Eine kleine Geschichte der Uniform - 5. Teil - Die Entwicklung der Uniform vom 17. zum 18. Jahrhundert am Beispiel von Frankreich
In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts entstand in Frankreich eine einheitliche Regierungsgewalt mit absoluter Machtvollkommenheit. Als Kardinal Mazarin am 09.03.1661 starb, erklärte der junge König Ludwig XIV., dass er keinen Nachfolger ernennen und von nun an selbst regieren werde. Er ließ sich aber von dem Geheimen Staatsrat beraten. Die staatliche Macht konzentrierte sich nun gänzlich in der Hand von König Ludwig XIV (05.09.1638 – 01.09.1715). Er gilt als der wichtigste Vertreter des höfischen Absolutismus und wurde zum Vorbild zahlreicher anderer europäischer Herrscher. Vom Gottesgnadentum überzeugt, trat der König prunkvoll auf und beanspruchte nach Überwindung der adligen Fronde als Selbstherrscher die absolute Autorität in allen staatlichen Belangen.
Durch eine aggressive Außenpolitik (Devolutionskrieg 1667–1668, Holländischer Krieg 1672–1678, Pfälzischer Erbfolgekrieg 1688–1697 und Spanischer Erbfolgekrieg 1701–1714) etablierte er Frankreich als europäische Großmacht, baute innenpolitisch das merkantilistische Wirtschaftssystem aus und versuchte die französische katholische Kirche (Staatskirche) dem Einfluss des Papstes in Rom zu entziehen. Durch die Etablierung einer spezialisierten und zentralisierten Bürokratie und einer gelenkten Staatswirtschaft beeinflusste er nachhaltig das gesellschaftliche Gefüge der Ständegesellschaft. Ein oder der wesentliche Stützpfeiler seiner absoluten Macht war das Militär, welches die königliche Souveränität nach außen und nach innen schützte.
Unterstützt von seinen fähigen Kriegsministern Le Tellier (1603-1685) und (dessen Sohn) Marquis de Louvois (1641-1691) entstand nach der weitgehenden Entmachtung der relativ eigenständigen Militärunternehmer bzw. Obristen ein neues stehendes professionelles Heer, welches des „Königs Rock“ trug und zum Symbol des absolut herrschenden Monarchen wurde (siehe hierzu auch: Fuchs, Theodor, Geschichte des europäischen Kriegswesens. Teil II. Von der Aufstellung der ersten stehenden Heere bis zum Aufkommen der modernen Volksheere, München 1974, S. 8 ff. und Fiedler, Siegfried, Grundriss der Militär- und Kriegsgeschichte. Die stehenden Heere im Zeitalter des Absolutismus 1640 -1789, 1972, S. 38 ff. sowie: Vincent Cronin, Der Sonnenkönig, Frankfurt/M., 1979).
Im Jahr 1638 bestand die französische Infanterie aus 36 französischen und 25 Fremdenregimentern (Fuchs, Theodor, Geschichte des europäischen Kriegswesens. Teil II. Von der Aufstellung der ersten stehenden Heere bis zum Aufkommen der modernen Volksheere, München 1974, S. 21).
Als feste Untergliederung des Regiments hatte sich ab 1635 das Bataillon mit einer gleichmäßigen Stärke und Gliederung etabliert.
Um 1670 erfolgte eine Heeresreform unter König Ludwig XIV. Die Anzahl der Infanterie-Regimenter wurde zunächst auf 29 reduziert.
Diese hatten u. A. jeweils 1 Grenadier-Kompanie mit 2 Offizieren und 69 Mann.
Schon 1668 waren in jeder Kompanie 4 Grenadiere sein üblich. Die Grenadiere standen in der Gefechtsordnung auf dem rechten Flügel.
Die Grenadier-Kompanien wurden aus den besten Mannschaften des Regiments zusammen gestellt. Im Jahre 1748 wurden aus sämtlichen Grenadieren 48 Grenadier-Bataillone gebildet, die ein besonderes Korps bildeten = Grenadiers de France.
Im Zeitpunkt des Todes des „Sonnenkönigs“ (01.09.1715) hatte die französische Armee angeblich eine Stärke von 400000 Mann.
Für das Jahr 1756 gibt Mollo (John Mollo/ Malcolm McGregor, Uniformen des Siebenjährigen Kriegs 1756-63, München 1977, S. 34) die Stärke der französischen Armee mit insgesamt 213000 Mann angegeben, davon rechneten 370000 Mann zur Kavallerie. 165000 Mann waren der Infanterie zugehörig, 5400 gehörten zu leichten Einheiten und 5400 zur Artillerie.
