millionen Stahlhelme bestellt.

Im 1. Weltkrieg wurden insgesamt 7,5 Millionen Stahlhelme produziert.

Erst ab Februar 1918 waren die deutschen Truppen ausreichend mit Stahlhelmen ausgestattet und konnten damit auch den jeweiligen Ersatz ausstatten.

Der Helm bestand aus hochwertigen Chrom-Nickel-Stahl. und bot ausreichenden Schutz gegen kleinere Granatsplitter und gegen Schrappnell-Kugeln.

Im Stellungskampf konnte zum Schutz gegen Direktbeschuss durch Infanterie zusätzlich ein Stirnschild (aus Nickel) aufgesetzt werden. 

Die Zahl der ausgelieferten Stirnschilde sollte im Verhältnis zu den ausgelieferten Stahlhelmen ca. 5 % betragen.

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