Zu diesem Zeitpunkt gab es 80 Infanterie-Regimenter mit unterschiedlicher Stärke, und zwar 12 Einheiten mit 4, 2 Einheiten mit 3, 50 Einheiten mit 2 und 16 Einheiten mit 1 Bataillon.
Nach Müller (O. Müller, Taktik und Organisation der Franzosen 1748 bis 1763, in: Zeitschrift für Heereskunde) gliederte sich die Infanterie in "Französische" und "Fremden-Regimenter". "Ein Regiment unter 1 Oberst hatte 2 bis 4 Bataillone., 1 Bataillon gliederte sich seit 1748 in 13 Kompagnien, von denen 12 aus je 40-Mann bestanden (darin 2 Sergeanten, 3 Korporale, 3 Gefreite, 1 Tambour), während die 13. Kompagnie 45 Grenadiere als Bestand aufwies.
Jede Infanteriekompagnie hatte 1 Kapitän und 1 Leutnant, die Grenadierkompagnie noch 1 Unterleutnant. Das ganze Bataillon war etwa 606 Manns tark. Dazu kam 1 Oberst, Oberstleutnant und 1 Major (seit 1748 hatten die ersten Offiziere keine Kompagnien mehr). Bis zum Jahre 1748 hatte jedes Bataillon 3, nach diesem Jahre aber nur noch 2 Fahnen.
Mehrere Bataillone (etwa 6 Bataillone; die Anzahl wechselte je nach den Umständen) bildeten eine Brigade. Als Division wurde eine einzelne Marschkolonne beim Vormarsch einer Armee in mehreren Kolonnen bezeichnet".
Die französische Armee bestand nach dem auf das Jahr 1779 nachfolgenden Militärischen Almanach aus:
1. Maison du Roi (= königliche Hautruppen)
2. Infanterie
3. Kavallerie/ Dragoner/ Husaren
4. Artillerie-Corps
5. Ingenieur-Corps
6. Provinzial-Truppen und Garnison-Bataillone
Text zu den Haus- und Hoftruppen folgt.
Text zu den Haus- und Hoftruppen folgt.
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1779 bestanden 106 Infanterie-Regimenter. Zu diesem Zeitpunkt existierten an fremden Regimentern 10 schweizerische, 7 deutsche, 3 irländische und 2 italienische Einheiten.
1776 wurde verordnet, dass jedes Regiment aus 2 Bataillonen zu bestehen hatte. Nur das Regiment des Königs hatte 4 Bataillone. Das Bataillon umfasste jeweils 4 Füsilier- und 1 Grenadier-Kompanien. Dazu kam 1 Jäger-Kompanie. Die Füsilier- bzw. Jäger-Kompanien zählten jeweils 121 Mann, die Grenadier-Kompanien jeweils 108 Mann.
Laut Mollo (John Mollo/ Malcolm McGregor, Unformen des Siebenjährigen Kriegs 1756-63, München 1977, S. 138) bestand die französische Kavallerie im Jahre 1756 „aus 61 Regimentern, davon 59 bestehend aus 2 Schwadronen, eines aus drei und die Karabiniers aus 10 Schwadronen. Sie unterschieden sich in die Regimenter des Generalstabs, die königlichen Regimenter und die der Fürsten und Edelleute. Eine Schwadron sich in vier Kompanien mit 8 Offizieren und 140 Soldaten“. Laut der Verordnung von 1776 zählte eine Kavallerie-Regiment 5 Eskadrons, davon 1 Chevaulegers-Eskadron. Ferner gab es noch eine überzählige Eskadron zum Ersatz des Abganges (Escadron auxiliaire). Die Stärke einer Eskadron betrug – unter Berücksichtigung der Offiziere – 174 Mann.
Seit 1667 hatte man die einzelnen vorhandenen Dragoner-Kompanien in Regimenter gegliedert. Bei Ausbruch des Siebenjährigen Krieges gab es 16 solcher Regimenter mit jeweils 16 Kompanien mit jeweils 40 Mann.
Anmerkungen zum vorigen Bild.
Die Einheit war ein sogenanntes Fremden-Regiment. Es war im Jahre 1677 errichtet worden und bestand zunächst ausschließlich aus Schweizern. Im Jahre 1792 wurden die schweizerischen Soldaten entlassen und ausgezahlt. Im napoleonischen Zeitalter handelte es sich um das 76. Linien-Regiment.
Unter König Ludwig XV waren die Husaren nach Mollo (John Mollo/ Malcolm McGregor, Uniformen des Siebenjährigen Kriegs 1756-63, München 1977, S. 164) „ausnahmslos Ausländer“.
Nach 1752 gab es nur noch 7 Husaren-Regimenter, 1776 waren es nur noch 4 Husaren-Regimenter.
Die Artillerie hieß ab 1693 Royal-Artillerie und wurde 1720 neu organisiert. Nun bestand sie aus 5 Bataillonen. Diesen Bataillonen waren spezielle Ausbildungsstätten zugeordnet.
Das Artillerie-Bataillon bestand aus 5 Kompanien Artilleristen, 2 Kompanien Kanoniere und 1 Kompanie Sappeure.
Das Artillerie-Korps gliederte sich nach der Verordnung vom 03.11.1776 in 10 General-Inspektionen, 6 Artillerie-Schulen, 7 Regimentern Artillerie, 6 Kompanien Mineurs, 9 Kompanien Schanzarbeiter (ouvriers), 22 Direktionen und 15 Kriegs-Kommissarien.
Das Ingenieur-Korps bestand aus 329 Offizieren, darunter waren 12 Direktoren.
Die Ingenieurs gliederten sich in 21 Brigaden. Die Direktionen und die Brigaden waren in den Grenz-Provinzen verteilt.
Ferner gab es die Provinzial-Truppen und die Garnison-Bataillone, und zwar 106 Bataillone. Hiervon waren 26 Bataillone in 13 Regimentern organisiert.
Vor 1670 war eine Uniformierung nur in Ansätzen vorhanden, wenn man einmal von den einheitlich und prächtig montierten Haustruppen absieht. So waren die im Jahre 1563 gründeten „Gardes-francaises“ in den Livree-Farben des französischen Königs gekleidet: blau, weiß und rot (siehe die Abbildungen weiter oben).
Die einheitliche militärische Tracht wurde 1670 nun offiziell eingeführt, aber zunächst nur für die Fremdenregimenter, ab 1674 für die gesamte Armee. „Louvois legte großen Wert darauf, dass jeder unnütze Luxus vermieden wurde, und er hatte sich oft mit Regimentsobersten wegen unnützer Litzen und Bortenverzierung auseinanderzusetzen. Worauf er Wert legte war, dass die Uniform aus gutem französischen Tuch war und der Kleidung des Rekruten so ähnlich wie möglich, um Probleme beim Zuschneiden und Anpassen zu vermeiden. Im Oktober 1672 benachrichtigte Louvois die Obersten, dass der König an jeden Soldaten ein „justaucorps“ verteilen wolle – vermutlich aus guten grauen Drogett; damit war der erste Schritt getan „(John Mollo, Die bunte Welt der Uniform. 250 Jahre militärischer Tracht 17. – 20 Jahrhundert, Stuttgart 1972, S. 32).
Die Entwicklung der militärischen und die der zivilen Kleidung gingen ab nun immer mehr eigene Wege.
Aus der Bürgertracht entwickelte sich (nach Geßler, Die Entstehung und Entwicklung der Uniform in der Ciba-Rundschau) in der Uniformgeschichte der dem Körper angepasste Leibrock, welcher mit breiten Ärmeln ausgestattet war. Diese wurden vorn umgekrempelt.
Das Rockfutter wurde durch die Ärmelaufschläge und durch die später (ab 1757) umgeschlagenen Rockschöße sichtbar und hatte stets eine andere Farbe als die Grundfarbe des Leibrockes.
Unter dem eigentlichen Rock wurde eine Weste getragen, auch diese war regelmäßig andersfarbig.
Zu den engen Kniehosen wurden Strümpfe angezogen, die über dem Knie gebunden wurden.
Erst spät – um 1757 – wurden diese durch weiße oder schwarze Gamaschen ersetzt.
Die Hosen wurden ab 1760 durchgängig weiß.
Dazu wurde der breitrandige Hut aus Filz getragen, dessen Ränder zunächst nur an einer Seite hochgeklappt wurden und bordiert waren.
Der Hut erhielt ab 1720 eine einheitlich dreieckige Form (= Dreispitz).
Ab diesem Zeitpunkt wurden am Dreispitz schwarze Kokarden üblich.
Das lang getragene Haar löste die Zopftracht ab.
Ab 1763 trugen die Grenadiere offiziell Pelzmützen (ohne Mützenblech), wurden aber auch schon vorher getragen (John Mollo/ Malcolm McGregor, Uniformen des Siebenjährigen Kriegs 1756-63, München 1977, S. 141). Zusätzliche Abzeichen der Grenadiere waren rote Säbelquaste und rote Granaten in den Schoßumschlägen.
Ab 1779 wurden die Schoßumschläge des Leibrockes der Füsiliere mit Lilien versehen.
Legende zum obigen Bild.
Oben links: Flügelmütze eines Husaren um 1785.
Oben rechts: Dragonerhelm (Offizier) um 1785.
Mitte rechts: Dreispitz eines Kavalleristen um 1760.
Mitte links: Offiziers-Epaulette 1760.
Unten: Vorderschild einer Grenadiermütze eines Offiziers. Um 1774 - 94.
Die zunächst graue bzw. grau-braune Farbe des Leibrockes aus Naturwolle wandelte sich im Laufe der Zeit zur für die französische Infanterie des Ancien Régime typischen weißen Grundfarbe. Dies wird bereits für die Zeit ab 1715 berichtet. Ab 1744 hatte sich die weiße Grundfarbe durchgesetzt. Es galt aber nur für die national-französischen Einheiten.
Für die Fremdenregimenter blieben andere Grundfarben charakteristisch, und zwar rot für die Schweizer-Regimenter, blau für die deutschen, rot für die irischen und blau (?) für die italienischen Regimenter.
Laut Jany (Derselbe, Geschichte der Preußischen Armee vom 15. Jahrhundert bis 1914, Bd. I, S. 340) ging die Uniformierung der französischen Armee von den Fremdenregimentern aus.
Den lange der bürgerlichen Kleidung folgende Leibrock schmückten zur Unterscheidung verschiedenfarbige Abzeichen, um die Regimenter unterscheiden zu können. Königliche Regimenter hatten blaue und prinzliche Regimenter rote Abzeichen.
Die Ausstattung mit Messing- oder Zinkknöpfen, die unterschiedliche Verteilung der Knöpfe, einzeln, paarweise oder in Dreiergruppen und die Platzierung der Taschenpatten – senkrecht oder waagerecht – ermöglichten zusätzlich eine Differenzierung der verschiedenen Uniformen der Regimenter.
Rabatten waren eher selten bzw. fanden sich bei den Fremden-Regimentern, z. B. bei dem Infanterie-Régiment allemand d`Anhalt oder dem Régiment allemand Royal-Deux-Ponts (siehe Rigo, Le plumet, Tafeln AR 50 und AR 16). Aber auch die „Grenadiers de France“ trugen königsblaue Röcke mit roten Rabatten, die Knopflöcher hatten weiße Litzen (Rigo, Le plumet, AR 21).
Auch die Weste war in der Regel andersfarbig.
Ab 1740 kamen Kragen in der jeweiligen Abzeichenfarbe auf.
Der Schnitt des Leibrockes wurde nach 1763 knapper gehalten, wohl nach preußischem Vorbild. In diesem Zusammenhang ist insbesondere die Reform der Uniformierung der französischen Armee im Jahre 1776 zu nennen (vgl. hierzu: Ströhr, Uniformierung der französischen Armee von 1776 bis gegen 1781, in: Mittheilungen zur Geschichte der militärischen Tracht. Als Beilage zu seiner Uniformkunde).
Eingeführt wurde die „habit-veste“. Dieser Waffenrock war knapper im Schnitt und konnte bei Bedarf von oben bis unten geschlossen werden. Die Grundfarbe desselben war für die national-französischen Infanterie-Regimenter weiß, ebenso für die – ab 1778 - Grenadiers-royaux und für die Provinzialtruppen. Letztere waren 1775 aufgehoben und 1778 (20.01.) wieder eingeführt worden. Die Schweizer und die Irländer (66, 67, 68, 72, 79, 88, 89, 90, 91, 95, 99, 102 und 105) trugen krapprote Waffenröcke, bei den Deutschen, Italienern und Korsen (54, 63, 65, 80, 92, 100, 101, 103 und 104) war dessen Grundfarbe himmelblau. Die korsische Miliz war – im korsischen Schnitt – braun uniformiert. Das corps royale de l`infanterie de marine, die Artillerie, die cannoniers garde-cotes und Mineurs, die Kavallerie, die Ingenieurs, die Landpolizei (maréchaussée) und die Invaliden hatten Waffenröcke in der Farbe königsblau, die der Dragoner war dunkelgrün.
Die „habit-veste“ hatte eine einen schmalen Umlegekragen, dessen Farbe nicht der der sonstigen Abzeichen folgte bzw. davon unabhängig war (Näheres dazu bei Ströhr, S. 15 – 16). Beim Infanterie-Regiment Nr. Nr. 72 und 89 waren die Abzeichen weiß vorgestoßen, bei den Provinzialtruppen und den „grenadiers-royaux“ war der Vorstoß königsblau und bei den Ingenieurs scharlachrot.
Die Knöpfe waren aus gelbem oder weißem Metall. Die Knöpfe hatten bei den einigen Regimentern eine Prägung mit dem Wappen des Regiments-Inhabers, z. B. bei den erblichen Regimentern der Prinzen.
In den Ecken der Schoßumschläge waren bei den Grenadieren und Bombardieren der Marine eine Granate angebracht. Bei den Kanonieren der Marine war es ein Kanonenrohr, im Übrigen die Lilie. Die Farbe dieser Abzeichen entsprach der Grundfarbe des Waffenrockes, außer bei der Marine-Infanterie, hier hatte man die Farbe des Kragens gewählt.
Als Kopfbedeckung diente nach wie vor der Dreispitz mit schwarzer Bordierung. Diese durfte nur aus Samt sein.
Die Offiziere des Ingenieurs-Corps hatten Goldborten.
Der zunächst als Schmuck getragene dreifach-geteilte Federbusch wurde zum Pompon-Plumet.
Zur Ausstattung eines Fußsoldaten gehörte auch ein Mantel mit Kragen, Ärmelaufschlägen und Knöpfen (Überrock = redingrote) in der Farbe des Uniformrockes.
Unteroffiziere erkannte man an einem goldenen oder silbernen Besatz mit Schlaufen oder an einem sonstigen Gold- oder Silberbesatz an den Ärmelaufschlägen.
Außerdem trugen sie eine Stangenwaffe (Kurzgewehr)
Laut Mollo (John Mollo/ Malcolm McGregor, Uniformen des Siebenjährigen Kriegs 1756-63, München 1977, S. 34) „war es nicht unbedingt erforderlich, aus Adelskreisen zu stammen, doch hatten die meisten Offiziere blaues Blut. Es lag jedoch einem fähigen Offizier nichts im Wege, eine Kompanie zu kaufen und auf diese Weise zum Oberstleutnant oder mehr zu avancieren. Im Jahre 1734 waren von zehn neuernannten Stabsoffizieren drei grand seigneurs, fünf kamen aus dem Landadel und zwei waren von niedrigerer Herkunft. Tatsache war, dass die Zahl nicht-adliger Offiziere in der französischen Armee nach 1748, etwa 4000, das Edikt von Fontainebleau vom November 1750 notwendig machte, wodurch in gewissen Fällen diese Bürgerlichen persönlich oder erbmäßig in den Adelsstand erhoben wurden“. Bei Bluche (Francois Bluche, Frankreich zur Zeit Ludwig XVI. Leben und Kultur an Vorabend der Revolution, Stuttgart 1989, S. 255 ff.) ist über die Entwicklung der Zusammensetzung des französischen Offizierkorps das Nachfolgende zu lesen: „Die Kriegsminister Saint—Germain und später der Maréchal de Ségur setzten sich über all diese althergebrachten Gewohnheiten, bei denen jede gesellschaftliche Gruppe auf ihre Kosten kam und die somit ein wichtiger Faktor gegenseitiger Verständigung waren, völlig hinweg; der erstere, weil er die Klasse der Landjunker begünstigen wollte, aus der er selbst stammte; der zweite – wie sein Sohn später behauptete – zugunsten der ihn unterstützenden Partei entschied. Im Mai 1777 verkündete der Comte de Saint-Germain einen seiner 98 Reformerlasse, auf die er es in den 18 Monaten seiner Amtszeit brachte: er verschärfte die Aufnahmebedingungen von Mézières. Von nun an war jeder Bewerber „gehalten, zuvörderst nachzuweisen … dass er von adliger Geburt oder Sohn eines höherrangigen Offiziers sein; nämlich eines Obersten, eines Oberstleutnants, eines Majors oder aber wenigstens eines Hauptmanns und Ritter des Ordens Saint-Louis“. Diese Politik bedeutete jedoch nicht, dass die adlige Herkunft allein schon für die Aufnahme ausreichte; denn die Aufnahmeprüfungen von Mézières zwangen die Adligen, die in das königlich Ingenieurkorps eintreten wollten, sich zuvor umfassende mathematische Kenntnisse anzueignen. Diese Aufnahmeprüfungen, bei denen der Mathematiker Gaspard Monge die Kandidaten prüfte, wiesen schon voraus auf die Schwierigkeiten der späteren Eingangsprüfungen der vor 1794 gegründeten École polytechnique, deren Mitbegründer Monge war. In Frankreich war jedoch der von seiner militärischen Berufung überzeugte und engagierte Bürgerliche schon immer ein Element der Erneuerung in der Armee gewesen. Dies wurde nun aufgrund der neuen Verordnung in gefährlicher Weise unterbunden. Der berühmt-berüchtigte königliche Erlass vom 22. Mai 1781 führte dann diese Art von Laufbahnbeschränkung überall verbindlich ein…. Man Saint-Louis – die den Adelsnachweis ja bekanntlich nicht erbringen mussten -, so bliebe noch herauszufinden, unter welchen Bedingungen die restliche 1400 in diesem Zeitraum Offiziere werden konnten. Man kann dazu folgende Überlegungen und Berechnungen anstellen: Die Hofgenealogen Chérin und Berthier haben in diesem Zeitraum 2000 Adelsnachweise ausgestellt, jedoch betreffen diese häufig Kinder so niedrigen Alters, dass diese kaum vor Ausbruch der Revolution in der Lage gewesen sein können, schon in den Militärdienst einzutreten. Nimmt man also an, dass die Hälfte – etwa 1000 – der von Chérin und Berthier ausgestellten Adelszeugnisse zum Eintritt in die Offzierslaufbahn verholfen haben, so wären von den oben genannten 1400 Offizieren etwa 400 Bürgerliche gewesen. Berücksichtigt man nun des Weiteren, dass von den 500 Söhnen von Rittern des Ordens Saint-Louis wahrscheinlich nur 300 wirkliche Adlige waren und die restlichen 200 ebenfalls Bürgerliche, die sich nur als Adlige ausgaben, dann hätten es alles in allem 600 Bürgerliche geschafft, den bürgerfeindlichen Erlass von 1781 zu unterlaufen, also 20 Prozent der neuernannten jungen Offiziere. So schuf diese ungeschickte Maßnahme keine Abhilfe bei den Missständen, über die sich der verarmte Adel beschwert hatte, vergiftete aber die Beziehungen des Adels zu einer bestimmten Schicht des Bürgertums und bewirkte vor allem, dass jungen vielversprechenden Unteroffizieren (bas officiers) jede Hoffnung auf einen angemessenen Aufstieg in die Offizierslaufbahn genommen wurde. Manche von ihnen stiegen später, begünstigt durch die revolutionären Ereignisse, zu Generälen auf“.
Der Offizierstand setzte im Ancien Regime im Grunde den erblichen Kriegerstand des Rittertums fort, allerdings waren die Offiziere einer strengen Disziplin unterworfen. Charakteristisch war ein ausgeprägter Ehrenkodex. Dies hatte aber Folgen. „Das gesteigerte Ehrgefühl der Offiziere war Anlass zu unzähligen Duellen, weil diesem trotz aller „Preziosität“ (des damaligen modischen gezierten Verhaltens“) doch recht wilden Adel Ehre und Ruhm über alles gingen. Die schärfsten Strafen, die jedem Duell bald folgten, vermochten diesem Übel kaum Einhalt zu gebieten. Selbst Schlachten sah man ja noch wie Duelle der Feldherren an ….“ (Fuchs, Theodor, Geschichte des europäischen Kriegswesens. Teil II. Von der Aufstellung der ersten stehenden Heere bis zum Bei Aufkommen der modernen Volksheere, München 1974, S. 17). Bluche (Francois Bluche, Frankreich zur Zeit Ludwig XVI. Leben und Kultur an Vorabend der Revolution, Stuttgart 1989, S. 253) berichtet über Konflikte zwischen Offizieren und Bürgerlichen aus dem Jahre 1780 und schreibt kritisch: „“Sie waren so beschrieb sie (Anmerkung: die Offiziere) ein Zeitgenosse im Jahre 1788, wie „hübsche Puppen, wohlfrisiert, gepudert und parfümiert, die es beim Tanzen mit einem Vestris (einem berühmten Tänzer der Zeit) hätten aufnehmen können. In die Sonne gingen sie nur mit einem Sonnenschirm, und bekamen sie einmal nasse Füße, so hatten sie gleich einen Schnupfen“. Manche frönten zu ihrer Zerstreuung der Spielleidenschaft, einer in Frankreich weit verbreiteten Unsitte, und wieder andere fanden ihr Vergnügen beim Duell, einem spezifisch militärischen Übel ….“.
Erst 1729 wurde die Uniformierung der Offiziere geregelt. Bisher war eine offizielle Vorgabe der Kleidung der zumeist adligen Offiziere undenkbar. Deshalb behalf man sich in Frankreich (und auch in Spanien) mit dem Tappert bzw. der Casaque, der bzw. die über dem Rock getragen wurde und z. B. königliche Symbole (Kreuz mit Lilien und Flammenzungen (in Frankreich) oder das Königswappen (in Spanien) zeigte. Es war eine Art Ober-Rock.
Vor allem bestand das Bestreben, die Uniform der Offiziere der der Gemeinen anzugleichen. Offiziere trugen ursprünglich oft Uniformen in den Farben der Abzeichen des jeweiligen Regimentes, also in gewechselten Farben.
Ab 1759 wurden Epauletten eingeführt, die als Rangabzeichen diente. Es trugen nach Knötel (Handbuch der Uniformkunde. Die militärische Tracht in ihrer Entwicklung bis zu Gegenwart, Hamburg 1937, Nachdruck 1969, S. 157):
Oberst – 2 Epauletten mit reichem Fransenbesatz
Oberstleutnant – 1 Epaulette links
Major – 2 Epauletten mit weniger reichem Fransenbesatz
Hauptmann – 1 Epaulette mit weniger reichem Fransenbesatz
Leutnant/ Unterleutnant – 1 Epauletten mit rautenförmigen Mustern und Fransen mit Siede gemischt
Ab 1762 trugen die Offiziere vergoldete Ringkragen.
Die am Bandelier einzeln befestigten Ladungen verschwanden und wurde durch die Kartusche ersetzt.
Ab 1666 wurde ein einheitliches Kaliber üblich. 20 Kugeln kamen auf ein Pfund.
Subaltern-Offiziere führten vorzugsweise eine Bajonett-Flinte mit sich und nicht das Sponton.
Zur Ausrüstung des Soldaten gehörte auch ein Tornister aus Hunde- oder Ziegenfell, der den Ranzen aus Zwillich ablöste. „Den Tornister aus festem, wasserdicht impräginiertem Leinen, der mit einer Kordel wie ein Seesack zugezogen werden konnte, hängte man über die Schulter. Eine Wasserflasche vervollständigte die persönliche Ausrüstung eines Soldaten. Im Tragen der 10 Werkzeuge, 13 Kochgeschirre, 5 Zelte und dem Brotvorrat für vier Tage wechselten sich alle 36 Mann Kompanie ab“ (John Mollo/ Malcolm McGregor, Uniformen des Siebenjährigen Kriegs 1756-63, München 1977, S. 141).
Die Bandeliers für die Kartusche und den Säbel bzw. Degen wurden ursprünglich kreuzweise getragen. Später kam der Leibriemen auf. An diesem wurde der Säbel bzw. Degen befestigt. Das Koppel für den Säbel bzw. Degen wurde vor 1756 meist über den Waffenrock getragen. Das Unterschnallen – über der Weste – wurde erst später üblich. Nur wenn der Waffenrock – z. B. bei schlechter Witterung – geschlossen wurde, schnallte man das Koppel wieder über. Für die ganze Armee war ein handbreiter weißer Gürtel über der geschlossenen „habit-veste“ vorgeschrieben, nur die Husaren trugen eine Schärpe.
„Eine im Jahre 1750 ergangene Verordnung brachte eine wesentliche Vereinfachung der Kavallerieuniformen. Alle Soldaten sollten sogenannten „Bavaroises Allemandes“ bekommen, Uniformröcke mit Aufschlägen, die bis zum Saum hinunter gingen, eine kurze lederne, naturfarbene Weste mit Ärmeln à la Prussienne mit Schmalen, roten Manschetten, sowie lederne Kniehosen. Die Hutlitze sollte silbernfarben sein. Die Regimenter unterschieden sich in der Farbe der Uniformröcke und der Aufschläge, die Art der für Schulterklappen verwendeten Litze, in den Schulterverzierungen am Mantel und an den Schabracken und schließlich in den Knöpfen. Diese Uniformität erfreute sich keiner großen Beliebtheit und es dauerte nicht lange, bis die Regimenter der Fürsten und Edelleute von diesen Vorschriften wieder abgingen“ (John Mollo/ Malcolm McGregor, Unformen des Siebenjährigen Kriegs 1756-63, München 1977, S. 139).
In ihrer Uniformierung waren die Dragoner der der Infanterie sehr ähnlich, letztlich waren sie ja auch als berittene Infanterie entstanden. Ihre Uniformen hatte aber grundsätzlich eine rote Grundfarbe. Nur die königlichen Dragoner-Regimenter trugen eine blaue Uniform. Anstatt der Stiefel wurden aber Gamaschen mit aufgeschnallten Sporen getragen. Diese seit 1750 eingeführten „bottines“ legten alle Ränge an. Außerdem waren Schulterschnüre üblich. Da die üblichen Hüte beim Umhängen und wieder Abnehmen der Muskete hinderlich waren, wurden Zipfelmützen bevorzugt, die aus der Lagermütze entstanden waren (Preben Kannik, Uniformen in Farben, Berlin 1967, S. 147). Die Knopflöcher waren mit Litzen eingefasst.
Als Bewaffnung dienten den Dragonern eine Muskete mit Bajonett, eine Pistole und ein Degen (John Mollo/ Malcolm McGregor, Unformen des Siebenjährigen Kriegs 1756-63, München 1977, S. 204).
Später wurden für die Dragoner klassizistische Kammhelme charakteristisch, die auf Vorbilder der bekannten Voluntaires des Saxe zurückgingen.
Kapitän der Dragoner. Zeitgenössisches Gemälde. Entnommen aus: Géneral Weygand, Histoire De L´Armée Francaise, 1953, S. 174.
Die Kavallerie und die Dragoner hatten lichtgraue Mäntel, die einen bläulichen Stich in der Farbe aufwiesen. Die Husaren hatten grüne Mäntel.
Unter König Ludwig XV waren die Husaren nach Mollo (John Mollo/ Malcolm McGregor, Unformen des Siebenjährigen Kriegs 1756-63, München 1977, S. 164) „ausnahmslos Ausländer“. Nach 1752 gab es nur noch 7 Husaren-Regimenter, 1776 waren es nur noch 4 Husaren-Regimenter.
Die Husarenuniform blieb (nach 1776) als Montierung mit der typischen Verschnürung erhalten. Die Grundfarben der 4 verbliebenen Regimenter waren:
Husaren-Regiment Berchényi himmelblau
Husaren-Regiment Chamborant kastanienbraun
Husaren-Regiment Conflans grasgrün
Husaren-Regiment Esterhazy silbergrau.
Die Uniformierung der Militärmusiker (Trommler und Pfeifer) wurde überwiegend vom Regimentsinhaber bestimmt. Die Tambours hatten königsblaue Uniformröcke mit rot-weißen Litzen.
Die relativ schwere Trommel schmückte meist das aufgemalte französische Nationalwappen.
Die Uniform der Artillerie war in den Farben Blau und Rot uniformiert. Die Artilleristen waren im Übrigen wie die Infanteristen bewaffnet und ausgerüstet. Am Geschütz wurde die Ausrüstung abgelegt.
Die Gewehre wurden bis 1716 durch die Chefs der Kompanien beschafft. Danach wurde die Beschaffung aus bestimmten genau benannten Fabriken vorgeschrieben.
Die in der französischen Armee benutzte Muskete war ein Modell aus dem Jahr 1728. Dieses Modell wurde 1746 und noch einmal 1754 überarbeitet. In der Kartusche des Füsiliers befanden sich 19 Ladungen, ferner gehörte eine Pulverflasche zur Ausrüstung.
„Für die Ausbildung im Schießen geschah sehr wenig“ (Bewaffnung und Schießdienst der altfranzösischen Infanterie. Jahrbuch für Armee und Marine, 1898, S. 222).
Das Tüllen- bzw. Dillen-Bajonett löste um 1703 das Spundbajonett ab. Nun konnte die Stichwaffe an der Schusswaffe befestigt werden, ohne dass das Abfeuern der Kugeln verhindert wurde.
Französische Infanterie nach dem Reglement vom 01.10.1786. Tabellen aus dem Archiv Dr. Klietmann (+), vom Verfasser in großen Teilen übernommen.
Die französische Arme im Jahre 1761. Originale Schwarz-Fotos von einem Manuskript im ehemaligen Zeughaus in Berlin (Auswahl). Die Fotos stammen wohl aus den dreißiger Jahren.
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Manuscrit du Bourgeois de Hambourg. Reproduktion (Faksimiles) aus dem Jahre 1902 (Paris). I. Teil.
Französische Uniformen des 2. Kaiserreichs in originalen Lithographien von François Hippolyte Lalaisse